{"id":1647,"date":"2024-07-05T17:00:26","date_gmt":"2024-07-05T15:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1647"},"modified":"2024-07-05T17:00:26","modified_gmt":"2024-07-05T15:00:26","slug":"die-aufgaben-der-staatlichen-keramischen-fachschule-in-bunzlau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/05\/die-aufgaben-der-staatlichen-keramischen-fachschule-in-bunzlau\/","title":{"rendered":"Die Aufgaben der staatlichen keramischen Fachschule in Bunzlau"},"content":{"rendered":"\n<p>Dr. B\u00fcttner. Kunstblatt der Jugend. Sch\u00f6pferische Schularbeit in Bild u. Wort. 2. Heft 1925.<\/p>\n\n\n\n<p>Schriftleiter: Johannes Meyer Nowawes. Druck und Verlag: Vortlagewerke Nowawes.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu fr\u00fcheren Zeiten begann in der zweiten H\u00e4lfte des vergangenen Jahrhunderts die Ausbildung der Lehrlinge f\u00fcr Handwerk und Gewerbe einen anderen Weg zu nehmen. Die alte zunftm\u00e4\u00dfige Handwerksordnung hatte dem jungen Nachwuchs wohl meistens eine gute Ausbildung in dem eigenen engeren Gebiet gegeben, es ihm dann aber \u00fcberlassen, durch Wandern nach anderen Gegenden seine Fertigkeiten und vielleicht auch Kenntnisse zu erweitern und zu vermehren. Da\u00df durch diese Selbsterziehung im Verein mit oft gar strenge gehandhabten Zunftgesetzen dem deutschen Handwerk t\u00fcchtige Meister erstanden, zuweilen sogar hervorragende Vertreter, die ihrem Stande und ihrer Heimat zur Zierde gereichten, erz\u00e4hlen uns die Chroniken aus allen Gauen Deutschlands. Als sich aber die Z\u00fcnfte \u00fcberlebt, ihre Regeln sich gelockert hatten, als schlie\u00dflich die Gewerbefreiheit eine ganz andere Grundlage schuf, da wurden auch die Lebensbedingungen des Handwerks g\u00e4nzlich andere. Arbeitsteilung und Spezialisierung lie\u00dfen einerseits die vorher kaum gekannten Gro\u00dfbetriebe emporwachsen, dr\u00fcckten aber andererseits manchen Handwerker zum Arbeiter herab, der dem Gesamtproduktionsproze\u00df seines Werkes entfremdet wurde. Um nun das im Volke wurzelnde Bildungsstreben nicht absterben zu lassen, um den in ihrem Fach nach Vervollkommnung ringenden jungen Leuten helfend beizuspringen, und um schlie\u00dflich auch zum Heile von Handwerk und Gewerbe aus der Reihe der wahrhaft T\u00fcchtigen neue f\u00fchrende Kr\u00e4fte herauswachsen zu lassen, entstanden damals zahlreiche Bildungsvereine, fakultative und dann obligatorische Fortbildungsschulen, endlich auch die Fachschulen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1941\" height=\"1333\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10005-Richter-Keramische-Fachschule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1648\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10005-Richter-Keramische-Fachschule.jpg 1941w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10005-Richter-Keramische-Fachschule-1300x893.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10005-Richter-Keramische-Fachschule-768x527.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10005-Richter-Keramische-Fachschule-1536x1055.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1941px) 100vw, 1941px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Die Keramische Fachschule. Bgm. Richter. Bunzlauer Heimatstube<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus solchen Erw\u00e4gungen heraus wurde auch die Bunzlauer \u201eKeramische Fachschule\u201c im Jahre 1897 errichtet. Hatte man zun\u00e4chst nur daran gedacht, durch sie der alteingesessenen niederschlesischen T\u00f6pferei neue Lebenskr\u00e4fte zuzuf\u00fchren, so sind ihre Aufgaben recht schnell, und zwar ganz von selbst, \u00fcber diese engen Grenzen hinausgewachsen. Die gesamte keramische Industrie \u2013 vom Porzellan bis zur Grobkeramik \u2013 wu\u00dfte sich ihrer bald zu bedienen, sei es, da\u00df sie ihren Bedarf an entsprechend vorgebildeten technischen Beamten oder f\u00fchrenden Kr\u00e4ften unter den Z\u00f6glingen der Fachschule ausw\u00e4hlte, sei es, da\u00df sie sich bei Betriebsst\u00f6rungen oder Nerungen dort technischen Rat holte oder bez\u00fcglich neuer Formen, Modelle, Dekorationen u. dergl. k\u00fcnstlerische Anregungen geben lie\u00df. \u2013<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1342\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-20046-PlanKeramische-1-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1656\" style=\"width:316px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-20046-PlanKeramische-1-scaled.jpg 1342w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-20046-PlanKeramische-1-681x1300.jpg 681w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-20046-PlanKeramische-1-768x1465.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-20046-PlanKeramische-1-805x1536.jpg 805w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-20046-PlanKeramische-1-1073x2048.jpg 1073w\" sizes=\"auto, (max-width: 1342px) 100vw, 1342px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Unterricht an der Fachschule ist auf zwei Jahre bemessen und scheidet sich in naturwissenschaftliche, technische und k\u00fcnstlerische Lehrf\u00e4cher. Die anorganische Chemie als haupts\u00e4chlichster naturwissenschaftlicher Lehrgegenstand vermittelt die Bekanntschaft mit den chemischen Grundgesetzen und den wichtigsten Metallen und Nichtmetallen. Die dabei im ersten Halbjahr erworbenen Kenntnisse mu\u00df der Sch\u00fcler im zweiten Halbjahr bereits im qualitativ-analytischen Laboratorium anwenden, wo er sich mit den Reaktionen der chemischen Grundstoffe vertraut macht und dann einfachere Substanzen und Gemische erkennen und scheiden lernt, bis er schlie\u00dflich auch die Silikatanalyse beherrscht. Einzelne Sch\u00fcler bringen es, zumal wenn sie nach Ablauf der zweij\u00e4hrigen Schulzeit noch ein f\u00fcnftes Halbjahr als Absolventen auf der Anstalt verbleiben, zu ansehnlicher Fertigkeit auch in einzelnen Methoden der quantitativen &nbsp;Analyse. Ist es auch nicht die Aufgabe der Fachschule, fertige Analytiker auszubilden, so mu\u00df doch der Sch\u00fcler so viel analytische Erfahrungen erwerben, da\u00df er sich diesbez\u00fcglich sp\u00e4ter in der Technik mit einfachen Mitteln zu helfen wei\u00df. Die st\u00f6chiometrischen chemischen Rechnungen, in welche der Anf\u00e4nger bereits nach wenigen Wochen eingef\u00fchrt wird, geben ihm die Vor\u00fcbung zur sp\u00e4teren Berechnung von Glasuren und Massen im keramischen Unterricht. Recht eingehend wird die schon genannte anorganische Experimentalchemie behandelt, w\u00e4hrend der organische Teil nur anhangsweise er\u00f6rtert wird, doch so, da\u00df sich der Sch\u00fcler ein Bild von den chemischen Vorg\u00e4ngen der Feuerungstechnik machen kann; dahin geh\u00f6ren die Besprechung und experimentelle Erl\u00e4uterung der Kohlenwasserstoffe, der Kohlens\u00e4ure, des Kohlenoxydes und dergl. \u2013<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1080\" height=\"688\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-141-Keramische-Fachsch.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1649\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-141-Keramische-Fachsch.jpg 1080w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-141-Keramische-Fachsch-768x489.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Ansicht der Keramischen Fachschule um 1935<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den physikalischen Unterricht steht ebenfalls eine ansehnliche Zahl von Apparaten zur Verf\u00fcgung, um den zu besprechenden Lehrstoff durch Experimente zu vertiefen. Wo es ang\u00e4ngig wird, werden auch hier rechnerische Aufgaben gel\u00f6st, so in der Mechanik, Optik, Akustik, Elektrizit\u00e4t und W\u00e4rmelehre; im letztgenannten Gebiet kommt den kalorimetrischen Rechnungen \u2013 im Hinblick auf deren Wichtigkeit in der Keramik \u2013 eine besondere Rolle zu. Die mineralischen Rohstoffe und ihre Herkunft machten die Einf\u00fcgung des mineralogischen Unterrichts in den Lehrplan notwendig. Als Erweiterung und Erg\u00e4nzung hierzu kann die Geologie gelten, in welcher die Vorg\u00e4nge bei der Bildung und Abtragung der Gebirge, ebenso die Lagerungsformen der Gesteine mit ihren St\u00f6rungen, die auf das Antlitz der Erde umgestaltend wirkenden Kr\u00e4fte und alles, was damit zusammenh\u00e4ngt, eingehend besprochen wird. Die mineralogische und die geologische Sammlung eisen \u00fcber ein halbes Tausend charakteristischer St\u00fccke auf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1094\" height=\"705\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-214-Keramische-Fachschule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1650\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-214-Keramische-Fachschule.jpg 1094w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-214-Keramische-Fachschule-768x495.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1094px) 100vw, 1094px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Ansicht der Keramischen Fachschule um 1910<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Hauptlehrfach Keramik gliedert sich in die theoretischen Unterrichtsstunden und Eigenbesch\u00e4ftigung im keramischen Laboratorium. Erstere bringen &nbsp;nach kurzem geschichtlichen \u00dcberblick nicht nur alle keramischen Warengattungen selbst zur eingehendsten Besprechung, sondern auch alle zu deren Herstellung gebr\u00e4uchlichen Methoden, Maschinen, Brenn\u00f6fen, Dekorationsweisen u. dergl. mehr. Eine Wochenstunde ist der st\u00f6chiometrischen Berechnung der verschiedenen Glasuren, Massen, Farbk\u00f6rper usw. vorbehalten. Ungef\u00e4hr parallel damit laufend f\u00fchrt der Sch\u00fcler im keramischen Laboratorium nach Unterweisung eigene Versuche aus. An der Hand einer gro\u00dfen Auswahl zahlreicher Naturtone mu\u00df er zun\u00e4chst lernen, solche zu bewerten; er mu\u00df also Schl\u00e4mmanalysen ausf\u00fchren, die abgeschl\u00e4mmten R\u00fcckstnde untersuchen, Probek\u00f6rper formen und damit Brennproben anstellen, deren Ergebnisse ihm den Weg zu geeigneten Gebrauchsmassen, n\u00f6tigenfalls durch Zumischungen, weisen. Daran schlie\u00dfen sich Herstellung berechneter Massen und Glasuren, Engoben, Farbk\u00f6rper, Pasten, Emails usw., immer im Hinblick auf deren Brauchbarkeit in der Industrie. F\u00fcr Feuerfestigkeitsbestimmungen der Tone ist ein Gebl\u00e4seofen nach Deville vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1074\" height=\"689\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-237-Keramische-Fachchschule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1651\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-237-Keramische-Fachchschule.jpg 1074w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-237-Keramische-Fachchschule-768x493.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1074px) 100vw, 1074px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Ansicht der Keramischen Fachschule um 1930<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die plastische Abteilung unterweist den Sch\u00fcler systematisch in der freien Gestaltung von Gegenst\u00e4nden in Modellierton, Plastilin oder irgend welchen keramischen Arbeitsmassen. Hier findet ebenfalls wieder Hinweis auf die Durchf\u00fchrung solcher Arbeiten in der Industrie statt. Eine wichtige Erg\u00e4nzung dazu biete die Gipswerkstatt, in welcher die Herstellung von Gipsformen f\u00fcr die verschiedenen Arten keramischer Formgebung erlernt wird. Nicht nur peinlichste Genauigkeit ist hier vonn\u00f6ten, der Blick des Sch\u00fclers mu\u00df auch gleichzeitig gesch\u00e4rft werden f\u00fcr die mannigfachen andern Anforderungen, welche die Praxis an die Gipsformen stellt, insbesondere bei mehr- oder vielteiligen Formen, wie sie zur Hervorbringung komplizierter Gegenst\u00e4nden \u2013 Figuren, Gruppen usw. \u2013 notwendig sind. In einer anderen Werkstatt lernt der Sch\u00fcler nun die Anwendung der Gipsformen f\u00fcr das Eindreh- und Aufdrehverfahren, sowie das daf\u00fcr n\u00f6tige Herrichten der Schablonen; auch das sog. Sodagie\u00dfverfahren wird ge\u00fcbt, alles Methoden, ohne welche die moderne keramische Produktion nicht mehr auszukommen vermag. Damit aber auch die alte Kunst des Freidrehend nicht zu kurz kommt, und damit der Sinn f\u00fcr Auffindung neuer k\u00fcnstlerischer Formen, bzw. die Geschicklichkeit dazu, in dem jungen Keramiker geweckt und gef\u00f6rdert wird, stehen mehrere Freidrehscheiben zur Verf\u00fcgung. \u2013<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1104\" height=\"713\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-568-Keramische-Fachschule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1652\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-568-Keramische-Fachschule.jpg 1104w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-568-Keramische-Fachschule-768x496.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1104px) 100vw, 1104px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Da\u00df ein gediegener Zeichenunterricht die Vorbedingung auch f\u00fcr keramische Malerei ist, braucht nicht besonders betont zu werden. Papier, Bleistift, Pinsel und Farbe dienen dann ebenso selbstverst\u00e4ndlich auch bei keramischen Entw\u00fcrfen als zweckentsprechende Utensilien, aber die \u00dcbertragung solcher Entw\u00fcrfe auf keramische Gegenst\u00e4nde bringt erst eine eigene Note mit sich und weckt das besondere Interesse des Sch\u00fclers. Porzellan-, Steingut-, Steinzeug-, Fayencemalerei mit ihrer Differenzierung in Auf-, Unter-, Intarsienglasurdeor, Engoben, Pasten, Emails usw., stellen ihn vor eine Reihe von Aufgaben, die eben nur durch praktische \u00dcbung bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen. Sein Interesse w\u00fcrde jedoch bald erlahmen, wenn er die von ihm modellierten Gegenst\u00e4nde, seine Malereien, seine Glasuren u. dergl. nur im halbfertigen Zustande sehen k\u00f6nnte; im Brennhause aber, welches mit zwei \u00d6fen und drei Muffeln ausgestattet ist, offenbart sich ihm der Erfolg seiner Bem\u00fchungen; wohl wird hier oftmals noch Entleerung des Ofens durch Mi\u00dflingen eine Entt\u00e4uschung bereitet, aber mehr noch spornt ein gutgelungenes St\u00fcck zu weiterer Arbeit an. In derselben Werkstatt, in welcher die noch unfertigen Gegenst\u00e4nde mit Glasurschlamm versehen worden waren, findet nach dem Brennproze\u00df eine etwa notwendig gewordene Beseitigung von Unsch\u00f6nheiten statt; rauhe R\u00e4nder, im Feuer angebackene Sandk\u00f6rner, scharfe Kanten u. dgl. werden durch rotierende Scheiben aus Stahl, Karborundum, Sandstein oder Holz abgeschliffen und gegl\u00e4ttet. Um das Bild der Fachschule als einer kleinen Fabrik zu vervollst\u00e4ndigen, sei erw\u00e4hnt, da\u00df zur Masseaufbereitung eine Tonm\u00fchle (sog. Desintegrator), ein Tonschneider, mehrere Schl\u00e4mmbottiche mit Handpresse und Kugelm\u00fchlen, zur Platten- bzw. R\u00f6hrenherstellung eine hydraulische Presse und R\u00f6hrenstrangpressen vorhanden sind. Zum Antrieb diente bis jetzt ein Gasmotor; verschiedene Maschinen, die gegenw\u00e4rtig neu zur Aufstellung gelangen, erhalten jedoch elektrischen Antrieb. \u2013<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"856\" height=\"1277\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-7-16795-Pukall1920.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1653\" style=\"width:354px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-7-16795-Pukall1920.jpg 856w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-7-16795-Pukall1920-768x1146.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 856px) 100vw, 856px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Um den Z\u00f6glingen der Anstalt auch einige kaufm\u00e4nnische Kenntnisse mitzugeben, ist ein Kursus f\u00fcr Buchf\u00fchrung eingef\u00fchrt, wie auch ein solcher f\u00fcr technisches Zeichnen die Anfangsgr\u00fcnde im Bauzeichnen vermitteln will. Der sp\u00e4ter in einen Betrieb tretende Keramiker soll doch wenigstens eine Bauzeichnung zu deuten verstehen und bei Umbauten von \u00d6fen, Muffeln, Feuerungen, Feuerkan\u00e4len usw. seine Ansichten, f\u00fcr den Ausf\u00fchrenden verst\u00e4ndlich, rechnerisch niederlegen k\u00f6nnen. \u2013 Zwar ist f\u00fcr den Eintritt als Fachsch\u00fcler nur erfolgreicher Besuch einer Volksschule notwendig, doch besitzen viele Fachschulbesucher eine h\u00f6here Ausbildung, selbst Studenten und promovierte Chemiker sind mehrfach vertreten. Damit nun den ehemaligen Volkssch\u00fclern \u2013 bei Gr\u00fcndung der Fachschule war ja auf solche fast ausschlie\u00dflich zu z\u00e4hlen \u2013 Gelegenheit zur Auffrischung ihres Wissens in den Elementarf\u00e4chern gegeben wird, m\u00fcssen sie w\u00e4hrend des ersten Fachschuljahres am Unterricht in Deutsch und Rechnen teilnehmen; w\u00e4hrend dieser Stunden k\u00f6nnen sich diejenigen mit h\u00f6herer Vorbildung in den Werkst\u00e4tten fortbilden. Wer nach einj\u00e4hrigem Besuch der Anstalt in Abteilung II die n\u00f6tige Reife erreicht hat, r\u00fcckt nach Abteilung I auf, um wiederum nach einem Jahre, falls seine Leistungen zufriedenstellend sind, mit dem Absolventenzeugnis die Anstalt zu verlassen. Eine Schlu\u00dfpr\u00fcfung ist nicht vorgesehen, es mu\u00df sich eben dann jeder in der Praxis eine Stellung suchen, die seinen Neigungen und seinem K\u00f6nnen entspricht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1168\" height=\"820\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-095-Keramische-Fachschule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1654\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-095-Keramische-Fachschule.jpg 1168w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-095-Keramische-Fachschule-768x539.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1168px) 100vw, 1168px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Zum Schlu\u00df sei noch erw\u00e4hnt, da\u00df in der Sammlung eine F\u00fclle von pr\u00e4chtig gelungenen Keramiken aus den Werkst\u00e4tten der Fachschule selbst Zeugnis von ihrem mehr als 27 j\u00e4hrigen Wirken ablegt. Es sind in diesem kleinen Museum Porzellan, Steingut, Majolika, Fayence und feinere Irdenware mit allen m\u00f6glichen Dekoren vorhanden, die Gattung Feinsteinzeug tritt jedoch in den Vordergrund. Der Bunzlauer Ton eignet sich in hervorragendem Ma\u00dfe zur Herstellung von Feinsteinzeug, daher lag die besondere Pflege gerade dieser keramischen Gattung nahe, zumal sie in bezug auf Verzierungsm\u00f6glichkeiten alle andern \u00fcbertrifft. Wir sehen deshalb auch in dieser Sammlung alle dabei denkbaren Techniken vertreten. Das alte Bunzlauer braun ist an sich verbessert, als Kunstglasur verfeinert, erscheint auch mit Porzellanfarben und Gold bemalt; durch nachtr\u00e4gliches Einlegen andersfarbiger Glasuren in ausgesparte Stellen erzielte man Intarsienwirkung. Auf- und Unterglasurmalereien mit Farbk\u00f6rpern, wie auch mit L\u00f6sungen (in Kopenhagener Art) bieten dem Auge hier auf dem silbergrauen Scherben fast noch sch\u00f6nere Wirkungen als auf dem wei\u00dfen Porzellan, zumal bei der etwas niedrigeren Brenntemperatur des Steinzeugs die Auswahl an Farboyxden gr\u00f6\u00dfer ist als beim Porzellan. Aus letzterem Grunde erweitert sich auch die M\u00f6glichkeit farbiger Glasuren, insbesondere der Weink\u00fchler (Steinzeug mit Mattglasur)pr\u00e4chtig wirkenden Laufglasuren; unter den letzteren mu\u00df den chinaroten eine bevorzugte Stellung zuerkannt werden. Krystallglasuren finden sich besonders reizvoll in gr\u00fcnen und braunen Farbt\u00f6nen vor, bei einzelnen davon steigern sich diese Effekte noch durch das Auftreten einer Lichtwirkung, die an das Leuchten eines Katzenauges erinnert. Mit einfachen Mitteln sind Glasuren erzielt, die bei Lichtbestrahlung flimmern, als w\u00e4ren zahllose Goldst\u00e4ubchen eingeschmolzen worden. Mattglasuren in verschiedenen Farben zeigen, da\u00df sich damit versehene St\u00fccke nicht nur als Blumenk\u00fcbel, Bowlen, Wandplatten, Zimmerbrunnen, Wasserspeier eignen, sondern da\u00df solch ein samtartiger \u00dcberzug auch f\u00fcr Vasen, Schalen, Wandteller sch\u00e4tzenswert ist. Wunderbare Plastiken nach der Natur, Mensch, Tier, Fabelwesen darstellend, ferner Kaffee- und Teeservice vervollst\u00e4ndigen die Reichhaltigkeit der Sammlung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. B\u00fcttner. Kunstblatt der Jugend. Sch\u00f6pferische Schularbeit in Bild u. Wort. 2. Heft 1925. Schriftleiter: Johannes Meyer Nowawes. Druck und Verlag: Vortlagewerke Nowawes. Im Gegensatz zu fr\u00fcheren Zeiten begann in der zweiten H\u00e4lfte des vergangenen Jahrhunderts die Ausbildung der Lehrlinge f\u00fcr Handwerk und Gewerbe einen anderen Weg zu nehmen. 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