Aus dem Journal des Vorstands Juli 2026
Im Bericht des vorigen Monats stand ein Dörfchen im Kreis Bunzlau mit dem schönen Namen Rosenthal im Mittelpunkt. Inzwischen konnte das Archiv unseres Patenkreises die von Heimatfreund Winter (Bayreuth) zur Verfügung gestellten Unterlagen vollständig einscannen. So wird der heutige polnische Eigentümer, ein tüchtiger Geschäftsmann in Bunzlau, jetzt wunschgemäß erfahren, was es mit den früheren Bewohnern des Hauses Nr.28, der Familie Heilmann, auf sich hat. Nach Erhalt einzelner Vorinformationen hatte er bereits geschrieben: „Schon diese ersten Seiten sind für uns von unschätzbarem Wert. Es ist unglaublich bewegend, wie viele Erinnerungen, Details und persönliche Geschichten über Rosenthal und die Familie Heilmann bewahrt wurden. Besonders erstaunlich ist für uns, wie viele Dinge sich bis heute tatsächlich im Haus und auf dem Hof wiederfinden lassen. Zum Beispiel ist auf dem Plan ein Bienenhaus eingezeichnet – und wir haben auf dem Gut tatsächlich alte Imkergegenstände und Teile für Bienenrähmchen gefunden. Solche Momente geben einem das Gefühl, dass die Geschichte dieses Ortes noch immer lebendig ist.“
Immer noch lebendig ist auch das Leben und das Sterben einer ungewöhnlichen Bunzlauer Persönlichkeit in den schlimmen Übergangsjahren 1945/6. Ihr wurde schon 1988 aufgrund der Initiative der Heimatgruppe und dank der Mitwirkung der Patenstadt und der katholischen Pfarrgemeinde in Siegburg neben der Kirche St. Servatius ein Erinnerungszeichen gesetzt: der Gedenkstein für Pfarrer Paul Sauer. Anlässlich des 80. Todestages am 24. Juni 2026 hatten wir um eine Erinnerungsandacht im Anschluss an die Sonntagsmesse gebeten. Diesem Wunsch wurde gern entsprochen.

Während der Andacht, die aufgrund der Hitze zunächst in der Kirche stattfand, skizzierte Peter Börner der überraschten Gemeinde wichtige Lebensstationen Paul Sauers.

Vorangestellt hatte er zwei aktuelle Bezüge: „Immer wieder ist in den Medien vom Versagen katholischer Geistlicher die Rede. Gänzlich unerwähnt bleibt oft, dass es zu allen Zeiten vorbildliche, ja bewundernswerte Priester gab und gibt, in denen der Geist Christi und die Sendung der Kirche hell aufleuchten. Einer von ihnen war Pfarrer Paul Sauer.
Und dann gibt noch einen äußeren Bezugspunkt. Er ist mit dem in Politik und Medien groß herausgestellten und oft positiv konnotierten Rückblick auf die Zeit des Kriegsendes vor ca. 80 Jahren verbunden.
Wir stehen im Jahr 1946. Dieses Jahr wurde nicht nur für Pfarrer Sauer, sondern für Millionen Deutsche ein einschneidendes Schicksalsjahr. Was im Geschichtsunterricht leider kaum zur Sprache kommt und ebenso wenig in der öffentlichen Diskussion: Damals rollten Massen von Güterzügen, die Schlesier und Sudetendeutsche in den verbliebenen Teil Deutschlands verfrachtet haben. Es waren ja nicht alle geflohen, und viele waren bei Kriegsende zurückgekehrt, so auch meine Familie, andere waren bewusst geblieben, unter ihnen Pfarrer Sauer. Getreu seinem Primiz-Spruch, einem Wort Papst Gregors des Großen, das sich in seinem Leben gerade in jener Zeit so wunderbar erfüllen sollte: Betet, Gläubige, für uns Priester, dass wir segensreich zu wirken vermögen.“

Anschließend zog eine kleine Prozession mit Pfarrer Weiffen zum Gedenkstein neben der Kirche. Dort legte Peter Börner ein Blumen-Buquet in den Farben der Kirche Weiß-Gelb, den Farben Schlesiens Gelb-Weiß und den Farben Bunzlaus Rot-Weiß am Beet vor dem Gedenkstein nieder. Die Andacht endete mit dem Vaterunser und dem Lied: „Nun danket all und bringet Ehr.“
Ja, seien wir dankbar, dass es begnadeten Menschen wie Paul Sauer gegeben hat. Seien wir auch dankbar, dass wir mit einem positiven „Schlesien-Event“ die Öffentlichkeit ansprechen konnten, in der Kirche und übrigens auch durch die Presse, die auf die Veranstaltung gebührend hingewiesen hatte. – Darüber freut sich mit Ihnen Ihr / euer Peter Börner.