Veröffentlicht von Peter Börner am

Dietmar Plate / Peter Börner

Das Bunzlauer Denkmal „Christus der göttliche Kinderfreund“ von Peter Breuer

Quellen: Bunzlauer Heimatzeitung, Agnieszka Bormann  (Schles. Museum Görlitz), wikipedia, https://muzeum.boleslawiec.pl/jezus-przyjaciel-dzieci-autorstwa-petera-breuera/  

Anlässlich der Hundertjahrfeier des Bunzlauer Waisenhauses als königlicher Anstalt[1] im Jahre 1903 stiftete Kaiser Wilhelm II. der Anstalt die Marmorgruppe „Christus, der göttliche Kinderfreund“. Ende 1902 wurde sie aufgestellt.

Das Denkmal veranschaulicht die Bibelstelle Mk 10,13-15 Parr. [2] Erschaffen wurde es durch den Bildhauer Peter Breuer. Geboren am 19. Mai 1856 in Köln, erlernte in seiner Vaterstadt die Holzschnitzerei und Steinbildhauerei. Anschließend besuchte er in München und Berlin die Kunstakademie. Seine Marmorfigur eines jugendlichen Mädchens mit dem Titel „Frühling“ erregte 1891 auf der internationalen Kunstausstellung in Berlin Aufsehen und brachte Breuer 1893 in der Weltausstellung von Chicago die 1. Medaille. 1895 erhielt er die Kleine Goldene Medaille für Kunst durch Kaiser Wilhelm.

Seit 1896 lehrte er als Professor für Bildhauerei an der Akademischen Hochschule für bildende Künste.

Er gehörte zu den Wegbereitern der Moderne in der Berliner Schule. Am 1. Mai 1930, kurz vor seinem 74. Geburtstag starb er in Berlin und wurde auf dem Sebastian-Kirchhof Berlin-Reinickendorf beigesetzt[3]. Viele seiner Werke haben den zweiten Weltkrieg nicht überstanden. Das Bunzlauer Denkmal dürfte eines der bedeutendsten erhaltenen Werke des Künstlers sein.

Ein Hinweis für Freunde Bunzlaus in und um Köln/Bonn/Siegburg: In der Bonner Rheinaue befindet sich seit 1977 ein Beethovendenkmal, das Peter Breuer 1926 entworfen hat. Ein weiteres Denkmal, das Kaiser-Friedrich-III.-Reiterstandbild in Köln, entstanden um 1903, wurde um 1942 eingeschmolzen.

In der Bunzlauer Heimatzeitung wurde berichtet: „Den Platz auf dem Anstaltsgelände, vor der schmalen Mitte, zwischen den beiden Flügeln des Alten Hauses, gegenüber dem Seminargebäude für künftige Lehrer hatte Breuer selbst ausgesucht, gewiß eine besinnliche Erinnerung für alle, die erzogen werden, und erziehen wollen, denn es stellt dar, wie Jesus liebevoll drei Kinder betreut.“ Das Monument aus Carrara-Marmor wurde auf einem Sockel errichtet. Die Heimatzeitung berichtet weiter: „Später stand das Denkmal dem nationalsozialistischen Direktor der „Staatl. Zahnschen Schulanstalten“ im Wege, und er bot es der evangelischen Kirchengemeinde zur Aufstellung auf dem Kirchplatz an. Aber diese lehnte in Kenntnis der Anstaltsgeschichte ab. Nun haben es die Polen vor den Eingang des neuen Friedhofs am Wehrberg gestellt. Es wurde früher im Winter sorgfältig verpackt. Jetzt wird der feinkörnige Marmor bald verwittern.“

Polnischen Quellen zufolge wurde das Denkmal also Ende der sechziger Jahre aus dem Stadtzentrum auf den neuen Friedhof auf dem Wehrberg versetzt. Den kommunistischen Machthabern war es vermutlich ein Dorn im Auge. Das wird wohl so stimmen. Für diese These spricht die Vermutung, dass ein solches Monument mitten im Stadtzentrum ähnlich wie viele andere Denkmäler aus deutscher Zeit nur schlechte Chancen hatte, erhalten zu bleiben. .Es gibt aber auch Aussagen aus deutscher Zeit, nach denen das Denkmal schon vor 1945 auf Betreiben der Nationalsozialistischen Leitung der Anstalt trotz großem Widerstand in der Bevölkerung aus dem Bereich der Schule entfernt und am neuen Friedhof aufgestellt wurde.

Seit 1998 befindet es sich versehen mit einer Erläuterungstafel „Jezus Przyjaciel Dzieci“ Rok 1902“ [Jesus der Kinderfreud. 1902] und weiteren Informationen in polnischer Sprache vor der ehemaligen evangelischen Kirche. In polnischen Quellen wird es als die wertvollste Skulpturengruppe Bunzlaus bezeichnet. Anfang 2021 hat man es aufwändig restauriert.


[1] Der Gründer Gottfried Zahn hatte, angeregt durch die Halleschen Anstalten von Pastor August Hermann Francke, den Grundstock eines Waisenhauses mit Schule bereits 1744 gelegt.

[2] „Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflege. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. V.14 Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht. Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. V.15 Amen ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. V.16 Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.“ – Die Skulpturengruppe passt also sehr gut zum christlich-karitativen Entstehungsgrund des Bunzlauer Waisenhauses, geht in der Aussage aber, wie der biblische Wortlaut zeigt, deutlich darüber hinaus.

[3] Die Grabstätte ist inzwischen eingeebnet.