Aus dem Journal des Vorstands Mai 2026

Veröffentlicht von Peter Börner am

In der Heimatzeitung finden wir jetzt gehäuft Flucht- und Vertreibungsberichte. Unsere Leser wissen warum. Ein trauriges Jubiläum: Vor 80 Jahren, 1945 /1946, haben Millionen Ostdeutsche ihre Heimat, ihren Besitz und nicht wenige ihr Leben verloren.

Zuletzt vor über 60 Jahren erinnerte diese Sondermarke der Deutsche Bundespost die Deutschen an Flucht und Vertreibung ihrer Landsleute östlich von Oder und Neiße und aus dem Sudetenland nach Ende des 2. Weltkrieges.

Meist unsichtbar bleiben die inneren Verwundungen, die „Traumata“. Sie wirken z. T. generationenübergreifend bis in die Gegenwart hinein. Unsere Öffentlichkeit nimmt das kaum zur Kenntnis, vielleicht Ausdruck einer kollektiven Traumatisierung durch all die unbegreiflichen, schrecklichen Ereignisse, die sich unter uns Deutschen im 20. Jhd. zugetragen haben.

In Polen sieht das ganz anders aus. Auf dem Bahnhofsvorplatz in Bunzlau verweist seit Jahren ein monumentaler Gedenkstein mit Erläuterungstafeln auf die Ankunft der neuen – polnischen – Bewohner von Stadt und Kreis Bunzlau in den Jahren 1945/46.

Laut Express Boleslawiecki traf sich dort im Herbst 2025 eine Gruppe alter Menschen, um ihrer Umsiedlung „aus den östlichen Grenzgebieten“ nach „Boleslaw“ (so hieß es zunächst) vor 80 Jahren öffentlich zu gedenken. Ihnen gegenüber erblickt man im selben Artikel auf einem zweiten Foto eine lange Reihe junger Leute, zum Teil mit Fahnen und mit Schärpen. Sind es Vereinsmitglieder, sind es Schülerinnen und Schüler?

Und wie gedenkt man in Bunzlaus Partnerstadt und Patenstadt Siegburg des Kriegsendes und des Neubeginns vor jetzt 80 Jahren?

Weit weg vom Stadtzentrum, fast am Ende einer Sackgasse, der „Bunzlauer Straße“, befindet sich ein Findling mit der Aufschrift „Patenstadt Bunzlau – Schlesien 790 km -“. Um zu erklären, was es mit dem Straßennamen und mit dem Stein auf sich hat, wurde dort im letzten Jahr von der Bundesheimatgruppe Bunzlau ein laminiertes Infoblatt ausgelegt, das gelegentlich erneuert und aktualisiert wird. Bild und Text im Beitrag „Heimatlos in zwei sauberen Baracken“. Außerdem wurde die verwilderte Fläche vor dem Stein in einen halbwegs ansehnlichen Bepflanzungs-Zustand gebracht. Positives Ergebnis: Eine Passantin vermittelte ein Zeitzeugen–Interview für Peter Börner, geb. 1941 in Tillendorf, in der örtlichen Volkshochschule. Es gelang auch, den städtischen Nachrichtendienst siegburgaktuell auf die Ereignisse in Bunzlau vor 80 Jahren hinweisen zu lassen. Doch als Peter Börner den zwei Siegburger Gymnasien anbot, am Beispiel seiner Familie Flucht, Vertreibung und Ankunft im Westen in einer 30-minütigen PowerPoint Präsentation zu schildern, war das Interesse beider Schulen – gleich null.

Jetzt bleibt abzuwarten, was bei der von Stefan Rauhut vermittelten Befragung durch eine Schülerin des Kopernikus-Gymnasiums in Wissen / Sieg herauskommt. Sie verfasst in ihrem Geschichtsleistungskurs tatsächlich zu diesem Thema eine Jahresarbeit. Offen auch, was der Interview-Wunsch eines Wuppertaler Theaters bringt, der an uns über den BdV herangetragen wurde. Diese Befragung ist für Anfang Juli vorgesehen.

Doch zuvor stehen noch andere Bunzlau-bezogene Termine auf der Tagesordnung.

Am 29. Mai sind Peter Börner und Jochen Wiesner zur Teilnahme an einem Festakt anlässlich „25 Jahre Kreispartnerschaft mit dem polnischen Kreis Bunzlau“ auf den Petersberg bei Bonn eingeladen. Mit gutem Grund: Die Heimatgruppe „Stadt und K r e i s  Bunzlau“ hat diese Partnerschaft von Anfang an bejaht und gefördert, und umgekehrt konnten wir vom Rhein-Sieg-Kreis, aber auch von Landräten des Kreises Bunzlau Unterstützung und Verständnis für unsere Anliegen erfahren. Es sei nur an das Entgegenkommen beider Kreisverwaltungen bei der Errichtung eines Ehrenmals für Pfarrer Sauer im Garten des Kreis-Jugendhauses in Bunzlau erinnert. Auch sein Todestag jährt sich bald zum 80. Mal!

Mit einem Foto-Arrangement der öffentlich sichtbaren Bezüge zum früheren deutschen und heutigen polnischen Kreis Bunzlau meldeten wir uns anlässlich des Weltflüchtlingstages 2025 bei unseren Ansprechpartnern im Rhein-Sieg-Kreis.

Über dies und vieles mehr wird bei der nächsten Video-Konferenz der Bundesheimatgruppe zu beraten sein. Gäste sind immer willkommen. Anmeldung bei gerthartmann@t-online.de.

Abschließend eine Empfehlung für den Frühling: Wer die schönen Maitage zu Bahnreisen innerhalb der Euro-Region Neiße nutzen möchte – sie umfasst die Grenzregionen Deutschlands, Tschechiens und Polens zwischen Bautzen, Görlitz, Reichenberg, Hirschberg und Bunzlau – dem sei das wirklich günstige EURO-NEISSE-Ticket empfohlen.

Wir verdanken diesen nützlichen Hinweis Herrn Zdzislaw Mirecki, dem in Bunzlau lebenden polnischen Freund und langjährigen Unterstützer der Städtepartnerschaft Siegburg – Bunzlau.

Kategorien: Aktuelles