{"id":643,"date":"2024-02-16T16:14:07","date_gmt":"2024-02-16T15:14:07","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=643"},"modified":"2024-03-15T22:30:28","modified_gmt":"2024-03-15T21:30:28","slug":"eine-gedenktafel-fuer-die-frueheren-einwohner-von-giessmannsdorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/02\/16\/eine-gedenktafel-fuer-die-frueheren-einwohner-von-giessmannsdorf\/","title":{"rendered":"Eine Gedenktafel f\u00fcr die fr\u00fcheren Einwohner von Gie\u00dfmannsdorf"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Zeichen der Freundschaft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-accent-color has-white-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-a904895a5712c50904fceee4ac2d77ba\" style=\"font-size:18px\">Hier ein Bericht unseres Vorsitzenden Ferdinand Idasiak \u00fcber ein \u2013 wie wir meinen&nbsp; \u2013 sehr erfreuliches Gemeinschaftsprojekt. Wir m\u00f6chten es der Aufmerksamkeit aller Heimatfreunde aus Stadt und Kreis Bunzlau und allen, denen die deutsch-polnische Verst\u00e4ndigung wichtig ist, herzlich anempfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wieder einmal eine neue polnische Initiative zum Andenken an nach dem Krieg ausgesiedelte deutsche Einwohner. Die polnischen Einwohner von Gie\u00dfmannsdorf \/ Go\u015bcisz\u00f3w &nbsp;(Kreis Bunzlau) haben beschlossen, ein Zeichen der Freundschaft zu setzen zwischen den heutigen und den ehemaligen Einwohnern von Gie\u00dfmannsdorf. Die heutigen Bewohner Gie\u00dfmannsdorfs sind \u00fcberwiegend Nachfahren von polnischen Siedlern, die sich nach dem Krieg als polnische Minderheit aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens zu Zehntausenden&nbsp; nach 1946 in den Kreisen Bunzlau und Lauban niedergelassen haben. Ein eher geringer Teil der Polen, die nach Gie\u00dfmannsdorf kamen, waren Aussiedler aus dem \u00f6stlichen Gebiet Polens, das heute in der Ukraine liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Nach dem Beitritt Polens in die EU sind Reisen innerhalb Europas f\u00fcr polnische B\u00fcrger einfach geworden. So pilgerten Abordnungen der Einwohner von Go\u015bcisz\u00f3w in die der Ukraine und nach Bosnien-Herzegowina in das Land ihrer Vorfahren und besuchten die vor mehr als 50 Jahren verlassenen Friedh\u00f6fe ihrer Ahnen. Nach einer der Reisen im Jahr 2007 haben die Go\u015bciszowianer im Beisein von Einwohnern von Novy Martinac eine Feier abgehalten und auf dem von ihnen geordneten Friedhof eine steinerne Gedenktafel aufgestellt. Der Text sollte erinnern, dass dort von 1890 bis 1946 polnische Kolonisten lebten und dass deren Nachfahren der Ihren gedenken. \u00dcbrigens wurde der Friedhof 2013 in die Liste der National- Denkm\u00e4ler von Bosnien-Herzegowina aufgenommen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der Ausgabe 12\/2019 der Bunzlauer Heimatzeitung hatte Heimatfreundin Schiede vom 500-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Gie\u00dfmannsdorfer Glocke berichtet. In L\u00fchnde bei Hildesheim, wo am 03.11.20219 das Jubil\u00e4um stattfand, war auch eine Abordnung aus dem polnischen Gie\u00dfmannsdorf.&nbsp; Und dort wohl reifte &nbsp;die Idee, die alten Gie\u00dfmannsdorfer zu dem j\u00e4hrlichen Dorffest namens \u201ePetschenica\u201c (Spannferkel) am 4. bis 5. Juli einzuladen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem alten Friedhof, um die heutige katholische Kirche, wollen die Einwohner von Go\u015bcisz\u00f3w mit ihren deutschen G\u00e4sten eine feierliche Tafel-Enth\u00fcllung zelebrieren. Die Initiatoren der Aktion sind der junge Lokalhistoriker Krzysztof Stefan, der Ortsvorsteher Ludwik Torba und der Ortsbeirat Henryk Anio\u0142. Sie werden unterst\u00fctzt von dem Go\u015bcisz\u00f3wer Pfarrer Janusz Wilk. Die haben aus der Bunzlauer Heimatzeitung erfahren, dass ich, der neue Vorsitzende der Bundesheimatgruppe Bunzlau zu Siegburg, die polnische Sprache beherrsche, und so haben sie sich umgehend an mich gewandt und um Beteiligung nachgesucht. Die Idee fanden wir vom Vorstand der Bundesheimatgruppe der Unterst\u00fctzung w\u00fcrdig, und nun sind wir dabei, gemeinsam einen w\u00fcrdigen Tafeltext zu erarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Der Friedhof von Gie\u00dfmannsdorf &nbsp;ist mittlerweile kaum als solcher zu erkennen. Schon in den sechziger Jahren hatte man die Grabsteine entfernt und das Gel\u00e4nde weitgehen eigeebnet, um dem wuchernden Gestr\u00fcpp Paroli zu halten. Gleich hinter der Friedhofsmauer liegt der neue Friedhof der Go\u015bciszowianer. Liebevoll gepflegt und mit viel bunten Blumen geschm\u00fcckt. Von dort \u00fcber den alten Friedhof f\u00fchrt ein Weg zu Kirche. Die Leute werden zwangsl\u00e4ufig an der neuen Gedenktafel vorbeigehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir rufen alle Heimatfreunde auf, an diesem sch\u00f6nen Projekt Anteil zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Bunzlauer in Siegburg<\/p>\n\n\n\n<p>2020 war die Gedenktafel mit finanzieller Unterst\u00fctzung der Bundesheimatgruppe hergestellt. Der Vorsitzende F. Idasiak war bei der Einweihung anwesend und bedankte sich herzlich bei den heutigen Einwohnern Gie\u00dfmannsdorfs.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1799\" height=\"1110\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/2020-03-30_pamiat3.1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-759\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/2020-03-30_pamiat3.1.jpg 1799w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/2020-03-30_pamiat3.1-1300x802.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/2020-03-30_pamiat3.1-768x474.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/2020-03-30_pamiat3.1-1536x948.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1799px) 100vw, 1799px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:18px\"><strong>In der Bunzlauer Heimatzeitung erschien 2020 dazu sein folgender Bericht<\/strong>.<\/h4>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><strong>Alte und neue Heimat Gie\u00dfmannsdorf<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Immer noch sind unsere Aktivit\u00e4ten durch die Epidemie weitgehend gel\u00e4hmt. Aber eine Sache haben wir zu Ende bringen k\u00f6nnen, die Gie\u00dfmannsdorf-Initiative. Auf dem dortigen stillgelegten Friedhofsteil sollte eine steinerne Gedenktafel aufgestellt werden, die an die dort ruhenden und an die in der Fremde verstorbenen deutschen Einwohner erinnern sollte.&nbsp; Eigentlich war das nicht unsere Idee, sondern die der heutigen polnischen Einwohner von diesem Dorf. Die haben sich anfangs bem\u00fcht um Unterst\u00fctzung bei verschiedenen Verb\u00e4nden, fanden aber kein Geh\u00f6r. Begr\u00fcndung: nur B\u00fcrgerinitiative und zu geringf\u00fcgig. Anfang des Jahres haben die&nbsp; Initiatoren sich an uns, die Bunzlauer Heimatgruppe, gewandt, und diese Bitte wollten wir nat\u00fcrlich nicht abschlagen. Gemeinsam mit polnischen Einwohnern haben wir ein Konzept ausgearbeitet, Gelder gesammelt und zwei Granittafeln anfertigen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 5. Juli anl\u00e4sslich eines Dorffestes sollte die Einweihung stattfinden. Epidemiebedingt wurde das Fest aber abgesagt. Nun bot sich als Rahmenveranstaltung das am 6. September gefeierte Erntedankfest von Go\u015bcisz\u00f3w an. Leider konnten nur wenige deutsche G\u00e4ste der Einladung folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>So machte ich mich auf den Weg nach Polen. Das Fest begann um 12 Uhr mit einer Messe. Die d\u00f6rfliche Folklore-Gruppe in bunten Trachten hat die Erntekrone feierlich in die Kirche getragen. Die Predigt bezog sich auf die Gebetworte \u201eUnser t\u00e4gliches Brot gibt uns heute\u201c. Der Pfarrer betonte, dass die Fr\u00fcchte der Erde f\u00fcr alle Menschen da sind, unabh\u00e4ngig von Volkszugeh\u00f6rigkeit und Glaubensbekenntnis.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Messe wurde die Erntekrone im feierlichen Zug zu der Stelle am Friedhof getragen, wo die Gedenktafeln angebracht waren. Nach&nbsp; Ansprachen von Dorfvorsteher Ludwig Torba und stellvertretend f\u00fcr die GIE\u00dfMANNSDORFER Frau Anneliese Schiede, hielt Pfarrer Janusz Wilk eine Rede mit religi\u00f6sem und politischem Bezug. Er unterstrich die Rolle der polnischen Kirche, in der im Jahr 1965 der Breslauer Erzbischof Kominek mit anderen Bisch\u00f6fen <strong>eine damals kontroverse Proklamation<\/strong> ver\u00f6ffentlichte. Er bot den deutschen Christen Vergebung an, und zugleich bat er im Namen der polnischen Christen um Vergebung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pfarrer betonte, dass die heutige Enth\u00fcllung der Tafeln nicht m\u00f6glich w\u00e4re ohne die Geste der Vers\u00f6hnung vor 55 Jahren. Und dass die Vers\u00f6hnung nicht ein Akt der Huldigung an die Kriegsbef\u00fcrworter von damals ist, sondern ein Akt der N\u00e4chstenliebe in Christus und seinem Evangelium. Er sagte abschlie\u00dfend:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nun enth\u00fcllen wir heute nachfolgendes Zeugnis der Liebe Gottes, die f\u00e4hig ist, alle unsere Schw\u00e4chen zu besiegen. Wir tun das in der prophetischen Macht des&nbsp; Appells der polnischen Bisch\u00f6fe und bitten wie vor 55 Jahren und im Geist von damals, und wir wiederholen andauernd und sogar 77-mal: Wir<strong> vergeben und bitten um Vergebung<\/strong> \u2013 und deshalb gedenken wir heute \u201c.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"637\" height=\"876\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Epilog.K.Stefan_1.-26.11.20.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1021\" style=\"width:444px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Einer der Initiatoren war der polnische Lokalhistoriker und Geschichtslehrer Krzystof Stefan. Auch er verfasste einen Bericht \u00fcber das v\u00f6lkerverbindende Ereignis.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Pfarrer segnete die Tafeln, und der Frauenchor der Folklore-Gruppe sang&nbsp; ein sch\u00f6n einstudiertes Kirchenlied abwechselnd in deutscher und polnischer Sprache. Dann zog man weiter zu einem angrenzenden Sportplatz, wo die Festteilnehmer zum Mittagtisch eingeladen waren. Es gab H\u00fchnchen- Roulade und Spanferkel. Unmengen am allerlei Kuchen, Kaffee und Cola und \u00c4hnliches, aber kein Bier. Das musste man sich am angrenzenden Stand mit Pommes kaufen. Daf\u00fcr gab es Wodka ohne Limit, und diskret wurde auch der Hausmacher Slibowitz eingeschenkt. Viele G\u00e4ste haben sich aber&nbsp; angesichts des folgenden Arbeitstages zur\u00fcckgehalten. Auf der B\u00fchne wurden wieder Ansprachen gehalten, es gab Musik, man unterhielt sich und machte jede Menge Fotos. Mit ordentlichen Wegzehrungspaketen wurden die ausw\u00e4rtigen G\u00e4ste verabschiedet.<\/p>\n\n\n\n<p>An diese Tage wird man noch lange denken. Um am sch\u00f6nsten ist die Gewissheit, dass in Go\u015bcisz\u00f3w die Gie\u00dfmannsdorfer und deren Nachkommen ein Platz erhalten haben, wo sie ihrer Vorfahren w\u00fcrdig gedenken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den n\u00e4chsten Tagen gab es auf den \u00f6rtlichen Internetportalen Berichte dar\u00fcber. Mit positiven Kommentaren und Fotos. Das wurde \u00fcber 1500-mal angesehen. Auf Facebook&nbsp; wurden auf der Seite \u201eSolectwo Go\u015bcisz\u00f3w\u201c dutzende Fotos gepostet. Auch auf \u201eYouTube\u201c mit Suchbegriff \u201eDozynki Go\u015bcisz\u00f3w 2020\u201c ist Filmmaterial zu sichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gr\u00fc\u00dfe Euch alle!<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ferdinand Idasiak, Vorsitzender der Bundesheimatgruppe Bunzlau<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:57px\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Zeichen der Freundschaft Hier ein Bericht unseres Vorsitzenden Ferdinand Idasiak \u00fcber ein \u2013 wie wir meinen&nbsp; \u2013 sehr erfreuliches Gemeinschaftsprojekt. Wir m\u00f6chten es der Aufmerksamkeit aller Heimatfreunde aus Stadt und Kreis Bunzlau und allen, denen die deutsch-polnische Verst\u00e4ndigung wichtig ist, herzlich anempfehlen. 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