{"id":1870,"date":"2024-07-14T18:18:46","date_gmt":"2024-07-14T16:18:46","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1870"},"modified":"2024-07-14T18:18:47","modified_gmt":"2024-07-14T16:18:47","slug":"ein-gang-durch-die-poststrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/14\/ein-gang-durch-die-poststrasse\/","title":{"rendered":"Ein Gang durch die Poststra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1933\" height=\"1362\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10014-Richter-Poststrasse.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1871\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10014-Richter-Poststrasse.jpg 1933w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10014-Richter-Poststrasse-1300x916.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10014-Richter-Poststrasse-768x541.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10014-Richter-Poststrasse-1536x1082.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1933px) 100vw, 1933px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Aus Bildsammlung Bgm. Richter. Slg. Bunzlauer Heimatstube<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Hans Christiani,. Erstver\u00f6ffentlichung: 1978, \u201eBunzlauer Heimatzeitung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehen wieder zur Poststra\u00dfe. Nun, wo ging man, an der \u00f6stlichen Seite der Stra\u00dfe, also am Haus von Rechtsanwalt H\u00fclse und Knoch vorbei, wo fr\u00fcher \u00fcber den vielen Akten eine Gretel und eine Erna sich beugten. Sp\u00e4ter kaufte dieses Haus Augenarzt Dr. Ruppert und die j\u00fcngste Tochter ist eine Operns\u00e4ngerin im anderen Teil Deutschlands. Nebenan wohnte Dentis Kneer mit Enkeltochter Sabine. Der Bankverein folgte. Auf meinem alten Bild von 1906 sieht man noch kein Bankinstitut. Im Hause wohnte Bankdirektor Baresel mit T\u00f6chtern. Lesen Sie heute eine Ank\u00fcndigung von der Landesb\u00fchne Hannover, dann finden sie den Namen Ursula Baresel. Ja, es ist die Bunzlauerin Ulla Baresel, die etwa 1935 ihr Abitur baute. Das n\u00e4chste Haus mit dem Balkon auf dem alten Bilde geh\u00f6rte dem Zigarrenfabrikanten Schwese, der dann einen Laden einbauen lie\u00df. au\u00dfer der Praxis meines Vaters wohnte im Haus noch Tierarzt Dr. Reidel und der Schwiegersohn von Schweses Familie Handke. Das Eckhaus zur Oberpromenade, die nach Mitteilung sp\u00e4ter in den Begriff \u201eAn der Stadtmauer\u201c mit einbezogen wurde, geh\u00f6rte dem Fabrikanten Barella. Er besa\u00df jahrelang die Konservenfabrik in Gnadenberg. In diesem Haus wohnte auch Lehrer Heider. Auf der anderen Seite der Stra\u00dfe lag die Druckerei und das Verlagshaus von Fernbach und das gro\u00dfe Eckwohnhaus von Dr. Schroedter.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1082\" height=\"689\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-078-Innere-Poststrasse.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1872\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-078-Innere-Poststrasse.jpg 1082w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-078-Innere-Poststrasse-768x489.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1082px) 100vw, 1082px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Aus Bildsammlung Bgm. Richter. Slg. Bunzlauer Heimatstube<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Etwa in der H\u00f6he der Promenade \u00fcberquerte man die Poststra\u00dfe und ging jetzt etwa auf der westlichen Seite weiter. Lag es daran, da\u00df die B\u00fcrger wu\u00dften, da\u00df der B\u00fcrgersteig auf der Seite breiter war oder meidete man die alten H\u00e4user auf der \u00f6stlichen Seite? wie auf einem alten Wildwechsel gingen die Bunzlauer diesen Weg. Lag es daran, da\u00df es fr\u00fcher die Sperlingsgasse war? Dr. Wernicke schrieb in seiner Chronik etwa: \u201eParallel zur Hundegasse (Bahnhofstra\u00dfe) f\u00fchrt die Sperlingsgasse, die jetzige Poststra\u00dfe. Da in anderen schlesischen St\u00e4dten die \u201eLupenaria\u201c in der N\u00e4he des Sperlingsberges oder Sperlingsgassen lag, so d\u00fcrften auch hier die Bezeichnungen enen \u00e4hnlichen unsauberen Anla\u00df haben. Sie wird auch nicht gesondert gef\u00fchrt, sondern als Unterabteilung unter der Obergasse, die 1602 samt ihren Nebengassen 41 und 1612 43 H\u00e4user besa\u00df\u201c. Was eine \u201eLupenaria\u201c war, nun es war ein Frauenhaus, das durch Umwandlung des A in E und durch Zuf\u00fcgung des Mitlautes d hinter dem U zu einem andern Haus wurde.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1660\" height=\"1045\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1592-Poststrasse.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1877\" style=\"width:459px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1592-Poststrasse.jpg 1660w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1592-Poststrasse-1300x818.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1592-Poststrasse-768x483.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1592-Poststrasse-1536x967.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1660px) 100vw, 1660px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Diese alten H\u00e4user, die zu unserer Zeit da standen, sollten ja auch abgerissen werden, wozu es aber bis 1945 nicht gekommen ist. Ein Brand im Jahre 1581 vernichtete das ganze Viertel zwischen Hundegasse, der Obergasse bis zum Obertor. An der Poststra\u00dfe lag unser Museum. Das Haus war bis zum Umbau des Museums, das Stadtpfeiferhaus. Der Wehrturm, der ins Museum einbezogen worden ist, stammte aus dem Jahre 1479. Au\u00dfer dem \u201eGro\u00dfen Topf\u201c, der \u201eSinguhr\u201c die bekanntesten St\u00fccke des Museums waren im ersten Stock eine riesige Waffensammlung, die Kaufmann Schoenfelder (S\u00e4chs. Leinwandgesch\u00e4ft C. A. Frenzel und Sohn) der Stadt schenkte. In der Turmnische lag das Ehrenbuch der Stadt. In diesem Buch waren die Namen der Gefallenen der Stadt des 1. Weltkrieges verewigt. Im Haus wohnte der Museumspfleger Junge mit Familie. Sch\u00f6n war es wenn Herr Geheimrat Schiller an offenen Tagen auch die Schubladen der Truhen \u00f6ffnet, denn \u2013 ich glaube, daher habe ichs \u2013 meine Passion zur Heimatgeschichte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1618\" height=\"2106\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-27326-Tafel34-Bunzlau-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1874\" style=\"width:330px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-27326-Tafel34-Bunzlau-1.jpg 1618w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-27326-Tafel34-Bunzlau-1-999x1300.jpg 999w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-27326-Tafel34-Bunzlau-1-768x1000.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-27326-Tafel34-Bunzlau-1-1180x1536.jpg 1180w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-27326-Tafel34-Bunzlau-1-1573x2048.jpg 1573w\" sizes=\"auto, (max-width: 1618px) 100vw, 1618px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Die innere Poststra\u00dfe<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nun sind wir in der Altstadt. Das Eckhaus zur Gr\u00fcnstra\u00dfe geh\u00f6rte Gregor Walde, einem Sattlermeister. Vorbei an Optiker Jaschke, am Schneidermeister Nikoleizig, dem kleine H\u00e4usel vom Dachdeckermeister R\u00f6hrig, dem alten \u201eMariner\u201c, der ja auch damals den Adler vom Rathausturm herunterholte, n\u00e4hern wir uns weiter der Oberstra\u00dfe. Gegen\u00fcber lag nun der Korbwarenladen von Richter und die Futterhandlung von Stache. An einem Vorkosthandel vorbei kamen wir an den Laden, der auch wirklich alles hatte. Wo kaufte man die Papierkragen von Mey? Wo kaufte man die Scherzpostkarten, die Knallerbsen und was nicht noch alles. Nur im \u201eHaus der Geschenke\u201c, bei Oskar Giebler. Ein altes Wort: \u201eNie verzagen, Giebler fragen\u201c war Wirklichkeit. Es gab nichts, was er nicht hatte. Nebenan lag ein Gesch\u00e4ft f\u00fcr Tonwaren. 1927 geh\u00f6rte es noch Tr\u00f6ber. Es war das einzige Fachgesch\u00e4ft am Platze. Wenn man vom Eingang zu Giebler und Tr\u00f6ber stand, konnte man an der Natursteinmauer zwischen dem Eckhaus Stache\/Neufert und dem n\u00e4chsten einen Kopf entdecken, der \u00c4hnlichkeit mit Napoleon hatte. Geheimrat Schiller zeigte mir diesen einmal. Jetzt stehen wir schon an der Ecke Ober-Poststra\u00dfe. Wir kennen nur das Haus im Jugendstil erbaut von Fleischermeister Mielsch, wo auch eine Fr\u00fchst\u00fccksstube dabei war. Inder Festzeitschrift vom Heimatfest 1927 fand ich noch das alte Haus des Seifensieders Max Krause. Darunter stand 1927 folgende Worte: \u201eOber-Poststra\u00dfe-Ecke. Haus des Seifensieders Max Krause. Damals kannte man noch nicht den Verkehr, der heute an dieser Stelle fast t\u00e4glich Unf\u00e4lle herbeif\u00fchrte!\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">So wird die Poststra\u00dfe aussehen<\/h2>\n\n\n\n<p>Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Stadtblatt, 3. November 1938.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Entwurf zum neuen Lichtspielhaus an der Poststra\u00dfe.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1067\" height=\"705\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-2224-Poststrasse.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1875\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-2224-Poststrasse.jpg 1067w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-2224-Poststrasse-768x507.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1067px) 100vw, 1067px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Blick vom Bahnhofsplatz durch die Poststra\u00dfe zur Oberstra\u00dfe<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wie wir bereits berichtet haben, soll nach Abbruch der alten st\u00e4dtischen H\u00e4user an der Poststra\u00dfe ein neues Lichtspielhaus erstehen, das der Besitzer des Metropoltheaters, Gustav Werkmeister, hier errichten will. Wir sehen auf dem Bilde eine Au\u00dfenansicht von dem geplanten Bau. Das neue Filmtheater soll 600 Pl\u00e4tze erhalten, wovon 450 im Parkett und 150 in den Logen des ersten Stockwerkes liegen. Vor dem Parkett werden ein Vestib\u00fcl und ein gro\u00dfer Kassenraum liegen, die beide zusammen die Gr\u00f6\u00dfe des Theaterraumes haben werden. Auch vor den Logen ist ein gro\u00dfer Vorraum vorgesehen, au\u00dferdem ein Flur und ein B\u00fcro f\u00fcr Bildvorf\u00fchrung und Schaltung. Die Poststra\u00dfe wird verbreitert werden, da die neue Fluchtlinie sich nach der Lage des Museums richtet.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1542\" height=\"1075\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Lichtspielhaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1876\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Lichtspielhaus.jpg 1542w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Lichtspielhaus-1300x906.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Lichtspielhaus-768x535.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Lichtspielhaus-1536x1071.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1542px) 100vw, 1542px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Lichtspielhaus<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Sperlingsgasse, ein Nachruf<\/h2>\n\n\n\n<p>Artur Schiller. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Stadtblatt, 28. November 1940<\/p>\n\n\n\n<p>Das Alte st\u00fcrzt, es \u00e4ndert sich die Zeit,<\/p>\n\n\n\n<p>Und neues Leben bl\u00fcht aus den Ruinen<\/p>\n\n\n\n<p>Attinghausen im \u201eTell\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Losungswort am uns unweigerlich in den Sinn, als wir \u2013 ohne Wehmutstr\u00e4nen \u2013 die Anschl\u00e4ge an der Ostfront der inneren Poststra\u00dfe lasen: \u201eDiese H\u00e4user werden abgebrochen\u201c. In absehbarer Zeit wird an der hinf\u00e4lligen H\u00e4userzeile der \u201eSperlingsgasse\u201c eine sch\u00f6nere Front entstehen und ein moderner, erweiterter Zugang zum Marktplatz. Dr. Wernicke hat (Seite 24) diese bescheidene Gasse mit einem l\u00e4ngst nicht mehr zutreffenden omin\u00f6sen Beiworte beh\u00e4ngt. Die \u00c4lteren von uns haben sie noch in dem Zustande gesehen, wie die dicke Stadtmauer das Nordende hermetisch verschlo\u00df. Ich nahm als kleiner Junge den Ausdruck \u201eSackgasse\u201c in meinem Sprachschatz auf, wenn ich zu dem dort wohnenden Prorektor F\u00e4hrmann gebracht wurde, um mit dessen T\u00f6chterlein Minna zu spielen. Am 7. M\u00e4rz 1867 wurde dort die Stadtmauer abgetragen; auch eine davor befindliche Bastei, deren Ort ich aber nicht mehr bestimmen kann. Der gewonnene Bauschutt wurde zur Aufsch\u00fcttung des Stra\u00dfenplanums der \u00e4u\u00dferen \u201ePoststra\u00dfe\u201c, wie sie nun hie\u00df, nach dem Bahnhof verwendet. Es ist ja eine Bunzlauer Merkw\u00fcrdigkeit, da\u00df die Bahnhofstra\u00dfe nicht in gerader Linie nach dem Bahnhof f\u00fchrt und die Poststra\u00dfe nicht zur Post. Aus alter Zeit wissen wir von den kleinen Poststra\u00dfenh\u00e4uschen Nr. 14 bis 18 nicht viel. Wir finden nur die Notiz, da\u00df 1608 die Nummer 14, vielleicht aber das gegen\u00fcber liegende Haus Nr. 5 von Walde, von dem Uhrmacher Matthias Wiehl f\u00fcr 150 Taler gekauft wurde. Bei dem am 1. September 1581 bei Mathes Anders auf der Hundegasse (Bahnhofstra\u00dfe) ausgebrochenen Gro\u00dffeuer brannten au\u00dfer dieser auch die Sperlingsgasse und die Oberstra\u00dfe bis zum Tore ab. Anders wurde, weil er nicht sofort Feuer gerufen hatte, aus der Stadt verwiesen. Viele schlesische St\u00e4dte schickten damals Brandbeihilfen; der f\u00fcr seine Vaterstand Bunzlau allzeit bedachte Bischof Gerstmann aus Breslau allein die gro\u00dfe Summe von 500 Talern. Interessanter ist das Eckhaus Oberstra\u00dfe 4, mit verwickelten Kellerverh\u00e4ltnissen, um dessen Haust\u00fcr es ein bi\u00dfchen schade ist. Hier war in meiner Kinderzeit eine beliebte, mit einem Kolonialwarengesch\u00e4ft verbundene Weinstube. Der Besitzer, der \u201ealte Rost\u201c, war sehr zerstreut, weshalb seine G\u00e4ste ihn bisweilen fragten: \u201eRost, wie hei\u00dfen Sie mit Vornamen?\u201c Er schrak jedesmal zusammen und \u00e4u\u00dferte: \u201eJa, wenn ihr mich so \u00fcberrumpelt, kann ich es unm\u00f6glich wissen.\u201c Sein Nachfolger hie\u00df Haube. In dem Hause wohnten u a. der t\u00fcchtige Arzt Dr. Rohowsky, unser lieber, lustiger Hausarzt, und die Hebamme Leitner, die mir zum Leben verholfen hat. Sp\u00e4ter auch der Gymnasialoberlehrer Dr. Luchterhand.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Haus hat eine in die Fr\u00fchzeit von Bunzlau zur\u00fcckreichende Geschichte. Wernicke bringt davon nichts, vielleicht hat er dem alten, guten Bergemann, der folgendes erz\u00e4hlt und sich dabei auf eine verschollene \u201eChronica Boleslavia\u201c von Valentin Polus, Manuskript von 1552 bis 1692, beruft, nicht geglaubt (Teil III S. 13 fg.):<\/p>\n\n\n\n<p>Konrad II., genannt der Pariser, regierte von 1252 bis 1270. Dieser residierte anfangs zu Beuthen (a. d. Oder), dann zu Glogau. Die Chroniken r\u00fchmen ihn, da\u00df er Deutsche ins Land zog. Auch Bunzlau erhielt durch ihn bedeutende Verbesserungen. Er war oft hier, und obgleich bereits die Burg stand, so bewohnte er mehrentheils mit seiner Familie sein eigenes Jagdhaus oder, wie man heute sagt, Lustschlo\u00df; es ist das Haus des jetzigen (1829) Ratmanns Schurich Nr. 216, an welchem sich noch vorhandene Figuren und Verzierungen befinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1822 berichtete der hiesige Magistrat dem Liegnitzer Regierungspr\u00e4sidenten infolge Auftrags \u00fcber in Bunzlau vorhandene Kunstgegenst\u00e4nde. Von diesem Hause des B\u00e4ckermeisters Schurich sagt der Bericht, da\u00df daran drei Steinfiguren, darstellend S\u00f6hne des Wladislaus und dessen Gemahlin, Tochter des Kaisers Heinrich, angebracht seien, n\u00e4mlich: Boleslaus, Konrad und Miecislaus. Also ist der Bericht Bergemanns unbedenklich wahr. Als das jetzt bestehende Haus demn\u00e4chst gebaut wurde, hat man leider nur eine Figur gerettet, wohl diejenige, die jetzt oben auf der Oberstra\u00dfe 6 steht, die beiden anderen aber vandalisch vernichtet; ob sie sich etwa im Grunde befinden?<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Neuaufbau w\u00e4re eine Tafel anzubringen: \u201eHier besa\u00df im 13. Jahrhundert Herzog Konrad II., der Pariser, ein Jagdhaus.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Christiani,. Erstver\u00f6ffentlichung: 1978, \u201eBunzlauer Heimatzeitung\u201c. Wir gehen wieder zur Poststra\u00dfe. Nun, wo ging man, an der \u00f6stlichen Seite der Stra\u00dfe, also am Haus von Rechtsanwalt H\u00fclse und Knoch vorbei, wo fr\u00fcher \u00fcber den vielen Akten eine Gretel und eine Erna sich beugten. 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