{"id":1832,"date":"2024-07-14T17:52:43","date_gmt":"2024-07-14T15:52:43","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1832"},"modified":"2024-07-14T17:52:44","modified_gmt":"2024-07-14T15:52:44","slug":"hajo-knebel-ein-schriftsteller-aus-bunzlau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/14\/hajo-knebel-ein-schriftsteller-aus-bunzlau\/","title":{"rendered":"Hajo Knebel: Ein Schriftsteller aus Bunzlau"},"content":{"rendered":"\n<p>Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Heimatzeitung &nbsp;10\/1968<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u201eSchlesier\u201c vom 4. April dieses Jahres lesen wir eine W\u00fcrdigung Hajo Knebels, der als treuer Bunzlauer schon oft f\u00fcr die BHZ geschrieben hat. Er ist am 19. Juli 1929 als einziger Sohn der Eheleute Rudolf Knebel und Hedelinde geb. Hentschel in der Badergasse 8 geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>Bilder von dieser Stra\u00dfe brachten wir in den Nummern 12\/57 (eine alte Aufnahme aus den zwanziger Jahren), 6\/63 (Verbreiterung der Stra\u00dfe durch die Polen), 22\/66 und 3\/67 (der Laubengang am Hause des Tischlermeisters M\u00fcller.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"688\" height=\"989\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/11455-1969-14-06Knebel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1833\" style=\"width:320px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von hier aus waren es nur ein paar hundert Meter bis zur Martin-Opitz-Schule, die er ab 1935, zusammen mit dem Sohne von Georg Buchler, besuchte. Drei Jahre sp\u00e4ter zogen seine Eltern nach Martinwaldau.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Beendigung der Schulzeit Studium auf drei schlesischen Lehrerbildungsanstalten, 1945 beim Panzergrenadier-Regiment Gro\u00dfdeutschland, einige Wochen in amerikanischer Gefangenschaft, dann Arbeit beim Bauern und Tr\u00fcmmerr\u00e4umer, Ende 1946 P\u00e4dagogium Bergnassau, 1947\/48 P\u00e4dagogische Akademie in Bad Neuenahr mit 1. Lehrerpr\u00fcfung, 1953 2. Lehrerpr\u00fcfung.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon als Kind bereitete es Hajo Knebel Freude, Gedichte zu verfassen und M\u00e4rchentexte und kleine Theaterst\u00fccke zu schreiben. 1944 schanzt und schreibt er im \u201eUnternehmen Barthold\u201c, ab 1946 Mitarbeit an Zeitungen und Zeitschriften im Westen, 1949 Ver\u00f6ffentlichung erster gr\u00f6\u00dferer Arbeiten, dann H\u00f6rspiele und Features, wie: \u201eDer Deutsche Michel\u201c, \u201eDie Br\u00fccke von Remagen\u201c, \u201eWo die Uhren anders gehen\u201c, \u201eSimmern, ein St\u00e4dtebild\u201c, \u201eKirchberg, ein St\u00e4dtebild\u201c, \u201eWaldland Hunsr\u00fcck\u201c, \u201eRobinson Crusoe aus Kreuznach\u201c und viele andere an den Sendern Saarbr\u00fccken, K\u00f6ln, Frankfurt, M\u00fcnchen, Baden-Baden, Stuttgart, Deutsche Welle. Es w\u00e4ren eine Reihe von Ver\u00f6ffentlichungen zu nennen in einer Reihe von Zuschriften, in Heimatkalendern und Jahrb\u00fcchern, eine Reihe von Text- und Bildb\u00e4nden, ferner eine eine zeitgeschichtliche Untersuchung \u201eP\u00e4dagogischer Widerstand im Dritten Reich\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Hajo Knebel ist Mitglied des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller, Rheinland-Pfalz, seit 1957 Vorstandsmitglied, seit 1963 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Reihe von literarischen Auszeichnungen und Preisen w\u00fcrdigten seine Arbeiten: 1960 Preis der Zeitschrift \u201eJugend am Rhein\u201c, 1962 F\u00f6rderungsbeihilfe des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz, 1963 F\u00f6rderpreis zum Gro\u00dfen Kunstpreis f\u00fcr Literatur des Landes Rheinland-Pfalz, 1965 Auslandsreisestipendium der Gesamtvereinigung Deutscher Schriftstellerverb\u00e4nde in der Bundesrepublik Deutschland in Verbindung mit dem Ausw\u00e4rtigen Amt u. a.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer schlesischer Roman \u201eMartinswaldau\u201c schildert Episoden aus der schlesischen Geschichte jener Zeit zwischen 1933 und 1966, widergespiegelt in den Erlebnissen der Dorfbewohner, eine Chronik also, eine schlesische Chronik, ein Spiegelbild unserer j\u00fcngsten Vergangenheit, nicht immer ganz bequem.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"684\" height=\"1005\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/14203-1979-07-10BaderstrKnebel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1834\" style=\"width:244px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Hajo Knebel arbeitet an einigen Untersuchungen einer Geschichte der schlesischen Lehrer-bildungsanstalten, an einer Geschichte des Konzentrationslagers Hinzerath im Hunsr\u00fcck, an Untersuchungen \u00fcber Schule und Lehrerschaft im Spiegel der zeitgen\u00f6ssischen Literatur.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl der Schriftsteller Hajo Knebel die H\u00e4lfte seines Lebens im Rheinland lebt, liegen die \u201eWurzeln meiner Herkunft doch in Schlesien\u201c, bekennt Hajo Knebel, \u201eist schlesisches Blut und Geisteserbe in mir: die Lust an der Mystik Jakob B\u00f6hmes, an der Sprachpr\u00e4gnanz meines gro\u00dfen Heimatst\u00e4dters Martin Opitz, an der Fabulier- und Erz\u00e4hlfreude aller schlesischen Schriftstelle bis hin zu Gerhart Pohl und Hugo Hartung; also Schreiben ohne Vorbild, aber doch in der unbewu\u00dften und auch bewu\u00dften Fortsetzung schlesischer Schriftstellertradition.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bundesverdienstkreuz f\u00fcr Hajo Knebel<\/h2>\n\n\n\n<p>Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Heimatzeitung 7\/1979<\/p>\n\n\n\n<p>Hajo Knebel, der aus Bunzlau\/Schlesien stammende, heute in Simmern im Hundsr\u00fcck lebende, Autor (\u00bbJahrgang 1929\u00ab, \u00bbMartinswaldau\u00ab, \u00bbDie Br\u00fccke von Remagen\u00ab, u. a.), seit einem Jahrzehnt Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schriftsteller Rheinland-Pfalz und des F\u00f6rderkreises Deutscher Schriftsteller, Mitglied des Wangener Kreises, ausgezeichnet u. a. mit dem F\u00f6rderpreis zum Schlesischen Kulturpreis, ist jetzt f\u00fcr seine literarische Arbeit und seine kulturpolitischen Verdienste mit dem Bundes-verdienstkreuz ausgezeichnet worden. Im Rahmen einer Feierstunde im Kultusministerium Mainz w\u00fcrdigte die rheinland-pf\u00e4lzische Kultus-ministerin, Dr. Hanna-Renate Laurien, besonders die der Humanit\u00e4t und Verst\u00e4ndigung zwischen den V\u00f6lkern verpflichtete schriftstellerische Leistung des Autors. Der Rheinland-Pf\u00e4lzische VS, der in diesem Jahr sein 30j\u00e4hriges Bestehen feiert, bereitete aus Anla\u00df des 50. Geburtstages von Hajo Knebel (19. Juli) f\u00fcr den Herbst d.J. eine gr\u00f6\u00dfere Veranstaltung in Mainz vor, bei der der Schriftsteller durch die von Susanne Faschon (Hochheim) und Sigfrid Gauch (Mainz) herausgegebene, zu diesem Zeitpunkt vorliegende 160 Seiten starke Festschrift \u00bbHajo Knebel zu Ehren\u00ab besonders gew\u00fcrdigt werden wird. Die Festschrift &#8211; u. a. mit Beitr\u00e4gen von Bernhard Vogel und H. R. Laurien u. a. zur rheinland-pf\u00e4lzischen Literatur-, Kunstund Kulturszene der letzten 30 Jahre, Essays von Werner Hanfgarn, Jochen Hoffbauer u. a. \u00fcber Leben und Werk des Autors Hajo Knebel &#8211; wird auch die erste umfassende Bibliographie der Ver\u00f6ffentlichungen (darunter mehr als 20 selbst\u00e4ndige Buchver-\u00f6ffentlichungen, zahlreiche Fernsehspiele, H\u00f6rspiele, Filmdrehb\u00fccher) enthalten.Hajo Knebel, der in der letzten Zeit die beiden schlesischen Bildb\u00e4nde \u00bbBreslau in alten Ansichtskarten\u00ab und \u00bbSchlesien in alten Ansichten\u00ab (Flechsig-Verlag, Frankfurt) vorgelegt hat, wird zur Buchmesse&#8217;79 im Weidlich-Verlag, Frankfurt, mit dem schlesischen Volks- und Hausbuch \u00bbTypisch schlesisch\u00ab vorgestellt werden. Zur Zeit arbeitet der Autor am 3. Band seiner schlesischen Trilogie, der den Titel \u00bbSzytnica\u00ab tragen wird und den Dorfroman \u00bbMartinswaldau\u00ab bis zur Gegenwart weiterf\u00fchrt. Eine Leserin \u00fcberreichte Hajo Knebel am Tag der Bundesverdienst Kreuzverleihung Erde, ein Tannenreis und Saatkartoffeln aus Martinwaldau in Schlesien, die sie von einer k\u00fcrzlichen Schlesienfahrt mitgebracht hatte; ein besonderes Zeichen der W\u00fcrdigung und Anerkennung!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hajo Knebel Selbstbildnis: Zum F\u00fcnfzigsten. 19. Juli 1979<\/h2>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Hajo Knebel. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Heimatzeitung 7\/1979<br>In diese Haut bin ich hineingeboren <br>und trage f\u00fcnfzig Jahre schon dies Fell. <br>Ist alles, was ich tat und schrieb, verloren? <br>Was bleibt? War's klingend Erz nur ,t\u00f6nend' Schell?<br>In dieses Land bin ich hineingebunden <br>und komm' in Tag und Traum nicht von ihm los.<br>Wer sieht die Male noch und sieht die Wunden: <br>mein armes Land, getrennt, im Leide gro\u00df.<br>In dieses Volk bin ich hineingerufen <br>und trag ein Leben schwer an seiner Schuld. <br>Wer wollte richten? Auf den steinern' Stufen <br>zur Gnade braucht es Liebe und - Geduld.<br>In diese Zeit bin ich hineingefallen <br>und suchte wahrlich sie nicht selber aus: S<br>t\u00fcnd' nicht der Himmel \u00fcber uns und allen,<br>die Welt w\u00e4r'nur noch Angst und Tod und Graus.<br>Denn: Welche Haut, welch Volk und welches Vaterland<br>und welche Zeit, die uns hier zugemessen:<br>Krieg, Menschenelend, V\u00f6lkermord und Weltenbrand,<br>und allzuschnell, was wir getan, vergessen.<br>Gebor'n, gehegt, gelernt und viel vergessen,<br>geliebt, geha\u00dft, getr\u00e4umt und Zeit vertan,<br>gefror'n, gehungert, trocken' Brot gegessen,<br>geirrt, get\u00e4uscht, gelebt im Heldenwahn.<br>Gezeug, gepflegt, gemordet und geschossen,<br>gehofft, geglaubt und oftmals falsch gedacht,<br>gebetet und vertraut, die Zeit genossen,<br>gelacht, geweint und Freud und Leid gebracht.<br>Vers\u00e4umt, vertan, verjagt und fortgetrieben,<br>verhungert fast und fast im Leid erfror'n.<br>Verszeilen viel - zu viele fast - geschrieben,<br>verraten und verkauft, das Herz verlor'n.<br>Verf\u00fchrt, - und meine Haut zu Markt getragen,<br>verspielt den Einsatz, taub und tr\u00e4nenblind;<br>um Nichts und Wiedernichts riskiert den Kopf und Kragen:<br>des Menschen Sein ein Staubkorn vor dem Wind.<br>Vorbei, vorbei, was einst das eitle Herz erfreut;<br>die Haare grau, die Jahre schnell entschwunden.<br>Hat sich's gelohnt? Hast du's noch nicht bereut?<br>Die Zeitenuhr schl\u00e4gt unber\u00fchrt die Stunden.<br>Was bleibt? Was bleibt? Die Dunkelheit gelichtet,<br>die Jahre eilen ohne Rast und Ruh.<br>Gezeichnet schon? Gedichtet hei\u00dft gerichtet!<br>Gewu\u00dft, geahnt, seit Anfang, - immerzu.<br>In diese Haut bin ich hineingeboren<br>und trage f\u00fcnfzig Jahre schon dies Fell. -<br>Ist alles, was ich tat und schrieb, verloren?<br>War's wirklich klingend' Erz nur, eine t\u00f6nend' Schell?<br>(Allen meinen Freunden und Lesern zugedacht)<br><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Heimatzeitung &nbsp;10\/1968 Im \u201eSchlesier\u201c vom 4. April dieses Jahres lesen wir eine W\u00fcrdigung Hajo Knebels, der als treuer Bunzlauer schon oft f\u00fcr die BHZ geschrieben hat. Er ist am 19. Juli 1929 als einziger Sohn der Eheleute Rudolf Knebel und Hedelinde geb. Hentschel in der Badergasse 8 geboren. 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