{"id":380,"date":"2023-11-21T16:54:22","date_gmt":"2023-11-21T15:54:22","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=380"},"modified":"2024-03-22T23:47:55","modified_gmt":"2024-03-22T22:47:55","slug":"eine-langjaehrige-mitarbeiterin-der-bundesheimatgruppe-ursula-burghardt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2023\/11\/21\/eine-langjaehrige-mitarbeiterin-der-bundesheimatgruppe-ursula-burghardt\/","title":{"rendered":"Eine langj\u00e4hrige Mitarbeiterin der Bundesheimatgruppe. Ursula Burghardt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Von Bunzlau nach Bonn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der denkw\u00fcrdige Lebensweg der Bunzlauerin Ursula Burghardt (25. Oktober 1921 &#8211; 10. August 2021)<br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"870\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/U.Burghardt-Bzl.2014.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1112\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/U.Burghardt-Bzl.2014.jpg 1280w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/U.Burghardt-Bzl.2014-768x522.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-accent-color has-text-color has-link-color wp-elements-fb6a6e4bcd52e87b8c0c77565a845c8b\" style=\"font-size:25px\"><sup>Sie wurde in Bunzlau geboren und hat ihre F\u00e4higkeit \u00fcber mehrere Jahrzehnte in die B\u00fcroarbeit der Heimatgruppe eingebracht.<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Gewiss, das alte deutsche Bunzlau ist l\u00e4ngst Geschichte geworden. Wie vieles andere aus dem vergangenen Jahrhundert. Und doch ist uns diese schicksalhafte Epoche noch in vielem gegenw\u00e4rtig: in den unbegreiflichen Katastrophen jener Zeit, die bis heute schmerzen, aber auch in den Sch\u00e4tzen, die uns die Geschichte hinterlassen hat. Dazu z\u00e4hlen neben dem gro\u00dfen kulturellen Erbe Deutschlands, das Gott sei Dank gerettet oder wiederhergestellt werden konnte, die gewaltige Aufbau- und Integrationsleistung nach Ende des Zweiten Weltkrieges &#8211; und deren Vollbringer. Leider gibt es immer weniger Menschen unter uns, die all dies erlebt, erlitten und mitgestaltet haben. Wir haben allen Grund, ihnen mit Respekt und mit Dankbarkeit zu begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine davon war Ursula (\u201eUrsel\u201c) Burghardt, Archivarin und B\u00fcromitarbeiterin der Bundesheimatgruppe Bunzlau in Siegburg. Am 25. Oktober 2021 h\u00e4tten wir ihren 100. Geburtstag begehen k\u00f6nnen. Kurz davor, am 10. August, wurde sie uns nach kurzer Krankheit genommen. Sie starb in einem Bonner Altenheim, in das sie erst im Fr\u00fchjahr 2020 eingezogen war, nicht weit entfernt von ihrer alten Wohnung im Stadtteil Kessenich.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie am 25. Oktober 1921 in Bunzlau das Licht der Welt erblickte, lagen noch die Schatten des Ersten Weltkrieges auf dem Deutschen Reich und \u00fcber der preu\u00dfischen Provinz Schlesien. Die Mutter, eine geborene Wander,&nbsp; f\u00fchrte in der T\u00f6pferstra\u00dfe Nr. 1 bis Februar 1945 ein Kolonialwarengesch\u00e4ft, der Vater, der aus Gro\u00df Hartmannsdorf stammte, arbeitete bei Hoffmann &amp; Co. Nach dem Besuch der Volksschule, der Dorotheenschule, wo sie bei ihrem Klassenlehrer, dem bekannten Heimatforscher Arnold Glander, eine ausgesprochen gute Allgemeinbildung erhielt &#8211; ging sie bei der Tonwarenfabrik Eduard K\u00fcttner in die Lehre. K\u00fcttner produzierte \u00e4hnlich wie Hoffmann &amp; Co. Tonr\u00f6hren, Wasch-und Sanit\u00e4r-Anlagen, Futtertr\u00e4nken, auch Vorratst\u00f6pfe etc. Dort erlernte sie den Beruf der Kontoristin, blieb dort und erhielt 1943 sogar die Prokura. Ihr damals erworbenes solides b\u00fcrotechnische Wissen, ihr \u201egro\u00dfer Flei\u00df und ihr umsichtiges Arbeiten\u201c (Zeugnis der Fa. K\u00fcttner aus dem Februar 1944) kamen Jahrzehnte sp\u00e4ter der Bunzlauer Heimatstube in Siegburg zu Gute.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem profitierte die Bundesheimatgruppe von ihrem enormen Wissen \u00fcber das alte deutsche Bunzlau. Man hatte den Eindruck, dass sie mit jeder Ecke vertraut war und fast jeden der damaligen Bunzlauer pers\u00f6nlich kannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00e4ngt nicht zuletzt mit ihrer Freude am Sport zusammen, die sie \u00fcbrigens ein Leben lang bewahrt hat. Zweimal w\u00f6chentlich ging sie zum Turnen beim MTV Bunzlau, wo sie mit vielen Sportbegeisterten zusammentraf. Als Leichtathletin mit weit \u00fcberdurchschnittlichen Leistungen und als t\u00fcchtige Handballspielerin nahm sie schon in jungen Jahren an regionalen und \u00fcberregionalen Wettk\u00e4mpfen in St\u00e4dten Schlesiens und in Ostpreu\u00dfen teil, absolvierte auch einen Lehrgang in Hannover und ein Seminar f\u00fcr Gruppenleiterinnen an der Hochschule f\u00fcr Leibes\u00fcbungen in Berlin. Das gerettete Fotoalbum erz\u00e4hlt davon. Klar, dass sie im BdM (Bund deutscher M\u00e4del) eine Sportgruppe leitete.<\/p>\n\n\n\n<p>Karl-Heinz, der j\u00fcngere Bruder, lernte derweil bei der Concordia und kam anschlie\u00dfend zur Wehrmacht. Der politische Horizont verd\u00fcsterte sich zusehends. Die Bunzlauer Synagoge wurde niedergebrannt, der Zweite Weltkrieg begann, Bunzlau erhielt zwei Au\u00dfenlager des KZs Gro\u00df Rosen. Die Gefangenen mussten Zwangsarbeit in der Bunzlauer R\u00fcstungsindustrie leisten. Als Mutter und Tochter einmal aus dem Fenster schauten und einen Trupp abgemergelter Arbeitsh\u00e4ftlinge in KZ-Kleidung erblickten, der unter Bewachung in die Rothlacher-Stra\u00dfe hereinkam, sagte die Mutter zu Tochter Ursel: \u201eGnade uns Gott, M\u00e4del, wenn das einmal auf uns zur\u00fcckschl\u00e4gt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schlimm es dann kommen w\u00fcrde, konnte selbst sie nicht ahnen. Als die Russen am 10. Februar 1945 vor Bunzlau standen und die meisten Bewohner hals \u00fcber kopf flohen, blieb die Mutter im Vertrauen auf die russische Propaganda (Befreiung vom Faschismus und Wiederherstellung normaler rechtsstaatlicher Verh\u00e4ltnisse) trotz dringender Warnungen mit ihrem Ehemann zur\u00fcck. Schlie\u00dflich hatten sich beide nichts zuschulden kommen lassen. Ursel, die ihre Eltern nicht zur Flucht hatte \u00fcberreden k\u00f6nnen, fand nach einer Odyssee bei Verwandten in Dessau-Rosslau Zuflucht. Der Vater wurde im M\u00e4rz 1945 von den Russen verschleppt und kam bereits am 17. Mai ums Leben. Jahrzehnte sp\u00e4ter konnte Frau Burghardt auf einem gro\u00dfen Gr\u00e4berfeld in der N\u00e4he von Breslau an der vermutlichen Begr\u00e4bnisst\u00e4tte &nbsp;ihres Vaters Blumen niederlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Kriegsende kehrte die junge Frau wie so viele in die zerst\u00f6rte Heimat zur\u00fcck und fand die Mutter allein und noch lebend vor. Schon bald danach, am 24. Juli 1945, wurden Mutter und Tochter mit vielen anderen Bunzlauern im Zuge der ersten sogenannten Wilden Vertreibung erneut zum Verlassen der Heimat gezwungen, und sie gelangte abermals nach Rosslau. Eine R\u00fcckkehr war jetzt unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Bahnhof Dessau-Rosslau, wo schon ihr Bruder arbeitete, der inzwischen aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, fand sie eine Anstellung als Lohnrechnerin. Das Leben begann sich zu normalisieren. Der Wiederaufbau wurde in Angriff genommen, auch in der Sowjetischen Besatzungszone. Selbst zum Handballspiel im Sportverein war wieder Gelegenheit. Bei einem \u201eWestbesuch\u201c nahm sie unerlaubterweise 1954 an einem der allerersten Bunzlauer Heimattreffen in Siegburg teil.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald darauf erfolgte der n\u00e4chste Lebenseinschnitt. Aus politischen Gr\u00fcnden musste sie 1955 die DDR verlassen. Bruder und Mutter blieben in Dessau zur\u00fcck. Auf Umwegen gelangte sie, vermittelt durch Schulkameradin Hilde Blumberg, nach Bonn. Sie sprach vergeblich beim Verteidigungsministerium und beim Gesundheitsministerium vor, ehe sie Anfang 1958 durch das Arbeitsamt eine Stelle in der Bonner Firma Heinrich August Schulte bekam, einer Tochter von Thyssen-Krupp. Zuletzt war sie dort Chef-Sekret\u00e4rin. Sie blickte gerne auf diese Zeit zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ihrem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 1982 begann abermals ein neuer und f\u00fcr die Heimatgruppe Bunzlau ungemein fruchtbarer Lebensabschnitt. Angesto\u00dfen durch die Bunzlauerin Hedwig Kindler \u2013 man muss ihr bis heute daf\u00fcr dankbar sein \u2013 \u00fcbernahm Ursula Burghardt Aufgaben im Vorstand der Bundesheimatgruppe in Siegburg. Sie brachte an zwei Wochentagen ihre ganze Kompetenz in die damals noch sehr umfangreiche B\u00fcro-Arbeit ein, und als es n\u00f6tig wurde, begab sie sich mutig und konsequent und erfolgreich an die Neu-Inventarisierung des Bestands der Heimatstube. Die dabei erworbenen Sach- und Methodenkenntnisse rechtfertigen es, sie als die Archivarin der Bundesheimatgruppe zu bezeichnen. Doch sie war sich nicht zu schade, auch die Ablagen zu machen, Telefondienst zu leisten und die anfallende Korrespondenz zu erledigen \u2013 gewandt, routiniert und zuverl\u00e4ssig. Leider hat sie den Sprung von der Schreibmaschine zum PC nicht mehr gepackt. Doch daf\u00fcr trug jedes ihrer Schreiben ihre ganz pers\u00f6nliche Note.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich wollte sie 2006 beim gro\u00dfen Bunzlauer Heimattreffen in G\u00f6rlitz nach mehr als 20 Jahren Vorstandsarbeit \u2013 \u00fcbergangsweise sogar als Vorsitzende &#8211; gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Raschke in den wohlverdienten \u201eHeimatstuben-Ruhestand\u201c gehen. Aber dann kam der arbeitsintensive Umzug der Heimatgruppe, dann war da ein gewisser Personalmangel, und au\u00dferdem machte es ihr einfach Freude, regelm\u00e4\u00dfig unter vertrauten Menschen zu sein und in der Vergangenheit und Gegenwart, kurz: in der ihr verbliebenen Welt ihres geliebten Bunzlaus zu leben und zu arbeiten. Erst 2016 beendete sie ihre st\u00e4ndige Mitarbeit, war aber bei Fragen immer ansprechbar und hat sich die Sonderveranstaltungen der Bundesheimatgruppe fast nie entgehen lassen, schon wegen des schlesischen Mohnkuchens&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich hat sie die Heimat immer wieder besucht. Auch wenn ihr altes Wohnhaus&nbsp; der modernen Stra\u00dfenf\u00fchrung weichen musste und sich auf ihrem ehemaligen Arbeitsplatz ein \u00f6der Busbahnhof angesiedelt hat. Mit den polnischen G\u00e4sten in der Heimatstube kam sie dank ihrer praktischen und gewandten Art gut zurecht. Auch sie profitierten von ihrer Sachkenntnis, sowohl hinsichtlich des alten Bunzlaus als auch hinsichtlich des Archiv- und Bibliotheksmaterials in der Heimatstube, das sie durch jahrelange Arbeit aus dem ff kannte und bereitwillig Interessenten zur Nutzung zur Verf\u00fcgung gestellt hat. Am meisten war sie in ihrem Element, wenn alte Bunzlauer anriefen oder wenn deren Kinder und Enkel oder Heimatforscher, Familienforscher oder Nachwuchshistoriker eine solide Auskunft in Sachen Bunzlau brauchten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Patenstadt Siegburg&nbsp; hat sie 1991 f\u00fcr ihre Verdienste mit einer Silbermedaille geehrt und die Landsmannschaft Schlesien hat sie ausgezeichnet. Zweifellos h\u00e4tte sie auch eine Anerkennung seitens der polnischen Bunzlauer verdient, zumal diese sich inzwischen mehrheitlich der deutschen Wurzeln ihrer Stadt und der jahrhundertelangen deutschen Geschichte Schlesiens bewusst sind und sich zu ihr bekennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfe Worte mochte Ursel Burghardt nicht. Doch ihre Spuren bleiben un\u00fcbersehbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter B\u00f6rner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Bunzlau nach Bonn Der denkw\u00fcrdige Lebensweg der Bunzlauerin Ursula Burghardt (25. Oktober 1921 &#8211; 10. 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