Gedenk-Andacht in St. Servatius (Siegburg) am 28. Juni 2026 anlässlich des 80. Todestages von Pfarrer Paul Sauer

Veröffentlicht von Peter Börner am

Ablauf

  • Begrüßung durch Herrn Pfarrer i.R. Peter Weiffen
  • Gebet: Der Herr ist mein Hirte
  • Ansprache: Warum diese Gedächtnisfeier?
  • Gang zum Gedenkstein
  • Niederlegung eines Blumengestecks der Bundesheimatgruppe Bunzlau
  • Vaterunser
  • Segnung
  • Schlusslied: Nun danket all und bringet Ehr

Ansprache Peter Börner

Ich möchte mit einem Dankeschön beginnen.

Der Pfarrei St. Servatius und vor allem Ihnen, lieber Herr Pfarrer Weiffen, danke ich, dass sie die Anregung der Bundesheimatgruppe Bunzlau in Siegburg aufgenommen haben, in dieser Woche mit uns in besonderer Weise des Bunzlauer Pfarrers Paul Sauer zu gedenken.

Ich danke aber auch Ihnen, verehrte Gemeinde, danken, dass Sie bereit sind, jetzt nach der Messe noch ein zeitlang zu bleiben und mit uns Bunzlauern die Erinnerung an diesen ganz besonderen Menschen und Geistlichen  zu teilen.

Warum dieses Gedenken?

Ich sehe zwei Gründe, der eine bezieht sich direkt auf unsere Gegenwart:

  • Immer wieder ist in den Medien vom Versagen katholischer Geistlicher die Rede. Gänzlich unerwähnt bleibt dabei oft, dass es zu allen Zeiten vorbildliche, ja bewundernswerte Priester gab und gibt, in denen der Geist Christi und die Sendung der Kirche hell aufleuchten. Einer von ihnen war Pfarrer Paul Sauer.

Ich habe mich über Jahre hinweg intensiv mit seinem Leben und seiner Person befasst und möchte Sie einladen, mich bei einigen Stationen seines Lebensweges zu begleiten.

  • Es gibt auch einen äußeren Grund, der mehr als nur äußerlich ist:

In dieser Woche ist es genau 80 Jahre her, dass Pfarrer Sauer zu Tode kam. Rückblickend stehen wir damit im Jahr 1946. Jenes Jahr 1946 wurde nicht nur für ihn, sondern für Millionen Deutsche zu einem einschneidenden Schicksalsjahr. Damals rollten die Güterzüge, die Millionen von Schlesiern und Sudetendeutschen auf Geheiß der polnischen und der tschechischen Regierung in Absprache den Siegermächten in den verbliebenen Teil Deutschlands verfrachtet haben. Es waren ja nicht alle geflohen, und viele waren bei Kriegsende zurückgekehrt, so auch meine Familie. Andere waren bewusst geblieben. Unter ihnen Pfarrer Sauer – getreu seinem Primiz-Spruch, einem Wort Papst Gregors des Großen, das sich in seinem Leben wunderbar erfüllen sollte: Betet, Gläubige, für uns Priester, dass wir segensreich zu wirken vermögen.

Einige Streiflichter auf sein Leben:

PAUL SAUER wurde am 26. September 1892 in einer tiefreligiösen und ungewöhnlich musikalischen Bauernfamilie in Bielitz (Oberschlesien) geboren. Nach Theologiestudium in Breslau und Teilnahme am I. Weltkrieg, in dem er verwundet wurde, erhielt er 1921 im Breslauer Dom von Kardinal Bertram die Priesterweihe. Er war bis 1926 Kaplan in Görlitz an der Kirche St. Jakobus, der heutigen Bischofskirche, von 1930 -1938 Pfarrer in Spremberg /Niederlausitz und ab Oktober 1938 Stadtpfarrer im Bunzlau an der Kirche St. Maria und Nikolaus.

Die Einwohner Bunzlaus waren in deutscher Zeit zu 90% evangelisch. Aber Paul Sauer war schon damals ein Ökumeniker des Herzens und der Tat.  Man sah ihn mit seinem Cello quer durch die Stadt gehen, um bei Kirchenkonzerten in der evangelischen Kirche mitzuwirken, und gemeinsam mit dem Bunzlauer Musiklehrer Werner Gneist, dem wir den Kanon viel Glück und viel Segen verdanken, und einem evangelischen Pastor traf man sich zu Kammerkonzertabenden. An Weihnachten besuchte die evangelische Pfarrersfamilie geschlossen den katholischen Weihnachtsgottesdienst bei Pfarrer Sauer. – Als nach Kriegsende zunächst keine evangelischen Geistlichen da waren, lud er nicht nur die Protestanten in die Hl. Messe ein, sondern hielt sogar evangelische Gottesdienste im Pfarrsaal der evangelischen Gemeinde und erteilte Konfirmanden-Unterricht!

Bemerkenswert auch sein mutiges Verhalten in der NS-Zeit. Wegen „staatsabträglicher Bemerkungen“ beim Verlesen eines Hirtenbriefs kam er 1942 für drei Wochen in „U-Haft“. – Ausländischen Zwangsarbeitern ermöglichte er auf ihre Bitte hin entgegen den damaligen Vorschriften die Teilnahme an Sonntagabendmessen.

Eine ganz neue Phase der Bewährung begann im Februar 1945. Pfarrer Sauer schützte beim Einmarsch der Russen die Kirche vor mutwilliger Zerstörung, gab verfolgten Frauen Zuflucht im Pfarrhaus und war ein unermüdlicher Seelsorger für alle damals in Bunzlau lebende Menschen, die nicht geflohenen oder zurückgekehrten Deutschen, katholisch oder evangelisch, die noch nicht repatriierten Ausländer, die neu eintreffenden Polen.

Die letzte und schwerste Bewährung kam 1946. Pfarrer Sauer hatte an der „Caritas-Post“ mitgewirkt, einem unerlaubten Postdienst für Deutsche, die den Kontakt mit ihren geflohenen oder vertriebenen Angehörigen suchten.

Am 30. April wurde er deshalb verhaftet und in das berüchtigte Gefängnis des polnischen Geheimdienstes UB in der Bunzlauer Luther-Straße eingeliefert. Man beschuldigte ihn, ein Rädelsführer einer angeblichen Untergrundorganisation „Freies Deutschland“ zu sein. Wie alle anderen Gefangenen wurde er brutal misshandelt. Dennoch hielt er in den ersten Wochen seiner Haft von seiner Zelle aus improvisierte Andachten für die Mitgefangenen: Gefangenen-Seelsorge eines gefangenen Seelsorgers! Am 24. Juni 1946, nur wenige Tage nach seinem Silbernen Priesterjubiläum, erlag er den schweren Misshandlungen.

Nachwirkung

Die deutschen Bunzlauer haben ihn nicht vergessen. 1988 errichtete man in Abstimmung mit der Pfarrei einen Gedenkstein für ihn neben der St. Servatius-Kirche. Im Jahr 2004 fand im heutigen  Bunzlau (Bolesławiec) auf Anregung der Bundesheimatgruppe eine internationale Tagung über Pfarrer Sauer statt. Sein Grab auf dem Bunzlauer Kommunalfriedhof wird von einer polnischen Familie gepflegt. 2014 konnte auf dem Gelände seines Leidens eine Gedenk-Stele errichtet werden. Die Aufschrift erinnert nicht nur an seine Musikalität und an seine ökumenische Wirksamkeit. Denn Pfarrer Paul Sauer war viel mehr als das:

ER WAR EIN SEELSORGER, DER IN EINER SEHR SCHWIERIGEN SITUATION UNTER EINSATZ SEINES LEBENS SEINE PRIESTERLICHE AUFGABE WAHRGENOMMEN HAT, UNGEACHTET VON KONFESSION ODER NATION.

ER HAT RESPEKT, JA VEREHRUNG VERDIENT.

Als Zeichen unserer Verehrung laden wir Sie ein, mit uns jetzt hinaus zum Gedenkstein zu gehen. Dort werden wir in der Erinnerung an Pfarrer Sauer im Gebet ein wenig verweilen, und ich werde im Namen der Bundesheimatgruppe Bunzlau – und vielleicht auch in Ihrem Namen – ein Blumengebinde am Gedenkstein niederlegen.

Bilder aus dieser Andacht

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