{"id":2423,"date":"2026-04-25T19:08:14","date_gmt":"2026-04-25T17:08:14","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=2423"},"modified":"2026-04-26T11:27:23","modified_gmt":"2026-04-26T09:27:23","slug":"2423","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2026\/04\/25\/2423\/","title":{"rendered":"Eine wunderbare Lebensleistung f\u00fcr Bunzlau!"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Einblicke in das Werk des Heimatsammlers und Chronisten Kurt Basler.<\/h1>\n\n\n\n<p>Erschlossen und zusammengestellt von Dietmar Plate, \u00fcberarbeitet von Peter B\u00f6rner.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1163\" height=\"1626\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kurt-Basler-mit-s.-Schaetzen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2424\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kurt-Basler-mit-s.-Schaetzen.jpg 1163w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kurt-Basler-mit-s.-Schaetzen-930x1300.jpg 930w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kurt-Basler-mit-s.-Schaetzen-768x1074.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kurt-Basler-mit-s.-Schaetzen-1099x1536.jpg 1099w\" sizes=\"auto, (max-width: 1163px) 100vw, 1163px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>In seiner Erfurter Wohnung zeigt Kurt Basler G\u00e4sten einige der von ihm aufgesp\u00fcrten und dann akribisch aufgearbeiteten und geschmackvoll eingebundenen Quellen aus dem deutschen Bunzlau.<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Am 3. November 2025  konnte der Bunzlauer Heimatforscher Kurt Basler  seinen 95. Geburtstag begehen. Wir haben aus diesem Anlass seinen \u201eKollegen\u201c Dietmar Plate um einen Beitrag gebeten. Seine spontane Antwort: <em>\u201eDiesem Wunsch komme ich sehr gern nach. Kurt Basler nimmt eine ganz besondere Position in der langen Reihe Bunzlauer Chronisten ein. Er f\u00fchrte nicht Buch \u00fcber die allt\u00e4glichen Dinge, die in seiner Heimatstadt geschehen; er ist eher ein Schatzgr\u00e4ber, ein Arch\u00e4ologe, der wieder ans Tageslicht bringt, was in den 80 Jahren seit dem Einmarsch der Roten Armee und der \u00dcbergabe der Stadt Bunzlau an Polen verloren gegangen ist.\u201c<\/em> &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden bringen wir einen Auszug aus Plates umfangreicher W\u00fcrdigung.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Leider interessieren sich im heutigen Deutschland nicht mehr viele Menschen f\u00fcr unsere Geschichte in ihrer Gesamtheit. Damit droht auch Schlesien aus dem Blick zu verschwinden. Es geh\u00f6rt mittlerweile nicht mehr zum Allgemeinwissen, welch bedeutsame Rolle dieses Land und seine Bewohner in der deutschen Geschichte gespielt haben. Vielleicht wird einmal eine andere Zeit kommen, in der sich die Wahrnehmung von diesem Teil des einstigen Heiligen R\u00f6mischen Reiches Deutscher Nation und des 1870\/71 gegr\u00fcndeten Deutschen Reiches nicht mehr, wenn \u00fcberhaupt, auf 12 Jahre \u201eTausendj\u00e4hriges Reich\u201c beschr\u00e4nkt, sondern die \u00fcber 600 Jahre einer bl\u00fchenden deutschen Provinz in den Blick nimmt, die Goethe einmal als \u201ezehnfach interessantes Land\u201c bezeichnete. Zum Gl\u00fcck haben im polnischen Schlesien von heute \u00fcberraschend viele Menschen die alte deutsche Geschichte ihrer Heimat als Teil der eigenen Geschichte angenommen. Dass dennoch der deutsche Zugang unentbehrlich bleibt und reiche Fr\u00fcchte tragen kann, kann uns exemplarisch die Forscher- und Publikationsleistung Kurt Baslers zeigen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Um sie zu verstehen und angemessen zu w\u00fcrdigen, ist eine kurze historische Einordnung n\u00f6tig: In den zwanziger und drei\u00dfiger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es neben dem Geheimrat <strong>Artur<\/strong> <strong>Schiller<\/strong> eine ganze Anzahl von M\u00e4nnern, die sich mit der Geschichte von Stadt und Kreis Bunzlau befasst haben. Die meisten von ihnen \u00fcberlebten die Katastrophe und machten sich bis weit in die sechziger Jahre bemerkbar. 1964 wurde sogar noch einmal ein <strong>Bunzlauer Heimatbuch<\/strong> auf Initiative der Bundesheimatgruppe verfasst. Doch in den n\u00e4chsten Jahren forderte die Zeit ihren Tribut, die Zahl der Heimat-Historiker wurde immer kleiner. In den siebziger und anfang-achtziger Jahren meldete sich als letzter f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit <strong>Hans Christiani<\/strong> zu Wort, der sogar eine eigene Chronik ver\u00f6ffentlichte. Nach seinem fr\u00fchen Tod blieb eine L\u00fccke, die lange nicht geschlossen werden konnte. Langsam begannen die Spuren der alten Zeiten zu verwischen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Da trat &nbsp;unerwartet ein folgenreiches Ereignis ein: die Wiedervereinigung. F\u00fcr die Heimatgruppen der Vertriebenen und ganz besonders f\u00fcr die Bunzlauer erwies sie sich geradezu als Segen. Wo Stillstand und Abschiedsstimmung geherrscht hatten, tauchten pl\u00f6tzlich Menschen auf, die neues Leben in das eingefahrene Verbandssystem brachten. 1993, zum ersten Male seit vielen Jahren, wurde wieder eine Heimatgruppe gegr\u00fcndet: die \u201eBunzelrunde\u201c im th\u00fcringischen Niederp\u00f6llnitz. Das klingt erst einmal recht provinziell, nicht besonders bedeutend. Aber diese Gruppe wurde zum Sammelbecken der Stadt- und Kreis-Bunzlauer in den sogenannten \u201eneuen L\u00e4ndern\u201c. Zu &nbsp;ihr geh\u00f6rten zum Beispiel der unvergessene <strong>Karl-Heinz Bellinger<\/strong> und der langj\u00e4hrige Vorsitzende <strong>Horst Seliger<\/strong>. Viele Jahre zog sie die Aufmerksamkeit der Menschen aus den mitteldeutschen Bundesl\u00e4ndern auf sich, wurde zu ihrem vielleicht wichtigsten Anlaufpunkt. Die Entstehung und das Wirken dieser Gruppe w\u00e4re ein spannendes Thema der deutsch-deutschen Geschichte. Leider wird es wohl nicht mehr geschrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Berichte \u00fcber die Treffen dieser Gruppe nachliest, wird schnell erkennen, dass dort von Beginn an ein gewisser <strong>Kurt Basler<\/strong> auftaucht, der immer wieder die Gelegenheit nutzte, die Ergebnisse seiner T\u00e4tigkeit als Heimatforscher den anwesenden Besuchern vorzuf\u00fchren und Material zu sammeln. Und damit sind wir bei dem Mann, dem dieser Aufsatz gewidmet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss gestehen, ich pers\u00f6nlich bin ihm nicht allzu oft begegnet. Wir haben uns nur wenige Male bei Veranstaltungen der Bundesheimatgruppe getroffen. Aber die telefonischen und schriftlichen Kontakte kann ich kaum z\u00e4hlen. Wie kam ich zu dieser ungemein ergiebigen Bekanntschaft?<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter, geboren 1932 in Bunzlau, hatte aus verschiedenen Gr\u00fcnden lange den Kontakt zu Menschen aus ihrer Heimat gemieden. Doch 2000 lie\u00df sie sich von Verwandten zu einem Besuch in Bunzlau \u00fcberreden. Er fiel nicht ganz nach ihren Vorstellungen aus. So entstand die Idee, mit der eigenen Familie die Reise zu wiederholen. Die Vorplanung der Tour wurde mir \u00fcbertragen. Und jetzt kommt Herr Basler ins Spiel. Meine Mutter und ihre Geschwister hatten nach dem Tod ihrer Mutter bei Verwandten in K\u00f6nigswalde bei Naumburg gelebt, und die waren bekannt mit Kurt Basler und brachten ihn mit meiner Mutter zusammen. Und nun sah ich sie zum ersten Male: die vielen Kopien und Zettel des Herrn Basler, die sp\u00e4ter Basis meiner eigenen T\u00e4tigkeit als \u201eHeimatforscher\u201c wurden. Sie erwiesen sich schnell als ausgesprochen spannend und halfen mir, einen ganz ordentlich gelungenen Besuch in Bunzlau zu organisieren. Wichtiger: Ich hatte Spa\u00df daran gefunden, mich genauer mit der Stadt zu besch\u00e4ftigen. Nur am Rande sei erw\u00e4hnt: Zu diesem Zeitpunkt war Kurt Basler bereits \u00fcber zehn Jahre als Heimatforscher unterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p>Basis seiner Arbeit als Chronist war sein weitgespanntes \u201eNetzwerk\u201c. Er pflegte einen regen Austausch mit zahllosen \u201eInformanten\u201c und gab gleichzeitig sein Wissen gern an andere weiter, die dann von seiner Forschungst\u00e4tigkeit profitierten &#8211; wie meine oben erw\u00e4hnte Mutter. So gelang es ihm, zahlreiche, eigentlich schon verlorengegangenen Berichte, Dokumente, Bilder zu sichern und die Geschichte von Stadt und Kreis Bunzlau vor dem gro\u00dfen Vergessen zu bewahren. &#8211; Die zweite Quelle seine Recherchen waren alte B\u00fccher, Zeitungen und anderen Schriften in den verschiedensten Archiven und Bibliotheken in ganz Deutschland. Sein \u201eInternet\u201c war die Fernleihe: Die B\u00fccherei in Erfurt bestellte das Gefundene. Er lieh es aus, dann kopierte er alles, was er f\u00fcr wichtig hielt, meist in mehrfacher Ausf\u00fchrung , manchmal ganze B\u00fccher, band alles sorgf\u00e4ltig auf einfache, aber perfekte Weise und ordnete es in sein Privatarchiv ein. Auf diese Weise sorgte er daf\u00fcr, dass die weit verstreuten Erinnerungen an das deutsche, schlesische Bunzlau zumindest zu einem erheblichen Teil wieder zusammengef\u00fchrt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Von seinen Sammlungen profitieren alle, die sich jetzt oder irgendwann einmal mit der Geschichte Bunzlaus befassen. Ich war einer der Hauptprofiteure. Aber auch die Protagonisten der Heimatstube in Siegburg und des Keramikmuseums in Bunzlau kennen seine meist mit einem wei\u00dfen Einband versehenen B\u00e4nde. 2011 erhielt die Bundesheimatgruppe eine erste Lieferung des von ihm gesammelten Materials. Eine Weitere, in mehreren gro\u00dfen Kartons, holten Herr B\u00f6rner und Herr Roth pers\u00f6nlich bei ihm in Erfurt ab. Diesmal handelte es sich vor allem um aufwendig gebundene B\u00fccher, die Kurt Baslers wichtigste Arbeiten enthielten. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Baslerschen Sammlungen ist heute einer der S\u00e4ulen des gemeinsamen Archives Basler\/Plate. Es wird Zug um Zug Teil der digitalen Bunzlauer Heimatstube im Haus Schlesien und seine dort bereits vorhandenen Werke erg\u00e4nzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines seiner wichtigsten Anliegen war es, das Lebenswerk des wohl bedeutendsten Chronisten der Stadt Bunzlau, Geheimrat Artur Schiller, der Vergessenheit zu entrei\u00dfen. Das lie\u00df sich schwer an, denn der hatte kein gebundenes Gesamtwerk hinterlassen, sondern viele einzelne Aufs\u00e4tze, ver\u00f6ffentlicht in den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften. Schnell fand Kurt Basler an den unterschiedlichsten Standorten einige der wichtigsten Arbeiten. Nach einiger Zeit, als es schon schwierig wurde, weitere Texte zu entdecken, wurde im polnischen Bunzlau gemeinsam mit der Bundesheimatgruppe das Projekt \u201eBunzlauer Stadtblatt\u201c entwickelt. Denn auch die Polen hatten inzwischen die Bedeutung Schillers erkannt. Dutzende Berichte aus dem Archiv in Breslau wurden so zug\u00e4nglich gemacht. Kurt Basler beschr\u00e4nkte sich nicht darauf. Er fand mit Hilfe seiner schon l\u00e4nger ge\u00fcbten Praxis der Fernleihe zahlreiche weitere Texte. Schlie\u00dflich stellte er das Gefundene mit Unterst\u00fctzung des Familienforschers Dr. Wilfried Schiller aus Aschaffenburg, der Wurzeln in Bunzlau hatte, zusammen. Sie erarbeiteten ein Sammelwerk mit \u00fcber 1000 Seiten Umfang! So kam Artur Schiller am Ende doch noch zu seiner Chronik<strong>. <\/strong>Je eine CD und ein in Leder gebundenes Exemplar stellte Kurt Basler der stadtgeschichtlichen Abteilung des Bunzlauer Keramikmuseums und der Bundesheimatgruppe in Siegburg zur Verf\u00fcgung. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1466\" height=\"880\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Basler-b.-Reinh.A.-in-Bzl.-2008.1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2427\" style=\"aspect-ratio:1.6658954053443265;width:668px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Basler-b.-Reinh.A.-in-Bzl.-2008.1.jpg 1466w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Basler-b.-Reinh.A.-in-Bzl.-2008.1-1300x780.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Basler-b.-Reinh.A.-in-Bzl.-2008.1-768x461.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1466px) 100vw, 1466px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Kurt Basler in Bunzlau. Er \u00fcberreichte bei der Er\u00f6ffnung der Reinhold-Ausstellung im Jahre 2008 eine Kopie seiner Artur-Schiller-Edition an die  Bunzlauer Stadtververwaltung.<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die offizielle \u00dcberreichung dieses Werkes an das Muzeum Ceramiki war vermutlich das wichtigste Ereignis in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung von Baslers historischem Schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig aber war es so etwas wie ein Wendepunkt. Denn das Muzeum Ceramiki befasste sich in den n\u00e4chsten Jahren vor allem mit dem Thema Keramik. Konkrete Anfragen Baslers zur Stadtgeschichte, die beiden Seiten Erkenntnisgewinn h\u00e4tten bringen k\u00f6nnen, lie\u00df man unbeantwortet. Der bisher sehr gute Kontakt nach Bunzlau \u201eschlief ein\u201c, man lie\u00df Kurt Basler offensichtlich links liegen (Ein \u00e4hnliches Problem mit der Zusammenarbeit musste auch die Bundesheimatgruppe konstatieren). Eigentlich verwunderlich. Ich hatte immer den Eindruck, dass man ihn und uns dort sch\u00e4tzt und nur nicht in der Lage war, das zu vermitteln. Am Ende muss man sagen, dass Kurt Basler diesen Umgang als mangelnde Wertsch\u00e4tzung wahrnahm, was ihn schwer getroffen hat. \u00a0Aber das sind Nebenger\u00e4usche, mit denen musste und konnte er wohl leben. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Eines seiner Hauptmerkmale ist Gr\u00fcndlichkeit bis zur Perfektion. Seine Spezialit\u00e4t: die geradezu kriminalistische Recherche. Einige seiner wichtigsten Dokumentationen sollen das veranschaulichen.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Spitze stehen vermutlich seine jahrelangen Erforschungen der Familiengeschichte des Erbauers des Bunzlauer Viaduktes Baumeister Engelhard Gansel und seiner Nachkommen. Am Ende lagen vor: die wiederentdeckte Familienchronik, ein ausf\u00fchrlicher Familienstammbaum bis in die 2000er Jahre und jede Menge unsch\u00e4tzbares Bildmaterial. Die engen Verflechtungen &nbsp;der Gansels mit anderen angesehenen Bunzlauer Familien ergaben einen umfangreichen \u201eBeifang\u201c mit wertvollsten Informationen und noch einen Familienstammbaum, jetzt von der Verlegerfamilie Fernbach, das Wiederauffinden einer Kirchenchronik der evangelischen Kirche von Tillendorf sowie viele weitere spannende und ergiebige Kontakte zu anderen Verwandten der Gansel-Familie. Eine kleine Sensation war seine Entdeckung, dass der ehemalige Kieler B\u00fcrgermeister und langj\u00e4hrige Bundestagsabgeordnete Norbert Gansel (SPD) ein direkter Nachkomme des \u00e4ltesten Sohnes von Baumeister Engelhard Gansel ist. Ohne seine Recherchen h\u00e4tte Boles\u0142awiec bei der Wiedereinweihung des restaurierten Viadukts nicht einen so prominenten Ahnen des Erbauers pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen. Den Kontakt der Stadtverwaltung zu Norbert Gansel hatte Peter B\u00f6rner hergestellt, damals Vorsitzender der Bundesheimatgruppe. Leider wurde in Boleslawiec weder Kurt Baslers wertvolle Vorleistung erw\u00e4hnt noch die Vermittlung der Heimatgruppe.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr besch\u00e4ftigt hatte ihn eine Anekdote aus der Zeit der napoleonischen Kriege. Es ging um den Kurzaufenthalt Napoleons in Bunzlau bei seinem R\u00fcckweg nach dem gescheiterten Russlandfeldzug. Napoleons Schlitten soll damals in den Besitz der Familie Gansel geraten und durch einen ausgewanderten Sohn nach Amerika gelangt sein. Kurt Basler fand einen seltsamen Zeitungsartikel aus den USA, der dazu jede Menge Fakten kannte, aber am Ende so viele Ungereimtheiten aufwies, dass die Geschichte, die auch im Heimatbuch von 1925 zu lesen war, wohl eher als falsch anzusehen ist. Bei einer anderen Recherche zu dieser Zeit ging es um eine kleine Schale, die sogenannte \u201eProskauer Sch\u00fcssel\u201c, die Napoleon in den H\u00e4nden hatte. Da konnte er nicht nur feststellen, dass es sich um ein wahres Ereignis gehandelt hat, er fand sogar den Besitzer dieses geschichtstr\u00e4chtigen St\u00fcckes Keramik. Es war \u00fcber die Familie Gansel wiederum an einem bekannten Namen gelangt, einem Grafen Luckner.<\/p>\n\n\n\n<p>Bemerkenswert auch seine Dokumentation der alten Bunzlauer Friedh\u00f6fe. Da wurden viele alte und neue Berichte zusammengetragen, Bildmaterial entdeckt und zugeordnet. Dabei ist eine seiner ganz besonderen F\u00e4higkeiten zu bewundern. Mit viel M\u00fche entziffert er die zum Teil schwer lesbaren Texte. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die gro\u00dfenteils zerst\u00f6rten Epitaphien an der Au\u00dfenwand der katholischen Kirche mittels der von ihm besorgten alten Bilder und Informationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch mit der eigenen Familiengeschichte hat er sich ausgiebig besch\u00e4ftigt. Eines seiner letzten Projekte war eine Dokumentation \u00fcber seine Gro\u00dfmutter Hedwig Basler. Das w\u00e4re vielleicht nicht nennenswert, wenn sich diese Dame nicht in einem ausgesprochen spannenden Umfeld befunden h\u00e4tte. Ihre umfangreiche Lebensgeschichte ist ein ganz besonderes Zeitdokument.<\/p>\n\n\n\n<p>Unbedingt erw\u00e4hnenswert noch mehrere lange Berichte Baslers \u00fcber seine Heimat-Reisen seit 1973. Damals entstanden viele Fotos. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2317\" height=\"2367\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bilder-Basler_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2428\" style=\"aspect-ratio:0.9788688301570941;width:514px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bilder-Basler_1.jpg 2317w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bilder-Basler_1-1273x1300.jpg 1273w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bilder-Basler_1-768x785.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bilder-Basler_1-1504x1536.jpg 1504w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bilder-Basler_1-2005x2048.jpg 2005w\" sizes=\"auto, (max-width: 2317px) 100vw, 2317px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Zwei Fotos aus der Bildersammlung Kurt Baslers, von ihm aufgenommen bei einer seiner Bunzlau-Reisen.<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Den polnischen Bunzlauern mangelt gerade aus dieser Zeit an Bildmaterial. Durch einen seiner \u201eLieferanten\u201c und Freunde kam au\u00dferdem eine gr\u00f6\u00dfere Bildersammlung aus den D\u00f6rfern Uttig, Eckersdorf und Rothlach ungef\u00e4hr aus derselben Zeit dazu. Von diversen \u201eZulieferern\u201c stammt eine Sammlung von Bildern, fotografiert vom Turm der evangelischen Kirche, und eine ebensolche vom katholischen Friedhof an der Eckersdorfer Stra\u00dfe. Ganz zu schweigen von dem Bildmaterial, das er aus den H\u00e4nden vieler Kontaktpersonen erhielt.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den meist \u00fcber Jahre verfolgten Projekten gab es auch immer \u201ekleinere\u201c Arbeiten, u.a. \u00fcber den j\u00fcdischen Friedhof. Nur m\u00fchsam lie\u00dfen sich dazu Daten zusammentragen. Der wichtigste Teil dieses Projektes ist ein von ihm erstellter Plan dieses in den Chroniken kaum thematisierten Ortes.<\/p>\n\n\n\n<p>Erw\u00e4hnenswert auch die Erinnerung an eines seiner \u201eHerzensprojekte\u201c: \u00dcber einen langen Zeitraum besch\u00e4ftigte ihn der legend\u00e4re, von Martin Opitz bedichtete, heute leider nicht mehr existierende Queckbrunnen in der N\u00e4he der Waisen- und Schulanstalt. Dank seiner Beharrlichkeit brachte er dieses Vorhaben zu einem gl\u00fccklichen Ende, als er im Rahmen des Stadtblatt-Projekts zwei bisher unbekannte Berichte, sogar mit Aufnahmen des Brunnens, entdeckte.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum jemand kennt die Siedlung Rothlach. Es ist ein Gl\u00fccksfall, das Kurt Basler dort seine Kindheit verbrachte. Und nat\u00fcrlich einen Aufsatz \u00fcber dieses kuriose St\u00fcck Bunzlau herausbrachte \u2013 weit vor der Stadt aus vier H\u00e4usern bestehend, zwischen den D\u00f6rfern Rothlach und Eckersdorf gelegen. Das ist nun wirklich <em>sein<\/em> Thema, das hat er f\u00fcr sich ganz allein. Niemand hat dar\u00fcber berichtet, vielleicht wusste \u00fcberhaupt niemand davon. Es steht aber grunds\u00e4tzlich f\u00fcr viele andere Themen, die ebenfalls f\u00fcr unbedeutend gehalten wurden, wenn sich nicht ein Kurt Basler damit besch\u00e4ftigt und sie f\u00fcr die Zukunft bewahrt h\u00e4tte. In dieser Siedlung Rothlach wurde er am 2. November 1930 geboren, als zweiter Sohn des Zimmermanns Wilhelm Basler aus Uttig und Sophie Basler, geb. Sussek. Eine j\u00fcngere Schwester folgte im Jahre 1932 als drittes Kind. Sein \u00e4lterer, noch in Uttig geborener Bruder Fritz wurde 1944 zur Handelsmarine eingezogen. Seit Februar 1945 gilt er als vermisst. Die Suche nach ihm besch\u00e4ftigte ihn \u00fcber Jahrzehnte. Tragisch: Vielen konnte er helfen, verlorengegangene Angeh\u00f6rige, Freunde, Mitsch\u00fcler wiederzufinden. Aber die Suche nach dem eigenen Bruder blieb erfolglos.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Vater starb schon 1939. Nachdem die Mutter Arbeit in Bunzlau gefunden hatte, zog sie 1942 mit ihren drei Kindern in die Stadt, in das Haus des Landvermessers Wulff, Bergmannstra\u00dfe 9. Im Februar 1945 musste die Familie wie so viele andere fliehen. Am Ende verschlug es sie \u00fcber Greu\u00dfen nach Clingen, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Landgemeinde_(Th%C3%BCringen)\">Landgemeinde<\/a>n im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kyffh%C3%A4userkreis\">Kyffh\u00e4userkreis<\/a>. 1948 beendete er eine Lehre als Zimmermann, arbeitete dann ungef\u00e4hr ein Jahr unter Tage bei der Wismut AG in Oberschlema im Erzgebirge und kam 1950 nach Erfurt, wo &nbsp;er seine Frau Margareta aus Franzensbad im Sudetenland kennenlernte. 1951 wurde der fr\u00fch verstorbene Sohn Volker geboren. Es folgten 1953 die T\u00f6chter Elke und 1959 Silke. Im Jahr 1951 wechselte Kurt Basler zur Polizei. Nach 39 Dienstjahren, davon 37 Jahre bei der Kripo, ging er 1990 in Rente. Bis heute lebt er, inzwischen verwitwet, in Erfurt, das ihm zur neuen Heimat wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Als letztes sei eine Zusammenarbeit erw\u00e4hnt, deren Bedeutung wohl niemand wirklich erkannt hat. Viele Jahre lang stand er mit dem aus Rothlach \/ Rakowice stammenden polnischen Heimatforscher <strong>Tadeusz Berestecki<\/strong> in Verbindung. Der ist wohl mehr ein \u201eSchatzsucher\u201c, sein Verh\u00e4ltnis zum Muzeum Ceramiki eher zwiesp\u00e4ltig. In einem Umkreis von mittlerweile weit \u00fcber 80 km rund um Bunzlau sichtet er vergessene Denkm\u00e4ler aus deutscher Zeit. Die Arbeitsteilung verlief folgenderma\u00dfen: Berestecki machte ein Foto und schickte es Kurt Basler, und der hatte dann die Aufgabe, die darauf enthaltene Schrift zu entziffern. Das war mal leicht zu bew\u00e4ltigen, sehr oft aber auch ausgesprochen schwierig. Im Laufe der Jahre wurden so mehrere hundert Gedenksteine, Hausinschriften, Grabdenkm\u00e4ler u. v. a. m. entschl\u00fcsselt und f\u00fcr die Nachwelt aufbewahrt. Diese Bildersammlung mit den dazugeh\u00f6rigen Schriften ist kaum bekannt und noch nicht erschlossen. Berestecki nutzte Kurt Baslers Wissen aber schon vielfach f\u00fcr eigene Projekte, zum Beispiel seine Internetseite, die sich mit deutschen Kriegerdenkm\u00e4lern befasst. Inzwischen hat Kurt Basler diese Zusammenarbeit weitgehend eingestellt, und Herr Berestecki sucht vermutlich vergeblich nach einem gleichwertigen Nachfolger. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren hat &nbsp;er seine T\u00e4tigkeit als Heimatforscher zur\u00fcckgefahren und schlie\u00dflich beendet. Schade! Er ist zwar inzwischen 95 Jahre alt, aber sein Geist ist ausgesprochen frisch. Dass er nun resigniert hat, mag wohl damit zusammenh\u00e4ngen, dass ihm nach und nach die \u201eKontakte\u201c verloren gegangen sind, die seine Arbeit gef\u00f6rdert haben. Vergessen wir nicht: Er ist ein Kind Bunzlaus. Es sind nur noch die Kinder von damals, die Erinnerungen weitergeben k\u00f6nnen, und diese Kinder sind inzwischen \u00fcber 80 bis \u00fcber 90 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was auch immer ihn dazu bewegt hat: Kurt Baslers Lebensleistung ist mit Worten nicht zu ermessen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1280\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20210120_124407-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2434\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20210120_124407-scaled.jpg 2560w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20210120_124407-1300x650.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20210120_124407-768x384.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20210120_124407-1536x768.jpg 1536w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_20210120_124407-2048x1024.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Die von ihm aufgesp\u00fcrten zahlreichen Quellen aus der Zeit des einstigen deutschen Bunzlaus hat Kurt Basler in sorgf\u00e4ltig gebundener Form der Bunzlauer Heimatstube in Siegburg \u00fcberlassen. Mit ihrer Aufl\u00f6sung ging die einzigartige lokalgeschichtliche Fundgrube an Haus Schlesien in K\u00f6nigswinter. <\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als Chronist steht er neben so bedeutenden Pers\u00f6nlichkeiten wie <strong>J. G. Bergemann<\/strong>, <strong>Dr. Ewald Wernicke<\/strong>, <strong>Artur Schiller<\/strong> und <strong>Hans Christiani<\/strong>. Ohne deren T\u00e4tigkeit w\u00e4re das Wissen vom deutschen schlesischen Bunzlau heute weitestgehend verloren gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#a21515\" class=\"has-inline-color\"><strong>Kurt Basler hat h\u00f6chste Anerkennung verdient, <\/strong><\/mark><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#a21515\" class=\"has-inline-color\"><strong>von uns und von den heute in Bunzlau lebenden Menschen!<\/strong><\/mark><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einblicke in das Werk des Heimatsammlers und Chronisten Kurt Basler. Erschlossen und zusammengestellt von Dietmar Plate, \u00fcberarbeitet von Peter B\u00f6rner. Am 3. November 2025 konnte der Bunzlauer Heimatforscher Kurt Basler seinen 95. Geburtstag begehen. Wir haben aus diesem Anlass seinen \u201eKollegen\u201c Dietmar Plate um einen Beitrag gebeten. 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