{"id":1773,"date":"2024-07-14T16:58:36","date_gmt":"2024-07-14T14:58:36","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1773"},"modified":"2024-07-14T16:58:36","modified_gmt":"2024-07-14T14:58:36","slug":"aus-einer-handvoll-ton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/14\/aus-einer-handvoll-ton\/","title":{"rendered":"Aus einer Handvoll Ton"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hajo Knebel. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Heimat-Zeitung 14\/1973<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu einem Bunzlau-Buch von Barbara Bartos-H\u00f6ppner<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum ersten Male in der Geschichte des ehrw\u00fcrdigen und literarisch bedeutenden PEN-Club ist eine Kinder- und Jugendbuchautorin in die Reihe der Erlauchten und Erw\u00e4hlten&#8216; aufgenommen worden. Da\u00df diese bedeutende Ehrung der aus Eckersdorf im Kreise Bunzlau stammenden Schriftstellerin Barbara-H\u00f6ppner zuteil wurde, sollte uns alle mit besonderer Freude und mit berechtigten Stolz auf unsere einstige Mitb\u00fcrgerin und Heimatfreundin erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"170\" height=\"240\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Unknown.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1774\" style=\"width:240px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem fr\u00fcheren Beitrag haben wir bereits einmal kurz \u00fcber Leben und Werk von Barbara-H\u00f6ppner berichtet, die am 4. November 1923 in Eckersdorf geboren wurde, bis 1948 in Schlesien lebte, nach der Vertreibung vor\u00fcbergehend in der L\u00fcneburger Heide und in Hamburg-Altona Heimstatt fand und seit 1960 in Buxtehude mit ihrer Familie wohnt. Zu den zahlreichen Ver\u00f6ffentlichungen aus ihrer Feder haben sich in den letzten Jahren neue Arbeiten gestellt, u. a.: Die T\u00f6chter des K\u00f6nigsbauern; Der gez\u00e4hmte Falke; Das t\u00f6nende Holz; Kosaken gegen Kutschum-Khan; Taigaj\u00e4ger, Rettet den Gro\u00dfen Khan; Sturm \u00fcber dem Kaukasus; Achtung-Lawine; Die Bucht der Schwarzen Boote; Aljoscha und die B\u00e4renm\u00fctze; die meisten dieser B\u00fccher sind zugleich in \u00dcbersetzungen in den USA, in England, in S\u00fcdafrika, in Italien, Spanien, Portugal, Holland erschienen und in die Auswahlliste zum Deutschen Jugendbuchpreis aufgenommen worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1963 erhielt Barbara Bartos-H\u00f6ppner den 1. Preis der New Yorker Tribune beim Children Spring Bock Festival, nun gar ist sie (1970) in den Pen-Club aufgenommen worden, eine \u00e4u\u00dferst ehrenvolle Berufung, zu der auch die BHZ sehr herzlich gratuliert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 1. Programm des Deutschen Fernsehens wurde die Autorin in der von Otfried Preussler geleiteten Kinderstunde Vier Autoren erz\u00e4hlen eine Geschichte&#8216; vorgestellt neben Otfried Preusler, James Kr\u00fcss und Peter H\u00e4rtling.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da\u00df Barbara Bartos-H\u00f6ppner ihre schlesische Heimat, ihre Herkunft aus dem Kreise Bunzlau nicht vergessen hat, beweist das 1967 im Baken-Verlag Walter Schnoor erschienene, f\u00fcr den Gebrauch in den Schulen der Freien und Hansestadt Hamburg beh\u00f6rdlich zugelassene, als Band 17 der Baken-B\u00fccherei herausgegebene, reich illustrierte, 128 Seiten umfassende Buch Aus einer Handvoll Ton&#8216;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Buch ist ein Werk dankbarer Erinnerung u. liebevollen Gedenken an Bunzlau, die Stadt des Guten Tones, ein Zeugnis bleibender Heimatliebe, ein Loblied auf die T\u00f6pfer der Stadt am Bober, ein sch\u00f6ner Beweis daf\u00fcr, wie Barbara Bartos-H\u00f6ppner auch heute noch mit ihrem Herzen an der unvergessenen Heimat h\u00e4ngt. Das Buch verdiente es, in den B\u00fccherschr\u00e4nken der Bunzlauer einen Ehrenplatz zu erhalten. Der Inhalt des Buches Robert Giebler, geboren am 21. 11. 1894 in Bunzlau, seit 12 Jahren fahrender T\u00f6pfermeister, lernt bei einem Besuch in einer Schule, wo er den Kindern an der Drehscheibe die Arbeit des T\u00f6pfers vorf\u00fchrt und erkl\u00e4rt, den 16j\u00e4hrigen Helmut Wagenknecht kennen, l\u00e4dt ihn zum Besuch in seinem T\u00f6pferbetrieb im Westerwald ein, gewinnt ihn als Lehrling, Gesellen und Mitarbeiter und nimmt ihn in der Familie so auf, als sei er der 1945 in den Kriegswirren verschollenen Enkel. Eingebaut in die lesenswerte, \u00fcberaus spannende, jugendgem\u00e4\u00dfe Handlung des Buches sind immer wieder Erinnerungen und Hinweise auf Bunzlau und das Bunzlauer T\u00f6pferhandwerk, z. B.:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbDer Ton in meiner Heimat wurde bei 1 300 Grad und dar\u00fcber gebrannt, dadurch wurde er feuerfest. Die Bunzlauer Milcht\u00f6pfe konnte man auf die gl\u00fchende Herdplatte stellen, das hielten sie alles aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In meiner Heimat wurde der Ton gef\u00f6rdert. Zehn Meter tief lag er dort etwa . \u00bb . Wenn man in der Bunzlauer Gegend \u00fcber Land fuhr, dann sah man kleine Holzbuden stehen, die auf ihren D\u00e4chern ein Rohr auf einem Trichter sitzen hatten. . . ein ganz einfaches L\u00fcftungsrohr f\u00fcr den Stollen in der Erde.\u00ab So erinnert sich der Bunzlauer T\u00f6pfermeister Robert Giebler auf S. 17. Auf der Seite 18 findet man dann eine Zeichnung einer Tongrube mit Ventilationsrohr f\u00fcr den Untertagebau aus der Bunzlauer Gegend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seite 27 hei\u00dft es in dem Buch von Barbara Bartos-H\u00f6ppner: \u00bbGenau gegen\u00fcber, an der Wand im Flur, hing zwischen zwei Borden eine Fotografie unter Glas. Ein Kaffeeservice war darauf zu sehen mit einem Bl\u00fctenmotiv auf geschw\u00e4mmeltem Grunde. Darunter stand: Kaffeeservice aus der Werkstatt Robert Giebler, Bunzlau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Bild war alles, was \u00fcbrig geblieben war&#8230; Die Zeiten \u00e4ndern sich. . Wir haben beide an unseren Bunzlauer Tonfuhrmann R\u00f6sler gedacht, der uns daheim durch die Jahre mit seinem Schimmelgespann den Ton von der Grube gebracht hatte. Geb\u00fcckt, in blauer Leinenjacke, ging er immer neben dein vollbeladenen Brettelwagen her. Die Leine hielt er wie Spielzeug in den H\u00e4nden, und wenn er mit seinen Pferden redete, wackelte der Rest der Zigarre zwischen den Lippen hin und her, schwarz und kalt und in Gefahr, verschluclzt zu werden. Nach einer angebotenen Zigarre langte er stets mit den Worten: \u00bbIch bin so frei . . . \u00ab Und das leergetrunkene Schnapsglas gab er einem mit der Bemerkung zur\u00fcck: \u00bbMit der Sorte kann man hundert Jahre alt worden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim morgendlichen Blick aus seinem Haus in H\u00f6hr-Grenzhausen im Westerwald (Seite 36) \u00bbkonnte es dann vorkommen, da\u00df sich das Bild pl\u00f6tzlich vor Giebler verwandelte und zu der schmalen Schwibbogenstra\u00dfe seiner Heimatstadt Bunzlau wurde, die er wegen ihres altert\u00fcmlichen Anblickes besonders liebte. Oder er stand unversehens vor den barocken und spitzgiebeligen H\u00e4userfronten des ger\u00e4umigen Marktplatzes, dem Rathaus gegen\u00fcber. . .<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Land dr\u00fcben in seiner engeren Heimat war sanfter gewellt, und nach Norden, zur Oder hin, zog sich \u00fcber weite Fl\u00e4chen eine dunkle, fruchtbare Ebene. Nur s\u00fcdw\u00e4rts, auf Riesen- und Isergebirge zu, wuchsen die Berge h\u00f6her.\u00ab Seite 55 zeigt, von Marion und Rolf Meyn gestaltet, die Zeichnung eines alten Bunzlauer Kruges mit aufgelegten Ton. Ornamenten, Seite 88 eine Bunzlauer Kaffeekanne mit Dekor &#8218;Pfauenauge&#8216;, Seite 95 eine Bunzlauer Teekanne mit PfauenaugeDekor. Im Text von S. 55 hei\u00dft es: \u00bbWas die Frau aus K\u00f6ln in H\u00f6hr-Grenzhausen suchte, das ist eine ganz alte Bunzlauer Technik. Da legten die T\u00f6pfer den Kr\u00fcgen und Vasen Schmuckmotive aus Ton auf, Bl\u00fcten, Ranken oder Tiere. Ein ganzes Kapitel des Buches ist schlie\u00dflich der Erinnerung an eine alte Bunzlauer Tonffrau und einen Besuch bei ihr gewidmet. Da liest man u. a.: \u00bbDie Schmidt&#8217;n, die alte Topffrau, hatte den Topfhandel auf eine Weise betrieben, wie er vor dem letzten Krieg schon eine Seltenheit geworden war. Bei sch\u00f6nem Wetter mit schwarzem Strohhut, bei schlechtem mit einem schwarzen Kopftuch \u00fcber den grauen Haaren, ging sie mit einer Kiepe auf dem R\u00fccken und einem Korb am Arm \u00fcber Land, um den Dorfleuten unsere Tonwaren zu verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ihre l\u00e4ngeren Wege leistete sie sich gelegentlich das Postauto. Meistens aber ging sie zu Fu\u00df, um das Geld zu sparen. Klein und schm\u00e4chtig war sie, aber flink wie ein Wiesel. Sie kannte jeden, und jeder mochte die freundliche Frau. Es gab damals kein Fuhrwerk auf der Landstra\u00dfe, das nicht noch Platz f\u00fcr die Schmidt&#8217;n und ihre Kiepe gehabt h\u00e4tte. Am Sonnabend vormittag, wenn in Bunzlau der Wochenmarkt abgehalten wurde, thronte sie auf einem Schemel \u00fcber Tassen und Sch\u00fcsseln, Milcht\u00f6pfen und Kaffeekannen, die um sie her auf dem Pflaster standen. In den letzten Jahren handelte sie nur noch mit kleiner Ware. Wer Sauerkraut- und Gurkenkruken kaufen wollte, mu\u00dfte zur Konkurrenz gehen. Das verdro\u00df sie, und wenn sie zu uns kam, um neues Geschirr zu kaufen, redete sie oft von der Zeit, als sie noch mit ihrem Vater und seinem Pferdegespann \u00fcber Land gefahren war. Der Topfhandel lag n\u00e4mlich in der Familie, und auf dem Planwagen ihres Vaters hatte es an nichts gefehlt, ob nun Bettw\u00e4rmer, Brotb\u00fcchsen, Einlegegeschirr oder Kuchenformen ge,braucht wurden. \u00bbEin ganzseitiges Bild (S. 101) zeigt dann eine schone Zeichnung des Topfmarktes vor dem Bunzlauer Rathaus. In ihren Wort- und Sacherkl\u00e4rungen schreibt die Autorin zu dem Stichwort: Buiizlau: \u00bbStadt in Schlesien, 1547 erste bezeugte T\u00f6pferzunft. 1897 Staatliche Fachschule f\u00fcr T\u00f6pferei und Keramik gegr\u00fcndet 1945: 20 000 Einwohner, Zentrum der Ostdeutschen Keramik.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In ihrem Nachwort zu dem Buch Aus einer Handvoll Ton&#8216; bekennt Barbara Bartos-H\u00f6ppner schlie\u00dflich: \u00bbMancher meiner schlesischen Landsleute, der wie ich in Bunzlau geboren wurde, antwortete auf die Frage nach seinem Herkunftsort: \u00bbIch stamme aus Bunzlau, der Stadt des guten Tones.\u00ab Das ist eine verschmitzte Antwort, die ihre Wirkung auf Uneingeweihte nicht verfehlt. Doch seine gute Kinderstube derart zu preisen, hie\u00dfe sie verleugnen. Was also kann gemeint sein? Ist Bunzlau eine Stadt der Musikpflege gewesen? Nicht mehr und nicht weniger als jede andere Stadt, die etwas auf sich h\u00e4lt. So kann sich die Sache mit dem guten Ton nur auf die dritte Bedeutung des Wortes beziehen. Meine Heimatstadt Bunzlau war eine T\u00f6pferstadt, Drehscheiben und Trockengestelle, Topfmarkt und Topffrauen geh\u00f6ren zu meinen Kindheitserinnerungen, T\u00f6pferfamilien zu meinem Verwandten- und Bekanntenkreis. Mit den wohlgeformten Erzeugnissen aus ihren Werkst\u00e4tten bin ich aufgewachsen &#8211; In Schlesien gab es am Sonntag L\u00e4tare den fr\u00f6hlichen Brauch des Sommersingens. Mit einem K\u00f6rbchen in der einen Hand, einem mit bunten Blumen und B\u00e4ndern geputzten Stab in der anderen, zogen wir als Kinder in aller Fr\u00fche von Haius zu Haus, um mit unseren Sommerliedern den Winter zu vertreiben und den Sommer herbeizusingen. Mit S\u00fc\u00dfigkeiten, Backwaren und Eiern wurden wir daf\u00fcr belohnt. In einer Erz\u00e4hlung beschrieb ich solches Sommersingen aus der Sicht des Kindererlebnis und wu\u00dfte von da an meinen Weg als Schriftstellerin. Von jungen Menschen und f\u00fcr junge Menschen zu schreiben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die schlesische Heimat gab Barbara Bartos-H\u00f6ppner also den Ansporn f\u00fcr ihre schriftstellerische Arbeit. Der Bunzlauer Autorin, die uns Bunzlauern das heimatliche Jugendbuch Aus einer Handvoll Ton&#8216; schenkte (im Vorspann dankt sie Georg und Steffi Peltner aus der Kunstt\u00f6pferei der T\u00f6pfermeisterin Margrit Stolterfoht in Hamburg, dem Illustrator H. M. Jaschinski, Autor des Buches \u201eKeramische Arbeiten&#8217;\u201cf\u00fcr fachkundliche Beratung und Pr\u00fcfung), ist zu danken und von Herzen f\u00fcr den weiteren literarischen Weg alles Gute zu w\u00fcnschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hajo Knebel. 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