Eine wunderbare Lebensleistung für Bunzlau!
Einblicke in das Werk des Heimatsammlers und Chronisten Kurt Basler.
Erschlossen und zusammengestellt von Dietmar Plate, überarbeitet von Peter Börner.

Am 3. November 2025 konnte der Bunzlauer Heimatforscher Kurt Basler seinen 95. Geburtstag begehen. Wir haben aus diesem Anlass seinen „Kollegen“ Dietmar Plate um einen Beitrag gebeten. Seine spontane Antwort: „Diesem Wunsch komme ich sehr gern nach. Kurt Basler nimmt eine ganz besondere Position in der langen Reihe Bunzlauer Chronisten ein. Er führte nicht Buch über die alltäglichen Dinge, die in seiner Heimatstadt geschehen; er ist eher ein Schatzgräber, ein Archäologe, der wieder ans Tageslicht bringt, was in den 80 Jahren seit dem Einmarsch der Roten Armee und der Übergabe der Stadt Bunzlau an Polen verloren gegangen ist.“
Im Folgenden bringen wir einen Auszug aus Plates umfangreicher Würdigung.
Leider interessieren sich im heutigen Deutschland nicht mehr viele Menschen für unsere Geschichte in ihrer Gesamtheit. Damit droht auch Schlesien aus dem Blick zu verschwinden. Es gehört mittlerweile nicht mehr zum Allgemeinwissen, welch bedeutsame Rolle dieses Land und seine Bewohner in der deutschen Geschichte gespielt haben. Vielleicht wird einmal eine andere Zeit kommen, in der sich die Wahrnehmung von diesem Teil des einstigen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und des 1870/71 gegründeten Deutschen Reiches nicht mehr, wenn überhaupt, auf 12 Jahre „Tausendjähriges Reich“ beschränkt, sondern die über 600 Jahre einer blühenden deutschen Provinz in den Blick nimmt, die Goethe einmal als „zehnfach interessantes Land“ bezeichnete. Zum Glück haben im polnischen Schlesien von heute überraschend viele Menschen die alte deutsche Geschichte ihrer Heimat als Teil der eigenen Geschichte angenommen. Dass dennoch der deutsche Zugang unentbehrlich bleibt und reiche Früchte tragen kann, kann uns exemplarisch die Forscher- und Publikationsleistung Kurt Baslers zeigen.
Um sie zu verstehen und angemessen zu würdigen, ist eine kurze historische Einordnung nötig: In den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es neben dem Geheimrat Artur Schiller eine ganze Anzahl von Männern, die sich mit der Geschichte von Stadt und Kreis Bunzlau befasst haben. Die meisten von ihnen überlebten die Katastrophe und machten sich bis weit in die sechziger Jahre bemerkbar. 1964 wurde sogar noch einmal ein Bunzlauer Heimatbuch auf Initiative der Bundesheimatgruppe verfasst. Doch in den nächsten Jahren forderte die Zeit ihren Tribut, die Zahl der Heimat-Historiker wurde immer kleiner. In den siebziger und anfang-achtziger Jahren meldete sich als letzter für längere Zeit Hans Christiani zu Wort, der sogar eine eigene Chronik veröffentlichte. Nach seinem frühen Tod blieb eine Lücke, die lange nicht geschlossen werden konnte. Langsam begannen die Spuren der alten Zeiten zu verwischen…
Da trat unerwartet ein folgenreiches Ereignis ein: die Wiedervereinigung. Für die Heimatgruppen der Vertriebenen und ganz besonders für die Bunzlauer erwies sie sich geradezu als Segen. Wo Stillstand und Abschiedsstimmung geherrscht hatten, tauchten plötzlich Menschen auf, die neues Leben in das eingefahrene Verbandssystem brachten. 1993, zum ersten Male seit vielen Jahren, wurde wieder eine Heimatgruppe gegründet: die „Bunzelrunde“ im thüringischen Niederpöllnitz. Das klingt erst einmal recht provinziell, nicht besonders bedeutend. Aber diese Gruppe wurde zum Sammelbecken der Stadt- und Kreis-Bunzlauer in den sogenannten „neuen Ländern“. Zu ihr gehörten zum Beispiel der unvergessene Karl-Heinz Bellinger und der langjährige Vorsitzende Horst Seliger. Viele Jahre zog sie die Aufmerksamkeit der Menschen aus den mitteldeutschen Bundesländern auf sich, wurde zu ihrem vielleicht wichtigsten Anlaufpunkt. Die Entstehung und das Wirken dieser Gruppe wäre ein spannendes Thema der deutsch-deutschen Geschichte. Leider wird es wohl nicht mehr geschrieben werden.
Wer die Berichte über die Treffen dieser Gruppe nachliest, wird schnell erkennen, dass dort von Beginn an ein gewisser Kurt Basler auftaucht, der immer wieder die Gelegenheit nutzte, die Ergebnisse seiner Tätigkeit als Heimatforscher den anwesenden Besuchern vorzuführen und Material zu sammeln. Und damit sind wir bei dem Mann, dem dieser Aufsatz gewidmet ist.
Ich muss gestehen, ich persönlich bin ihm nicht allzu oft begegnet. Wir haben uns nur wenige Male bei Veranstaltungen der Bundesheimatgruppe getroffen. Aber die telefonischen und schriftlichen Kontakte kann ich kaum zählen. Wie kam ich zu dieser ungemein ergiebigen Bekanntschaft?
Meine Mutter, geboren 1932 in Bunzlau, hatte aus verschiedenen Gründen lange den Kontakt zu Menschen aus ihrer Heimat gemieden. Doch 2000 ließ sie sich von Verwandten zu einem Besuch in Bunzlau überreden. Er fiel nicht ganz nach ihren Vorstellungen aus. So entstand die Idee, mit der eigenen Familie die Reise zu wiederholen. Die Vorplanung der Tour wurde mir übertragen. Und jetzt kommt Herr Basler ins Spiel. Meine Mutter und ihre Geschwister hatten nach dem Tod ihrer Mutter bei Verwandten in Königswalde bei Naumburg gelebt, und die waren bekannt mit Kurt Basler und brachten ihn mit meiner Mutter zusammen. Und nun sah ich sie zum ersten Male: die vielen Kopien und Zettel des Herrn Basler, die später Basis meiner eigenen Tätigkeit als „Heimatforscher“ wurden. Sie erwiesen sich schnell als ausgesprochen spannend und halfen mir, einen ganz ordentlich gelungenen Besuch in Bunzlau zu organisieren. Wichtiger: Ich hatte Spaß daran gefunden, mich genauer mit der Stadt zu beschäftigen. Nur am Rande sei erwähnt: Zu diesem Zeitpunkt war Kurt Basler bereits über zehn Jahre als Heimatforscher unterwegs.
Basis seiner Arbeit als Chronist war sein weitgespanntes „Netzwerk“. Er pflegte einen regen Austausch mit zahllosen „Informanten“ und gab gleichzeitig sein Wissen gern an andere weiter, die dann von seiner Forschungstätigkeit profitierten – wie meine oben erwähnte Mutter. So gelang es ihm, zahlreiche, eigentlich schon verlorengegangenen Berichte, Dokumente, Bilder zu sichern und die Geschichte von Stadt und Kreis Bunzlau vor dem großen Vergessen zu bewahren. – Die zweite Quelle seine Recherchen waren alte Bücher, Zeitungen und anderen Schriften in den verschiedensten Archiven und Bibliotheken in ganz Deutschland. Sein „Internet“ war die Fernleihe: Die Bücherei in Erfurt bestellte das Gefundene. Er lieh es aus, dann kopierte er alles, was er für wichtig hielt, meist in mehrfacher Ausführung , manchmal ganze Bücher, band alles sorgfältig auf einfache, aber perfekte Weise und ordnete es in sein Privatarchiv ein. Auf diese Weise sorgte er dafür, dass die weit verstreuten Erinnerungen an das deutsche, schlesische Bunzlau zumindest zu einem erheblichen Teil wieder zusammengeführt wurden.
Von seinen Sammlungen profitieren alle, die sich jetzt oder irgendwann einmal mit der Geschichte Bunzlaus befassen. Ich war einer der Hauptprofiteure. Aber auch die Protagonisten der Heimatstube in Siegburg und des Keramikmuseums in Bunzlau kennen seine meist mit einem weißen Einband versehenen Bände. 2011 erhielt die Bundesheimatgruppe eine erste Lieferung des von ihm gesammelten Materials. Eine Weitere, in mehreren großen Kartons, holten Herr Börner und Herr Roth persönlich bei ihm in Erfurt ab. Diesmal handelte es sich vor allem um aufwendig gebundene Bücher, die Kurt Baslers wichtigste Arbeiten enthielten. Der größte Teil der Baslerschen Sammlungen ist heute einer der Säulen des gemeinsamen Archives Basler/Plate. Es wird Zug um Zug Teil der digitalen Bunzlauer Heimatstube im Haus Schlesien und seine dort bereits vorhandenen Werke ergänzen.
Eines seiner wichtigsten Anliegen war es, das Lebenswerk des wohl bedeutendsten Chronisten der Stadt Bunzlau, Geheimrat Artur Schiller, der Vergessenheit zu entreißen. Das ließ sich schwer an, denn der hatte kein gebundenes Gesamtwerk hinterlassen, sondern viele einzelne Aufsätze, veröffentlicht in den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften. Schnell fand Kurt Basler an den unterschiedlichsten Standorten einige der wichtigsten Arbeiten. Nach einiger Zeit, als es schon schwierig wurde, weitere Texte zu entdecken, wurde im polnischen Bunzlau gemeinsam mit der Bundesheimatgruppe das Projekt „Bunzlauer Stadtblatt“ entwickelt. Denn auch die Polen hatten inzwischen die Bedeutung Schillers erkannt. Dutzende Berichte aus dem Archiv in Breslau wurden so zugänglich gemacht. Kurt Basler beschränkte sich nicht darauf. Er fand mit Hilfe seiner schon länger geübten Praxis der Fernleihe zahlreiche weitere Texte. Schließlich stellte er das Gefundene mit Unterstützung des Familienforschers Dr. Wilfried Schiller aus Aschaffenburg, der Wurzeln in Bunzlau hatte, zusammen. Sie erarbeiteten ein Sammelwerk mit über 1000 Seiten Umfang! So kam Artur Schiller am Ende doch noch zu seiner Chronik. Je eine CD und ein in Leder gebundenes Exemplar stellte Kurt Basler der stadtgeschichtlichen Abteilung des Bunzlauer Keramikmuseums und der Bundesheimatgruppe in Siegburg zur Verfügung.

Die offizielle Überreichung dieses Werkes an das Muzeum Ceramiki war vermutlich das wichtigste Ereignis in der öffentlichen Wahrnehmung von Baslers historischem Schaffen.
Gleichzeitig aber war es so etwas wie ein Wendepunkt. Denn das Muzeum Ceramiki befasste sich in den nächsten Jahren vor allem mit dem Thema Keramik. Konkrete Anfragen Baslers zur Stadtgeschichte, die beiden Seiten Erkenntnisgewinn hätten bringen können, ließ man unbeantwortet. Der bisher sehr gute Kontakt nach Bunzlau „schlief ein“, man ließ Kurt Basler offensichtlich links liegen (Ein ähnliches Problem mit der Zusammenarbeit musste auch die Bundesheimatgruppe konstatieren). Eigentlich verwunderlich. Ich hatte immer den Eindruck, dass man ihn und uns dort schätzt und nur nicht in der Lage war, das zu vermitteln. Am Ende muss man sagen, dass Kurt Basler diesen Umgang als mangelnde Wertschätzung wahrnahm, was ihn schwer getroffen hat. Aber das sind Nebengeräusche, mit denen musste und konnte er wohl leben.
Eines seiner Hauptmerkmale ist Gründlichkeit bis zur Perfektion. Seine Spezialität: die geradezu kriminalistische Recherche. Einige seiner wichtigsten Dokumentationen sollen das veranschaulichen.
An der Spitze stehen vermutlich seine jahrelangen Erforschungen der Familiengeschichte des Erbauers des Bunzlauer Viaduktes Baumeister Engelhard Gansel und seiner Nachkommen. Am Ende lagen vor: die wiederentdeckte Familienchronik, ein ausführlicher Familienstammbaum bis in die 2000er Jahre und jede Menge unschätzbares Bildmaterial. Die engen Verflechtungen der Gansels mit anderen angesehenen Bunzlauer Familien ergaben einen umfangreichen „Beifang“ mit wertvollsten Informationen und noch einen Familienstammbaum, jetzt von der Verlegerfamilie Fernbach, das Wiederauffinden einer Kirchenchronik der evangelischen Kirche von Tillendorf sowie viele weitere spannende und ergiebige Kontakte zu anderen Verwandten der Gansel-Familie. Eine kleine Sensation war seine Entdeckung, dass der ehemalige Kieler Bürgermeister und langjährige Bundestagsabgeordnete Norbert Gansel (SPD) ein direkter Nachkomme des ältesten Sohnes von Baumeister Engelhard Gansel ist. Ohne seine Recherchen hätte Bolesławiec bei der Wiedereinweihung des restaurierten Viadukts nicht einen so prominenten Ahnen des Erbauers präsentieren können. Den Kontakt der Stadtverwaltung zu Norbert Gansel hatte Peter Börner hergestellt, damals Vorsitzender der Bundesheimatgruppe. Leider wurde in Boleslawiec weder Kurt Baslers wertvolle Vorleistung erwähnt noch die Vermittlung der Heimatgruppe.
Sehr beschäftigt hatte ihn eine Anekdote aus der Zeit der napoleonischen Kriege. Es ging um den Kurzaufenthalt Napoleons in Bunzlau bei seinem Rückweg nach dem gescheiterten Russlandfeldzug. Napoleons Schlitten soll damals in den Besitz der Familie Gansel geraten und durch einen ausgewanderten Sohn nach Amerika gelangt sein. Kurt Basler fand einen seltsamen Zeitungsartikel aus den USA, der dazu jede Menge Fakten kannte, aber am Ende so viele Ungereimtheiten aufwies, dass die Geschichte, die auch im Heimatbuch von 1925 zu lesen war, wohl eher als falsch anzusehen ist. Bei einer anderen Recherche zu dieser Zeit ging es um eine kleine Schale, die sogenannte „Proskauer Schüssel“, die Napoleon in den Händen hatte. Da konnte er nicht nur feststellen, dass es sich um ein wahres Ereignis gehandelt hat, er fand sogar den Besitzer dieses geschichtsträchtigen Stückes Keramik. Es war über die Familie Gansel wiederum an einem bekannten Namen gelangt, einem Grafen Luckner.
Bemerkenswert auch seine Dokumentation der alten Bunzlauer Friedhöfe. Da wurden viele alte und neue Berichte zusammengetragen, Bildmaterial entdeckt und zugeordnet. Dabei ist eine seiner ganz besonderen Fähigkeiten zu bewundern. Mit viel Mühe entziffert er die zum Teil schwer lesbaren Texte. Ähnliches gilt für die großenteils zerstörten Epitaphien an der Außenwand der katholischen Kirche mittels der von ihm besorgten alten Bilder und Informationen.
Auch mit der eigenen Familiengeschichte hat er sich ausgiebig beschäftigt. Eines seiner letzten Projekte war eine Dokumentation über seine Großmutter Hedwig Basler. Das wäre vielleicht nicht nennenswert, wenn sich diese Dame nicht in einem ausgesprochen spannenden Umfeld befunden hätte. Ihre umfangreiche Lebensgeschichte ist ein ganz besonderes Zeitdokument.
Unbedingt erwähnenswert noch mehrere lange Berichte Baslers über seine Heimat-Reisen seit 1973. Damals entstanden viele Fotos.

Den polnischen Bunzlauern mangelt gerade aus dieser Zeit an Bildmaterial. Durch einen seiner „Lieferanten“ und Freunde kam außerdem eine größere Bildersammlung aus den Dörfern Uttig, Eckersdorf und Rothlach ungefähr aus derselben Zeit dazu. Von diversen „Zulieferern“ stammt eine Sammlung von Bildern, fotografiert vom Turm der evangelischen Kirche, und eine ebensolche vom katholischen Friedhof an der Eckersdorfer Straße. Ganz zu schweigen von dem Bildmaterial, das er aus den Händen vieler Kontaktpersonen erhielt.
Neben den meist über Jahre verfolgten Projekten gab es auch immer „kleinere“ Arbeiten, u.a. über den jüdischen Friedhof. Nur mühsam ließen sich dazu Daten zusammentragen. Der wichtigste Teil dieses Projektes ist ein von ihm erstellter Plan dieses in den Chroniken kaum thematisierten Ortes.
Erwähnenswert auch die Erinnerung an eines seiner „Herzensprojekte“: Über einen langen Zeitraum beschäftigte ihn der legendäre, von Martin Opitz bedichtete, heute leider nicht mehr existierende Queckbrunnen in der Nähe der Waisen- und Schulanstalt. Dank seiner Beharrlichkeit brachte er dieses Vorhaben zu einem glücklichen Ende, als er im Rahmen des Stadtblatt-Projekts zwei bisher unbekannte Berichte, sogar mit Aufnahmen des Brunnens, entdeckte.
Kaum jemand kennt die Siedlung Rothlach. Es ist ein Glücksfall, das Kurt Basler dort seine Kindheit verbrachte. Und natürlich einen Aufsatz über dieses kuriose Stück Bunzlau herausbrachte – weit vor der Stadt aus vier Häusern bestehend, zwischen den Dörfern Rothlach und Eckersdorf gelegen. Das ist nun wirklich sein Thema, das hat er für sich ganz allein. Niemand hat darüber berichtet, vielleicht wusste überhaupt niemand davon. Es steht aber grundsätzlich für viele andere Themen, die ebenfalls für unbedeutend gehalten wurden, wenn sich nicht ein Kurt Basler damit beschäftigt und sie für die Zukunft bewahrt hätte. In dieser Siedlung Rothlach wurde er am 2. November 1930 geboren, als zweiter Sohn des Zimmermanns Wilhelm Basler aus Uttig und Sophie Basler, geb. Sussek. Eine jüngere Schwester folgte im Jahre 1932 als drittes Kind. Sein älterer, noch in Uttig geborener Bruder Fritz wurde 1944 zur Handelsmarine eingezogen. Seit Februar 1945 gilt er als vermisst. Die Suche nach ihm beschäftigte ihn über Jahrzehnte. Tragisch: Vielen konnte er helfen, verlorengegangene Angehörige, Freunde, Mitschüler wiederzufinden. Aber die Suche nach dem eigenen Bruder blieb erfolglos.
Sein Vater starb schon 1939. Nachdem die Mutter Arbeit in Bunzlau gefunden hatte, zog sie 1942 mit ihren drei Kindern in die Stadt, in das Haus des Landvermessers Wulff, Bergmannstraße 9. Im Februar 1945 musste die Familie wie so viele andere fliehen. Am Ende verschlug es sie über Greußen nach Clingen, Landgemeinden im Kyffhäuserkreis. 1948 beendete er eine Lehre als Zimmermann, arbeitete dann ungefähr ein Jahr unter Tage bei der Wismut AG in Oberschlema im Erzgebirge und kam 1950 nach Erfurt, wo er seine Frau Margareta aus Franzensbad im Sudetenland kennenlernte. 1951 wurde der früh verstorbene Sohn Volker geboren. Es folgten 1953 die Töchter Elke und 1959 Silke. Im Jahr 1951 wechselte Kurt Basler zur Polizei. Nach 39 Dienstjahren, davon 37 Jahre bei der Kripo, ging er 1990 in Rente. Bis heute lebt er, inzwischen verwitwet, in Erfurt, das ihm zur neuen Heimat wurde.
Als letztes sei eine Zusammenarbeit erwähnt, deren Bedeutung wohl niemand wirklich erkannt hat. Viele Jahre lang stand er mit dem aus Rothlach / Rakowice stammenden polnischen Heimatforscher Tadeusz Berestecki in Verbindung. Der ist wohl mehr ein „Schatzsucher“, sein Verhältnis zum Muzeum Ceramiki eher zwiespältig. In einem Umkreis von mittlerweile weit über 80 km rund um Bunzlau sichtet er vergessene Denkmäler aus deutscher Zeit. Die Arbeitsteilung verlief folgendermaßen: Berestecki machte ein Foto und schickte es Kurt Basler, und der hatte dann die Aufgabe, die darauf enthaltene Schrift zu entziffern. Das war mal leicht zu bewältigen, sehr oft aber auch ausgesprochen schwierig. Im Laufe der Jahre wurden so mehrere hundert Gedenksteine, Hausinschriften, Grabdenkmäler u. v. a. m. entschlüsselt und für die Nachwelt aufbewahrt. Diese Bildersammlung mit den dazugehörigen Schriften ist kaum bekannt und noch nicht erschlossen. Berestecki nutzte Kurt Baslers Wissen aber schon vielfach für eigene Projekte, zum Beispiel seine Internetseite, die sich mit deutschen Kriegerdenkmälern befasst. Inzwischen hat Kurt Basler diese Zusammenarbeit weitgehend eingestellt, und Herr Berestecki sucht vermutlich vergeblich nach einem gleichwertigen Nachfolger.
In den letzten Jahren hat er seine Tätigkeit als Heimatforscher zurückgefahren und schließlich beendet. Schade! Er ist zwar inzwischen 95 Jahre alt, aber sein Geist ist ausgesprochen frisch. Dass er nun resigniert hat, mag wohl damit zusammenhängen, dass ihm nach und nach die „Kontakte“ verloren gegangen sind, die seine Arbeit gefördert haben. Vergessen wir nicht: Er ist ein Kind Bunzlaus. Es sind nur noch die Kinder von damals, die Erinnerungen weitergeben können, und diese Kinder sind inzwischen über 80 bis über 90 Jahre alt.
Was auch immer ihn dazu bewegt hat: Kurt Baslers Lebensleistung ist mit Worten nicht zu ermessen.

Als Chronist steht er neben so bedeutenden Persönlichkeiten wie J. G. Bergemann, Dr. Ewald Wernicke, Artur Schiller und Hans Christiani. Ohne deren Tätigkeit wäre das Wissen vom deutschen schlesischen Bunzlau heute weitestgehend verloren gegangen.
Kurt Basler hat höchste Anerkennung verdient,
von uns und von den heute in Bunzlau lebenden Menschen!