{"id":1838,"date":"2024-07-14T18:07:52","date_gmt":"2024-07-14T16:07:52","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1838"},"modified":"2024-07-14T18:07:53","modified_gmt":"2024-07-14T16:07:53","slug":"aus-der-geschichte-des-bunzlauer-kinos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/14\/aus-der-geschichte-des-bunzlauer-kinos\/","title":{"rendered":"Aus der Geschichte des Bunzlauer Kinos"},"content":{"rendered":"\n<p>Karl Wiechmann. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Heimatzeitung 1\/1967<\/p>\n\n\n\n<p>Das Metropoltheater \u00fcberlebte den Krieg \u2013 Die Kammerlichtspiele von 1927 \u2013 1945<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1083\" height=\"692\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/329-Tivoli.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1839\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/329-Tivoli.jpg 1083w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/329-Tivoli-768x491.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1083px) 100vw, 1083px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Als wir in der Heimat lebten, gab es noch kein Fernsehen. Wir gingen abends ins Kino und studierten vorher im Bunzlauer Stadtblatt die Kinoanzeigen. Das Metropoltheater war bis 1927 konkurrenzlos. Manche Bunzlauer erz\u00e4hlten noch von der Zeit, als Adolf Flechtner in einem Saale hinter dem Hause Markt 2 seine Filme laufen lie\u00df, sechs bis acht Einakter,meist zwei \u201eDramen\u201c, zwei Lustspiele oder drei, dazu einen Landschaftsfilm und eine Modenschau von Oskar Me\u00dfter in Berlin oder den Path\u00e9 fr\u00e8res in Paris.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei sozialen Preisen von einem Groschen bis einer halben Mark war das Kino immer gut besetzt. Man l\u00f6ste bei Mutter Flechtner eine Eintrittskarte, die mit einer gro\u00dfen Nummer abgestempelt wurde. Nicht etwa f\u00fcr die Steuer, sondern damit die Kinobesucher nicht zwei Vorstellungen hindurch sitzen blieben. Jeder konnte zu jeder Zeit fas Kino betreten. In Gro\u00dfst\u00e4dten haben wir diese Gepflogenheit in bestimmten Kinos (AKi) noch heute. Ab und zu kam dann der Kinobesitzer in den Saal und rief: \u201eNummer A ist abgelaufen\u201c. Dann hatte man alle sechs bis acht Filme gesehen und trat wieder augenzwinkernd ins Tageslicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Umzug nach der Stockstra\u00dfe<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1628\" height=\"1052\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/13923-RA-Stockstrasse.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1840\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/13923-RA-Stockstrasse.jpg 1628w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/13923-RA-Stockstrasse-1300x840.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/13923-RA-Stockstrasse-768x496.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/13923-RA-Stockstrasse-1536x993.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1628px) 100vw, 1628px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Anfang der zwanziger Jahre zog Adolf Flechtner in sein neues Kino an der Stockstra\u00dfe um, das uns allen bekannte Metropoltheater. Die Zeit, wo er noch selber die Kurbel am Filmapparat drehen mu\u00dfte, war vorbei, und die Filme waren auch schon l\u00e4nger geworden. Der erste Film, den die Br\u00fcder Lumi\u00e8re in Paris einer Vereinigung Industrieller vorf\u00fchrten, war nur 16 Minuten lang. Das war am 22. M\u00e4rz 1895 gewesen. Der Film ist also jetzt fast 72 Jahre alt Bunzlauer, die heute etwa 85 Jahre alt sind, haben bei ihrer Schulentlassung oder beim Abitur den Ausdruck \u201eFilm\u201c noch gar nicht gekannt, daf\u00fcr aber die Laterna Magica und das Kaleidoskop, die Bildertrommel mit Sehschlitzen, bei deren Rotieren die Figuren auf den eingelegten Papierstreifen sich bewegten. Das Kaleidoskop war urspr\u00fcnglich etwas ganz anderes, und zwar eine von Brewster 1815 erfundene optische Spielerei, die man heute noch in Warenh\u00e4usern oder Spielzeugl\u00e4den haben kann: eine R\u00f6hre mit Spiegelplatten und bunten Glassplittern, die beim Drehen oder Sch\u00fctteln als in den Farben immer wieder neue Sterne erscheinen. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts spielten die Kinder gern mit der vorher erw\u00e4hnten Bildertrommel, die schon zehn Jahre sp\u00e4ter fast in Vergessenheit geriet. In den zwanziger Jahren sah man sie vereinzelt noch in den Spielwarenl\u00e4den, so auch bei unserem beliebten Spiel-Krause.<\/p>\n\n\n\n<p>Angst vor dem Expre\u00dfzug im Film<\/p>\n\n\n\n<p>Die Br\u00fcder Lumi\u00e9re wollten mit ihrem neuen Bildprojektor eigentlich nur der Wissenschaft und Forschung dienen, aber ihr Vater Antoine zeigte ih&nbsp; dem Fotografen Clement Maurice. Es wurde eine Vorstellung vor geladenen G\u00e4sten arrangiert, bei der ein Theaterdirektor laut fluchte, weil er zuerst weiter nichts sah als eine wei\u00dfe Leinwand und darauf ein stillstehendes Lichtbild. Aber auf einmal begann sich das Bild zu bewegen, und ein Bild jagte das andere. Damen schrieen entsetzt auf. als auf der Leinwand ein Expre\u00dfzug auf sie zugerast kam. Der zweite Film hie\u00df \u201eL\u2019arroseur ros\u00e9\u201c und zeigte, wie ein G\u00e4rtner mit einem Gartenschlauch Blumen bespritzt. Ein Junge kommt dann herbei, tritt auf den Schlauch, und der G\u00e4rtner wundert sich, da\u00df kein Wasser mehr kommt und blickt in das Strahlrohr, ob es vielleicht verstopft ist. Darauf tritt der Junge vom Schlauch herunter. Der G\u00e4rtner wird ganz na\u00df, rennt w\u00fctend hinter dem Jungen her und gibt ihm eine Abreibung.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1256\" height=\"1453\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2068-Meropol-26.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1841\" style=\"width:384px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2068-Meropol-26.jpg 1256w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2068-Meropol-26-1124x1300.jpg 1124w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2068-Meropol-26-768x888.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1256px) 100vw, 1256px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Mit solchen kleinen Szenen erzielte man nicht nur bei diesem allerersten Kinopublikum, sondern bis zur Chaplinzeit und sp\u00e4ter gro\u00dfe Erfolge und volle Kinokassen. Zuerst \u00fcbernahm der Rummelplatz die neue Erfindung. Die Wanderkinos von Scherf aus Leipzig nannten sie \u201eBisokop\u201c, ihre Fassade war ein verkitschter Palast aus Tausend und einer Nacht und flimmerte im Schein von Hunderten von Kohlenfadenbirnen. Eine Dampfmaschine, sichtbar allem Volke setzte \u00fcber Treibriemen ein Dynamo in Rotation, und eine riesige Drehorgel mit Figuren, die K\u00f6pfe und H\u00e4nde bewegten, machte einen Krach, der selbst den L\u00e4rm der Dampfmaschine und des Rummelplatzes \u00fcbert\u00f6nte. Krach liebt die Jugend ja noch heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Erste Filmvorf\u00fchrung<\/p>\n\n\n\n<p>in Berlin vor 70 Jahren<\/p>\n\n\n\n<p>Zu der ersten \u00f6ffentlichen Filmvorf\u00fchrung in Paris im Dezember 1895 waren nur 35 Personen erschienen. In den gro\u00dfen Zeitungen fand man keine Zeile \u00fcber diese epochale Erfindung, aber kleinere Zeitungen hatten besser aufgepa\u00dft, und wer das Unglaubliche gesehen hatte, Bilder die sich bewegten, gab seine Begeisterung weiter, und nun str\u00f6mte ganz Paris zu diesen Vorstellungen. Im Februar 1896 erlebten die Londoner ihre erste Filmvorstellung, am 30. April desselben Jahres die Berliner und am 18. Juni die New Yorker. Damals konnte das alte Europa also der Neuen Welt noch technische Errungenschaften anbieten. Dort hatte (nat\u00fcrlich) Edison schon 1891 etwas \u00c4hnliches erfunden, den Kinetograph. Das war ein Guckkasten, an dem immer nur eine Person lebende Bilder betrachten konnte, und der am 14. April 1894 zum ersten Male am Broadway gezeigt wurde. Die ersten kurzen Kinetoskopfilme schockierten durch grausame Realit\u00e4t und \u201eSex\u201c. Sie zeigten n\u00e4mlich die \u201eHinrichtung Maria Stuarts\u201c und eine Ku\u00dfszene. Die amerikanischen Frauenvereine schrieen darauf nach Zensur und bekamen sie auch: K\u00fcsse auf offener Szene waren dort bis 1911 verboten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deutscher Filmpionier besucht Bunzlau<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vier Wochen vor der 1. Filmvorstellung in Paris hatte der Fotograf Max Skladanowsky im Berliner Wintergarten am 1. Nov. 1895 im Rahmen eines gr\u00f6\u00dferen Varieteprogrammes lebende Bilder gezeigt, die er unter der Bezeichnung \u201eBioskop\u201c als \u201eam\u00fcsanteste und interessanteste Erfindung der Neuzeit\u201c anpries. Sei Apparat war aber nur zu Vorf\u00fchrungen von wenigen Sekunden tauglich. Wir haben uns im letzten Kriege mit dem Bruder von Max Skladanowsky, Ernst mit Vornamen, der uns erz\u00e4hlte, wie der Berliner Photograph Oskar Me\u00dfter (1866 \u2013 1944) durch seine Erfindung des Malteserkreuzes (im Projektionsapparat) das Rennen um die wirtschaftliche Ausnutzung des Filmes gewann.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1230\" height=\"1543\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2319-Kammerlichtspiele-27.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1842\" style=\"width:287px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2319-Kammerlichtspiele-27.jpg 1230w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2319-Kammerlichtspiele-27-1036x1300.jpg 1036w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2319-Kammerlichtspiele-27-768x963.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2319-Kammerlichtspiele-27-1224x1536.jpg 1224w\" sizes=\"auto, (max-width: 1230px) 100vw, 1230px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Br\u00fcder Skladanowsky errangen sich das Verdienst, die skandinavischen L\u00e4nder mit dem Film bekannt zu machen und vertrieben dann jene Miniaturb\u00fccher, die unseren \u00e4lteren Zeitgenossen noch bekannt sind: man strich mit dem Daumen \u00fcber den \u00e4u\u00dferen Seitenrand eines solchen B\u00fcchleins und dadurch kamen die auf den Seiten abgedruckten Bilder in Bewegung. Oskar Me\u00dfter gefiel von Anfang an der Stummfilm nicht. Mit Hilfe des Grammophons suchte er schon damals so etwas wie Tonfilme herzustellen und fand die Bezeichnung \u201eBiophon\u201c f\u00fcr richtig. Zum Besingen der Schallplatten holte er sich einen ausgedienten S\u00e4nger namens Franz Porten, der zwei T\u00f6chter hatte, die Rosa und Henny hie\u00dfen. Rosa schrieb ein Filmmanuskript \u201eLiebesgl\u00fcck\u201c und ihre Schwester Henny Porten spielte darin 1910 die Hauptrolle. Und bald war sie Deutschlands beliebteste Filmschauspielerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bekanntesten Namen waren damals Asta Nielsen, der franz\u00f6sische Komiker Max Linder, Deutschlands Filmliebling Harry Liedtke, die Amerikanerin Mary Pickford, der Boy Jackie Coogan, Fern Andra, Pola Negri, die aus Polen kam, das Filmwunderkind Shirley Temple und ein Italiener, der unter dem Namen Tontollini spielte und urkomisch wirkte. Auch Italien trat im November 1895 mit seinem ersten Film- und Projektionsger\u00e4t an und lieferte um 1912 schon erste Langfilme. Bis dahin gab es h\u00f6chstens einen \u201eZweiakter\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Pausen im Kino waren interessant<\/p>\n\n\n\n<p>Als um 1911 ein Filmrezensent der Leipziger Neuesten Nachrichten mit \u201eWei\u00dfe Sklaven\u201c seinen ersten Langfilm in vier Akten sah, meinte er skeptisch, der Film versuche jetzt, wie das Theater, St\u00fccke mit mehreren Akten zu spielen, aber wer wei\u00df, ob das gelinge und beim Publikum ank\u00e4me, denn ein Kino- und ein Theaterpublikum, das sei doch ein gewaltiger Unterschied.<\/p>\n\n\n\n<p>Pessimisten gab es ja immer und gibt es noch heute bei den Zeitungen. Die L. N. N. haben jedenfalls danebengetippt. Es kamen 1912 \u201eQuo Vadis\u201c aus Italien und dann \u201eDer Graf von Monte Christo\u201c, und der Langfilm sprach an. Zwischen jedem Akt gab es eine Pause.<\/p>\n\n\n\n<p>Da konnte man sich in Flechtners Metropoltheater bei hellem Licht dann umschaue, wer denn alles und wer mit wem im Kino sa\u00df. Das Durchspielen ohne Pause kam erst um 1928, als sich schon der Tonfilm ank\u00fcndigte und Adolf Flechtner nachher zwei Vorf\u00fchrapparate aufstellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Tonfilme in Bunzlau<\/p>\n\n\n\n<p>Vorher hatte man Hans Albers im Stummfilm kennen gelernt, dann eroberte der im Tonfilm das Publikum im Stur,.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Metropoltheater in Bunzlau war in Schlesien eines der ersten Kinos, das Tonfilme vorf\u00fchrte. Adolf Flechtner meinte damals, er sei noch vor Breslau damit herausgekommen. Die \u201eWarner Brothers\u201c lie\u00dfen in USA zuerst in einem Kurzfilm die Stimme des italienischen Tenors Gigli erklingen und brachten am 6. Oktober 1927 den ersten gro\u00dfen Tonfilm \u201eSunny Boy\u201c mit des Hauptdarstellers (Al Jonsons) r\u00fchrendem Abschied von seinem kleinen Sohn, bei dem kein Auge trocken blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Als erste Tonfilme sahen wir im Bunzlauer Metropoltheater deutsche Kurzfilme, in denen Siegfried Arno ein Couplee vortrug und auf einem Bauernhof der Han kr\u00e4hte. In fr\u00fcheren Jahren hatte man ja auch Experimente mit gekoppelten Schallplatten oder bei Filmoperetten mit lebenden S\u00e4ngern und S\u00e4ngerinnen im Orchesterraum vor der Leinwand erlebt, aber der Tonfilm war doch etwas ganz anderes.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein bekannter Bunzlauer Kunstmaler und Gewerbelehrer meinte zwar, der Tonfilm werde sich nicht durchsetzen, aber wir waren der gegenteiligen Ansicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Kinomusiker und Filmerkl\u00e4rer<\/p>\n\n\n\n<p>Durch Tonfilm verschwanden nicht nur bekannte Stummfilmschauspieler von der Bildfl\u00e4che, auch die Musikanten, die sonst vor der Leinwand sa\u00dfen \u2013 zuerst nur ein Klavier- und Harmoniumspieler (beim Lustspiel Klavier und beim Drama Harmonium!) \u2013 mu\u00dften das Feld r\u00e4umen. Diese Ausgaben sparte der Kinobesitzer, aber die Leihgeb\u00fchren f\u00fcr die Tonfilme stiegen dann sicherlich nicht unbedeutend. Doch die Kinos waren immer gut besucht, und das Gesch\u00e4ft lohnte sich. Sonntags um 2 Uhr schon r\u00fcckte die Jugend zu ihrer M\u00e4rchen- und Wildwest-Vorstellung an. Auch den Filmerkl\u00e4rer, der 1913 in Mode kam, wollen wir nicht vergessen. In Bunzlau \u00fcbernahm der Kinobesitzer selbst diese Rolle und erkl\u00e4rte den Gang der Handlung, teils zum Erg\u00f6tzen des Publikums, das bei dem komplizierten Abblenden eine geistige Hilfestellung brauchte. Ueber die Musik vor der Leinwand gab es manchmal \u201eEingesandtes\u201c an die Zeitungsredaktion von Leuten, die musikalisch empfindlich waren. Aber Klavier und Geigen taten immerhin nicht jedem weh, und tobte noch nicht, wie heute und zertr\u00fcmmerte leine Saaleinrichtungen. Manchmal bot das Metropoltheater auch Varieteenummern von reisenden Artisten. Diese Zugabe hat sich aber weniger bew\u00e4hrt. In Berlin sang man schon lange vor dem ersten Weltkriege:<\/p>\n\n\n\n<p>Ja. in\u2019n Kientopp, ja in\u2019n Kientoppf, ja in\u2019n Kientopp wolln ma jehn.<\/p>\n\n\n\n<p>Da jibt es scheene Bilda, die een den Kopp verdrehn!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1104\" height=\"945\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2320-Kammerlichtspiele-36.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1843\" style=\"width:309px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2320-Kammerlichtspiele-36.jpg 1104w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/A2320-Kammerlichtspiele-36-768x657.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1104px) 100vw, 1104px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nach den Kleinst\u00e4dten kamen, wie schon erw\u00e4hnt, anfangs nur Wanderkinos; erst nach 1905 wurden die Kinos in mittleren St\u00e4dten und Kleinst\u00e4dten se\u00dfhaft, so auch in Bunzlau. Die Jugend las damals die Texte in den Stummfilmen laut mit. Was die Darsteller sagten, konnte man ja nicht h\u00f6ren und so wurden die Dialoge am unteren Bildrande im Text gebracht. Trotz der Konkurrenz durch den Film hielten sich auf dem ersten Weltkriege die B\u00e4nkels\u00e4nger mit ihren Moritaten. Der Letzte von ihnen, der ministerielle Unterst\u00fctzung geno\u00df, baute kurz vor dem letzten Kriege an der Bahnhofstra\u00dfe, Ecke Promenade und sp\u00e4ter auf dem Marktplatz seinen Stand auf und verkaufte die schwulsttraurigen B\u00e4nkellieder; aber der Mann war kein B\u00e4nkels\u00e4nger, sondern mehr ein reisender Museumsdiener. Mit dem ersten Weltkrieg verschwanden auch die Panoramen auf den Rummelpl\u00e4tzen, die nicht mit dem \u201ePanorama\u201c zu verwechseln sind, das die Fr\u00e4ulein Katthein zuletzt am Evangelischen Kirchplatz unterhielten. Vorher war es im Haasehaus an der Oberstra\u00dfe. Hier konnte man sich f\u00fcr einen B\u00f6hm Landschaften betrachten oder durch Paris oder Berlin lustwandeln und eine Kaiserparade plastisch im Bilde sehen. Im Panorama auf einem Rummelplatz sah man dagegen Katastrophen wie Erdbeben, Hochwasser und Eisenbahnunf\u00e4lle und vor allem Verbrecherjagden, etwa auf den Raubm\u00f6rder Sternickel oder den M\u00f6rder Hennig, der den Schutzm\u00e4nnern \u00fcber die D\u00e4cher von Berlin zu entwischen versuchte. Nat\u00fcrlich erschien auch der Hauptmann von K\u00f6penick auf greulich gemalten Bildern.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Georg Alexander bis Ida W\u00fcst<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Art Schaubuden wurden vom Kino verdr\u00e4ngt. Millionen fanden nun im Kino ihre Idole, die uns viel Freude schenkten; und wir erfreuten uns an ihnen und unterhielten uns gern \u00fcber Filme und Darsteller, die wir gesehen hatten. Die Nachwelt flicht den Mimen zwar keine Kr\u00e4nze, aber la\u00dft uns hier einmal etwas gegen den Stachel l\u00f6cken und wenigstens die Namen derer nennen, die uns damals vertraut waren und einen guten Klang hatten, als wir damals vielhundertmal nach des Tages M\u00fch und Last in den Bunzlauer Kinos sa\u00dfen und die Blumen in den G\u00e4rten der Illusion pfl\u00fccken halfen. Einer der ersten deutschen Tonfilme Carl Froelichs hie\u00df \u201eDie Nacht geh\u00f6rt uns2. Wir sahen ihn in der zweiten Tonfilmvorstellung im Metropoltheater in Bunzlau.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Abschlu\u00df wollen wir hier nicht nur die Filmgr\u00f6\u00dfen des Tonfilms, sondern auch die des Stummfilms nennen, die wir in Bunzlau auf der Leinwand sahen. Wir denken da an: Georg Alexander, Wolf Albach-Retty, Fern Andra, Ewald Balser, Fita Benkhoff, Ingrid Bergmann, Elisabeth Bergner, Willy Birgel, Dendow, Harald Braun, Lida Barowa, Albert Bassermann, Felix Bressart, Hans Brausewetter, Sarah Bernhardt, Siegfried Breuer, Charly Chaplin, Mady Christians, Lil Dagover, Paul Dahlke, Ren\u00e9 Deltgen, Karl Ludwig Diehl, Marlene Dietrich, K\u00e4the Dorsch, Martha Eggert, Lucie Englisch, Douglas Fairbanks, Herta Feiler (Frau R\u00fchmann), Heli Finkenzeller, Albert Florath, Willi Forst, Rudolf Forster, Willy Fritsch, Gustav Fr\u00f6hlich, Zsa Zsa Gabor, Greta Garbo (eigentlich Gustafson), Heinrich George, Gerron, Otto Geb\u00fchr, K\u00e4the Gold, Max Hansen, Paul Hartmann, Lilian Harvey, Liane Haid, Heidemarie Hatheyer, Johannes Heesters, Paul Henckels, Brigitte Helm, Marianne Hoppe, Gustav Gr\u00fcndgens, Paul und Attila H\u00f6rbiger, Brigitte Horney, Lucie H\u00f6flich, Werner Hinz, K\u00e4te Haak, Hilde Hildebrandt, Camilla Horn, Emil Jannings, Jenny Jugo, Friedrich Kay\u00dfler, Buster Keaton, Jan Kiepura, Paul Klinger, Eugen Kl\u00f6pfer, Hermine K\u00f6rner, Hansi Knotek, Viktor de Kowa (Kowalski aus Hochkirch), Hilde Krahl, Werner Kraus, Viggo Larsen, Theodor Loos, Zarah Leander, Wolfgang Liebeneiner, Theo Lingen, Harald Lloyd, Peter Lorre, Jurt Meisel, Erna Morena, Anny Ondra (Frau Schmeling), Hans Moser, Renate M\u00fcller, Hubert von Meirinck, Pat und Patachon, Harry Piel, Harald Paulsen, Erich Ponto, Rudolf Platte, Carl Raddatz, Ralf Arthur Roberts, Romanowski, Marika R\u00f6kk, Francoise Rosay, Heinz R\u00fchmann, Hans Richter, Adele Sandrock, Sibylle Schmitz, Magda Schneider, Reinhold Sch\u00fcnzel, Hannelore Schroth, Oskar Sima, Leo Slezak, Kristina S\u00f6derbaum, Hans S\u00f6hnker, Robert Adolf Stemmle, Erich von Stroheim, Rudolf Steinb\u00f6ck, Hans St\u00fcwe, Agnes Straub, Erika von Tellmann, Louis Trenker, Olga Tschechowa, Luise Ullrich, Rosa Valetti, Conrad Veidt, Paul Wegner, Grethe Weiser, Ilse Werner, Otto Wernicke, Paula Wessely, Eduard von Winterstein, Matthias Wiemann, Adolf Wohlbr\u00fcck und die ebenfalls unvergessen Ida W\u00fcst.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Aufz\u00e4hlung erhebt keinen Anspruch auf Vollz\u00e4hligkeit und umfa\u00dft nur die Filmstars der ersten f\u00fcnfzig Jahre seit der Geburt des Films, also bis zum unheilvollen Jahre 1945, eigentlich 1944. Kurz vorher erlebten wir die ersten gro\u00dfen Farbfilme. Kolorierte Filme gab es allerdings schon in der Fr\u00fchzeit des Films. Wir sahen einen kurzen bunten Film mit Damen, F\u00e4chern und Blumen, die sich verwandelten, schon 1903, wohl von dem gro\u00dfen Filmzauberer M\u00e9li\u00e8s in Paris.<\/p>\n\n\n\n<p>So haben wir noch einmal im Bunzlauer Metropoltheater gesessen, das zuletzt von Flechtners Tochter Melanie und von ihrem Ehemann Gustav Werkmeister geleitet wurde. Vergessen sind auch nicht die \u201eKammerlichtspiele\u201c in der G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe, die der Kinobesitzer Hellwig 1927 im umgebauten Tivoli-Saale mit Tourjanskys \u201eDer Kurier des Zaren\u201c er\u00f6ffnet hatte. Frau Helwigs Tochter Marianne Lex ging zum Film und wir sahen sie einmal mit Zarah Leander auf der Silberwand. Nach der Mitte der drei\u00dfiger Jahre \u00fcbernahm Maximilian Peikert aus Breslau die Kammerlichtspiele, die dann von den Russen und Polen gepl\u00fcndert wurden, w\u00e4hrend das Metropoltheater noch heute als Kino besteht. Karl Wiechmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Wiechmann. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Heimatzeitung 1\/1967 Das Metropoltheater \u00fcberlebte den Krieg \u2013 Die Kammerlichtspiele von 1927 \u2013 1945 Als wir in der Heimat lebten, gab es noch kein Fernsehen. Wir gingen abends ins Kino und studierten vorher im Bunzlauer Stadtblatt die Kinoanzeigen. Das Metropoltheater war bis 1927 konkurrenzlos. 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