{"id":1584,"date":"2024-07-05T16:16:00","date_gmt":"2024-07-05T14:16:00","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1584"},"modified":"2024-07-05T16:16:01","modified_gmt":"2024-07-05T14:16:01","slug":"das-bunzlauer-gymnasium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/05\/das-bunzlauer-gymnasium\/","title":{"rendered":"Das Bunzlauer Gymnasium"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Entstehung des st\u00e4dtischen Gymnasiums in Bunzlau<\/h3>\n\n\n\n<p>Artur Schiller. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Stadtblatt, 17. 10. 1931<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1906\" height=\"1377\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10048-Richter-Gymnasium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1585\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10048-Richter-Gymnasium.jpg 1906w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10048-Richter-Gymnasium-1300x939.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10048-Richter-Gymnasium-768x555.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10048-Richter-Gymnasium-1536x1110.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1906px) 100vw, 1906px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>An der s\u00fcdwestlichen Ecke des alten Bunzlauer Gymnasialgeb\u00e4udes befindet sich der Grundstein mit der Inschrift:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e18. Oktober 1861\u201c,<\/p>\n\n\n\n<p>der also in diesen Tagen seinen siebzigsten Geburtstag begehen kann. Dies gibt uns Veranlassung, die Geschichte der Entwicklung des Gymnasiumgedankens und der Erbauung des f\u00fcr Bunzlauer Verh\u00e4ltnisse so gro\u00dfartigen Gymnasialgeb\u00e4udes kurzgefa\u00dft in Erinnerung zu bringen. Die aufstrebende Stadt ging schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Gedanken um, f\u00fcr ihre Kinder eine h\u00f6here Schule zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals wurden schon in den beiden obersten Klassen der evangelischen Stadtschule einige F\u00e4cher des Gymnasialunterrichts: Latein, Franz\u00f6sisch, Mathematik, nebenher in wenigen Stunden gelehrt. Man dachte zun\u00e4chst an eine Realschule.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 23. Juli 1850 genehmigte auch die Beh\u00f6rde den Plan, der aber nicht zur Ausf\u00fchrung kam, weil die Rechte einer solchen damals schlie\u00dflich zu eng begrenzt erschien.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Antrag der Stadt genehmigte die Regierung in Liegnitz unterm 19. November 1857 zwei gesonderte Schulsysteme:<\/p>\n\n\n\n<p>a) eine h\u00f6here Stadtschule mit vier Knabenklassen, entsprechend Sexta bis Tertia, zwei M\u00e4dchenklassen und zwei gemischten Vorbereitungsklassen.<\/p>\n\n\n\n<p>b) eine sogenannte deutsche Stadtschule im bisherigen Umfange.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterausbau war vorgesehen. Zum Leiter beider Systeme wurde am 31. Januar 1858 der Gymnasialoberlehrer Dr. Friedrich Wilhelm Beisert aus Lauban erw\u00e4hlt. Er war am 15. Januar 1816 in Oppeln geboren. Bis 1843 war er an verschiedenen Breslauer Gymnasien t\u00e4tig (Zu Breslau war er auch Lehrer meines Vaters, Baurats Rich. Schiller, gewesen, den er deshalb stets seinen \u00e4ltesten Sch\u00fcler nannte). 1843 ging er nach Lauban. In Bunzlau amtierte er bis 1. April 1882. Zu Ehren ihres verehrten Direktors riefen damals der cand. theol. Bunzel, der cand. phil. Bienwald und der Referendar Schiller eine Beisertstiftung ins Leben, deren Kapital die Inflation geholt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der h\u00f6heren Stadtschule wirkten von Anfang an mit der Gymnasiallehrer F\u00e4hrmann aus Lauban, als Konrektor, und der hier seit 1847 angestellte Lehrer Heinrich.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 15. April 1858 begann das erste Schujahr der h\u00f6heren Stadtschule mit den Gymnasialklassen Sextam 41 Sch\u00fcler, Quinta, 19 Sch\u00fcler, und Quarta, 5 Sch\u00fcler. Zu jener Zeit m\u00fcssen, wie uns erinnerlich ist, Schulklassen in B\u00fcrgerh\u00e4usern untergebracht gewesen sein, z. B. auf dem gro\u00dfen Boden des alten Appunhauses (jetzt Heinze, Markt 28).<\/p>\n\n\n\n<p>Schon am 11. Februar 1859 fa\u00dften die Stadtbeh\u00f6rden einstimmig den Beschlu\u00df, ein Vollgymnasium zu errichten, wozu ebenso die Mittel bewilligt wurden. Die Stadtverordneten machten sich auch aus, da\u00df das Geb\u00e4ude eine Zierde der Stadt werden sollte. Zu Ostern 1859 wurde die Tertia mit zwei neuen Lehrern, Dr. Meyer und Dr. Adler, er\u00f6ffnet, Ostern 1860 eine Obertertia mit den Lehrern Dr. Schmidt und Dr. Winde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ministerialerla\u00df vom 29. August 1860 erteilte die Genehmigung, die lateinische Schule zu einem Vollgymnasium zu entwickeln. Als am 11. September 1860 das Generalkommando Posen der Stadt drei Batterien als Garnison anbot, mu\u00dften diese im Hinblick auf die zu erwartenden Baukosten des Gymnasiums abgelehnt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende 1860 wurde ein Wettbewerb zur Erlangung eines Bauplanes ausgeschrieben und 20 Friedrichsdors f\u00fcr den besten, 10 f\u00fcr den zweibesten ausgesetzt. Den ersten Preis erhielt Maurermeister Oppermann in G\u00f6rlitz, den zweiten der Kgl. Baumeister Jakob in Bunzlau. Letzterer wurde zur Leitung der Bauausf\u00fchrung mit 600 Talern Jahresgehalt angestellt. Alsbald wurde der 4 Morgen 62 Quadratruten gro\u00dfe Bauplatz angekauft.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 18. Oktober 1861, als am Jahrestage der Schlacht bei Leipzig und dem Tage der K\u00f6nigskr\u00f6nung K\u00f6nig Wilhelms I. in K\u00f6nigsberg \u2013 auch der sp\u00e4tere Kaiser Friedrich III. war am 18. Oktober 1831, also vor hundert Jahren, geboren \u2013 wurde der Grundstein gelegt. Am Abend vorher war ein Zapfenstreich der Sch\u00fctzengilde.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Tage selbst fand fr\u00fch um 10 Uhr ein Gottesdienst statt, dann die Feier vor dem Gymnasium, bei der Schulrat Dr. Scheibert die Festrede hielt. Er sprach davon, da\u00df diese Schulgr\u00fcndung eine patriotische und christliche Tat sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rede ist im vierten Jahresberichte des Gymnasiums (der dritte hatte noch \u201eevangelisches Gymnasium\u201c gesagt) abgedruckt. Sodann folgte das \u00fcbliche Festdiner. Abends war die Stadt bei herrlichem Vollmondschein festlich illuminiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ihren Baumeistern hatte die Stadt Ungl\u00fcck. Baumeister Jakob starb bald nach der Grundsteinfeier. Dann wurde ein Kgl. Baumeister Vogelsang (nach dem aber nicht der K\u00fcrschnerberg umgetauft ist) an seine Stelle gew\u00e4hlt. Als er den Bau fast bis zum Dache ausgef\u00fchrt hatte, wurde er von seiner Dienstbeh\u00f6rde abberufen. Schlie\u00dflich \u00fcbernahm der Kgl. Kreisbaumeister Wronka in Bunzlau, ein \u00fcberaus t\u00fcchtiger Architekt, die Fertigstellung. Ihm ist besonders die Ausgestaltung der Aula zu danken. Eine meiner gr\u00f6\u00dften Knabenerinnerungen ist, da\u00df mich \u201eOnkel Wronka\u201c einmal in der Aula mit hoch oben aufs Bauger\u00fcst nahm, wo ich, nat\u00fcrlich verst\u00e4ndnislos, die gro\u00dfen K\u00f6pfe, deren dort unter der Kassettendecke zehn angebracht sind, betrachten konnte. Es sind dies Ptolem\u00e4us und Kopernikus, Sokrates und Kant, Sophokles und Schiller, Homer und Goethe, Vitruo und Winkelmann; an der Galerie befinden sich noch die Musiker Bach und Beethoven. Es wundert mich noch heute, da\u00df diese Zusammenstellung in meiner Schulzeit nie zum Thema eines deutschen oder lateinischen Aufsatzes erw\u00e4hlt worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>St\u00f6rend wirkte auch der B\u00fcrgermeisterwechsel. B\u00fcrgermeister Fl\u00fcgel schied 1862 wegen Ablaufs seiner Wahlperiode aus. 1863 bis zu seinem am 15. April 1865 erfolgten Tode wirkte sein Nachfolger Ernst Schilke. 1861 zu Ostern war die Ober- und Untersekunda eingerichtet worden, und zugleich als Septima eine Vorbereitungsklasse unter dem Lehrer Engmann, der bis dahin die Schulklasse im jetzigen Museum geleitet hatte. Am 29. April 1862 wurde mit feierlichem Aktus im Rathaussaale die Prima eingerichtet, wozu zwei neue Oberlehrer, Dr. G\u00fcttling und Luchterhand, eingestellt wurden. Zu Michaelis 1864 wurde daneben eine sogenannte Realabteilung ohne Griechisch gebildet. Auch trat als technischer Lehrer ein Herr Schwarz aus K\u00f6penick ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 19. Februar 1864 hatte unter Vorsitz des genannten Schulrats Dr. Schreibert die erste Abiturientenpr\u00fcfung stattgefunden, die folgende Sch\u00fcler bestanden: Heinrich Kirchhofer aus Gnadenberg, sp\u00e4ter Diakonus in G\u00f6rlitz, Moritz Kittelmann aus Rabishaus, sp\u00e4ter Rektor in Namslau, Robert Liebich aus Bunzlau, sp\u00e4ter Dr. phil., Oberlehrer in \u00d6ls.<\/p>\n\n\n\n<p>Der am 22. Juni 1925 verstorbene Geheime Justizrat Alfred Liebig, Sohn des hiesigen Kanzleirats Liebig, wohnhaft G\u00f6rlitzer Stra\u00dfe Nr. 50, bestand hier das Abitur erst am 27. Februar 1865.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 3. August 1864 konnte die Einweihung des fertiggestellten Gymnasialgeb\u00e4udes erfolgen. Dieser Tag ist im Vestib\u00fcl des Geb\u00e4udes auf zwei Tafeln verewigt mit folgenden Worten:<\/p>\n\n\n\n<p>Hanc arcem humanitatis Deo, patriae, Literitis consecratam. anno Domini 1864<\/p>\n\n\n\n<p>Juventuti erndiendae apernit civitas Boleslaviensis tertio die mensis Augusti.<\/p>\n\n\n\n<p>(= Diese Gott, dem Vaterlande, den Wissenschaften geweihte Burg hat f\u00fcr den Unterricht der Jugend am 3. August 1864 er\u00f6ffnet die Stadt Bunzlau.)<\/p>\n\n\n\n<p>Schade ist, da\u00df alles andere opulent ausgestattet worden ist, diese kleinen Tafeln aber, marmorartig gestrichen, aus inzwischen schon gesprungenen Holzbrettchen gemacht sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesamtkosten haben 70000 Taler betragen. Die Vorderfront ist 167<sup>1<\/sup>\/<sub>2<\/sub> Fu\u00df lang, die Schmalseite 63<sup>1<\/sup>\/<sub>2<\/sub> Fu\u00df (1 Meter = 3,1865 Fu\u00df). Die Aula ist 28 Fu\u00df hoch und 58<sup>3<\/sup>\/<sub>4<\/sub> mal 42<sup>3<\/sup>\/<sub>4<\/sub> Fu\u00df gro\u00df. Die Fenster \u2013 von denen \u00fcbrigens zwei durch den gro\u00dfen Sturm am 7. Dezember 1868 arg besch\u00e4digt wurden \u2013 sind 22 Fu\u00df hoch. An der Decke der Aula prangen die Wappen von Deutschland (damals noch Doppeladler), Preu\u00dfen, Schlesien und Bunzlau. Die Aula hat von Anfang an Gasheizung in zwei eisernen Heizk\u00f6rpern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Turm ist 123 Fu\u00df = 38,60 Fu\u00df hoch. Urspr\u00fcnglich war ein dicker Turm projektiert (Abbildung im 4. Gymnasialprogramm von 1862). Am 3. Oktober 1865 wurden 550 Taler f\u00fcr die das Gymnasium umgebenden Promenadenanlagen bewilligt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im 1870er Kriege eroberte mein ehemaliger Vorturner, Sekundaner Meschter, die erste franz\u00f6sische Fahne bei Wei\u00dfenburg; er wurde, verwundet, mit dieser der Kaiserin August in Berlin vorgestellt. Zeichenlehrer Schwarz fertigte f\u00fcr die Aula ein richtiges Erinnerungsgem\u00e4lde an den Krieg 1870\/71, zu dem wir Sch\u00fcler alle unser Scherflein beitragen mu\u00dften. Es war aber so steif, da\u00df es bald in den Zeichensaal kam. Es stand noch vor wenigen Jahren umgekehrt auf der Bodentreppe. An die 187 ehemaligen Sch\u00fcler des Gymnasiums, die den Krieg mitgemacht haben, erinnert die \u201ePatriotische Gedenktafel\u201c, die Direktor Beisert 1872 erscheinen lie\u00df.<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Entstehen von Konkurrenzanstalten in Nachbarst\u00e4dten brachte es mit sich, da\u00df man an \u00dcbergabe unserer Anstalt an den Staat denken mu\u00dfte. Der Vertrag vom 29. Dezember 1885\/5. Januar 1886 war das Ergebnis langer Verhandlungen. Bunzlau lie\u00df mit dem 1. April 1886 das Gymnasium auf den Staat \u00fcbergehen. Anstatt eines j\u00e4hrlichen Beitrages hatte es ein f\u00fcr allemal eine Abfindung von 400000 Mark zu zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 12. Oktober 1929 fand das letzte Mal Unterricht im alten Gymnasium statt, am 16. Oktober der erste im neuen Geb\u00e4ude. Am 9. Mai 1930 wurde das alte Geb\u00e4ude dem Justizfiskus \u00fcbergeben. Nach einer gr\u00f6\u00dferen Reparatur nahm das Amtsgericht Ende Juni 1931 davon Besitz.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht tauft man den \u00fcberholten Namen \u201eGymnasialstra\u00dfe\u201c in Verkn\u00fcpfung mit dem Gymnasialgedanken in \u201eBeisertstra\u00dfe\u201c um.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Einweihungsfeierlichkeit des neuen Gymnasial-Geb\u00e4udes am 3. August 1864<\/h3>\n\n\n\n<p>VII. Jahresbericht \u00fcber das Gymnasium zu Bunzlau, womit zu der \u00f6ffentlichen Pr\u00fcfung am 5. April und zu dem Valedictions-Actus am 7. April 1865 ehrerbietigst und ergebenst einladet der Director Dr. F. W. Beisert. Bunzlau, 1865. Druck von C. A. Voigt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2312\" height=\"1707\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-22753-36a_1862.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1586\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-22753-36a_1862.jpg 2312w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-22753-36a_1862-1300x960.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-22753-36a_1862-768x567.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-22753-36a_1862-1536x1134.jpg 1536w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-22753-36a_1862-2048x1512.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2312px) 100vw, 2312px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>So stellte man sich 1861 das geplante Geb\u00e4ude vor<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>An Stelle der f\u00fcr das diesmalige Osterprogramm bestimmten wissenschaftlichen Abhandlung ist eine Darstellung der Einweihungsfeierlichkeit getreten *1) getreten, um den vielfach ge\u00e4u\u00dferten Wunsche der Festgenossen zu entsprechen und zugleich das in den fr\u00fcheren Schulprogrammen zu einer Geschichte des neubegr\u00fcndeten Gymnasiums dargebotene Material zu vervollst\u00e4ndigen. Unter Bezugnahme auf das letztere wird es hier gen\u00fcgen, eine gedr\u00e4ngte Uebersicht der das Geb\u00e4ude selbst betreffenden Notizen voranzuschicken. Der Grundstein zu demselben wurde an dem patriotisch bedeutungsvollen Tage des 18. October 1861 gelegt. *2) Der zweimal nothwendig gewordene Wechsel des leitenden Baumeisters *3) verz\u00f6gerte die Vollendung des Baues bis in den Sommer 1864.<\/p>\n\n\n\n<p>Das nach dem Plane des verstorbenen Maurermeisters Herrn Oppermann aus G\u00f6rlitz im gothischen Styhle ausgef\u00fchrte Gymnasial-Geb\u00e4ude nimmt die Mitte eines freien, 4 Morgen 42 \uf0a3Ruthen gro\u00dfen Platzes zwischen der Promenade und dem Eisenbahndamme ein, und besteht aus Souterrain, Parterre und 2 Etagen. Die 167 <sup>1<\/sup>\/<sub>4<\/sub> Fu\u00df lange Vorderfront ist nach S\u00fcden der Promenade zugewendet. In ihrer Mitte erhebt sich \u00fcber dem Portale ein 123 Fu\u00df hoher, mit Gallerien versehener und mit Zinnen geschm\u00fcckter Thurm, in welchem die Gymnasial-Uhre aufgestellt ist und leicht die etwa k\u00fcnftighin erforderliche Einrichtung eines Observatoriums vorgenommen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die schmalen Seiten des Geb\u00e4udes erstrecken sich in einer Breite von 63 <sup>1<\/sup>\/<sub>4<\/sub> Fu\u00df nach Osten und Westen. Der Haupteingang des Geb\u00e4udes befindet sich im S\u00fcden von der Promenade aus \u00fcber den 60 Fu\u00df breiten und l\u00e4ngs der ganzen Front ausgedehnten freien Platz, der mit angemessenen Anlagen versehen werden und durch das zu errichtende Opitz-Denkmal eine local bedeutungsvolle Zierde empfangen soll. Durch das vorspringende Portal tritt man in ein ger\u00e4umiges Vestib\u00fcl, welches an den beiden W\u00e4nden einander gegen\u00fcber zwei Votivtafeln enth\u00e4lt, links mit der Inschrift \u201eHanc arcem humanitatis Deo, Patriae, Literis consecratam \u2013 Anno Dom. MDCCCLXIV.\u201c, rechts mit der Inschrift: \u201eJuventuti erudienadae aperuit Civitas Boleslaviensis. Tertio die mens. Augusti.\u201c 8 Stufen f\u00fchren durch eine Glasth\u00fcr auf den Corridor des Parterres. An der \u00f6stlichen Seite des Geb\u00e4udes befindet sich ein Nebeneingang zur Wohnung des Directors; an der Nordseite die in den Schulhof f\u00fchrende Hinterth\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Innere des Geb\u00e4udes enth\u00e4lt au\u00dfer den R\u00e4umlichkeiten des Souterrains, wo sich auch die Wohnung des Kastellans befindet, im Parterre, durch einen durchgehenden 12 Fu\u00df breiten Corridor getrennt, links die Klassenzimmer der Sexta, Quarta, Ober-Tertia und Quinta, rechts der Ober-Secunda, Unter-Secunda, Septima, das Conferenzzimmer, der Unter-Tertia imd das Amtszimmer des Kastellans; im 1. Stock links 2 bis jetzt reservirte Zimmer, die Prima und den Zeichensaal, rechts das Vorzimmer zur Aula, die Realklasse, die Zimmer f\u00fcr Bibliothek und naturhistorische Sammlungen; im 2. Stock die Wohnung des Directors, den physikalischen Saal und ein reservirtes Zimmer. S\u00e4mmtliche Klassenlocale sind mehr als ausreichend ger\u00e4umig, hell, gesund und mit zweckm\u00e4\u00dfigem Inventar (bequemen schwarz polirten Subsellien, Schreibtafeln, Kleiderrechen, Lehrertischen, Ventialations-Apparaten) versehen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1059\" height=\"706\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/017-Gymnasium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1587\" style=\"width:440px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/017-Gymnasium.jpg 1059w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/017-Gymnasium-768x512.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/017-Gymnasium-360x240.jpg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 1059px) 100vw, 1059px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Zeichensaal ist mit einer hinreichenden Anzahl von breiten Zeichentischen mit Gestellen ausgestattet. Das Local f\u00fcr den Carcer befindet sich 3 Treppen hoch im Thurme. Die gro\u00dfe Thurmuhr schl\u00e4gt, im ganzen Geb\u00e4ude deutlich vernehmbar, die vollen Stunden. Es ist die sehr zweckm\u00e4\u00dfige Einrichtung getroffen, da\u00df 10 Uhr zweimal schl\u00e4gt, 5 Minuten vor und 10 Minuten nach der wirklichen Zeit, wodurch die 15 Minuten des Respiriums auf 2 Lehrstunden vertheilt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hauptzierde des Geb\u00e4udes und in der That eine Sehensw\u00fcrdigkeit der Stadt ist die mit gro\u00dfem Kostenaufwand geschmackvoll ausgestattete Aula, welche sich &nbsp;in einer H\u00f6he von 28 Fu\u00df durch beide Etagen erstreckt und, 58 <sup>1<\/sup>\/<sub>4 &nbsp;<\/sub>Fu\u00df lang und 42<sup> 3<\/sup>\/<sub>4<\/sub> &nbsp;Fu\u00df breit, die westliche Seite des Geb\u00e4udes einnimmt. Auf dem Corridor der 1. Etage befindet sich die mit den Weiheworten der Anstalt \u201eDeo, Patriae, Literis\u201c geschm\u00fcckte Eingangsth\u00fcr, an deren nach Innen gerichteten Seite auf 2 Consolen die Statuen Alexander von Humboldt\u2018s und Friedrich August Wolf\u2018s hervortreten. Der erste Blick des Eintretenden f\u00e4llt auf die der T\u00fcr gegen\u00fcber unter Baldachinen aufgestellten B\u00fcsten des regirenden K\u00f6nigs und Friedrichs des Gro\u00dfen. &nbsp;Die beiden L\u00e4ngeseiten des Saales sind mit je 5 B\u00fcsten, \u2013 rechts Ptolem\u00e4us, Sokrates, Sophokles, Homer, Vitruv, links Copernicus, Kant, Schiller, G\u00f6the, Winkelmann \u2013 geschm\u00fcckt. Unter denselben sind die Himmelszeichen, \u00fcber denselben ein hervortretender Fries in Stuccatur angebracht. Die s\u00fcdliche, der Promenade zugewandte Breitseite nehmen 3 buntbemalte, 22 Fu\u00df hohe Glasfenster ein.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer N\u00e4he sind auf einer Estrade 2 Rednerb\u00fchnen errichtet, die hintere, mit den B\u00fcsten Pestalozzi\u2018s und Lavater\u2018s geschm\u00fcckte, f\u00fcr die Lehrer, die vordere niedrigere f\u00fcr die Sch\u00fcler bestimmt. Links und rechts derselben befinden sich die den Beh\u00f6rden und dem Lehrer-Collegium reservirten Pl\u00e4tze, vor ihnen die Genien des Glaubens und der Hoffnung. Den Rednerb\u00fchnen gegen\u00fcber bietet die Tiefe des Saales die f\u00fcr die Sch\u00fcler und ein zahlreiches Auditorium ausreichenden R\u00e4umlichkeiten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1070\" height=\"684\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/040-Anlagen-mit-Stadttheater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1588\" style=\"width:537px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/040-Anlagen-mit-Stadttheater.jpg 1070w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/040-Anlagen-mit-Stadttheater-768x491.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1070px) 100vw, 1070px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>An der n\u00f6rdlichen Breitseite springt ein 12 Fu\u00df breites, von 3 S\u00e4ulen getragenes Empore hervor, dessen Bestimmung f\u00fcr Musik- und Gesang-Auff\u00fchrungen durch die B\u00fcsten Haydn\u2018s und Seb. Bach\u2018s gekennzeichnet wird. In der Mitte der Kassetten-Decke w\u00f6lbt sich eine Kuppel, bestimmt zur Aufnahme des Kronleuchters. Die Decke zieren au\u00dfer mannigfaltigen Arabesken die 4 Wappen Deutschlands, Preu\u00dfens, Schlesiens und Bunzlaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Grundsteinlegung an einem patriotisch bedeutungsvollen Tage erfolgt war, so sollte nun auch die Einweihung und Uebergabe des gl\u00fccklich vollendeten Baues von der Auswahl des Tages eine erh\u00f6hte Bedeutung empfangen. Es wurde der 3. August dazu bestimmt. Auf den Wunsch der St\u00e4dtischen Beh\u00f6rden trat mit Genehmigung des K\u00f6nigl. Provinzial-Schul-Collegiums eine Verlegung der Sommerferien derart ein, da\u00df der Wiederbeginn des Unterrichts sich unmittelbar an die Feierlichkeit anschlie\u00dfen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Director hatte im Namen des Lehrer-Collegiums durch ein besonderes Programm *4) zur Theilnahme eingeladen; an die betreffenden Hohen Staatsbeh\u00f6rden waren schonvorher die Einladungsschreiben der Stadt ergangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Festtage selbst versammelten sich die K\u00f6niglichen und St\u00e4dtischen Beh\u00f6rden, Geistlichkeit und Lehrer im Rathhaussaale, von wo sich um 10 Uhr der Festzug, voran die Sch\u00fcler des Gymnasiums, unter feierlichem Glockengel\u00e4ute nach dem Gymnasialplatze bewegte. An dem Portal des Geb\u00e4udes empfing Herr Kreisbaumeister Wronka, umgeben von den bei dem Baue besch\u00e4ftigt gewesenen Gewerken, den Zug und \u00fcbergab mit einer kr\u00e4ftigen Ansprache *5) den Schl\u00fcssel an den B\u00fcrgermeister Herrn Schilke, der darauf \u201ezur Ehre Gottes und des Vaterlandes\u201c die Pforten er\u00f6ffnet. Nachdem die Theilnehmer des Zuges in der Aula, wo bereits ein zahlreiches Damenpublicum anwesend war, ihre Pl\u00e4tze eingenommen, wurden die zur Erh\u00f6hung des Festes erschienenen Hohen Staatsbeh\u00f6rden, der General-Superintendent von Schlesien Herr Dr. Erdmann, der K\u00f6nigliche Provinzial-Schulrath Herr Dr. Scheibert, der K\u00f6nigliche Regierungs-Schulrath Herr Stolzenburg, der K\u00f6nigliche Regierungs-Baurath Herr Bergmann, feierlich eingeholt und empfangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ihrem Eintritt er\u00f6ffnete der Choralgesang: \u201eDir, dir Jehovah, will ich singen\u201c den in der Aula abgehaltenen Festactus. Zun\u00e4chst bestieg Herr B\u00fcrgermeister Schilke die Rednerb\u00fchne und hielt die nachstehende Uebergaberede:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDanket dem Herrn, die ihr wohnet in seinem Hause, lobet ihn immerdar den Herrn Zebaoth, euren K\u00f6nig und Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Worte des Psalmisten m\u00f6gen die ersten sein, welche an dieser Stelle t\u00f6nen. Ich rufe sie Ihnen, hochgeehrte Herren Lehrer, ich rufe sie Ihnen, geliebte Sch\u00fcler dieser Anstalt, die Sie fortan hier Wohnung nehmen, zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Danket dem Herrn, die ihr gebauet dieses Haus, lobet ihn immerdar, so t\u00f6nt es in meinem Herzen und findet sicherlich Widerhall in alle den Herzen, die mit mir berufen sind, das Wohl dieser Stadt zu berathen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Danke haben wir reiche Ursache, dazu f\u00fchlen wir uns Alle in dieser ernsten feierlichen Stunde gedrungen. Eine Feierlichkeit, wie die heutige ist ja nicht leere gehaltlose Spielerei, nicht ceremonielles Schattenspiel, nicht zeitvertreibende T\u00e4ndelei, sie hat einen erhabeneren Grund, eine tiefere Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schule soll ich ein Geb\u00e4ude \u00fcbergeben, \u2013 der Schule, die nicht im Dienste der Stadt, nicht im Dienste einer Partei, sondern im Dienste des Vaterlandes und der Menschheit arbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer f\u00fchlt nicht der Bedeutung Majest\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles Gute, was hier gethan und geschaffen wird, flie\u00dft in den gro\u00dfen Strom des allgemeinen Guten, das, als die Ausbeute aller Bestrebungen der Menschheit, das gro\u00dfe Weltreich der Ideen und der Menschheit begr\u00fcnden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Genius einer guten Schule ist der Genius der Menschheit, und der Staat, der ihn hegt und pflegt, wie unser Vaterland, wird mit Recht ein gro\u00dfer genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum f\u00fchle ich mich gedrungen, den Hohen und H\u00f6chsten Staatsbeh\u00f6rden noch einmal von dieser Stelle aus den tiefgef\u00fchlten Dank f\u00fcr ihre Zustimmung zur Errichtung dieser Anstalt im Namen der Stadt auszusprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt glaubte diesen Dank nicht besser beth\u00e4tigen zu k\u00f6nnen, als da\u00df sie ein dem erhabenen Zweck w\u00fcrdiges Geb\u00e4ude herstellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die st\u00e4dtischen Beh\u00f6rden, von dem Gedanken geleitet, da\u00df die \u00e4u\u00dfere Sch\u00f6nheit und Pracht auf die Sch\u00fcler ihren Einflu\u00df aus\u00fcben mu\u00df, haben die gr\u00f6\u00dften Opfer nicht gescheut.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie f\u00fchlten, da\u00df die \u00e4u\u00dfere Umgebung unendlich viel zur Geistes- und Herzensstimmung der Sch\u00fcler beitr\u00e4gt, da\u00df sie auf ihr Inneres wirkt, ihre Anlagen entwickelt, ihre Gef\u00fchle anregt, ihre Phantasie belebt, ihre Th\u00e4tigkeit bestimmt, und ihrem Gem\u00fcthe diejenige Richtung giebt, die sich sp\u00e4ter in ihrem Wirkungskreise \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dank ferner den M\u00e4nnern, die mit Ausdauer und Beharrlichkeit die Gr\u00fcndung eines Gymnasiums anbahnten und den Grundstein zu diesem Prachtbau legten, insbesondere meinen Herrn Amts-Vorg\u00e4nger, ich rufe ihnen Allen als Dank zu:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schulen sind die Pflanz- und Pflegest\u00e4tten des Heiligen, Ewigen, sie haben Gutes und Gro\u00dfes geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Dank wird die Mitwelt, diesen Dank kann die Nachwelt Ihnen nicht rauben.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sie hervorgerufen, steht heute vollendet da.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Entz\u00fccken haftet das Auge des Beschauers an diesem architektonischen Prachtbau. \u2013 Der Wanderer fragt erstaunt, wer und wem errichtete man solch Geb\u00e4ude, und die Antwort: die Stadt der Schule, durchbebt freudig seine Seele, er lernt, da\u00df f\u00fcr die Erziehung der Jugend auch das Beste nicht zu gut sein darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein stattlicher Bau, steht das lang ersehnte Geb\u00e4ude nun da, weit in die Stadt schauend, in deren Boden es festgewurzelt ist, wie seine Anstalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele, sehr viele H\u00e4nde mu\u00dften sich regen, um den Bau zu vollenden, oft kamen die Bauleute bei der Ausdehnung, Gr\u00f6\u00dfe und H\u00f6he des Geb\u00e4udes in gef\u00e4hrliche Lage, und nur der umsichtigen Leitung ist es zu danken, da\u00df kein Ungl\u00fcck geschah.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erinnerung an den Bau wird nicht durch Schmerzenslaute und Seufzer solcher, die Schaden an ihrem K\u00f6rper genommen haben, gest\u00f6rt. Der Weltenbaumeister hat seine sch\u00fctzende Hand \u00fcber Alle ausgebreitet, die an diesem Bau t\u00e4thig teilgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und diesen Dank, ich spreche ihn n\u00e4chst Gott freudig und herzlich aus gegen Alle, die hier zusammen gearbeitet, gegen alle die ehrenwerthen M\u00e4nner und Meister, welche mitgewirkt haben, diesen Tempel der Wissenschaft fest und stattlich aufzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor Allen gegen Sie, Herr Kreisbaumeister Wronka, der Sie den Bau zum gl\u00fccklichen Abschlu\u00df brachten. Mit Staunen und Bewunderung sehen wir den Gedanken des dahingeschiedenen Baumeisters Oppermann aufs Herrlichste ausgef\u00fchrt. Dieser sch\u00f6ne Raum, worin wir uns befinden, so ganz eigentlich Ihr Werk, gibt redendes Zeugni\u00df f\u00fcr Ihre bew\u00e4hrte Treue und hingebungsvolle Th\u00e4tigkeit, namentlich wenn die Schwierigkeiten, womit Sie oft zu k\u00e4mpfen, in Erw\u00e4gung gezogen werden; gibt Zeugni\u00df von Ihrem Sinne f\u00fcr das Sch\u00f6ne und Erhabene.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Lobes bedarf es weiter nicht, das Werk lobst sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00e4u\u00dfere Einrichtung f\u00fcr den Unterricht jedoch, und w\u00e4re sie die vortrefflichste, wurde nicht gen\u00fcgen, um die Aufgabe, die hier vorliegt, zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bedarf, soll dieses geschehen, eines lebendigen Princips, von dem der Unterricht getragen, durch welches er in allen seinen Theilen zu einer Einheit verbunden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses lebendige Princip sind Sie, hochverehrte Herren Lehrer.<\/p>\n\n\n\n<p>Jahre lang haben Sie ohne eigne St\u00e4tte, unter wahrlich oft schwierigen Verh\u00e4ltnissen segensreich gewirkt. Von heute ab, wo Sie diese stattlichen R\u00e4ume beziehen, wird Ihnen eine Last vom Herzen genommen, welche, wie ich wei\u00df, schwer auf Ihrer Berufsth\u00e4tigkeit lastete.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Burg der Wissenschaft, die ich Ihnen heut \u00fcberweise, sei eine feste.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihr mag es Ihnen verg\u00f6nnt sein, noch lange zu wirken, in ihr werden Sie das gro\u00dfe Werk der Erziehung der Ihnen anvertrauten Jugend fortan f\u00f6rdern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist weder meines Amtes, noch ist es n\u00f6thig, Sie auf Ihren Wirkungskreis hinzuweisen, aber ich bin im Namen der Stadt zu der Bitte berechtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wollen Sich durch diese herrlichen R\u00e4ume gest\u00e4rkt und von Neuem f\u00fcr Ihren schweren Beruf erw\u00e4rmt f\u00fchlen. M\u00f6ge der Geist, der Sie bisher geleitet, in dem neuen Zeitabschnitte ferner walten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wende mich noch an Sie, geliebte Sch\u00fcler dieser Anstalt. Vergessen Sie nie die hohe Bestimmung, zu welcher Sie hier vereinigt sind, auf da\u00df Sie sich w\u00fcrdig vorbereiten zu dem Berufe, den Sie erw\u00e4hlt haben, dann, ja dann wird die Zeit gesegnet sein, die Sie hier zubrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlicher Gehorsam, ernster Flei\u00df, sittsames Verhalten, sittlicher Wandel sind Tugenden eines Sch\u00fclers, auf die ich aufmerksam zu machen nicht berufen bin; \u2013 wohl aber bin ich berechtigt, auf eine Tugend, n\u00e4mlich die Liebe zur Ordnung hinzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere Sie an die Worte des Sokrates, der einem feinen aber ungebildeten J\u00fcngling zurief: \u201eW\u00fcrdest Du Dich nicht sch\u00e4men, aus einer elfenbeinernen H\u00fclle ein bleiernes Schwert zu ziehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die elfenbeinerne H\u00fclle ist dieses Haus, Ihre Bildung das Schwert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sch\u00f6nen Formen, die Sie fortan umgeben, die lichten freundlichen R\u00e4ume, die Sie aufnehmen, m\u00f6gen Sie mahnen, Sich nicht selbst durch Besch\u00e4digung derselben zu entehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie w\u00fcrde sonst der schwerste Vorwurf, der der Rohheit treffen, den ein \u00f6ffentliches Denkmal (und ein solches ist dieses Geb\u00e4ude) zu verunstalten, ist stets ein Zeichen der Rohheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Dulden Sie keinen Frevler, keinen Zerst\u00f6rer unter Sich. Wie sich einst das athenische Volk gegen den Dichter erhob, der es wagte, in einer seiner Trag\u00f6dien etwas Unw\u00fcrdiges vorzubringen, so erheben Sie Sich gegen den Ver\u00e4chter jeder guten Sitte.<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist meine Bitte, das ist die Bitte der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihnen, hochverehrter Herr Director, unter dessen Leitung die Lehranstalt steht, \u00fcberweise und \u00fcbergebe ich im Namen der Stadt diese R\u00e4ume zu treuer sorglicher Obhut und bestimmungsm\u00e4\u00dfigem Gebrauche f\u00fcr die Zwecke der Anstalt mit dem Gebete:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGott segne Ihren, er segne unser Aller Eingang.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ihnen allen hochgeehrteste Festgenossen aber sage ich hiermit den besten Dank f\u00fcr die Ehre, die Sie dieser Anstalt dadurch erwiesen, da\u00df Sie Sich an diesem Feste betheiligen und schlie\u00dfe mit dem innigen Wunsche, da\u00df die lebendige Theilnahme f\u00fcr die Entwickelung des Gymnasiums sich im Laufe der Zeit unver\u00e4ndert erhalten und zu einer immer engeren Verbindung von Schule und Haus &nbsp;zu gemeinsamer Pflege und F\u00f6rderung edler Jugendbildung f\u00fchren m\u00f6ge.<\/p>\n\n\n\n<p>Das walte Gott. Amen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gymnasial-S\u00e4ngerchor trug demn\u00e4chst eine Motette und einen Gesang vor, worauf der K\u00f6nigl. Provinzial-Schulrath Herr Dr. Scheibert die Rednerb\u00fchne betrat und nachfolgende Weiherede hielt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIm Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Hause hier, welches soeben der Bauherr seiner Bestimmung \u00fcberwiesen hat, welches ich hiermit im Namen und Auftrage der Staatsbeh\u00f6rde in den Dienst der Jugend stelle, welches heute die Kirche f\u00fcr die letzten und h\u00f6chsten Ziele aller und jeder Bildung weihen wird: Zu diesem Geb\u00e4ude legten wir vor 3 Jahren einen doppelten Grundstein:<\/p>\n\n\n\n<p>einen sichtbaren, gehauen aus einem lernfesten Fels des vaterl\u00e4ndischen Bodens, auf dem der Meister und seine Gesellen Bunzlau\u2018s Namen mit Monument-Schrift einzeichnen sollten in die Liste der St\u00e4dte, welche preu\u00dfischem Streben und preu\u00dfischem Geiste ein Opfer darbrachten,<\/p>\n\n\n\n<p>und einen unsichtbaren Grundstein, den Gott der Herr selber in Zion gelegt, einen bew\u00e4hrten Stein, einen k\u00f6stlichen Eckstein, auf dem die Gesellen des rechten Meisters aus Israel mit Glaubensschrift in den Jugendherzen dem HErrn einen Altar, Ihm seinen Tempel bauen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der sichtbare Bau ist rasch gef\u00f6rdert. \u2013 Ihm wurden, Dank der unabl\u00e4ssigen Sorge des leitenden Magistrates, alle Kr\u00e4fte zur F\u00f6rderung desselben reichlich zugewiesen; ihm sind, Dank der Munifizenz der st\u00e4dtischen Vertreter, die Mittel f\u00fcr alles N\u00f6thige und Zweckm\u00e4\u00dfige reichlich zugewandt; ihm sind, Dank der hochherzigen Gesinnung der gesammten B\u00fcrgerschaft, die Spenden f\u00fcr alles Erw\u00fcnschte und Sch\u00f6ne reichlich gestossen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1092\" height=\"680\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/093-Gymnasium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1589\" style=\"width:497px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/093-Gymnasium.jpg 1092w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/093-Gymnasium-768x478.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1092px) 100vw, 1092px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der sichtbare Bau ist kr\u00e4ftig, zweckm\u00e4\u00dfig, sch\u00f6n: so bekennen wir mit Allen, die ihn betrachten. \u2013 Seine Mauern sind wie sein Grundstein aus felsenfesten Quadern urzeitiger Erdbildung aufgef\u00fchrt und zeugen von St\u00e4rke; die Ueberbr\u00fcckung der starken W\u00e4nde, die Tr\u00e4ger des schirmenden Daches sind aus dem reifften Holze des kr\u00e4ftigtste Waldwuchses genommen und sichern der St\u00e4rke die Dauer; die Bindemittel sind nach untr\u00fcglichen Regeln der Erfahrung und Wissenschaft gefertigt und verhei\u00dfen dem Baue Widerstandskraft gegen Sturm und Wetter.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kunstverst\u00e4ndiger Baumeister hat die Zwecke des Geb\u00e4udes einsichtsvoll berechnet, alle einzelnen Theile darnach wohl bemessen, und wie sehr auch immer bei der Wahl der Stoffe an die Naturproducte gebunden, hat er die todte Masse hinaufgehoben in das Bereich des verst\u00e4ndigen Gedankens, sie eingestellt in den Dienst vern\u00fcnftiger Zwecke, und so das Todte zum lebendigen Zeugen menschlicher Weisheit auferbaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunstge\u00fcbte H\u00e4nde der Meister und Gesellen haben die einzelnen Baust\u00fccke wohl bearbeitet, allen einzelnen Theilen das Gepr\u00e4ge des gro\u00dfen Ganzen aufgedr\u00fcckt, und, wie sehr auch immer bei der Wahl der Formen an die Urtypen der Natur gewiesen, haben sie die starren Gebilde derselben belebt in dem Reiche des freien Gestaltens, sie beredt gemacht in dem Gesetze der harmonischen Sch\u00f6nheit, und so die sprachlosen Formen der leblosen Natur zum Zeugen k\u00fcnstlerischer Sch\u00f6nheit ausgemei\u00dfelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht minder rasch wurde der unsichtbare Bau gef\u00f6rdert. \u2013 Auch hief\u00fchr geb\u00fchrt Dank dem leitenden Magistrate, der diesem innern Bau alle geistigen Kr\u00e4fte zur F\u00f6rderung desselben reichlich zuwies; Dank den st\u00e4dtischen Vertretern, die mit Munifizenz die Ausgaben f\u00fcr die n\u00f6thigen und zweckm\u00e4\u00dfigen Lehrmittel bewilligten; Dank der hochherzigen Gesinnung der gesammten B\u00fcrgerschaft, welch durch warme und rege Theilnahme das Werk f\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1090\" height=\"691\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/106-Gymnasium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1590\" style=\"width:451px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/106-Gymnasium.jpg 1090w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/106-Gymnasium-768x487.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1090px) 100vw, 1090px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Auch dieser unsichtbare Bau ist kr\u00e4ftig, zweckvoll, sch\u00f6n: so bekennen wir mit Allen, die ihn verstehen. \u2013 Seine Mauern sind aufgef\u00fchrt aus Quadern vorzeitiger V\u00f6lkerbildung, die in Geisteserzeugnissen auf den h\u00f6hen der Cultur als festes Gestein zu Tage treten, und in ihrer hundertj\u00e4hrigen Dauer von St\u00e4rke zeugen; die Ueberbr\u00fcckung der starken Mauern, die Tr\u00e4ger des schirmenden Daches sind genommen aus den reichsten Gew\u00e4chsen der kr\u00e4ftigsten Culturv\u00f6lker und sichern der St\u00e4rke die Dauer; die methodischen Bindemittel sind nach sichern Regeln der p\u00e4dagogischen Erfahrung und Wissenschaft gefertigt und verhei\u00dfen dem Baue Widerstandskraft gegen die Anl\u00e4ufe wetterwendischer Zeitmeinungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kunstverst\u00e4ndiger Baumeister, dem der Patron die Leitung dieser Anstalt vertrauensvoll \u00fcbergab, den ich heute hier zum erstenmale \u00f6ffentlich im Namen der Beh\u00f6rde als Director begr\u00fc\u00dfe: er hat die Zwecke des Lehr- und Erziehungsgeb\u00e4udes einsichtsvoll berechnet, alle einzelnen Gliederungen darnach wohl bemessen, und wiesehr auch immer in der Wahl des Stoffes an die Culturproducte der Vergangenheit und Gegenwart gebunden, hat er das an sich Vollendete in das Bereich einer fortschreitenden Entwicklung hinaufgehoben, es eingestellt in den Dienst des Bildungs- und Erziehungszweckes, und so ein an sich Todtes zum lebendigen Zeugen menschlicher Weisheit auferbaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunstge\u00fcbte H\u00e4nde erfahrener und getreuer Mitarbeiter haben die einzelnen Lehrst\u00fccke f\u00fcr die Bildungsstufen der Jugend weislich bearbeitet, allen einzelnen Theilen in seelen- und charaktervoller Einheit das Gepr\u00e4ge des sch\u00f6nen Ganzen aufgedr\u00fcckt, und, wie sehr auch immer in der Wahl ihrer Lehrmittel und Wege von den vollendeten Typen der classischen Producte geleitet, haben sie doch die unwandelbaren Gebilde einer Vorzeit neu belebt in dem Reiche einer anderen, erweiterten Cultur, sie beredt gemacht in dem Gesetze einer harmonischen Geistesbildung und so die todte Sprache eines \u00fcberwundenen Heidenthums zur Bildnerin einer h\u00e4hern Geistessch\u00f6nheit ausgemei\u00dfelt.<\/p>\n\n\n\n<p>So steht nun dieser Doppelbau als ein vollendeter vor uns, der in Kraft und Sch\u00f6nheit seinen erhabenen Zweck selber verk\u00fcndet.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1102\" height=\"710\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/388-Gymnasium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1591\" style=\"width:448px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/388-Gymnasium.jpg 1102w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/388-Gymnasium-768x495.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1102px) 100vw, 1102px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Weihe dieses Doppelbaues gilt der heutige Festtag. \u2013 Ohne richtige W\u00fcrdigung keine rechte Weihe. \u2013 Beide Bauwerke wollen, wenn wir sie vornehmen, als ein Kunstwerk aufgefa\u00dft und gew\u00fcrdigt sein, das seinen Werth und Zweck in sich selbst hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Der sichtbare Bau zun\u00e4chst. \u2013 Herausger\u00fcckt aus Stra\u00dfenlinien und Marktrevier, k\u00fcndigt er sich als ein Geb\u00e4u an, dessen Ma\u00df und Zweck nicht aus Ma\u00df und Zweck des privaten oder \u00f6ffentlichen Verkehrslebens entlehnt worden; entr\u00fcckt dem Vergleiche mit allen niederen und hohen Bauten, k\u00fcndigt er seinen freien Selbstzweck an, der das gesetzgeberische Ma\u00df f\u00fcr seine Structur nur in den naturgem\u00e4\u00dfen Verh\u00e4ltnissen aller seiner Theile, der die Wirkung auf den Beschauenden in der harmonischen Entfaltung aller seiner Gliederungen sucht und findet; hinausgestellt auf einen von ihm allein beherrschten freien Platz lenkt er das Auge der nahe und ferne Wandelnden auf sich, erzwingt sich Beachtung und fesselt wie jedes \u00e4chte Kunstwerk mit geheimni\u00dfvoller Macht den kunstverst\u00e4ndigen Geist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja noch mehr. Er befriedigt das kunstsinnige Gem\u00fcth, denn er redet ein ernstes Wort von dem Bleibenden im Wechsel, wenn aus festem Grunde und starkem Gem\u00e4uer sein Dauer-Antlitz ruhig hinausblickt in die sturmbewegte regenschwangere Atmosph\u00e4re; er redet ein erhebendes Wort, wenn der Blick an hohen Fenstern, Thurm und Spitzen hinaufgleitet in die lichten H\u00f6hen, wo die feinsten Linien des Baues sich in der klaren Bl\u00e4ue des heitern Himmels abgrenzen; er redet ein wohlthuendes Wort zu dem, der die tiefsinnige Durchdringung des erdentsprossenen Materials mit dem geistentsprossenen Gedanken, der die den todten Formen eingehauchten Harmonieen des Sch\u00f6nen ungest\u00f6rt auf sein Gem\u00fcth wirken l\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Und der unsichtbare Bau? \u2013 Herausger\u00fcckt aus den Anforderungen gewerblicher und industrieller Bildungsbed\u00fcrfnisse k\u00fcndigt er sich als ein Geb\u00e4u an, dessen Ma\u00df und Zweck nicht aus Ma\u00df und Zweck des privaten oder \u00f6ffentlichen Verkehrsbed\u00fcrfnisses entlehnt worden; entr\u00fcckt dem Vergleiche mit allen andern niederen und hohen Schulen k\u00fcndigt er seine freie Selbstbestimmung an, die ihr gesetzgeberisches Ma\u00df nur allein in der naturgem\u00e4\u00dfen Abgrenzung aller seiner Bildungsstoffe hat und die ihm einger\u00e4umten Platz in den weite freien Felde des Wahren, Guten und Sch\u00f6nen lenkt er das Auge der nahe und fern Stehenden auf sich, erzwingt sich Beachtung und fesselt, wie jedes \u00e4cht wissenschaftliche Geb\u00e4ude mit gewinnender Macht den denkenden Geist.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1083\" height=\"702\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/462-Gymnasium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1592\" style=\"width:505px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/462-Gymnasium.jpg 1083w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/462-Gymnasium-768x498.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1083px) 100vw, 1083px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ja noch mehr. Er befriedigt das Bildung suchende Gem\u00fcth, denn er redet ein ernstes Wort von dem Siege der Wahrheit \u00fcber den Schein, wenn aus den geschichtlich gewordenen und bew\u00e4hrten Bildungsstoffen das Dauer-Antlitz des klassischen Alterthums ruhig und fest hinausblickt in die unruhige und nebelvolle Atmosph\u00e4re der Tagesmeinungen; er redet ein erhebendes Wort, wenn der Blick an den schlanken, hohen S\u00e4ulen humanistischer Bildung hinaufgeleitet zu den heitern H\u00f6hen, wo ein italischer Himmel die tiefen Kammern des ernsten germanistischen Gem\u00fcthes durchleuchten, und eine griechische Sonne die hohen Zinnen des deutschen Denkens vergoldet; er redet ein wohlthuendes Wort zu dem, der die tiefsinnige Durchdringung der Gegenwart mit der Vergangenheit, der die dem Heidenthum und seiner Sprache abgewonnene Bildungskraft, der die in ihm niedergelegten und durch unsern Unterricht verlebendigten Ideen des Wahren, Guten und Sch\u00f6nen ungest\u00f6rt auf sich wirken l\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch d\u00fcrfen wir auf solche Selbstw\u00fcrdigung hin die Weihe vollziehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie stark auch die Mauern des sichtbaren Baues sein m\u00f6gen: sie sind aus erdgeborenem Stein, welcher der Verwitterung unterliegt: diese Steine werden morsch werden, und die Mauern werden wanken und von der heutigen St\u00e4rke des Geb\u00e4udes wird dann nur noch eine Ruine stammen; wie sch\u00f6n der Bau heute uns anblicken mag: eine andere zeit mit anderem Geschmacke, andern Zwecken, andern Bed\u00fcrfnissen wird \u00fcber ihn Gericht halten und verunzierende Verbesserungen werden seine harmonischen Ma\u00dfe verdunkeln; wie berechtigt sein Anspruch auf den Werth eines wahren Kunstwerkes sein mag: das wird ihn nicht sch\u00fctzen vor dem Schicksale aller menschlichen Sch\u00f6pfungen, die in sich ihr Ziel, in sich selbst ihren letzten Zweck haben. <em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die k\u00fcnstlerisch vollendeten griechischen Tempel und G\u00f6tterbilder sind verfallen und verwittert, seit der G\u00f6tterglaube des Volkes sie nicht mehr beseelte; die gro\u00dfartigen Bauwerke Roms ver\u00f6deten und sanken in Tr\u00fcmmer, seit eine r\u00f6mische virtus und r\u00f6mische religio sie nicht mehr bewohnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kunstwerth sch\u00fctzt das Kunstwerk nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch dieser sch\u00f6ne Bau wird unwirthlich und \u00f6de werden, wenn die Seele eines h\u00f6hern Zweckes aus ihm schwindet: er wird Nachtv\u00f6geln und tagesscheuem Gethier zur Wohnst\u00e4tte dienen, wenn er nicht mehr Heimathsort derer ist, die in ihm Bildung suchen; er wird nur so lange Gymnasium sein und bleiben, als man in ihm geistige Gymnastik treibt; ihn wird nur die Jugend recht w\u00fcrdigen, welche in ihm geistig gespeist wird. Ihn kann und wird nur die Nachwelt erhalten, welche in ihm geistige Kr\u00e4ftigung empfing; sein wird nur das Geschlecht pflegen, welches in den ge\u00f6ffneten Thoren und S\u00e4len lernte, da\u00df kein menschliches Werk und so auch dieser Bau f\u00fcr sich selbst reden, sondern nur als Resonanz, die Stimme eines h\u00f6hern Geisteslebens verst\u00e4rken soll.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1098\" height=\"693\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1130-Amtsgericht.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1593\" style=\"width:408px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1130-Amtsgericht.jpg 1098w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1130-Amtsgericht-768x485.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1098px) 100vw, 1098px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Und steht es etwa anders um den unsichtbaren Bau? \u2013 Wie stark auch die Bildungsmittel, und wie fest sie in dem ureigensten Gebiete des nat\u00fcrlichen Geistes gegr\u00fcndet sein m\u00f6gen: sie sind und bleiben erdentspro\u00dfne Produkte, und an dem, nur mit ihnen auferbauten, Geiste wird es nur zu oft und oft nur zu bald offenbar, da\u00df sie in dem Wechselwetter des nat\u00fcrlichen Menschen, in dem Schauer der Lust, in dem Sturme der Begierde verwittern und morsch werden, und dann von dem in der Seele auferbauten Wahren und Guten nur noch Ruinen stammeln; wie sch\u00f6n unsere Erziehungsmittel sein, wie sorgf\u00e4ltig und weise wir das Beste als eben gut genug f\u00fcr die Jugend ausgew\u00e4hlt haben m\u00f6gen: eine andere Zeit nach der Schule mit andern Anschauungen, andern Gedanken, andern Erregungen wird \u00fcber die Ideen einer, ihr nur gleichberechtigten, Vorzeit Gericht halten, wird ihrer Zeit Rechnung tragen und mit ihren verunzierenden Bildungserweiterungen die harmonischen Z\u00fcge der echt klassischen Geistesbildung entstellen; wie berechtigt das Lehrgeb\u00e4ude eines Gymnasium den Anspruch auf die Bedeutung des h\u00f6chsten menschlichen Kunstwerkes machen darf, welche Befriedigung die Gymnasialbildung ihren echten J\u00fcngern gew\u00e4hren mag: das wird sie nicht sch\u00fctzen vor dem Schicksale alles menschlichen Strebens und Wirkens, welches in sich selber seinen h\u00f6chsten Zweck hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sch\u00f6ne Welt des Griechenthums, die Welt der starken Roma ist untergegangen, so da\u00df ihr ja der Dichter nachklagt:<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6ne Welt wo bist Du? kehre wieder<\/p>\n\n\n\n<p>Holdes Bl\u00fcthenalter der Natur!<\/p>\n\n\n\n<p>Ach nur in dem Feenland der Lieder,<\/p>\n\n\n\n<p>Lebt noch Deine fabelhafte Spur.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgestorben trauert das Gefilde,<\/p>\n\n\n\n<p>Keine Gottheit zeigt sich meinem Blick.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach von jenem lebenswarmen Bilde<\/p>\n\n\n\n<p>Blieb der Schatten nur zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kunstwerth sch\u00fctzt auch dieses unser Kunstwerk nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch diese unsere Humanit\u00e4tsbildung wird hohl und leer klingen, wenn nicht durch alle ihre Saiten das Engellied hindurch klingt: Ehre sei Gott in der H\u00f6he, und friede auf Erden und dem Menschen ein Wohlgefallen: sie wird den Nachseiten des menschlichen Denkens und Empfindens zur Wohnst\u00e4tte dienen, wenn sie nicht mehr Heimatsort echter Kinder Christi ist; sie wird nur so lange echte Menschenbildung und wahre h\u00f6here Volksbildung sein und bleiben, als sie in den heidnischen Baust\u00fccken das christliche Gepr\u00e4ge ausmei\u00dfelt, die Rundgew\u00f6lbe klassischer Bildung zu Kreuzgew\u00f6lben christlicher Erkenntni\u00df umbaut, die schlanken S\u00e4ulen einer heidnischen Ideenwelt zum Himmel anstrebenden Thurme christlichen Glaubens hinauff\u00fchrt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1088\" height=\"672\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1340-Gymnasium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1594\" style=\"width:432px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1340-Gymnasium.jpg 1088w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1340-Gymnasium-768x474.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1088px) 100vw, 1088px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Diesen unsern Bildungsbau wird nur die Jugend recht w\u00fcrdigen, welche lernte, da\u00df alle tiefere menschliche Weisheit nur eine Resonanz des Wortes von der Erl\u00f6sung ist; ihn wird nur die Nachwelt erhalten, welche in ihm die Kr\u00e4ftigung des heiligen Geistes erfuhr, der auch das Todte lebendig macht und das Verg\u00e4ngliche in das Unverg\u00e4ngliche verkl\u00e4rt; sein wird nur das Geschlecht pflegen, welches hier durch das Wahre, Gute und Sch\u00f6ne hindurch drang zum Glauben, Lieben und Hoffen, welches hier im geistigen Ringen und sittlichen K\u00e4mpfen an sich erfuhr, um was wir f\u00fcr sie und f\u00fcr uns bitten, das ist die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des heiligen Geistes.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so sei denn dies Haus dem Dienste geweiht, da\u00df es Allen die vor ihm weilen ein kr\u00e4ftiger und sch\u00f6ner Zeuge sei von dem Geiste, der hier in allerlei Sprachen das Wahre und Gute verk\u00fcndet; da\u00df es Allen, die in ihm weilen, eine kr\u00e4ftige und sch\u00f6ne Resonanz der Geistesprache sei, die in allen Zungen Christum bekennet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dem vortrefflich ausgef\u00fchrten Chor aus Haydn\u2018s Sch\u00f6pfung: \u201eDie Himmel erz\u00e4hlen die Ehre Gottes\u201c schlossen sich eine lateinische, griechische und deutsche Festode, eigene Arbeiten der Primaner Puschmann, Nixdorf und Beisert an; worauf der Gymnasial-Director die Festrede *6) hielt. Ausgehend von der feierlichen Stimmung, welche die stumme Sprache der Sch\u00f6nheit in den er\u00f6ffneten R\u00e4umen wohl jedem Herzen nahe gebracht habe, und von dem gemeinsamen Bewu\u00dftsein, da\u00df heute ein geweihter Boden betreten worden sei, leitete er als das rechte Thema der Festrede aus demWeihespruche des neuen Hauses \u201eDeo, Patriae, Literis,\u201c die Bedeutung der Religiosit\u00e4t, der Vaterlandsliebe und der Intelligenz f\u00fcr die Jugendbildung ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wort des Psalmisten: \u201eWo der Herr nicht das Haus bauet, so arbeiten umsonst, die daran bauen\u201c empf\u00e4ngt eine doppelte Bedeutsamkeit in diesem Hause, au\u00dfer der jedem Gottesf\u00fcrchtigen naheliegenden Beziehung auf den Segen des Allm\u00e4chtigen noch die besondere Hinweisung auf das ernste Werk, welches hier gef\u00f6rdert werden soll; denn das Herz des Knaben und J\u00fcnglings ist dem Bausteine zu vergleichen, welcher geformt werden soll zu einem Tempel, in dem der Geist Gottes wohnet. Die Bildung des Herzens treibt ihre Wurzeln in der Furcht Gottes und ihre Bl\u00fcthen in der Liebe Gottes. Kein Haus hat also mehr Veranlassung das Wort \u201eDeo\u201c allen anderen Bezeichnungen seiner Bestimmung voranzustellen, als das Schulhaus. Harmonische Entwickelung des Charakters durch gleichzeitige Einwirkung auf Herz, Willen und Geist ist h\u00f6chste Aufgabe der Erziehung. Bildung und L\u00e4uterung des Herzens kann nur von der Religion aus erwartet werden, denn nur in der Richtung zu Gott entfaltet sich die reiche Welt des Gem\u00fcthes.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Wahrheit hat zwar die P\u00e4dagogik von jeher anerkannt, doch werden ihre Ma\u00dfregeln zu unsicheren Experimenten, wenn sie nicht von dem Einen ausgeben, der die Herzen der Menschen lenkt wie Wasserb\u00e4che. Auf die wichtigste der Erziehungsfragen: \u201eWie wird ein J\u00fcngling seinen Weg unstr\u00e4flich gehen?\u201c giebt allein das Buch der B\u00fccher die richtige Antwort: \u201ewenn er sich h\u00e4lt nach Deinen Worten.\u201c Vor diesem g\u00f6ttlichen Lebensgesetze weicht machtlos zur\u00fcck, was Sitte und Menschenmeinung jemals zum Gesetzt stempeln wollte, sinkt der fundamentlose Bau zusammen, den Verstand und Vertrauen auf eigene Kraft zu allen Zeiten aufzurichten strebten. Darum ist es, je h\u00f6heren Zielen eine Lehranstalt nachstrebt, eine desto heiligere Pflicht f\u00fcr sie, in dem Herzen ihrer Z\u00f6glinge jenen h\u00f6chsten sittlichen Sinn zu erwecken, der in Gedanken, Worten und Thaten nach Gott fr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sch\u00f6nste Eigenschaft der Jugend, die Piet\u00e4t, erzeugt nur auf dem fruchtbaren Boden wahrer Fr\u00f6mmigkeit ihre k\u00f6stlichen Fr\u00fcchte; denn die Liebe zu den Eltern ist Gottes Gebot, die Achtung vor den Lehrern leitet auf Gott zur\u00fcck, der Gehorsam gegen Gesetz und Obrigkeit wird als Gottes Ordnung bezeichnet, die Liebe zum N\u00e4chsten der Liebe zu Gott gleichgesetzt, Dankbarkeit k\u00f6nnen wir nicht von dem erwarten, der Gott, dem Geber alles Guten zu danken unterl\u00e4\u00dft, und Bescheidenheit nicht von dem, dem es schwer f\u00e4llt, sich vor Gott dem Allm\u00e4chtigen zu dem\u00fcthigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es bedarf der Aufz\u00e4hlung der religi\u00f6sen Tugenden nicht, als sollte ihr Werth f\u00fcr die Jugendbildung erst bewiesen werden. Nicht des Beweises bedarf es heute, sondern des freudigen und lauten Bekenntnisses, da\u00df wir und unser Haus dem Herren dienen wollen. Und dies Bekenntni\u00df thut Noth gegen\u00fcber dem hergebrachten Vorurtheile, als ob die Gymnasien die religi\u00f6se Seite der Erziehung vernachl\u00e4\u00dfigten und hintansetzten. Die Gegenwart widerlegt die Anklage und bietet von Neuem einen erhebenden Beweis dar, da\u00df religi\u00f6ser und geistiger Aufschwung in einem inneren Zusammenhange stehen. Wie einst zur Zeit der Reformation, das gesteigerte Interesse f\u00fcr das Christenthum eine neue Aera im Schulwesen hervorrief, so hat in unsern Tagen die neu belebte Theilnahme f\u00fcr das Reich Gottes auf Erden den Gymnasien das Wort des Evangeliums zur\u00fcckgebracht. In diesem Sinne wurde bei der Grundsteinlegung des heut vollendeten Hauses die Stiftung des Bunzlauer Gymnasiums eine christliche That genannt; in diesem Sinne wurde auf der Votivtafel das Wort \u201eDeo\u201c vorangestellt. M\u00f6ge es das erste sein und bleiben in Lehre und Zucht, das Licht und der Leiter des Hauses f\u00fcr alle Zeiten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1091\" height=\"697\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1983-Gymnasium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1595\" style=\"width:407px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1983-Gymnasium.jpg 1091w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1983-Gymnasium-768x491.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1091px) 100vw, 1091px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Geheimschrift des Herzens vermag nur der zu lesen, der dessen Allwissenheit die Falten der Menschenseele offen daliegen. Aber an ihren Fr\u00fcchten werdet ihr sie erkennen. Die Frucht des Herzens ist der Wille, und aus dem Wollen entsteht die That. Darum galt es von jeher als eine wichtige Aufgabe der Erziehung, den Willen zu bilden zu n\u00fctzlicher Wirksamkeit f\u00e4hig zu machen. Das ist die patriotische Bestimmung des Gymnasiums.<\/p>\n\n\n\n<p>An sie mahnt das Wort \u201ePatriae\u201c der Votivtafel. \u2013 Wie der Wille mitten inne steht zwischen Geist und Herz und, in beiden wurzelnd, dem Charakter die Richtung verleiht, so empf\u00e4ngt er auch von beiden die Bedingungen seiner Bildung; er mu\u00df gekr\u00e4ftigt und er mu\u00df gebrochen werden. Der s\u00fc\u00dfe Kern des Wissens ruht in harter Schaale; nur ernster und unerm\u00fcdeter Flei\u00df vermag sie zu \u00f6ffnen. Nicht freiwillig greift der bewegliche Sinn der Jugend zu dem schweren R\u00fcstzeug angestrengter Th\u00e4tigkeit; ihr Wille bedarf, um die Anstrengung lieb zu gewinnen, der steten Kr\u00e4ftigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich dem Magnet, der seine wunderbare Tragkraft erst durch das t\u00e4glich vermehrte Gewicht entfaltet, wird der Flei\u00df durch ununterbrochen sich steigernde M\u00fche zur Arbeitsliebe entwickelt. Wer diese auf dem geistigen Uebungsplatze der Schule errungen, der tritt als muthiger K\u00e4mpfer in die Arena des Lebens ein und wird freudig seinem Vaterlande die Dienste leisten, die es von seinen S\u00f6hnen in jedem Verh\u00e4ltni\u00df zu fordern berechtigt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch mehr noch als auf die Arbeitst\u00fcchtigkeit seiner Beamten und B\u00fcrger beruht die Wohlfahrt des Staates auf ihrem bereitwilligen Gehorsam, auf ihrer hingebenden Treue. Dem Gesetze unbedingt zu gehorchen: das ist eine Forderung der Schule, die sie zum Wohle des Vaterlandes stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sie den Eigenwillen der Jugend bricht, den Gehorsam als unerl\u00e4\u00dfliche Pflicht fordert: dann erzieht sie ihr jene Energie des Willens an, die durch Selbst\u00fcberwindung zur sittlichen Freiheit f\u00fchrt. Diese ist es, die Staaten und V\u00f6lker gro\u00df und gl\u00fccklich macht. Gehorsam gegen die bestehenden Gesetz verlangt und erreicht von seinen B\u00fcrgern jeder geordnete Staat; aber nur das Volk kann sich zu einer h\u00f6heren nationalen W\u00fcrde erheben, welches die Pflicht des Gehorsams zu einer Tugend geadelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Der freudige und freie Gehorsam ist die lauterste Quelle des \u00e4chten Patriotismus, der f\u00fcr die Ehre des Vaterlandes einsteht mit Gut und Blut, der dem K\u00f6nige die Huldigung der Liebe und Treue darbringt, der die Achtung vor Recht und Gesetz heilig h\u00e4lt. \u2013 Und in welchem Lande k\u00f6nnte die Flamme patriotischer Begeisterung h\u00f6her aufschlagen, als in dem Preu\u00dfenlande?<\/p>\n\n\n\n<p>Seit die Vorsehung die Geschicke der Mark Brandenburg dem hochbegabten Geschlechte der Hohenzollern \u00fcbergab, ist Preu\u00dfen einen Ruhmesweg sonder Gleichen gewandelt. Jedes Blatt seiner Geschichte das wir aufrollen, enth\u00e4lt die Segnungen weiser, kr\u00e4ftiger und gottesf\u00fcrchtiger Regenten. Seinem erlauchten F\u00fcrstenhause verdankt unser Vaterland, da\u00df es einen ehrenvollen Platzeinnimmt in dem Gro\u00dfrathe der europ\u00e4ischen V\u00f6lker, da\u00df seine Sch\u00f6pfungen und Institutionen in Krieg und Frieden, Verwaltung und Gesetzgebung, Kirche und Schule, Verkehr und Gewerk die Bewunderung und das Muster anderer Nationen geworden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, dankbar und reich belohnend wird stets die Aufgabe sein, unsrer Jugend die Verpflichtung der Liebe zu K\u00f6nig und Vaterland mit den gro\u00dfartigen Schriftz\u00fcgen der 400j\u00e4hrigen Regentengeschichte des Hohenzollern\u2018schen F\u00fcrstengeschlechts in\u2018s Herz zu schreiben. \u2013 Und das Haus, welches wir heute weihen, es hat sich mit der Gr\u00fcndung und mit dem Tage der Er\u00f6ffnung mitten hineingestellt in das nationale Bewu\u00dftsein, damit es, wie seine Stiftung eine patriotische That gewesen, eine St\u00e4tte vaterl\u00e4ndischer Gesinnung werde und bleibe. Der 18. Oktober, dem Preu\u00dfenvolke geheiligt als mahnender Blutzeuge einer ruhmvollen Vergangenheit, er hat durch sein Segens- und Rettungswort: \u201eMit Gott, f\u00fcr K\u00f6nig und Vaterland\u201c der Grundsteinlegung des Gymnasiums eine bedeutungsvolle Weihe verliehen; der 3. August, noch jetzt ein werthgehaltener Erinnerungstag dankbarer Volksliebe, der hat die Pforten des Gymnasiums er\u00f6ffnet mit der Hinweisung auf eine gro\u00dfe und lehrreiche Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Umringt von Noth und Gefahr mit unersch\u00fcttertem Vertrauen den gebrochenen Muth des Landes wieder aufzurichten und die Willenskraft des gesammten Volkes der Befreiung des Vaterlandes zuzulenken; \u2013 das war Hohenzollern-Sinn, bewundernswerther als die zahlreichen Siegestroph\u00e4en des fr\u00e4nkischen Schlachtenmeisters. Die erlauchten S\u00f6hne haben das Verm\u00e4chtni\u00df des edlen Vaters treu bewahrt und unbeirrt von hochgehenden Wogen der Zeit den kostbaren Schatz vaterl\u00e4ndischer Gesinnung in ihrem Volke geh\u00fctet und gemehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die j\u00fcngste Vergangenheit lie\u00df uns einen ermuthigenden Blick thuen in die F\u00fclle und den Segen dieses Schatzes. Die gl\u00e4nzenden Waffenthaten unsers tapfern Heeres haben nicht nur den Uebermuth eines hinterlistigen Feindes gedem\u00fcthig und geheime W\u00fcnsche m\u00e4chtiger Gegner in staunende Bewunderung verwandelt; \u2013 sie haben, was uns schwerer wiegt, im eigenen Lande \u00fcberall den erw\u00e4rmenden Strahl patriotischer Begeisterung wieder wach gerufen, vor dessen hellem Lichte so manche dunkle Wolke dahingeschwunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch unsre Jugend blickt mit Stolz auf das leuchtende Vorbild ihrer \u00e4lteren Br\u00fcder. Gehoben von den gro\u00dfen Erinnerungen eines ruhmreichen Jahres f\u00fchren wir sie in dieses dem Dienste des Vaterlandes geweihte Haus.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6ge sie unter dem segensreichen Eindrucke eingedenk bleiben, da\u00df sie hier die sittliche Kraft des Wollens empfangen soll, welche sie bef\u00e4higen wird, in ihrem einstigen Berufe den Zuruf des Dichters zu erf\u00fcllen:<\/p>\n\n\n\n<p>An\u2018s Vaterland, an\u2018s theure, schlie\u00df Dich an,<\/p>\n\n\n\n<p>Das halte fest mit Deinem ganzen Herzen,<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Von der erziehenden Aufgabe des Gymnasiums, \u2013 der L\u00e4uterung des Herzens und der Kr\u00e4ftigung des Willens, \u2013 wenden wir uns dem 3. Worte der Votivtafel zu \u2013 \u201eLiteria.\u201c Das Gymnasium tr\u00e4gt von ihm seinen Namen, es ist die Ringschule des Geistes, die Uebungsst\u00e4tte des Denkens, die Vorhalle die in den Tempel der Wissenschaft einf\u00fchrt. Die kostbarste Gabe unter den G\u00fctern des Lebens ist die geistige Bildung. Sie beruht auf der Entwickelung des Denkverm\u00f6gens.<\/p>\n\n\n\n<p>Die angeborne Kraft zu denken ruht ungeachtet gleich der werthvollen Perle in fest verschlossener Muschel, bis Uebung die fesselnde H\u00fclle gesprengt. Daher gilt es mit Recht als h\u00f6chstes Ziel einer wahren Lehranstalt, das Denken von seinen nat\u00fcrlichen Banden zu bestehen und seine schlummernde Kraft durch die hineinleuchtenden Sonnenstrahlen der Wissenschaft zu eigener Th\u00e4tigkeit zu erwecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schule des Lebens vermag dies nicht zu leisten; sie gew\u00e4hrt Erfahrung, praktisches Geschick, aber nicht den freien Blick, der zum selbstst\u00e4ndigen Schaffen erforderlich ist. Selbst die gew\u00f6hnlichsten Erfindungen waren selten Werk empirischer Fertigkeit, sondern Sch\u00f6pfungen ge\u00fcbter Denkth\u00e4tigkeit. Nur die Gedankenkraft des Geistes f\u00fchrte an dem Horizonte der V\u00f6lker die leuchtenden Sterne der K\u00fcnste und Wissenschaften empor; nur aus ihrer Pflege er\u00f6ffneten sich die reichen Quellen der Cultur.<\/p>\n\n\n\n<p>Die fruchtbarste Sch\u00f6pfung entwickelter Gedankenkraft ist die Wissenschaft, sie fa\u00dft zu einem bleibenden Resultate zusammen, was der Geist Einzelner von jeher gedacht und geschaffen und erh\u00e4lt somit der Menschheit als nutzbares Eigenthum, was sonst die Wogen der Zeit mit sich fortgerissen h\u00e4tten, sie giebt den h\u00f6chsten Interessen der V\u00f6lker und Staaten Anregung und Nahrung; denn Gro\u00dfes kann nirgends und niemals geschaffen werden ohne Begeisterung, begeistern aber kann der Mensch sich nur f\u00fcr Ideen und Ideen sind Strahlen vom Lichte der Wissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gewicht dieser S\u00e4tze stellt die Bildungsanstalten des Geistes in unmittelbare Beziehung zur Wissenschaft. K\u00f6nnen sie auch dem jugendlichen Verst\u00e4ndni\u00df noch nicht die reife Frucht derselben darreichen, so lockern sie doch den Boden, auf dem sie gedeiht und streuen die Saat, aus der sie hervorkeimt. Der Erfolg von Jahrhunderten hat nicht nur diese Aufgabe des Gymnasiums, sondern auch den Weg, auf dem sie dieselbe zu l\u00f6sen versucht, gerechtfertigt, und der Angriff eines den klassischen Studien feindseligen Zeitgeistes vermochte den fest gegr\u00fcndeten Bau nicht zu ersch\u00fcttern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Realschule, die rasch emporgebl\u00fchte Tochter der Industrie, strebt nur auf neuen Bahnen demselben Ziele wissenschaftlicher Vorbildung zu, und die anf\u00e4ngliche Gegnerin wurde zur freundlich gesinnten Schwester, denn l\u00e4ngst verklungen ist der auf dem geweihten Boden der Jugendbildung unbefugte Panteruf(?) vom \u201epraktischen Nutzen\u201c. Mag er nie wieder ert\u00f6nen! Warnender als je haben wuchernde Ausw\u00fcchse des Materialismus die Nothwendigkeit vor Augen gestellt, an den idealen G\u00fctern des Geistes und Gem\u00fcthes festzuhalten, und diese Erkenntni\u00df wird W\u00e4chter und H\u00fcter bleiben f\u00fcr den wahren Hort jeder h\u00f6heren Bildungsanstalt, \u2013 ihr ideales Streben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist der anerkannte eigenth\u00fcmliche Vorzug der alten Sprachen, der klassischen Schriftwerke der R\u00f6mer und Griechen durch logische Klarheit und plastische Sch\u00f6nheit der Darstellung das Herz der Jugend f\u00fcr das Reich des Idealen zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch bedarf es einer Lobrede auf das klassische Alterthum in diesen R\u00e4umen? Die ehrw\u00fcrdigen Zeugen, welche diese W\u00e4nde schm\u00fccken, verk\u00fcnden es beredter, als dieLippe vermag, da\u00df die Heroen der Wissenschaft und Kunst zu den F\u00fc\u00dfen der alten Meister gesessen. Aus ihren Werken soll auch fernerhin unsere Jugend den n\u00e4hrenden Stoff idealer Anschauungen gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In kurzen Umrissen habe ich versucht, Ziel und Bestimmung des Gymnasiums vorzuf\u00fchren. Schwieriger war es, die F\u00fclle des Stoffes auf Andeutungen zu beschr\u00e4nken, als die Bedeutsamkeit des neu begr\u00fcndeten Hauses nachzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die V\u00e4ter der Stadt haben diese Bedeutung wohl erwogen und gew\u00fcrdigt. Der herrliche Bau ist ein weithin leuchtendes Ehrendenkmal ihrer Gesinnung geworden. Der Anerkennung, die ihrer That von allen Seiten dargebracht wird, f\u00fcge ich tiefbewegten Herzens das Wort des Dankes hinzu im Namen der hier zum erstenmal versammelten Jugend. \u2013 Ihr, geliebte Knaben und theure J\u00fcnglinge, bewahret in reinem und willf\u00e4hrigem Herzen den weihenden Eindruck dieser Feierstunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr k\u00f6nnt die Verpflichtung des Dankes, die Ihr jetzt \u00fcbernehmet, nur dadurch l\u00f6sen, da\u00df Ihr dieser sch\u00f6nen Bildungsst\u00e4tte w\u00fcrdig zu werden strebet. So wachet denn von Allem und betet, da\u00df Ihr Eure Wege unstr\u00e4flich gehet und Euch haltet nach Gottes Wort. Bew\u00e4hret durch angestrengten Flei\u00df\u00b4und r\u00fcstige Arbeit, da\u00df Ihr wackere B\u00fcrger des Staates, durch p\u00fcnktlichen Gehorsam gegen die Gesetze, auf denen Zucht und Ordnung beruht, da\u00df Ihr treue Diener des K\u00f6nigs werden wollt. Aechtet aus Euren Kreisen jede niedrige und gemeine Regung und bezeugt durch ideale Gesinnung, da\u00df Ihr reine und empf\u00e4ngliche J\u00fcnger der Wissenschaft seid.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahret die Ehre dieses Hauses, wie die eigene. Wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert werden. Eltern und Lehrer setzen ihre Hoffnung auf Euch; die Obrigkeiten der Stadt und des Staates wenden Euch ihre Aufmerksamkeit zu in der Erwartung, da\u00df Ihr den dargebrachten Opfern und dem bewiesenen Wohlwohllen entsprechen werdet. Nun wohlan!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pforten eines herrlichen Hauses sind Euch er\u00f6ffnet, Losung und Wahrzeichen habt Ihr empfangen. So segne denn Gott der Allm\u00e4chtige Euren Eintritt f\u00fcr und f\u00fcr! Amen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Chorgesang \u201eO. heil\u2018ger Geist, kehr\u2018 bei uns ein\u201c bereitete auf das Weihegebet des General-Superintendenten der Provinz Schlesien, Herrn Dr. Erdmann vor. Die ganze Versammlung erhob sich von ihren Sitzen und vernahm stehend mit Andacht die Gebetes- und Segensworte des geistlichen Oberhirten. Sie lauteten:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHerr, unser Gott: Wir kommen mit Freuden vor Dein Angesicht und bitten Dich im Namen unseres Herrn Jesu Christi: \u201eHeilige unsere Herzen in Deiner Wahrheit, da\u00df die Opfer unserer Lippen Dir wohlgefallen und nimm unser Gebet gn\u00e4diglich an, welches wir mit Dank und Bitte vor den Thron Deiner Gnade bringen, ihm diese St\u00e4tte Dir zu weihen als einen Ort, wo nur Deine Ehre wohnen und nur Dein Name verherrlicht werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Deine Hand vor wenigen Jahren diese junge Schule gr\u00fcndete, nachdem Du die V\u00e4ter dieser Stadt als Deine Werkzeuge dazu berufen und erw\u00e4hlet, da ward sie von Deinem Knecht, den Du ihr zum Leiter gesetzt, mit dem Ruf: Gott helfe uns! Deiner gn\u00e4digen Obhut und Pflege befohlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Du hast, getreuer Gott, diesen H\u00fclferuf so freundlich erh\u00f6rt und hast so wunderbar geholfen, da\u00df die Pfleger und Lehrer dieser Anstalt sammt der Jugend, die darin in heiliger Zucht und Verwahrung zu Dir gebildet und erzogen werden soll, und mit uns von nah und fern herbeigekommenen Festgenossen an diesem Tage das Opfer freudigen Dankes Dir darbringen k\u00f6nnen f\u00fcr das Wachsthum und Gedeihen, welches Du ihr geschenket und f\u00fcr die herrliche Wohnst\u00e4tte, welche Du ihr hier bereitet hast.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deinem Namen, o Herr, ward der Grund zu diesem Hause gelegt mit der Bitte um Deinen Schutz und Segen f\u00fcr diesen Bau; und Du hast das Werk gef\u00f6rdert, \u00fcber manche Schwierigkeiten und Hindernisse hinweggeholfen, Deine allm\u00e4chtige Hand schirmend dar\u00fcber gehalten, die Bauleute beh\u00fctet und Alles, Alles wohlgelingen lassen, da\u00df wir heute r\u00fchmen d\u00fcrfen: der Herr hat Gro\u00dfes an uns gethan, an dieser Stadt und an dieser Schule, \u2013 da\u00df sind wir fr\u00f6hlich, da\u00df wir zu Deinen Thoren mit Danken eingehn k\u00f6nnen und zu Deinen Vorh\u00f6fen mit Loben.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deine Thore, o Herr, sind es und sollen es bleiben, die Lehrern und Sch\u00fclern sich hier erschlie\u00dfen, Deine Vorh\u00f6fe, zu denen die Jugend der kommenden Geschlechter als Deine Kinderschaar, als Deine Gemeinde aus- und eingehn soll, in denen Du von einer Zeit zur andern Dein Volk Dir bereiten willst, da\u00df es Dir williglich opfere in heiligem Schmuck, und Deine Kinder Dir geboren werden sollen, wie der Thau aus der Morgenr\u00f6the.<\/p>\n\n\n\n<p>Dir allein, o heiliger Gott, soll dieses Haus geheiligt und geweiht sein, da\u00df es Dein Haus sei, in welchem die Knaben und die J\u00fcnglinge in Deiner Furcht, die aller Weisheit Anfang ist, gebildet und erzogen werden, und als Deine Hausgenossen das Eine, was Noth thut, und das H\u00f6chste, was f\u00fcr Zeit und Ewigkeit sie selig macht, lernen m\u00f6gen, wie sie n\u00e4mlich in Christo Jesu, Deinem lieben Sohne, Deine Kinder werden und in der Heiligung Deines Vaternamens in Deinem Reich mit allem menschlichen Wissen und K\u00f6nnen, das sie hier gelernt, Dir dienen und als Dein Kinder Deinen heiligen Vaterwillen dereinst in jeglichem Berufe, dazu sie hier sich vorbereiten, in freiem und freudigem Gehorsam erf\u00fcllen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das soll, lieber himmlischer Vater, unser Gel\u00fcbde sein, mit welchem wir dieses Haus an seinem Weihetage, den Du ihm gemacht, sammt dem Werk, das in ihm fortan gethan und ausgerichtet werden soll, Deiner schirmenden und segnenden Gnade befehlen und unser Dankopfer Dir darbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber darum rufen wir Dich nun auch in kindlichem Bitten und Flehen an: Du wollest nach Deiner Gnade mildiglich verleihen, da\u00df das geistliche Bauwerk, welches hier fortan soll ausgef\u00fchrt werden, allezeit sich gr\u00fcnde auf den lebendigen Eckstein, den Du in Zion gelegt, der von den Menschen verworfen, aber bei Dir auserw\u00e4hlt und k\u00f6stlich ist. La\u00df die Bauleute, welche Du bisher berufen hast und ferner berufen wirst, Dir innerhalb dieser R\u00e4ume in den jungen Seelen, deren Bildung zu Deinem Ebenbilde Du auf ihr Gewissen legst, eine Behausung im Geiste zu erbauen, la\u00df sie bei diesem ihrem Werke allezeit bedenken, da\u00df einen andern Grund Niemand legen kann au\u00dfer dem, der gelegt ist, welches ist Jesus Christus, und da\u00df sie nichts Anderes sein sollen, als Deine, des himmlischen Baumeisters, Werkzeuge und Handlanger, welcher Deine Hand anweiset, was sie bauen und womit sie bauen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilf, da\u00df sie auf jenem ewigenGrunde nichts Anderes bauen, als das Gold und Silber und die Edelsteine Deiner Gnade und Wahrheit, die Du in Christo Jesu uns geoffenbaret hast, in welchem verborgen sind alle Sch\u00e4tze Deiner Weisheit und Erkenntni\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn darunter das Holz und Heu und die Stoppeln irriger Lehre und eitelen Wahnes sich mischen wollen, so la\u00df das Feuer Deines heiligen Geistes entbrennen, damit es das Werk, das vor Dir nicht bestehen kann, verzehre und dagegen bew\u00e4hre, was mit Gold und Silber und Edelstein gebauet ist auf dem ewigen Grunde Deiner Gnade, der fest und unbeweglich steht, ob Erd\u2018 und Himmel untergeht.<\/p>\n\n\n\n<p>St\u00e4rker und m\u00e4chtiger als die Mauern, die fortan diese Schulgemeinde hier umschlie\u00dfen werden, la\u00df, Herr unser Gott, die un\u00fcberwindliche Mauer und Wehr Deiner allm\u00e4chtigen Liebe und Wahrheit das in diesem Hause von nun an zu treibende Werk der christlichen Jugendbildung und Erziehung zur B\u00fcrgerschaft in Deinem Reiche umschirmen.<\/p>\n\n\n\n<p>La\u00df auf dieser geistigen Baust\u00e4tte keinen anderen Geist schalten und walten, als Deinen heiligen Geist, den Geist der Weisheit und des Verstandes, des Rathes und der St\u00e4rke, den Geist der Erkenntni\u00df und der Furcht des Herrn. Gieb, da\u00df er in dieser Schule allezeit seine Werkst\u00e4tte habe, und da\u00df Lehrer und Sch\u00fcler in seinem Lichte und seiner Kraft als lebendige Steine sich erbauen zu einem geistlichen Hause und heiligen Priesterthum, zu opfern geistliche Opfer, die Dir angenehm sind, durch Jesum Christum unsern Herrn. Erleuchte dazu mit Deinem Geiste die Lehrer, die von nun an hier lehren werden, und thue sie an mit der Kraft aus der H\u00f6he, da\u00df sie ihren schweren, aber herrlichen Beruf, das Herz, den Geist und Willen der ihnen befohlenen Jugend christlich zu bilden und f\u00fcr den Dienst in Deinem Reich t\u00fcchtig zu machen, zu Deinem heiligen Wohlgefallen in rechter Treue, in liebreicher Geduld und mit Freudigkeit erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sch\u00fcler aber, welche von nun an in diesem Hause eine neue Heimath finden werden, wollest Du, o Herr unser Gott, allezeit in die Zucht Deines heiligen Geistes, des himmlischen Lehrmeisters, der in alle Wahrheit leitet, nehmen, da\u00df sie ihren Weg unstr\u00e4flich wandeln in Deiner Furcht und sich f\u00fchren lassen zu dem, der da ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, und in ihm, dem Sohne, Dich den Vater finden und als Deine Kinder dem Allen, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohllautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, mit ernstem treuem Flei\u00df nachdenken und nachjagen lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den V\u00e4tern und M\u00fcttern, die ihre S\u00f6hne von nah und fern hierher f\u00fchren werden, gieb den Geist des Gebets und der F\u00fcrbitte, da\u00df sie um Heiligung und Bewahrung ihrer Kinder in Deiner Gnade und Wahrheit und in der Gemeinschaft Deines lieben Sohnes, der sie mit seinem theuern Blut zu seinem Eigenthum erkauft, Dich inbr\u00fcnstig anflehen, und auch f\u00fcr die Lehrer Dich anrufen, da\u00df Du in ihren Kindern mit vielem Segen sie schm\u00fccken und einen Sieg nach dem andern ihnen verleihen wollest.<\/p>\n\n\n\n<p>Erleuchte und regiere endlich auch die Obrigkeit dieser Stadt mit Deinem Geiste, da\u00df sie auch der Schule Bestes allezeit suche nach Deinem heiligen Willen und Wohlgefallen, auf da\u00df durch ihren Dienst von dieser St\u00e4tte aus Dein Name verherrlicht und Dein Reich gef\u00f6rdert werde. So hebe dann, Du treuer barmherziger Gott, mit diesem Tage von Neuem an zu segnen, wie Du bisher gesegnet hast und gew\u00e4hre der Schulgemeinde, die jetzt und zuk\u00fcnftig in diesem Hause vor Deinem Angesicht sich sammeln wird, allezeit die gnadenreiche Erf\u00fcllung Deiner Verhei\u00dfung: Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein! Erh\u00f6re unser Gebet um Jesu Christi, Deines lieben Sohnes, unseres Herrn und Heilandes willen, Amen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das von allen Anwesenden gemeinsam gesungene Lob- und Dankeslied: \u201eNun danket Alle Gott\u201c beschlo\u00df um 12<sup>1<\/sup>\/<sub>2<\/sub> Uhr die erhebende Feier, deren W\u00fcrde und Eindruck den sch\u00f6nen Rahmen, in welchen sie abgehalten wurde, auf das angemessenstes entsprochen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>*1) Die in den Zeitungen erschienenen Berichte waren auf das auff\u00e4lligste falsch und entstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>*2) Die erhebende Feierlichkeit fand die ihr geb\u00fchrende Darstellung in dem Programm von 1862.<\/p>\n\n\n\n<p>*3) Der K\u00f6nigl. Baumeister Herr Jacob starb bald nach der Grundsteinlegung. Sein Nachfolger, der K\u00f6nigl. Baumeister Herr Vogelsang, wurde nach Jahresfrist zu einem anderweitigen Wirkungskreise abberufen, als das Geb\u00e4ude kaum bis zum Dache gef\u00fchrt war. Die Vollendung und den inneren Ausbau \u00fcbernahm der K\u00f6nigl. Kreisbaumeister Herr Wronka.<\/p>\n\n\n\n<p>*4) Zu der am 3. August 1864 stattfindenden Einweihung des Gymnasialgeb\u00e4udes ladet im Namen des Lehrer-Collegiums ehrerbietigst und ergebenst ein der Director Dr. F. W. Beisert. Inhalt: 1. Untersuchungen \u00fcber den Zweck und Zusammenhang der Horazischen Epistel lib. I. 2. 3. Geschichte des Gymnasiums. Bunzlau 1864. Druck von C. A. Voigt. 35 Seiten Quart.<\/p>\n\n\n\n<p>*5) Wir heben aus derselben den ebenso sinn- als verhei\u00dfungsvollen Segenswunsch hervor: \u201eWie Gottes sch\u00fctzende Hand \u00fcber die Bauleute gewaltet und alles Ungl\u00fcck abgewendet, denn auch nicht Einer derselben ist bei dem Werke zu Schaden gekommen; so m\u00f6ge dies auch geistig wie k\u00f6rperlich bei denen k\u00fcnftig der Fall sein, welchen diese St\u00e4tte gewidmet ist. Das walte und verleihe der allerh\u00f6chste Baumeister.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entstehung des st\u00e4dtischen Gymnasiums in Bunzlau Artur Schiller. Erstver\u00f6ffentlichung: Bunzlauer Stadtblatt, 17. 10. 1931 An der s\u00fcdwestlichen Ecke des alten Bunzlauer Gymnasialgeb\u00e4udes befindet sich der Grundstein mit der Inschrift: \u201e18. Oktober 1861\u201c, der also in diesen Tagen seinen siebzigsten Geburtstag begehen kann. 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