{"id":1608,"date":"2024-07-05T16:28:36","date_gmt":"2024-07-05T14:28:36","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1608"},"modified":"2024-07-05T16:28:36","modified_gmt":"2024-07-05T14:28:36","slug":"die-bunzlauer-chronik-des-friedrich-holstein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/05\/die-bunzlauer-chronik-des-friedrich-holstein\/","title":{"rendered":"Die Bunzlauer Chronik des Friedrich Holstein"},"content":{"rendered":"\n<p>Artur Schiller. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Stadtblatt 16. 12. 1924 und 23. 12. 1924<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn schon die zuletzt gedruckte Chronik der Stadt Bunzlau von Dr. Wernicke (1884) die B\u00fcrgerschaft der Stadt so interessiert, da\u00df k\u00fcrzlich das Exemplar der Volksbibliothek als v\u00f6llig zerlesen gemeldet werden mu\u00dfte, so ist es bedauerlich, da\u00df die nur handschriftlich vorhandene Chronik Holsteins bisher nicht gedruckt werden konnte, die als die Hauptquelle der \u00e4lteren und \u00e4ltesten Bunzlauer Stadtgeschichte anzusehen ist und auch f\u00fcr Schlesien und dar\u00fcber hinaus von Bedeutung ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir alte St\u00e4dtebilder betrachten, so fallen uns fast stets die \u00fcberm\u00e4\u00dfig hoch gezogenen Befestigungs- und Kircht\u00fcrme auf, die die damaligen Zeichner den St\u00e4dten der Wahrheit zuwider verliehen, um dieselben bedeutender erscheinen zu lassen. Ebenso nehmen es die alten Geschichtsschreiber mit der Wahrheit nicht sehr genau. Sie scheuten nicht davor zur\u00fcck, besonders \u00fcber das Alter der St\u00e4dte wie der Adelsgeschlechter M\u00e4rchen zu erfinden. Der dreisteste L\u00fcgenschmied war bekanntlich in hiesiger Gegend Abraham Hosemann aus Lauban, der 1611 mit einer gef\u00e4lschten Chronik von Bolkenhain begann, der er noch viele gleiche folgen lie\u00df. Eine neuere, kritisch gesinnte Zeit hat ihn denn auch gr\u00fcndlich enttarnt. Holsteins Stadtgeschichte steht dazu in wohltuendem Gegensatze. Er will die Wahrheit sagen und berichtet in fesselnder und treuherziger Art und Weise. Er ist uns darum so lieb. Friedrich Holstein war am 23. Dezember 1546 in Bunzlau geboren. Sein Vater und sein Gro\u00dfvater hie\u00dfen Kaspar, seine Mutter Margarete geb. Sch\u00e4ffer. Am letzten Sonntage nach Dreifaltigkeit 1584 hielt er als evangelischer Geistlicher hier in der jetzigen katholischen Kirche seine erste Predigt. Bald darauf wurde er zum Pfarrdienste best\u00e4tigt. In jener Zeit wird er auf Grund damals noch vorhandener \u00e4lterer Aufzeichnungen eine geschichtliche Arbeit geschrieben haben. Merkw\u00fcrdigerweise berichtet er aus der Zeit seiner hiesigen Amtsf\u00fchrung \u00e4u\u00dferst wenig \u00fcber miterlebte Bunzlauer Vorkommnisse und erz\u00e4hlt meist nur, was drau\u00dfen in der gro\u00dfen Welt vor sich ging. In gro\u00dfer Bescheidenheit gibt er in seinen Aufzeichnungen keine Kunde \u00fcber seine eigene Person und nur sehr wenig aus seinem Leben. Wir wissen beispielsweise nur, da\u00df an Mari\u00e4 Lichtme\u00df, am 2. Februar 1600, w\u00e4hrend einer seiner letzten hiesigen Predigten, im neuen Marstalle Feuer ausbrach, wodurch der Gottesdienst gest\u00f6rt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Holstein beendete seine chronikalische Arbeit Anfang 1600 und folgte sodann einem Rufe nach Schweidnitz. Am Sonntage Judika, dem 19. M\u00e4rz 1600 hielt er seine Valetpredigt, und am 22. M\u00e4rz ging er nach Schweidnitz. Seine Stelle blieb 3\/4 Jahre unbesetzt, w\u00e4hrend welcher Zeit sich die Diakone Johannes Froben und Esaias Gerlach in den Pfarrdienst teilten. Am 25. M\u00e4rz 1600 predigte er das erstemal in Schweidnitz.<\/p>\n\n\n\n<p>Holsteins Chronik ist sodann f\u00fcr die Zeit von 1600 bis 1642 von einem Anonymus unter dem Titel Continuatio = Fortsetzung weitergef\u00fchrt. Unbestritten ist in dem Chronisten \u201eder Schulen allhier Kollega\u201c (Lehrer) Christoph Buchw\u00e4lder erkannt worden, der 1612 ein Eckhaus bei der Pfarrkirche bewohnte, das er im Jahre 1604 von unserem Holstein f\u00fcr 350 Taler gekauft hatte. Buchw\u00e4lder hat seine Ansicht \u00fcber die Undankbarkeit der Stadt Bunzlau gegen\u00fcber Holstein, den man aus Bunzlau hatte fortgehen lassen, in folgendem Distichon niedergelegt:<\/p>\n\n\n\n<p>Holstenium hunc vili poterat retinere Bolesla;<\/p>\n\n\n\n<p>Causa: propheta sua nil valet in patria.<\/p>\n\n\n\n<p>(Bunzlau h\u00e4tte diesen Holstein mit geringem Opfer zur\u00fcckhalten k\u00f6nnen; der Grund ist: Der Prophet gilt nichts im Vaterlande.) Wernicke meint aber (S. 282), da\u00df das nicht ganz zutreffe; der Magistrat h\u00e4tte sich genug M\u00fche gegeben, Holstein wiederzubekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich sind im Jahre 1607 vom Rate von Bunzlau ernstliche Anstrengungen zur Zur\u00fcckberufung Holsteins gemacht worden, was aus dessen Briefen vom 24. und 30. August und 4. September 1607 hervorgeht, die bei Wernicke abgedruckt sind, der vom 4. September sogar als Faksimile (hinter S. 284). Man kann die Hoffnung haben, da\u00df es nach diesem Schriftbilde noch einmal gelingen wird, die Urschrift der Chronik festzutstellen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1570\" height=\"2294\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Holstein-7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1609\" style=\"width:340px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Holstein-7.jpg 1570w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Holstein-7-890x1300.jpg 890w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Holstein-7-768x1122.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Holstein-7-1051x1536.jpg 1051w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Holstein-7-1402x2048.jpg 1402w\" sizes=\"auto, (max-width: 1570px) 100vw, 1570px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wernicke bespricht unter den Quellen seiner Chronik (Seite IV) folgende Exemplare von Holstein:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Das im Staatsarchive zu Breslau, das er wohl zu Unrecht als wahrscheinliches Original bezeichnet. Dort ist der \u201eBunzlauischen Pfarrchronik\u201c des Erzpriesters Menzel auf Seite 77 bis 127 ein Bruchst\u00fcck von Holstein angeh\u00e4ngt, das nur bis zum Jahre 1567 reicht. Wernicke selbst hat im Jahre 1888 nach seiner Pensionierung dieses Heft an das Staatsarchiv verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Das Exemplar der Universit\u00e4tsbibliothek zu Leipzig. Dieses Abschrift ist alt; der Einband, ein Halbpergamentband, kann sehr wohl aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammen. Sie ist von einer gro\u00dfen Anzahl verschiedener H\u00e4nde geschrieben und umfa\u00dft 439 Folioseiten. Die Urkunde geh\u00f6rt zu den \u00e4lteren Best\u00e4nden der Bibliothek. Ueber ihre Herkunft ist nichts bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Wernicke erw\u00e4hnt ferner (S. 432) eine Holsteinsche Chronik in der Gr\u00e4flich Schaffgotschschen Bibliothek in Warmbrunn. Der erw\u00e4hnte Erzpriester Mentzel reiste im Sommer 1727 mit dem Bunzlauer Stadtvogt M\u00fcller nach Warmbrunn und Hermsdorf, wo er auch die gr\u00e4fliche, damals schon bedeutende Bibliothek besichtigte. Unter anderem sah er auch eine Holsteinsche Chronik und traf, als er das Buch \u00f6ffnete, \u201ejustement auf die Historie vom Katzenjammer auf dem Pfarrhofe\u201c. Im 16. Jahrhundert hatte n\u00e4mlich eine von einem Altaristen gereizte Katze diesem den Hals durchgebissen, so da\u00df er sterben mu\u00dfte.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Exemplare sollen auch einige Zeichnungen, Badem\u00e4gde darstellend, von der Hand es Cisterziensers P. Spengler, einem geborenen Bunzlauer, angebracht gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Erw\u00e4hnte Chronik, eine Foliohandschrift des 18. Jahrhunderts von 172 Seiten, an die sich bis Seite 237 die Continuatio anschlie\u00dft, ist noch in besagter Bibliothek in Warmbrunn vorhanden. Irgendwelche Zeichnungen sind jedoch darin nicht zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Schlie\u00dflich erw\u00e4hnt Wernicke (auf Seite 448) ein in Jauer vorhanden gewesenes Exemplar, das der Fiscal Schindler 1732 dem Erzpriester Mentzel lieh. Letzterer fertigte daraus 20 Seiten Ausz\u00fcge. Der Verbleib des Buches ist unbekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>5. Bei Erscheinen seiner Chronik kannte Wernicke drei in Bunzlau befindliche Exemplare von Holstenius. Er erw\u00e4hnt zun\u00e4chst das noch im Besitze des Ratsarchivs befindliche St\u00fcck, das hervorragend sch\u00f6n ist. Die Handschrift, 482 Folioseiten umfassend, ist klar, sch\u00f6n und gleichm\u00e4\u00dfig geschrieben. Der Einband ist braunes Leder. Die Zeit der Abschrift ist die Mitte des 18. Jahrhunderts. Welche Gr\u00fcnde Wernicke daf\u00fcr hatte, dieses unser Hauptexemplar als eine Abschrift der Leipziger Handschrift zu bezeichnen, k\u00f6nnen wir nicht erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist vielleicht interessant, wenigstens von diesem St\u00fccke den Titel hierher zu setzen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eM. Friderici Holstenij, Pastoris primum Boleslaviae dein Svidnicensis Buntzlauische Chronica seu (oder) Annales der Stadt Butnzlau im Jauerischen F\u00fcrstenthumbe, abgeschrieben von Christoph Buchw\u00e4ldern. Civem et Senatorem Boleslav. = aet = 74 (im Alter von 74 Jahren), und contiuirt von einem Anonymo ab anno 1600 \u2013 1642 ex Schedis Elia Schartz ex posteris holstenij, qui feri Solus 1641 Super erat.\u201c Dieses Exemplar und mehrere andere haben eine teilweise lateinische Vorbemerkung, in der der Abschreiber angibt, da\u00df sich das Original in den H\u00e4nden eines Bunzlauers Elias Niger (Schwartz) befunden habe, der von Holsteins Nachkommen fast allein \u00fcbriggeblieben sei. Sein Sohn, ein Bunzlauer T\u00f6pfer, habe das Buch als seinen gr\u00f6\u00dften Schatz mit Argusaugen geh\u00fctet. Einem dreisten Jungen (satis puer) sei es aber gelungen, ihm doch das Buch zwecks Abschrift zu entwenden. Der Mund des Abschreibers (meo ore dormiente) habe bei dieser Tat geschlafen. Es l\u00e4ge nahe, hier eine kritische Besprechung der sehr verschiedenen Vorbemerkungen der Holstenius-Exemplare folgen zu lassen. Vielleicht findet aber hierin einmal ein Philologe den Stoff zu einer Doktordissertation.<\/p>\n\n\n\n<p>6. Ein weiteres Bunzlauer Exemplar bezeichnet Wernicke als im Privatbesiz befindlich. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir meinen, da\u00df es das h\u00fcbsche St\u00fcck ist, das zurzeit Herr Hofmaurermeister Peter Gansel in Bunzlaus besitzt. Es ist ein Verdienst dieses bekannten Sammlers und Forsches, da\u00df er schon vor Jahren, als hier noch wenig Interesse f\u00fcr Geschichte der Stadt herrschte, begonnen hat, Objekte, die f\u00fcr Bunzlau wichtig sind, literarische Erzeugnisse und Keramiken, vor der Verschleppung nach au\u00dferhalb zu bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Ganselschen Exemplar ist der Abschreiber M. G. B. Scharff und die Jahreszahl 1696 der Abschrift deutlich zu ersehen.<\/p>\n\n\n\n<p>7. Schlie\u00dflich erw\u00e4hnt Wernicke das sch\u00f6ne und von einem gebildeten Manne geschriebene Exemplar der hiesigen, nicht unbedeutenden Waisenhausb\u00fccherei. Er gibt dieser Handschrift bei&nbsp; Zweifelsf\u00e4llen wiederholt den Vorzug. Den am Schlusse des Buches stehenden Nachtrag von 1741 werden wir unten abdrucken.<\/p>\n\n\n\n<p>8. Nicht gekannt hat Wernicke den Holstenius, den die hiesige katholische Pfarrb\u00fccherei seit langem ihr eigen nennt. Das Exemplar enth\u00e4lt 354 foliierte Seiten. Es ist nicht frei von Irrt\u00fcmern. Als Abschreiber ist unter dem 23. September 1741 Franz Anton Rother bezeichnet. Darunter steht:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStephan, Cantor\u201c; das ist also der Letztabschreiber. Franz Ignaz Stephan war hier um 1758 katholischer Kantor und Schulrektor (Bergemann, Chronik von Bunzlau, Abt. IV S. 34, Wernicke S. 491).<\/p>\n\n\n\n<p>9.&nbsp; Im September 1902 kaufte der Magistrat Bunzlau von der Berliner Buchhandlung Artur Lotz ein Foliobuch, einen Torso der Holsteinschen Chronik von 66 Seiten, worin auch eine Beschreibung und Geschichte der Stadt auf 67 Seiten enthalten ist. Die Verk\u00e4uferin hatte angegeben, da\u00df dieses Buch aus der B\u00fccherei des August Sadebeck in Reichenbach in Schlesien stamme. Das ist ein Nachkomme des Sadebeck auf Schobergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Papier der Handschrift ist stark gelblich. Der Einband enth\u00e4lt die nicht zum Inhalte passende R\u00fccken-Notiz:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eManuskript Jauer und den Bergbau betreffend.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Titel steht, ohne da\u00df etwas von diesen St\u00e4dten zu finden ist:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAuch etwas von Sagan \u2013 Glogau\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Exemplar ist schon 1841 in den Publikationen der Schlesischen Gesellschaft f\u00fcr vaterl\u00e4ndische Kultur erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>10. Schlie\u00dflich besitzt das Bunzlauer Ratsarchiv noch eine Holstenius-Abschrift auf 325 Quartbl\u00e4ttern in schlichtem schwarzen Einbande. Die Schrift ist sehr flott und hat modernen Duktus. Das Alter der Abschrift d\u00fcrfte etwa auf 1810 anzusetzen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>11. Neuerdings hat Universit\u00e4tsprofessor Geheimer Medizinalrat Peiper in Greifswald, desen Vorfahren zahlreich und in Bunzlau angesessen und vielfach Tuchmacher waren, mitgeteilt, da\u00df sich in den H\u00e4nden seines Schwiegersohnes, des Kreismedizinalrates Otto Peiper in Greifswald, ein Holstenius mit folgendem Titel befinde:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAus etlichen alten und neuen Verzeichnissen zusammengezogen durch Herrn Friedericum Holstenium, gewesenen Pfarrer allhier zum Buntzel, abgeschrieben Anno Christi 1737 den 24 Martij durch Samuel George Peipern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schreiber war der im Jahre 1720 geborene Urururgro\u00dfvater des Professors Peiper.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Foliohandschrift ist sehr gut geschrieben umfa\u00dft auf 342 Seiten nur die Zeit bis 1582.<\/p>\n\n\n\n<p>12. Auch die Staats- und Universit\u00e4tsbibliothek Breslau besitzt einen Holstein. Dieser stammt aus den von der Schlesischen Gesellschaft f\u00fcr vaterl\u00e4ndische Kultur \u00fcbernommenen Handschriften. Dieses Exemplar umfa\u00dft 73 Blatt in Quart. Eine lateinische Einleitung geht dort dem Texte nicht voran.<\/p>\n\n\n\n<p>Die genannte Bibliothek kennt ebenfalls die Urschrift der Holsteinische Chronik nicht, ist aber auch der Ansicht, da\u00df das Exemplar des Staatsarchivs diese nicht ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Auskunftsbureau der deutschen Bibliotheken zu Berlin hat sich in neuester Zeit erfreulicherweise f\u00fcr die Frage der&nbsp; Holsteinischen Chronik interessiert und eine allgemeine Umfrage an alle deutschen Bibliotheken wegen weiterer Exemplare erlassen, wenn auch bisher ohne Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p>In der \u201eSchlesischen Zeitung\u201c haben wir k\u00fcrzlich (26. Oktober 1924) f\u00fcr eine Drucklegung des Holstenius eine Lanze gebrochen. Schon Wernicke war im Eingange seiner Chronik daf\u00fcr eingetreten. Holstein ist es jedenfalls wert, unter die schlesischen Geschchtsschreiber (Scriptors rerum Silesiacarum) von dem Verein f\u00fcr Geschichte Schlesiens zu Breslau aufgenommen zu werden, und wir sind verpflichtet, diesen Plan mit allen Kr\u00e4ften zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Anhang bringen wir die Notizen, die die Bunzlauer Waisenhaushandschrift auf ihrem letzten Blatte enth\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anno 1741.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist zu beklagen, da\u00df dasjenige, was ich nun an die etliche funfzig Jahr merckw\u00fcrdiges auf Notirt, nicht umst\u00e4ndlich hat hier k\u00f6nnen ein getragen werden, unsern Nachkommen zum Andenken, es wehre auch gewi\u00df geschehen, wenn nicht die hefftige Feuersbrunst, womit uns der liebe Got heim gesuchet wegen unserer S\u00fcnden Anno 1739 de 2. May. die unsere liebe Stadt in etlichen stunden v\u00f6llig au\u00dfgebrand, bi\u00df auf die Pfarrkirche und 5 H\u00e4user beym Oberthor nebst einer Seite von 11 H\u00e4usern und Stockhaus Von Nicolaithor bis auff den bader Plan alle Schriften nebst den unsrigen verzehrt. Indessen habe ich doch etwas weniges, so mir noch ungef\u00e4hr wi\u00dfent, obschon nicht ordenlich wollen auff zeignen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anno 1683 stund ein gro\u00dfer Cometstern mit einemsehr langen Schwantz am Himmel, der gleichen sind der Zeit in Deutschland nicht mehr gesehen worden, und drauff balt belagerte der T\u00fcrck Wien mit fast 200000 mann, ward aber Von den Christen durch g\u00f6ttliche Hilffe sch\u00e4ndlich geschlagen, jedoch Viel Christen in die Sclaverey.<\/p>\n\n\n\n<p>Anno 1689 wurde Mainz und Bonnen wieder er obret Von der Kayserl. Armee unter Comando des Hertzogs Carl von lothringen, und das letzte auch des damaligen Chur F\u00fcrsten von Brandenburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Anno 1691 den 19. August ist die gro\u00dfe Schlacht bey Salancament (= Salankemen, T\u00fcrkei) gew\u00dfen, wo bey ich selber war. Das Comando hatte Printz Ludwig von Baden: in Ziglers Schau Platz (ein geschichtliches Buch) ist da Von eine wahr hafftige nachricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Anno 1692 im May ist gro\u00df Waradrin(Gro\u00dfwardein) Von General H\u00e4u\u00dfler eingenommen worden, und zogen die T\u00fcrcken au\u00df mit allen Ehren Zeichen, so ich gesehen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1529\" height=\"1943\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Holstein-13.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1610\" style=\"width:366px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Holstein-13.jpg 1529w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Holstein-13-1023x1300.jpg 1023w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Holstein-13-768x976.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Holstein-13-1209x1536.jpg 1209w\" sizes=\"auto, (max-width: 1529px) 100vw, 1529px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Anno 1695 ist am 21. Sebtembr. da\u00df Vetteranische Corps bei Lugosch (Lugos in Ungarn) Von der T\u00fcrckischen Haupt arme geschlagen worden (vergl. auch die sog. Vetteranih\u00f6hle an der Donau vor Orsova) dar bey alles Ver Lohren gegangen, und wir nichts al\u00df da\u00df Leben dar Von gebracht, den 4ten Tag bekahmen wir gegen abent Brodt;&nbsp; Vorigetage da wir Keins hatten, schmeckten die Holtz\u00e4pffel, al\u00df sonsten die Bor\u00dftorffer. Bi\u00df wir aber die wein berge bey Saswarosch (Sasv\u00e1r) wieder er reichten, da wahr wieder guthe Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Anno 1697 wurde der Churf\u00fcrst Von Sachsen, Friedrich August: Zum K\u00f6nig in Pohlen er w\u00e4hlet, nach die\u00dfem ging zwischen Ihm und dem K\u00f6nig von Schweden der Krieg an, welcher etliche Jahre dauert, und gingen blutige Schlachten bei buntsch\u00f6ff (Pintschow, Pincz\u00f3w in Polen), Frauenstadt und ander orthen Vor, es wurde auch bei der ersten der Hertzog Von Holstein beym K\u00f6ng er scho\u00dfen, Viel Sachsen und Mosckowitter sind geblieben. Da die Sachsen von Frau Stadt geflohen, haben Sie hier (in Bunzlau) beym Schie\u00df Hause gelegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anno 1700 Freytags vor Simon Judae (22. Oktober) wurden hier 2 Diebe gehangen der Alte Han\u00df genand, so betteln gegangen, und der gewessene Scholtz von Uttig George wei\u00df, so in Tillendorf oben bey Bergmann bekommen wurden. (Siehe Wernicke S. 403) Anno 1702 abent Vor Lichtme\u00df brandte die Hoffem\u00fchl (Oberm\u00fchle, jetzt Concordia) ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artur Schiller. 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