{"id":1923,"date":"2024-07-14T20:06:53","date_gmt":"2024-07-14T18:06:53","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1923"},"modified":"2024-07-14T20:06:54","modified_gmt":"2024-07-14T18:06:54","slug":"der-grosse-topf-von-bunzlau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/14\/der-grosse-topf-von-bunzlau\/","title":{"rendered":"Der \u201eGro\u00dfe Topf\u201c von Bunzlau"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Dietmar Plate, Erstver\u00f6ffentlichung in der \u201eBunzlauer Heimatzeitung\u201c, August 2013<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas untergegangen ist vor zehn Jahren, im Jahre 2003, ein bemerkenswertes Jubil\u00e4um: 250 Jahre zuvor, am 23. Juli 1753 beendigte der T\u00f6pfermeister Johann Gottlieb Joppe seine Arbeit an einem Bunzlauer Wahrzeichen, dem \u201eGro\u00dfen Topf\u201c. Auf-geschoben ist aber nun mal nicht aufgehoben, und so nutzen wir also das 260-j\u00e4hrige Jubelfest um an dieses ganz besondere Symbol der Bunzlauer T\u00f6pferkunst zu erinnern.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"698\" height=\"1098\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/130-Topf-v.-Schwibbogen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1924\" style=\"width:278px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Der gro\u00dfe Topf von Bunzlau<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Johann Gottlieb Joppe wurde geboren am 29. M\u00e4rz 1732 in Muskau als Sohn des Tafeldeckers Christian Gottlieb Joppe und dessen Frau, Dorothea Elise geb. Utt. Im Jahre 1751 wurde er B\u00fcrger der Stadt Bunzlau, er lebte in der sp\u00e4ter Hugo Reinholdschen T\u00f6pferei an der G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe. Seine erste Frau Anna Christiane Scholz starb am 13. November 1781, mit ihr hatte er 12 Kinder. 1784 schlo\u00df er die zweite Ehe mit der T\u00f6pfertochter Charlotte Regine Friedel. Dieser Ehe entstammte eine weitere Tochter. Joppe verstarb am 23. Januar 1788.&nbsp; Der Topf blieb ungebrannt und wurde von Hand gedreht, in Ringen die f\u00fcr den aufmerksamen Beschauer noch zu erkennen waren. Angeblich stand er bis zuletzt auf der Drehscheibe, auf der er hergestellt wurde. Der Topf war 2,15 Meter hoch. Sein Umfang betrug oben 3,69 Meter, in der Mitte 4 Meter und unten 2,47 Meter. Er fasste 1970 Liter, sein Gewicht wurde auf 600 Kilogramm gesch\u00e4tzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bergemann schreibt in seiner Chronik von 1829: \u201e1753 drehte Meister Joppe einen 7 Fu\u00df hohen und 8 Ellen weiten Topf, der 30 Schfl. Erbsen fa\u00dfte. Er steht noch jetzt auf derselben Scheibe, worauf er verfertigt worden; rings um ihn ist ein kleines H\u00e4uschen erbaut, woran eine Tafel mit Reimen den Fremden einladet, ihn zu beschauen. Ungeachtet er nicht gebrannt ist, verdient er doch wegen seines Umfanges einen Blick.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1936 teilt Artur Schiller im Bunzlauer Stadtblatt mit: \u201eEs wird unsere Mitb\u00fcrger interessieren, da\u00df wir soeben den Tag gefunden haben, an dem der Gro\u00dfe Topf fertiggestellt wurde: es war der 23. Juli 1753. Das 200j\u00e4hrige Jubil\u00e4um kann also nun sicher gefeiert werden!\u201c Joppe lie\u00df mitten auf dem B\u00fcrgersteig vor seiner T\u00f6pferei ein kleines steinernes H\u00e4uschen erbauen, in dem er den Topf gegen ein kleines Entgelt ausstellen lie\u00df. Artur Schiller berichtet, das die Besucher sich in ein Fremdenbuch eintrugen. Zwei B\u00e4nde mit einer St\u00e4rke von jeweils 12 Zentimeter sollen dabei entstanden sein. Der erste Band enthielt nach Schillers Aussage unter anderem die Unter-schrift der K\u00f6nigin Luise aus dem Jahre 1800. W\u00e4hrend dieser Band schon lange vor dem Kriege verschollen ist, so befand sich der zweite bis zuletzt im Bunzlauer Museum an der Poststra\u00dfe.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1090\" height=\"683\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/275-Grosser-Topf.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1925\" style=\"width:243px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/275-Grosser-Topf.jpg 1090w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/275-Grosser-Topf-768x481.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1090px) 100vw, 1090px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>An dem H\u00e4uschen befand sich, wie auch Bergemann schreibt, eine Holztafel. Darauf konnte man die weithin bekannten Zeilen lesen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin Topf von Ton gemacht hier ist,<\/p>\n\n\n\n<p>Der 30 Scheffel Erbsen mi\u00dft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch diese Tafel war im Museum zu bewundern. Urspr\u00fcnglich konnte man noch zwei sp\u00e4ter \u00fcbermalte Zeilen lesen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWer sich ein Trinkgeld nicht l\u00e4\u00dft rauen,<\/p>\n\n\n\n<p>Kann ihn hier darinnen schauen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bis zu seiner Zerst\u00f6rung im Fr\u00fchjahr 1945 hat der \u201eGro\u00dfe Topf\u201c einiges erleben m\u00fcssen. In der \u201eSchles. Volkskunde auf kulturgeschichtlicher Grundlage\u201c von Joseph Klapper wird berichtet, dass der Topf 1813 von den Franzosen zerschlagen, aber wieder zusammengesetzt und mit einem Drahtnetz umgeben wurde. Ein kleines Loch in der Wandung, an der Hinterseite zu sehen, soll in derselben Zeit ein \u00fcberm\u00fctiger Offizier mit einem Pistolenschuss hervorgerufen haben. Artur Schiller stellt fest, das auch dieser Vandalismus eine gute Folge hatte: mit dem Finger konnte man f\u00fchlen, wie d\u00fcnn die Wandung tats\u00e4chlich ist.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1088\" height=\"701\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/885-Grosser-Topf.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1926\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/885-Grosser-Topf.jpg 1088w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/885-Grosser-Topf-768x495.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1088px) 100vw, 1088px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Die Nachbildung des Gro\u00dfen Topfes<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die beiden Henkel sollen eine sp\u00e4tere Zutat sein, ein Datum daf\u00fcr ist leider nicht bekannt. Der Direktor der Keramischen Fachschule Dr. Eduard Berdel stellt in einem Aufsatz in den drei\u00dfiger Jahren fest, dass sie aus Blech seien. Einer Sage zufolge sollen die napoleonischen Krieger 1813 die originalen Henkel abgeschlagen haben, worauf dann der blecherne Ersatz angesetzt wurde. F\u00fcr die oben angef\u00fchrten Geschichten hat Dr. Berdel allerdings etwas weniger romantische Erkl\u00e4rungen zu bieten: \u201eJe gr\u00f6\u00dfer aber ein Tongef\u00e4\u00df ist, desto schwieriger ist es zu brennen. Und darum w\u00e4re der Bunzlauer Riesentopf ein ganz besonderes Kunstwerk, wenn er gebrannt w\u00e4re. In der Tat ist er nur getrocknet und daher recht leicht verletzlich und mu\u00df sanftm\u00fctig behandelt werden. Irgendein Spa\u00dfvogel mu\u00df vor Jahren, um diese Schw\u00e4che zu veranschaulichen, ein Loch durch die Wand gebohrt haben; der Volksmund hat auch daf\u00fcr wieder einen Franzosen verantwortlich gemacht, der mit der Pistole eine Kugel hindurchgeschossen haben soll. Indessen: die Kugel h\u00e4tte nat\u00fcrlich durch die gegen\u00fcber befindliche Wand des nur getrockneten Tongef\u00e4\u00dfes ebenfalls hindurchfliegen m\u00fcssen, ist es aber nicht. Die leichte Verletzlichkeit des nur getrockneten Tongef\u00e4\u00dfes bewog den Hersteller oder einen seiner Nachfolger, es durch ein Flechtwerk ringsum zu sch\u00fctzen und zu st\u00fctzen, so da\u00df der biedere schlesische Riesentopf fast etwas Exotisches, S\u00fcdl\u00e4ndisches oder Orientalisches gewinnt.\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"975\" height=\"1551\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1207-Grosser-Topf.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1927\" style=\"width:320px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1207-Grosser-Topf.jpg 975w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1207-Grosser-Topf-817x1300.jpg 817w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1207-Grosser-Topf-768x1222.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1207-Grosser-Topf-966x1536.jpg 966w\" sizes=\"auto, (max-width: 975px) 100vw, 975px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Der Gro\u00dfe Topf im Bunzlauer Museum<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Etwas \u00fcber hundert Jahre nach seiner Erschaffung diente der \u201eGro\u00dfe Topf\u201c als Anregung zu einem Theaterst\u00fcck. Dazu lassen wir Bunzlaus Ehrenb\u00fcrger, Geheimrat Artur Schiller zu Wort kommen: \u201eDer Umstand, da\u00df der Einladungsvers des Bunzlauer Gro\u00dfen Topfes von Erbsen spricht, hat von jeher die Menschen bewogen, anzunehmen, da\u00df die Entstehung des Topfes irgendetwas mit Erbsen zu tun habe. In dem Gegenst\u00fcck zu Kleists \u201eZerbrochenem Krug\u201c, dem zur Zeit allgemein erwarteten \u201eSchalk von Bunzlau\u201c, in dem ein verst\u00e4ndiger und gerechter Richter vorkommt, wird unser Riesentopf auch eine Rolle spielen. Die mit dem Gro\u00dfen Topf in Verbindung gebrachten Erbsen regten auch einen lieben, geistreichen und gelehrten Autodidakten an, der in Gnadenberg seinen Lebensabend verbrachte, Karl Theodor Pfautz, daraus ein lustiges Volksst\u00fcck zu machen, dem er den Titel gab: \u201eDer Gro\u00dfe Topf von Bunzlau\u201c. Er nahm eine geschehene Wette um den Ertrag eines Erbsenfeldes an. Der eine Teil, der Verlierer, hatte sich anheischig gemacht, die ganz Ernte in einem Topf von seinem Topflager bergen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es nun 30 Scheffel wurden, geriet er in arge Verlegenheit. Sein t\u00fcchtiger Geselle erbot sich, den geh\u00f6rigen Topf gegen die Hand der sch\u00f6nen Tochter zu machen. Als ihm die zugesagt wurde, fertigte er den ungeheuren Topf. Pfautz, den Herrnhutern angeh\u00f6rig, war am 16. Dezember 1813 in Klein-Welka bei Bautzen geboren, lernte von 1828 ab in Niesky Kaufmann und lebte nach vielen Stellen und gro\u00dfen Reisen ohne viel Geld in Ober-Thomaswaldau. Im \u201eJ\u00e4gerhof\u201c, in dem als Wirt der fr\u00fchere Schauspieler Pantau herrschte, wurde sein liebensw\u00fcrdiges St\u00fcck am 16. Februar 1879 mit gro\u00dfem Erfolg erstaufgef\u00fchrt. Die Rezension im Bunzlauer \u201eIntelligenzblatt\u201c berichtet \u00fcber den Erfolg. Mir kam das alte St\u00fcck 1924 in die H\u00e4nde. Es gelang mir mit Hilfe eines theaterkundigen Lehrers der Keramischen Fachschule deren Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen so zu begeistern, da\u00df sie es vom 27. M\u00e4rz 1925 acht Tage lang im hiesigen Stadttheater zu wohlt\u00e4tigem Zweck und mit wirklich ungeheurem Zulauf auff\u00fchrten. Eine Wiederholung fand sp\u00e4ter zu Ehren des abgehenden Fachschuldirektors Dr. Pukall wieder im Stadttheater statt. Beim Heimatfest 1939 wurde es auf der Freilichtb\u00fchne auf dem Markt der Feststadt auch von froher Jugend aufgef\u00fchrt.\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2049\" height=\"2251\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/25514-Topf-Stein-der-Weisen-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1929\" style=\"width:367px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/25514-Topf-Stein-der-Weisen-1.jpg 2049w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/25514-Topf-Stein-der-Weisen-1-1183x1300.jpg 1183w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/25514-Topf-Stein-der-Weisen-1-768x844.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/25514-Topf-Stein-der-Weisen-1-1398x1536.jpg 1398w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/25514-Topf-Stein-der-Weisen-1-1864x2048.jpg 1864w\" sizes=\"auto, (max-width: 2049px) 100vw, 2049px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Artur Schiller und der Gro\u00dfe Topf<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im Jahre 1940 (anderen Meldungen zufolge im Jahre 1942) wurde in Bunzlau ein weiteres Theaterst\u00fcck uraufgef\u00fchrt, verfasst von dem Schulrat Karl August Quer unter dem Pseudonym Volker Wulff. \u201eDer Schalk von Bunzlau\u201c war zun\u00e4chst als Einakter angelegt, sp\u00e4ter arbeitete Quer das St\u00fcck zu einer dreiaktigen Kom\u00f6die um, die dann in Glogau erstmals gezeigt wurde. Der Lehrer Quer stammte aus der Gegend von Kassel. 1933 war er aus dem Schuldienst aus politischen Gr\u00fcnden entfernt worden und wurde einige Zeit im KZ festgehalten. 1939 verlie\u00df er Kassel und kam 1940 nach Bunzlau, wo seine Frau Ilse Jahn als Schauspielerin am Stadttheater t\u00e4tig war. Das Theaterst\u00fcck schrieb er nach Anregungen von Geheimrat Schiller und auf Anraten des damaligen Bunzlauer Theater-Intendanten Dr. Doerry.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn er denn jemals wirklich der gr\u00f6\u00dfte Topf gewesen ist, so verlor er diese Position im Jahre 1853 (also 100 Jahre nach seiner Erschaffung) an einen neuen Konkurrenten in Naumburg am Queis. Am 1. M\u00e4rz 1914 berichtet die \u201eSchlesische Chronik\u201c \u00fcber diesen Topf: \u201eDie gegen 2000 Einwohner z\u00e4hlende Schwesterstadt Bunzlaus, das gleichfalls als T\u00f6pferstadt bekannte Naumburg am Queis, kann sich r\u00fchmen, was vielleicht unbekannt ist, seine Rivalin Bunzlau \u00fcbertroffen zu haben und nunmehr den gr\u00f6\u00dften Topf der Welt zu besitzen. Das Riesengef\u00e4\u00df mi\u00dft in altem Ma\u00df angegeben 3 <sup>3<\/sup>\/<sub>4<\/sub> Ellen von der Sohle bis zum Rand. Sein gr\u00f6\u00dfter Umfang betr\u00e4gt 7 <sup>3<\/sup>\/<sub>4<\/sub> Ellen. 56 Scheffel oder 2174 Berliner Quart vermag er zu fassen. Der Sch\u00f6pfer des Topfes war der T\u00f6pfermeister August Franke. Da die Herstellung im Jahre 1853 erfolgte, war der Kolo\u00df im Jahre 1913 60 Jahre alt. Im praktischen Gebrauche h\u00e4tte er bei der bekannten Zerst\u00f6rungswut aller dienstbaren Geister schwerlich diesen f\u00fcr alle Glieder seiner Gattung methusalemische Alter erreicht. Aber er war nie eigentlich t\u00e4tig und hat nur f\u00fcr Dekorationszwecke gedient. Seit seiner Fertigstellung ist er stets in einem ihm besonders einger\u00e4umten St\u00fcbchen der P. K\u00fchn&#8217;schen T\u00f6pferei auf der L\u00f6wenberger Stra\u00dfe verblieben. Immerhin ist er f\u00fcr sein Alter noch r\u00fcstig. Er hat keinerlei Drahtgeflecht gebraucht, wie sein Rivale in Bunzlau.\u201c Im Jahre 1933, anl\u00e4sslich der 700-Jahr-Feier der Stadtgr\u00fcndung von Naumburg am Queis fertigte der T\u00f6pfer Georg Buchwald einen weiteren gro\u00dfen Topf. Dieser fasste gar 8702 Liter und war \u2013 soweit man das damals \u00fcberblicken konnte \u2013 nun wirklich der gr\u00f6\u00dfte Topf der Welt. Auch er \u00fcberlebte den Einmarsch der Roten Armee nicht. <em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem zunehmenden Verkehr erwies sich der Standort des Bunzlauer Topfes vor der Reinholdschen T\u00f6pferei als \u00e4u\u00dferst ung\u00fcnstig. Der damalige Eigner der T\u00f6pferei, Hugo Reinhold, schenkte den Topf der Stadt Bunzlau, das alte H\u00e4uschen wurde abgebrochen. Am 29. November 1893 wurde der Topf von seinem langj\u00e4hrigen Platz zum Stadtmauer-Rondell an der alten Stadtg\u00e4rtnerei verbracht. 18 st\u00e4dtische Maurer und Zimmerleute trugen ihn mit Hilfe eines speziell angefertigten Holzger\u00fcstes \u00fcber die Pappelstra\u00dfe, Schlo\u00df- und Teichpromenade zu seinem neuen Standort. Ohne Schaden verlief der neunzigmin\u00fctige Marsch mit der gesch\u00e4tzt 10 Zentner schweren Last. Die S\u00e4nger der \u201eBunzlauer Liedertafel\u201c sangen vor dem Aufbruch ein Lied, gedichtet von einem Herrn Kittel (besch\u00e4ftigt in der Hammerschen W\u00e4schefabrik an der Oberm\u00fchlstra\u00dfe):<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu bist ber\u00fchmt in aller Welt<\/p>\n\n\n\n<p>Und brachtest ein auch sch\u00f6nes Geld;<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt sollst du uns verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Du wanderst in ein neues Heim,<\/p>\n\n\n\n<p>Sollst da die Fremden stets erfreun:<\/p>\n\n\n\n<p>Ade, wir m\u00fcssen scheiden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufsicht wurde der Frau des Stadtg\u00e4rtners Neunherz \u00fcbertragen. An der Hofmauer des Grundst\u00fccks, wo seinerzeit das Topfh\u00e4uschen stand, ist in den 1920er Jahren auf einem Tonstreifen die Inschrift angebracht worden: \u201eStandort des Gro\u00dfen Topfes vom 23. Juni 1753 bis zum 29. September 1893.\u201c&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"667\" height=\"1047\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1527-Grosser-Topf.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1931\" style=\"width:280px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Der Gro\u00dfe Topf im Pavillon am Odeonteich<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nur wenige Jahre sp\u00e4ter ging der \u201eGro\u00dfe Topf\u201c erneut auf Wanderschaft. Die Stadt Bunzlau hatte das alte Stadt-Pfeiferhaus an der Oberpromenade zu einem Heimatmuseum umgebaut, im Mai 1911 wurde es seiner Bestimmung \u00fcbergeben. Zu einer der Hauptattraktionen des Museums war der Topf bestimmt worden. Da die T\u00fcr zu klein war, musste eine Wand des Zimmers durchbrochen werden, in dem er seinen letzten Standort im Saal 1 im Parterre bekommen sollte. Das alte Schild hing urspr\u00fcnglich \u00fcber dem Eingange zu diesem Raum, auf sp\u00e4teren Ansichtskarten und Bildern steht es zumeist neben dem Topf. Artur Schiller schreibt dazu: \u201eIm Jahre 1909 nach Gr\u00fcndung des Stadtmuseums fand er in demselben seine Ruhe. Es kann leider nicht verhindert werden, da\u00df noch jetzt unn\u00fctze H\u00e4nde ihre werten Namen in die Wandung einkratzen. Bei dem Transport nach dem Museum ereignete es sich, da\u00df die T\u00fcr in der Stube vergr\u00f6\u00dfert werden mu\u00dfte, da das Unget\u00fcm nicht durch diese hindurch ging.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch eine kleine Meldung aus dem Bunzlauer Stadtblatt im Jahre 1927: \u201eDa der Gro\u00dfe Topf durch zunehmende Sucht mancher Besucher ihren werten Namen darauf einzukratzen, oder durch Klopfen zu versuchen, ob er h\u00e4lt, oder vielleicht entzwei geht, gef\u00e4hrdet ist, mu\u00dften wir den Raum beim Topfe durch eine Kette absperren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>An die nur kurze Zeit im Pavillon am Odeonteich erinnern zahllose Schmuckkarten, die in der Hochzeit der Ansichtskarte um 1900 entstanden sind. Wem also einmal eine dieser Postkarten in die H\u00e4nde f\u00e4llt, auf der eine Zeichnung des \u201eGro\u00dfen Topfes\u201c in einem runden Raume abgebildet ist, der sieht das Bunzlauer \u201eWahrzeichen\u201c an seinem Standort an der alten Stadtg\u00e4rtnerei. Der kleine mit Rundbogenfenstern versehene Pavillon wurde in den drei\u00dfiger Jahren Teil des Bunzlauer Zoos. Hier wurden nun Muscheln und Versteinerungen von Pflanzen und Tieren gezeigt. Diese Ansichten wurden noch in den zwanziger und drei\u00dfiger Jahren in immer wieder neuen Auflagen angeboten, als der Topf l\u00e4ngst im Museum stand.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1041\" height=\"1631\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1566-Grosser-Topf.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1930\" style=\"width:290px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1566-Grosser-Topf.jpg 1041w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1566-Grosser-Topf-830x1300.jpg 830w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1566-Grosser-Topf-768x1203.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1566-Grosser-Topf-980x1536.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 1041px) 100vw, 1041px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Der Gro\u00dfe Topf anl\u00e4sslich seines 150j. Bestehens<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im Jahre 1939 veranstaltete die Stadt Bunzlau ein gro\u00dfes Heimatfest. Alte Traditionen lie\u00df man wieder aufleben, sogar der schon lange geschlossene Bunzlauer Ratskeller wurde anl\u00e4sslich dieses Festes noch einmal seiner alten Nutzung zugef\u00fchrt. Und es entstand ein zweiter \u201eGro\u00dfer Topf\u201c. Auf dem Gel\u00e4nde des Bunzlauer Bauhofes an der Tillendorfer Stra\u00dfe fertigten der T\u00f6pfermeister Otto Lange und seine Mitarbeiter Kubens, F\u00f6rster und Alfred Lange eine Nachbildung aus Beton. Aufgestellt wurde dieses Werk, einschlie\u00dflich der dazugeh\u00f6rigen Tafel mit dem altbekannten Spruch, zwischen Rathaus und Schwibbogen. Der Blick auf den \u201eGro\u00dfen Topf\u201c von der Nikolaistra\u00dfe aus durch den Schwibbogen hindurch wurde ein beliebtes und weit verbreitetes Postkartenmotiv. Die Ansicht des Betontopfes (mit einem Einmachtopf als Blumenvase oben drauf, damals f\u00fcr Sp\u00f6tter geradezu eine Einladung f\u00fcr ironische Kommentare) wird noch heute gern als Abbildung des \u201eGro\u00dfen Topfes\u201c von Bunzlau ver\u00f6ffentlicht. Am 8. Oktober 1940 berichtet das Stadtblatt: \u201eDie auf der S\u00fcdseite des Marktes stehende getreue Nachbildung des echten Bunzlauer Gro\u00dfen Topfes, des Wahrzeichens unserer Stadt, ist gestern abgebrochen worden. Wie wir mitteilen k\u00f6nnen, soll der \u201eGro\u00dfe Topf\u201c auf dem Markte nicht f\u00fcr immer verschwinden. An seine Stelle kommt eine neue Sch\u00f6pfung, die dem echten Gro\u00dfen Topfe noch getreuer nachgebildet ist, da sie aus Ton hergestellt wird, w\u00e4hrend das Material des abgebrochenen Topfes aus Beton bestand.\u201c Vermutlich ist dieser Plan auf Grund der Kriegsereignisse nicht mehr zur Ausf\u00fchrung gekommen. Was aber wurde aus dem Betontopf? Wurde er beim Abbau zerschlagen? Sein Schicksal liegt genauso im Dunklen wie das des Originals. Vermutlich wurde er im Februar 1945 bei der Pl\u00fcnderung des Museums zerst\u00f6rt. Allerdings gibt es auch andere Aussagen. Kurt Basler berichtete im Jahre 2002 in einem Aufsatz \u00fcber die Aussage einer Zeugin: \u201eIm Sommer 1946 oder 1947 spielten Kinder im hinteren Bereich des Museums. Darunter auch die damals 8 \u20139j\u00e4hrige Ingeborg R. aus der Oberstra\u00dfe. Die Neugier war gro\u00df, was wohl drinnen ist. Ein Loch war schnell gefunden und so stiegen mehrere Kinder hinein. Als pl\u00f6tzlich von drau\u00dfen Stimmengewirr zu h\u00f6ren war, rissen alle Kinder aus. Nur Ingeborg schaffte es nicht mehr und sprang in ihrer Angst in den gro\u00dfen Topf. Zwar wei\u00df sie nicht mehr, wie lange sie darin ausharren mu\u00dfte, aber ihre Spielgef\u00e4hrten holten sie wieder raus. Eine nette Episode. Damit wissen wir nun, da\u00df der Bunzlauer Topf noch zu dieser Zeit unbesch\u00e4digt an seinem Ort stand.\u201c Sollte es noch jemand geben, der Aussagen zum Schicksal des \u201eGro\u00dfen Topfes\u201c, seinem \u201eBruder\u201c aus Beton oder dessen geplanten Nachfolger machen kann, dann wird sie\/er gebeten, sich zu melden. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn noch Licht in dieses letzte Kapitel eines denkw\u00fcrdigen Kunstwerkes zu bringen w\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dietmar Plate, Erstver\u00f6ffentlichung in der \u201eBunzlauer Heimatzeitung\u201c, August 2013 Etwas untergegangen ist vor zehn Jahren, im Jahre 2003, ein bemerkenswertes Jubil\u00e4um: 250 Jahre zuvor, am 23. Juli 1753 beendigte der T\u00f6pfermeister Johann Gottlieb Joppe seine Arbeit an einem Bunzlauer Wahrzeichen, dem \u201eGro\u00dfen Topf\u201c. 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