{"id":1887,"date":"2024-07-14T18:22:07","date_gmt":"2024-07-14T16:22:07","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1887"},"modified":"2024-07-14T18:22:08","modified_gmt":"2024-07-14T16:22:08","slug":"zu-dr-wernickes-gedaechtnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/14\/zu-dr-wernickes-gedaechtnis\/","title":{"rendered":"Zu Dr. Wernickes Ged\u00e4chtnis"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Artur Schiller. Bunzlauer Stadtblatt, 30. April 1938.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Ewald Wernicke ist durch seine vorz\u00fcgliche, nun schon 54 Jahre alte Chronik der Stadt, um die uns viele St\u00e4dte von Schlesien beneiden, f\u00fcr alle Zeiten mit Bunzlau verbunden. Deshalb geb\u00fchrt es sich, seiner am 3. April, an dem sich sein Todestag zum 25. Male j\u00e4hrt, zu gedenken. Seine Eltern waren der Bergamtsrevisor Heinrich Wernicke und dessen Gattin, geb. von Woitowski. Ihnen wurde dieser begabte Sohn am 28. Oktober 1849 zu Brieg geboren. Er hatte eine ernsten Jugend, da ihm beide Eltern schon1853 zu Breslau wegstarben. Mit 25 Jahren war er schon Dr. phil. Seit 1876 war er im Lehramt, zun\u00e4chst an der Landwirtschaftsschule in Brieg. Am 3. Oktober 1876 heiratete er in Bunzlau Meta Beisert, die sch\u00f6ne und geistvolle Tochter des Gymnasialdirektors Dr. Beisert, die noch hochbetagt in Berlin-Teltow am 7. Juni ihren 86. Geburtstag begehen konnte. Die druch den spr\u00fchenden Geist des redegewandten Br\u00e4utigams gew\u00fcrzte Hochzeit fand im \u201eOdeon\u201c satt. Ich war nach eben bestandenem Abiturium als fr\u00f6hlicher Gast eingeladen. In Brieg wurden dem Paare zwei Kinder geboren. 1879 kam Wernicke als Waisenhauslehrer an die hiesigen Zahnschen Schulanstalten. Er wohnte im Waisenhause, wo ihnen weitere vier Kinder geschenkt wurden. Schon mit Ablauf des Jahres 1887 wurde er von dieser Stellung entbunden. Die Schulberichte, die ber\u00fchmten \u201eFortgesetzten Nachrichten\u201c sagen \u00fcber diesen Punkt: \u201eAm 22. M\u00e4rz 1887 erkrankte Dr. Wernicke. Er trat am Ende des Schuljahres in den Ruhestand.\u201c Aber er verharrte nicht lange in dieser Ruhe. Die Staatsbeh\u00f6rde sicherte sich die Kenntnisse und hohen Geisteskr\u00e4fte des wieder genesenen Gelehrten und berief ihn 1890 in eine verantwortungsreiche Stellung am Berliner Heroldsamt, die er bis zu seiner endg\u00fcltigen Pensionierung 1897 erfolgreich ausf\u00fcllte. In Steglitz wohnend, verstarb er am 30. April 1913.<\/p>\n\n\n\n<p>Er war ein h\u00f6chst liebensw\u00fcrdiger Mann, trotz seiner Leistungen als echter Gelehrter bescheiden. Sein Wissen war \u00fcberragend, sein Ged\u00e4chtnis au\u00dferordentlich. Kein starrer Philologe, sondern ein f\u00fcr alles Sch\u00f6ne eingenommenen, besonders von seinem musikalischen Empfinden. Er liebte die Natur und war auch dichterisch veranlagt. Ein Hauptcharakterzug war sein schalkhafter Humor. \u00dcber Spuren desselben in seiner Bunzlauer Chronik haben wir in dem Aufsatz \u201eWernicke als Humorist\u201c in Nr. 84 des \u201eBunzlauer Stadtblattes\u201c vom 11. April 1931 eingehend berichtet. Ich durfte mich seiner besonderen Zuneigung erfreuen und konnte ihn oft auf seinen Streifereien durch die Stadt begleiten. Dabei handelte es sich meistens um die Feststellung des wahren Opitzhauses auf der Gro\u00dfen Kirchstra\u00dfe und des Feigehauses als mutma\u00dflichen Geburtshauses des Dichters Tscherning. Wernicke ahnte wohl nicht, da\u00df er sich damit in mir einen Nachbeter heranbildete, der p\u00e4ter das reiche Material seiner arbeiten monographisch herausarbeiten sollte. Jeder, der \u00fcber Bunzlau schreibt, findet ja in ihm die Grundlage. Nur seine Geringsch\u00e4tzung des Chronisten Bergemann war wohl etwas \u00fcbertrieben. Berge Goldes hat er sich freilich mit seiner Chronik, die ihm eine unsinnige Arbeitslast auflud, nicht erworben. Ihre erste Lieferung kam Februar 1882 bei Kreuschmer heraus. Das Buch, das guten Absatz hatte, kostete 9,60 Mark. Der Redakteur der \u201ePharmaz. Zeitung\u201c Dr. B\u00f6ttger schrieb \u00fcber sie im \u201eCourier\u201c von 1884 S. 161 eine blendende Kritik. Wernicke klagte mir manchmal, da\u00df er von seinem Werke, wie das bei solchen B\u00fcchern nun einmal der Fall ist, trotz eines Zuschusses der Stadt doch nur ein Defzit gehabt habe. Er sagt denn auch in seiner Vorrede, da\u00df er die Arbeit nur auf mehrfache Anregungen hin und mehr Lokalpatriotismus unternommen habe. Daf\u00fcr missen wir ihm allezeit dankbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir es nun noch unternehmen, seine Werke zusammenzustellen, so wollen wir uns nicht mit Vollst\u00e4ndigkeit br\u00fcsten, die einzelnen Aufs\u00e4tze auch nur kurz bezeichnen und von Genauigkeit der Zitierung der K\u00fcrze halber absehen. Es soll \u00fcbrigens einen Roman geben, in den die Darstellung seines Lebensganges eingef\u00fcgt ist. Ein Bunzlauer Hussitenspiel ist leider verlorengegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine St\u00e4rke war die genaue Aussch\u00f6pfung der Quellen und seine Wahrheitsliebe. Schon als Student von 21 Jahren besichtigte er an 200 schlesische Kirchen und stellte literarisch ihre Kunstsch\u00e4tze fest. 1873 verfa\u00dfte er als Kandidat eine Verbesserung zu dem Calendarium der Minoriten von G\u00f6rlitz. Seine Doktorarbeit von 1874 brachte die Baugeschichte der katholischen Kirche in Schweidnitz. Er schrieb \u00fcber Brieg und um 1878 \u00fcber Schweidnitz und G\u00f6rlitz (Zeitschr. des Vereins f\u00fcr Geschichte Bd. 12 und Prov.-Bl\u00e4tter). 1880 erschien die erste Auflage seines kleinen, aber hocbedeutsamen Werkchens \u00fcber den Gr\u00f6ditzberg, ein Juwel in jeder Bunzlauer Bibliothek. 1881 lieferte er Werke \u00fcber die Orgelbaukunst, die Stadtpfeifer und besonders die schlesischen Steinmetzzeichen (\u201eSchles. Vorzeit\u201c). In den \u201eFortgesetzten Nachrichten\u201c von 1882 und 1883 brachte er grundlegende Forschungen \u00fcber den Waisenhausgr\u00fcnder Gottfried Zahn. Aus den Arbeiten und Vorarbeiten um seine Bunzlauer Chronik gab er im hiesigen \u201eCourier\u201c allgemein interessierende kurze Aufs\u00e4tze, den ersten 1879 \u00fcber Kunstgeschichte von Bunzlau, 1880 elf, 1881 f\u00fcnf (darunter \u00fcber das Geburtshaus von Opitz), 1882 vier, 1883 neun, 1885, w\u00e4hrend des Erscheinens der Chronik, vierzehn und 1886 noch zw\u00f6lf. Diese sind meist in die Chronik \u00fcbernommen, deren Erscheinen von 1884 datiert. 1885 erschien (im \u201eWanderer\u201c) eine Namensbearbeitung des Hirschberger Weichbildes nach unserer ber\u00fchmten Fassionstabelle, 1886 \u00f6sterreichische K\u00fcnstlergeschichten in \u201eSchles. Quellen\u201c, Joh. B\u00fcttner, der Bunzlauer K\u00f6nigsrichter (Ztschr. Bd. 20), die Vornamen der schlesischen Bauern (\u201eAllg. Zeitung\u201c), auch das wichtige Werk \u00fcber Adelsfamilien der Kreise Bunzlau und L\u00f6wenberg (Viertelj.-Schrift f. Heraldik), im Jahre 1888 ein Versuch \u00fcber die Bunzlauer Braunt\u00f6pferei und \u00fcber die Welschen Maurer in Bunzlau (beide Aufs\u00e4tze in der \u201eSchles. Vorzeit\u201c). Ein sch\u00f6ner Aufsatz \u00fcber Wendl Roskopf kam 1890 im Laus. Magazin heraus. 1908 eine Monographie \u00fcber die Herren von Talkenberg, ein Aufsatz \u00fcber schlesische Maler (Bd. 5 \u201eSchles. Vorzeit\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>Undatiert seien erw\u00e4hnt: Familiengeschichte derer von Strachwitz und Topographie von Brieg aus seiner ersten Zeit. Als Beamter des Heroldsamtes erteilte er auch unz\u00e4hlige Ausk\u00fcnfte und schrieb viel f\u00fcr den Adelsherold.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher ist sein Name auch in die Literaturgeschichte anerkennend aufgenommen. Erfreulich ist, da\u00df die Stadt Bunzlau auch \u00e4u\u00dferlich seiner gedachte und eine im Ausbau begriffene Stra\u00dfe nach ihm benannt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Seiner Gemahlin, die als solche sich ja einen Anteil an der Arbeit ihres Mannes anma\u00dfen darf, w\u00fcnschen wir heute an dieser Stelle einen geruhigen und gesund verlaufenden Lebensabend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen der Wernicke-Chronik<\/h2>\n\n\n\n<p>Chronik Dr. Ewald Wernicke, 1884.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede Bunzlauer Chronik geht naturgem\u00e4\u00df auf die von allen Chronisten benutzte, unserer Einwohnerschaft wohlbekannte handschriftliche Geschichte des weiland Schweidnitzer Pfarrers Friedrich Holstein (Holstenius) zur\u00fcck, die unter ihresgleichen zu einem respektablen Platze berechtigt ist.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1876\" height=\"2427\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dr.-Ewald-Wernicke.pages-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1890\" style=\"width:291px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dr.-Ewald-Wernicke.pages-2.jpg 1876w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dr.-Ewald-Wernicke.pages-2-1005x1300.jpg 1005w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dr.-Ewald-Wernicke.pages-2-768x994.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dr.-Ewald-Wernicke.pages-2-1187x1536.jpg 1187w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Dr.-Ewald-Wernicke.pages-2-1583x2048.jpg 1583w\" sizes=\"auto, (max-width: 1876px) 100vw, 1876px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das Biographische \u00fcber den Verfasser holen wir in der Bunzlauer Kirchengeschichte nach. Seine Arbeit hat viele Abschreiber gefunden; das Original besitzt wahrscheinlich das Breslauer Staatsarchiv.<\/p>\n\n\n\n<p>In Bunzlau ist Holstenius in drei Exemplaren vertreten: das dem hiesigen Magistrat geh\u00f6rige ist Abschrift einer Handschrift auf der Leipziger Universit\u00e4tsbibliothek; das dem K\u00f6nigl. Waisenhause geh\u00f6rige betitelt sich: Die Bunzlauische Chronik, aus etlichen alten und neuen Verzeichnissen zusammengezogen durch H. Mag. F. Holstenium etc. und ist von zwei verschiedenen H\u00e4nden des 18. Jahrhs. abgeschrieben. Schlu\u00df 1599.<\/p>\n\n\n\n<p>Hieran schlie\u00dft sich Continuatio Chronici Boleslaviensis ab ao. Chr. 1600 ad haec usque tempora (1639). Dieses Mss. endigt mit zwei Seiten Eintragungen (1683 \u2013 1741) von einem Unbekannten, der nach eigenem Gest\u00e4ndnis an der Schlacht bei Salankemen (19. Aug. 1691) teilgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dritte (in Privatbesitz) hat neben einem vollst\u00e4ndigeren Titel die Angabe: abgeschrieben von Christoph Buchw\u00e4lder, B\u00fcrgern und Ratsherrn zu Bunzlau, seines Alters 74, und continuirt von einem Anonymo ab anno 1600 \u2013 1642 ex schedis Elia Schwartz, der von Holsteins Nachkommen 1641 beinahe allein \u00fcbrig war. Die R\u00fcckseite des Titels enth\u00e4lt in lateinischer Sprache eine Rezension des Werks und schlie\u00dft mit den Worten: Die Urschrift befand sich in den H\u00e4nden eines Sohnes von diesem Schwartz, welcher in Bunzlau das T\u00f6pferhandwerk betrieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Er bewahrte aber diesen vermeintlichen Schatz so eifers\u00fcchtig, da\u00df er in sich weder durch Bitten noch um Geld entrei\u00dfen lie\u00df. \u2013 Der Abschreiber nennt sich Scharff (1696). Diese Handschrift geht ununterbrochen bis 1642 fort und bmerkt nur an der Stelle, wo ein Absatz sein sollte: 1600 den 19. Mart. am Sonntage Judica hat Herr M. F. Holstein, gewesener Pfarrher allhier seine Valetpredigt hier gethan und ist den 22. Mart. nach der Schweidnitz gezogen, dahin er zum Pfarrdienste berufen worden, nachdem er bis ins 16. Jahr Pfarrer allhier gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da m\u00f6glicherweise auch einmal unser Chronist unter den Scriptores rerum Silesiacarum Aufnahme findet, so m\u00f6ge einstweilen jedes weitere Eingehen auf sein Opus und dessen Redaktionen ausgeschlossen bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich habe ich es au\u00dferordentlich h\u00e4ufig verwertet, ohne immer den Fundort anzugeben; das Citat wird sich voraussichtlich gleich durch seine Fassung verraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bunzlauer Ratsarchiv, Au\u00dfer der nicht \u00fcber das 15. Jahrhundert hinausreichenden Urkundensammlung es Bunzlauer Ratsarchivs, wovon das Breslauer Staatsarchiv ein Repertorium besitzt, sind folgende Urkundenb\u00fccher res. Handschriften namentlich anzuf\u00fchren:<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6ppenbuch, angefanngen 1581, auf dem R\u00fccken bezeichnet \u201eGerichtsprotokoll,\u201c in Pergament &nbsp;(theologischer Text) gebunden. Es beginnt mit den Worten: Im Tausendt F\u00fcnffhundert F\u00fcnff und Achtzig, und Zwei und Achtzigsten Jahre, als der ersambe Martin Rohtmann 1) Martin Opitz\u2018 Gro\u00dfvater m\u00fctterlicherseits. verordneter Stadtrichtr, Martin Beer, Christoff Gerlach, Andres Fischer, Elias Kr\u00fcger, Melchior Scholtz, Christoff Binder und Hans Seidel geschworne Scheppen, sind folgende Gerichtshandlungen registriret worden. \u2013 Die letzte Verhandlung datiert vom 3. Nov. 1589.<\/p>\n\n\n\n<p>Buch \u201eder Stadt Unterthanen,\u201c in Leder gebunden, wie die beiden folgenden; wichtig f\u00fcr die Bestimmung der Lokalit\u00e4ten der n\u00e4heren Umgegend.<\/p>\n\n\n\n<p>Erbschichtung. 1596. Foliohandschrift in gepre\u00dftem Leder \u00fcber Holzeinband. Die zierlichen Ornamente mit Heiligenfiguren zeigen in der Mitte das Bunzlauer Stadtwappen in einer dem heutigen \u00e4hnlichen Form, mit der Umschrift: Sigillum civitatis Boleslaviensis anno 1582, darunter ein Wappenschild mit N. G. 1) Bezeichnet wahrscheinlich den Buchbinder Nik. Grabener, der um diese Zeit auf der Nikolaistra\u00dfe wohnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Urkundenbuch, welches meist Erbteilungen und Testamente enth\u00e4lt, umfa\u00dft 445 Foliobl\u00e4tter. Am Schlusse ein alphabetisches Register, nach den Vornamen geordnet. Die Verhandlungen beginnen mit dem 14. Nov. 1596 und schlie\u00dfen mit dem 16. Aug. 1621.<\/p>\n\n\n\n<p>Stadtbuch von 1613. Foliohandschrift in gepre\u00dftem Leder ohne fig\u00fcrliche Ornamente, beginnt mit einem Bericht \u00fcber die Ratswahl vom 13. Sept. 1613. Nur 168 Bl\u00e4tter, ungef\u00e4hr ein Drittel des Buches, sind beschrieben. Als letzte Verhandlung ist eine vom 27. Nov. 1665 eingetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alphabetisches Register, wie vorhin, welches vom Wurmfra\u00df arg gelitten hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Urbarium der Stadt Bunzlau, um 1750 angefertigt.<\/p>\n\n\n\n<p>I. Protocollon conscriptum a Christiano Francisco de Klarenstein notario vom 23. Apr. 1653 ab. Foliohandschrift in Pappdeckeln, die mit Pergament (liturgischer Text) \u00fcberzogen sind. Ohne Paginierung. Schlu\u00dfverhandlungen am 10. Sept. 1660.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den Stadtrechnungen ist die \u00e4lteste: Tabulae accepti et expensi senatus Boleslaviensis consule dno. Elia Namslero, praetore Josia Neuman. 1611\/12. Die in Pergament (lit. Inhalt) gebundene Handschrift ist zugleich ein Gescho\u00dfbuch, welches die Namen aller Hausbesitzer nebst ihren st\u00e4dtischen Abgaben enth\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erachte hierbei die Bemerkung f\u00fcr geboten, da\u00df unter &nbsp;der Rubrik \u201eGeschenke und Verehrungen\u201c drei bedeutungsvolle Posten verzeichnet sind, die die Quelle erraten lassen, woraus sich soviel dummes Zeug in unsere fr\u00fcheren Chroniken eingeschlichen haben mag: 1612 bezahlt der Magistrat am 3. Febr. Abraham Hosemann zum Lauban wegen etlichen gedruckten Sachen 1 ungarischen Gulden, ebensoviel am 1. Aug.; am 9. Jun bekommt der \u201eHistoricus\u201c wegen etlichen verehrten Sachen gar das Doppelte. Der Beschenkte ist kein Geringerer als der ber\u00fcchtigte \u201egreuliche Landl\u00fcgner\u201c und \u201eL\u00fcgenschmied\u201c, welcher durch seine schablonenm\u00e4\u00dfig fabrizierten M\u00e4rchen so heillosen Wirrwarr in den schlesischen St\u00e4dtegeschichten angerichtet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte von unserm heldenm\u00e4\u00dfigen B\u00fcrgermeister Bleihahn und der keuschen Jungfrau Anna Kath. Reiner 2) Der doppelte Vorname ist f\u00fcr jene Periode \u00fcberhaupt schon ein Unding. beim Hussiteneinfall 1427, welche die Silesiographia cap. VII S. 44 ff. Rasos Phoenix refivivus so romantisch und r\u00fchrend nacherz\u00e4hlt, kommen jedenfals auf des sauberen Hosemanns Rechnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweit\u00e4lteste Stadtrechnung betrifft das Etatsjahr 1627\/28. Die darauf folgenden Jahrg\u00e4nge sind \u00e4u\u00dferst l\u00fcckenhaft.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Einteilung der Stadt in Bezirke, die Bestimmung der H\u00e4userzahl und der Besitzer waren von erheblichem Nutzen folgende Register:<\/p>\n\n\n\n<p>1) Gescho\u00df, Einkommen und Ausgaben (stehen aber nicht darin!) der Stadt Bunzlau auf Michaelis Annorum Domini 1549. Auf der R\u00fcckseite des Umschlags ist zu lesen: \u201eIhm roc (1500) u. xlviii (48) Jhare, Sonnobend noch Omnium Sanctorum (Allerheiligen) haben die ehrsamen Caspar Holnstein, B\u00fcrgermeister, Mathes Beier, Bastian Nmsler, Fabian Hewer, Valten Preibisch, Rathmanne, von allen und jeden Eynkommen und Ausgeben der Stadt eyne vollkommene Rechnung gethaen, also da\u00df sich das Ausgeben mith dem Einnhemen wol vorgleicht, welch die ersamen Stentzel Holtzmann, nhewer (neuer) B\u00fcrgermeister, Caspar Schuman, Hans Widtwer, Cristof G\u00fcnter, Hans Hanewalt, Rathmanne, zusamt den Geschwornen aller Handtwerger und den Herrn von Scheppen als gen\u00fcglich myth Danksagung angenommen und haben ahn bharem Gelde entpfangen achthundert Margk.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Heerschauungk (Heerschau) der Buergerschaft den 8. und neunden Decmebris des 1563 Jhares auff denn Eintzug des Allerdurchlauchtigisten und Gro\u00dfm\u00e4chtigisten K\u00f6niges Maximiliani, unsers allergn\u00e4digsten und nat\u00fcrlichen K\u00f6niges und Erbherren.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Verzeichnis der B\u00fcrgerschaft, 1578 den 4. Januar \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Heerschauung der B\u00fcrger- u. Pauerschaft, gehalten am Tage Simonis und Jud\u00e4 (28. Okt.) 1587 in praesentia domini Consulis et Senatorum.<\/p>\n\n\n\n<p>5 u. 6) Heerschauung vom 6. Juni 1594 und 30. Sept. 1602.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nigliches Staatsarchiv zu Breslau. Eine vorz\u00fcgliche Quelle f\u00fcr die Bunzlauer Geschichte im 13. bis 15. Jhrh. bietet das Kopialbuch der Bunzlauer Kreuzherren-Kommende (Hospital St. Quirini) (D. 26.), auf 32 Seiten im 16. Jahrh. niedergeschrieben; speziel wichtig f\u00fcr die Kenntnis der ehemaligen Magistatualen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Urkunden des fr\u00fcheren Dominikanerklosters hierselbst gew\u00e4hren nur geringe Ausbeute, erheblich mehr das Repertorium der Magdalenerinnen zu Naumburg, f\u00fcr Stadt und Umgegend von gleich hohem Werte. Die Landb\u00fccher des F\u00fcrstentums Schweidnitz-Jauer habe ich leider unterlassen m\u00fcssen, meinen Zwecken dienstbar zu machen. Hingegen wurde mir mit besonderer G\u00fcte ein Sto\u00df Akten \u201eBunzlauer Ortsnachrichten\u201c zur Benutzung im Rathause \u00fcberwiesen, welche f\u00fcr die Geschichte des herzoglichen Schlosse und Burglehns, der kl\u00f6sterlichen Stiftungen und zur Erg\u00e4nzung der st\u00e4dtischen Privilegien unentbehrlich waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Von einschl\u00e4gigen Druckschriften hebe ich hervor die Publikationen des Vereins f\u00fcr Geschichte und Altertum Schlesiens, vor allen aber die bis gegen Ende des 13. Jhrhs. gediehene Regestensammlung, welcher jede in diesem Zeitraum fallende Notiz entnommen ist, sobald das Gegenteil nich ausdr\u00fccklich bemerkt wird. \u2013 Der verdienstlichen Schrift von Herrn Rendant Beck \u201eder Kreis Bunzlau\u201c verdanke ich mancherlei Belehrung und Anregung.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle andern Quellen werden erforderlichen Orts unterm Texte namentlich citiert werden. Aus Raumersparnis und besserer \u00dcbersichtlichkeit halber hat indes gerade bei dem, womit ich beginne, der Rekonstruktion der Stadt in fr\u00fcherem Zustande, nur ab und zu das ma\u00dfgebende Dokument zur B\u00fcrgschaft herangezogen werden k\u00f6nnen. Doch mag man mir trauen, da\u00df ich wissentlich nichts Falsches verzeichnet noch Thatsachen und Vorf\u00e4lle mir erdacht habe. Den Herren Fachgelehrten steht ich mit meinen Excerpten jederzeit zur Kontrole bereit. An den unkritischen Bergemann habe ich mich nur im Notfalle gewandt und gew\u00f6hnlich nur inden Perioden, die seiner Zeit n\u00e4her liegen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Dr. Ewald Wernicke<\/h2>\n\n\n\n<p>Erstver\u00f6ffentlichung: \u201eDer Bunzlauer Kreis an Bober und Queis\u201c. 2. v\u00f6llig neu bearbeitete Auflage 1964. Herausgegeben von der Bundesheimatgruppe Bunzlau in Siegburg<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Werk hat den Titel \u201eChronik der Stadt Bunzlau von den \u00e4ltesten Zeiten bis zur Gegenwart\u201c. Wernickes Chronik besitzt wegen ihrer Zuverl\u00e4ssigkeit gro\u00dfen Wert. Sie hatte einen Umfang von \u00fcber 600 Seiten. Sie erschien bei Kreuschner 1884. Wernicke wurde 1849 in Brieg geboren und wirkte eine Zeit lang als Waisenhauslehrer in Bunzlau. Zuletzt lebte er in Berlin und Steglitz. Er starb 1913. Sein Plan, die Chronik durch einen Nachtrag zu erweitern, ist infolge seiner Erkrankung nicht zur Ausf\u00fchrung gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Johannes Wernicke: Unser Chronist wurde am 18. 10. 1849 in Brieg geboren. Mit vier Jahren verlor er seine Eltern und hatte so keine rechte Kindheit und Jugend. In Breslau studierte er Philologie, war Mitglied der schlagenden Verbindung Raczek, deren Wappen er entwarf, und bestand sein Doktorexamen mit einer Arbeit \u00fcber die Schweidnitzer Pfarrkirche, 23j\u00e4hrig. Bereits 1870, im hei\u00dfen Kriegssommer, wanderte er zu etwa 200 Dorfkirchen, um deren Kunstsch\u00e4tze festzustellen, was in der Fachzeitung f\u00fcr schlesische Altertumskunde abgedruckt wurde. Von 1875 ab war er als Lehrer in Bunzlau t\u00e4tig, erst an der Schule des Waisenhauses, dann am Gymnasium.<\/p>\n\n\n\n<p>Er verm\u00e4hlte sich am 3. 10. 1876 mit der Tochter seines Direktors, Margarethe Beisert. Nach vor\u00fcbergehender T\u00e4tigkeit in Brieg kehrte er 1879 wieder nach Bunzlau zur\u00fcck. 1890 ans Heroldsamt in Berlin berufen, mu\u00dfte er 1896 wegen eines Nervenleidens aus dem Dienst scheiden. Sein gl\u00e4nzendes Ged\u00e4chtnis und seine ungew\u00f6hnliche F\u00e4higkeit im Lesen auch \u00e4ltester Urkunden, dazu seine unbestechliche Liebe zur Wahrheit, mit der er ohne R\u00fccksicht auf \u00dcberlieferung jeder Sache auf den Grund ging, machten ihn zum gesch\u00e4tzten Chronisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dfer der Bunzlauer Chronik, die 1884 erschien und von Archivrat Br\u00fcnhagen, Breslau, als streng wissenschaftliche Arbeit anerkannt wurde, lie\u00df er auch eine Geschichte der Gr\u00f6ditzburg ver\u00f6ffentlichen. Er verwendete seine reichen Kenntnisse auch privat, so fuhr er oft nach Schlesien, um Familenforschungen zu f\u00f6rdern, so z. B. um alten Adel wieder aufleben zu lassen. Er schrieb eine gro\u00dfe anzahl von Abhandlungen, die in der Adelszeitschrift \u201eHerold\u201c erschienen. Bescheiden in seinem ganzen Wesen, ging er mit Vorliebe unter die einfachen Menschen, um deren Meinungen zu h\u00f6ren. Er starb nach kurzem Leiden am 30. 4. 1913 zu Steglitz bei Berlin. Wir Bunzlauer wollen sein Andenken hoch in Ehren halten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Artur Schiller. Bunzlauer Stadtblatt, 30. April 1938. Dr. Ewald Wernicke ist durch seine vorz\u00fcgliche, nun schon 54 Jahre alte Chronik der Stadt, um die uns viele St\u00e4dte von Schlesien beneiden, f\u00fcr alle Zeiten mit Bunzlau verbunden. Deshalb geb\u00fchrt es sich, seiner am 3. 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