Aus dem Journal des Vorstands September 2025

Veröffentlicht von Peter Börner am

Warum ist die Arbeit in der Heimatgruppe nach wie vor sinnvoll  und unterstützenswert? – Als Antwort eine E-Mail, die uns vor kurzem erreichte:

„Lieber Herr Börner, vor einigen Wochen hatten Sie mir geholfen, unsere kleine Familientour nach Ullersdorf bei Naumburg in Schlesien vorzubereiten. Haben Sie noch einmal vielen Dank dafür. Wir haben tatsächlich vor dem Haus gestanden, aus dem der Großvater meiner Frau (Johann Hasse) 1946 mit seiner Familie vertrieben wurde.

Es war ein sehr emotionaler Moment für meine Frau, meine Kinder und mich. Das Haus ist seit etwa zwei Jahren unbewohnt und in keinem sehr guten Zustand, aber es wirkt wie ein verwunschener Ort. Mein Schwiegeropa hat sicherlich ‘von oben‘ aus zugeschaut und sich darüber gefreut, dass wir an dem Ort stehen, der ihm sein Leben lang so viel bedeutet hat. Wir haben uns auch die St.-Nikolaus-Kirche angeschaut, in der Familie Hasse immer die Hl. Messe besucht hat. Es waren besondere Momente für uns.

Ein echtes Highlight war die Begegnung mit Krzysztof Stefan, der nur zwei Häuser neben dem Hof meines Schwiegeropas wohnt. Er ist Geschichtslehrer, Heimatforscher und hat mehrere Bücher über Naumburg, Ullersdorf und die Geschichte der Gegend geschrieben, und er hält die Publikationen der Familie Hersel aus Ullersdorf sehr in Ehren! Er hatte uns zu Kaffee und Kuchen eingeladen und viele Dinge über dem früheren Hof unserer Familie erzählt, die wir noch nicht wussten. Es ist wunderbar, dass es in Schlesien heute eine junge Generation gibt, die sich auch für die deutsche Vergangenheit ihrer Heimat interessiert. Ich danke Ihnen noch einmal für Ihre Hilfe und wünsche Ihnen ebenfalls noch viele angenehme Reisen ins wundervolle Schlesien!“

Der Verfasser dieses zu Herzen gehenden Reiseberichts ist Journalist in der Umgebung Hannovers. Er hat sich bei der Heimatgruppe mit einer großzügigen Geldspende bedankt.

Wie bereits berichtet, war auch Heimatfreund Otmar Hersel mit neuen Eindrücken aus Bunzlau und Umgebung zurückgekehrt. Angenehm überraschte ihn die mehrsprachige Beschriftung der Infotafeln vor dem Bunzlauer Rathaus. Jetzt endlich können die deutschen Besucher die meist  korrekt gehaltenen Erläuterungen in ihrer Muttersprache lesen, wie das beigefügte Foto zeigt.

Einen ausführlichen Bildbericht aus Bunzlau zum Keramikfest vom 13.-17. August erhielten wir auch in diesem Jahr von dem seit den Anfängen der Städterpartnerschaft mit Siegburg und mit uns verbundenen Herrn Zdzislaw Mirecki. Im Vorfeld des Festes fielen ihm zwei originelle Häuserfassaden an der Görlitzer Straße und der Zollstraße auf. Die Fotos zeigen wieder einmal, dass die Keramik-Werbung im polnischen Bunzlau ganz auf Blau und das Pfauenaugenmuster (polnisch: Stempel-Dekor) setzt.

Die große Vielfalt und Breite der Keramik-Produktion in Stadt und Kreis Bunzlau wurde uns erneut bewusst, als wir eine Anfrage aus Berlin erhielten. Ein Verein, der sich die Erhaltung und Erneuerung des historischen Stadtbades in Berlin-Lichtenberg zur Aufgabe gemacht hat, wollte alles über die seinerzeit in Ullersdorf hergestellten Keramik-Kacheln erfahren. Ferdinand Idasiak verwies auf das jetzt hervorragend renovierte Bunzlauer Jugendstilbad und den Bahnhof mit Siegersdorfer Fließen, und Otmar Hersel konnte ihm mit reichlich Material aus den 1946 zerstörten Ullerdorfer Werken aushelfen.

Auch aus Liebenthal / Kreis Löwenberg erreichte uns eine Anfrage. Ein polnischer Heimatforscher schrieb per E-Mail:  „Ich interessiere mich fuer die Geschichte der katholischen Kirche und Pfarrei in Bunzlau. Vielleicht besitzen Sie ein Exemplar von Hermann Hoffmanns Buch von 1937: ‘Die katholischen Kirchen der Pfarrei Bunzlau‘ .Ich waere Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir eine Kopie diesen Buchlein zusenden koennten.“– Schade, dass die Heimatstube nicht mehr da ist! Da hätten wir sofort nachschauen können. Aber der Mann wird das gewünschte Buch erhalten. Es steht digitalisiert in unserem Internetauftritt!

Von Washington nach Siegburg. Professor Andrew Demshuk traf sich mit Peter und Guntra Börner gut gelaunt in der Siegburger Stadtbibiothek.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht aus Siegburg. Wie verabredet trafen  wir uns mit dem amerikanischen Freund Professor Andrew Demshuk zu einem langen Gespräch (Foto). Er erforscht und dokumentiert, wie die durch den Braunkohlen-Bergbau in der Lausitz und im Rheinland Vertriebenen ihren Heimatverlust verarbeitet haben. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein! Ihr /euer Peter Börner

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