{"id":1965,"date":"2024-07-14T20:31:05","date_gmt":"2024-07-14T18:31:05","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1965"},"modified":"2024-07-14T20:31:05","modified_gmt":"2024-07-14T18:31:05","slug":"rund-um-den-schwibbogen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/14\/rund-um-den-schwibbogen\/","title":{"rendered":"Rund um den Schwibbogen"},"content":{"rendered":"\n<p>Dietmar Plate. Erstver\u00f6ffentlichung in der Bunzlauer Heimatzeitung September 2019.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Sowjets die Stadt Bunzlau im Februar besetzten, geschah dies fast kampflos. Die Stadt war weitgehend unzerst\u00f6rt, auch sein Aush\u00e4ngeschild, der Markt. Als die Polen die Verwaltung \u00fcbernahmen, war die Innenstadt schon nur noch ein Tr\u00fcmmerfeld. Das blieb nat\u00fcrlich auch dem Markt nicht erspart. Nur wenige Geb\u00e4ude waren den Brandschatzungen und Pl\u00fcnderungen entgangen. Am Obermarkt waren das die H\u00e4user Nr. 40 (Behmack\/Finkelde) und Nr. 41 (Hotel Kronprinz von Preu\u00dfen). Zu Beginn der siebziger Jahre waren sie bauf\u00e4llig und wurden abgerissen. Man beschloss sie nicht zu ersetzen. Damit war zwar das einheitliche Bild des so typischen Schlesischen Ringes zerst\u00f6rt, aber man hatte eine wunderbaren Blick auf die Schokoladenseite der katholischen Kirche gewonnen. Der Blick auf diese, wenn man die Zollstra\u00dfe entlang in Richtung Stadtzentrum geht, tr\u00f6stet \u00fcber diese eigentliche Baus\u00fcnde hinweg.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1978\" height=\"1392\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10040-Richter-Blick-auf-den-Schwibbogen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1966\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10040-Richter-Blick-auf-den-Schwibbogen.jpg 1978w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10040-Richter-Blick-auf-den-Schwibbogen-1300x915.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10040-Richter-Blick-auf-den-Schwibbogen-768x540.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10040-Richter-Blick-auf-den-Schwibbogen-1536x1081.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1978px) 100vw, 1978px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Blick auf die H\u00e4user Markt 6 und 7 mit dem Schwibbogen<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Man hat sich einmal so entschieden, man mag es also dabei belassen. Diskussionen dar\u00fcber, ob man die Baul\u00fccke wieder schlie\u00dft, soll es ja in den letzten Jahrzehnten mehrfach gegeben haben. Wer heute den Blick auf den Bunzlauer Ring wirft (in Bunzlau hie\u00df es immer Markt, nur selten Ring. Was wohl mit der N\u00e4he zur s\u00e4chsischen Lausitz zu tun hat), dem sollte klar sein, das er nicht den Markt vor sich hat, wie er vor 1945 ausgesehen hat. Den \u00e4lteren Bunzlauer, besonders den direkten Anwohner, war das durchaus bewusst.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn man ber\u00fccksichtigt, wie andernorts \u201eWiederaufbau\u201c betrieben wurde, so muss man doch zugeben, das er hier sehr gut gelungen ist. Ach ja, noch etwas hat die St\u00fcrme von 1945 und danach \u00fcberstanden: An der Ecke Bahnhofstra\u00dfe blieb das Haus Nr. 28, das Kaufhaus Heinze erhalten. Dieses markante Geb\u00e4ude ist auch ein Grund, warum man meint, die alte Stadt aus der Zeit vor 1945 vor sich zu haben. Und nat\u00fcrlich der Schwibbogen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1085\" height=\"692\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-240-Blick-durch-das-alte-Tor.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1967\" style=\"width:422px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-240-Blick-durch-das-alte-Tor.jpg 1085w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-240-Blick-durch-das-alte-Tor-768x490.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1085px) 100vw, 1085px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Blick vom Markt durch den Schwibbogen in die Nikolaistra\u00dfe<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Was ist ein Schwibbogen, wird sich der ein oder andere Leser fragen, besonders wenn er kein Schlesier ist. Es gibt da wohl verschiedene Erkl\u00e4rungen, die einfachste ist: Es handelt sich um einen Bogen, der \u00fcber der Stra\u00dfe \u201eschwebt\u201c und unter dem man hindurchgehen kann. Eigentlich ist ein solcher Bogen nichts ungew\u00f6hnliches in schlesischen St\u00e4dten. Manche hatten viele davon. Auch in Bunzlau gab es noch weitere solcher Durchg\u00e4nge z. B. an der Spie\u00dfgasse. Aber wenn man vom Schwibbogen sprach, dann meinte man die Durchfahrt zwischen den H\u00e4usern Nr. 6 und 7 am Markt in die Nikolaistra\u00dfe. Und war auch ein wenig stolz darauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie der Schwibbogen entstand, beschrieb im Heimatbuch von 1964 Dr. Alfred Zobel: \u201eDie Gr\u00fcndungsurkunde der deutschen Stadt Bunzlau. Artur Zobel 1964. Bunzlau hatte bei der Gr\u00fcndung nur die beiden Tore im Zuge der Fernstra\u00dfe. Wie nach Osten keine Verkehrsstra\u00dfe nach Sprottau zog, da diese Stadt erst 1263 gegr\u00fcndet wurde, so gab es auch keine nach L\u00f6wenberg im S\u00fcden. Dort wurde ein Ausgang erst geschaffen, als der neue Kirchhof mit der Nikolaikirche vor der Stadt angelegt wurde. Und die Stra\u00dfe dahin mu\u00dfte unter einem schon gebauten Hause in der Ringfront hindurchgelegt werden. So entstand der Schwibbogen.\u201c Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen. So oder \u00e4hnlich erz\u00e4hlen es alle Chronisten. Die erste Erw\u00e4hnung findet sich im Sch\u00f6ppenbuch von 1581, von man vom \u201eSchwibbogen bei des Apothekers Gie\u00dfrinne\u201c spricht.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"702\" height=\"1113\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-477-Nikolaistrasse.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1968\" style=\"width:310px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Nikolaistra\u00dfe, Schwibbogen und Rathaus um 1935<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1938 schreibt Karl Springer: \u201eDie Stadt Bunzlau wurde dort gegr\u00fcndet, wo die uralte Handelsstra\u00dfe von Westen nach Osten durch die lang und oft schwierige Furt des Bobers zog. Die Ost-West-Richtung ist bei der Anlage der Stadt entscheidend gewesen: Nieder- und Obertor waren die wichtigsten Durchg\u00e4nge in der Stadtmauer, verbunden durch die breitesten Stra\u00dfen der Ansiedlung. Das dritte Tor, nach S\u00fcden sich \u00f6ffnend, war weit weniger wichtig; die Nikolaistra\u00dfe diente nur der Verbindung mit den Nachbarst\u00e4dten L\u00f6wenberg, L\u00e4hn und Hirschberg; die Fortsetzung dieses Weges nach Norden durch die siedlungsarme Heide fehlte vollkommen,. Deshalb war die Nikolaistra\u00dfe auch schmaler, und ihre Einfahrt am Markte konnte ohne Sch\u00e4digung es Verkehrs auch f\u00fcr Wohnzwecke nutzbar gemacht werden; so entstand der Schwibbogen. Man konnte damals nicht ahnen, da\u00df der Nord-S\u00fcd-Verkehr in unserer Gegend sich gewaltig steigern w\u00fcrde. Seitdem die Stra\u00dfe Sprottau \u2013 Bunzlau \u2013 L\u00f6wenberg f\u00fcr Riesengebirgsreisen zu Wagen sehr wichtig geworden ist, gen\u00fcgen die Verkehrswege der inneren Stadt nicht mehr. Man half sich durch Umleitung \u00fcber die \u00e4u\u00dfere Stadt und mu\u00dfte trotzdem noch die Nikolaistra\u00dfe mit dem engen Schwibbogen zur Einfahrtstra\u00dfe erkl\u00e4ren als Ausfahrt an der S\u00fcdseite des Marktes. Den entsprechenden Zugang zum Markte mu\u00dfte man \u00fcber Stockstra\u00dfe \u2013 Baderstra\u00dfe \u2013 Kirchplatz leiten. Damit entstand die Gefahrenecke Baderstra\u00dfe \u2013 Kirchplatz.\u201c Das Bunzlauer Stadtblatt berichtet am 13. 4. 1928: \u201eWie die wilde Jagd raste gestern abend kurz vor 7 Uhr ein ausw\u00e4rtiges Gespann, ein sogenannter Fleischerwagen, mit drei Pferden bespannt durch die Nikolaistra\u00dfe nach der L\u00f6wenberger Stra\u00dfe. Der Lenker des Wagens war total betrunken und hatte nicht mehr die F\u00e4higkeit, die Pferde in seine Gewalt zu bekommen. Das so dahinlaufende Gef\u00e4hrt war eine schwere Gefahr f\u00fcr den regen Verkehr auf der Stra\u00dfe. Ja, sogar die Passanten der B\u00fcrgersteige hielten sich f\u00fcr gef\u00e4hrdet und wichen zur Seite. Es dauerte gar nicht lange, so kehrte das Gespann wieder in einem m\u00f6rderischen Tempo zur\u00fcck und brachte damit erneut Gefahr f\u00fcr Wagen, Radfahrer und Fu\u00dfg\u00e4nger. Als ein Wunder mu\u00df man es bezeichnen, da\u00df namentlich in der engen Nikolaistra\u00dfe nichts passiert ist. Erst auf dem Marktplatz kam das Verh\u00e4ngnis. Der F\u00fchrer lie\u00df den Pferden freien Lauf und das Gef\u00e4hrt landete auf den Zieranlagen an der S\u00fcdseite des Rathauses, wo ganz erheblicher Schaden angerichtet wurde. Bemerkenswert ist, da\u00df das Gespann bei seiner zweiten Fahrt durch die Stra\u00dfen nur noch mit zwei Pferden bespannt war. Anscheinend hatte sich das dritte Pferd bei der wilden Jagd losgerissen. Die Polizei machte nun die erforderlichen Feststellungen. Es handelte sich um einen Bierverleger P. aus Neuhammer, der mit dem Gespann eines dortigen Fleischermeisters die wilde Jagd begangen hatte. Bald nach der Festnahme des betrunkenen F\u00fchrers fand sich auch der Eigent\u00fcmer des Gespanns ein.\u201c Man mag damals weniger Verkehr gehabt haben, Verkehrsrowdys gab es auch fr\u00fcher schon genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1957 war das Ende des Bauwerkes absehbar. In der Heimatzeitung konnte man lesen: \u201eWie wir schon wiederholt berichteten, besteht die Gefahr, da\u00df der Schwibbogen, eins der Wahrzeichen des Bunzlauer Marktplatzes und der Stadt Bunzlau \u00fcberhaupt, zusammensinkt und damit eins der sch\u00f6nsten Baudenkm\u00e4ler unserer Heimatstadt verloren geht. Am 1. Februar dieses Jahres kam die ganze Giebelseite des Schwibbogens herunter. Das Gew\u00f6lbe selbst steht noch, da es seit langem schon gest\u00fctzt worden ist.&nbsp; Beim Abrei\u00dfen des Seitenfl\u00fcgels der Stadtapotheke in der Nikolaistra\u00dfe st\u00fcrzte die Giebelseite des Schwibbogens mit ein. Nun geht man daran, die Kellergew\u00f6lbe der Stadtapotheke auszuschachten. Es ist zu bef\u00fcrchten, da\u00df dabei der ganze Schwibbogen zu Bruch geht. Die Bauleute glauben das anscheinend nicht, denn sie buddeln ruhig weiter.\u201c Und wie wir heute wissen, hatten die \u201eBauleute\u201c recht. Er ist noch immer da, der schwebende Bogen an des Apothekers Gie\u00dfrinne.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1110\" height=\"706\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-322-Rathaus-durch-Schwibbogen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1969\" style=\"width:411px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-322-Rathaus-durch-Schwibbogen.jpg 1110w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-322-Rathaus-durch-Schwibbogen-768x488.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1110px) 100vw, 1110px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Blick durch den Schwibogen auf das Rathaus um 1935<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Vor dem Schwibbogen stand eine Laterne, die vom Gewerbeoberlehrer Karl Robert Pohl Ende der zwanziger Jahre entworfen wurde, wof\u00fcr er sich im Stadtparlament eine besondere Belobigung durch den damaligen Stadtverordnetenvorsteher Dr. Nei\u00dfer zuzog. Karl Wiechmann 1966: \u201eDer Schwibbogen zeigt nur kleine Ver\u00e4nderungen; so fehlt zum Beispiel die Bogenlampe \u00fcber dem Torweg, links der Pfeil \u201eEinbahnstra\u00dfe\u201c und rechts das Verkehrsschild \u201e5,5 t\u201c. Jetzt h\u00e4ngt dort ein Werbeschild eines Zahnarztes. Da\u00df die Stuben im Schwibbogen zur Stadtapotheke oder zum Wohnraum des Apothekers geh\u00f6rten, ist uns noch in Erinnerung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Blick die Nikolaistra\u00dfe entlang in Richtung Rathaus und Schwibbogen war eines der beliebtesten Motive der Bunzlauer Photographen. Es gibt davon ungez\u00e4hlte, das ein oder andere m\u00f6chte ich hier pr\u00e4sentieren. Ende der drei\u00dfiger Jahre wurde dann auch der Blick direkt durch den Bogen auf das Ratskellertor interessant. Denn anl\u00e4sslich des Heimatfestes 1939 wurde eine Replik aus Beton vor das Rathaus gestellt. Am 8. Oktober 1940 schreibt das Bunzlauer Stadtblatt: \u201eDie auf der S\u00fcdseite des Marktes stehende getreue Nachbildung des echten Bunzlauer Gro\u00dfen Topfes, des Wahrzeichens unserer Stadt, ist gestern abgebrochen worden. Wie wir mitteilen k\u00f6nnen, soll der \u201eGro\u00dfe Topf\u201c auf dem Markte nicht f\u00fcr immer verschwinden. An seine Stelle kommt eine neue Sch\u00f6pfung, die dem echte Gro\u00dfen Topfe noch getreuer nachgebildet ist, da sie aus Ton hergestellt wird, w\u00e4hrend das Material des abgebrochenen Topfes aus Beton besteht.\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"696\" height=\"1083\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-580-Nikolaistrasse.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1970\" style=\"width:282px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Nikolaistra\u00dfe, Schwibbogen und Rathaus um 1900<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Getragen wurde der Schwibbogen von den H\u00e4usern Nr. 6 und 7. Nr 7 ist die Bunzlauer Stadtapotheke. Eine genaue Darstellung der Apotheke w\u00fcrde allein viele Seiten f\u00fcllen. Notgedrungen muss ich mich also an dieser Stelle mit Informationen einschr\u00e4nken, es w\u00fcrde sonst den Rahmen sprengen. Aber vielleicht ein andermal?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Chronisten Fechner (1785) und Bergemann (1829) nennen als ersten Apotheker Heinrich Wei\u00dfkopf im Jahre 1558. Dr. Wernicke bestreitet das vehement, aber Geheimrat Schiller gibt den beiden erstgenannten Recht. Im Jahre 1884 \u00fcbernimmt Richard Loebner die Stadtapotheke. Er starb 1893. Zu seinen Lebzeiten wurde das Eingangsportal des Hauses abgebaut und an das Rathaus verlegt. Auf ihn folgte Heinrich Teichmann. Nach seinem Tode \u00fcbernahm zun\u00e4chst seine Witwe Margarete das Gesch\u00e4ft, bevor dann ihr Sohn Kurt Teichmann Eigent\u00fcmer wurde. Kurt Teichmann, geboren am 7. 8. 1884, hat am 11. 2. 1945 gemeinsam mit seiner Frau Hedwig geb. Landgraf (* 2. 2. 1888) und seiner Tochter Susanne (* 25. 10. 1916). Das Haus Markt 7 zog sich weit in die Nikolaistra\u00dfe hinein. 1935 befanden sich hier noch zwei Gesch\u00e4fte mit Eingang an der Nikolaistra\u00dfe: Das Friseurgesch\u00e4ft von Willi Dietrich und das Uhrmachergesch\u00e4ft von Ernst Arlt. Willi Dietrich verstarb 1972 in Bad Hersfeld, wo seine Gattin Frieda geb. Helbig noch 1977 lebte. Ernst Arlt lebte 1979 in Herrnhut, seine Ehefrau verschied 1978 am selben Ort.<\/p>\n\n\n\n<p>1957 stand in der Bunzlauer Heimatzeitung: \u201eLeider fiel dem Wiederaufbau \u2013 wohl infolge von Unkenntnis oder Unvorsichtigkeit \u2013 das solide und festgebaute und unversehrt gebliebene Geb\u00e4ude der Stadtapotheke zum Opfer; es st\u00fcrzte im Februar 1957 beim Ausschachten des Nachbarhauses ein, und nur mit M\u00fche konnte der Schwibbogen erhalten und Anfang 1960 wieder hergestellt werden, obwohl seine Front nach der Nikolaistra\u00dfe mit eingest\u00fcrzt war.\u201c Karl Wiechmann 1966: \u201eKurt Teichmanns Haus Nr. 7, die Stadtapotheke hatte einst im Parterre neben dem Schwibbogen ein schmales Fenster, wie links auch rechts von der T\u00fcr. Ueber diesen drei Fenstern und T\u00fcr lief in goldenen Lettern in fast voller Breite der Hausfront \u201eKgl. Priv. Stadtapotheke\u201c. Sie war also auch noch bei Ebert, Hindenburg und Hitler \u201ek\u00f6niglich\u201c geblieben. Da\u00df die Stuben im Schwibbogen zur Stadtapotheke oder zum Wohnraum des Apothekers geh\u00f6rten und da\u00df dieses Haus, und das von Frau Rauhut je ein langes Hintergeb\u00e4ude in der Nikolaistra\u00dfe hatte, ist uns noch in Erinnerung.\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1089\" height=\"717\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-437-Markt-6-6a-7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1971\" style=\"width:422px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-437-Markt-6-6a-7.jpg 1089w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-437-Markt-6-6a-7-768x506.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1089px) 100vw, 1089px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Die H\u00e4user Markt 6 und 7 mit dem Schwibbogen<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das soll es an dieser Stelle \u00fcber die Stadtapotheke gewesen sein, besch\u00e4ftigen wir uns nun ausf\u00fchrlich mit dem Haus Nr. 6. Dieses Geb\u00e4ude, genannt das \u201eFeigehaus\u201c nach seinen langj\u00e4hrigen Eigent\u00fcmern \u00fcber mehrere Generationen hinweg, befand sich 1935 im Besitz des Kaufmanns Karl Ulbrich. Artur Schiller schreibt 1931: \u201eNr. 6 das sogenannte Feigehaus mit der sch\u00f6nsten Fassade Bunzlaus. \u00dcber dem Portal das Tschernin\u2019sche Wappen, der Kranich, der in der einen aufgehobenen Klaue als Zeichen der Wachsamkeit einen Stein h\u00e4lt. Daher m\u00f6glicherweise das Geburtshaus des Dichters Andreas Tscherning (Anmerkung: das wird heute bestritten). Sein Hauptwerk: Teutscher Gedichte Fr\u00fchling. Unter dem Wappen eine Chronogramminschrift (die goldenen Buchstaben sind als lateinische Zahl zu lesen und zu addieren), auf eine Reparatur von 1622 bez\u00fcglich.\u201c Schiller besch\u00e4ftigte sich mehrfach mit dem Haus. Am 26. 6. 1930: \u201eEine Entdeckung macht uns Freude. Der Christian Gottfried Schneider, der nach dem Chronogramm im Jahre 1732 das sch\u00f6ne Portal des \u201eFeigehauses\u201c (Markt 6) erbaute, ist derselbe, der an der Kirchhofsmauer den 21. Stein, vom Portal ab gerechnet, hat (vergl. \u201eStadtblatt\u201c Nr. 65 vom 18. M\u00e4rz 1923). Nach diesem Epitaphium war er B\u00fcrger und Weinschenk, ein Sohn des Laboranten Israel Schneider in Conradsdorf und der Rosine, geb. Kindler, aus Liegnitz. Beide Eltern starben in hohem Alter 1769. Er hinterlie\u00df nicht weniger als sieben S\u00f6hne und zehn T\u00f6chter. Sein Leben wird auf dem Grabstein mit einem fruchtbaren Weinberge verglichen. Das Stadturbar lobt sein Denkmal als besonders geschmackvoll.\u201c Und noch einmal 1931: \u201eAm Seitenhause (Nicolaistra\u00dfe) des Feige-Hauses: Recte faciendo neminen timeas. Aedifcatan 1670. Renovatum 1818. S.g.f. (=Feige).\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"688\" height=\"1079\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-7-676-Nikolaistrasse.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1972\" style=\"width:400px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Nikolaistra\u00dfe, Schwibbogen, Rathaus und \u201eGro\u00dfer Topf\u201c um 1939<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Rektor August D\u00f6rner schreibt im \u201eF\u00fchrer durch Bunzlau\u201c: \u201eErw\u00e4hnt sei in diesem Zusammenhange noch das Feigesche Hausgrundst\u00fcck, das durch seine reich ausgestattete Fassade die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Von Interesse ist das von abgeschr\u00e4gten Pilastern eingefa\u00dfte Portal, dessen kr\u00e4ftig hervorstehender Torbogen in der Mitte ein aus Sandstein gemei\u00dfeltes Wappenschild mit einem Kranich und rechts und links korinthisierenden Bekr\u00f6nungen der Pilaster je eine Steinfigur tr\u00e4gt. Die die Fassade belebenden Pilaster treten im sch\u00f6ngeformten Giebel stark hervor. Die Vorderseite dieses Hauses tr\u00e4gt auch sonst noch mancherlei ornamentalen Schmuck.\u201c Damals befanden sich noch zwei Gesch\u00e4fte im Hause. Links Ulbrichs Strumpf- und Wollwarengesch\u00e4ft, rechts das Bekleidungsgesch\u00e4ft von Isidor Pick. Das Haus, wahrscheinlich um 1700 von Baumeister Simonetti erbaut, wurde 1934 auf Anraten des Landeskonservators in der Dachpartie wieder in seine urspr\u00fcngliche Form gebracht. Karl Wiechmann berichtet 1966: \u201eNebenan bei Frau Rauhut (Karl Ulbrichs Erben) ist die sch\u00f6nste Fassade aller Bunzlauer Markth\u00e4user erhalten geblieben. Die beiden gro\u00dfen Fenster neben dem Schwibbogen sehen heute sogar schmucker aus als vor drei\u00dfig Jahren. Damals befand sich an dieser Stelle ein Schaufenster und eine schmale Ladent\u00fcr, an die Edgar Pick, wenn es nicht regnete, Jacken und M\u00e4ntel, mit denen er handelte, als Lockware hinh\u00e4ngte. Vor zw\u00f6lf Jahren brachten wir ein Bild, auf dem er bei der Hochzeit des Chemikers Gerdi Gr\u00fcnfeld mit Marialuz Ecleverria Latham in Santiago de Chile zu sehen war, an der sogar der damalige chilenische Staatspr\u00e4sident Ibanez teilnahm, denn der Vater, denn der Vater der braut war ein von ihm hochgesch\u00e4tzter Divisionsgeneral. Der Laden wurde nach der Emigrierung Picks in den drei\u00dfiger Jahren umgebaut. Die linke Partie im Parterre des Hauses wurde ein gro\u00dfes Schaufenster, die rechts ebenfalls, jedoch mit dem Ladeneingang links.\u201c Unter Emigrierung m\u00fcssen wir die Flucht der j\u00fcdischen Familie Pick verstehen. Edgar Pick steht nicht im Adressbuch von 1935, m\u00f6glicherweise ist er der Sohn von Isidor. Die Ulbrichs \u00fcbernahmen dann auch den rechten Teil des Ladens. 1913 wird noch die Rentiere Auguste Feige als letzte der alten Eigent\u00fcmerfamilie als Besitzerin des Hauses genannt. 1924 sind es die Feigeschen Erben, 1935 Karl Ulbrich.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den beiden Gesch\u00e4ften von Pick und Ulbrich (jeweils schon 1903 im Geb\u00e4ude genannt) befand sich hier auch der \u201eGasthof zum Schwibbogen\u201c. 1903 steht neben dem bis zuletzt als Wirt genannten Karl Schmidt auch noch sein Vorg\u00e4nger Robert Opitz im Adressbuch. Die Gastst\u00e4tte scheint also auch eine lange Tradition zu haben. Karl Schmidt war bis 1935\/36 P\u00e4chter der Gastst\u00e4tte am Schwibbogen. Dann ist er nach Dresden verzogen. Er ist 1945 gestorben, sein Sohn 1942 in Ru\u00dfland gefallen. Seine Wohnadresse war Nikolaistra\u00dfe 1a. Da er fr\u00fcher Korbmacher war nannte man ihn K\u00f6rbel-Karle oder K\u00f6rbel-Schmidt. Zu diesem Grundst\u00fcck geh\u00f6rte urspr\u00fcnglich noch ein Hof mit Pferdestall und ein Hinterhaus. Hier hatte Schmidt im ersten Stock seine Wohnung, w\u00e4hrend im Laden Pantoffel-Morchner seine Ware feilbot. 1935 ist der Nikolaistra\u00dfe zugeordnet und tr\u00e4gt nun deren Nummer 1a. Karl Ulbrich scheint sein Gesch\u00e4ft aber erst nach 1907 hier er\u00f6ffnet zu haben. Noch 1905 befand sich hier das \u201eS\u00e4chsische Leinwandgesch\u00e4ft C. A. Frenzel und Sohn\u201c, Inhaber Hermann Sch\u00f6nfelder. Das Gesch\u00e4ft wurde um 1906 in das Haus Oberstra\u00dfe 2 verlegt und bestand dort im Besitz seiner WitweMarie Sch\u00f6nfelder und der Tochter Helene Vo\u00df geb. Sch\u00f6nfelder bis 1936.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1102\" height=\"715\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-1142-Am-Torbogen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1973\" style=\"width:556px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-1142-Am-Torbogen.jpg 1102w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-1142-Am-Torbogen-768x498.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1102px) 100vw, 1102px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Blick durch den Schwibbogen auf den \u201eGro\u00dfen\u201c Topf aus Beton\u00a0<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Illo vom Bunzel ist der Verfasser eines Aufsatzes \u00fcber die Familie Ulbrich. Erschienen ist der Text im \u201eBunzlauer Tageblatt\u201c am 30. April 1927. \u201eDie Familie des Strumpfstrickers Ulbrich ist wohl eine der \u00e4ltesten Familien des Kreises Bunzlau. Bis in das 15. Jahrhundert lassen sich ihre Vorfahren nachweisen. Sie stammt aus Paritz, ein Ort am Queis der zum Kirchspiel Naumburg geh\u00f6rt. Von Paritz verzog die Familie nach Naumburg wo sie 200 Jahre verblieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 17. September 1751 zog der Ur-Ur-Gro\u00dfvater von Bruno Ulbrich, dem jetzigen Oberhaupte der Familie, nach Bunzlau und betrieb in einem Hause vor dem Obertore das ehrbare Hutmacherhandwerk. Das Haus ist weggerissen und stand ungef\u00e4hr dort, wo jetzt die St\u00e4dtische Sparkasse sich befindet. Joseph war sein Name. Sein Handwerk hatte er bei seinem Vater Johann Caspar Ulbrich (geb. 1660) in Naumburg gelernt. Auch dessen Sohn Anton war &nbsp;Hutmacher. Das war der Urgro\u00dfvater von Bruno Ulbrich. Diesem wurde 1799 ein Sohn geboren, Karl Franz. Das war der Gro\u00dfvater von Bruno Ulbrich. Er lernte von 1815 bis 1819 beim Strickmeister Franz Schulz die Strumpfstrickerei, in dem Hause, wo jetzt Johannes Kuhnert wohnt. Von 1819 bis 1827 ging er auf Wanderschaft. Im Jahre 1826 war er in Breslau in Stellung. Da sagte eines Tages die Meisterin zu ihm: Bunzlauer geh\u2019n sie nur heim und schmei\u00dfen sie nicht mehr den Meistern die Kr\u00e4fte in den Kasten, denn sie sind alt genug zum anfangen!&nbsp; Er hatte wohl durchblicken lassen, das sich selbst\u00e4ndig machen wolle. Von Breslau gelangte er um Weihnachten 1826 nach Bautzen. Diese Stadt besuchte er, um sich Handwerkszeug anzuschaffen. Am 6. Januar 1827 kam er auf der alten Heerstra\u00dfe \u00fcber Naumburg, Thiergarten, Birkenbr\u00fcck gewandert. Wir sehen ihn da im tiefen Schnee einherstapfen, bekleidet mit schwarzem Tuchrock, schwarzer Tuchhose, hohem Hut, das R\u00e4nzel auf dem R\u00fccken, den eichenen Knotenstock in der Hand. Es war kalt. Ein eisiger Ostwind pfiff durch die Wipfel der B\u00e4ume. da griff er nach dem Tabaksbeutel, der an seiner Seite hing und alles enthielt, was zum Rauchen n\u00f6tig war, also Tabak, Zuder, Stahl und Stein. Er stopfte sich die Pfeife, pinkte mit dem Stahl am Stein, bald glimmte der Zuder, den er dann mit einem Gef\u00fchl der Befriedigung obenauf legte. Nun tat er einige kr\u00e4ftige Z\u00fcge, da\u00df sie richtig in Brand kam, dann stapfte er weiter. In der Jagdsch\u00e4nke wollte er sich etwas ausruhen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ging in die Gaststube, und nachdem er die wenigen anwesenden G\u00e4ste z\u00fcnftig begr\u00fc\u00dft hatte, setzte er sich in die N\u00e4he des w\u00e4rmenden Kachelofens und bestellte bei der Mutter Brandenburg einen Korn. Die Gaststube mu\u00df wohl damals schon in fast demselben Zustand gewesen sein, wie sie vor 10 Jahren noch war. Jetzt hat ja die Neuzeit einige \u00c4nderungen an ihr vorgenommen, aber die alte gro\u00dfe Gaststube ist noch zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Jagdsch\u00e4nke war vor 100 Jahren, und ist noch heute in dem Besitz der Familie Brandenburg. Als nun die Mutter Brandenburg ihm den bestellten Korn brachte, sagte sie zu ihm: \u201eNa, Langer? Sie sein gewiest durchgefroren, ich mar Ihn\u2019 od a Reegl hee\u00dfen Koffee breng\u2019!\u201cSo dauerte es auch nicht lange, da brachte sie ein Kr\u00fcgel mit wei\u00dfgemachten Kaffee und auf einem Teller ein paar Strei\u00dfel Kuchen. Zwar war schonnein wenig hart, denn er war noch von den Weihnachsfeiertagen, aber da er ihn in den Kaffee tunkte, ging es eben.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"692\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-593-Nikolaistrasse.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1975\" style=\"width:355px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Nikolaistra\u00dfe, Schwibbogen und Rathaus um 1900<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Freundlichkeit der Mutter Brandenburg, so erz\u00e4hlte Bruno weiter, hat ihr mein Gro\u00dfvater nie vergessen. Zeit seines Lebens nicht; denn er pilgerte jedes Jahr am 6. Januar hinaus nach der Jagdsch\u00e4nke, und da konnte es noch so kalt sein, da konnte der Schnee noch so hoch liegen. Zumal sie von dem armen Handwerksburschen f\u00fcr den Kaffee durchaus kein Geld nehmen wollte.\u201eWeigen dam Reegel Koffee!\u201c meinte sie. Er starb im Jahre 1893. Auf seinen Spazierg\u00e4ngen nach der Jagdsch\u00e4nke hatte ihn schon mein Vater begleitet, dann wir Jungen. Aber auch sonst haben sich die Ulbriche den Nachkommen der guten Mutter Brandenburg dankbar erwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1802 hatte Robert Ulrich, der Vater von Bruno, das Gesch\u00e4ft \u00fcbernommen. Waren die Ulbriche im 18. Jahrhundert alle Hutmacher gewesen, so waren sie von 1827 ab alle Strumpfstricker. Am 12. September 1827 er\u00f6ffnet Ulbrich eine Strumpfstrickerei in dem schon erw\u00e4hnten Ulbrichschen Hause vor dem Obertore. Am 18. Mai 1862 \u00fcbernahm der Vater Robert Ulbrich &nbsp;das Gesch\u00e4ft und verlegte es nach der &nbsp;Zollstra\u00dfe 14 wo es sich heute noch befindet. Er \u00fcbernahm das Grundst\u00fcck von einem Strumpfstricker Schwabe, in dessen Familienbesitz es von 1740 bis1882 gewesen ist.&nbsp; Im Jahre 1902 \u00fcbergab Robert Ulbrich das Gesch\u00e4ft seinem \u00e4ltesten Sohn Bruno. Der j\u00fcngere Sohn Karl er\u00f6ffnete ein Gesch\u00e4ft mit Wollwaren, Trikotagen und so weiter in der Nikolaistra\u00dfe, da\u00df er sp\u00e4ter in das Feigesche Haus am Markte verlegte, wo es sich noch befindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1909 verstarb der Vater Robert Ulrich hochbetagt und hinterlie\u00df au\u00dfer den beiden S\u00f6hnen Bruno und Karl noch einen Enkel Franz. Dieser verstarb vor einigen Jahren &nbsp;und hinterlie\u00df zwei S\u00f6hne, so da\u00df die Fortdauer der Familie im Mannesstamm gesichert zu sein scheint. In diesem Jahre am Heiligedreik\u00f6nigstag hatte Bruno seine Freunde und Jagdgenossen zu einer kleinen Feier in der Jagdsch\u00e4nke eingeladen. Er hielt die Festrede und gedachte des Tages, an dem vor 100 Jahren sich sein Gro\u00dfvater von der Mutter Brandenburg bewirten lie\u00df. Und das am 12. September dieses Jahres das Gesch\u00e4ft das Jubil\u00e4um des 100j\u00e4hrigen Bestehens feiern k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir feiern im Geiste mit und rufen aus:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eViel Gl\u00fcck und Segen zu den n\u00e4chsten hundert Jahren!\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"495\" height=\"635\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-13995-Schwibbbogen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1974\" style=\"width:413px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Unter dem Schwibbogen. Aus dem Prospekt \u201eStadt des guten Tons\u201c<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Karl Ulbrich starb am 4. 4. 1953 in Frankfurt, seine Ehefrau bereits zwei Jahre zuvor. Die T\u00f6chter Martha Rauhut, Margarete Steinbach und Marianne Dietrich lebten nach 1945 in Frankfurt am Main und Landau.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss noch ein paar Anzeigen aus den Zeitungen: 1872: Ein herrschaftl. (!!!) Quartier am Markt im ersten Stock ist Neujahr 1873 und ein desgl. im zweiten Stock, bestehend aus 5 Piecen und Zubeh\u00f6r, zum 1. Novbr. 1872 zu beziehen. H. Feige, Ring 6. 1881: Julius Hiller, Ring 6, empfiehlt f\u00fcr Weihnachts-Eink\u00e4ufe in gro\u00dfer Auswahl billigst: Kopft\u00fccher, Garnituren, Taillent\u00fccher, Stulpen, Kapotten, Kragen, Westen, Schleifen, Str\u00fcmpfe, Korsetts, Handschuh, Chemisetts, Filzr\u00f6cke, Oberhemden, Jacken, Kravatten, Hosen, Sch\u00fcrzen, Cache-nez, leinene Taschent\u00fccher. 1900: S\u00e4chsisches Leinwandgesch\u00e4ft C. A. Frenzel &amp; Sohn. Hirschfelde in Sachsen. Eigene Weberei. Verkaufsstellen in G\u00f6rlitz, Liegnitz, Goldberg, L\u00f6wenberg, Lauban, Hirschfelde, Bunzlau, Ring 6. 1903: I. Pick. Ring 6 am Schwibbogen. Spezial-Gesch\u00e4ft f\u00fcr Herren- und Knaben-Garderobe. Bestellungen nach Maass in guter Ausf\u00fchrung zu soliden Preisen. 1914: Freundschaftsbund. Sonnabend, den 5. Sept., abds. <sup>1<\/sup>\/<sub>2<\/sub> 9 Uhr, in Schmidts Restauration (Schwibbogen): General-Versammlung. Wichtige Tagesordnung! P\u00fcnktliches und zahlreiches Erscheinen dringend erw\u00fcnscht. Der Vorstand. 1924: E. G\u00f6ldner Nachf. Paul Morchner. Holzschuh- und Pantoffelfabrikation. en gros en detail. Markt 6.&nbsp; 1924: I. Pick, Markt 6. Spezialgesch\u00e4ft f\u00fcr Herren-, Burschen- und Knabengarderobe. Fernsprecher 202. Postscheckk. 52135 Breslau. 1924: C. Ulbrich, Strumpf- u. Wollwarenhaus. Niederlage: Bleyles Knabenanz\u00fcge. Markt 6. Fernsprecher 334. 1929: 28. 6. Unser Saison-Ausverkauf beginnt Sonnabend, den 29. Juni. Wir haben zu diesem Verkauf gro\u00dfe Posten Waren, als: Str\u00fcmpfe, Socken und S\u00f6ckchen zur\u00fcckgestellt, welche spottbillig verkauft werden! Auf alle anderen Waren geben wir 10 Prozent Kassenrabatt, au\u00dfer Markenartikel. Strumpf- und Wollhaus Bruno Ulbrich, Zollstra\u00dfe 14. Strumpf- und Wollhaus Carl Ulbrich, Markt 6. 1929: 28. 6. Wieder ist Saison-Ausverkauf und wieder bieten sich Ihnen au\u00dfergew\u00f6hnliche Vorteile denn meine bekannt guten Qualit\u00e4ten in Herren- u. Knaben-Kleidung jeder Art gelangen jetzt zu bedeutend erm\u00e4\u00dfigten Preisen zum Verkauf. Auf alle nicht herabgesetzten Waren 10% Rabatt. Ring 6. J. Pick am Schwibbogen. 1932. J. Pick, Bunzlau. Spezialhaus f\u00fcr Herren- und Knabenkonfektion. Fernsprecher Nr. 202. Bankkonto: Dresdner Bank Gesch\u00e4ftsstelle Bunzlau. Postscheckkonto: Breslau Nr. 52135. Postschlie\u00dffach Nr. 76. 1935: Gastwirtschaft Schwibbogen, Eingang Nikolaistra\u00dfe. Inhaber Karl Schmidt. Wohnadresse Nikolaistra\u00dfe 1a.<\/p>\n\n\n\n<p>1969 schreibt Karl Wiechmann: \u201eWir brachten k\u00fcrzlich auch ein Bild vom Karl-Ulbricht-Haus neben dem Schwibbogen. Dazu bemerkt Paul W., es sei das einzige Haus am Marktplatze, das beim Wiederaufbau der Markth\u00e4user dreimal renoviert worden sei. Aeu\u00dferlich habe man nichts ver\u00e4ndert, aber innen die Holzbalken durch Eisentr\u00e4ger in den Zimmerdecken ersetzt, einschlie\u00dflich der Stuben in dem Schwibbogen. Eine Zeitlang habe es so ausgesehen, als solle der Schwibbogen verschwinden. Die Russen h\u00e4tten das nur zu gern gesehen, denn sie lieben breite Stra\u00dfen und gro\u00dfe Pl\u00e4tze, und sie w\u00fcnschten eine pomp\u00f6se Anfahrt zu ihrem Kutusow-Museum, das sie im Sterbehaus des russischen Feldmarschalls und Gegners Napoleon eingerichtet hatten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dietmar Plate. Erstver\u00f6ffentlichung in der Bunzlauer Heimatzeitung September 2019. Als die Sowjets die Stadt Bunzlau im Februar besetzten, geschah dies fast kampflos. Die Stadt war weitgehend unzerst\u00f6rt, auch sein Aush\u00e4ngeschild, der Markt. Als die Polen die Verwaltung \u00fcbernahmen, war die Innenstadt schon nur noch ein Tr\u00fcmmerfeld. 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