Aus dem Journal des Vorstands August 2026

Veröffentlicht von Peter Börner am

Sommerzeit. Ferienzeit. Reisezeit. Und es gibt so wundervolle Reiseziele in Schlesien! Die Heimatgruppe erhielt von Herrn Mirecki, unserem langjährigen Bunzlauer Ansprechpartner, eine bebilderte  Reiseempfehlung, die wir gern an Sie, liebe Heimatfreunde und besonders an Ihre jüngeren Angehörigen, weitergeben: Es geht um Krummhübel (polnisch Karpacz), den berühmten Luftkurort unterhalb der Schneekoppe, und der ist neuerdings wieder bequem von Deutschland aus mit der Bahn erreichbar!

Die Strecke war bereits 1934 elektrifiziert worden. Nach dem Abbau der Anlagen durch die Sowjets verkehrten Dampfloks, und seit vorigem Jahr führen hochmoderne Dieselzüge die Touristen zum stilvoll renovierten Bahnhof von Krummhübel. Fahrkarten unter www.kolejedolnośląskie.pl .

Man kann sich aber auch einen bleibenden Eindruck vom Riesengebirge ins Haus holen. Der Heimatgruppe wurde jetzt aus einem Nachlass ein stimmungsvoller Blick auf die Schneegruben von Arthur Linke, unserem Bunzlauer „Linke Maler“, zum Verkauf angeboten. Größe 50 cm x 60 cm, mit Rahmen   61 cm x 71 cm. Verhandlungsbasis 180 €. Wir vermitteln dieses Bild auf Wunsch. Es ist bestimmt ein schönes heimatliches Geschenk.

Ganz andere Bilder, Porträtfotos mit kurzen biografischen Erläuterungen, zeigt eine Wuppertaler Künstlervereinigung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Verständnis für junge Leute zu wecken, die in den letzten Jahren als Flüchtlinge nach Deutschland gelangt sind. Das für uns Schlesier Besondere: Sie kamen tatsächlich auf die Idee, den von ihnen dokumentierten ausländischen Kindern und Jugendlichen das Schicksal der damals, 1945/6, zum Heimatverlust gezwungenen deutschen jungen Kindern und Jugendlichen gegenüberzustellen!

So fanden sich am 2. Juli am Wohnzimmertisch von Peter Börner, vermittelt durch die Landsmannschaft Schlesien, eine Interviewerin und eine Fotografin ein. Vieles an unserer Flucht- und Vertreibungs- und Ankommensgeschichte war den Gästen unbekannt. Sie haben es mit echter Anteilnahme aufgenommen und wollen es in ihre Wanderausstellung einbeziehen. Man darf gespannt sein, was sie daraus machen.  

Genau dieses Thema „(M)eine schlesische Kindheit in den Jahren 1944 bis 1949 – im Deutschen Reich, in der Russen- und Polenzeit und im verbliebenen Westteil Deutschlands“ – soll demnächst im Mittelpunkt einer Veranstaltung von Frau Gisela Scholl-Wegner stehen, der rührigen Vorsitzenden der Schlesier in Leverkusen. Termin: 10. September 15 Uhr. Haus Ratibor Küppersteger Str. 56.

Aber auch aus dem weiteren Umkreis der Bundesheimatgruppe Bunzlau sind zum Glück Aktivitäten zu melden, an erster Stelle bei Dietmar Plate. Er schreibt uns u.a.:  „Meine Dokumentation über die jüdische Gemeinde in Bunzlau ist weitestgehend abgeschlossen. Das werden dann ungefähr 460 Seiten sein mit ca. 350 Abbildungen. – Ein schon länger bearbeitetes Projekt ist mein Biographien-Verzeichnis. Auch das wird in den nächsten vier Wochen fürs erste fertig sein. Es umfasst im Moment ungefähr 1450 Seiten mit über 2600 Einträgen und 550 Bildern. – Meine Bunzlauer Einwohnerliste habe ich ebenfalls fürs erste abgeschlossen. Es handelt sich um etwa 16.000 Namenseinträge von Personen nach dem Erscheinen des Bunzlauer Adressbuchs von 1935. Das Ganze umfasst etwa 330 Seiten.“

Zum Kreis Bunzlau hat Heimatfreund Otmar Hersel neue Dokumente erschlossen. Zuletzt untersuchte er den Zustand von Industriebetrieben im Jahr 1945/6: Sie zeigen exemplarisch „die ganze Spannbreite der Nachkriegsgeschichte Schlesiens: Siegersdorf: Symbol für totale Vernichtung […] . Ullersdorf: Beispiel für Reparatur, Weiterführung und erstaunliche Langlebigkeit – über 75 Jahre nach 1945.“

Für Kreis und Stadt Bunzlau haben Hersels Untersuchungen nicht nur lokal- und industriegeschichtliche Bedeutung. Sie sind eine wichtige Ergänzung unserer Erkenntnisse zu den tragischen Ereignissen von 1946. Denn zu den falschen Anschuldigungen des polnischen Geheimdienstes UB, denen neben erdachten Rädelsführern ganz junge Leute aus Stadt und Kreis zum Opfer fielen, gehörte auch die Behauptung einer Brandstiftung der Siegersdorfer Werke durch die angebliche deutsche Untergrundorganisation „Freies Deutschland. Auf Drängen der Heimatgruppe kam es 2010 zu einer amtlichen polnischen Teilrehabilitierung von vier Überlebenden. Eine gründliche wissenschaftliche Aufarbeitung des Gesamtgeschehens auf seiten der deutschen Geschichtswissenschaft steht aus. Mangels Interesses – trotz mehrfacher Anfragen. Die Bundesheimatgruppe, mit deren schwieriger Abwicklung als e.V. sich Joachim Wiesner z.Zt. befasst, und erst recht der heutige Freundeskreis Bunzlau ist mit dieser Aufgabe überfordert. Das bedauert Ihr /euer Peter Börner.