{"id":1696,"date":"2024-07-05T17:29:40","date_gmt":"2024-07-05T15:29:40","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1696"},"modified":"2024-07-05T17:32:49","modified_gmt":"2024-07-05T15:32:49","slug":"3-jahre-schlesisches-landestheater-bunzlau-1925-1928","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/05\/3-jahre-schlesisches-landestheater-bunzlau-1925-1928\/","title":{"rendered":"3 Jahre Schlesisches Landestheater Bunzlau 1925 \u2013 1928"},"content":{"rendered":"\n<p>Herausgegeben von der Theaterleitung<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1085\" height=\"696\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/B245-Stadttheater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1697\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/B245-Stadttheater.jpg 1085w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/B245-Stadttheater-768x493.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1085px) 100vw, 1085px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die niederschlesische Stadt Bunzlau mit ihren 18843 Einwohnern liegt in landschaftlich angenehmer und gesunder Gegend am rechten Boberufer, an der Stelle, wo die uralte Heerstra\u00dfe von N\u00fcrnberg nach dem fernen Osten den vielfach ver\u00e4stelten Gebirgsflu\u00df \u00fcberschreitet. An den gro\u00dfen Weltverkehr ist sie seit 1845 durch die ehemals Niederschlesisch-M\u00e4rkische Eisenbahn angeschlossen, deren 35 hohe Steinbogen umfassender Viadukt eine Zierde des lieblichen Bobertales ist. Ihr Erwachen zu Stadt um das Jahr 1190 wird dem Piastenherzog Boleslaus Saevus zugeschrieben. Eine Kehrseite hatte die Lage an der Heerstra\u00dfe: oft wiederkehrende Bedr\u00e4ngnis durch Kriegsv\u00f6lker. Der russische Heerf\u00fchrer F\u00fcrst Kutusow, der 1813 hier starb, hat auf der mit alten Mauert\u00fcrmen gezierten, die Stadt umg\u00fcrtenden Promenade ein gusseisernes Denkmal.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2015\" height=\"1254\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-Landestheater-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1698\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-Landestheater-2.jpg 2015w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-Landestheater-2-1300x809.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-Landestheater-2-768x478.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-Landestheater-2-1536x956.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2015px) 100vw, 2015px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1424 wurde hier die Reformation eingef\u00fchrt. 1594 kaufte die Stadt vom Kaiser die Burglehng\u00fcter und legte damit den Grund zu einem reichen Forstbesitz, der infolge neuerer Erwerbungen auf rund 16800 Hektar angewachsen ist.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1588\" height=\"1621\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-Landestheater-0a-Kopie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1699\" style=\"width:351px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-Landestheater-0a-Kopie.jpg 1588w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-Landestheater-0a-Kopie-1274x1300.jpg 1274w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-Landestheater-0a-Kopie-768x784.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-Landestheater-0a-Kopie-1505x1536.jpg 1505w\" sizes=\"auto, (max-width: 1588px) 100vw, 1588px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Manch ber\u00fchmter Mann ist in Bunzlau geboren, so 1597 der Dichterf\u00fcrst Martin Opitz von Boberfeld, der auch 1627 den Text zu der ersten deutschen Oper \u201eDaphne\u201d f\u00fcr eine F\u00fcrstenhochzeit zu Torgau schrieb, der Dichter Andreas Tscherning 1611, in neuerer Zeit 1820 der S\u00fcdamerikaforscher Appun. Die Stadt weist in malerischen Geb\u00e4uden, manche aus der Zeit des Barock, ja Spuren der Renaissance und der Sp\u00e4tgotik auf, so die katholische Kirche, in ihrer jetzigen Form von 1482, die sch\u00f6nen Rathauss\u00e4le Wendl Roskopfs von 1525. Seit 1531 hat Bunzlau Wasserleitung und durchgef\u00fchrte Rieselfelder. Bunzlau, seit Jahr und Tag zum Sitze des Schles. Landestheaters erw\u00e4hlt, war von jeher eine Stadt der Bildungspflege, eine Schulstadt und eine St\u00e4tte des Theaters und der Musik. Schon aus alter zeit werden wiederkehrende Schulauff\u00fchrungen erw\u00e4hnt. Die von Tischler Jakob 1784 bis 1797 erbaute, das Leiden Christi darstellende sogenannte Singuhr ist sicher eine der ersten Drehb\u00fchnen von Deutschland. 1857 beschlo\u00df die Stadt den Ausbau des ehemaligen Zeughauses zu einem Theater f\u00fcr 650 Personen. Der katholische Kantor Knauer gr\u00fcndete 1864 in unseren Mauern den Niederschlesischen S\u00e4ngerbund.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"809\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-Landestheater-4a.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1700\" style=\"width:261px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Hermann Zahr, Gesch\u00e4ftlicher Leiter<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der zunehmende Wohlstand der Stadt beruht au\u00dfer der Sandsteinbearbeitung und manchen andern neuzeitlichen Industriezweigen besonders auf der hier seit undenklichen Zeiten bl\u00fchenden keramischen Industrie. Die Bunzlauer braunen Kaffeekannen und der als Handwerkskunstst\u00fcck hier 1753 errichtete \u201eGro\u00dfe Topf\u201d haben den Namen Bunzlaus in alle Welt getragen. Hier war der Sitz der Lahmglasur. Seit Anfang November 1897 besteht hier die gut geleitete staatliche keramische Fachschule.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder, der unsere Stadt betritt, wird durch die hier herrschende Ordnung und Reinlichkeit angenehm ber\u00fchrt sein. Die \u00f6ffentlichen Angelegenheiten, die Finanzen und nicht zuletzt die ausgedehnte soziale F\u00fcrsorge sind sichtlich in guten H\u00e4nden. Wir m\u00fcssen es uns versagen, Einzelheiten anzuf\u00fchren und erw\u00e4hnen nur die Sportpl\u00e4tze und das Schwimmbad im Bobergel\u00e4nde, die hochmoderne Volksb\u00fccherei, die Tuberkulosen-Kolonie, die Waldschule im nahen Stadtwalde sowie die gartenreichen Neuzeit-Siedlungen im Norden und S\u00fcden der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zum Geleit<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"801\" height=\"1075\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-Landestheater-4b.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1701\" style=\"width:261px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-Landestheater-4b.jpg 801w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-Landestheater-4b-768x1031.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Albert Heinemann, K\u00fcnstlerischer Leiter<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das Schlesische Landestheater wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen von dem Verband der Deutschen Volksb\u00fchnenvereine, der als f\u00fchrende Theaterbesucherorganisation eine Reihe von gemeinn\u00fctzigen Wanderb\u00fchnen unterh\u00e4lt, die unter Ausschaltung privater Erwerbsinteressen lediglich der Kultur- und Kunstpflege dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schlesische Landestheater hat seinen Sitz in Bunzlau, und ihm ist die Aufgabe gestellt, die theaterlosen St\u00e4dte Schlesiens mit k\u00fcnstlerisch wertvollen Auff\u00fchrungen zu versorgen. Das vorliegende Heft soll r\u00fcckschauend einen Ueberblick gew\u00e4hren \u00fcber die Arbeitsleistung der drei ersten Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind uns bewusst, da\u00df nicht alles vollkommen war, was in dieser Zeit des Aufbaues erreicht wurde, aber wir f\u00fchlen uns festen Glaubens, auf dem richtigen Wege zu sein, und in dieser Ueberzeugung \u00fcberlassen wir das Urteil \u00fcber unsere T\u00e4tigkeit allen an unserer Arbeit interessierten Menschen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1177\" height=\"1651\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-Landestheater-3-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1703\" style=\"width:273px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-Landestheater-3-1.jpg 1177w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-Landestheater-3-1-927x1300.jpg 927w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-Landestheater-3-1-768x1077.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-Landestheater-3-1-1095x1536.jpg 1095w\" sizes=\"auto, (max-width: 1177px) 100vw, 1177px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Burmann, Erster B\u00fcrgermeister von Bunzlau<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wenn es gelang, dem Theater die erstrebte Form zu geben, in geregeltem Betrieb sorgf\u00e4ltig vorbereitete Darbietungen zu bringen und M\u00e4ngel auszuschalten, die einem Wandertheater leicht anhaften k\u00f6nnen, ist es der Stadt Bunzlau zu danken, die dem Unternehmen in ihrem neuzeitlich eingerichteten Stadttheater das Heim bietet, in dem Leistungen entstehen, den Organisationen der Spielorte und den f\u00fchrenden M\u00e4nnern, die mit Einsatz ihrer Pers\u00f6nlichkeit dem Theater die Spielm\u00f6glichkeit schaffen sowie dem Staat, der Provinz und den Kommunen, die zusammenwirkend ideell und materiell das Werk f\u00f6rdern und unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsame Arbeit machte das Schlesische Landestheater zu einem nicht mehr wegzudenkenden Kulturfaktor in unserer engeren Heimat; und somit sei all unseren Mitarbeitern und Freunden dieses Sonderheft dankbarst zugeeignet.<\/p>\n\n\n\n<p>Bunzlau, im Juni 1928.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Direktion des Schlesischen Landestheaters<\/p>\n\n\n\n<p>Heinemann&nbsp;&nbsp; Zahr<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Burmann \u2013 Erster B\u00fcrgermeister<\/h2>\n\n\n\n<p>der Stadt Bunzlau:<\/p>\n\n\n\n<p>Wir besitzen in der deutschen Literaturwelt manches wertvolle Zeugnis \u00fcber Geschichte und Entwicklung unseres Theaterwesens. Diese Zeugnisse ber\u00fchren aber fast durchweg nur unsere Gro\u00dfst\u00e4dte. So wertvoll den Freunden deutschen Kulturlebens die Geschichte der unendlichen Wandlungen dieser durchweg st\u00e4dtischen oder f\u00fcrstlichen Theaterkultur ist, so fehlte doch bisher eine Darstellung, die Kunde gibt \u00fcber die Entwicklung der Theaterstr\u00f6mungen, die seit einigen Jahren in ganz neuer Form und in einem besonderen Geiste Theater und Volk verkn\u00fcpfen. Gro\u00dfstadtkultur! Wir k\u00f6nnen sie nicht mehr entbehren. Wir kennen ihre Vorz\u00fcge und wissen, dass Bl\u00fcten edelsten Geisteslebens im modernen Gro\u00dfstaat vielfach nur an so bevorzugten Stellen, kr\u00e4ftig durch Kapital, Pers\u00f6nlichkeiten und Organisation, gedeihen k\u00f6nnen. Aber neben dieser Gro\u00dfstadtkultur \u2013 und das m\u00fcssen wir Vertreter der kleineren und mittleren St\u00e4dte mit aller Kraft betonen \u2013 mu\u00df bewu\u00dft das Bildungs- und Kulturgut des deutschen Volkes in alle die Kreise getragen werden, die Jahrhunderte lang von dem wirklich wertvollen Bildungsgut ausgeschlossen waren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"511\" height=\"801\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-Landestheater-23a.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1704\" style=\"width:272px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Hans Ga\u00dfner, B\u00fchnenbildner<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Verbindung der deutschen Theaterkultur mit den Insassen des platten Landes kann z. b. nur durch Vermittlung der zahlreichen Klein- und Mittelst\u00e4dte geschaffen werden. Wollen wir in Deutschland erreichen, da\u00df der deutsche Bauer, der Landarbeiter, der kleinst\u00e4dtische Proletarier und Gewerbetreibende seelische Spannungen, seelische Erlebnisse im Genu\u00df der Volkskunst und im entfalten pers\u00f6nlicher Kr\u00e4fte erfahren, dann mu\u00df die Organisation des deutschen Theaterlebens neuzeitliche Wege suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Suchen? Wir m\u00fcssen \u00fcberrascht bekennen, da\u00df sich in all dem L\u00e4rm des letzten Jahrzehnts hier Entwicklungen angebahnt haben, Wege schon gefunden sind, die uns berechtigen, mit starker Sicherheit Forderungen an Staat, Kreise und St\u00e4dte zu stellen. Gerade wir in Schlesien haben das st\u00e4rkste Interesse, die Erzeugnisse deutscher Theaterkultur \u00fcber die Grenzen gr\u00f6\u00dferer St\u00e4dte bis an die Grenzen des Vaterlandes zu tragen. Wir schlesischen St\u00e4dte haben dabei die vornehme Pflicht, in die Weite unserer benachbarten Landschaft die Verbindung zu kn\u00fcpfen, und so zu erreichen, da\u00df unser gesamtes Schlesien durch ein seelisches Erlebnis neu verbunden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie lagen die Dinge, und wie schnell haben sich die alten \u00fcberlieferten Formen in diesem Sinne ge\u00e4ndert?<\/p>\n\n\n\n<p>Noch vor 8 Jahren bem\u00fchten wir uns, das auf die Basis unserer verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen Stadt beschr\u00e4nkte Gesch\u00e4ftstheater, das ein privater Unternehmer f\u00fchren mu\u00dfte, neu aufzubauen. Wir waren fast w\u00f6chentlich gezwungen, die immer von neuem sich auft\u00fcrmenden Schwierigkeiten fortzur\u00e4umen. Bei aller Anerkennung dessen, was geleistet wurde, konnte kein wahrer Kunstfreund sich befriedigt f\u00fchlen. Jeder Theaterkenner wei\u00df, da\u00df unhaltbare Verh\u00e4ltnisse entstehen m\u00fcssen, wenn in einer Stadt von 18000 Einwohnern jeden 3. oder 4. Abend ein neuer Stoff geboten werden soll. Das Spielerpersonal, anfangs guten Willens, wird durch \u00dcberlastung und Ueberhetzung stumpf. Die Operette tritt bei solchem Betrieb bald in den Vordergrund. Die Konkurrenz mit dem Kino tut das ihrige. Aus dem Theater wird eine Revue; und Dinge, die nichts mehr mit Kunst zu tun haben, fesseln schlie\u00dflich allein noch das Publikum.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem wir so einige Jahre \u2013 ich m\u00f6chte sagen verzweifelt \u2013 unser kleines Theater am Leben erhalten hatten, wandten wir uns der Form zu, die sich heute als durchaus berechtigt und klar hergestellt hat. Zun\u00e4chst stellen wir fest, da\u00df ein wirkliches Kunsttheater auf eine ganz andere Basis gestellt werden m\u00fcsse. Der Gedanke, da\u00df viele kleine St\u00e4dte und gro\u00dfe D\u00f6rfer vereinigt dieselbe Kraft entwickeln k\u00f6nnen, wie gro\u00dfe St\u00e4dte, lag nahe.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-6c531013 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"513\" height=\"797\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-7-Landestheater-23b.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1705\" style=\"width:212px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Hannsjosef Bolley, Regisseur und Dramaturg<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Zeichen der Organisation, die auf allen Gebieten in jenen Tagen neue Formen suchte, fanden wir den organisatorischen Zusammenschlu\u00df mit den meisten schlesischen Klein- und Mittelst\u00e4dten; denn die gleichen Erfahrungen, die wir mit dem eigenen Theater gemacht hatten, hatten sich anderswo zwangsl\u00e4ufig auch ergeben.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p>R\u00fcckschauend m\u00fcssen wir es als ein sch\u00f6nes Zeichen geistiger Solidarit\u00e4t feststellen, da\u00df ein solcher Zusammenschlu\u00df in so kurzer Zeit sich erm\u00f6glichte; kennen wir doch die von den St\u00e4dten sonst so gerne gepflegten besonderen \u201eEigent\u00fcmlichkeiten\u201d, den \u201eLokalpatriotismus\u201d, der nicht will, da\u00df das Gute der eigenen Stadt auch einer anderen zum Nutzen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber neben dieser Solidarit\u00e4t wurde dann erreicht, was wir vor wenigen Jahren kaum zu hoffen gewagt hatten: die Bildung von Theatergemeinschaften im Rahmen, unter der Obhut und pflege der Freien Volksb\u00fchne Deutschlands.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Gedanke der Gemeinde war die weitere Grundbedingung, da\u00df das Theatererlebnis nicht als ein Geschenk von Dritten, von Au\u00dfenstehenden, von Fremden aufgenommen wurde. Dieser Gedanke der Gemeinden brachte in Schlesien zum ersten Male zustande, da\u00df Publikum und Theater sich als eine gro\u00dfe ideelle Einheit fanden und banden. So waren wirklich ganz neue Wege einer Volkskultur in der schlesischen Grenzmark gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Drittes brauchten wir naturgem\u00e4\u00df einen Zentralpunkt. Die Stadt Bunzlau hat freudig ihr damaliges Stadttheater in den Dienst der Sache gestellt, und wir f\u00fchlten uns in ganz besonderem Ma\u00dfe naturgem\u00e4\u00df mit cem verbunden, was unser Landestheater inzwischen in Schlesien geleistet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Theater selber mu\u00dfte die Form des Wandertheaters aufnehmen, dabei ankn\u00fcpfend an die gute Tradition der Anf\u00e4nge deutschen Theaterlebens. Und wie die Eisenbahnschienen Handel und Wirtschaft erschlossen und alles wirtschaftlich neu typisierten und regelten, so haben sich von Bunzlau aus geistige Gleise ins Land geschoben. So sehr dabei als Einheit und Einigendes&nbsp; wirkt, da\u00df das Beste deutscher Kunst in m\u00f6glichst vollendeter Form geboten wird, so bleibt doch auf der anderen Seite der besonderen Neigung und Entwicklung jeder einzelnen Theatergemeinde ein starker Einflu\u00df. So entgehen wir der Routine und den Nachteilen, die den Massenvorstellungen der Gro\u00dfst\u00e4dte anhaften.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr jeden Kommunalpolitiker ist f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahrzehnte nunmehr der Weg gewiesen: Fort mit dem Gesch\u00e4ftstheater, das in unseren mittleren und kleineren St\u00e4dten zum Sterben verurteilt ist! Zwecklos sind die Mittel, die Kommunen und Provinzen hierf\u00fcr noch bewilligen.<\/p>\n\n\n\n<p>An seine Stelle tritt das neuzeitliche, von Staat, Provinz und Kommune unterst\u00fctzte Wandertheater. Es w\u00e4re zu begr\u00fc\u00dfen, wenn die St\u00e4dte und Kreise Schlesiens noch mehr als bisher dieses Wandertheaterleben finanziell unterst\u00fctzten, da kein Zweifel besteht, da\u00df das Schlesische Wandertheater die Zeit des Experimentierens l\u00e4ngst hinter sich hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlesische St\u00e4dte, schlesische Kreise erf\u00fcllt eine Ehrenpflicht, indem ihr das Patronat f\u00fcr diesen neuzeitlichen Zweig moderner Kulturpolitik ergreift!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1256\" height=\"719\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-Landestheater-28.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1706\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-Landestheater-28.jpg 1256w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-Landestheater-28-768x440.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1256px) 100vw, 1256px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das B\u00fchnenbild<\/h2>\n\n\n\n<p>Von Carl Robert Pohl, Kunstmaler und Graphiker, Gewerbeoberlehrer in Bunzlau.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schlesische Landestheater ist ein Wandertheater. Es zieht mit einem Daag-Wagen modernster Konstruktion durch die Lande. Sein Spiel mu\u00df dieses Theater jedoch oft unter den ung\u00fcnstigsten Umst\u00e4nden erm\u00f6glichen, oftmals Einkehr halten in R\u00e4umen, die auch die primitivsten spieltechnischen Voraussetzungen nicht besitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das B\u00fchnenbild mu\u00df diesen Umst\u00e4nden Rechnung tragen. Sie erfordern die Verwendung solcher Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde, die<\/p>\n\n\n\n<p>1. sich leicht zusammenlegen lassen (Stoffe),<\/p>\n\n\n\n<p>2. wenig Sperrfl\u00e4che besitzen (wegen des Transportes), und<\/p>\n\n\n\n<p>3. in leichtester Form&nbsp; anders und gl\u00fccklich zusammenf\u00fcgbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte an Typisierung denken, so einfach erscheint es auf den ersten Blick. Es ist jedoch eine Art Theaterbaukasten, selbst unter allen Umst\u00e4nden verwendbar und zweckvoll in jeder Situation.<\/p>\n\n\n\n<p>Spielte das Landestheater immer nur in Bunzlau, st\u00fcnden ihm also immer dieselben technischen M\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung, die Aufgabe w\u00e4re erheblich leichter. Denn das B\u00fchnenbild belebende und wirksam machende Licht kann im erforderlichen Ausma\u00df oftmals f\u00fcr das Spiel in anderen St\u00e4dten nicht eingesetzt werden. Dadurch kann die Wirkung aber schon von vornherein eine andere und schw\u00e4chere sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt die jedes Mal andere Spielgemeinde, ein Faktor bedeutsamster Art, fa\u00dft man die Angelegenheit verantwortungsvoll auf, wie es das Schlesische Landestheater tut. Auch Kunsterziehung in diesem Sinne kann nur organisch vor sich gehen, der Kulturzustand Schritt f\u00fcr Schritt gehoben, der vorhandene schlechte Geschmack eines spiel- und theaterfreudigen Publikums \u2013 anders gesehen \u2013 langsam nur zur\u00fcckgebogen werden. Gerade das Unbemerktf\u00fchren bei st\u00e4rkster kultureller Zielsetzung und unbeirrtem Daranfesthalten ist eine der gr\u00f6\u00dften Vorbedingungen f\u00fcr die richtige Ein-, Nach- und Auswirkung. Den Rahmen daf\u00fcr gibt aber das B\u00fchnenbild.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle diese Forderungen zu erf\u00fcllen, ist zwar nicht leicht, aber immerhin m\u00f6glich. Entscheidend erst f\u00e4llt ins Gewicht, da\u00df B\u00fchnengestaltung lebendige Verk\u00f6rperung des St\u00fcckes und seiner Geistigkeit sein mu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>So ergibt sich eine Addition von Schwierigkeiten aller Art, so m\u00fcssen oftmals Forderungen technischer, wirtschaftlicher, organisatorischer, k\u00fcnstlerischer, erziehlicher und geistiger Art verschmolzen werden. Die Synthese zu finden, wird so au\u00dferordentlich erschwert. Spielleitung und Theatermaler m\u00fcssen ein F\u00fclle von Erfahrung, Verantwortung, Situationsbeherrschung und k\u00fcnstlerischer Logik haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Ga\u00dfner, der k\u00fcnstlerische Beirat am Schlesischen Landestheater, hat sich im Verlauf der drei Spieljahre in diese Verh\u00e4ltnisse eingelebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sinn f\u00fcr folgerichtige Farbigkeit, Erfindungskraft und Gestaltungsverm\u00f6gen und alle Erlebnismomente f\u00fcr Licht und dessen Ausdrucksf\u00e4higkeit, f\u00fcr die Farbe und deren Wirkung, f\u00fcr Fl\u00e4che, Raum und ihre tiefsten Kompositionsgesetze sind in ihm lebendig. Alle B\u00fchnenbilder dieser Zeit waren aus dem Geist des St\u00fcckes intuitiv geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts von zersetzender oder gr\u00fcblerischer, unsch\u00f6pferischer Art war dieser Arbeit eigen. Im Anfange zwar noch tastend (man kannte Bunzlau und die vom Turnus ber\u00fchrten St\u00e4dte noch nicht) wurden von Fall zu Fall die Bilder freier von Nebens\u00e4chlichem. Die k\u00fcnstlerischen Absichten und besprochenen Vorbedingungen flossen zu einem einheitlichen Stil zusammen, der typisch f\u00fcr die Arbeit des Schlesischen Landestheaters und in seiner Einfachheit genial in gleichem Ma\u00dfe erscheint. Manche, und zwar die besten dieser Bilder, waren gestellt durch gro\u00dfe, zusammenklappbare Schirmw\u00e4nde mit einem Sperraum von einigen Quadratmetern. Das \u00fcbrige ein Stuhl, wohl auch ein Tisch, farbige h\u00e4ngende Tuchfl\u00e4chen und Licht dazu, das stark charakterisierte und als formbildende Kraft sp\u00fcrbar wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom selben Geiste beherrscht erschienen sie alle die besten Leistungen von Ga\u00dfner.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz gleich, ob historisch, spelunkig, naturalistisch, modern oder neusachlich, ganz gleich, ob Schlachtfelder, Kirchen- und K\u00fcchenr\u00e4ume, Wirtsstuben, Bahnh\u00f6fe und Anstalten, ob s\u00fcdliche oder n\u00f6rdliche Gegenden das Motiv gaben, ob das st\u00fcck auf nationalem oder internationalem Boden spielte, das Bild im europ\u00e4ischen oder asiatischen Charakter gebaut war, immer band die Tradition der Stileinheit die aus der Erfahrung gefolgerte Wirkung, f\u00f6rderte das gro\u00dfe B\u00fchnenbildgeschehen die Spieler zu h\u00f6chstem Bekenntnis zu ihrer Rolle und ihrer Kraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das aber gibt Tempo!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Offener Brief an Albert Heinemann<\/h2>\n\n\n\n<p>Mein verehrter und lieber Albert Heinemann!<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wollen mir die Ehre erweisen, in Ihrem Sonderheft \u201eDrei Jahre Schlesisches Landestheater\u201d das Wort nehmen zu d\u00fcrfen. Nun ist meine Verbindung zu dem von Ihnen geleiteten Institut, \u00fcber dessen Streben, Wirken und Wachsen ich mit stets wacher Anteilnahme in dankenswerter weise orientiert blieb, ja nur eine ziemlich platonische, wenn Sie mich auch als M\u00e4rchendichter auf Ihren weltbedeutenden Brettern zu Worte kommen lie\u00dfen, \u2013 um so direkter, lebendiger und herzlicher sind die Beziehungen, die mich mit Ihnen als K\u00fcnstler, als Organisator, als Kamerad verkn\u00fcpfen. Und Ihnen, dem Leiter des \u201eSchlesischen Landestheaters\u201d, bei diesem Anla\u00df ein freundschaftliches Wort ins Stammbuch schreiben zu d\u00fcrfen, dazu f\u00fchle ich mich in der Tat berufen, und das ist mir eine besondere Freude.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in diesen Tagen habe ich Bernard Shaws charmantes Lustspiel \u201eKapit\u00e4n Bra\u00dfbounds Bekehrung\u201d als Regisseur in der Arbeit; darin hei\u00dft es an einer Stelle: \u201eEine Eskorte ist das, was ihr F\u00fchrer aus ihr macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich die F\u00fchrung \u00fcbernehme, werde ich Ihre Eskorte sein.\u201d Der Satz scheint mir f\u00fcr den B\u00fchnenleiter zu allen Zeiten und besonders heute symbolhafte Geltung zu haben. Ist eine B\u00fchne, ist eine Schar zielstrebiger, verantwortungsbewusster K\u00fcnstler nicht eine Art geistig-kultureller \u201eEskorte\u201d des Publikums in und durch das Dickicht des verworrenen Daseins von heute, in dem es an Dornengestr\u00fcpp, t\u00fcckischen S\u00fcmpfen, b\u00f6sartigen Anfechtungen aller Art doch wahrlich nicht fehlt? Braucht diese Geleittruppe nicht Ernst, Aufopferungsf\u00e4higkeit, Beharrlichkeit und Disziplin nach au\u00dfen und innen, um ihre schwere Aufgabe erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen \u2013 gerade so, wie eine milit\u00e4rische Truppe? Und braucht sie vor allem nicht einen F\u00fchrer, der alle ihre Eigenschaften in der Potenz in sich vereinigen mu\u00df, um seine \u201eEskorte\u201d zu dem zu machen, was sie sein soll?!<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrlich, auch eine B\u00fchne \u201eist das, was ihr F\u00fchrer aus ihr macht\u201d. Und da man den Mann nirgends so restlos an seinen Fr\u00fcchten erkennt, wie gerade beim Theater, so k\u00f6nnte ich mich wohl mit einem Hinweis auf das in drei Jahren notorisch von Ihnen Geschaffene und Geleistete begn\u00fcgen \u2013 es zeugt nicht nur f\u00fcr sich selbst, sonder vor allem f\u00fcr Sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn man an einer Art Wendepunkt seiner Lebensarbeit steht, wie Sie jetzt, innerlich und \u00e4u\u00dferlich die Bilanz zieht, ist wohl auch ein w\u00e4rmeres, menschlich-unmittelbares Wort am Platze.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Jahre lang haben wir kameradschaftlich miteinander k\u00fcnstlerisch gearbeitet und eintr\u00e4chtig am selben Strick gezogen &#8211;&nbsp; meist war ich winters Ihr Oberregisseur, Sie sommers mein Direktor. Dar\u00fcber hinaus aber waren und blieben wir Kameraden, die sich verstanden und sch\u00e4tzten. Wir haben nie viele Worte dar\u00fcber gemacht. Heute aber darf ich es aussprechen: in den zwanzig Jahren meiner Theaterpraxis habe ich keinen Kollegen gefunden, der diesen erstaunlichen, unbeirrbaren, fanatischen Flei\u00df, der Sie auszeichnet, mit Ihrer ehrf\u00fcrchtigen und begeisterten Liebe zur Kunst so verschmelzen wusste! \u2013 Das gilt von Ihren starken \u2013 mir heut noch lebendig gegenw\u00e4rtigen \u2013 Leistungen als Schauspieler und Regisseur ebenso, wie von Ihrer Direktionst\u00e4tigkeit. Ordnung und Pr\u00e4zision im Technischen \u2013 bluthafte Gef\u00fclltheit im K\u00fcnstlerischen: das ist die Formel, auf die ich Ihr Wesen und Ihre Leistung bringen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da konnte der Erfolg, der Ihnen beschieden war, denn freilich nicht ausbleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Freunde aber, zu denen ich mich rechnen darf, freuen sich dessen von ganzem Herzen! Sie haben die letzte Sprosse Ihres Aufstieges noch lange nicht erreicht. Drei Jahre fruchtbare Arbeit am \u201eSchlesischen Landestheater\u201d liegen hinter Ihnen \u2013 mir bleibt nichts \u00fcbrig, als Ihnen von ganzem Herzen zuzurufen: vivant sequentes!<\/p>\n\n\n\n<p>Seien Sie in alter Verbundenheit herzlichst gegr\u00fc\u00dft von Ihrem aufrichtig ergebenen Dr. Curt Elwenspoek.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Dramaturg und Spielleiter der W\u00fcrtt. Landestheater, Stuttgart.<\/p>\n\n\n\n<p>19. Mai 1928<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Auff\u00fchrungen im Spieljahr 1925 \u2013 26<\/h2>\n\n\n\n<p>Das erste Spieljahr w\u00e4hrte vom 16. September 1925 bis 30. Mai 1926.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgende Werke wurden herausgebracht:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">\t\tZahl der Auff\u00fchrungen<br>\t\tInsgesamt \tBunzlau<br>Klassiker<br><br>William Shakespeare\tWas ihr wollt\t9\t4<br>Fr. v. Schiller\tKabale und Liebe\t4\t3<br>G. E. Lessing\tMinna von Barnhelm\t4\t4<br>Friedr. Hebbel\tMaria Magdalena\t6\t2<br>Moli\u00e9re\tTart\u00fcff\t16\t6<br>Ldwg. Anzengruber\tG\u2019wissenswurm\t5\t4<br><br>Moderne Werke<br><br>Henrik Ibsen\tRosmersholm\t16\t3<br>Ludwig Thoma\tKleine Verwandten<br>Ludwig Thoma\tBrautschau\t14\t4<br>Ludwig Thoma\tLottchens Geburtstag<br>Romain Rolland\tEin Spiel <br>\tvon Tod und Liebe\t7\t3<br>Max Halbe\tStrom\t9\t3<br>Klabund\tKreidekreis\t20\t7<br>Ortner\tMichael <br>\tHundertpfund\t5\t2<br>August Strindberg\tRausch\t5\t3<br>Oskar Wilde\tFlorentinische <br>\tTrag\u00f6die\t4\t2<br>Artur Schnitzler\t1. Gef\u00e4hrten, 2. Literatur<br>Gerhart Hauptmann\tElga\t3\t3<br><br>Lustspiele<br><br>Heinrich Ilgenstein\tLiebfrauenmilch\t12\t3<br>R\u00f6sler\tF\u00fcnf Frankfurter\t12\t4<br>Franz u. <br>Paul Sch\u00f6nthan\tRaub d. Sabinerinnen\t9\t4<br>Hans Sturm\tIrrgarten der Liebe\t9\t4<br>H. Sturm <br>und M. F\u00e4rber\tExtemporale\t3\t2<br>Walter Harlan\tJahrmarkt in Pulsnitz\t13\t5<br>Presber und Stein\tKreuzfeuer\t4\t3<br>Karl Laufs\tPension Sch\u00f6ller\t3\t3<br>Heinrich R\u00f6mer\tTapfere Schneiderlein\t5\t5<br><br>Von 197 Vorstellungen wurden gespielt in:<br><br>Bunzlau\t86\tWaldenburg\t2<br>Gr\u00fcnberg\t14\tObernigk\t2<br>Neusalz\t10\tTrebnitz\t2<br>Fraustadt\t10\tGuhrua\t2<br>Sprottau\t9\tG\u00f6rlitz\t1<br>Reichenbach\t9\tHirschberg\t1<br>Nimptsch\t9\tHabelschwerdt\t1<br>Gro\u00df-Wartenberg\t8\tHaynau\t1<br>Schmiedeberg\t7\tSagan\t1<br>Striegau\t6\tBeuthen a. d. Oder\t1<br>Freiburg\t5\tKrossen a. d. Oder\t1<br>Neumarkt\t5\tFreystadt\t1<br>Neurode\t5<br><br>Die Auff\u00fchrungen <br>im Spieljahr 1926 \u2013 1927<br><br>Das zweite Spieljahr w\u00e4hrte vom 1. September 1926 bis 31. Mai 1927.<br>Folgende Werke wurden aufgef\u00fchrt<br>\t\tZahl der Auff\u00fchrungen<br>\t\tInsgesamt \tBunzlau<br>Klassiker<br><br>Fr. v. Schiller\tMaria Stuart\t7\t3<br>W. v. Goethe\tIphigenie\t4\t2<br>W. v. Goethe\tFaust\t10\t4<br>Friedrich Hebbel\tGyges und sein Ring\t11\t1<br>Moli\u00e8re\tDer Geizige\t17\t4<br><br>Moderne Werke<br><br>Bernard Shaw\tDie heilige Johanna\t14\t5<br>Bernard Shaw\tHelden\t5\t3<br>Henrik Ibsen\tGespenster\t9\t2<br>Gerhart Hauptmann\tFuhrmann Henschel\t5\t2<br>Wilhelm von Scholz\tWettlauf <br>\tm. d. Schatten\t8\t2<br>Gunnar Heiberg\tTrag\u00f6die der Liebe\t6\t2<br>Max Mell\tApostelspiel\t <br>Leo Tolstoi\tEr ist an allem Schuld\t12\t3<br>Jules Romains\tDer Diktator\t10\t4<br><br>Lustspiele<br><br>H. Sturm <br>u. M. F\u00e4rber\tExtemporale\t15\t3<br>Blumenthal <br>u. Kadelburg\tIm wei\u00dfen R\u00f6ssl\t5\t4<br>M\u00fcller-Schl\u00f6ser\tSchneider Wibbel\t16\t3<br>Hermann Bahr\tDas Prinzip\t19\t5<br>Curt Elwenspock\tHans Unverzagt\t6\t5<br>Ludwig Fulda\tGegenkandidaten \t8\t7<br>Ludwig Thoma\tLokalbahn <br>\tu. 1. Klasse\t7\t4<br>Rehfisch\tWer weint <br>\tum Juckenack\t5\t3<br>Georg Kaiser\tDer mutige Seefahrer\t10\t4<br><br>Von 219 Vorstellung wurden gespielt in:<br><br>Bunzlau\t75\t\tHirschberg\t6<br>Gr\u00fcnberg\t18\t\tFreystadt\t\t5<br>Neusalz\t18\t\tHaynau\t\t4<br>Sagan\t10\t\tHabelschwerdt\t2<br>Oels\t10\t\tFreiburg\t\t1<br>Sprottau\t9\t\tGuhrau\t\t1<br>Neumarkt\t9\t\tNeurode\t\t1<br>Schmiedeberg\t8\t\tFestenberg\t1<br>Fraustadt\t8\t\tBolkenhain\t1<br>Gro\u00df-Wartenberg\t8\t\tOberleschen\t1<br>Reichenbach\t7\t\tKrossen\t\t1<br>Nimptsch\t7\t\tZ\u00fcllichau\t\t1<br>Striegau\t6\t\tRauscha\t\t1<br><br>Die Auff\u00fchrungen <br>im Spieljahr 1927 \u2013 28<br><br>Das dritte Spieljahr w\u00e4hrte vom 1. September 1927 bis 20. Juni 1928.<br>Folgende Werke wurden aufgef\u00fchrt:<br>\t\tZahl der <br>\t\tAuff\u00fchrungen<br>\t\tInsgesamt\t Bunzlau<br>Klassiker<br><br>Heinrich von Kleist\tPrinz <br>\tvon Homburg\t13\t3<br>B. Jonson <br>u. St. Zweig\tVolpone\t14\t4<br><br>Moderne Werke<br><br>Henrik Ibsen\tHedda Gabler\t12\t2<br>Bruno Frank\tZw\u00f6lftausend\t20\t3<br>Max Mohr\tRamper\t5\t34<br>Wilhelm Schmidtbonn\t<br>\tDer Geschlagene\t10\t3<br>Alfred Neumann\tDer Patriot\t15\t3<br>Bernard Shaw\tZinsen\t10\t3<br>Henrik Ibsen\tDie Wildente\t4\t3<br>W. S. Maugham\tConstanze\t10\t4<br><br>Lustspiele<br><br>Franz Molnar\tSpiel im Schlo\u00df\t23\t6<br>Ludwig Thoma\tMoral\t24\t6<br>Julius Berstl\tDover-Calais\t22\t5<br>Fr. U. P. v. Sch\u00f6nthan\tRaub <br>\tder Sabinerinnen \t13\t3<br>Heinrich Ilgenstein\tSkandal um Olly\t9\t4<br>Frantisek Langer\tDas Kamel geht <br>\tdurch das <br>\tNadel\u00f6hr\t18\t5<br><br>Von 220 Vorstellungen wurden gespielt in:<br><br>Bunzlau\t56\tHaynau\t6<br>Gr\u00fcnberg\t13\tFreystadt\t7<br>Neusalz\t19\tSchreiberhau\t7<br>Sagan\t13\tRauscha\t5<br>Lauban\t11\tFraustadt\t3<br>Sprottau\t10\tNimptsch\t3<br>Neumarkt\t9\tGro\u00df-Wartenberg\t3<br>Reichenbach\t9\tKotzenau\t4<br>Oels\t9\tPetersdorf\t2<br>Schmiedeberg\t8\tPrimkenau\t1<br>Langenbielau\t9\tTrebnitz\t2<br>Striegau\t8\tFlinsberg\t3<br><\/pre>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herausgegeben von der Theaterleitung Die niederschlesische Stadt Bunzlau mit ihren 18843 Einwohnern liegt in landschaftlich angenehmer und gesunder Gegend am rechten Boberufer, an der Stelle, wo die uralte Heerstra\u00dfe von N\u00fcrnberg nach dem fernen Osten den vielfach ver\u00e4stelten Gebirgsflu\u00df \u00fcberschreitet. 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