{"id":903,"date":"2024-03-06T19:06:36","date_gmt":"2024-03-06T18:06:36","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=903"},"modified":"2024-03-07T12:00:18","modified_gmt":"2024-03-07T11:00:18","slug":"pueckler-schloss-woller-schloss-jugendhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/03\/06\/pueckler-schloss-woller-schloss-jugendhaus\/","title":{"rendered":"P\u00fcckler-Schloss \u00a0\u2013 \u00a0Woller-Schloss \u00a0\u2013 \u00a0Jugendhaus"},"content":{"rendered":"\n<p>von Dietmar Plate (Peine)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Anmerkung der Redaktion: Die Erstfassung dieses Beitrags erschien 2019 in den Nummern 1-3 der Bunzlauer Heimatzeitung.  Der Text als solcher ist auch schon ein Dokument, da er beispielhaft die sorgf\u00e4ltige Arbeitsweise unseres Mitarbeiters Dietmar. Plate zeigt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"959\" height=\"640\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/123492_1140-Kopie.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-905\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/123492_1140-Kopie.webp 959w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/123492_1140-Kopie-768x513.webp 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/123492_1140-Kopie-360x240.webp 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 959px) 100vw, 959px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der geplante bauliche Zustand des Wollerschlosses unter dem Namen &#8222;P\u00fcckler-Palais&#8220; als Sitz des neugestalteten Bunzlauer Keramikmuseum.  Quelle: Internet.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wer aus Richtung G\u00f6rlitz kommend die Stadt Bunzlau erreichte, konnte die beiden schloss\u00e4hnlichen Geb\u00e4ude nicht \u00fcbersehen, die sich kurz nach \u00dcberquerung der M\u00fchlgrabenbr\u00fccke links und rechts der G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe dem Reisenden zeigten. Auf der rechten Seite erblickte man die pr\u00e4chtige Villa der Familie Gansel, erbaut von <strong>Engelhardt Gansel, <\/strong>dem <strong>Begr\u00fcnder der Baufirma Ganse<\/strong>l. Auf der linken Seite \u2013 noch ein wenig imposanter \u2013 stand und steht noch heute das Geb\u00e4ude, das au\u00dfer den in der \u00dcberschrift genannten Namen noch ein paar weitere trug in seiner wechselvollen Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Jahre 1857 hatte der Besitzer von Rothlach, Graf P\u00fcckler, ein bereits vorher hier stehendes ebenerdiges Haus zu einem Schloss ausbauen lassen.<\/strong> Das P\u00fccklersche Wappen befand sich am Geb\u00e4ude. Im M\u00e4rz 1934 wurde dieses Steinwappen vom Stadtbauamt dem Bunzlauer Museum \u00fcberwiesen. Einen eindeutigen Beleg daf\u00fcr, das die Baufirma Gansel den Ausbau auch dieses Geb\u00e4udes \u00fcbernommen hatte, habe ich nicht gefunden. Aber die kaum zu \u00fcbersehenden \u00c4hnlichkeiten im Baustil mit der gegen\u00fcberliegenden Villa Gansel, l\u00e4sst das vermuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Engelhardt Gansel wurde am 29. 10. 1806 geboren. In den Jahren 1834\/35 machte er sich das erste Mal einen Namen mit dem Bau des Turmes der evangelischen Kirche. 1837 kaufte er das Grundst\u00fcck an der G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe, auf dem er seine dort ebenfalls heute noch stehende Villa errichtete. Sein bekanntestes Bauwerk aber ist der zwischen 1844 und 1846 erbaute Bunzlauer Boberviadukt. Er starb als hochgeachteter und vielgeehrter Bunzlauer B\u00fcrger am 10. 5. 1876. Seine Nachfahren f\u00fchrten das von ihm begr\u00fcndete Baugesch\u00e4ft bis zum bitteren Ende im Jahre 1945.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <strong>Bauherr Graf Eduard Maximilian von P\u00fcckler,<\/strong> geboren am 30. 7. 1795, war seit 1825 Eigner des Gutes Rothlach-Uttig im Kreis Bunzlau. Seine Ehefrau Helena, geborene Gr\u00e4fin Larisch von Moennich, war Besitzerin des Gutes Nieder-Thomaswaldau. Graf von P\u00fcckler starb am 11.6.1870 in Bunzlau, seine Gattin am 3. Oktober 1872. Der Erbe des Gutes Rothlach-Uttig war sein Stiefbruder Erdmann Julius Hugo Graf von P\u00fcckler-Boruslawitz. Dieser hat vermutlich das Schloss in Bunzlau verkauft, er selbst lebte in Rogau. Inwieweit sich eine Verwandtschaft zu dem F\u00fcrsten Hermann von P\u00fcckler-Muskau \u2013 dem Sch\u00f6pfer des Landschaftsparks von Bad Muskau \u2013 nachweisen l\u00e4sst, sei dahingestellt. Es geht da um einige Ecken, aber immerhin \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber den n\u00e4chsten Bewohner schreibt der Bunzlauer Lokalhistoriker Artur Schiller im Jahre 1919: \u201eIn den Jahren <strong>1875\/76<\/strong> tauchte in Bunzlau ein Graf R. auf, der in der von dem ihm bewohnten Graf P\u00fccklerschen Villa eine gro\u00dfe Hofhaltung einrichtete. Er hielt ein Heer von Dienern und Reitknechten. Wenn er ausritt, so folgte ihm eine ganze Kavalkade. Die Pferdest\u00e4lle wurden pompejanisch rot angestrichen. Als sich einmal einer seiner Bereiter den Arm verrenkt hatte, lie\u00df er aus Paris eine ganze Ladung Arm- und Beinschienen f\u00fcr solche Unf\u00e4lle kommen. Mit vier Pferden machte er in ganz Bunzlau bei musikalischen Familien Visite. Die Betreffenden wurden dann unter gl\u00e4nzender Verpflegung zu Konzerten in ein Schlo\u00df eingeladen. Die Auff\u00fchrungen standen ja meist nicht auf der H\u00f6he der Kunst, es war doch aber alles etwas ganz Neues f\u00fcr das stille St\u00e4dtchen. Mein Vater und ich wurden auch herangezogen. Ich habe mich dort stets au\u00dferordentlich gut unterhalten. Nat\u00fcrlich fehlte es nicht an jungen Damen, singenden und zuh\u00f6renden. Man konnte sich ein lebendiges Bild von den Magnatenschl\u00f6ssern machen, in denen in alten Zeiten die Musikheroen Haydn, Mozart und Beethoven verehrt worden sind.\u201c Sp\u00e4ter pr\u00e4zisiert Schiller das folgenderma\u00dfen: \u201e1875: 23. April. Das jetzige Wollerschlo\u00df (warum sagt man nicht: \u201eP\u00fccklerschlo\u00df\u201c?) war <strong>von einem Grafen Hatzfeld bewohnt,<\/strong> der viel auf einen guten Marstall verwendete und sich sehr f\u00fcr Musik interessierte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4chster bekannter Besitzer des Geb\u00e4udes war<strong> Samson Woller<\/strong>. Es ist nicht ganz einfach, Genaueres \u00fcber ihn in Erfahrung zu bringen. Einige Daten aus verschiedenen Berichten \u00fcber die Concordia Spinnerei und Weberei sowie aus Recherchen von diversen Familienforschern (gefunden im Internet) erm\u00f6glichen jedoch ein einigerma\u00dfen vollst\u00e4ndiges Bild. Danach ist er am 28. 5. 1819 in Festenberg, Kreis Gro\u00df Wartenberg, als Sohn von Libel (oder L\u00f6bel) und Maria Woller geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>Um 1840 ging er nach England und betrieb in Bradford um 1845 eine Kammgarnspinnerei. Nachdem er nach Schlesien zur\u00fcckgekehrt war, kaufte er im Jahre 1855 eine stilliegende Fabrik am Schie\u00dfberg bei Marklissa. Gemeinsam mit zwei Br\u00fcdern betrieb er die Firma Gebr\u00fcder Woller. Am 24. 6. 1866 heiratete er in Wiesbaden Antonie R\u00f6sler, geb. 18. 1. 1826. Samson Woller war j\u00fcdischen Glaubens, seine Ehefrau vermutlich evangelisch. Auch Samson Woller ist zum evangelischen Glauben konvertiert. Wann das geschehen ist, ist nicht belegt, m\u00f6glicherweise anl\u00e4sslich seiner Hochzeit. Die Zahl seiner Kinder ist nicht eindeutig belegt. Es muss auf jeden Fall einen fr\u00fch verstorbenen Sohn gegeben haben und eine katholisch getaufte Tochter. Nur von einer Tochter sind genauere Informationen bekannt. Im Jahre 1871 erwarb Woller das Grundst\u00fcck der kurz zuvor abgebrannten Oberm\u00fchle in Burglehn bei Bunzlau.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Familie Woller lebte in Marklissa und Schadewalde im Kreis Lauban. Irgendwann nach 1871 soll Samson Woller nach dem Tod seines Sohnes nach Bunzlau gezogen sein, das mag so um <strong>1880<\/strong> gewesen sein. Man kann davon ausgehen, dass er direkt das kleine Schlo\u00df der P\u00fccklers bezogen hat. Lange ist er dort nicht verblieben, sein Hauptwohnsitz wurde sein Gut Dlonie im Kreise Rawitsch an der schlesisch-polnischen Grenze bei Fraustadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Allgemeine Zeitung in M\u00fcnchen berichtet am 11. August 1888: \u201eIn das Gesch\u00e4ftsregister des Amtsgerichts Bunzlau ist eine Actiengesellschaft unter der Firma Concordia Spinnerei und Weberei mit dem Sitze in Burglehn (bei Bunzlau) und einer Zeigniederlassung in Marklissa eingetragen worden. Gr\u00fcnder der Gesellschaft sind der Kaufmann und Fabricant Samson Woller zu Bunzlau, der Director der Bank f\u00fcr Handel und Industrie Richard Michelet, der Director derselben Bank Dr. Jakob Rieser zu Berlin, der Kaufmann Robert Woller zu Marklissa und der Kaufmann Julius Schulz zu Bunzlau. Gegenstand des Unternehmens ist der Betrieb der mechanischen Kammgarnspinnerei einschlie\u00dflich der hiermit verbundenen Gesch\u00e4ftsbranchen, sowie die Herstellung und der Vertrieb von Web-, Strick- und Stickgarnen. Das Grundcapital der Gesellschaft besteht aus 3,000,000 M. in 3000 Actien \u00e0 1000 M. &nbsp;Als Einlage auf das Grundcapital sind von Hrn. Samson Woller seine beiden zu Bunzlau und Marklissa unter der Firma \u201eGebr\u00fcder Woller\u201c bestehenden Etablissements mit allem Zubeh\u00f6r eingebracht. Der Betrieb des Etablissements erfolgt bereits seit 1. Januar c. f\u00fcr Rechnung der Actiengesellschaft. Eine Einf\u00fchrung der Actien in den B\u00f6rsenverkehr, wie sie aus der Betheiligung der Darmst\u00e4dter Bank an dem Unternehmen geschlossen werden k\u00f6nnte, ist nach der \u201eB. B.-Zeitung\u201c nicht beabsichtigt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im Heimatbuch des Kreises Lauban aus dem Jahre 1928 berichtet Karl Gr\u00fcnder: \u201eDie Leitung und das Eigentum des Werkes hat Samson Woller allein zugestanden, seine Br\u00fcder scheinen nur Mitarbeiter gewesen zu sein. 1888 wurde die Firma dann aber in die Aktiengesellschaft Concordia Spinnerei und Weberei umgewandelt. \u201eConcordia Mill\u201c (Mill, englisch = M\u00fchle, Fabrik, Spinnerei) hatte Woller schon sein Bradforder Werk benannt gehabt. Bis 1899 stand der Begr\u00fcnder der Werke, Samson Woller, an der Spitze. 1900 starb er auf seinem posenschen Gute Dlonie und wurde in der Familiengruft im Park seines ehemaligen Schadewalder Wohnsitzes beerdigt. Er ist ohne Zweifel zu den f\u00fchrenden M\u00e4nnern der deutschen Textilindustrie im neunzehnten Jahrhundert zu z\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Malermeister Arthur Linke erz\u00e4hlt in der Bunzlauer Heimatzeitung: \u201eDas Schlo\u00df barg f\u00fcr Bunzlau manche Kostbarkeit, aber es ist wohl nie richtig bewohnt worden. Ich wei\u00df noch, da\u00df ich als Lehrling jedes Jahr dort ausgebessert habe, was zur Erhaltung n\u00f6tig war. Der Kommerzienrat Woller war dann nach Dlonie bei Krotoschin in der Provinz Posen \u00fcbersiedelt und lebte auf einem gro\u00dfen Gut mit sch\u00f6nem Schlo\u00df. Ich wei\u00df dies deshalb, weil mein Vater zu unserer Kindheit alle Jahre ein paar Wochen nach Dlonie fahren mu\u00dfte und f\u00fcr den Bunzlauer Malermeister Pachaly dort im Schlo\u00df gemalt hat. Die Tochter des dortigen Schlo\u00dfg\u00e4rtners, ein Fr\u00e4ulein Wiesenh\u00fctter, leitete viele Jahre das Stickereigesch\u00e4ft Miksch an der Oberstra\u00dfe im Haus \u201eDrei Kr\u00e4nze\u201c. Trotz ihres roten Haares war sie eine ausgesuchte Sch\u00f6nheit, die es verstand, mit viel Eleganz den Blick auf sich zu ziehen. Mein Vater hat f\u00fcr ihr Gesch\u00e4ft oft die gro\u00dfen Tischdecken aufgezeichnet, die sie f\u00fcr viele Herrschaften stickte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1898 verf\u00fcgte Woller folgendes: \u201eIch, der Rittergutsbesitzer und Kommerzienrat Samson Woller in D\u0142onie Kr. Rawitsch, errichte hierdurch folgendes Testament: \u2026. \u00a7 3. Meiner Ehefrau Antonina geb. R\u00f6sler vermache ich 1) meine Villa in Bunzlau mit Garten und alle Zubeh\u00f6r sowie allem was sich darin befindet also namentlich mit totem und lebenden Inventar derselben, mit den dort befindliche Mobilien und Schmucksachen (\u00a7 18 A.L.R.I.2) kurz mit allem was sich zur Zeit meines Todes darin befindet. Falls diese Villa vor meinem Ableben ver\u00e4ussert werden sollte, vermache ich meiner Ehefrau den Betrag, den ich daf\u00fcr erhalten haben sollte. Dieser Betrag ist alsdann 3 (drei) Monate nach meine Ableben zahlbar.\u201c Als er im Jahre 1900 sein Testament erneut aktualisierte, befand sich das Schloss offensichtlich nicht mehr im Besitz der Wollers, es wird nicht mehr erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie es nun mit dem Schloss weiterging, liegt im dunklen. Arthur Linke wei\u00df auch nichts Genaueres, er schreibt in seinem Aufsatz in der Heimatzeitung: \u201eEs mag um <strong>1905 <\/strong>gewesen sein, als ein Herr Professor, dessen Name mir unbekannt ist, dieses Wollerschlo\u00df \u00fcbernahm. Viele Handwerker brachten Schlo\u00df, Reitbahn und Park wieder in Ordnung, aber pl\u00f6tzlich h\u00f6rte alles auf, und der Herr Professor kam auch nicht mehr. Der alte Hausvater Niederges\u00e4\u00df mit seiner an Gicht leidenden Ehefrau beh\u00fctete weiter das Schlo\u00df. Viele werden diese Eheleute noch kennen. Was der Mann an K\u00f6rpergewicht zu wenig hatte, war der Frau zugefallen. Wenn im Schlo\u00df &nbsp;gearbeitet wurde, war sie dauernd am Schimpfen. Der Alte stand dann stundenlang am Eingang, begleitet von seinem gro\u00dfen Bernhardiner, an dem auch schon der Zahn der Zeit nagte.\u201c Das Adre\u00dfbuch von 1903 weist als Besitzer aus: D. Vallata und die Gebr\u00fcder G. und R. Sch\u00fcller. Im Hause wohnen die Arbeiterin Karoline Mackowiak und der Werkf\u00fchrer Friedrich Schmidtke. 1907 ist der Tiefbau-Unternehmer Giovanni Vallata Eigent\u00fcmer. Er selbst lebt aber nicht im Hause, daf\u00fcr der oben genannte W\u00e4chter August Niederges\u00e4\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>1903 wohnte dieser G. Valata noch im Hause Nr. 20 an der G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe. Arthur Linke schreibt \u00fcber ihn: \u201eStadteinw\u00e4rts vom Wollerschlo\u00df wohnte an der G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe viele Jahre ein Italiener, der Name ist mir leider entfallen. Ein kleiner dunkelhaariger Mann, \u00e4u\u00dferst lebhaft mit hoher Tenorstimme. Er war Kiesgrubenbesitzer in Dobrau an der Bahn, halbwegs nach Siegersdorf. Als Kinder bewunderten wir immer die langen Kiesz\u00fcge, die \u00fcber den Viadukt ostw\u00e4rts rollten. Der Kies war f\u00fcr den Bahnbau bestens geeignet. Der Italiener hatte den richtigen Riecher gehabt, als er diese Kiesgrube \u00fcbernahm. Sp\u00e4ter ging sie in den Besitz eines Herrn Koch \u00fcber.\u201c Der Tillendorfer Schmiedemeister Max Hippe erg\u00e4nzt: \u201eDer genannte Italiener hie\u00df Valata. Er kam anfangs der neunziger Jahre als Drehorgelspieler nach Bunzlau, entdeckte aber bald, da\u00df im Kiesschacht Dobrau Geld zu verdienen ist. Mit zwei Arbeitern fing er an und brachte es durch Flei\u00df und Unternehmungsgeist in kaum zwei Jahrzehnten zu einem Million\u00e4r oder mindestens zum besten Steuerzahler Bunzlaus. Er kaufte sogar das Wollerschlo\u00df. Dies mochte ihm wohl nicht gefallen, denn er verkaufte es sp\u00e4ter und zog nach Berlin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1135\" height=\"814\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-im-1.WK_.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-906\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-im-1.WK_.jpg 1135w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-im-1.WK_-768x551.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1135px) 100vw, 1135px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Im Jahre 1913 sind die Inhaber der Holzwarenfabrik Martin &amp; Barasch in den Besitz des Wollerschlosses gekommen<\/strong>. Im Hause wohnen jetzt: Die verw. Fabrikbesitzer Marie Martin, der Fabrikbesitzer Gustav M\u00fcller, der Pastor Max Drescher, der Oberpostassistent Oskar Schmidt und der Tischler Karl M\u00fcller. Die Holzwarenfabrik Martin &amp; Barasch wird bereits 1886 in Bunzlau genannt, sie befand sich zun\u00e4chst an der Friedrichstra\u00dfe (1903 die Nr. 17 und 18). Der Inhaber Gustav Martin ist in diesem Jahre Stadtverordneter. Irgendwann zwischen 1903 und 1907 ist er verstorben, Eigent\u00fcmer der Firma sind danach die Martinschen Erben. Diese werden noch 1935 als Besitzer der H\u00e4user Friedrichstra\u00dfe 17, 18 und 18a. Namentlich bekannt ist von diesen Erben nur die Witwe Marie Martin. Wie oben erw\u00e4hnt, wohnt sie 1913 im Wollerschlo\u00df. Vorher im Hause Friedrichstra\u00dfe 18, 1924 wird sie dann wieder an dieser Adresse genannt. 1935 weilt sie offensichtlich nicht mehr unter den Lebenden, die Holzwarenfabrik hat vermutlich schon w\u00e4hrend des ersten Weltkrieges ihren Betrieb eingestellt. Wer die Martinschen Erben waren und wo sie lebten, das muss an dieser Stelle offenbleiben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1076\" height=\"694\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Jugendhaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-907\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Jugendhaus.jpg 1076w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Jugendhaus-768x495.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1076px) 100vw, 1076px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Im Jahre 1920 kaufte die Stadt Bunzlau das Haus<\/strong>. Nun trug es den Namen \u201eJugendhaus\u201c. 1924 war hier das <strong>S\u00e4uglingsheim <\/strong>eingerichtet und f\u00fcr einige Jahre die St\u00e4dtische Volksb\u00fccherei. Man hatte au\u00dferdem <strong>eine ganze Reihe von Wohnungen <\/strong>eingerichtet, au\u00dfer dem B\u00fccherwart Herbert M\u00fcller und der F\u00fcrsorgeschwester&nbsp; Elfriede Jopke gab es noch 21 weitere Mietparteien im Hause. Diese sind dann nach und nach ausgezogen und die Nutzung der R\u00e4umlichkeiten wurden noch vielf\u00e4ltiger.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber einen der Bewohner im Jahre 1927, den Theatermaler Ga\u00dfner, schreibt die Bunzlauer Volksstimme am 4. September: \u201eEr haust in der fr\u00fcheren Reitbahn des Wollerschlosses, die durch ihn eine besondere Weihe erhalten hat und die ja nun eigentlich \u201eAtelier\u201c genannt werden m\u00fc\u00dfte. Jedoch hat sie im Laufe der Zeit schon den verschiedensten Zwecken gedient. Sie war Torfschuppen, Ziegelei und was wei\u00df ich noch, jedenfalls hat sie mehr und mehr an Ansehen verloren. Bei Regenwetter str\u00f6mt und klatscht das Wasser nur so vom schadhaften Dach hernieder. Der winterliche Frost verwandelt sie in einen Eispalast. Jetzt im Sommer ist sie ein ideales Wohnhaus f\u00fcr die Spinnen und Herr Ga\u00dfner, der Theatermeister, meint, da\u00df sie im Sommer auch f\u00fcr ihn brauchbar sei, wenigstens lobt er ihre Gr\u00f6\u00dfe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wie oben erw\u00e4hnt ist im Jahre <strong>1920 <\/strong>auch die <strong>st\u00e4dtische B\u00fccherei<\/strong> in das Haus gezogen. Im Buch \u201eVolkst\u00fcmliches B\u00fcchereiwesen im Regierungsbezirk Liegnitz\u201c aus dem Jahre 1928 ist das genauer beschrieben worden. \u201eAm 1. Oktober 1920 wurde die Volksb\u00fccherei aus ihren ungeeigneten R\u00e4umen ausquartiert und in viel sch\u00f6neren R\u00e4umen eines von dem F\u00fcrsten P\u00fcckler und sp\u00e4ter Hatzfeldt in \u201eherrlicher\u201c Pseudogotik-Renaissance erbauten Schlosses untergebracht. Dieses Geb\u00e4ude war Stadteigentum geworden und wurde von der Stadt in ein Jugendhaus umgewandelt, von dessen Schie\u00dfscharten und Eckt\u00fcrmchen nun niemand mehr auf den Geist des Hauses schlie\u00dfen darf. Hier wurde der B\u00fccherei auch eine Lesehalle angegliedert. Die Lesehalle bestand aus zwei, sp\u00e4ter drei Zimmern und enthielt eine f\u00fcr die bescheidenen Verh\u00e4ltnisse ansehnliche Handb\u00fccherei mit zirka 160 B\u00e4nden. In der Hauptsache enthielt aber die Lesehalle viel Tageszeitungen und Zeitschriften, deren Auswahl nicht nach nur volksbildnerischen Gesichtspunkten getroffen war. So war die Lesehalle oft genug Treffpunkt f\u00fcr Stellensuchende, f\u00fcr Kaufleute und f\u00fcr eifrige Tagespolitiker, die dann \u00f6fters Zeitschriften und Zeitungen auch mit mehr oder weniger noblen Randbemerkungen verzierten und auf diese Weise ihren ganz besonderen Teil zur Bildungsatmosph\u00e4re der Lesehalle beitrugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lesehalle war mit M\u00f6beln ausgestattet, die aus einem Bahnhofshotel stammten! 1923 wurde die bisherige B\u00fcchereiverwalterin hauptamtlich angestellt, denn die Zahl der Entleihungen war bedenklich angewachsen. Die von der Stadt berufene B\u00fcchereikommission entfaltete in den folgenden Jahren eine regere T\u00e4tigkeit. 1923 erfolgte ein Personalwechsel. Der neuen Leitung wurde von Anfang an die Verpflichtung auferlegt, die B\u00fccherei als Bildungsst\u00e4tte auszubauen. Seitdem entwickelte sich die B\u00fccherei langsam aufw\u00e4rts und es gelang, die B\u00fccherei in das Bildungsleben der Stadt Bunzlau einzubauen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Verfasser des Aufsatzes war der B\u00fcchereileiter Herbert M\u00fcller. Weiter schreibt er: \u201eBei den zun\u00e4chst nur zaghaft und vorsichtig angegriffenen Reformarbeiten zeigte sich bald, da\u00df nur ein gr\u00fcndlicher Eingriff in Bestand und R\u00e4ume die B\u00fccherei an die neuen Volksbildungsaufgaben anpassen konnte. Der durch \u00fcber zwanzig Jahre fast systemlos gesammelte Bestand enthielt in gro\u00dfer Anzahl veraltete und volksbildnerisch unbrauchbare B\u00e4nde. Die Verteilung der R\u00e4ume entsprach nicht den Grunds\u00e4tzen neuer B\u00fcchereigestaltung. Alle Verwaltungsarbeit und alle buchpflegerischen Arbeiten mu\u00dften in dem verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen Magazin ausgef\u00fchrt werden. Zun\u00e4chst erhielt das Magazin 1925 eine zweigeschossige, eiserne Regalanlage, ausreichend f\u00fcr 8000 B\u00e4nde. Die einzelnen R\u00e4ume der Lesehalle wurden hergerichtet, erhielten Schreibpl\u00e4tze und bessere Beleuchtungsanlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Buchbestand wurde besser gepflegt und in bescheidenem Umfange von unbrauchbaren B\u00e4nden befreit, so da\u00df im Jahre 1926 die Zahl der B\u00e4nde von 8748 auf 6777 verringert wurde. Die Erg\u00e4nzungen des Buchbestandes wurden planm\u00e4\u00dfiger vorgenommen. F\u00fcr die Ausleihe wurden ein Pr\u00e4ferenzkatalog und eine Leserkartei geschaffen. &nbsp;Das alles geschah zun\u00e4chst noch nicht mit v\u00f6lliger Einsicht in die neueren volksbibliothekarischen Notwendigkeiten, hob aber die B\u00fccherei schon \u00fcber das in Niederschlesien durchschnittlich Bekannte hinaus. Im Jahre 1926 betrug die Anzahl der aktiven Leser 1828 und es fanden 18552 Entleihungen statt. \u2013 Der Aufbau des B\u00fccherbestandes wurde mit der Anschaffung von nahezu 1000 neuen B\u00e4nden begonnen, so da\u00df jetzt zwar ein nicht sehr gro\u00dfer, aber sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlter und gepflegter Bestand als Grundstock zur Verf\u00fcgung steht. Die planm\u00e4\u00dfige Erweiterung mu\u00df in den n\u00e4chsten Jahren folgen. Die noch primitive Ausleihorganisation wurde ausgebaut. F\u00fcr den Lesesaal stellte die Stadt dankenswerterweise einen neuen gro\u00dfen Raum des Jugendhauses zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1530\" height=\"1008\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Staedtische-Buecherei.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-908\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Staedtische-Buecherei.jpg 1530w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Staedtische-Buecherei-1300x856.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Staedtische-Buecherei-768x506.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1530px) 100vw, 1530px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dadurch konnte ein geeigneter Ausleihraum geschaffen werden, der in der fr\u00fcheren Anlage besonders unzul\u00e4nglich war. Ebenso entstanden auf diese Weise die notwendigen Verwaltungsr\u00e4ume. Um den Ausleihraum von allem unn\u00f6tigen Verkehr zu entlasten, wurde au\u00dferdem ein kleiner Vor- und Warteraum geschaffen. Im Magazin entstanden durch einen Fensterdurchbruch bessere Luft- und Lichtverh\u00e4ltnisse. Eine einheitlich einfache aber w\u00fcrdige Ausstattung der R\u00e4ume wurde unter geschickter Verwendung des vorhandenen Mobiliars vorgenommen. Dabei und bei der malerischen Ausgestaltung der R\u00e4ume leistete Prof. A. Hennig von der staatlichen keramischen Fachschule wertvolle Hilfe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der B\u00fcrgermeister Ulrich Burmann schreibt im selben Jahre \u00fcber das Jugendhaus: \u201e \u2026 Auch wir in Bunzlau waren bis vor ganz wenigen Jahren schlimm daran. Aber heute haben wir ein Jugend-haus, um das uns viele, zum Teil sogar weit gr\u00f6\u00dfere St\u00e4dte beneiden. Im Jahre 1920 erwarb die Stadt das an der G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe gelegene Wollerschlo\u00df. Ein herrlicher Park mit altem Baumbestand umgibt das um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erbaute Geb\u00e4ude.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem das Milit\u00e4r und einige Mieter, die vor\u00fcbergehend das Haus belegten (womit die 21 Mieter erkl\u00e4rt w\u00e4ren), ausgezogen waren, ging es mit der Einrichtung unseres Jugendhauses Schritt f\u00fcr Schritt vorw\u00e4rts. Im Erdgescho\u00df wurden die <strong>Tageskrippe<\/strong> (S\u00e4uglingsheim), die <strong>Schulzahnklinik<\/strong>, die <strong>M\u00fctterberatungsstelle<\/strong> und die Wohnung des Heimverwalters eingerichtet. In die prachtvollen, hohen R\u00e4ume des Obergeschosses kam die Volksb\u00fccherei, ein <strong>Montessori-Kindergarten<\/strong>, das <strong>Heim f\u00fcr den Kinderhort<\/strong>, die aus je einem M\u00e4del- und Burschenzimmer bestehende <strong>Jugendherberge <\/strong>und das aus f\u00fcnf Zimmer bestehende <strong>Heim f\u00fcr unsere schulentlassenen Jugendlichen<\/strong>. Wie notwendig allein diese f\u00fcnf R\u00e4ume sind und wie gern diese schlicht, aber um so farbenfroher und freundlicher ausgestatteten Zimmer aufgesucht werden, erhellt allein die Tatsache, da\u00df j\u00e4hrlich etwa f\u00fcnfzehntausend Kinder und mindestens ebensoviel schulentlassene Jugendliche sie aufsuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>An den Nachmittagen und zum Teil auch an den Vormittagen hat der <strong>Kinderhort<\/strong> in diesen Zimmern seine Bleibe. In dem einen Zimmer werden die Schularbeiten gemacht, in einem anderen Gesellschaftsspiele, und in wieder einem anderen Zimmer wird gebastelt, gelesen usw. Abends gegen 6 Uhr zieht die Schar der Kleinen aus, die Zimmer werden gel\u00fcftet und gereinigt, und um <sup>1<\/sup>\/<sub>2 <\/sub>8 Uhr kommen schon die ersten <strong>Jugendlichen der einzelnen Vereine<\/strong>, die dann bis 10 Uhr zusammen bleiben. Erw\u00e4hnenswert ist noch, da\u00df all die Jugendvereine, die unserem Ortsausschu\u00df f\u00fcr Jugendpflege angeschlossen sind (es sind dies zur Zeit 42), v\u00f6llig kostenlos unser Jugendheim benutzen d\u00fcrfen. Manche frohe, aber auch manche ernste Stunde kann man dann in einem Kreis solch jugendfrischer und froher Menschen verleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch unsere Jugendherberge, die eingangs schon erw\u00e4hnt wurde, erfreut sich einer starken Benutzung. In sauberen Holzbettstellen, die mit Matratzen versehen sind, haben allein im vergangenen Jahre \u00fcber 500 Jugendliche mit ihren F\u00fchrern und F\u00fchrerinnen \u00fcbernachtet. Das Herbergsbuch, in das sich jeder Wanderer eintragen mu\u00df, ist des Lobes voll. Besonders wird immer wieder die gro\u00dfe Sauberkeit erw\u00e4hnt. Es wird auch sicherlich manchem Leser interessant sein, zu erfahren, da\u00df in unserer Jugendherberge der Schlafsackzwang unbedingt durchgef\u00fchrt wird. Das hei\u00dft, jeder Wanderer darf bei uns nur n\u00e4chtigen, wenn er im Besitz eines sauberen Schlafsackes ist oder sich einen solchen gegen 10 Pf. Waschgeb\u00fchr beim Heimverwalter leiht. Manchmal st\u00f6\u00dft man mit dieser Neueinrichtung auf gro\u00dfe Schwierigkeiten; aber f\u00fcr unsere Jugend ist das Beste gerade gut genug. Und Sauberkeit mu\u00df man zuallererst von einer Jugendherberge verlangen. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image wp-duotone-unset-1\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1033\" height=\"1606\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-Statue-im-Park.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-917\" style=\"width:424px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-Statue-im-Park.jpg 1033w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-Statue-im-Park-836x1300.jpg 836w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-Statue-im-Park-768x1194.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-Statue-im-Park-988x1536.jpg 988w\" sizes=\"auto, (max-width: 1033px) 100vw, 1033px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Dieser kurze Rundgang durch unser Jugendhaus w\u00e4re aber nicht vollst\u00e4ndig, wenn man nicht noch unseren <strong>herrlichen Park<\/strong> erw\u00e4hnte. Es ist eigentlich ein ganz besonderes Kleinod. Jeder findet in ihm sein Pl\u00e4tzchen. Da gibt es lauschige Ecken, in denen Geschichten erz\u00e4hlt oder vorgelesen werden, dort eine sch\u00f6ne Waldwiese, auf der getanzt, gespielt oder gesungen wird. Und an den warmen Sommerabenden, wenn die vielen Gl\u00fchw\u00fcrmchen herumhuschen, ist\u2018s besonders heimlich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch schon bald leerte sich das Haus wieder. Die B\u00fccherei wurde zun\u00e4chst in das ehemalige Verwaltungsgeb\u00e4ude der in Konkurs gegangenen Firma Lengersdorff an der Ecke Haynauer Landstra\u00dfe\/H\u00fcttenstra\u00dfe, sp\u00e4ter dann in das Sparkassengeb\u00e4ude an der Oberstra\u00dfe verlegt. Die Jugendherberge befindet sich 1935 im benachbarten Hospital St. Quirini, ebenfalls im Besitz der Stadt. 1931 nutzte man das Geb\u00e4ude f\u00fcr die Zwecke der <strong>Bunzlauer Nothilfe<\/strong>. Fabrikdirektor Bruno Wabnitz berichtet im Heimatkalender 1933: \u201eAuf Anregung des Magistrats der Stadtgemeinde Bunzlau versammelten sich am 17. September 1931 unter Vorsitz des Herrn Ersten B\u00fcrgermeisters im Stadtverordnetensitzungssaale Vertreter der Verb\u00e4nde der freien Wohlfahrtspflege sowie der wirtschaftlichen und kulturellen Verb\u00e4nde und Vereinigungen aus allen Bev\u00f6lkerungsschichten zur Gr\u00fcndung der Bunzlauer Nothilfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem alle Vertreter grunds\u00e4tzlich ihre Mitarbeit an diesem Hilfswerk zugesagt hatten, konnte bereits am 23. September <strong>1931<\/strong> der Hauptausschu\u00df zusammentreten. Dieser bestellte einm\u00fctig Herrn Fabrikdirektor Wabnitz zum Vorsitzenden der Nothilfe. \u2026 Die Zubereitung des Volksk\u00fcchenessens erfolgte in der K\u00fcche der Heil- und Pflegeanstalt, die sich in besonders anerkennenswerter Weise in den Dienst der guten Sache gestellt hat. Die Ausgabe des Essens erfolgte im Jugendheim, G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe. Die erforderlichen R\u00e4ume, K\u00fcche mit Ausgabestelle und Speiseraum, hat die Stadt in dankenswerter Weise unentgeltlich zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Essenausgabe erfolgte durch Damen des Vaterl\u00e4ndischen Frauenvereins, des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes, des St.-Hedwigs-Vereins, des J\u00fcdischen Frauenvereins, der Arbeiterwohlfahrt und des Vereins f\u00fcr Fraueninteressen. Herr Fabrikdirektor Paul hat das E\u00dfgeschirr gestiftet. Insbesondere war die <strong>Volksk\u00fc<\/strong><strong>che <\/strong>f\u00fcr diejenigen Hilfsbed\u00fcrftigen eine besondere Hilfe, die keinen eigenen Haushalt haben und sich von ihrer laufenden Unterst\u00fctzung regelm\u00e4\u00dfig ein Mittagessen nicht kaufen k\u00f6nnen. Die Anerkennung, die die Volksk\u00fcche allseitig gefunden hat, d\u00fcrfte die Nothilfe veranlassen, im Herbst dieses Jahres in erster Linie die Volksk\u00fcche wieder einzurichten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1334\" height=\"755\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-Sportschule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-909\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-Sportschule.jpg 1334w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-Sportschule-1300x736.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss-Sportschule-768x435.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1334px) 100vw, 1334px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>1934<\/strong> stand das Geb\u00e4ude mal wieder leer. Die Nationalsozialisten bevorzugten f\u00fcr die bisherigen vielschichtigen Nutzungszwecke andere Standorte wie das ehemalige Volkshaus, die Loge oder den Wilhelmshof. Nur die <strong>SA<\/strong> nutzte die R\u00e4umlichkeiten und das Grundst\u00fcck als <strong>Gel\u00e4ndesportschule<\/strong>. Nach dem 30. Juni 1934 wurden aus Anlass des \u201eR\u00f6hm-Putsches\u201c viele Bunzlauer Pers\u00f6nlichkeiten, die den Nationalsozialisten nicht genehm waren, verhaftet und unter Bewachung in das ungenutzte Wollerschlo\u00df gebracht und dort festgehalten. Unter den damals Verhafteten befand sich auch der Generaldirektor der F\u00fcrstl. Solm\u2019schen G\u00fcterverwaltung, Konteradmiral a. D. Quaet-Faslem. Laut Einwohnerbuch der Jahre 1935\/36 war das Geb\u00e4ude zu diesem Zeitpunkt unbewohnt. Das sollte sich bald \u00e4ndern. Artur Schiller schreibt am 10. M\u00e4rz 1934: \u201eSonstige Eing\u00e4nge sind haupts\u00e4chlich folgende: Das Stadtbauamt \u00fcberwies aus dem Jugendheim ein Steinwappen des Grafen P\u00fcckler, der 1857 das Schl\u00f6\u00dfchen ausbaute.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1324\" height=\"747\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Truppfuehrerschule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-910\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Truppfuehrerschule.jpg 1324w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Truppfuehrerschule-1300x733.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Truppfuehrerschule-768x433.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1324px) 100vw, 1324px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>1936<\/strong> vermeldet das Stadtblatt: \u201eIm Juli zog in das Wollerschlo\u00df die <strong>Truppf\u00fchrerschule Nr. 6 des Reichsarbeitsdienstes<\/strong> ein, diese Schule bildete die Unterf\u00fchrer des RAD aus. Das Wollerschlo\u00df, das seit 1934 als Sportschule diente, erhielt wieder eine neue Verwendung\u201c und \u201eDas ehemalige \u201eP\u00fcckler-Palais\u201c, erbaut im 19. Jahrhundert vom Grafen P\u00fcckler, mit sehr sch\u00f6ner Garten- und Parkanlage, an der G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe gelegen, nach mannigfachen Schicksalen, diente das architektonisch bemerkenswerte Schlo\u00df in den Jahren nach der Machtergreifung zeitweise als SA.-Gel\u00e4ndesportschule. Baulich vollkommen durchrenoviert, hat es seit einigen Monaten die Reichsarbeitsdienst-Truppf\u00fchrerschule 6 aufgenommen.\u201c Noch einmal erleben wir also eine v\u00f6llig neue Nutzung des inzwischen \u00fcber 80 Jahre alten Geb\u00e4udes.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Titel \u201eWeihe der Arbeitsdienst-Truppf\u00fchrerschule\u201c berichtet das Bunzlauer Stadtblatt am 20. August 1936 \u00fcber die \u00dcbergabe zu ihrer neuen Bestimmung. \u201eSeit einigen Wochen steht am Schilderhaus vor dem Wollerschl\u00f6\u00dfchen ein Arbeitsmann mit geschultertem Spaten als Posten. Hier befindet sich jetzt die neue Truppf\u00fchrerschule 6 unseres Reichsarbeitsdienstes, die heute mittag im Rahmen einer gr\u00f6\u00dferen Veranstaltung durch Generalarbeitsf\u00fchrer Dr. Decker ihrer Bestimmung \u00fcbergeben wurde. Von der Stra\u00dfe aus fallen einem sofort einige Ver\u00e4nderungen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ganze Geb\u00e4ude hat einen schmucken neuen Abputz erhalten. An der Vorderfront prangt das Abzeichen des Reichsarbeitsdienstes, Spaten und Aehren. Anl\u00e4\u00dflich des heutigen Festtages der Einweihung ist das Geb\u00e4ude mit der Fahne des Reichsarbeitsdienstes und mit gr\u00fcnen Girlanden geschm\u00fcckt. Schon gleich am Eingang ist eine Rasenschmuckfl\u00e4che mit bl\u00fchenden Blumen und ein Springbrunnen, neu angelegt. In der Vorhalle des Haupteingangs trafen wir Arbeitsm\u00e4nner an, die gerade dabei waren, diese Halle mit lebensgro\u00dfen Skulpturen zu verzieren. Eine solche k\u00fcnstlerische Plastik verk\u00f6rpert die sportliche Erziehung, eine andere zeigt ein Arbeitsbild, die dritte eine marschierende Gruppe.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ganze Bau enth\u00e4lt eine lange Flucht von R\u00e4umen, die alle ihren bestimmten Zweck haben. Nichts ist Luxus, alles ist schlicht und einfach, aber doch freundlich gestaltet. Man findet u. a. den Raum f\u00fcr den Schulleiter, Oberstfeldmeister K\u00f6hler, Verwaltungszimmer, R\u00e4ume f\u00fcr das Lehrpersonal, blitzsaubere Waschr\u00e4ume, H\u00f6r- und Unterrichtss\u00e4le, ein Kameradschaftsheim mit Kantine, Kammer- und Ger\u00e4ter\u00e4ume, und eine gro\u00dfe Zahl von Mannschaftsstuben, die alle zweist\u00f6ckige Feldbetten, Spinde, einen Tisch, B\u00e4nke, Schemel usw. enthalten. Hier, wie \u00fcberall in der Schule, blitzt nat\u00fcrlich alles vor Sauberkeit. Die Betten sind \u201egebaut\u201c, da\u00df es eine wahre Freude ist. Hell und freundlich sind die W\u00e4nde gestrichen, und die einzelnen Stubenbelegschaften haben sich durch Bilder, Blumenvasen usw. ihre Stube oft recht sch\u00f6n ausgestattet.<\/p>\n\n\n\n<p>Uebrigens hat auch jede Stube ihren Namen: \u201eWahlstatt\u201c, \u201eHerzog Heinrich I.\u201c, \u201eHohenfriedeberg\u201c, \u201eKatzbach\u201c, \u201eAnnaberg\u201c, \u201eLeuthen\u201c, \u201eFriedrich der Gro\u00dfe\u201c, \u201eBl\u00fccher\u201c sind einige davon. Andere wieder sind \u201eDanzig\u201c, \u201ePosen\u201c, \u201eMemelland\u201c usw. benannt. Geradezu erstaunlich ist es, was aus den alten, halb verfallenen Anbauten auf der Hofseite geworden ist. Sie sind einfach nicht mehr wiederzuerkennen. Neue Fenster und T\u00fcren an Stelle der morschen oder zerbrochenen, neue Mauern, hell get\u00fcnchte W\u00e4nde \u2013 ja, hier ist wirklich alles ganz anders geworden. Und in welcher unglaublich kurzen Zeit das geschaffen wurde! Der weite Platz, der eine \u00f6de, von Unkraut \u00fcberwucherte Fl\u00e4che darstellte, ist vom Gras ges\u00e4ubert und planiert worden. Aus der alten Reithalle entstand eine ger\u00e4umige Uebungshalle f\u00fcr den Winter mit auszementiertem Fu\u00dfboden. Ihr gegen\u00fcber liegen einig neu errichtete Baracken, in denen sich Mannschaftsr\u00e4ume, der Speisesaal und die K\u00fcche mit Vorratsr\u00e4umen befinden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2018Dort dr\u00fcben wird eben noch eine neue gro\u00dfe Baracke errichtet, die unsere Turnhalle enthalten wird!\u2018 erkl\u00e4rt man uns. Auch hier diesen Platz umrahmen freundliche Gr\u00fcnanlagen. Doch gehen wir noch ein paar Schritte weiter, um einen Blick in den Park zu werfen. Er war vollkommen verwildert. Es mu\u00dfte also t\u00fcchtig ausgeholzt werden. Neue, kiesbestreute Wege, Uebungsgsl\u00e4nde f\u00fcr Sport und Leibeserziehung, ein Teich mit einem Springbrunnen und einer kleinen Insel in der Mitte \u2013 ja, auch hier sieht es jetzt gegen vorher vollkommen anders aus! Sogar ein Schwan, der von der Stadtverwaltung geschenkt wurde, hat sich schon h\u00e4uslich eingerichtet. Die F\u00fcchse aus dem Zoo werden hier ihr neues Heim finden. Insgesamt sind in dieser Schule drei Ausbildungsz\u00fcge mit 180 Mann, 25 Ausbildungsf\u00fchrer, 27 Mann Wirtschaftspersonal, und augenblicklich ein Bauzug von 60 Mann untergebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus allen Gauen unseres Vaterlandes kommen die f\u00fcr die Truppf\u00fchrerlaufbahn in Aussicht genommenen Arbeitsm\u00e4nner nach dieser Schule, um weltanschaulich, arbeitstechnisch und sportlich f\u00fcr ihre verantwortlichen F\u00fchreraufgaben innerhalb des Reichsarbeitsdienstes geschult zu werden. Heute mittag ist diese schmucke, sch\u00f6ne Schule ihrer Bestimmung \u00fcbergeben worden. In ihr wird der Geist straffer Disziplin, der Wille zum \u00e4u\u00dfersten Einsatz f\u00fcr unseren F\u00fchrer und die aufbauende nationalsozialistische Idee herrschen. So wird auf diese Schule ihr Teil dazu beitragen, Menschen mit harten F\u00e4usten und einem gesunden, starken Geist heranzubilden, die bef\u00e4higt sind, Werke von unverg\u00e4nglichem Wert f\u00fcr unser Volk zu schaffen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Unterrichtsbeginn war am 10. Juli 1936, die Einweihung des Geb\u00e4udes fand am 20. August in Gegenwart des Generalarbeitsf\u00fchrers Dr. Decker statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00f6rtliche NSDAP war vertreten durch den Kreisleiter Lehmann, die Ortsgruppenf\u00fchrer und die Vertreter der Gliederungen der Stadt Bunzlau. Der Kreis wurde repr\u00e4sentiert durch den Landrat Eckmann, die Stadt durch Stadtbaumeister Candrian sowie mehrere Beigeordnete und Ratsherren. Stadtbaurat Candrian erinnerte an den Grafen P\u00fcckler und erkl\u00e4rte: \u201eVor achtzig Jahren wurde das Heim vom Grafen P\u00fcckler erbaut. Er hat in dem 10 Morgen gro\u00dfen Park ein neues deutsches Landschaftsbild geschaffen und sich von dem Einflu\u00df der franz\u00f6sischen und englischen Gartenkunst freigemacht. So habe im Gro\u00dfen in den letzten Jahren der Arbeitsdienst mit dem Spaten in vielen Gegenden unseres Vaterlandes der Landschaft ein echtes deutsches Gesicht gegeben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann \u00fcbergab er den Schl\u00fcssel auf einem roten Seidenkissen mit dem Wappen der Stadt dem Generalarbeitsf\u00fchrer Decker. Mit dem Hinweis \u201eauf den schweren Dienst der jungen Spatentr\u00e4ger, der die Arbeit zu neuen Ehren f\u00fchrte und dem Volk ein neues Vaterland gebe\u201c und die \u201eMahnung an die Arbeitsdienstm\u00e4nner, treu, bescheiden und immer anst\u00e4ndig zu bleiben\u201c \u00fcbergab dieser sie nun seinerseits an den Schulleiter, Oberstfeldmeister K\u00f6hler weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>In der n\u00e4chsten Zeit nutzte man auch mehrfach die Gelegenheit zur Selbstdarstellung. So fand im August 1937 ein Parkfest statt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"665\" height=\"903\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Wollerschloss.Park_.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-912\" style=\"width:512px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das Stadtblatt berichtet am 19.8.1937: \u201eDie Truppf\u00fchrerschule 6 des Reichsarbeitsdienstes veranstaltet am Sonnabend, dem 21. August, nachmittags, ein Parkfest, das an Besonderheiten den Schmuck von 500 Lampions, einen kleinen zoologischen Garten mit Aquarium, Kleinkaliberschie\u00dfen f\u00fcr alle G\u00e4ste, lustiges Bodenturnen, Laienspiel, politische Satire, Handharmonikaorchester, humoristische Gesangsdarbietungen, Tombola, Kegelbahn, Weinkeller, Tanzmusik usw. aufweisen wird; auch f\u00fcr Kinderbelustigungen ist gesorgt. Das Fest wird im Park des P\u00fcckler-Schlosses, dem Sitz der Truppf\u00fchrerschule 6 des Reichsarbeitsdienstes, stattfinden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Kapitel des Wollerschlosses w\u00e4hrte nicht lange (Anmerkung: Noch 1936 war der Name Wollerschlo\u00df unangefochten, doch nun man sprach man nur noch vom P\u00fccklerschlo\u00df, man hatte wohl irgendwann zur Kenntnis nehmen m\u00fcssen, dass es sich bei dem allgemein bekannten Namensgeber Samson Woller um einen konvertierten Juden handelte. Auch die im Adressbuch von 1935\/36 noch benannte Wollerstra\u00dfe wurde nun in Spinnereien umbenannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 10. Juni 1939 hatte der RAD anl\u00e4sslich des Bunzlauer Heimatfestes noch einmal einen gro\u00dfen Auftritt mit einem \u201eAbend des Reichsarbeitsdienstes\u201c. Auch am geschichtlichen Teil des gro\u00dfen Heimatfestausmarsches nahm man Anteil, es wurden zahlreiche Teilnehmer der Truppf\u00fchrerschule als Darsteller eingesetzt. Bereits am 26. August zog dann der letzte Kursus der Truppf\u00fchrerschule des Reichsarbeitsdienstes in das Aufmarschgebiet an die polnische Grenze. Damit h\u00f6rte sie de facto auf zu bestehen. W\u00e4hrend des Krieges wurde auch das Wollerschloss wie andere gr\u00f6\u00dfere \u00f6ffentliche Geb\u00e4udekomplexe als <strong>Lazarett<\/strong> genutzt. Das Stadtblatt schrieb am 15. 7. 1940: \u201eGlaube und Sch\u00f6nheit\u201c singt bei Verwundeten. Am vergangenen Sonntag besuchte wieder Bunzlauer M\u00e4del des BDM-Werkes \u201eGlaube und Sch\u00f6nheit\u201c die Verwundeten in der Truppf\u00fchrerschule. Schon vor der verabredeten Zeit standen die M\u00e4del mit Blumenstr\u00e4u\u00dfen und kleinen P\u00e4ckchen an der Tankstelle an der G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe. Sie wurden von den Soldaten schon erwartet, und so sah man bei der Ankunft auf beiden Seiten lachende Gesichter. Nun ging es auf den \u201ePlatz\u201c im Park. Nach einigen Morgenliedern, die die letzten Schl\u00e4fer wachr\u00fctteln sollten, sangen die M\u00e4del lustige Lieder und sch\u00f6ne alte Volksweisen. Manche Lieder kannten die Soldaten und sangen tatkr\u00e4ftig mit. Auch sie trugen dann sp\u00e4ter einige ihrer Lieder vor. Viel zu schnell verging die Zeit. Nach einem lustigen Wettspiel erklang das Schlaflied. Mit einem Wanderlied zum Abschied und dem Versprechen, ja wiederzukommen, marschierten die M\u00e4del ab.\u201c Das Geb\u00e4ude soll <strong>1942<\/strong> beschlagnahmt und als <strong>Augenlazarett<\/strong> eingerichtet worden sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Februar 1945 endete nach 88 Jahren die wechselvolle, bewegte deutsche Geschichte des Hauses. Es hat die St\u00fcrme der Jahre 1945\/1946 gut \u00fcberstanden, es begann nun eine vermutlich ebenso abwechslungsreiche polnische Geschichte. Gut ist es zu wissen, dass man inzwischen eine w\u00fcrdige Nutzung f\u00fcr das Geb\u00e4ude gefunden hat. Es ist nun Museum geworden und wird im Fr\u00fchjahr 2024 er\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bleibt die Frage nach dem Namen<\/strong>. Heute spricht man wieder nur noch vom P\u00fccklerschloss oder gar P\u00fccklerpalais. Ich mache an dieser Stelle keinen Hehl daraus, dass ich mich mit dieser Bezeichnung nicht anfreunden kann, sie ist historisch falsch. Sie impliziert eine N\u00e4he der Bunzlauer P\u00fccklers mit dem Sch\u00f6pfer der ber\u00fchmten Moskauer Parkanlagen, die nicht einmal ansatzweise vorhanden ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich sind die P\u00fccklers eine bedeutende ostdeutsche Adelsfamilie. Aber auch nicht alle Gutenbergs haben den Buchdruck erfunden, und so haben auch die P\u00fccklers nur den einen wirklich gro\u00dfen Mann hervorgebracht, mit dessen Namen man hier kokettiert. Der Bunzlauer von P\u00fcckler war nur ein entfernter Verwandter und Besitzer einer eher kleinen Herrschaft in Rothlach. Seine Verdienste um die Stadt Bunzlau liegen bei null. Der bedeutendste Mann, der hier lebte, auch er wohnte selbst nur kurze Zeit im Hause, war <strong>Samson Woller<\/strong>. Die von ihm begr\u00fcndete Kammgarnspinnerei&nbsp; <strong>Concordia <\/strong>war trotz der gro\u00dfen Bedeutung der Keramikindustrie viele Jahrzehnte der gr\u00f6\u00dfte Arbeitgeber in Bunzlau. Er hat Spuren in der Stadt hinterlassen, die bis heute nachwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Man w\u00fcrde nur vom \u201eWollerschloss\u201c sprechen, wenn da nicht seine j\u00fcdische Vergangenheit gewesen w\u00e4re. \u201eP\u00fccklerschloss\u201c, \u201eJugendhaus\u201c, \u201eGel\u00e4ndesportschule\u201c, \u201eRAD-Truppf\u00fchrerschule\u201c, das ist eine bunte Auswahl teils sperriger Bezeichnungen. Der einzig richtige, auch vom Volksmund erw\u00e4hlte Name ist \u201eWollerschloss\u201c. So zu finden auf zahlreichen Ansichtskarten bis weit in die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein. Auf den zahlreichen mir bekannten Ansichten sind alle der vorgenannten Bezeichnungen zu finden. Nur eben nicht \u201eP\u00fccklerschloss\u201c. Aber es bleibt jedem selbst \u00fcberlassen, f\u00fcr welchen Namen er\/sie sich entscheidet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:22px\">Das Wollerschloss wurde oft abgebildet. Besonders zu nennen sind folgende Motive: <\/p>\n\n\n\n<p>Das Wollerschlo\u00df w\u00e4hrend des 1. Weltkrieges. Aus Bildsmmlung B\u00fcrgermeister Richter. Slg. Bunzlauer Heimatstube<\/p>\n\n\n\n<p>Wollerschlo\u00df: Aufnahme um 1920. Slg. Plate<\/p>\n\n\n\n<p>Die Parkanlage des Wollerschlosses um 1928. Slg. Plate<\/p>\n\n\n\n<p>Jugendhaus um 1930. Im Vordergrund die G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe. Slg. Plate<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00fccherei im Jugendhaus um 1928. Der Ausleihraum. Slg. Plate<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00fccherei im Jugendhaus um 1928. Das Lesezimmer. Slg. Plate<\/p>\n\n\n\n<p>2 Bilder: Grundriss der st\u00e4dtischen B\u00fccherei im Wollerschlo\u00df. Slg. Plate<\/p>\n\n\n\n<p>Hof der Gel\u00e4ndesportschule, aufgenommen um 1933\/34. Slg. Dietmar Plate<\/p>\n\n\n\n<p>RAD-Truppf\u00fchrerschule um 1936. Slg. Plate<\/p>\n\n\n\n<p>Statue im Park des Wollerschlosses. Slg. Plate<\/p>\n\n\n\n<p>Blick auf die R\u00fcckseite des Geb\u00e4udes um 1937. Slg. Plate<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Dietmar Plate (Peine) Anmerkung der Redaktion: Die Erstfassung dieses Beitrags erschien 2019 in den Nummern 1-3 der Bunzlauer Heimatzeitung. Der Text als solcher ist auch schon ein Dokument, da er beispielhaft die sorgf\u00e4ltige Arbeitsweise unseres Mitarbeiters Dietmar. Plate zeigt. 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