{"id":325,"date":"2022-07-14T15:40:52","date_gmt":"2022-07-14T13:40:52","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=325"},"modified":"2025-01-18T20:07:45","modified_gmt":"2025-01-18T19:07:45","slug":"325","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2022\/07\/14\/325\/","title":{"rendered":"Gottfried Zahn. Ein Bunzlauer Menschenfreund und Schulgr\u00fcnder"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-left\"><em><span class=\"tm10\">Das erstaunliche Leben des Maurermeisters, Waisenvaters und Schulgr\u00fcnders<\/span><\/em> <em>Gottfried Zahn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"font-size:18px\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><span class=\"tm15\">&nbsp;<\/span><\/strong><span class=\"tm16\">* 21.12.1705 in Tillendorf (Kr. Bunzlau) <\/span><span class=\"tm17\"> <\/span><span class=\"tm18\">\u2020<\/span><span class=\"tm19\"> <\/span><span class=\"tm16\">22.09.1758 in Bunzlau<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><span class=\"tm15\">&nbsp;<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1729 klopfte der Tillendorfer Maurergeselle Gottfried Zahn an die T\u00fcr des evange<br>lischen Waisenhauses in Thommendorf (Grafschaft Klitschdorf-Wehrau) und bat um die Er-<br>laubnis, mit den Waisenknaben lesen und schreiben zu lernen.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"tm17\">&nbsp;<\/span><span class=\"tm17\">Was hatte den jungen Mann dazu bewegt, mit Kindern die Schulbank zu dr\u00fccken? \u201eIch bin in<br>meiner zartesten Kindheit von Vater und Mutter verwaiset worden und habe erfahren m\u00fcssen,<br>wie elend es um solche Kinder aussieht. Niemand will sich ihrer annehmen (&#8230;) und zur Schule<br>sie anzuhalten, damit sie zugleich nach Leib und Seele versorgt werden, das geschieht selten.\u201c<br>Zahn jedoch nahm sein Schicksal selbst in die Hand und setzte sich als Vierundzwanzigj\u00e4hri-<br>ger \u201ebei Herrn Weber mitten unter die kleinen Sch\u00fcler.\u201c <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"tm17\">&nbsp;<\/span><span class=\"tm17\">1732 heiratete Zahn, 1733 erwarb er das Bunzlauer B\u00fcrgerrecht und seitdem arbeitete er in der<br>Stadt als Mauermeister. Die Einfriedung um den j\u00fcdischen Friedhof und die Verbesserung der<br>Trinkwasserversorgung in der Obervorstadt waren sein Werk.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"tm17\">&nbsp;<\/span><span class=\"tm17\">Zahns Leben nahm eine entscheidende Wendung, als er 1744 ein Buch des gro\u00dfen pietistischen<br>P\u00e4dagogen August Hermann Francke in die Hand bekam. Die \u201eNachricht von dem Waisenhau-<br>se zu Glauchau vor Halle oder Segensreiche Fu\u00dfstapfen des noch lebenden und waltenden lieb-<br>reichen und getreuen Gottes\u201c erweckte in ihm den Wunsch etwas \u00c4hnliches \u201eauf Gott (zu) wa-<br>gen.\u201c Mit Zustimmung seiner Frau stellte er im gleichen Jahr einen Hauslehrer ein, der neben<br>den Kindern der Zahns auch arme Nachbarskinder unentgeltlich unterrichtete.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"tm17\">Das uneigenn\u00fctzige Vorhaben brachte ihm viele Anfeindungen ein: Er wurde verspottet und musste sich den Vorwurf der Eitelkeit und des Hochmuts gefallen lassen.<br>1752 verbot der Rat der Stadt Bunzlau den Unterricht fremder Kinder. Als Zahn sich widersetzte, sperrte man ihn wegen \u201eAuflehnung\u201c f\u00fcr 8 Tage im Stockhaus ein, sein Hauslehrer erhielt zwei Tage Gef\u00e4ngnis. Sein Seelsorger, der Bunzlauer Stadtpfarrer Ernst Gottlieb Woltersdorf, versuchte ihn von seinem Vorhaben abzubringen und versagte ihm jegliche Hilfe.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"tm17\">&nbsp;<\/span><span class=\"tm17\">In dieser Situation entschlie\u00dft sich Zahn zu einem pers\u00f6nlichen Bittgang zum K\u00f6nig in Berlin (am 6. 11. 1753). Durch die Protektion einflussreicher M\u00e4nner gelingt es ihm, eine Bittschrift einzureichen. Schon am 20.11. geht ein k\u00f6nigliches Schreiben nach Breslau mit dem Befehl,<br>die n\u00e4heren Umst\u00e4nde seines Gesuchs zu pr\u00fcfen. Gl\u00fccklich eilte Zahn nach Hause. Nur 6 Meilen konnte er fahren, den Rest legte er bei str\u00f6mendem Regen zur\u00fcck. Am 10. 01. 1754 erging ein vorl\u00e4ufiger Bescheid aus Breslau an Magistrat und Geistlichkeit Bunzlaus, \u201eda\u00df dem Zahn bis zum Eingang der zu hoffenden k\u00f6niglichen Konzession unverwehrt und erlaubt sein soll, einen Informator und zwei Waisenkinder auf seine Kosten zu unterhalten, (&#8230;) auch die kleinen Kinder aus der Obervorstadt mit zu unterrichten.\u201c<br>Pfarrer Woltersdorf, der das Ergebnis der Reise als g\u00f6ttliche F\u00fcgung ansah, stand nun fest an<br>seiner Seite. Die endg\u00fcltige Genehmigung f\u00fcr Zahns Stiftung erfolgte am 30. 06. 1754. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"tm17\">Als im Herbst 1754 Friedrich der Gro\u00dfe in Schlesien weilte, konnte Zahn ihm bereits seine<br>\u201eErste Nachricht von dem Bunzlauer Waisenhause\u201c \u00fcberreichen. Darin berichtete er, dass dank<br>unerwarteter gro\u00dfz\u00fcgiger Unterst\u00fctzung von Arm und Reich, Nah und Fern die Stiftung schon<br>nach einem halben Jahr 16 Z\u00f6glinge, darunter 9 Waisen und einen studierten Pr\u00e4fekten beher-<br>berge. Und trotz der Not des Siebenj\u00e4hrigen Krieges ( ab 1756 ) ging es z\u00fcgig weiter: Zahn<br>kaufte das Nachbarhaus und begann &#8211; ganz im Vertrauen auf weitere g\u00f6ttliche Hilfe &#8211; den Bau<br>eines gro\u00dfen Waisenhauses. Da raffte 1758 eine Seuche zun\u00e4chst ihn, dann seinen Nachfolger<br>H\u00e4hnisch hinweg. Zahns Lebenswerk schien am Ende.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"tm17\">Doch jetzt \u00fcbernahm Pfarrer Woltersdorf neben dem arbeitsintensiven Pfarramt zus\u00e4tzlich<br>noch die Leitung der neu gegr\u00fcndeten Bildungseinrichtung. Der Geist des selbstlosen Dienens<br>war von Zahn auf ihn \u00fcbergegangen. Als auch er &#8211; schon 1761 &#8211; starb, stand die Stiftung mit<br>24 Waisenkindern und 82 anderen Z\u00f6glingen auf sicheren Grundlagen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"tm17\">&nbsp;<\/span><span class=\"tm17\">Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelten sich die vielf\u00e4ltigen schulischen Einrichtungen des<br>Waisenhauses [das \u201eSpittel\u201c (Internat), die Mittelschule, das eingegliederte Gymnasium in un-<br>terschiedlichen Auspr\u00e4gungen] zu Zentren der Schulbildung und der Lehrerausbildung in Nie-<br>derschlesien. Gottfried Zahns Gr\u00fcndung, zuletzt unter dem Namen \u201eStaatlich Zahnsche Schul-<br>anstalt\u201c, wurde so zu einem p\u00e4dagogischen Qualit\u00e4tsbegriff weit \u00fcber Bunzlaus Stadtgrenzen<br>hinaus. <\/span><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1712\" height=\"2288\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/59.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2242\" style=\"width:325px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/59.jpg 1712w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/59-973x1300.jpg 973w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/59-768x1026.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/59-1149x1536.jpg 1149w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/59-1532x2048.jpg 1532w\" sizes=\"auto, (max-width: 1712px) 100vw, 1712px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Gedenktafel Gottfried Zahn im ILO Boleslawiec (Flur alter Eingang links)<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-vertical is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-fe9cc265 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-left has-medium-font-size\"><strong>Seit 2006. Eine Gedenktafel f\u00fcr Gottfried Zahn<span class=\"tm17\"> <\/span>im I. Allgemeinbildenden Lyceum in Bunzlau (Boleslawiec)<\/strong><\/h2>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><span class=\"tm17\">Nach Flucht und Vertreibung der deutschen Sch\u00fcler und ihrer Lehrer baute seit 1947 das polnische P\u00e4dagogenehepaar Tyrankiewicz in den R\u00e4umen des Erweiterungsbaus der Zahnschen Anstalten das heutige I. Allgemeinbildende Lyzeum auf. Es konnte an das hohe Niveau der alten Schule ankn\u00fcpfen. Der einstige Gr\u00fcnder und die lange und gro\u00dfe Tradition dieser Bildungsanstalt gerieten in Vergessenheit. Doch ab Pfingsten 2006 erinnert auf Initiative der Bundesheimatgruppe eine deutsch-polnische Gedenktafel an den Bunzlauer Maurermeister, Waisenvater und Schulgr\u00fcnder Gottfried Zahn. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><span class=\"tm17\">P.B.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"tm22\">Quellen: Archiv der Bundesheimatgruppe. Prof. Alexander Bolz: Gottfried Zahn (Manuskript, 2002). Karl Springer, Von der Gr\u00fcndung des Waisenhauses &#8230;, in: Heimatbuch Bunzlau, 1964,&nbsp; <\/span><span class=\"tm22\">S. 234 &#8211; 243<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"tm17\">&nbsp;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/ueberarb.Aufsatz-zu-Zahn.1.doc\">\u00fcberarb.Aufsatz zu Zahn.1<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"tm17\"><br><\/span><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das erstaunliche Leben des Maurermeisters, Waisenvaters und Schulgr\u00fcnders Gottfried Zahn. &nbsp;* 21.12.1705 in Tillendorf (Kr. 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