{"id":1725,"date":"2024-07-05T17:44:22","date_gmt":"2024-07-05T15:44:22","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1725"},"modified":"2025-01-19T23:13:32","modified_gmt":"2025-01-19T22:13:32","slug":"ein-besinnlicher-gang-durch-die-waisen-und-schulanstalt-und-ihre-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/05\/ein-besinnlicher-gang-durch-die-waisen-und-schulanstalt-und-ihre-geschichte\/","title":{"rendered":"Ein besinnlicher Gang durch die Waisen- und Schulanstalt und ihre Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Erstver\u00f6ffentlichung in \u201eDer Bunzlauer Kreis an Bober und Queis\u201c. 2. v\u00f6llig neu bearbeitete Auflage 1964, S. 339-351. Hrsg. v. Bundesheimatgruppe Bunzlau in Siegburg. Autor:<strong> <\/strong>Karl Springer <\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Jahrhundertwende hatte die Stadt mit ihren H\u00e4usern l\u00e4ngst die Waisen- und Schulanstalt umschlossen; einst aber lag das \u201eWaisenhaus vorm Bunzel\u201c weit au\u00dferhalb der Stadtmauer neben dem ber\u00fchmten Queckbrunnen, der die B\u00fcrger mit Wasser versorgte. Damals f\u00fchrte ein Feldweg die kleine Anh\u00f6he hinauf, oben stand links vom Wege das Anwesen des Getreideh\u00e4ndlers Otto und rechts das Haus des Maurermeisters Gottfried Zahn, das er 1733 erworben hatte. Heut gehen wir &nbsp;eine breite Stra\u00dfe hinauf, die 1936 unten durch einen Zaun mit Tor abgeschlossen wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1962\" height=\"1348\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10043-Richter-Eingang-zum-Waisenhaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1726\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10043-Richter-Eingang-zum-Waisenhaus.jpg 1962w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10043-Richter-Eingang-zum-Waisenhaus-1300x893.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10043-Richter-Eingang-zum-Waisenhaus-768x528.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10043-Richter-Eingang-zum-Waisenhaus-1536x1055.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1962px) 100vw, 1962px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Der Eingang zum Waisenhaus. Aus Bildsammlung B\u00fcrgermeister Henry Richter.<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dahinter sehen wir links zuerst das sogenannte Gottwald\u2019sche Haus. Gottwald war um 1850 der st\u00e4dtische Rohrmeister, der den Queckbrunnen betreute und im flachen Teich daneben \u2013 zuletzt war dort der Spielplatz der Eichendorffschule \u2013 die h\u00f6lzernen Rohre f\u00fcr die Wasserleitung bereithielt. Sein Haus war eines der sch\u00f6nsten in Bunzlau, gef\u00e4llig durch seine Rokokkoformen, die Blumengeh\u00e4nge zwischen den Fenstern und am Gesims. In der zweiten H\u00e4lfte des vorigen Jahrhunderts wurde es vom Seminar angekauft und geh\u00f6rte seitdem zur Anstalt. 1945 haben es Granaten in einen Schutthaufen verwandelt. Schr\u00e4g gegen\u00fcber f\u00fchrt eine Steintreppe mit flachen, geschwungenen Wangen ins Krankenhaus der Anstalt. Im Erdgescho\u00df war vorn die B\u00e4ckerei untergebracht, dahinter wohnte der Anstaltsb\u00e4cker. Die Kranken, sofern es solche gab, lagen droben im ersten Stock, betreut von einem W\u00e4rter, in den letzten Jahren von einer Schwester. Gleich rechts neben der Haust\u00fcr wohnte in seinem Ruhestand der alte Hausmeister Hermann Brettschneider, der in der Anstalt geboren war und ihr sein ganzes Leben gedient hatte (gestorben am 26. 9. 1940), ein Muster von Zuverl\u00e4ssigkeit und Pflichttreue. Er wurde von fr\u00fcheren Sch\u00fclern der Anstalt zuerst aufgesucht und begr\u00fc\u00dft, wenn sie wieder einmal in ihre alte Anstalt kamen. Sein Gro\u00dfvater war 1826 als Hausmeister angestellt worden, sein Vater 1845. Das Krankenhaus wurde 1823\/24 erbaut auf dem Platz der Stallgeb\u00e4ude, die zu Zahns Wirtschaft geh\u00f6rten. Diese wurden nicht mehr gebraucht, weil die Anstalt damals die eigene Feld- und Viehwirtschaft aufgab und ihre \u00c4cker verpachtete.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2638\" height=\"3812\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-Waisenhausplan-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1728\" style=\"width:412px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-Waisenhausplan-1.png 2638w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-Waisenhausplan-1-900x1300.png 900w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-Waisenhausplan-1-768x1110.png 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-Waisenhausplan-1-1063x1536.png 1063w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-Waisenhausplan-1-1417x2048.png 1417w\" sizes=\"auto, (max-width: 2638px) 100vw, 2638px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wir stehen demnach auf Zahns fr\u00fcherem Wirtschaftshof, wenn wir am Krankenhause vorbei zum n\u00e4chsten Geb\u00e4ude weitergehen. Hier wurde sein Brunnen erst vor 30 Jahren zugesch\u00fcttet. Er lag vor der T\u00fcr des sogenannten Roten Hauses, wie er einst bequem vor Zahns Haust\u00fcr gelegen haben mag. Hier stand also Zahns Haus. An dieser Stelle begann das gro\u00dfe Werk, von dem 200 Jahre lang Segen ausgegangen ist. Hier nahm Zahn 1744 f\u00fcr die eigenen Kinder einen Lehrer an und gab damit den Bewohnern der oberen Vorstadt zu einem unentgeltlichen Unterricht auch ihren Kindern gern Gelegenheit. Dann baute er sein Haus langsam aus, bis es au\u00dfer seiner Wohnung im Erdgescho\u00df dar\u00fcber Kammern f\u00fcr Waisen enthielt. Hier hat er dann nach \u00dcberwindung vieler Widerst\u00e4nde am 18. 3. 1754 die ersten Waisen aufgenommen. Nachdem er 1758 gestorben war, beanspruchte seine Familie das Haus, aber die Anstaltsleitung kaufte es 1762 f\u00fcr 2100 Taler und verwendete es als Wirtschaftsgeb\u00e4ude, bis es 1795 wegen Bauf\u00e4lligkeit abgerissen werden mu\u00dfte. Im gleichen Jahre trat das gro\u00dfe, lange, massive Haus an seine Stelle, vor dem wir jetzt stehen, das immer noch \u201eRotes Haus\u201c hie\u00df, obwohl es diese Farbe nur bis 1853 getragen hat. Wir werden es nachher betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir weitergehen, betreten wir den Anstaltshof in der Mitte einer langen Viereckseite. Schr\u00e4g links f\u00e4llt uns ein Denkmal auf, \u201eJesus, der Kinderfreund\u201c, von Professor Peter Breuer, Weihnachten 1902 aufgestellt, als Geschenk des Preu\u00dfischen Kultusministeriums. Am Hause dahinter sehen wir neben der T\u00fcr zwei Marmortafeln. Wir lesen auf der linken: \u201eVon dem Maurermeister Gottfried Zahn auf den alleinigen Fond der g\u00f6ttlichen Barmherzigkeit errichtet im Jahre 1755. Psalm 103,2\u201c, und auf der anderen: \u201eZur K\u00f6niglichen Anstalt erhoben von Friedrich Wilhelm III. 1803. Spr\u00fcche Sal. 16,15\u201c. Das erkl\u00e4rt uns den preu\u00dfischen Adler mit der goldenen Krone \u00fcber der Haust\u00fcr. 1902 schickte man sich also an, ein 150- und ein 100j\u00e4hriges Jubil\u00e4um zu feiern. Das Denkmal stellt in \u00dcberlebensgr\u00f6\u00dfe dar, wie der g\u00f6ttliche Herr drei Kinder beh\u00fctet, die sich in seinem Schutz wohlf\u00fchlen. Gewi\u00df die rechte Erinnerung f\u00fcr alle, die an einer Waisen- und Schulanstalt erziehen und erzogen werden. Die Gruppe ist aus einem Block rein wei\u00dfen, feink\u00f6rnigen Marmors gehauen, den der K\u00fcnstler selbst in Carrara ausgew\u00e4hlt hat. Er hat dann den rechten Platz auf dem Anstaltsgel\u00e4nde gesucht und ihn vor der schmalen Mitte, zwischen den Fl\u00fcgeln dieses Geb\u00e4udes gefunden. Wie das Haus diese Gruppe einrahmt, so soll es auch christliche Liebe umschlie\u00dfen. Denn dieses Geb\u00e4ude, das sogenannte \u201eAlte Haus\u201c, ist das Waisenhaus, das Zahn zu bauen begonnen hat, um seinen Waisen ein eigenes Heim zu bieten. Er plante ein Geb\u00e4ude, nicht wie es seine geringen Mittel gerade noch zulie\u00dfen, sondern im Vertrauen auf Gottes Hilfe so gro\u00df und so ger\u00e4umig, wie er es f\u00fcr seine Waisen w\u00fcnschte. Er begann nur mit dem linken Fl\u00fcgel. Zuerst entstand hier ein gro\u00dfer Andachtsraum, der keller- und Erdgescho\u00df einnahm, mit gew\u00f6lbter Decke auf viereckigen Pfeilern. Hier predigte sp\u00e4ter Ernst Gottlieb Woltersdorf, der zweite Geistliche der Stadt, der Direktor des Waisenhauses nach Zahn, bei solchem Zulauf, da\u00df sich die H\u00f6rer auf dem Hof vor der offenen T\u00fcr dr\u00e4ngten. Der Bau, in den Jahren des Siebenj\u00e4hrigen Krieges m\u00fchsam weitergef\u00fchrt, wurde 1764 vollendet. Dann enthielt er die Wohnung des Direktors, eines Lehrers, der Waisenmutter, dazu Wohn- und Schlafr\u00e4ume f\u00fcr alle Waisen, deren zwei Gruppen oder Familien sp\u00e4ter die Namen \u201eZahn\u201c und \u201eWoltersdorf\u201c f\u00fchrten. 1841 wurde es um 1 1\/2 Stockwerke erh\u00f6ht und flach mit Zinkplatten gedeckt. Nach den Freiheitskriegen waren inzwischen die Andachten und die Gottesdienste in den gro\u00dfen Betsaal des Nachbargeb\u00e4udes verlegt worden, man brauchte den Kellerraum nicht mehr daf\u00fcr. Man unterteilte ihn durch eine h\u00f6lzerne Zwischendecke und erhielt \u00fcber Lagerkellern einen gro\u00dfen Schlafsaal. 1929 wurde die Decke massiv eingezogen, unten eine Heizung f\u00fcr alle H\u00e4user eingebaut und dar\u00fcber Wohnraum geschaffen. Schon 1925 hatte man dem Dach die alte Sattelform gegeben, dabei das ganze Haus mit einem vorkragenden Gesims aus Sandstein umzogen und so den bescheidenen Bau aus karger Kriegszeit den anderen H\u00e4usern angeglichen. 1841, mehr noch 1929 wurde der gro\u00dfe Hof geebnet. Dabei ist leider die (vermauerte) T\u00fcr des alten Anstaltsraumes zur H\u00e4lfte in der Erde verschwunden, womit diese ehrw\u00fcrdige St\u00e4tte der Erinnerung viel verloren hat. Hier an dieser Ecke steckt auch der Grundstein im Mauerwerk, der einst mit gro\u00dfer Feierlichkeit angelegt worden ist. 1929 hat man ihn vergebens gesucht, aber seine Inschrift ist bekannt, sie lautet in deutscher \u00dcbersetzung: \u201eUnter g\u00f6ttlichem Walten, als Friedrich II. K\u00f6nig von Preu\u00dfen und oberster Herzog in Schlesien, Rostkovius und K\u00f6hler B\u00fcrgermeister dieser Stadt, J\u00e4rschky und Woltersdorf Pastoren, Gottfried Zahn Waisenvater waren, w\u00e4hrend in ganz Europa Frieden bl\u00fchte und das Licht der reinen Lehre strahlte, ist der Grund zu diesem Haue gelegt. 5. 4. 1755.\u201c Nun h\u00fctet ihn die Erde weiter, sonst h\u00e4tten ihn wohl die Polen entfernt, wie sie die Tafeln und den Adler beseitigt und das Denkmal an den Eingang des neuen Friedhofes am Wehrberg versetzt haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1908\" height=\"1350\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-10055-Richter-Lehrerseminar.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1729\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-10055-Richter-Lehrerseminar.jpg 1908w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-10055-Richter-Lehrerseminar-1300x920.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-10055-Richter-Lehrerseminar-768x543.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-10055-Richter-Lehrerseminar-1536x1087.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1908px) 100vw, 1908px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Das neue Klassenhaus. Aus Bildsammlung B\u00fcrgermeister Henry Richter<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Von diesem Haus f\u00fchrt ein Durchgang \u00fcber drei Torbogen ins Nachbarhaus. Er stammt aus der napoleonischen Zeit. Damals war die Anstalt als Lazarett belegt. Im Konferenzzimmer im ersten Stock wurde operiert und verbunden. Um die Kranken leichter in die R\u00e4ume des anderen Geb\u00e4udes bringen zu k\u00f6nnen, legte man behelfsm\u00e4\u00dfig diese gedeckte Br\u00fccke an, die dann vor der Jahrhundertfeier 1853 massiv ausgebaut wurde. Bis zuletzt hie\u00df sie \u201eDer Franzosengang\u201c. Er beschw\u00f6rt sehr ernste Bilder: wie der Direktor mit seinen Waisen 1813 fl\u00fcchtet, jedes mit zwei Broten, einem T\u00f6pfchen Butter und einem S\u00e4ckchen Salz, wie sie, ihrer Lebensmittel beraubt, zur\u00fcckkehren und alles zertr\u00fcmmert, verw\u00fcstet, leer finden, wie ringsum in den Wachtfeuern M\u00f6bel, B\u00fccher und Akten in Flammen aufgehen, wie sich dann eine typh\u00f6se Seuche verbreitet, so da\u00df t\u00e4glich zwanzig Leichen im Hof liegen,- und die flehendlichen Bitten des Direktors werden von Napoleon nicht beachtet! Ein Denkmal kriegerischer Tage ist dieser Franzosengang. Seine grauen Sandstein-quadern scheinen von einem r\u00f6mischen Kastell zu stammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Nachbarhaus ist mit drei Stockwerken auf hohem Sockel das gr\u00f6\u00dfte und vornehmste im Viereck des Hofes. Schwache Pilaster gliedern leise die stattliche Front von 17 Fenstern, die Mitte wird durch gebogene Fensterst\u00fcrze, vor allem durch das feine Portal in sp\u00e4tbarocken Formen \u00fcber der Freitreppe mit durchbrochenen Wappen und Pinienzapfen hervorgehoben. Angeh\u00f6rige der schlesischen Adelsfamilie von Richthofen haben das Geld zu diesem Bau vorgestreckt. 1777 begonnen, wurde er 1779 zur 25-Jahrfeier eingeweiht. Damals hatte sich die Anstalt bereits einen Namen erworben. Vornehme Familien wollten ihr ihre S\u00f6hne zur Erziehung anvertrauen. So brauchte man ein Haus f\u00fcr die zahlenden Z\u00f6glinge, daher der Name \u201ePension\u00e4rshaus\u201c im Gegensatz zum Waisenhaus oder \u201eNeues Haus\u201c \u2013 Altes Haus. Durch das Portal trat man in einen Empfangsraum mit h\u00fcbscher Stuckdecke, von dem aus die steinerne Treppe in einem Ausbau in der Mitte der Hinterfront nach oben f\u00fchrte. In den beiden unteren Stockwerken wohnten links und rechts je eine Knabenfamilie von etwa 20 Sch\u00fclern, deren R\u00e4ume das Amtszimmer ihres Lehrers einschlossen. Die Familien hie\u00dfen nach den damaligen Wohlt\u00e4tern der Anstalt, den vom Staat gesetzten Kuratoren, die selbstlos und gewissenhaft gesorgt haben, die Edelleute Callenberg, Richthofen, Tempsky, Stolberg. &nbsp;Das dritte Stockwerk wurde von dem gro\u00dfen Saal f\u00fcr Andachten, Feiern, Examen eingenommen. Familienlehrer zu sein, ist kein leichtes Amt. Anfangs mu\u00dften alle Lehrer, bis auf den Direktor, unverheiratet bleiben. Als nach den Freiheitskriegen der Anstalt Pestalozzi-Sch\u00fcler als Lehrer \u00fcberwiesen wurden, waren 1815 Henning und Kawerau und 1820 Zehme verheiratet. Als Kawerau 1828 Direktor wurde, erwirkte er, da\u00df alle Lehrer heiraten durften. Man hoffte, da\u00df durch die Frauen der Lehrer die Erziehung der Sch\u00fcler gewinnen w\u00fcrde. Um Wohnungen zu schaffen, wurden 1819\/20 nach Osten zwei dreist\u00f6ckige Fl\u00fcgel angebaut. So hatte jeder der vier Familienlehrer seine Wohnung in n\u00e4chster N\u00e4he seiner Knabenfamilie. Au\u00dferdem war noch Platz f\u00fcr zwei weitere Wohnungen. Jeder Fl\u00fcgel bekam eine h\u00f6lzerne Treppe. Aus der Wohnung im Erdgescho\u00df des n\u00f6rdlichen Fl\u00fcgels wurden 1851 Wasch-, Dusch- und Bader\u00e4ume geschaffen. Nachdem der Betsaal 1917 durch die Aula im neuen Klassenhaus ersetzt war, wurde er 1925 aufgeteilt. Es entstanden in der Mitte zwei Schlafr\u00e4ume und an den Ecken des Hauses zwei Lehrerwohnungen. Schlie\u00dflich wurden 1934 f\u00fcr die bisherigen drei Aufg\u00e4nge zwei ger\u00e4umige, moderne Treppenh\u00e4user zu beiden Seiten der R\u00fcckseite angef\u00fcgt. Dann war dieser repr\u00e4sentativste Bau der Anstalt aufs beste ausgenutzt und hergerichtet. Er sah aus wie das Schlo\u00df eines wohlhabenden Landedelmannes. Das gr\u00f6\u00dfte Fest, das der Betsaal gesehen hat, war sicher die Erhebung zur k\u00f6niglichen Anstalt am 3. 8. 1803, dem Geburtstag des K\u00f6nigs. Wie einst der gro\u00dfe Friedrich dem entschlossenen Willen Zahns freie Bahn gew\u00e4hrt hatte, so hat sein Gro\u00dfneffe Friedrich Wilhelm III. das Bestehen der Anstalt gesichert, indem er die Schulden auf die Staatskasse \u00fcbernahm und laufende Zusch\u00fcsse zusicherte. In dankbarer Erinnerung daran stand die B\u00fcste des K\u00f6nigs in der mittleren Fensternische des Betsaales. Deshalb breitete auch an diesem Portal der preu\u00dfische Adler seine Krone \u00fcber jeden, der hier aus- und einging. Links daneben verk\u00fcndete eine Tafel: \u201eDeo et Patriae in memoriam L(iber) B(aron) Richthofianum MDCCLXXIX\u201c. Rechts hielt eine Tafel den Dank f\u00fcr die gr\u00fcndliche Erneuerung des Hauses aus staatlichen Mitteln vor dem Jubeljahr 1954 in Erinnerung. Wie am Alten Haus besonders die Gr\u00fcndung der Anstalt auf Gottvertrauen bezeugt wurde, so hier am Neuen Haus vor allem die Verbindung mit dem Staat.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1076\" height=\"672\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-116-Waisenhaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1730\" style=\"width:356px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-116-Waisenhaus.jpg 1076w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-116-Waisenhaus-768x480.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1076px) 100vw, 1076px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Das \u201eGymnasiastenheim\u201c<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Dem Pension\u00e4rshaus gegen\u00fcber steht das schon erw\u00e4hnte \u201eRote Haus\u201c, ebenso langgestreckt, aber nur Zweist\u00f6ckig. Hier waren au\u00dfer Wohnungen im im ersten Stock die Rendantur, die Kasse, Vorratsr\u00e4ume, B\u00fccherei und Sammlungen untergebracht und vor allem ein f\u00fcr das Bestehen des Waisenhauses nach den Teuerungsjahren von 1772\/73 in den n\u00e4chsten 30 Jahren ganz besonders wichtiges Unternehmen, die Druckerei. 1767 machte der Kurator Freiherr von Gr\u00fcnfeld dieses hochherzige Geschenk, und damit konnte die Anstalt das in der Stiftungsurkunde verliehene Privilegium, eine Druckerei und Buchhandlung auf eigene Kosten halten zu d\u00fcrfen, endlich ausnutzen. Bis dahin hatte Bunzlau keine eigene Druckerei, alles mu\u00dfte in Jauer gedruckt werden. 1774 entschlo\u00df sich der Direktor Christian Ludwig Woltersdorf, der j\u00fcngere Bruder und Nachfolger von Ernst Gottlieb, zum Besten der Anstalt eine Zeitschrift herauszugeben. Diese \u201eBunzlauer Monathsschrift zum Nutzen und Vergn\u00fcgen\u201c wurde eines der &nbsp;ersten Unterhaltungsbl\u00e4tter Deutschlands, kam auf 4000 Bezieher und hat sich 34 Jahre in Bl\u00fcte erhalten, bis zur Franzosenzeit. Als sie einging, verlor auch die Druckerei ihre Bedeutung f\u00fcr die Anstalt, sie wurde daher 1817 an die Stadt verpachtet, weil man die auch die R\u00e4ume f\u00fcr andere Zwecke brauchte. 1816 war inzwischen ein Volksschullehrerseminar der Anstalt angeschlossen worden. Die Seminaristen hatten im Waisenhaus die M\u00f6glichkeit, die unterrichtliche und erzieherische Einwirkung geriefter P\u00e4dagogen auf Kinder zu beobachten. Aber da die Knaben erst mit neun oder zehn Jahren eintraten, fehlte der Umgang mit den ersten Schuljahren. Daher wurde im Mai 1818 eine besondere Seminarschule f\u00fcr arme Kinder der Obervorstadt eingerichtet. Sie gew\u00e4hrte freie Lernmittel und wurde daher Freischule genannt. Besondere Verdienste um sie erwarb sich in jahrelanger, treuer Arbeit Dr. Johann Heinrich Kr\u00fcger, dem die Stadt 1835 das Ehrenb\u00fcrgerrecht verlieh. Die Schule hat bis zur Aufl\u00f6sung des Seminars 1925 bestanden. Nun betrachten wir das Haus gegen\u00fcber dem Alten Hause, das zuletzt das Heim der Gymnasiasten unter den Sch\u00fclern war. Wir wissen schon, da\u00df fr\u00fcher hier das Haus des Getreideh\u00e4ndlers Otto stand. Wie froh war Zahn, als dieser katholische Mann es ihm in Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Pl\u00e4ne des Nachbarn anbot! Zahn hoffte damit seine Stiftung von seinem eigenen Hause unabh\u00e4ngig zu machen. So kaufte er es 1754 f\u00fcr geliehene 600 Taler. Er begann es sofort umzubauen, aber schon im n\u00e4chsten Jahre gen\u00fcgte es nicht, er entschlo\u00df sich zum Neubau gegen\u00fcber, und als der 1764 vollendet war, ri\u00df man das Otto\u2019sche Haus ab. Ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter wollte die preu\u00dfische Regierung das Schulwesen des Landes nach den Ideen Pestalozzis gestalten. Seine Gedanken f\u00fcr Volksbildung und Jugenderziehung, seine hingebende Liebe und selbstlose Begeisterung sollen den neuen Weg f\u00fcr die Bildung des neuen Geschlechts weisen. Schon 1809 waren junge M\u00e4nner &nbsp;nach der Schweiz geschickt worden, die w\u00e4hrend einiger Jahre in seiner N\u00e4he in seinen Geist hineinwachsen sollten. 1815 wurde dann die Bunzlauer Anstalt dazu bestimmt, die Pflanzst\u00e4tte f\u00fcr diesen neuen Geist zu werden durch den neuen Direktor, Karl Friedrich Hoffmann, einen Verehrer Pestalozzis, und drei Pestalozzij\u00fcnger, Dreist, Henning und Kawerau, zu denen sp\u00e4ter noch zwei kamen, Dr. K\u00fcger und Zehme. Am 14. 10. 1816 wurde das Volksschullehrerseminar von Liegnitz hierher verlegt, und dann machte das eifrige Wirken dieser M\u00e4nner das Bunzlauer Waisenhaus zu einer segensreichen St\u00e4tte praktischer Durchf\u00fchrung Pestalozzischer Ideen. Das Seminar brauchte Raum. 1823\/24 \u2013 also gleichzeitig mit dem Krankenhaus \u2013 wurde auf dem freien Platz des Otto\u2019schen Hauses das zweist\u00f6ckige Klassenhaus mit sieben gro\u00dfen, hellen Unterrichtszimmern errichtet, mit einem Musiksaal, der auch als Zeichensaal diente, mit B\u00fccherei und Lehrmittelzimmer, der Direktorwohnung und zwei Zimmern und einem Schlafsaal f\u00fcr Semiaristen. 1850 baute man im Dachgescho\u00df einen Physiksaal mit Sammlungsraum ein. In diesem Hause sind bis zur Aufl\u00f6sung des Seminars 1925 1545 Lehrer ausgebildet worden. Die Zahl gibt eine Vorstellung von der Bedeutung der Bunzlauer Anstalt f\u00fcr Schlesien. Dazu f\u00fchlt der aufgeschlossene Beobachter an dieser Stelle den Geist, den die jungen Lehrer von hier mitnehmen und weitertragen sollten; denn genau gegen\u00fcber dem Portal des Seminars liegt der Eingang des Alten Hauses mit dem Christusdenkmal, den Tafeln und dem staatlichen Adler. Hier lebt die Erinnerung an das Gottvertrauen, die Staatsgesinnung und die edle Humanit\u00e4t Pestalozzis, denen sich Gr\u00fcnder, Leiter und Lehrer verpflichtet f\u00fchlten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1070\" height=\"692\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-179-Waisenhaus-Tempski.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1731\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-179-Waisenhaus-Tempski.jpg 1070w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-179-Waisenhaus-Tempski-768x497.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1070px) 100vw, 1070px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Wohnzimmer \u201eTempski\u201c<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die schmale Nordseite des Hofes zwischen dem Alten und dem Klassenhause schlie\u00df das Speisehaus ab. Sein Kellergescho\u00df auf der Hofseite ist von au\u00dfen, von der Nordseite her, Erdgescho\u00df. Da zieht eine Talsenke vor\u00fcber, in der eine Wasserader vom Dr\u00fcsselberg zum Queckbrunnen l\u00e4uft. Als im Herbst 1837 der Grund gegraben wurde, versiegte der Queckbrunnen, es entstand ein Streit mit der Stadt, der nur durch die pers\u00f6nliche Vermittlung des Oberpr\u00e4sidenten von Merckel beigelegt werden konnte, der gerade auf seinem Gut Thomaswaldau weilte. Tag und Nacht mu\u00dften alle Arbeiter angestrengt schaffen, dann flo\u00df die Quelle wieder, bis der Queckbrunnen 100 Jahre sp\u00e4ter endg\u00fcltig versiegte, weil das st\u00e4dtische Wasserhebewerk den Zuflu\u00df weiter drau\u00dfen anschnitt. Die unteren R\u00e4ume des Hauses enthalten die K\u00fcche, die zuletzt mit allen modernen Einrichtungen einer gro\u00dfen Gemeinschaftsk\u00fcche versehen war, und weitere Vorratsr\u00e4ume, die sich in die Keller des Klassenhauses hineinzogen. Das n\u00e4chste Stockwerk nahm der gro\u00dfe Speisesaal ein, der seit 1853 mit der K\u00fcche durch einen Aufzug f\u00fcr die Speisen verbunden war. Dar\u00fcber wohnten eine Lehrerfamilie, die K\u00fcchenvorsteherin und ihr Personal. Vor der Jahrhundertfeier erhielt das Haus ferner einen kleinen Giebel im breiten Dach der Hofseite mit einer Uhr, die die Stunden schlug. Damit war ein langer Wunsch erf\u00fcllt. Bis dahin zeigte alle Augenblicke eine von den drei Glocken am Speise-, am Pension\u00e4r- und am Klassenhause einen Abschnitt im Tagesablauf an. Freilich machte die Uhr das L\u00e4uten nicht ganz \u00fcberfl\u00fcssig, man h\u00f6rte es als Ruf zu den Mahlzeiten bis zuletzt \u00fcber die ganze Stadt. Die Polen haben Giebel und Uhr entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gegen\u00fcberliegende Schmalseite des Hofes wurde seit 1844 durch einen massiven Bau zur Aufbewahrung von Brennmaterial abgeschlossen. Daneben blieb eine verschlie\u00dfbare Durchfahrt von der Sch\u00fctzenstra\u00dfe her. Die Geb\u00e4ude sind also zu recht verschiedenen Zeiten entstanden. Das sieht man ihnen an. Man vergleiche Freitreppe und Eingang am Neuen Haus und am alten Klassenhaus; sie sprechen dort von Barock und hier von Klassizismus. Die schlichten W\u00e4nde des Alten Hauses lassen die karge Zeit des Siebenj\u00e4hrigen Krieges erkennen, das ansehnliche Pension\u00e4rshaus verr\u00e4t seine adlige Herkunft, das Rote Haus zeigt wirtschaftliche Sparsamkeit, das alte Klassenhaus die ernste W\u00fcrde seines Auftrages. Und doch machte der ganze Hof einen einheitlichen Eindruck. Der Zweck bestimmte die Bauform. K\u00fcnstlerischer Schmuck f\u00fcgt sich sparsam in die klar gegliederten Fronten; alle sind einfach, aber mit sicherem Willen geformt. Hier lebte schlichter, sachlicher, preu\u00dfischer Geist, genau wie einst im Hofe des gro\u00dfen Potsdamer Waisenhauses. Dort wie hier traten \u00fcber ein Jahrhundert lang die Waisen in milit\u00e4rischen Uniformen an, an Festen exerzierten sie mit Fahne und Musik. Vergangen Zeit \u2013 aber sie klingt nach in der ernsten Geschlossenheit des gro\u00dfen Vierecke.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1089\" height=\"708\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-178-Waisenhaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1732\" style=\"width:398px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-178-Waisenhaus.jpg 1089w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-178-Waisenhaus-768x499.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1089px) 100vw, 1089px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Der Speisesaal<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nun gehen wir unter dem Franzosengang hindurch auf die Siegeseiche von 1871 zu, die sich zu einem m\u00e4chtigen Raum mit voller Krone entwickelt hat. Seit alter Zeit lag hinter dem Alten Hause ein Hausgarten \u2013 in den ersten Jahren betreute hier jeder Sch\u00fcler ein Beet \u2013 und der W\u00e4scheplatz. Daran vor\u00fcber f\u00fchrte einst der Weg ins freie Feld. Zahn geh\u00f6rte das Land bis etwa zum h\u00f6chsten Punkt rechts, auf dem heute B\u00e4nke unter schattigen Linden zum Verweilen einladen. Anschlie\u00dfend hatte die Stadt am 26. 10. 1759 den Besitz der Anstalt wesentlich nach Osten hin erweitert, um deren wirtschaftliche Grundlage sichern zu helfen. Als das Waisenhaus 1823 die b\u00e4uerliche Eigenwirtschaft aufgab, legte man hier einen Spielplatz und einen Garten mit Hecken und B\u00e4umen f\u00fcr die Sch\u00fcler an. Der gr\u00f6\u00dfte Teil dieser Anlagen wurde fast 100 Jahre sp\u00e4ter Baugel\u00e4nde f\u00fcr das neue Klassenhaus und Tummelplatz f\u00fcr die Sch\u00fcler in den Pausen, nur die sch\u00f6nen Linden sind noch erhalten. Die gro\u00dfe Ackerfl\u00e4che, die sich weit hinaus am Sch\u00fctzenplatz entlangzog, gestalteten G\u00e4rtner von den k\u00f6niglichen Schl\u00f6ssern in Potsdam zu einem Garten, in dem zu beiden Seiten eines langen Mittelweges die Lehrer ihre Parzellen bebauten. Damals wurde auch der Sch\u00fctzenplatz mit B\u00e4umen aus den k\u00f6niglichen Baumschulen bepflanzt. Zur gleichen Zeit entstand ein Turnplatz, f\u00fcr den die Stadt 1822 Land n\u00f6rdlich vom Lehrergarten geschenkt hatte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1087\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-7-1115-Jesus-Kinderfreund.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1733\" style=\"width:198px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Marmorgruppe \u201eJesus der Kinderfreund\u201c<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Als in der &nbsp;Mitte des Jahrhunderts nach einem Besuch von Professor Ma\u00dfmann aus Berlin das Turnen der Anstalt neu belebt wurde, bekam &nbsp;der Platz neue Ger\u00e4te und im letzten Jahrzehnt vor 1900 auch eine Turnhalle. Nach der Jahrhundertwende machten die wachsende Sch\u00fclerzahl und die moderne Unterrichtsweise mehr und gr\u00f6\u00dfere Unterrichtsr\u00e4ume n\u00f6tig. Trotz des Krieges wurde der Bau des \u201eNeuen Klassenhauses\u201c im Herbst 1914 begonnen und im M\u00e4rz 1917 bezogen. Regierungsbaumeister Clingestein schuf einen m\u00e4chtigen Hakenbau an Waisenhaus- und Sch\u00fctzensta\u00dfe, gegen\u00fcber der Keramischen Schule, fest und solide gebaut, in schlichten aber w\u00fcrdigen Formen, die an die alten H\u00e4user anklingen. Das n\u00f6rdliche Erdgescho\u00df nahm die Freischule auf, das \u00f6stliche die Mittelschule. Im ersten Stock bekamen Seminaristen und Pr\u00e4paranden ihre Unterrichtsr\u00e4ume. Dar\u00fcber lagen Aula, Musiksaal, Zeichen-saal und ein Chemie\/Physikzimmer mit Sammlungsr\u00e4umen. An den \u00f6stliche Fl\u00fcgel schlo\u00df sich das Wohnhaus des Direktors. Nur wenige Jahre war das Haus so belegt, weil von 1920 ab die Lehrerbildungsanstalt abgebaut wurde. Die freiwerdenden R\u00e4ume bezog die seit Ostern 1923 wachsende Aufbauschule. Au\u00dferdem entstand der Plan, das Gymnasium, das seit 1921 wieder zur Anstalt geh\u00f6rte, wie schon von 1886 bis 1906 , aus seinem Geb\u00e4ude in der Stadt in das gro\u00dfe Klassenhaus aufzunehmen. Daf\u00fcr wendete der Staat 1929 eine halbe Million Mark auf. Der n\u00f6rdliche Fl\u00fcgel wurde um mehrere Fensterachsen verl\u00e4ngert, der andere Fl\u00fcgel aufgestockt, so da\u00df ein zweiter Zeichensaal, ein Erdkundelehrraum mit Sammlungszimmer und f\u00fcr jedes der drei natur-wissenschaftlichen F\u00e4cher Physik, Chemie und Biologie Lehr-, \u00dcbungs- und je drei Sammlungszimmer entstanden, alles neuzeitlich aufs beste eingerichtet. Auch die Turnhalle wurde erweitert. Dusch- und sonstige Nebenr\u00e4ume wurden angebaut. Das Gel\u00e4nde bis zum ehemaligen Galgenh\u00fcgel wurde angekauft und nun ein gro\u00dfer, moderner Sportplatz geschaffen mit Aschenbahn und \u00dcbungsst\u00e4tten, auch Tennispl\u00e4tzen. Das neue Klassenhaus entlastete die alten Geb\u00e4ude wesentlich, so da\u00df nicht nur die Sch\u00fclerzahl des Alumnats erh\u00f6ht, sondern auch die Belegung der R\u00e4ume gelockert werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1938\" height=\"1347\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-10051-Richter-Hof-der-Waisenhausanstalt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1734\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-10051-Richter-Hof-der-Waisenhausanstalt.jpg 1938w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-10051-Richter-Hof-der-Waisenhausanstalt-1300x904.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-10051-Richter-Hof-der-Waisenhausanstalt-768x534.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-10051-Richter-Hof-der-Waisenhausanstalt-1536x1068.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1938px) 100vw, 1938px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Der Hof der Waisenanstalt. Aus Bildsammlung B\u00fcrgermeister Henry Richter<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>So hat sich das Waisenhaus im Laufe von fast zwei Jahrhunderten aus einem kleinen, \u00e4rmlichen Anfang zu einer der gr\u00f6\u00dften Schulanstalten unserer Heimat entwickelt, weil es immer bem\u00fcht mit den jeweiligen Anforderungen Schritt hielt. 1945 waren alle seine Einrichtungen auf der H\u00f6he der Zeit. [&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstver\u00f6ffentlichung in \u201eDer Bunzlauer Kreis an Bober und Queis\u201c. 2. v\u00f6llig neu bearbeitete Auflage 1964, S. 339-351. Hrsg. v. Bundesheimatgruppe Bunzlau in Siegburg. Autor: Karl Springer Nach der Jahrhundertwende hatte die Stadt mit ihren H\u00e4usern l\u00e4ngst die Waisen- und Schulanstalt umschlossen; einst aber lag das \u201eWaisenhaus vorm Bunzel\u201c weit au\u00dferhalb [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-1725","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte-vor-1945"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1725","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1725"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1725\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2245,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1725\/revisions\/2245"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1725"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1725"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1725"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}