{"id":2000,"date":"2024-07-14T20:41:00","date_gmt":"2024-07-14T18:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=2000"},"modified":"2024-07-14T20:41:01","modified_gmt":"2024-07-14T18:41:01","slug":"markt-nr-15-theophil-rosenthal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/14\/markt-nr-15-theophil-rosenthal\/","title":{"rendered":"Markt Nr. 15, Theophil Rosenthal"},"content":{"rendered":"\n<p>Dietmar Plate. Erstver\u00f6ffentlichung in der \u201eBunzlauer Heimatzeitung\u201c, Ausgabe Juni 2017<\/p>\n\n\n\n<p>Bis in die drei\u00dfiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein pr\u00e4sentierte sich das Haus Markt Nr. 15, Ecke Zollstra\u00dfe in besonders markanter Weise. Irgendwann nach 1933 war man dann eine umfangreiche Renovierung f\u00e4llig, die das Haus zumindest \u00e4u\u00dferliche stark ver\u00e4ndert. \u00dcber Sch\u00f6nheit l\u00e4sst sich bekanntlich streiten. Es mag jeder f\u00fcr sich entscheiden, was besser aussah. Daher also zwei Bilder des Geb\u00e4udes vorher und nachher.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1999\" height=\"1318\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Markt-alt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2001\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Markt-alt.jpg 1999w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Markt-alt-1300x857.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Markt-alt-768x506.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Markt-alt-1536x1013.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1999px) 100vw, 1999px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Haus Markt 15 vor 1930<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das Bekleidungsgesch\u00e4ft in Haus Markt Nr. 15 hatte eine lange Tradition. Schon 1875 wird es erw\u00e4hnt, Salinger Hammer ist Hauseigent\u00fcmer. In den diversen Zeitungen liest man folgende Notizen: 1875: Mein gro\u00dfes Tapetenlager empfehle ich. S. Hammer. 1875: Ein anst\u00e4ndiges Kinderm\u00e4dchen wird zum sofortigen Antritt gesucht von B. Berliner, Ring, im Hause des Kaufmanns Herrn Hammer. 1879: Eine gro\u00dfe Partie Resterleinen empfehle ich zu sehr billigen Preisen. S. Hammer am Markt. 1886: Regenm\u00e4ntel, Jaquettes, Paletots, Dolmans, R\u00e4der etc., Kleiderstoffe, Lamas, Kleider- und Rockflanelle, Gardinen, M\u00f6belstoffe, Teppiche, Tischdecken, Reisedecken und Pferdedecken empfiehlt in gr\u00f6\u00dfter Auswahl zu billigsten Preisen S. Hammer. Salinger Hammer war lange Jahre Mitglied des Vorstands der Bunzlauer Synagogengemeinde, Schiedsmann in den Stadtbezirken 1 \u2013 4, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Vereins Kredit-Reform, Kassierer des Vereins zur Abschaffung der Kinderbettelei. Kurz ein Musterbeispiel des im st\u00e4dtischen B\u00fcrgertums fest verankerten und anerkannten Gesch\u00e4ftsmannes j\u00fcdischen Glaubens.<\/p>\n\n\n\n<p>1903 wird das Gesch\u00e4ft von Georg Zepernick gef\u00fchrt, einem Schwiegersohn von Salinger Hammer. Der hat sich dann allerdings nicht lange gehalten, schon 1913 ist Theophil Rosenthal Inhaber des gleichnamigen Sortimentshauses. 1915: Von Freitag d. 22. bis Mittwoch d. 27. Oktober Extra billige Blusen-Tage. Beachten sie gefl. die Blusenfenster! Sortimentshaus Theophil Rosenthal. 1927: Die noch vorhandenen Restbest\u00e4nde in Sommer H\u00fcten, M\u00e4nteln und Kleidern zu au\u00dfergew\u00f6hnlich billigen Preisen! Sortimentshaus Theophil Rosenthal. 1932: Theophil Rosenthal, Bunzlau u. Naumburg. Dieses Haus mit seiner gro\u00dfen Auswahl, seinen guten Qualit\u00e4ten, seinen niedrigen Preise ist die beliebteste und bequemste Einkaufsst\u00e4tte. Sortiments Haus Theophil Rosenthal. Das Haus der guten Qualit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rentier Salinger Hammer ist noch 1924 Hauseigent\u00fcmer, im Adressbuch von 1935 wird Theophil Rosenthal als Besitzer genannt. Auch er war vermutlich ein Schwiegersohn Hammers. 1901: Stadtblattkalender: \u201eAls Schiedsm\u00e4nner fungieren gegenw\u00e4rtig: 1. Herr Kaufmann S. Hammer, Ring, f\u00fcr den 1., 2., 3. und 4. Stadtbezirk\u201c. 1903, 1913 und 1924 ebenfalls als solcher genannt. 1903: S. Hammer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Vereins Kredit-Reform. Kassierer des Vereins zur Abschaffung der Kinderbettelei (Spinnschule). 1913 S. Hammer, Agent der \u201eConcordia\u201c Lebensvers.-Ges. in K\u00f6ln. 1935: Sortimentshaus Theophil Rosenthal. Das Haus der guten Qualit\u00e4ten. Bunzlau, Naumburg. Kaufmann Theophil Rosenthal. Sortimentshaus. Filiale in Naumburg am Queis. 1935 Inhaber Heinz Rosenthal. Handelsregister-Nr. 240. Heinz Rosenthal wohnte 1935 in der Alt J\u00e4schwitzer Stra\u00dfe 12.<\/p>\n\n\n\n<p>1940 ist die Firma Hermann Fiedler Inhaberin des nun als Kaufhaus Fiedler bezeichneten Gesch\u00e4ftes. Eigent\u00fcmer war Gerhard Schneider, als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin wird B\u00e4rbel Ihme genannt. \u00dcber das Schicksal der Rosenthals erfahren wir folgendes: Rosenthal wurde zun\u00e4chst nach Berlin umgesiedelt und dann sp\u00e4ter verhaftet. Er und seine Frau wurden in Auschwitz ermordet. Sein am 13. 1. 1906 geborener Sohn Heinz \u00fcberlebt die KZs Stutthof, Buchenwald und Theresienstadt. Seine Frau ist in Riga erschossen worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Heinz Rosenthal kehrte im August 1945 nach Berlin zur\u00fcck. Ein von ihm gedrehter Amateurfilm mit dem Titel \u201eDer &nbsp;Bunzlauer Taubenmarkt im Wandel der Zeit\u201c wurde im Dezember 1978 im 3 Fernsehprogramm im Rahmen einer Amateurfilmreihe gezeigt. 1989 berichtet Herbert Scholz in der BHZ: \u201e&#8230; Gro\u00dfmutter hatte schon mal in den Gesch\u00e4ften der Stadt herumgeh\u00f6rt und dabei festgestellt, da\u00df ein einigerma\u00dfen besserer Anzug bei dem Juden Borowa (Richtig ist Borower) am billigsten sei. Das Hemd und die Fliege w\u00fcrde bei Rosenthal zu kaufen sein. Nun gab ich aber zu bedenken, da\u00df doch Schilder an den Gesch\u00e4ften gehangen hatten \u00bbDeutsche kauft nicht beim Juden\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die SA-M\u00e4nner, die in der Stadt herumliefen, wu\u00dften wohl scheinbar selber nicht, wie sie sich richtig verhalten sollten. Es war damals alles so neu mit diesen Parolen, und es gab wohl keinen, der nicht auch in den j\u00fcdischen Gesch\u00e4ften gekauft h\u00e4tte. Viele wu\u00dften, da\u00df Rosenthal im letzten Weltkrieg als Offizier an der Front gewesen war. Wir gingen jedenfalls eines nachmittags los und kauften einen Anzug mit Weste, nicht ganz schwarz, aber der Stoff war erste Klasse.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber den von Heinz Rosenthal gedrehten Film berichtete die Bunzlauer Heimatzeitung im April 1979: \u201eFilm aus Bunzlau kl\u00e4rt Judenschicksal: Da\u00df das Leben oft sonderbare Wege geht, beweist wieder einmal eine Nachricht, die uns Landsmann Hans Christiani \u00fcbermittelte und die bestimmt f\u00fcr viele unserer Leser von Interesse ist. Und wer sie gelesen hat, der wird es sicher bedauern, im Fernsehen die Serie \u201eFamilienkino\u201c nicht gen\u00fcgend beachtet zu haben. Aber lesen sie selbst. Vom 31. Dezember 1978 bis zum 6. Januar 1979 lief im 3. Fernsehprogramm t\u00e4glich um 19.15 Uhr die siebenteilige Serie \u201eFamilienkino\u201c, Amateurfilme von 1903 bis 1963, im Auftrag des NDR zusammengestellt von Alfred Behrens. Ein F\u00fcllhorn von \u00dcberraschungen breitete sich vor dem Zuschauer aus. Die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung aber passierte hinter den Kulissen am Neujahrsabend. Folge zwei wird ausgestrahlt: \u201eMit dem Selbstausl\u00f6ser nach Monte Carlo\u201c. Sie enth\u00e4lt einen kurzen \u2013 auf dem Sperrm\u00fcll aufgefundenen \u2013 Film mit dem Titel: \u201eDer Bunzlauer Taubenmarkt im Wandel der Zeiten\u201c (1931 bis 1934). Die Zuschauer sehen Jahrmarktsbilder, Umz\u00fcge, Menschenmengen. Immer wieder kommt das Sortimentshaus Theophil Rosenthal ins Bild. Alfred Behrens kommentiert den Film: \u201eIch wei\u00df, was im dritten Reich passiert ist, ich frage mich: Waren sie Juden, die Rosenthals aus Bunzlau? Wenn sie Juden waren, leben sie noch? In England, in Israel, in Amerika?\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2012\" height=\"1202\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Markt-neu.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2002\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Markt-neu.jpg 2012w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Markt-neu-1300x777.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Markt-neu-768x459.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Markt-neu-1536x918.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2012px) 100vw, 2012px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Haus Markt 15 um 1940<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Am Morgen nach der Sendung klingelt beim NDR das Telefon: Heinz Rosenthal, der Sohn von Theophil Rosenthal. Er hat den Film gedreht, er lebt in West-Berlin. In der Erwartung, Tips f\u00fcr Amateurfilmer zu erhalten, hatte er die Sendung eingeschaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Den verbl\u00fcfften \u201eFamilienkino\u201c-Veranstaltern lieferte Rosenthal die Stationen seines Lebens nach \u2013 ein Leben, das 1906 begann, dann Lehr- undPraxisjahre im elterlichen Betrieb, Umsiedlung nach Berlin, Verhaftung. Rosenthals Frau wird in Riga erschossen, seine Eltern werden in Auschwitz ermordet. Er selbst \u00fcberlebt das KZ Stutthof, das Lager Buchenwald, das Lager Theresienstadt. Im August 1945 kehrt er zur\u00fcck nach Berlin.Au\u00dfer dem jetzt im Fernsehen gezeigten Film vom Bunzlauer Taubenmarkt hat Heinz Rosenthal seinerzeit mindestens 50 andere Amateurstreifen gedreht. Sie werden noch gesucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute man dem Hause an der Ecke Markt\/Zollstra\u00dfe einen Laubengang \u201everordnet\u201c. Mit dem Geb\u00e4ude vor 1945 hat es nicht mehr viel gemein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dietmar Plate. Erstver\u00f6ffentlichung in der \u201eBunzlauer Heimatzeitung\u201c, Ausgabe Juni 2017 Bis in die drei\u00dfiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein pr\u00e4sentierte sich das Haus Markt Nr. 15, Ecke Zollstra\u00dfe in besonders markanter Weise. Irgendwann nach 1933 war man dann eine umfangreiche Renovierung f\u00e4llig, die das Haus zumindest \u00e4u\u00dferliche stark ver\u00e4ndert. \u00dcber [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-2000","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-plate-boerner"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2000","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2000"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2000\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2003,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2000\/revisions\/2003"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2000"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2000"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2000"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}