{"id":1688,"date":"2024-07-05T17:24:18","date_gmt":"2024-07-05T15:24:18","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1688"},"modified":"2024-07-05T17:24:19","modified_gmt":"2024-07-05T15:24:19","slug":"ueber-den-bunzlauer-rathausturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/05\/ueber-den-bunzlauer-rathausturm\/","title":{"rendered":"\u00dcber den Bunzlauer\u00a0 Rathausturm"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie alt ist der Ratsturm?<\/h2>\n\n\n\n<p>Artur Schiller. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Stadtblatt Nr. 130, vom Sonntag, dem 6. Juni 1926<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"685\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/201-Rathaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1693\" style=\"width:232px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\u201eIn der Mitte des Ringe steht das Rathaus. Was \u00fcber seine Ursprung gesabelt worden, nehme ich Anstand zu wiederholen.\u201c Mit diesen Worten kommt unser Chronist Dr. Wernicke h\u00f6chst vergn\u00fcglich \u00fcber eine Untersuchung des Altes des Hauptgeb\u00e4udes der Stadt hinweg. Im Bunzlauer Stadtblatt Nr. 167 vom 19. Juli 1925 haben wir versucht, die klaffende L\u00fccke ein wenig auszuf\u00fcllen. Dort ist auch ein in Privathand befindliches Bild von 1603, das Rathaus von der Westseite, abgedruckt. Von Westen f\u00fchrt nur eine einl\u00e4ufige Freitreppe nach dem ersten Stock. Dagegen sieht man an der S\u00fcdseite eine direkt nach dem heutigen Zimmer des Ersten B\u00fcrgermeisters hinaufgehende Freitreppe. Die alte Zeit liebte offenbar die Anbauten an ein Hauptgeb\u00e4ude aus malerischen Gr\u00fcnden. so bemerkten wir denn auch auf besagter Zeichnung noch mehrere Anh\u00e4ngsel. An der Nordseite des Rathauses sieht man ein breites ebenerdiges Fachwerksgeb\u00e4ude mit Schleppdach und scheunentorartig wirkendem Eingang; die l\u00e4ngst abgebrochene Fleischbank. Neben dem Dache dieses Geb\u00e4udes guckt eine vierteilige S\u00e4ule hervor, auf der ein Hahn steht. Das ist nat\u00fcrlich ein christliches Symbol, das man auch oft auf Kruzifixen sieht, der Hahn des Apostels Petrus. Dieses Tier wird aus Blei gewesen sein. Danach haben alte Anekdoten jedenfalls den fabelhaften B\u00fcrgermeister Bleihahn in Analogie der Geschichte von Ali Baba und den 40 R\u00e4ubern erfunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wir wollen nicht abschweifen. Meiner Erinnerung nach war auch an die Ostseite des Turmes ein altes Geb\u00e4ude mit nach Osten abfallendem Pultdache angebaut. Im September und Oktober 1891 wurden die letzten Verkaufsbauden an der Ostseite des Rathauses, da, wo jetzt der Boninbrunnen ist, abgebrochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich ist der Turmanbau, der die Ratswaage und fr\u00fcher die sogenannte Plombierstube enthalten haben mag, damals auch beseitigt worden. Die Ostseite des Turmes wurde unter Baurat D\u00f6rich mit Sandsteinquadern verst\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"679\" height=\"1113\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-204-Zeichnung-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1694\" style=\"width:310px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Bei den jetzt am Rathause vorgenommenen, ziemlich tiefgehenden Grundgrabungen f\u00fcr eine Vergr\u00f6\u00dferung des Kellers ist man merkw\u00fcrdigerweise auf eine gro\u00dfe Anzahl von Findlingssteinen, etwa 22 St\u00fcck, gesto\u00dfen \u2013 auch unter dem Fundamente des Turmes sieht man einige \u2013 aber auch auf die uralten rechteckigen Fundamente des erw\u00e4hnten Turmanbaues.<\/p>\n\n\n\n<p>In der \u00f6stlichen Fundamentsmauer fand man einen technisch vollendet gearbeiteten, gebrannten, kreisrunden Topfdeckel von hellgelblicher F\u00e4rbung.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat einen Durchmesser von 15 Zentimeter. Auf der Spitze des sich sanft erh\u00f6henden Deckels sitzt ein praktischer Knopf. Er hat n\u00e4mlich zwei gerade, etwas eingezogene Fl\u00e4chen, in die die haltenden drei Finger der Hand hineinpassen. Ein Entgleiten, wie bei den modernen runden Kn\u00f6pfen, ist nicht m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Rande l\u00e4uft innen rings herum ein gewi\u00df schwierig herzustellen gewesener Falz, dessen Bestimmung nicht aufzukl\u00e4ren ist. Hat man etwa eine Materie zum hermetischen Verschlusse des Deckels hineingestopft?<\/p>\n\n\n\n<p>Von dem Topfe selbst sind nur zwei Scherben erhalten, die dicht nebeneinander lauende G\u00fcrtelfurchen zeigen. Auch ein 10 Zentimeter langes Knochenst\u00fcck, der Teil des Gelenkes eines Kalbsfu\u00dfes, befand sich dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben hier also wieder einmal eines der in der Topfstadt Bunzlau oft vorkommendes Bauopfer. Der Deckel und die Scherben sind unglasiert. W\u00fcrde man bei der Niederlegung die Glasur hier schon gekannt haben, so w\u00fcrde man doch sicher der besseren Erhaltung halber einen glasierten Topf in der Grundmauer geborgen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Glasur ist orientalischen V\u00f6lkern schon seit sehr langer Zeit bekannt gewesen. Ohne auf den Chronisten Bergemann schw\u00f6ren zu wollen, der manchmal romantischen Gel\u00fcsten nachh\u00e4ngt, m\u00fcssen wir doch die einzige Note \u00fcber Glasur anf\u00fchren, die es in der Bunzlauer Literatur gibt. Er sagt, ein T\u00f6pfer in Schlettstadt habe 1283 die Glasur erfunden. Wir wollen verbessern: wieder erfunden. Diese wichtige Zahl mag von unseren T\u00f6pfern traditionell festgehalten worden sein. Jedenfalls ist die Glasur sehr fr\u00fch bekannt geworden. Die aufgebauten Fundamente des Turmanbaues m\u00fcssen aber noch \u00e4lter sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wernicke gibt zu, da\u00df vor der Erteilung des deutschen Rechts an schlesische St\u00e4dte von einem Rathause nicht die Rede sein k\u00f6nne. Das ein Stadt das deutsche Recht besa\u00df, kann man dann schlie\u00dfen, wenn sie in Urkunden civitas, Stadt genannt wird. In den vom Schlesischen Geschichtsverein herausgegebenen Regesten (bis 1280) wird in einer Urkunde von 1251 von der civitas Bolelavec gesprochen. Wenn man diese noch gelten lassen wollte, so erw\u00e4hnt eine Urkunde von Breslau vom 1. Juni 1260 eine zun\u00e4chst bei der Stadt Bunzlau gelegene M\u00fchle (molendiunum proxime contiguum civitati Boleslavec), womit selbstverst\u00e4ndlich die fr\u00fchere Sandm\u00fchle gemeint ist. Wir k\u00f6nnen, da der Turm mindestens ebenso alt, wie der Anbau, wahrscheinlich \u00e4lter ist, also annehmen, da\u00df der Ratsturm, der wichtigste Teil des alten Rathauses, etwas vor dem Jahre 1300 gebaut worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie unser Chronist Holstein berichtet und wie infolgedessen auf dem gro\u00dfen Findlingsstein im Erlendreieck in goldenen Zahlen verzeichnet ist, nahm die Bunzlauer Kanalisation schon 1531 ihren Anfang. Sie wurde 1559 vollendet und blieb bis 1806 fast unver\u00e4ndert. Der erste Kanal ging vom Stadtkeller nach dem Stadtgraben. Nur die Kanalisation der ebenfalls keramisch t\u00e4tigen Stadt Gouda in Holland soll unter den neuzeitlichen Wasserleitungen in Europa \u00e4lter sein als die Bunzlauer. Vielleicht haben keramische Beziehungen die beiden St\u00e4dte in fr\u00fcheren Zeiten verbunden, und dortige Techniker haben die Idee nach dem unterhalb des Queckbrunnens hervorragend g\u00fcnstig gelegenen Bunzlau \u00fcbertragen. Auch in Nei\u00dfe sollen holl\u00e4ndische Arbeiter eine gleichfalls sehr alte Wasserleitung erbaut haben. Jedenfalls kann man glauben, da\u00df man hier in Bunzlau, wo Decksteine leicht zu beschaffen waren, schnell bei der Hand mit der Erbauung von Kan\u00e4len und unterirdischen G\u00e4ngen. In jenen unsicheren Zeiten brauchte man Orte, wo man sich verstecken, oder Ausg\u00e4nge, durch die man entfliehen konnte. Wohl jede deutsche Ritterburg hat ihre geheime, von Felsen und B\u00fcschen maskierte Ausfallspforte gehabt. Uns erscheinen die Geschichten von solchen G\u00e4ngen romantisch und angenehm gruslig. Den Beteiligten waren sie aber eine bittere Notwendigkeit. Es wird hier erz\u00e4hlt, das ein unterirdischer Gang von Bunzlau nach der Gr\u00f6ditzburg bestanden habe. Man stelle sich vor, wie denn die Erbauung eines solchen vor sich gegangen sein sollte, und man wird diesen Gedanken sofort in das Reich der M\u00e4rchen verweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das unser Schlo\u00df einen unterirdischen Ausgang gehabt habe, ist eher wahrscheinlich. Vielleicht ist der unterirdische, gew\u00f6lbte Gang damit in Verbindung zu bringen, der vor dem Hause Evangelischer Kirchplatz Nr. 6 bei Umbauten im Jahre 1808 hervortrat. Nach der Erz\u00e4hlung der Vorbesitzerin Frau Sch. hat man die zutage tretenden Werksteine verwendet und den Gang, nachdem zwei Keller angelegt worden waren, vermauert.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das Rathaus hat seine unterirdischen Geheimnisse, gro\u00dfe Keller, die \u00fcber die Umfassungsmauern teilweise hinaus-gehen. Besonders aber das unheimliche, an 6 Meter tiefe Verlies im Rathausturm, das vergessen war und im Sommer 1921 wieder aufgedeckt wurde. Die dazu geh\u00f6rige Inschrift im Rathause lautet:<\/p>\n\n\n\n<p>Jus cole: perniciosa viris iniuria res est. (Pflege das Recht; eine gef\u00e4hrliche Sache f\u00fcr die M\u00e4nner ist die Ungerechtigkeit).<\/p>\n\n\n\n<p>Sie deutet wohl auf seine Benutzung als Gef\u00e4ngnis. Wir erinnern an die sogenannte Helmesser Fehde, die der wegen allerlei Uebeltaten 1511 aus dem Rat ausgesto\u00dfene Anselmus (davon die Abk\u00fcrzung Helmes) Scholz anzusagen wagten. Man fing ihn und sperrte ihn in den Turm. Was aus ihm geworden ist, wei\u00df man nicht. Schlimmer erging es Seinem Sohne Gregor, den man im Jahre 1526 erwischte, ebenfalls in den Turm steckte und demn\u00e4chst enthauptete. Jetzt schreiten wir neben dem st\u00e4dtischen Steuerb\u00fcro ahnungslos \u00fcber die Fallt\u00fcr im Fu\u00dfboden, die das Zugangsloch des kuppel-f\u00f6rmigen Raumes verdeckt. Man m\u00f6chte im Erdboden des Verlieses einmal nachgraben, ob man nicht noch Knochen oder sonstige Gegenst\u00e4nde findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders den Kl\u00f6stern schrieb der Volksmund gern Heimlichkeiten und unterirdische Verbindungsg\u00e4nge zu. Auch unser Kloster blieb davon nicht verschont. Da\u00df vielleicht doch einmal wahres daran war, ergibt folgende Notiz, die wir soeben in dem Archivbuche Nr. 115 gefunden haben. Im Jahre 1812 lie\u00df der Prokurist Wolf in seinem zwischen dem Niedertor und dem Kloster gelegenen Zwingergarten einen alten, 5 Fu\u00df dicken Turm durchbrechen. Gemeint kann nur sein der in das st\u00e4dtische Bad eingebaute Turm oder der im Hofe der M\u00e4dchenschule befindliche. Man fand in dem unteren Gemach, das nur durch L\u00f6cher in der Decke Licht erhielt, ein Skelett, eine eiserne Kette, einen Blechleuchter, einen Blechl\u00f6ffel und einen verfaulten Filzhut. Dadurch gewann die an sich unverb\u00fcrgte Sage, da\u00df vom Kloster ein Gang ausgegangen sei, neue Nahrung. Man erinnerte sich daran, da\u00df man zehn Jahre vorher, also 1802, einen Gang aufgefunden hatte, der durch ein im hinteren Zwinger nahebei gelegenes Weighaus gef\u00fchrt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor der Westfront des Stadthauses befindet sich noch jetzt ein ziemlich ger\u00e4umiger Keller, dessen nach oben f\u00fchrendes Luftloch zum Einsch\u00fctten von Kohlen benutzt wird. Dieser Keller sieht wie der Anfang eines Ganges aus. Nat\u00fcrlich mu\u00df man hierort, wo es gewi\u00df im Stadtgebiete noch manche verlassene Wasserleitungskan\u00e4le gibt, mit solchen Phantasien etwas vorsichtig sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In obigen Buche ist auch gesagt, da\u00df man hier in der Zeit der Religionsbedr\u00fcckung nicht selten Leichen in den Kellern begraben habe, um die an den katholischen Pfarrer zu zahlenden Geb\u00fchren zu sparen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht auch die Sage, da\u00df die Hussiten in Bunzlau heimlich eine Kirche gehabt h\u00e4tten. Gemeint sind nat\u00fcrlich hiesige B\u00fcrger, die Anh\u00e4nger der hussitischen Lehre waren. Ein im Hause Zollstra\u00dfe 20 befindlicher Keller wird als als solche Andachtsst\u00e4tte bezeichnet. eine in diesem Hause geborene hiesige Dame best\u00e4tigt das Ger\u00fccht. Sie will in ihrer Kinderzeit noch ein tischartiges Ger\u00e4te gesehen haben, das der Hussitenaltar war. Sie, die an die 50 Jahre ihr Geburtshaus nicht betreten hatte, erz\u00e4hlte auch, in dem Keller w\u00e4re an der Decke als Zugang ein Loch gewesen. Und wirklich, als wir mit ihr neulich den Keller besichtigten, fand sich an der Decke ein viereckiges Einsteigeloch, das jetzt freilich mit langen Steinen zugedeckt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Als man im Jahre 1819 auf dem Markte zu dem Kutusowdenkmale Grund grub, stie\u00df man auf einen von den \u201eDrei Kr\u00e4nzen\u201c zu Pick weisenden Gang. Nat\u00fcrlich kann dies ein alter Kanal gewesen sein. Es ist doch aber merkw\u00fcrdig, da\u00df sowohl in dem besonders tief herabf\u00fchrenden Keller der Kr\u00e4nze als auch bei Pick deutliche Spuren von zugemauerten Wandstellen zu sehen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen weit auf die Stra\u00dfe reichenden Keller hat auch die \u201eHaaseburg\u201c, Oberstra\u00dfe 16, die nach einer Erinnerungstafel auf der Treppe 1846 von B\u00f6ttchermeister C. August Haase und Ehefrau durch Engelhardt Gansel gebaut ist. Man hat offenbar die fr\u00fchere Br\u00fccke \u00fcber dem Wallgraben zum Keller umgewandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im S\u00fcdfl\u00fcgel des Alten Hauses des Waisenhauses, ansto\u00dfend an den Franzosengang, war urspr\u00fcnglich ein Keller als Andachtsraum benutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter der katholischen Kirche ist eine Krypta, \u00fcber die wir noch nichts genaueres angeben k\u00f6nnen. An einem Kellerfenster an der Nordfront &nbsp;sind auf dem Eisengitter ein flacher Schl\u00fcssel und ein kleines eisernes Hufeisen angebracht. Mehr Sagenstoff bietet merkw\u00fcrdigerweise die Krypta unter der erst 1791 von dem Schuhmacher\u00e4ltesten Andreas Obermeyer erbauten Begr\u00e4bniskirche. Vielleicht sind \u00e4ltere Sagen auf das neuzeitliche Geb\u00e4ude \u00fcbertragen. Man sagt immer wieder, da\u00df darin eine Liegnitzer Prinzessin mit ihrem Stallmeister ruhe oder geruht habe und heimlich weggeschafft sei. Auch soll der unterirdische Raum die Magistratsgruft sein. Der Unterstock der Kirche enth\u00e4lt aber eine ganz harmlose Ger\u00e4tekammer und ein Erbbegr\u00e4bnis, beide nach hinten mit T\u00fcren versehen. Durch die Grenzmauer &nbsp;mit G\u00e4rtner Hollstein ist offenbar fr\u00fcher einmal ein ziemlich breiter Zugang gewesen. Auch Trauungen sollen der Sage nach in dem Unterraum vorgenommen worden sein. Ueber dem Erbbegr\u00e4bnis steht die Jahreszahl 1826, und eine Inschrift besagt, da\u00df hier die Ruhest\u00e4tte des 1809 gestorbenen Kaufmann Joh. Gottl. Bleul und seiner Ehefrau sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Erw\u00e4hnung verdient der Vollst\u00e4ndigkeit halber der st\u00e4dtische Keller am Nordabhange des Wehrberges vor dem Schweizerhause, dessen Alter nicht feststeht. Speisen und Getr\u00e4nke sollen sich in ihm nicht gut halten. Dagegen wird der der Eisenbahn geh\u00f6rige Keller im Reste des Postberges noch jetzt als Eiskeller benutzt. Der am Anfange der Eckersdorfer Stra\u00dfe gelegene, von Kaufmann Ressig, dem Vorg\u00e4nger von Waldemar Wandel, erbaute Keller ist jetzt noch unter der alten Hausnummer 601 im Adressbuche aufgef\u00fchrt. Er ist an die Concordia vermietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich erw\u00e4hnen wir den vergn\u00fcglichen Keller des Hauses G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe 19 \u2013 21, ein fr\u00fcheres Laboratorium, der von seinem jetzigen Besitzer, Peter Gansel, mit allerlei Altert\u00fcmern ausgeschm\u00fcckte und in einen Kneipraum umgewandelt ist. In den sch\u00f6nen gew\u00f6lbten, ebenerdigen S\u00e4len des Rathauses, die man dereinst Ratskeller nannte, herrschte einst Gambrinus. Jetzt sind sie ernsten Beratungen und st\u00e4dtischen Beh\u00f6rden gewidmet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Erneuerung des Rathausturms<\/h2>\n\n\n\n<p>Bunzlauer Stadtblatt, Oktober 1928.<\/p>\n\n\n\n<p>Als 1928 der Rathausturm erneuert wurde, \u00f6ffnete man den alten Turmknopf und fand darin eine Blechb\u00fcchse mit zwei Urkunden aus den Jahren 1776 &nbsp;und 1847. Die \u00e4ltere Urkunde war schon ganz zerfallen, aber die von 1847 war einigerma\u00dfen erhalten. Auch einige M\u00fcnze lagen darin. Nun wurde eine neue Urkunde aus dem Jahre 1928 hinzugef\u00fcgt, die in einen luftdicht abgeschlossenen Glaszylinder gelegt wurde. Die 1847er Urkunde kam ebenfalls in eine Glasr\u00f6hre. Die Urkunde von 1928 lautete: \u201eIm gegenw\u00e4rtigen Jahre erschien wiederum eine Ausbesserung unseres Rathausturmes dringend erforderlich. Beidemal, am 9. Juli, sowohl im Jahre 1776 als im Jahre 1847, hatten umfangreiche Instandsetzungen der Bekr\u00f6nung dieses Turmes stattgefunden. Am 15. Juli 1903 war nur eine Neuvergoldung des Knopfes und einzelner Teile des Adlers vorgenommen worden. Jetzt zum Beginn der Arbeit am 2. August 1928, wurde der Knopf und der dar\u00fcber befindliche als Wetterfahne nicht mehr leicht genug bewegliche Adler heruntergeholt. Der im Jahre 1773 gefertigte kupferne Knopf wurde jetzt mit f\u00fcnffachem Blattgold neu vergoldet. Der in Kupfer getriebene Adler vom Jahre 1843 wurde in seinem Innern mit Versteifungsrippen versehen. Die unbefiederten Stellen sowie die Insignien wurden vergoldet. Ein eingebautes Kugellager wird die Bewegungsfreiheit vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute, am 8. Oktober 1928 sollen die beiden Schmuckst\u00fccke von kundiger Hand wieder an ihren alten Ort gebracht werden. Bei Gelegenheit dieser Arbeiten sind auch die unleserlich gewordenen Uhrzifferbl\u00e4tter aufgefrischt worden. Der Turnhelm erhielt statt &nbsp;seiner bisher ziegelroten F\u00e4rbung eine Gr\u00fcne. Unter Leitung der Beamten unseres Stadtbauamtes, insbesondere des Stadtbaurates Candrian, sind diese Arbeiten von folgenden Meistern und deren Leuten ausgef\u00fchrt worden:<\/p>\n\n\n\n<p>Dachdeckermeister Karl-Otto R\u00f6hrig<\/p>\n\n\n\n<p>Kupferschmiedemeister Hermann Radeck<\/p>\n\n\n\n<p>Malermeister Hermann Sch\u00e4fer<\/p>\n\n\n\n<p>Klempnermeister Oskar K\u00fchn und<\/p>\n\n\n\n<p>Schlossermeister Franz Kotzyba, alles B\u00fcrger unserer Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6gen die schwierigen Arbeiten gl\u00fccklich zu Ende gef\u00fchrt werden. Wir wissen, da\u00df wir nicht f\u00fcr die Ewigkeit gebaut haben, und da\u00df in einigen Jahrzehnten ein anderes Geschlecht diese Zeilen werten wird. M\u00f6ge bis dahin der Knauf des Turmes ungest\u00f6rt als Sinnbild der st\u00e4dtischen Selbstverwaltung auf ein in Bildung und Wohlstand immer vorw\u00e4rtsschreitendes Gemeinwesen herabschauen und m\u00f6ge das deutsche Vaterland wieder von den schweren Wunden genesen, die der Weltkrieg ihm geschlagen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>gez. Burmann, Erster B\u00fcrgermeister<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Fund auf dem Ratsturm<\/h2>\n\n\n\n<p>Von Artur Schiller. Bunzlauer Stadtblatt, Montag, den 15. Oktober 1928.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Ratsturm ist doch ein recht interessantes Bauwerk. Von seinen Fundamenten an, in dem sich ein schaurige Verlies befindet, das in der Geschichte der Stadt einst eine gro\u00dfe Rolle gespielt hat. Vor einigen Jahren wurde es, auch bei einer Baureparatur, wieder entdeckt. Die Inschriften im ersten Stock und auf dem Turmkranze haben wir schon wiederholt besprochen. Jetzt steht der Turm, wie von Natur inmitten der Stadt, so nach seiner allgemein als gelungen bezeichneten Reparatur im Mittelpunkt des Interesses. Jeder blickt nunmehr gern zu ihm auf. Wie neulich unserer Einquartierung zum Abmarsche antrat, war es spa\u00dfhaft anzusehen, wie fast jeder Mann seine Uhr herauszog und nach ihm vergeblich emporschaute. Damals wohnte eben noch in den \u201e\u00f6den Fensterh\u00f6hlen\u201c das \u2013 Nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Man dachte nun, an dem Turm w\u00e4re nichts mehr zu entdecken. Dem war aber nicht so. Bis jetzt hatte \u00fcberhaupt noch niemand die \u2013 Uhrglocken des Turmes beachtet. Nun aber, bei der schwierigen, lange Zeit erfordernden Reparatur konnte es nicht l\u00e4nger verborgen bleiben, da\u00df die beiden getrennt voneinander h\u00e4ngenden Glocken, die n\u00f6rdlich und die s\u00fcdliche, gleichlautend eine lateinische Inschrift haben, die an den gro\u00dfen Stadtbrand vom 2. Mai 1739 erinnert. Damals brannte fast die ganze Stadt ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Feuer erstreckte sich vom Pfarrhofe \u00fcber die Niederstadt bis zum Hospitale; sogar ein Vorwerk und einige H\u00e4uslerstellen in Tillendorf fielen dem w\u00fctenden Elemente zum Raube. Die katholische Kirche blieb veschont; jedoch brannte das Dachgescho\u00df des Rathauses und das Gest\u00fchl des Ratsturmes ab, wobei nat\u00fcrlich die Uhrglocken zu schmelzen begannen und ihren Dienst nicht weiter verrichten konnten. Sie mu\u00dften also umgegossen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das besagt folgende Inschrift, die sich allein um den Oberrand der s\u00fcdlichen Glocke windet, w\u00e4hrend die n\u00f6rdliche an deren Stelle nur einen Fries von Akanthusbl\u00e4ttern hat:<\/p>\n\n\n\n<p>FVSA GOERLITII PER BENI. KOERNER ANNO MDCCXL. Beide Glocken wurden also durch Benjamin Koerner in G\u00f6rlitz umgegossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gleichlautende vierzeilige Inschrift auf beiden hei\u00dft:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>CAMPANAE AB IGNE EX INTEGRO DESTRVCTAE<\/p>\n\n\n\n<p>SONITVQVE SVO PRIVATAE<\/p>\n\n\n\n<p>MAGISTRATVS INGENTI CVRA ET LABORE DEO<\/p>\n\n\n\n<p>AVXILIANTE RESTAVRATAE SVNT.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft: \u201eDiese Glocken, die vom Feuer v\u00f6llig zerst\u00f6rt und ihres Klanges beraubt waren, sind mit ungeheurer Sorge und Arbeit des Magistrats mit Gottes Hilfe wiederhergestellt worden.\u201c Die Inschrift enth\u00e4lt zwei Akrosticha: die ersten beiden Zeilen ergeben 1739, die dritte und vierte Zeile 1740. D bedeutete bekanntlich 500, L 50.<\/p>\n\n\n\n<p>Darunter stehen, ebenfalls auf beiden Glocken, die Namen des damaligen B\u00fcrgermeisters und der anderen Magistratsmitglieder des Jahres 1740 in folgender Fassung:<\/p>\n\n\n\n<p>SVB CONS. D: SIG: M\u00dcLLER, PRO: CONS: D: IGN: ROMBERG, SENAT: D: EMANN: ROSENBERG, D: FRANC: HVNDT, D: IOAN: NEVMANN, D: IOAN: GEIGER, SYND: ET NOT: D: IOAN: BAVMGARTEN.<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00fcrgermeister (Konsul) war also Herr (d = dominus) Siegfried M\u00fcller, Prokonsul Herr Ignatz Romberg, Senatoren waren Herr Emanuel Rosenberg, Herr Franz Hundt, Herr Johann Neumann, Herr Johann Geiger, Syndikus und Notarius Herr Johann Baumgarten.<\/p>\n\n\n\n<p>S. J. M\u00fcller stammte aus Jauer und wurde hier 1717 as erstemal zum Ratmann gew\u00e4hlt. 1728 wurde er B\u00fcrgermeister, was er bis 1742 blieb. W\u00e4hrend seiner Regierung reiste die K\u00f6nigin von Polen am 29. Dezember 1733 mit achtzig Postpferden hier durch, um am anderen Morgen nach Krakau zur Kr\u00f6nung zu reisen. Bei ihrer Ankunft wurde sie von Pauken auf dem Ratsturme und zwei Kompanien B\u00fcrgern in Parade begr\u00fc\u00dft. Sie nahm mit ihrer Oberhofmeisterin, ihren Hofdamen und dem dreij\u00e4hrigen Prinzchen Xaver bei B\u00fcrgermeister M\u00fcller Quartier. Von der Geistlichkeit, den St\u00e4nden und dem Magistrat wurde sie in der vorderen Ratsstube stehend bewillkommnet. Um 7 Uhr abends speiste sie daselbst unter Zulassung von Zuschauern. Zu ihrer Rechten sa\u00df die Oberhofmeisterin Gr\u00f6fin Kollowrath, zu ihrer Linken die Gr\u00e4fin Almesloe. Auch die Landes\u00e4ltesten von Bunzlau und L\u00f6wenberg, die Herren von Briese und Baron Glaubitz, waren eingeladen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Tafel lie\u00df die K\u00f6nigin dem Erzpriester Mentzel durch ihren Beichtvater, eine, Jesuiten, melden, da\u00df sie am n\u00e4chsten Morgen die Fr\u00fchmesse besuchen werde. Mentzel beschreibt zu Nutz und Frommen seiner Amtsnachfolger den Kirchgang in seiner Pfarrchronik; er habe es bei einer kurzen Verbeugung gegen\u00fcber der K\u00f6nigin bewenden lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der B\u00fcrgermeister hielt sich aber seit 1741 zu den Evangelischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ignatz Romberg stammte aus Kloster Zelle im Brandenburgischen. Sein Gro\u00dfvater war schon Ratmann in K\u00f6ln am Rhein gewesen. Romberg war 1724 Sch\u00fctzenk\u00f6nig. B\u00fcrgermeister Wolfgeil war sein Schwiegervater. Deshalb konnte seine Wahl in den Rat erst best\u00e4tigt werden, nachdem dieser am 26. Februar 1726 gestorben war. Er selbst starb am 8. Januar 1750 als katholischer Polizeib\u00fcrgermeister.<\/p>\n\n\n\n<p>Emanuel Rosenberg stammte aus Gr\u00f6ditzberg. Er kam 1726 in den Rat und war bei der Grundsteinlegung des evangelischen Bethauses, am 22. Juni 1752, Senator und Syndikus.<\/p>\n\n\n\n<p>Franz Joseph Hundt wurde ebenfalls 1726 Ratmann. 1780 (Ganz offensichtlich ein Druckfehler. M\u00f6glicherweise 1730) wird er als Assessor im Sch\u00f6ppengericht aufgef\u00fchrt. Sein Tod erfolgte im Juni 1740.<\/p>\n\n\n\n<p>Joh. Neumann und Joh. Geiger wurden 1730 Ratm\u00e4nner.<\/p>\n\n\n\n<p>Joh. Samuel Baumgarten, der bis dahin Stadtschreiber gwesen war, wurde 1731 Syndikus.<\/p>\n\n\n\n<p>Romberg, Hundt, Neumann, Geiger und Baumgarten bildeten \u00fcbrigens die Kommission, die am 10. Juni 1738 die lange Jahre verabs\u00e4umte Grenzregulierung mit Primkenau vornahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Als unsere Ratsuhrglocken das erstemal ein neues Jahr verk\u00fcndete, stand K\u00f6nig Friedrich II. bereits vierzehn Tage in schlesien. Sie haben also von dem \u00f6sterreichischen Regimente nicht viel kennengelernt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Abnahme des Adlers vom Rathausturm<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1017\" height=\"1740\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-117.Rathausturm-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1692\" style=\"width:348px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-117.Rathausturm-1.png 1017w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-117.Rathausturm-1-760x1300.png 760w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-117.Rathausturm-1-768x1314.png 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-117.Rathausturm-1-898x1536.png 898w\" sizes=\"auto, (max-width: 1017px) 100vw, 1017px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Stadtblatt, 2. August 1928<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sonst der Marktplatz morgens gegen 5 Uhr menschenleer daliegt, entwickelte sich heute fr\u00fch dort eine Regsamkeit, die den Vor\u00fcbergehenden stutzig machte und ihn zum Stehen-bleiben ermunterte.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Rathausturm hinauf liefen feste Seile, und unten machten sich einige Personen an einer Winde zu schaffen. Oben auf dem \u201eBl\u00fccher\u201c baute gar ein Photograph seinen Kasten auf, und unten wurde ein schlankes Stativ auf-geklappt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach richtig, der Adler sollte ja herabgeholt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen historischen Moment wollen wir einmal nicht vers\u00e4umen und eine Weile warten. Es wird sich schon lohnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unten hat man noch Bedenken, ob die Winde dem Adler gegen\u00fcber, der immerhin seine 3<sup>1<\/sup>\/<sub>2<\/sub> Zentner wiegt, schwer genug ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb wird noch eine Menge Steine auf das Gestell der Winde gepackt. So, nun kann der Adler seinen Flug beginnen! F\u00fcnf Minuten vor <sup>3<\/sup>\/<sub>4<\/sub>6 Uhr neigt sich der Adler nach dem Kaufhaus Heinze hin zur Seite. Schon vier Minuten sp\u00e4ter kann ihn der Dachdecker, der auf der obersten Leiter steht, fassen und leitet ihn \u00fcber die Turmspitze nach dem n\u00f6rdlichen Ger\u00fcst zu Nun geht es schnell abw\u00e4rts, und zwar an der Seite, die dem Bl\u00fccher gegen\u00fcber liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Dachgesims gibt es noch einen Widerstand zu \u00fcberwinden, aber schnell ist man mit Stangen zur Hand und st\u00f6\u00dft den gro\u00dfen Vogel ab. F\u00fcnf Minuten vor 6 Uhr landet er auf dem Turmrundgang. Hier wieder ein Aufenthalt, und dann schwebt der Adler den Turm hinab.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Minuten nach <sup>1<\/sup>\/<sub>2<\/sub>7 Uhr ist er wohlbehalten unten, ein h\u00fcbscher, schmucker Kerl, der uns vor der Handwerkskunst der damaligen Zeit allerhand Achtung abzwingt. Leute str\u00f6men herbei und betrachten ihn, sch\u00e4tzen sein Gewicht, seine L\u00e4nge und H\u00f6he und freuen sich, ihn &nbsp;einmal in der N\u00e4he zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein ganzes Menschenalter und noch etwas mehr hat er da oben auf der Turmspitze gesessen, nun darf er sich eine Weile ausruhen. Er wurde in den alten Ratskeller geschafft, dessen G\u00e4ste er oft nach Hause wanken sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Mittag wurde dann noch der goldene Turmknopf abgenommen. Die Arbeiten leitete Schornsteinbaumeister Karl Otto R\u00f6hrig, der auch das Ger\u00fcst aufrichten lie\u00df, mit gro\u00dfer Umsicht und Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz des Regenwetters konnten wir einige gute Aufnahmen anfertigen, von denen wir hier eine bringen. Weitere Bilder sind in unserem Schaukasten ausgestellt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eWas kommt dort von der H\u00f6h\u2018&#8230;\u201c<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"521\" height=\"388\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-11-114Adler-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1690\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Adler auf dem Rathaus wird aufgefrischt.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Stadtblatt 1928.<\/p>\n\n\n\n<p>Achtzig Jahre lang hat der Adler auf unserem Rathausturme sich im Winde gedreht, achtzig Jahre lang hat er den Nacken steif gehalten, da\u00df ihm die Krone nicht herunterpurzelt, achtzig Jahre lang h\u00e4lt er Reichsapfel und Zepter fest in seinen Klauen. Inzwischen ist man ein paarmal zu ihm emporgestiegen und hat ihm eine kleine Auffrischung angedeihen lassen. Das letztemal im Jahre 1904. In diesen Tagen soll er aus seiner luftigen H\u00f6he heruntergeholt werden, denn es ist da oben am Turm allerhand zu reparieren, und bei dieser Gelegenheit soll unser Adler und der Turmknopf unter ihm gleichzeitig einen neuen Anstrich und eine neue Vergoldung erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Zwecke haben zwei hiesige Handwerksmeister, Dachdeckerobermeister R\u00f6hrig und Klempnermeister K\u00fchn, an der Turmspitze ein Ger\u00fcst errichten lassen, in das ein Schwenkkran eingebaut wird. Von hier aus wird dann mit Hilfe eines Flaschenzuges, der unten auf dem Markt befestigt wird, der Adler \u00fcber das Ger\u00fcst turmabw\u00e4rts geleitet. Ehe diese schwierige Arbeit errichtet werden kann, werden noch einige Tage vergehen. Reichsapfel und Zepter konnten gestern bereits abgenommen werden. Dabei fand man in der Klaue ein verl\u00f6tetes K\u00e4stchen mit Dokumenten. Die abgenommenen St\u00fccke konnten wir gestern in der Turmstube besichtigen. Das Zepter reicht einem erwachsenen Menshen etwa bis zur Brusth\u00f6he, der Reichsapfel ist etwas gr\u00f6\u00dfer als ein Fu\u00dfball.<\/p>\n\n\n\n<p>Der 1,08 Zentner schwere Knopf am Rathausturm, der ebenfalls heruntergeholt werden soll, ist nach der Chronik am 7. Mai 1847 abgenommen worden, um von Maler Schol neu vergoldet und zusammen mit dem damals neuen Adler am 9. Juli 1847 wieder auf dem Turm befestigt zu werden. Er enth\u00e4lt Geldsorten jener und \u00e4lterer Zeit vom Pfennig bis zum Zweitalerst\u00fcck, eine alte und eine neuere Urkunde mit kurzer Geschichte der Zeit um 1847, die Namen des damaligen K\u00f6nigs, des Prinzen von Preu\u00dfen, der hohen und st\u00e4dtischen Beh\u00f6rden und einen Bericht \u00fcber den Stadthaushalt von 1847 und die Angabe der damaligen Getreide- und Brotpreise.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bringen heute ein Bild des Adlers kurz nach seiner Fertigstellung. Die Personen vor dem etwa 3 Meter breiten und 2 Meter hohen Adler sind der Kupferschmied Hampel, in dessen Werkstatt der Adler hergestellt wurde, und seine Angeh\u00f6rigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit den Reparaturen soll auch das Dach des Turmes umgedeckt werden und der Turmhelm einschlie\u00dflich Dach und Turmlaterne einen neuen Anstrich erhalten. \u2013n.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">R\u00fcckkehr des Rathausadlers<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"554\" height=\"414\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-12-128Adler.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1689\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Stadtblatt 1928.<\/p>\n\n\n\n<p>Photo: Friedrichs. Klischee: L. Fernbach.<\/p>\n\n\n\n<p>Der neu vergoldete Turmknopf wurde heute vormittag wieder auf dem Rathausturm angebracht. Er war vorl\u00e4ufig noch in Papier gewickelt, so da\u00df sein \u201eeitel Gold\u201c in der nicht vorhandenen Sonne vorl\u00e4ufig noch nicht gl\u00e4nzen konnte. Auch der Reichsadler ist mit seiner ganzen Habe, die aus Krone, Zepter und Reichsadler besteht, neu auflackiert wieder zur Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hing, als wir diese Zeilen schrieben, gerade in der Schwebe, wir k\u00f6nnen also noch nicht prophezeien, ob er heil oben ankommt, hoffen wir aber das beste.<\/p>\n\n\n\n<p>Ueber die neuen Farben des Turmes ist diesmal mehr gesprochen als geschrieben worden, aber eins sei doch erw\u00e4hnt, da\u00df er schon einmal von rot auf gr\u00fcn her\u00fcberwechselte. Es war im Jahre 1781, als man sich entschlo\u00df, die ganze Kuppel gr\u00fcn zu streichen. Da aber die Farbe binnen vier Jahren ganz verschwunden war, wurde die Kuppel 1785 rot gestrichen. Seitdem war er rot, 143 Jahre lang. Wie lange wird er sich nun mit der gr\u00fcnen Farbe vertragen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie alt ist der Ratsturm? Artur Schiller. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Stadtblatt Nr. 130, vom Sonntag, dem 6. Juni 1926 \u201eIn der Mitte des Ringe steht das Rathaus. 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