Aus dem Journal des Vorstands  Oktober-Ausgabe 2026

Veröffentlicht von Peter Börner am

In letzter Zeit weckten zwei Nachrichten aus Bunzlau unser besonderes Interesse. Wir erfuhren: Die Zahn‘schen Schulanstalten – heute I LO ; die Abkürzung steht für „Erstes Allgemeinbildendes Lizeum“ – feiern am 2. und 3. Oktober das 80jähriges Schuljubiläum.

Wir haben einen Glückwunsch geschickt. Warum? Die Schule hat in der polnischen Fortführung nicht nur anerkannt gute pädagogische Arbeit geleistet, sondern seit 1993 auch über viele Jahre hinweg im Rahmen des Schüleraustauschs beste Kontakte mit uns gepflegt, d.h. mit einem Gymnasium der Stadt Siegburg und mit der Heimatgruppe. Unvergessen die großzügige Einladung ehemaliger Schüler in ihre „alte Penne“ im Jahr 1994 durch den damaligen Schulleiter Stanislaw Małkowski. Anlass der Reise: „240 Jahre Zahn‘sche Waisen- und Schulanstalten“.

Ebenso unvergessen ist die dortige Anbringung einer Gedenktafel für den Schulgründer Gottfried Zahn im Jahr 2006. Die Tafel wurde von uns angeregt und finanziert, die Einweihung in würdiger, ansprechender Form von der Schule gestaltet. Für Polnisch-Kenner: Bemerkenswert ist ein Vergleich des deutschen und des polnischen Textes.

Früher war es selbstverständlich, dass wir zu Jubiläen des I LO offiziell eingeladen wurden. Wir werden im Gratulationsschreiben höflich daran erinnern und dem Kollegium und der Schüler- und Elternschaft auch die große deutsche Tradition dieser pädagogischen Institution erneut ins Gedächtnis rufen. In Wirklichkeit ist die Schule ja nicht 80, sondern stolze 272 Jahre alt!

Das andere bemerkenswerte Ereignis war ein uns aus Bunzlau übermittelter Artikel im Lokalblatt Istotne aus dem August 2026 über Pfarrer Paul Sauer. Auf einer ganzen Zeitungsseite (!) berichtet der hier nicht genannte Verfasser Gołębiewski vom Leben und Sterben, den Verdiensten und der Nachwirkung dieses wunderbaren katholischen Seelsorgers in der schlimmen Übergangszeit 1945/6. Wichtigste Grundlage seiner Darstellung waren die von uns erarbeiteten Erkenntnisse, freilich ohne dass im Artikel die Bundesheimatgruppe mit einem Wort erwähnt ist.

Bei der nachfolgenden Internetsuche entdeckten wir in einer anderen Ausgabe der Zeitung einen bemerkenswerten Leserbrief. Da beschwert sich jemand, dass die 2014 errichtete Gedenktafel für Pfarrer Sauer verborgen und nicht jederzeit zugänglich im hinteren Gartengelände des Jugendkulturhauses steht. Sie gehöre in die Öffentlichkeit, in die  Nähe der Kirche!

Aber bekanntlich war und ist das bei maßgeblichen Kreisen von Boleslawiec nicht gewollt.

Unser unermüdlicher Mitarbeiter Dietmar Plate hat jüngst auf fast 150 DIN A4 – Seiten elektronisch zusammengestellt, geordnet und ausgewertet, was uns aus deutschen und polnischen Quellen zur Verfolgungswelle der polnische Geheimpolizei UB (Stichwort „Freies Deutschland“), der auch Pfarrer Sauer zum Opfer fiel, zur Verfügung steht. Man kann diese Ausarbeitung nur mit tiefer Trauer lesen. Der Bunzlauer Chronist Hans Christiani spricht vom schwersten Verbrechen, das in der Nachkriegszeit den Deutschen aus Stadt und Kreis Bunzlau angetan wurde.

Schwer lasteten natürlich auch die Erfahrungen von Flucht und Vertreibung vor achtzig Jahren auf den Überlebenden. Zu diesem Thema erhalten wir bis heute Dokumente und  Anfragen. Eine neue Anfrage bezieht sich auf den Fluchtweg der Einwohner von Aschitzau. Wir geben die Anfrage in der Hoffnung auf Auskunft an die Leser weiter.

Das Leben nach dem Heimatverlust war vom Wiederaufbau unter schwierigsten Bedingungen geprägt. Es ist verdienstvoll, dass der Internet-Nachrichtendienst siegburgaktuell dazu einen kleinen autobiographischen Beitrag veröffentlicht hat, den Peter Börner eingereicht  hatte, nachdem in diesem „newsletter“ in ganz anderem Zusammenhang vom Ährensammeln der Armen die Rede war.

Und die Erinnerung an die verlorene Heimat bleibt lebendig, gerade im Alter! Unser langjähriger Stellvertretender Vorsitzender Horst Tschage hat passend dazu dem neuen Mitteilungsblatt der LM Schlesien Ortsgruppe Siegburg ein Gedicht über Martinwaldau / Kreis Bunzlau vorangestellt. Darin entwirft Hajo Knebel, gebürtiger Bunzlauer und dann Bewohner von Martinwaldau, in liebevollem Gedenken ein idyllisches Bild seines Heimatdorfs.

In der neuen Umgebung war man nicht immer sehr einfühlsam. Ganz im Gegenteil! Jan Gerull, Stadtarchivar von Siegburg, widmet sich am 12. November 18.30 Uhr im Stadtmuseum diesem heiklen Thema. Als Beispiel wählt er die Ereignisse um den 1985 mutwillig demolierten „Bunzlauer Meilenstein“. Respekt!

Wir werden berichten, was er zu sagen hatte. Ihr/euer Peter Börner.

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