Aus dem Journal des Vorstands August 2025

Veröffentlicht von Peter Börner am

Im 80. Jahr nach Kriegsende konnten die Siegburger am 23. Juni aufgrund eine Pressemitteilung der Bundesheimatgruppe Bunzlau erfahren, warum bei uns der Sieg über Hitler-Deutschland nicht als „Befreiung“ gefeiert wird. Im städtische Internet-Nachrichtendienst siegburgaktuell war zu lesen:

[…] Am Ausgang des Zweiten Weltkrieges 1944/45 geschah im damaligen deutschen Osten zunächst die Massenflucht der Zivilbevölkerung vor der näher rückenden Front. In Bunzlau war das am Wochenende 10. / 11. Februar 1945. Das zweite einschneidende Ereignis war die sogenannte wilde Vertreibung im Sommer 1945. Am 23. Juni werden die verbliebenen oder nach dem offiziellen Kriegende zurückgekehrten Bewohnerinnen und Bewohner unter Todesandrohung vom Stabschef des polnischen Heeres aufgefordert, sich mit ihren Habseligkeiten auf dem Bunzlauer Marktplatz zu versammeln.

Der Ausweisungsbefehl bedeutet noch nicht das Ende der Odyssee. Börner: „Ende Juni erreichten wir nach zwei Tagesmärschen die Neiße bei Görlitz, wurden aber von den Behörden nicht hereingelassen, weil die Stadt mit Flüchtlingen überfüllt war.

Daher treckten wir zurück.“ Die Schlesier sind beinahe schutzlos, es kommt zu Vergewaltigungen durch Angehörige der Roten Armee, auch Börners Mutter ist Opfer. Er erklärt die weiteren Entwicklungen: „Der dritte, nun endgültige Weggang aus Schlesien, die geregelte Ausweisung in Güterwagons, erfolgte ein Jahr später. Das geschah gemäß einer Absprache der polnischen mit der britischen Regierung. Daher landeten wir wie meisten der 1946 ausgewiesenen Schlesier in der britischen Besatzungszone in Niedersachsen.“

Ob es wohl gelingen wird, jene Geschehnisse auch Schülerinnen und Schülern eines Siegburger Gymnasiums im Geschichtsunterricht vor Augen zu stellen? Das Interesse bei den zuständigen Lehrerinnen muss, wie sondierende Vorgespräche gezeigt hat, noch geweckt werden… – Die in Deutschland weit verbreitete Unwissenheit und Gleichgültigkeit über den Verlust des deutschen Ostens, ebenso über  den immensen Beitrag der Heimatvertriebenen beim Wiederaufbau und beim Brückenschlag zu den Völkern Mittel- und Osteuropas verwundert unsern amerikanischen Freund, den jungen Geschichtsprofessor Andrew Demshuk. Er forscht z.Zt. in Deutschland. Wir werden ihn noch im August in Siegburg treffen.

Vielleicht ist dann auch die Rede vom tragischen Schicksal des letzten Bunzlauer Bürgermeisters Walter Siemianowsky, zu dem uns eine Anfrage aus Aschaffenburg erreicht hat. Siemianowsky war am 11. Februar 1945 mit einem Feuerwehrauto (!) in die Heimat seiner Frau nach Schmalkalden in Thüringen geflohen, wurde dort 1946 von den Russen verhaftet und kam 1947 im Lager Jamlitz bei Frankfurt/Oder elend ums Leben. Zwei Kuriosa dazu am Rande: Wie uns Dr. Winfried Schiller vermittelt hat, gelangte das Auto, lt. Freie Presse Chemnitz vom 29.5.2025 ein Mercedes Baujahr 1942, bis Brünlos im Erzgebirge, wo ihm der Sprit ausging. Bis 1986 war es als Feuerwehrauto im Dienst. 2023 wurde es generalüberholt und kann besichtigt werden.

Zweites Kuriosum: Die Frau des Bürgermeisters, Maria Siemianowsky, geb. Schoene (1897-1972), führte gewissermaßen das Amt ihres Mannes nach dem Krieg weiter: Von den Anfängen im Jahr 1954 bis 1971 bewährte sie sich als hervorragende Vorsitzende der Bundesheimatgruppe Bunzlau.

Eine Anfrage aus Berlin bezog sich auf die Siegersdorfer Werke. Da konnten wir mit dem Expertenwissen von Otmar Hersel, Ferdinand Idasiak und Dietmar Plate weiterhelfen. – Auch aus Polen kam eine Anfrage: Gab es eine Volkstracht in Bunzlau oder Umgebung? Das  kann man mit Sicherheit verneinen, ist Heimatfreund Heinz Knappe überzeugt.

Otmar Hersel und Heimatfreundin Rosemarie Krämer berichteten sehr informativ von ihren jüngsten Bunzlau-Reisen. Ihre Texte und Bilder stellen wir gesondert ins Netz.

Noch ein Blick in die Zukunft: Am Sonntag, dem 7.9., begehen wir mit dem BdV wie gewohnt den „Tag der Heimat“. Auf die Andacht um 14 Uhr auf dem Waldfriedhof in Troisdorf folgt ein gemütlicher Heimatlicher Nachmittag in St. Augustin. Der Unterzeichner wird einen Erlebnis-Bericht beisteuern: „Bunzlau 1945/6 in den Augen eines deutschen Kindes“. Damit schließt sich der Kreis. Ihr /euer Peter Börner.

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