{"id":1776,"date":"2024-07-14T16:59:55","date_gmt":"2024-07-14T14:59:55","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1776"},"modified":"2024-07-14T16:59:56","modified_gmt":"2024-07-14T14:59:56","slug":"nachruf-fuer-dr-karl-bessrich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/14\/nachruf-fuer-dr-karl-bessrich\/","title":{"rendered":"Nachruf f\u00fcr Dr. Karl Bessrich"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurt Hartmann. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Heimatzeitung 9\/86<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Sonntag, den 27. 7. 1986, erhielt ich fernm\u00fcndlich die traurige Information, da\u00df unser lieber Hmfrd. Dr. Karl Be\u00dfrich, Studiendirektor i. R. und langj\u00e4hriger stellvertretender Vorsitzender der Bundesheimatgruppe Bunzlau am 25. Juli 1986 verstorben ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Karl Be\u00dfrich hatte bereits mehrere Herzinfarkte. Obwohl wir dies alle wu\u00dften, hofften und glaubten wir, da\u00df er auch diesmal wieder genesen w\u00fcrden, zumal sich sein k\u00f6rperliches Befinden gebessert hatte und er bereits wieder am 22. 7. 1986 aus dem Krankenhaus entlassen worden war. In K\u00fcrze wollte er in ein Rehabilitationszentrum zur weiteren Festigung und Stabilisierung seines Gesundheitszustandes. Auch Karl B. sch\u00e4tzten seinen Gesundheitszustand immer optimistisch und zuversichtlich ein, er besch\u00e4ftigte sich schon wieder mit dem n\u00e4chsten Treffen der Essener Runde, mit Vorstandsangelegenheiten der Bundesheimatgruppe Bunzlau, der Schlesischen Landsmannschaft (Ortsgruppe Velbert), und weiteren Gremien, f\u00fcr die er ehrenamtlich t\u00e4tig war. Bei dieser Arbeit an seinem Schreibtisch, klopfte ihm Gevatter Tod auf die Schulter und l\u00f6schte sein Lebenslicht aus.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"680\" height=\"1044\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/14788-1984-10-12Bessrich.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1777\" style=\"width:284px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beisetzung fand am 30. 7. 1986 auf dem Waldfriedhof in 5620 Velbert statt. Eine sehr gro\u00dfe Trauergemeinde, darunter viele Heimatfreunde (Essener Runde \u2013 Frau Christiani hatte die Heimatfreunde verst\u00e4ndigt \u2013 Ehepaar Hartmann von der Bundesheimatgruppe Bunzlau in Siegburg, Heimatfreund Noack von der Frankfurter Gruppe usw.) nahmen an der Beerdigung teil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Kr\u00e4nze und Blumengebinde schm\u00fcckten das Grab. Als letzten Gru\u00df hatten auch die Stadt Siegburg, der Rhein-Sieg-Kreis, die Bundesheimatgruppe, aber auch die Essener Runde Kr\u00e4nze niedergelegt. Auf Wunsch der Angeh\u00f6rigen wurde von Beileidsbekundungen am Grabe abgesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Karl Be\u00dfrich ist ein verdienstvoller Schlesier verstorben, der sein ganzes Leben treu und zuverl\u00e4ssig zu seiner Heimat gestanden hat. Er wurde am 25. 10. 1909 in Bunzlau geboren und seine Dissertation \u201eBunzlau \u2013 eine wirtschaftsgeographische Betrachtung\u201c war gleichzeitig ein Dank an seine Eltern, aber auch ein Bekenntnis zu seiner Heimatstadt und seinem Kreis. In der Bunzlauer Heimatzeitung Nr. 10\/84 wurde in dem Artikel \u201eDr. Karl Be\u00dfrich 75 Jahre\u201c dar\u00fcber ausf\u00fchrlich berichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Bindung mit seiner Heimat war und blieb bei ihm bis zu seinem Tode verwurzelt. Er war immer aktiv. Seit Jahren leitete und gestaltete er die Essener Runde f\u00fcr die Bunzlauer Heimatfreunde. Seine Vortr\u00e4ge und Referate hatten stets ein sehr hohes Niveau. Beim letzten Bundesheimattreffen in Siegburg, im Mai 1986, wurde er erneut als stellvertretender Vorsitzender und Schriftf\u00fchrer best\u00e4tigt, eine T\u00e4tigkeit, die er schon jahrelang erfolgreich aus\u00fcbte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch an der Realisierung der 3. Auflage des Heimatbuches Bunzlau (Ausgabe Weihnachten 1985) hatte er einen wesentlichen Anteil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Karl Be\u00dfrich gilt auf Grund seines unerm\u00fcdlichen Einsatzes f\u00fcr seine Heimat uneingeschr\u00e4nkt der Text des Liedes:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch hab mich ergeben,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">mit Herz und mit Hand,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dir Land voll Lieb und Leben,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">mein deutsches Vaterland\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der Pfarrer zitierte den Bibelspruch aus Offenb. Joh. 2. 10<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eSei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Karl Be\u00dfrichs Zuverl\u00e4ssigkeit und seine edlen Charaktereigenschaften waren Garant daf\u00fcr, da\u00df er nicht nur ein vorbildlicher Ehemann und Familienvater (Opa) war, sondern auch bei den Heimatfreunden, bei seinem Kollegium, bei seiner Burschenschaft und auch in seinem Wohnbereich usw. eine geachtete und beleibte Pers\u00f6nlichkeit war, die weit \u00fcber den \u00f6rtlichen Rahmen hinausstrahlte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Bundesheimatgruppe Bunzlau bedeutet der Tod von Karl Be\u00dfrich einen schweren Verlust, er war stets ein weiser Ratgeber, er war immer ansprechbar und hatte bei Problemen immer ausgewogene L\u00f6sungen parat. Sein Rat und die freundschaftliche Verbundenheit werden uns stark fehlen, es ist eine L\u00fccke entstanden, die sich wohl nie ganz schlie\u00dfen lassen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir werden dankbar unseres Heimatfreundes Karl Be\u00dfrich gedenken und ihm ein bleibendes Andenken bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurt Hartmann (Vorsitzender der Bundesheimatgruppe Bunzlau)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bunzlau, eine wirtschafts-geographische Betrachtung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Dissertation von Dr. Karl Bessrich. Bunzlauer Heimatzeitung 2\/85<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Danksagung von Professor Werner F\u00f6lsche, ehemals Bunzlau, Moltkestra\u00dfe 3. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Heimatzeitung 1985<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfangs des heurigen Jahres wurde in unserer Bunzlauer Heimatzeitung eine Wiederauflage der Dissertation von Dr. Karl Bessrich \u00fcber \u201eBunzlau, eine wirtschaftsgeographische Betrachtung\u201c vom Jahre 1936 angek\u00fcndigt. Ich bestellte daraufhin sofort dieses Werk.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich danke gleich zu Beginn dem Verfasser, welchen ich ja noch ein Jahr etwa an der Bunzlauer Aufbauschule als Referendar erlebte. Es mu\u00df in Obersekunda oder schon in der Unterprima dieser Schule gewesen sein. Wir hatten zusammen mit den Knaben der nachfolgenden Klasse jeden Dienstagnachmittag das Fach Spielturnen. Da die handballerische Glanzzeit des Sch\u00fclersportclubs Bunzlau (SSC) durch die Verk\u00fcrzung der Schulzeit um ein Jahr bereits vorbei war, spielten wir zumeist nur mehr Fu\u00dfball. Dr. Bessrich leitete damals dieses \u201eSpielturnen\u201c. Es fand nicht am Schulsportplatz unserer Schule, sondern am MTV-Sportplatz statt. Der damalige Herr Referendar war unser Schiedsrichter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ehemaligem Sch\u00fcler schrieb mir der Herr Doktor eine Widmung in seine wiederaufgelegte Dissertation; daf\u00fcr danke ich ihm sehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich m\u00f6chte gleich zu Beginn meiner Danksagung ausdr\u00fccklich betonen, da\u00df es sich bei meinem Bericht um keine Kritik handelt, denn dazu ist mir diese Abhandlung \u00fcber unsere gemeinsame Heimatstadt Bunzlau und seine Umgebung (sprich Kreis Bunzlau) viel zu wertvoll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist typisch f\u00fcr Dr. Bessrich, da\u00df er seine Dissertation \u00fcber das o. a. Thema seinen Eltern widmet, welche im schlie\u00dflich und endlich sein Studium erm\u00f6glicht haben. Das zeigt aber zugleich auch seine Heimatverbundenheit, denn nurwer im allgemeinen seine Eltern liebt und verehrt (hat) besitzt diesen Wesenszug. Das ist nach vielen Jahren im Schuldienst eine von mir gewonnene Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vorwort dankt der Verfasser dieser Dissertation jenen M\u00e4nnern, die ihm bei seiner m\u00fchevollen Arbeit geholfen haben. Einige von diesen kenne ich zumindest dem Namen nach; andere waren mir pers\u00f6nlich bekannt. Von 1921 \u2013 1925 wohnte meine Familie im Haus von Geheimrat Schiller Ecke L\u00f6wenberger-\/Logenstra\u00dfe direkt neben seine Wohnung im 1. Stock. Herr Delto war ein Berufskollege meines Vaters (verstorben 1926) beim Magistrat und wohnte im 2. Haus er Woltersdorffstra\u00dfe (nach Familie M\u00fchlchen). Herr B\u00f6rner war wahrscheinlich der Vorsitzende der Spiel- und Schwimmvereinigung (SSV) Bunzlau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Herrn Laake, da wei\u00df ich nicht, ob er der Senior ist (Kriegerkameradschaft ehemaliger 37er) oder der Sohn Gerhard (Verteidiger zuerst beim Sportklub Bunzlau 1920, sp\u00e4ter dann bei der Spielvereinigung neben Herrn Hammmernick, wohnhaft am Vogelsang) ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 1. Abschnitt seiner Dissertation gibt Dr. Bessrich einen geologischen \u00dcberblick \u00fcber Bunzlau und die die Kreisstadt umgebende Landschaft. Manches davon wurde im sp\u00e4teren Bunzlauer Heimatbuch erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im gro\u00dfen und ganzen ist dieser Abschnitt der Dissertation eine sog. \u201eschwere Kost\u201c f\u00fcr einen Leser, der die vielen geologischen Namen nicht kennt. Ich lernte sie zumindest dem Namen und der Zeit nach im Geographieuntrricht der Obersekunda bei Studienrat Hahm und sp\u00e4ter an der Universit\u00e4t Wien in der Geologievorlesung von Univ.-Professor Dr. S\u00f6lch. Manchen Namen dieser geologischen Formationen wu\u00dfte ich daher aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten. Infolge Zeitmangels mu\u00dfte der Geologieunterricht im Rahmen der Erdkunde eingeschr\u00e4nkt dargeboten werden. An der Universit\u00e4t aber mu\u00dfte ich mich mit diesen Dingen ausf\u00fchrlicher befassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;So sind die ausf\u00fchrlichen Darlegungen des Verfassers dieser Dissertation f\u00fcr mich als sehr interessiertem Leser hoch interessant. Die geologischen Gegebenheiten unseres Heimatkreises und der ihm umgebenden Nachbargebiete bilden die Grundlagen f\u00fcr die Stadt und den Kreis Bunzlau. Ohne diese Kenntnis ist es beinahe unm\u00f6glich, sich ein genaues Bild von guten Bedingungen der verschiedenen Industriezweige in unserem Gebiet zu machen. Ablagerungen, geologische Verschiebungen der der Erdrinde bis in eine gewisse Tiefe hinab, Absch\u00fcrfungen w\u00e4hrend der verschiedenen Perioden der Eiszeit und Erosion im Laufe von l\u00e4ngeren Zeitabschnitten usf. gestalteten somit die Erdoberfl\u00e4che und die zun\u00e4chst darunter liegenden Schichten, wie sie uns heutigen Menschen darbot und wie diese Bodensch\u00e4tze durch die Industrie ausgewertet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der n\u00e4chste Abschnitt \u201eEntstehung und Entwicklung des Stadtorganismus unter Vorausstellung wirtschaftsgeographischer Gesichtspunkte\u201c berichtet \u00fcber die Geschichte Bunzlaus, \u00fcber gewisse Zeitstr\u00f6mungen und \u00fcber die planm\u00e4\u00dfige Anlage unserer Heimatstadt. Vieles kannte ich noch aus dem alten Heimatbuch aus der Zwischenkriegszeit, dem Heimatbuch nach dem 2. Weltkrieg, durch die vielen Artikel in unserer Bunzlauer Heimatzeitung und aus dem Briefverkehr und dem Skriptum der Geschichte \u00fcber unsere Heimatzeitung mit Herrn Christiani.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In \u201eWirtschaft und Verkehr\u201c wird Bunzlau als Landstadt und als Industriestadt geschildert. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war insbesondere der letzte Abschnitt \u00fcber die Industriebetriebe der Stadt hochinteressant. Ich las dieses Kapitel \u00fcber die Tonindustrie, die Sandsteinindustrie, die Glasindustrie, die Eisenindustrie, die Textilindustrie, die Papierindustrie, die M\u00fchlenindustrie mit gr\u00f6\u00dftem Interesse. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war diese Lekt\u00fcre so spannend fast wie ein \u201eKrimi\u201c, wen ich es modern ausdr\u00fccken m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vieles davon aus meiner Kindheit und Jugendzeit bzw. der Schulzeit, manches jedoch war verschwommen oder gar schon vergessen. Neu war mir z. B., da\u00df die Firma Quegwer selber Landmaschinen konstruierte oder da\u00df die Industriegleise im S\u00fcden und Westen der Stadt nicht der Reichsbahn, sondern der Kleinbahngesellschaft geh\u00f6rten. Viele, viele Namen, welche ich l\u00e4ngst vergessen w\u00e4hnte, kamen durch das Lesen der Dissertation augenblicklich wieder in mein Ged\u00e4chtnis zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade rechtzeitig zu dieser interessanten Lekt\u00fcre erhielt ich von Frau K\u00e4the Stepp geb. Pohl die \u201eGeschichte der Staatlichen Keramischen Fachschule Bunzlau\u201c von Direktor Dr. Ernst B\u00fcttner zugesandt; er verfa\u00dfte dieses Erinnerungswerk nach dem 2. Weltkrieg. Auch die verschiedenen Artikel und zweier B\u00fcchlein von Frau Sp\u00e4th befassen sich mit der heimischen Tonindustrie, denn gerade sie pr\u00e4gte den hohen Bekanntheitsgrad der Bunzlauer Tonwaren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kapitel \u201eVerkehrsverkn\u00fcpfung\u201c werden die Eisenbahnen und die Landstra\u00dfen von Stadt und Kreis Bunzlau beschrieben. Die Hauptlinie der Deutschen Reichsbahn verlief am s\u00fcdlichen Rande der gro\u00dfen Waldgebiete durch die Kreisstadt Bunzlau. Eine Art Nebenbahn befuhr das Queistal von Sagan kommend nach S\u00fcden. Die Kleinbahnlinien dienten haupts\u00e4chlich dem G\u00fctertransport aus den Wald- und Landwirtschaftsgebieten und in besonderem Ma\u00dfe aus den Industriezentrum zur Reichsbahn hin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gleisdreieck zwischen dem Kleinbahnhof und dem \u201eHaupt\u201c-Bahnhof bildete das Verbindungsst\u00fcck zwischen den beiden Eigent\u00fcmern. da die damalige Reichsautobahn, als Dr. Bessrich seine Dissertation schrieb, noch im Bau war, so konnte er sie nat\u00fcrlich noch nicht in seine Arbeit einbauen. Die wichtigsten Fernverkehrsstra\u00dfen, auf der viele Schwerfahrzeuge fuhren, verlief fast am Rand der Altstadt, also von Tillendorf durch die G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe, die Zeppelinpromenade, am Bahnhof vorbei auf der H\u00fcttenstra\u00dfe und auf der Haynauer Landstra\u00dfe nach Osten in Richtung Liegnitz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Abschnitt \u201eGliederung des Siedlungsbildes\u201c zeigt Dr. Bessrich, da\u00df er ein echter Bunzlauer ist. So eingehend, wie er sich mit den Gegebenheiten auseinandersetzt, kann es nur ein \u201eeingefleischter\u201c Einheimischer tun, der so viele Jahre \u201eim Bunzl\u201c gewohnt hat &nbsp;ich m\u00f6chte ausdr\u00fccklich betonen \u201ebewu\u00dft\u201c gewohnt hat! Ich habe jedenfalls noch noch eine solch interessante Aufstellung \u00fcber die interne Stadtgeographie der Bunzlauer Altstadt und ihre n\u00e4here Umgebung gelesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich las gerade diese Kapitel schon einige Male, weil eine solche Gliederung und Aufstellung des Stadt- bzw. Siedlungsgebietes aus den anderen Stadtpl\u00e4nen nicht zu erkennen war; das ist nur zu nat\u00fcrlich. Es handelt sich hierbei um die \u201everschiedene Bewertung des Bodens als Wohn-, Gesch\u00e4fts- oder Fabrikgegend\u201c. Im Stadtkern, also innerhalb der fr\u00fcheren Stadtmauer, waren die H\u00e4user gro\u00dfteils vier Stockwerke hoch; das bedingte der enge Raum innerhalb der Stadtmauer. Au\u00dferhalb dieses Stadtkerns des Mittelalters war bedingt durch die Weite des zur Verf\u00fcgung stehenden Raumes die Bauweise gro\u00dfz\u00fcgiger und daher nicht mehr so einheitlich wie in der Altstadt. Die G\u00fcter und Vorwerke, die es ja seinerzeit noch gab, waren beinahe kranzf\u00f6rmig um die Stadt herum gelagert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die dazu geh\u00f6renden Scheunen wurden im Laufe der Jahre z. T. abgerissen, weil sie ja keinen Zweck mehr erf\u00fcllten oder bauf\u00e4llig geworden waren. An ihrer Stelle entstanden dann immer mehr Wohnh\u00e4user, bzw. in geringerem Ma\u00dfe Gesch\u00e4ftsh\u00e4user oder andere Geb\u00e4ude. Der Dissertant z\u00e4hlt dann die \u00f6ffentlichen Geb\u00e4ude und die H\u00e4user der Kulturorgane und deren Lage auf. Sehr interessant sind seine Ausf\u00fchrungen dar\u00fcber, wie sich die Stadt nach dem Fall bzw. der nicht mehr wichtigen Stadtmauer weiterentwickelte. Er nennt das \u201eRingstra\u00dfensystem\u201c. Ich kenne diesen Ausdruck ja seit der Kriegszeit, wo ich als Soldat nahe Wien in Garnison stand, aus der Zeit meines Studiums und aus der Jetztzeit, wo ich ja nur 30 \u2013 40 km von \u00d6sterreichs Bundeshauptstadt entfernt lebe (G\u00e4nserndorf im Marchfeld).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Wien wurden auf Kosten des bekannten Kaisers Franz-Josef I. die Festungsmauer geschleift; und der nun frei werdende Raum wurde f\u00fcr die Ringstra\u00dfe verwendet. An ihr entstanden dann die Gro\u00dfen und sch\u00f6nen Geb\u00e4ude und einige Parkanlagen (die sog. Gr\u00fcne Lunge Wiens). In Bunzlau wurde der freiwerdende Raum zu einem Ring von Gr\u00fcnfl\u00e4chen genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund daf\u00fcr war einfach der, da\u00df f\u00fcr Stra\u00dfen keinerlei Bed\u00fcrfnis bestand. Die Planer dieser Anlagen ahnten wohl nur, wie wichtig einstmals infolge der Luftverschmutzung solche Gr\u00fcnfl\u00e4chen werden w\u00fcrden. Wie gern ging ich z. B. mit meiner Mutter als Kind spazieren. Sp\u00e4ter waren es dann die verschiedenen Sch\u00fclerfreundinnen, welche einer Begleitung bedurften. Das sind f\u00fcr sch\u00f6ne Erinnerungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Bessrich setzt sich im Kapitel \u201eStra\u00dfen und Pl\u00e4tze\u201c mit deren Zweck auseinander: die Pl\u00e4tze dienten weitgehend den verschiedenen M\u00e4rkten (Butter-, Fleisch-, Jahrmarkt-, Topf- und Wochenmarkt). Im Prospekt der Stadt Bunzlau, den ich gottlob noch besitze, ist z. B. \u201edie aale Seidln\u201c im Kreis ihrer vielen T\u00f6pfe abgebildet; ich nehme an, da\u00df das am Evangelischen Kirchplatz ist. Diesen Prospekt schickte ich w\u00e4hrend des Krieges einmal meiner inzwischen verstorbenen ersten Frau nach Salzburg \u2013 und so blieb er mir als sehr wertvolles St\u00fcck erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gesch\u00e4ftsstra\u00dfen sind Zielpunkt des Verkehrs und des Einkaufes; die Verkehrsstra\u00dfen dienen zur Zur\u00fccklegung der Entfernung. Die Nebenstra\u00dfen werden dem Zubringer- und dem Anliegerverkehr gerecht. Das Zentrum aber des Handels und Verkehrs bildet der Markt. Beim Handel unterscheidet der Verfasser zwischen Gro\u00df- und Kleinhandel (Kr\u00e4mereien, die z. B. dem Tagesbedarf dienen). Den verschiedenen Handwerksbetrieben ist oft ein Verkaufslokal im eigenen Haus angeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anschlie\u00dfend sind einige typische Bilder der Stadt Bunzlau beigegeben. Sie dienen dazu, die H\u00e4user auf den bebauten Fl\u00e4chen nach ihren verschiedenen Zwecken aufzuzeigen und auch nach deren Bauweise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich wird dann eine Beschreibung der au\u00dferhalb der ehemaligen Stadtbefestigung gelegenen Gebiete rings um die Altstadt herum gegeben. Sie rief in mir auch ein starkes Heimwehgef\u00fchl hervor. Das gilt auch f\u00fcr die in der Dissertationsarbeit nachfolgenden sog. \u201eUnbebauten Fl\u00e4chen\u201c. Am Ende seiner Beschreibung zeigt Dr. Bessrich die \u201eAbgrenzung des Siedlungsraumes\u201c auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer selbst einmal solche oder \u00e4hnliche schriftliche Arbeiten, Darstellungen u. \u00e4. Arbeiten f\u00fcr Pr\u00fcfungen, Zeitungen usw. angefertigt hat, der wei\u00df, wieviel Arbeit dahinter steckt, ehe solch ein \u201eWerk\u201c fertig ist. Ich setze diesen Ausdruck bewu\u00dft zwischen Anf\u00fchrungszeichen, denn auch eine Dissertation ist f\u00fcr einen angehenden Herr Doktor ein wichtiges und schwieriges \u201eWerkst\u00fcck\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ja nicht nur das nahe Umfeld, welches die Angaben f\u00fcr die Doktorarbeit darbietet, sondern vieles, vieles andere im immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Umkreis. Und immer wieder kommt Neues an Stoff dazu, was eingearbeitet werden mu\u00df, um einer Dissertation gerecht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;Dr. Bessrich hat auf diese Weise viele Einzelheiten aus der Zeit von vielen hundert Jahrmillionen bis zur Neuzeit gesammelt und zu seiner gerade f\u00fcr Bunzlauer sehr eindrucksvollen Arbeit geordnet. Vieles Neue jedoch mu\u00dfte er sich aber selbst erarbeiten, um seine Dissertation fertigzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade das neue Alte zu finden und sinnreich zusammenzustellen und so zu verarbeiten, das ist die Kunst einer solchen wirtschaftlichen und geographischen Betrachtung \u2013 hier eben \u00fcber die Stadt und den Kreis Bunzlau. Dr. Bessrich setzte sich auf seine Art und Weise mit dem Stoff auseinander, der sich uns Bunzlauern als Gegenst\u00e4ndliches darbot und uns selbstverst\u00e4ndlich schien. Mit einer ausgesprochenen Akribie gestaltete der Dissertant seine wissenschaftliche Arbeit. Deshalb m\u00f6chte ich dem Verfasser Dr. Bessrich jetzt noch im nachhinein (Verlagsjahr 1936) meinen aufrichtigen Dank f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung seiner Dissertation \u201eBunzlau \u2013 eine wirtschaftspolitische Betrachtung\u201c sagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurt Hartmann. 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