Aus dem Journal des Vorstands Juni 2025

Veröffentlicht von Peter Börner am

Die  Heimatzeitung hat sich immer wieder als Brücke unter uns Bunzlauern bewährt, früher mehr noch als heute. Aus aktuellem Anlass ein Beispiel: Vor Jahren hatten wir am Bodensee den Bunzlauer Künstler Dieter Kirsch, Sohn des bekannten Oberlehrers Erwin Kirsch, besucht und von seiner Heimattreue berichtet: „Ich mache jeden Tag in Gedanken einen Spaziergang von Bunzlau nach Tillendorf.“ Das las Barbara Winde im fernen Delmenhorst und entdeckte so ihren einstigen Jugendfreund wieder! Die beiden standen daraufhin jahrelang in vertrautem telefonischem Kontakt.

Jetzt konnte sie, wie bereits mitgeteilt, ihren hundertsten Geburtstag begehen. Ihre Lehre hatte sie noch in Bunzlau absolviert, bei der Stadt- und Kreissparkasse. Nach dem Heimatverlust arbeitete sie in diesem Beruf viele Jahre weiter. „Aber eigentlich hatte ich immer drei Berufe“, sagte sie uns bei einem Telefon-Interview: Bankkauffrau, nach Feierabend Aushilfe in einer Apotheke – sie hatte sich diesbezüglich fachlich fortbilden lassen – und Buchführung in einer anderen Apotheke. In ihrer Freizeit unternahm sie Reisen in die große weite Welt, an denen sie die Öffentlichkeit in Lichtbildervorträgen teilnehmen ließ, und sie malte Bilder, oft Blumenbilder. In ihrer Farbenpracht erinnern sie an Emil Nolde oder, wie ein Journalist der Lokalzeitung in seinem Bericht meinte, an van Gogh.  Der Reporter hob auch die durch und durch positive Grundeinstellung von Barbara Winde hervor, von der wir alle, gerade in dieser schwierigen Zeit, etwas lernen können. Wir trafen sie zuletzt in der von Horst Lessig, dann von Günter Bleul geleiteten Bunzlauer Runde in Essen, an der sie mit Zwillingsschwester Eva gern teilnahm.

Heute entstehen neue Bunzlau-Kontakte häufig über das Internet. Mit der Görlitzer Heimatfreundin Rosemarie Krämer, geb. Menzel, die per E-Mail angefragt hatte, ob wir ihr Unterlagen für eine Bunzlaureise vermitteln können, steht Peter Börner seitdem in lebhaftem Meinungsaustausch. Das ist besonders spannend, weil dabei die Erfahrungswelt und die Perspektive von Heimatvertriebenen, die in der DDR ihre Existenz aufgebaut haben, ausführlich zur Sprache kommt.  Es konnte schon eine zuverlässige Absprache mit einer polnischen Bunzlauerin vermittelt werden, die bereit ist, die kleine Reisegruppe um Frau Krämer dolmetschend zu begleiten. Hier erweist sich wieder einmal die segensreiche Wirkung des jahrelang intensiv gepflegten Schüleraustauschs zwischen Siegburg und Bunzlau (Bołesławiec)

Ganz aktuell ist eine Kontaktaufnahme mit Amerika. Per E-Mail meldete sich Ryan Schiffer, Urenkel von Kurt Schiffer, dem Inhaber der Bunzlauer Wurst- und Fleischkonservenfabrik und Fleischerei Schiffer & Co mit Frühstücksstuben gegenüber dem Bunzlauer Rathaus. Der Amerikaner hatte unseren diesbezüglichen Beitrag im Internet entdeckt. Sein besonderes Interesse galt dem Foto eines Serviertellers der Firma, den wir dankenswerterweise von Peter Hesse erhalten hatten. Der Teller befindet sich jetzt im „Bunzlau-Schaufenster“ von Haus Schlesien.

Dort konnte Peter Börner am 17. Mai eine größere Besuchergruppe des Siegburger Partnerschaftsvereins begrüßen. Die Leute erfuhren aus erster Hand – die Heimatgruppe ist ja Mitglied im Verein Haus Schlesien – Wissenswertes über dieses ostdeutsche Kulturzentrum am Rande des Siebengebirges und vor allem über Schlesien und natürlich über Stadt und Kreis Bunzlau.

Wir sehen es ja als unsre Aufgabe an, den Menschen unserer Zeit Wissen über unser Schicksal, das aber das Land als Ganzes betrifft, zu vermitteln, nach Möglichkeit auch etwas Einfühlung. Dazu kann anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni ein gezielter Hinweis auf die zurzeit sichtbaren Bunzlau-Zeichen in Siegburg dienen: Das sind der Gedenkstein für Pfarrer Sauer (Todestag 24. Juni 1946), der Erinnerungsstein an die Patenschaft in der „Bunzlauer Straße“ und die drei in und am Kreishaus vorhandenen Bunzlau-Verweise. Siehe Foto.

Unübersehbar der große braune Krug im Foyer mit der Aufschrift „Kreis Bunzlau“ mit dem Kreiswappen. – Und nicht zu vergessen die wertvollen Erlebnis- und Fluchtberichte in der Heimatzeitung! Dietmar Plate verarbeitet momentan neue Aufzeichnungen. Ihr /euer Peter Börner

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