{"id":1562,"date":"2024-07-05T16:05:32","date_gmt":"2024-07-05T14:05:32","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1562"},"modified":"2024-07-05T16:05:33","modified_gmt":"2024-07-05T14:05:33","slug":"versuch-einer-geschichte-der-bunzlauer-toepferei-bis-1800","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/05\/versuch-einer-geschichte-der-bunzlauer-toepferei-bis-1800\/","title":{"rendered":"Versuch einer Geschichte der Bunzlauer T\u00f6pferei bis 1800"},"content":{"rendered":"\n<p>Dr. Ewald Wernicke. Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift. Band IV, Breslau. Selbstverlag des Vereins. 1888<\/p>\n\n\n\n<p>Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift. Namens des Vereins f\u00fcr das unter dem Protektorate Ihrer Majest\u00e4t der Kaiserin-Witwe Viktoria stehende Museum schlesischer Altert\u00fcmer. Band IV, Breslau. Selbstverlag des Vereins. 1888.<\/p>\n\n\n\n<p>In kunstgewerblichen Zeitschriften liest man die Klage, da\u00df \u00fcber Bunzlauer Thonindustrie, deren Produkte bekanntlich in althergebrachten Formen in alle Welt gehen und als \u201eBunschliches\u201c in aller Schlesier Munde sind, so herzlich wenig geschichtliche Nachrichten zu erfahren seien. Dieser Vorwurf ist nicht ungerechtfertigt. Wenigstens mangelt eine quellenm\u00e4\u00dfige Darstellung durchaus. In Thomas\u2018 schlesischer Litteraturgeschichte ist zwar eine Abhandlung \u00fcber Bunzlauer Braunt\u00f6pferei angezeigt, aber des diese enthaltende Buch habe ich nicht habhaft werden k\u00f6nnen. Der einzige, welcher einen Anlauf dazu genommen hat, ist Bunzlaus Chronist Bergemann (1829), der aber in sechs Spaten mit seinem Gegenstande fertig ist, und wie ich diesen Autor zu pr\u00fcfen Gelegenheit gehabt habe, mu\u00df man gegen seine Angaben, trotz es Hinweises auf Quellen, immer sehr reserviert bleiben. \u2013 Schon bei Sammlung von Material zu eine Neubearbeitung der Stadtchronik, welche nunmehr (1884) ihren Abschlu\u00df erreicht hat, habe ich gefunden, da\u00df \u00fcber die hiesige T\u00f6pferei denn doch genug urkundliche Aufzeichnungen vorhanden seien, und hin und wieder im Texte Mitteilungen davon gemacht. Eine zusammenh\u00e4ngende Darstellung dessen, was ich wu\u00dfte, habe ich am 10. Juni 1883 der Wanderversammlung, welche die historischen Vereine aus Breslau hier hielten, im Rathaussaale vorgetragen. Dieser Vortrag bildet die Grundlage zu dem auf den folgenden Seiten Gebotenen, das, wenn auch nicht in jeder Beziehung, so doch r\u00fccksichtlich des an Ort und Stelle vertretenen handschriftlichen Materials, ersch\u00f6pfend sein m\u00f6chte. Meine Quellen sind vornehmlich die Gescho\u00dfb\u00fccher von 1548 ab, ein Gerichtsbuch von 1562, Erbsonderungen (1596 \u2013&nbsp;1621), Stadtbuch von 1613, Protokollbuch des Stadtschreibers v. Klarenstein (1653), die B\u00fcrgermatrikel und Innungsakten der Registratur. Aus Raumersparnis begn\u00fcge ich mich mit diesen Andeutungen, ohne, au\u00dfer in besonderen F\u00e4llen, jedesmal zu citieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1104\" height=\"720\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/194-Gruss-aus-Bunzlau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1563\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/194-Gruss-aus-Bunzlau.jpg 1104w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/194-Gruss-aus-Bunzlau-768x501.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1104px) 100vw, 1104px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Den Ursprung der Bunzlauer T\u00f6pferzunft habe ich \u00fcber das 16. Jahrh. hinaus nicht verfolgen k\u00f6nnen. Nur lassen die Urnenlager bei Gollnisch (wo Ostern 1880 auch bunte Gef\u00e4\u00dfe zum Vorschein kamen) und die von Tillendorf, wo ja die reichhaltigen Thongruben liegen, vermuten, da\u00df auch in vorgeschichtlicher Zeit keine geringe Fabrikation von irdenem Gecshirr betrieben worden ist. Eine im Entstehen begriffene keramische Sammlung (in einer Lokalit\u00e4t des Gymnasiums) sichert die erreichbar gewesenen Funde vor Zerstreuung. Vereinzelte T\u00f6pfernamen vor 1500 kenne ich aus Bunzlau nicht, wohl aber drei aus den Schweidnitzer Stadtb\u00fcchern: Hannes Zeidenberg \u201eder Tapper\u201c 1380, Schremmel und Neumarkt 1545. Aus L\u00f6wenberg: Melchior St\u00f6wenrath 1482, Christoph Slosser (Stdtb. f. 65 u. 113). \u2013 Aus den Artikelsbriefen der hiesigen Innung geht nichts \u00fcber deren Entstehung hervor. Sie geh\u00f6ren erst in die zweite H\u00e4lfte des 17. Jahrh. Auch die Haynauer T\u00f6pfer haben sich erst den 12. Dez. 1654 durch den Magistrat ihre Statuten erneuern lassen, wonach 6 Meister vorhanden waren, von denen 5 eigene Werkst\u00e4tten und \u00d6fen besa\u00dfen (1. Scholz, Chronik von Haynau S. 234.), w\u00e4hrend die T\u00f6pfer von Bolkenhain in ihrer Lade Artikel hatten, die von Meistern und Gesellen den 1. Sept. 1529 in Schweidnitz aufgerichtet und 1652 renoviert worden sind (2. Teichmann, Chronik von Bolkenhain S. 156).<\/p>\n\n\n\n<p>In der handschriftliche Chronica Boleslavia eines Valentin Polus, die Bergemann in seiner Chronik wiederholt citiert, soll zu lesen sein, das schon 1429, beim ersten Einfalle der Hussiten, Braunt\u00f6pfer in Bunzlau existiert haben: zwei B\u00f6hmen h\u00e4tten den eben brennenden T\u00f6pfer Niklas Kohl in dessen eigenem Ofen j\u00e4mmerlich umgebracht (1. I, 71). Andere Nachrichten von gr\u00f6\u00dferer Zuverl\u00e4ssigkeit wissen davon nichts. T\u00f6pfer m\u00f6gen wohl dort vor c. 1500 gearbeitet haben, eine Innung bildeten sie jedenfalls nicht, wie aus folgenden Ausf\u00fchrungen ersichtlich werden d\u00fcrfte. 1491 bezeugt Ritter Nickel von Kittlitz auf Ottendorf die eheliche Abkunft des Hans Reusse, der in L\u00f6wenberg T\u00f6pfer werden will (2. L\u00f6wenb. Stadtbuch f. 167b). Die Kreisstadt Bunzlau h\u00e4tte ihm doch n\u00e4hergelegen. Als 1506 ein T\u00f6pfe von Lauban in G\u00f6rlitz gest\u00e4upt und daher von seiner Innung exkludiert worden war, erhielten die benachbarten Handwerksgenossen offizielle Nachricht davon, und zwar die in L\u00f6wenberg, Haynau und Liegnitz; von Bunzlau ist nicht die Rede (3. Gr\u00fcnder, Chron. von Lauban. 1846. S. 194.).<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1074\" height=\"700\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/362-Gruss-aus-Bunzlau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1564\" style=\"width:461px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/362-Gruss-aus-Bunzlau.jpg 1074w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/362-Gruss-aus-Bunzlau-768x501.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1074px) 100vw, 1074px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Den Leichenstein eines T\u00f6pfermeisters Lazarus Fritsche vom Jahre 1522 will man noch 1829 gesehen haben (4. Bergemann a. a. O. S. 72); jetzt ist er nicht mehr vorhanden. Die Gewi\u00dfheit, da\u00df eine Zunft bestanden habe, bringt erst die Erw\u00e4hnung, da\u00df 1547 (5. Micke, Chron. von Naumburg) der T\u00f6pfergeselle Jonas Anders nach Naumburg a\/Q. gewandert ist, weil die hiesigen Meister ihm die Einrichtung einer sechsten Werkst\u00e4tte nicht geg\u00f6nnt h\u00e4tten. Auf dieser F\u00fcnfzahl haben die T\u00f6pfer, wie wir sehen werden, bis 1762 bestanden. Ihre Weigerung, noch einen neben sich zu dulden, m\u00f6chten den doch bezeugen, da\u00df sie sich bereits als Zeche konstituiert hatten. Ein Steuerregister von 1548\/49 (6. Bunzlauer Stadtarchiv, woraus auch alle Angaben stammen, sobald nicht andere Quellen citiert werden.) giebt uns die ersten verb\u00fcrgten T\u00f6pfernamen an: Lazarus Fritsche (vergl. 1522), Martin G\u00e4bler, Barth. Berger, Matth. Hofmann, Simon Klose. Jeder zahlte 13 Wei\u00dfgroschen \u201eT\u00f6pperzins\u201c. Von den Werkst\u00e4tten lag die eine in der Obervorstadt (Osten), unmittelbar neben dem Gottesacker der von den Husiten zerst\u00f6rten Hedwigskirche an der Sch\u00f6nfelder Stra\u00dfe. Der Besitzer hie\u00df konstant \u201eObert\u00f6pfer\u201c, eine Benennung, die aber nur von der Lokalit\u00e4t herr\u00fchrt, ohne dem F\u00fchrenden eine hervorragende Stellung innerhalb der Zunft einzur\u00e4umen. Die vier \u00fcbrigen verteilen sich auf nicht mehr mit Sicherheit bestimmbare Stellen in der Niedervorstadt (gegen Tillendorf); eine \u00d6rtlichkeit in derselben hie\u00df darum auch lange das T\u00f6pfertor.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1083\" height=\"683\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/545-Gruss-aus-Bunzlau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1565\" style=\"width:435px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/545-Gruss-aus-Bunzlau.jpg 1083w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/545-Gruss-aus-Bunzlau-768x484.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1083px) 100vw, 1083px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Mit welcher z\u00e4hen Hartn\u00e4ckigkeit dieser Bestand gewahrt worden ist, will ich gleich berichten. Im Januar 1659 hatten einige Gesellen dem Magistrate ihre Absicht zu erkennen gegeben, die w\u00e4hrend der Kriegszeiten \u2013 Bunzlau war 1642 durch Torstensohn zerst\u00f6rt worden, und eine 10 Jahre sp\u00e4ter ausgebrochene Feuersbrunst hatte 96 H\u00e4user und 17 Scheunen in Asche gelegt \u2013 eingegangene T\u00f6pferei eines Valentin Schr\u00f6er (auch Schreier geschr.) wiederaufzubauen. Der st\u00e4dtischen Beh\u00f6rde, welche sich verpflichtet f\u00fchlte, die durch Krieg und Auswanderung ungemein verminderte Einwohnerzahl vermehren zu helfen, war jener Vorschlag willkommen. Allein die f\u00fcnf bestehenden Meister verwahrten sich nachdr\u00fccklich dagegen und traten den Beweis an, da\u00df seit uralten Zeiten (man wei\u00df, wie das zu verstehen ist!) nur diese Zahl bestanden habe, und da\u00df an ihr auch die Artikelsbriefe festhielten. Dieselben waren freilich w\u00e4hrend der st\u00fcrmischen Zeiten verloren gegangen und erst unter Mitwirkung der Breslauer Hauptzeche erneuert worden Vergebens versicherte sie der Magistrat, sie sollten, falls sie einen sechsten T\u00f6pfer ann\u00e4hmen, hinfort nicht mehr bel\u00e4stigt werden: die Zunftmeister hielten ihren Protest aufrecht und verteilten liebe die auf den w\u00fcsten Grundst\u00fccke ruhende Steuer unter sich, als da\u00df sie nachgaben. Durch eine Urkunde vom 7. April 1660 mu\u00dfte sie noch ausdr\u00fccklich der Rat bei den f\u00fcnf T\u00f6pfereien sch\u00fctzen, und an demselben Datum zahlte Hans Scholz, B\u00fcrger und T\u00f6pfer, \u201ewegen der auf der Schr\u00f6erschen T\u00f6pferei versessenen Steuern \u00fcber die hierf\u00fcr gezahlten 130 Rthlr. schles. 25 Rthlr., so der Stadtkasse eingereicht worden.\u201c Den 6. November 1669 wurde die obige Bestimmung noch einmal verbrieft. Dabei blieb es, bis Bunzlau unter die Kriegs- und Dom\u00e4nenkammer in Glogau zu stehen kam. Diese fragte am 28. September 1745 zun\u00e4chst an, ob das hiesige Mittel im Stande oder gewillt sei, die Kur- und Neumark mit Geschirr zu versorgen. Ob dieser Aufforderung entsprochen worden, ist unbekannt. Doch wei\u00df Zimmermanns Beschreibung Schlesiens, da\u00df 1785\/86 Bunzlau T\u00f6pferwaaren in der H\u00f6he von 8 \u2013 10000 Rthlr. abgesetzt habe; 1780 ging nach Polen f\u00fcr 512, nach Sachsen f\u00fcr 32, nach den k\u00f6niglichen L\u00e4ndern f\u00fcr 963, auf die M\u00e4rkte in den schlesischen St\u00e4dten f\u00fcr 7488 Rthlr., w\u00e4hrend am Orte selbst (auf dem Topfmarkte, der vor der Hauptwache lag), f\u00fcr 200 Rthlr. verschlei\u00dft wurde. Georg Sch\u00f6ps von hier, welcher 1746 B\u00fcrger- und Meisterrecht erworben hatte, r\u00fchmte sich in einer Eingabe vom Jahre 1759, das beste Geschirr in der Stadt zu verfertigen, das sogar an den k\u00f6niglichen Hof und in die kgl. K\u00fcche Eingang gefunden h\u00e4tte. Dieser T\u00f6pfer war der erste, welcher in gerechtfertigter Hoffnung auf Unterst\u00fctzung der Regierung die Etablierung einer sechsten Werkst\u00e4tte in Bunzlau f\u00fcr sich beantragte, da er nur durch Heirat eine erlangt hatte und diese 1760 an seinen Stiefsohn abzutreten verpflichtet war. Zu dieser Zeit besa\u00dfen die Gerechtsame Joh. Kasp. Metzner, Ober\u00e4ltester, Joh. Chrn. Beer, Witwe Anna Christina Ender, Joh. Gottl. Joppe, Chrn. Gottlieb Umlauft. Sie lie\u00dfen eine Denkschrift abfassen, worin sie auf ihre alten Privilegien und auf die St\u00f6rungen hinwiesen, welche die Vermehrung der Inhaber verursachen w\u00fcrde. Zudem h\u00e4tten sie sich schon l\u00e4ngst in die Jahrm\u00e4rkte geteilt, wo sie braune Waaren feil b\u00f6ten und unter sich abgemacht, da\u00df wegen der teuren Holzpreise jeder w\u00f6chentlich nur einen \u201ebraunen Brand\u201c brennen solle. In den Ratssitzungen wurde, wie aus den Akten bemerkbar, die Frage ziemlich tumultuarisch behandelt, und der sonst so verdiente B\u00fcrgermeister Verjagt zog sich sogar wegen Parteilichkeit einen Verweis von der Kammer zu. Dieser erkl\u00e4rte die in den Zunftartikeln enthaltene Einschr\u00e4nkung f\u00fcr nichtig, weil sie einer landesherrlichen Approbation ermangle, und er\u00f6ffnete in einem Reskript vom 10. Dezember 1759, da\u00df dem Sch\u00f6ps, sowie allen sonstigen Bewerbern die Konzession erteilt werden w\u00fcrde, da sie es \u201ef\u00fcr convenable f\u00e4nde, dergleichen Gewerbe eher zu extendieren, als einzuschr\u00e4nken.\u201c Die ganze Aufregung war \u00fcbrigens unn\u00f6tig, da schlie\u00dflich Sch\u00f6ps um 3400 Rthlr. schles. die Ender\u2018sche T\u00f6pferei k\u00e4uflich \u00fcbernahm und nur auf dem ausersehenen Bauplatze ein Wohnhaus errichtete.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1091\" height=\"693\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1068-Gruss-aus-Bunzlau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1566\" style=\"width:414px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1068-Gruss-aus-Bunzlau.jpg 1091w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1068-Gruss-aus-Bunzlau-768x488.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1091px) 100vw, 1091px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Am 17. M\u00e4rz 1760 schrieb die Kammer an den Magistrat: \u201eWeil sich genugsam veroffenbaret, da\u00df die T\u00f6pferei ein der vorz\u00fcglichsten Nahrungen der Stadt Bunzlau und es dem Interesse des Publikums gem\u00e4\u00dfer ist, wenn mehrere T\u00f6pfereien daselbst angelegt werden, damit die dort befindlichen wenigen Fabrikanten dergleichen Gef\u00e4\u00dfe nach Gutd\u00fcnken zu verteuern au\u00dfer Stand gesetzt werden: so m\u00fcsset Ihr dahin trachten, da\u00df annoch fremde T\u00f6pfermeister dorthin gezogen und mehrere T\u00f6pfereien angelegt werden, welchen es sodann an der erforderlichen Konzession nicht fehlen, ihnen auch, dem Befinden nach, mehrere Beneficia accordiret werden sollen.\u201c Derselben Erkl\u00e4rung schlo\u00df sich Rat Michaelis in Liegnitz an.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Wirkung solcher Vorstellungen haben wir es anzusehen, da\u00df von 1762 ab mehrere T\u00f6pfer von ausw\u00e4rts hierher eingewandert sind. Zun\u00e4chst erschien im Dezember 1762 Johann Freischlag aus Heidenheim bei Ansbach, welcher vor dem Niederthore die erste Wei\u00dft\u00f6pferei einrichtete, nachdem die Fabrikation von wei\u00dfem Geschirr seit 1599 angeblich ganz eingegangen war. Freischlag erhielt am 6. Mai 1763 einen Vorschu\u00df von 100 Rthlr. auf drei Jahre seitens der Regierung. Um 1787 ist er gestorben. Seine T\u00f6pferei betrieb Joh. Matth. F\u00fcssel aus Thiersheim bei Bayreuth, der in Bunzlau von 1779 \u2013 99 th\u00e4tig war.<\/p>\n\n\n\n<p>So gab es endlich sechs Werkst\u00e4tten, denen 1787 der Stadtmaurermeister E. S. Ullrich noch eine zuzuf\u00fcgen beabsichtigte. Auch seine Unternehmung st\u00f6\u00dft auf heftigen Widerstand, selbst nachdem die Kammer dem Baulustigen alle Verg\u00fcnstigungen bewilligt hat. Er tr\u00e4gt sogar Bedenken, den Namen des zum Werkf\u00fchrer ausersehenen Gesellen protokollarisch zu nennen, und wie sich als solcher Gottlieb Schneider meldet, machen die T\u00f6pfer die denkbarsten Anstrengungen, ihn an Erlangung der Meisterschaft zu hindern, bis Rat Krems von Liegnitz die Herausgabe seiner Papiere dekretiert, damit er in dem benachbarten Naumburg Meister werden k\u00f6nne. Trotzdem wandten sich die Streits\u00fcchtigen noch an Minister Hoym und hatten gar vor, an den K\u00f6nig selbst zu gehen, doch ist daraus vermutlich erst nichts geworden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1096\" height=\"698\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1139-Gruss-aus-Bunzlau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1567\" style=\"width:499px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1139-Gruss-aus-Bunzlau.jpg 1096w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1139-Gruss-aus-Bunzlau-768x489.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1096px) 100vw, 1096px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>So war denn in dieser Angelegenheit der Widerstand gebrochen. Weniger Erfolg hatte die Regierung mit ihren Versuchen, die Thonindustrie in Bunzlau \u00fcberhaupt durch zweckm\u00e4\u00dfige Ma\u00dfregeln zu heben. Ehe ich darauf eingehe, kehre ich zum 16. Jahrhundert zur\u00fcck und stelle zusammen, was mir von 1549 ab \u00fcber T\u00f6pfereien und Meister aus urkundlichen Quellen bekannt geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Brief der Liegnitzer T\u00f6pfer, deren Siegel im Wappenschilde eine gehenkelte Kanne mit St\u00fcrze zeigt und die Umschrift hat: SIGEL. DER. TEPER. ZV. LIGNIC.,&nbsp; d. d. 27. October 1562, beurkundet am sichersten die Existenz einer T\u00f6pferinnung in Bunzlau. Nach dem \u00fcblichen Gru\u00dfe hei\u00dft es: Ehrbare, g\u00fcnstige, liebe Meister und Gesellen des l\u00f6blichen Gewerks der \u201eTepper\u201c in der k\u00f6niglichen Stadt Bunzlau. Wir wollen euch guter Meinung nicht vorenthalten, da\u00df vor eine ehrbare Zeche der T\u00f6pfer ist kommen Michel Porzmann (auch Porzick geschr., aus Friedland) und hat geklagt \u00fcber etliche Meister und Gesellen zu Bunzlau, welche ihm zuwider und unrecht haben gethan, als mit Namen ein Meister Simon (Klose), Antonius (Alder) und Barthel Berger und vier Gesellen, Christoph Moller, Jakob Gothlich, Michel Hofmann und Hans Danigel von Bautzen. Derhalben ist unsere flei\u00dfige, dem\u00fctige Bitte an ein ehrbar Handwerk, wollet diese obgemeldeten Meister und Gesellen weder ehren noch f\u00f6rdern, es sei denn sie kommen rc. gen Liegnitz und vertragen sich mit Michel P. ihrer angefangenen Sachen halben, damit das Handwerk gest\u00e4rkt und nicht geschw\u00e4cht werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kl\u00e4ger hatte sich n\u00e4mlich beschwert, da\u00df ihn die Bunzlauer wegen eines Vergehens bestraft h\u00e4tten, um deswillen andere straflos ausgegangen w\u00e4ren. Der Magistrat sah sich nun in der unangenehmen Lage, bei befreundeten Beh\u00f6rden Erkundigungen einzuziehen, ob er die Vorgeladenen zur Verantwortung nach Liegnitz oder Haynau abziehen lassen sollte. Jauer warnt entschieden davor und r\u00e4t zu einer Eingabe an den Liegnitzer Herzog oder die Breslauer Hauptzeche. 1563 ist aber die Sache durch g\u00fctlichen Vergleich erledigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der obengenannte Matthes Hofmann verkaufte 1562 seine T\u00f6pferei in der Niedervorstadt an David Schr\u00f6er. Dieser ist 1595 bereits tot, aber seine Besitzung wird 1597 erw\u00e4hnt. Der Pfarrkirche hat er 10 Rthlr. vermacht. \u2013 1564 beschweren sich die Bunzlauer \u00fcber den Pfandinhaber des ehemaligen Schlosses, den bekannten Dr. Mehl von Strelitz, da\u00df er seine T\u00f6pfer (\u201eHafner\u201c), auf dem Burglehn, in der Stadt habe feilhalten lassen. Als dieser an einem Jahrmarkte \u00fcber das Schlo\u00df einfuhr, nahm man ihm die Waaren fort und schenkte sie ins B\u00fcrgerhospital. \u2013 1583 werden Meister Simons Erben in Kirchenrechnungen genannt. \u2013 Unter den Hakensch\u00fctzen, welche Bunzlau 1587 zum Pitschen\u2018schen Kriege ausr\u00fcsten mu\u00dfte, befanden sich die T\u00f6pfergesellen David Alder und Paul Kuntze von Helmstadt in Sachsen. \u2013 1587 wohnt der Meister Gall These im Niederthore beim M\u00fchlgraben. Sein Vater hie\u00df Kaspar, und dessen Witwe Barbara hielt am 1. Oktober 1602 Erbteilung mit ihren Kindern; sie selber nahm das Haus samt Meisterei und Handwerkszeug um 600 Rthlr. an. Gall Theses Witwe Regina verglich sich im Juni 1608 mit ihren vier Kindern, von denen Matthes die T\u00f6pferei nebst Zubeh\u00f6r um 580 Rthlr. \u201eam Haupthause\u201c an sich genommen hatte. Er starb 1625 53 j\u00e4hrig. Ein Hans These kommt 1607 \u2013 21 vor.&nbsp; \u2013 1587 \u2013 1601 finde ich Matthes Fritsche als Obert\u00f6pfer. Seine Witwe besa\u00df noch 1621 die Werkst\u00e4tte am Oberkirchhofe. \u2013 Christoph M\u00fcller vor dem Niederthore starb um 1598. \u2013 Mit der Familie These und den Opitz war verschw\u00e4gert Martin Kunzendorf, bis c. 1630 nachweisbar. Im Sommer 1618 setzte er einen neuen Ofen im Schlosse f\u00fcr 1 Rthlr. 10 Wgr. Als der \u201eWinterk\u00f6nig\u201c am 9. M\u00e4rz 1620 auf seiner Reise von Breslau nach Prag auch in Bunzlau seinen kostspieligen Aufenthalt nahm, wurde Kunzendorf Geschirr f\u00fcr 4 3\/4 Rthlr. los. 1610\/11 bezahlte er von seiner T\u00f6pferei am Niederthore 36 Sgr. Steuer. 1627 ist er Geschworener in der \u201eGemeinde.\u201c (Es ist n\u00e4mlich zu merken, da\u00df, wenigstens im 16. und 17. Jahrhundert, die Urkundenb\u00fccher unsere T\u00f6pfer bei Aufz\u00e4hlung der Innungen an keiner Stelle besonders erw\u00e4hnen, sondern sie unter der \u201egemeinen Zeche,\u201c vermutlich wegen ihrer geringen Anzahl, inbegreifen.) Im Februar 1633 bekennen Kunzendorfs Erben, da\u00df ihnen ihr Verwandter Herr Andreas These von seinem Mutterteile 100 Rthlr. an barem Gelde geliehen habe.&nbsp; Ein Martin Kunzendorf junior und T\u00f6pfer Peter Ender brannten 1636 ab. Letzterer war bereits 1625 vorm Niederthore wohnhaft. Sein Grundst\u00fcck kaufte um 1655 David Rothe und war noch 1660 Besitzer davon. \u2013 1607 Christoph G\u00fcnther, Geselle. \u2013 Christoph Scholz wird 1611 \u2013 17 erw\u00e4hnt, 1611 \u2013 28 Valentin Schreyer (Schreer; s. o.). \u2013 Die Obert\u00f6pferei besa\u00df Kaspar These, welcher sich 1639 bei der Heeresfolge durch den Kantor um 30 Rthlr. vertreten lie\u00df.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1112\" height=\"752\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1549-Gruss-aus-Bunzlau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1568\" style=\"width:458px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1549-Gruss-aus-Bunzlau.jpg 1112w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1549-Gruss-aus-Bunzlau-768x519.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1112px) 100vw, 1112px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In die nun folgende Zeit mu\u00df die Entstehung einer Kruke mit Zinnschraube fallen, welches Gef\u00e4\u00df das Breslauer Altertumsmuseum (Abt. D. 7709) besitzt. Herr Kalesse (\u2020) hat es in der Zeitschrift \u201eKunst und Gewerbe\u201c N\u00fcrnberg 1883, 1. Heft S. 25 ff. beschrieben. Es trug am Halse die vertiefte Inschrift: Severinus Mergo Pastor Boleslaviensis. Dieser Geistliche, von einer italienischen Familie abstammend, welche in der 2. H\u00e4lfte des 16. Jahrh. Bunzlau \u201ewelsche Maurer\u201c geliefert hat, hielt am 2. Februar 1640 seine Antrittspredigt hierselbst. Hinter dieses Datum geh\u00f6rt also die Entstehungzseit besagter Kruke, nicht, wie Kalesse meint, in den Anfang es 17. Jahrh.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Hilfe der 1650 begonnenen B\u00fcrgermatrikel rc. habe ich folgende Namen von Bunzlauer T\u00f6pfern ermitteln k\u00f6nnen: Balthasar Umlauft 1661. Seine T\u00f6pferei nebst dem dabei liegenden G\u00e4rtchen, Werkzeuge, den Formen, gebrannten und ungebrannten Gef\u00e4\u00dfen, vorhandenen Farben, Gl\u00e4tten, Thon und Holz wurde 1676 auf 850 Rthlr. gesch\u00e4tzt. Der Besitzer war am 24. April 1676 gestorben, tags zuvor seine Frau Rosina geb. Hanisch. \u2013 Elias Ender 1663 \u2013 1700. \u2013&nbsp; Im Herbst 1674 verkaufen die s\u00e4mtlichen T\u00f6pfer von Bunzlau an den Schlosser Reintsch ihr neuerbautes Haus vor dem Niederthore f\u00fcr 70 Rthlr. schles.; doch wurde dem Geb\u00e4ude das T\u00f6pferrecht entzogen und auf das Haus des B. Umlauft \u00fcbertragen. \u2013 G. Hanisch 1675 \u2013 1701. Neben ihm (vor dem Niederthore) bestand eine T\u00f6pferei des Hans Scholz, welche er 1683 in freiwilliger Gerichtsbarkeit auf 900 Rthlr.&nbsp; taxierte. \u2013&nbsp; 1676 Martin und Hans Heinrich Hanisch aus Radeburg in Meissen, Gesellen; Michael K\u00f6rner.&nbsp; 1677 Christoph Scholz \u2013 1700. \u2013 1683 G. Rie\u00dfler. \u2013 1688 Balth. Umlauft jun. \u2013 1690 Hans Rie\u00dfler. \u2013 1696 Balth. Wagner. \u2013 1698 Christoph Sander. \u2013 1699 G. Knobloch seine Witwe Anna Elis. geb. Riedel hatte noch 1726 die T\u00f6pferei in der Niedervorstadt.&nbsp; \u2013 Elias Ender 1700 \u2013 29. Er war viel in st\u00e4dtischen Diensten besch\u00e4ftigt. Im M\u00e4rz 1709 erhielt er eine Gratifikation f\u00fcr T\u00f6pfergef\u00e4\u00dfe welche als Geschenk an den Landeshauptmann nach Jauer abgegangen waren. Denn Bunzlau bewies sich immer anst\u00e4ndig gegen einflu\u00dfreiche G\u00f6nner, und wenn es nicht mit einer \u201eVerehrung\u201c in Geld geschehen konnte, so that man es doch mit Wildpret, heimischen Fabrikaten, ja selbst mit Eisen aus dem st\u00e4dtischen Hammer zu Greulich. Als der B\u00fcrgermeister Namsler 1612 nach Prag reiste, wurden ihm am 11. August blaue Kr\u00fcge mitgegeben, eine Spezialit\u00e4t, \u00fcber die ich leider sonst nichts erfahren habe. Jener Ende wird 1724 \u2013 29 im Kaufbuch vom Jahr 1722 genannt. \u2013 Christoph Walde 1701 \u2013 46; von 1722 ab \u00c4ltester, 1726 Gemeinde\u00e4ltester. Am 16. Nov. 1729 kauft er von seinen Stief- und leiblichen Kindern die beim Oberfriedhofe gelegene T\u00f6pferei nebst Ackerst\u00fcck um 1500 Rthlr. schles., seine Gl\u00e4tte bezog er von dem Handelsmanne H\u00fcbel in G\u00f6rlitz. \u2013 David Rothe 1705. \u2013 1706 Jeremias Herdler, Kaspar H\u00f6hn vom Sande, Chr. Liebelt. \u2013 1707 Hans Adam Scholtz vom Sande. \u2013 1708 Joh. Gottl. Scholtz, besa\u00df 1729 eine T\u00f6pferei am Niederthore; Chr. Schneider. \u2013 1710 Kasp. Hollstein, Gottfr. Werner. \u2013 1711 Andreas und Gottl. Hanisch; hierzu bemerke ich, da\u00df ein Bildhauer Christoph Hanisch, seit 1708 B\u00fcrger, 725 sein Haus auf dem Niklasanger am Oberm\u00fchl-Wege verkauft hat. \u2013 1715 Balthasar Umlauft (der Enkel?), von 1745 ab Aeltester. \u2013 Elias Eberling. \u2013 1722 G. N\u00fc\u00dfler (weggezogen); H. G. Krause. \u2013 1726 Balth. Wagner, Elias Burger (\u2020 1767); Chrn. Walde, 1745 \u00c4ltester, \u2020 1761. \u2013 1728 Hans Kasp. Metzner, 1760 \u00c4ltester; Gottl. N\u00fc\u00dfler.&nbsp; \u2013 1729 Gottfried Jakob. \u2013 1730 David Werner, H. G. Bergmann, Chr. Liebelt. \u2013 1731 H. G. Starcke, Elias Ender, Gottfried Wehniger. \u2013 1732 G. Kauschke. \u2013 1733 Andreas Kummer, Gottl. Knobloch (vgl. 1699). \u2013 1738 Chrn. Gottfr. Schneider.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter preu\u00dfischer Regierung erwarben folgende Meister (I) und Gesellen (II) B\u00fcrgerrecht: (Wenn die Herkunft nicht besonders vermerkt steht, stammen sie von hier.)<\/p>\n\n\n\n<p>I. 1746 Elias Kuhmann; Joh. Chrn. Hanschke. \u2013 1751 Joh. Gottl. Joppe, evang. Konfession, aus Muskau, \u2020 1788. 1784 zahlte er die letzten 50 Rthlr. r\u00fcckst\u00e4ndiger Kaufgelder f\u00fcr sein Grundst\u00fcck. Er drehte 1753 das bekannteste Wahrzeichen Bunzlau, den gro\u00dfen Topf, welcher 7 Fu\u00df hoch, 8 Ellen weit ist und 30 Scheffel Erbsen fa\u00dft. Ungebrannt und von Drahtgeflecht umspannt steht er noch heute auf seiner urspr\u00fcnglichen Scheibe unter einem H\u00e4uschen, welches durch artige Reimlein die Vor\u00fcbergehenden zur Besichtigung dieser Merkw\u00fcrdigkeit einl\u00e4dt. Der ergeht es aber wie den meisten, da\u00df n\u00e4mlich die wenigsten Bunzlauer ihn von Augenschein kennen. Habe ich doch selbst den gro\u00dfen Topf erst gelegentlich unserer Wanderversammlung mir angesehen! Bei Jos. Kern, in Schlesiens Sagen (Breslau 1867) . 427 ff., giebt\u2018s ein humoristisches Lied von ihm zu lesen. Bei Joppe arbeitete 1769 Gottl. Hoffmann und 1755 der Geselle David Tscherning aus K\u00f6nigsberg i. d. Neumark, ein Namensvetter des bekannten Kupferstechers und wahrscheinlich Nachkomme der seit 1430 in Schlesien nachweisbaren Familie des Dichters Andreas Tscherning. \u2013 1755 Gottl. Borrmann; 1759 Christian Gottlieb Umlauft; 1760 Gottfr. B\u00e4hr, Niedert\u00f6pfer (\u2020 1781); 1761 Jeremias Wirth. Freischlag und F\u00fcssel kennen wir schon. 1766 kam hierher Christian Friedrich Walter aus Ro\u00dfwein bei Dresden; 1782 wurde B\u00fcrger Joh. Gottl. Schulz, 1787 Christian Gottl. Beer, 1788 Joh. Gottlob Friedel aus Muskau, Joh. Georg Knebel aus Lorenzdorf (b. Bunzlau) und Karl Friedrich Sch\u00f6ps. In demselben Jahre zog an Georg Michael Freischlag aus Heidenheim bei Ansbach, seinem inzwischen verstorbenen (?) Bruder nachfolgend. Im Oktober 1790 \u00fcbernahm er die dem auf Wanderschaft befindlichen Gesellen Joh. Gottfr. B\u00e4hr geh\u00f6rige Obert\u00f6pferei wieder auf zwei Jahre in Pacht. \u2013 Auch nach F\u00fcssels Tode kam gleich Georg Friedr. F\u00fcssel aus Thiersheim hierher. \u2013 1791 Joh. Anton Patzmann aus Amberg i. d. Oberpfalz; 1793 Joh. Gottfr. B\u00e4hr, Karl David Friedel aus Freistadt (\u2020 1835), Ernst Benjamin Joppe, er bittet im Januar 1794 um sein Mutterteil zum Betriebe der Wirtschaft in der ihm zugeh\u00f6rigen \u00e4lteren T\u00f6pferei; 1794 Joh. Gottlob Gotthard (\u2020 1831); 1797 Gottl. T\u00f6ppe aus Christianstadt (Naumburg a. Bober gegen\u00fcber), \u2020 1832; 1799 Gottl. Lehmann aus Bobersberg.<\/p>\n\n\n\n<p>II. 1742 H. Chr. Beer; 1743 H. G. Kuhmann, J. Chr. Seydel; 1746 Georg Sch\u00f6ps (seine T\u00f6pferei erstand im Juli 1792 der Chirurgus Hempel um 2830 Rthlr. f\u00fcr den wahren Licitanten T\u00f6pfer Friedel), Andr. Hanisch, eines hiesigen T\u00f6pfers Sohn; 1752 H. Chr. B\u00f6hm, Martin K\u00fchn; 1754 J. G. Hantschke; 1759 Chr. Blumberg, Andr. Bergmann; 1760 Gottl. Gaudisch (\u2020 1793); 1761 Joh. Chr. Hollstein; 1765 J. Chr. Seidel; 1772 Chr. Gottl. Kauschke; 1773 Joh. Conrad; 1777 Joh. Gottfr. Mennig aus Marklissa, Georg Richter; 1783 C. G. Burmann (lernte 1769 bei Umlauft); 1785 Leonhard Gessenauer von Kloster Wei\u00dfennohe in der oberbairischen Pfalz, professionierte sp\u00e4ter in Naumburg a.Q.; 1788 C. G. Altmann, J. G. Heinrich; 1791 J. C. Dehmel; 1794 Joh. Ludw. Wahr aus Reichenthal; 1799 Samuel Gottl. Lehmann aus Freistadt, \u2020 1831. \u2013 Au\u00dferdem wird 1793 gedacht eines \u2020 T\u00f6pfergesellen Rauschardt aus Blankenhain im Altenburgischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wiederholt dieselben Namen vorkommen, so wird wohl auch das T\u00f6pfergewerbe in mehreren Familien traditionell gewesen sein, wie wir \u00e4hnliches noch sonst bei Bunzlauer Geschlechtern finden So giebt es noch heute Opitze, welche die Fleischerei ebenso betreiben, wie des Dichters Martin Vater. Bei den Tschernings erbte sich das K\u00fcrschnerhandwerk fort, und die unmittelbaren Vorfahren des Bunzlauer Dichters Andreas Scultetus sind ehrsame Schuhmacher gewesen. \u2013 So \u00fcberfl\u00fcssig nun die vorstehende Zusammenstellung zu sein scheint, f\u00fcr die Statistik war sie notwendig, indem zun\u00e4chst das Resultat daraus gewonnen wird, da\u00df erst seit der zweiten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts die Beteiligung an der T\u00f6pferei in Bunzlau eine regere und noch lebhaftere seit der preu\u00dfischen Besitzergreifung wird. Viele von den Angef\u00fchrten h\u00e4tten vielleicht nicht die Ver\u00f6ffentlichung ihrer Namen verdient, aber der Vollst\u00e4ndigkeit wegen mu\u00dfte es eben geschehen. Vielleicht liest oder h\u00f6rt man von diesem und jenem an unerwarteter Stelle, und da h\u00e4tte man gleich an dem Gebotenen einen Anhalt. Einige der Genannten haben zweifelsohne auch mehr als mittelm\u00e4\u00dfiges in ihren Erzeugnissen geleistet, wenn sie auch nach ihren, noch gegenw\u00e4rtig in der Praxis bew\u00e4hrten Erfahrungen den Verbesserungsvorschl\u00e4gen der Regierung mit ostensibler Gleichgiltigkeit zu begegnen beliebten.<\/p>\n\n\n\n<p>Davon hat uns zuerst Prof. A. Schultz im 43. Berichte unserer Zeitschrift erz\u00e4hlt. Ich bin in der Lage, seine Angaben \u00fcber Bunzlau auf Grund rath\u00e4uslicher Akten zu vervollst\u00e4ndigen. 1763 wurden hier Versuche angestellt, ob aus dem beim K\u00e4mmereigute Tillendorf gefundenen wei\u00dfen Thone Porzellan k\u00f6nnte hergestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Syndikus Preu, der bereits 1756 um Anstellung des Laboranten Kelli aus der Meissener Fabrik gebeten hatte, interessierte sich, wie der B\u00fcrgermeister Rostkovius und Senator Jencke, wohl daf\u00fcr, aber die Proben ergaben immer das alte Geschirr, wenn auch etwas feiner und inwendig wei\u00dfer; desungeachtet wollte die Regierung gar zur Anlage einer Fabrik von Fayence schreiten, fragte an, ob Unter-nehmungslustige vorhanden, und obgleich die Antwort verneinend ausfiel, mu\u00dften doch 2 F\u00e4\u00dfchen mit der besten Erde im November eingesandt werden; das kleinere davon enthielt wei\u00dfe Erde zum Begie\u00dfen desjenigen Geschirrs, worauf gr\u00fcne Glasur kommt. Von dieser Substanz sagt das Begleitschreiben, sie werde weit und breit im Lande ausgef\u00fchrt; zum Kaffeegeschirr sei sie zu spr\u00f6de und m\u00fcsse viel geschmeidiger, als der andere Thon, zugerichtet werden; daf\u00fcr fielen auch die Fabrikate etwas feiner aus. Bald darauf ging Erde von vermeintlich vorz\u00fcglicher Qualit\u00e4t aus der Gegend von Jauer ein, welche der hiesige Magistrat den Meistern Behr, Umlauft und Sch\u00f6ps zum probieren \u00fcberwies. Nach ihrem Urteil war sie aber ganz gew\u00f6hnliche Thonerde, die nur gelindes Feuer vertr\u00fcge. Im Februar 1764 erfolgte der Befehl zu Untersuchungen auf Erde, die nicht so fettig, jedoch klebrig, dabei sehr fein und ohne Steine w\u00e4re. Gro\u00dfer Schneefall verhinderte f\u00fcrs erste die Recherchen. Erst Ende M\u00e4rz konnte ein Pfund von allerlei Thon von Tillendorf mit der Meldung eingeschickt werden, da\u00df man auch beim Brunnengraben im Greulicher Hammer auf wei\u00dfe, lichtgraue und gelbe Erde gesto\u00dfen sei, doch zweifle man, ob selbige in Masse vorhanden. Zehn Jahre ruhten die Operationen, bis am 29. April 1774 der Kammerbefehl einging, die geschicktesten T\u00f6pfe sollten versuchen, Kruken herzustellen, wie sie in Eger und Selz (jedenfalls ist Selles sur Cher, wo noch heut die Thonindustrie floriert, gemeint, nicht Selz im Elsa\u00df!) gefertigt w\u00fcrden; au\u00dferdem sollte eine 4sp\u00e4nnige Fuhre mit der besten Thonerde an den Fabrikkommissarius Hartmann in Breslau abgehen. Joppe war der einzige, der sich dem ersten Auftrag gewissenhaft unterzog, w\u00e4hrend die andern Meister die Sache vertr\u00f6delt hatten und sich mit Verge\u00dflichkeit entschuldigten. Der Verfertiger des gro\u00dfen Topfes reichte eine glatte und zwei rauhe Flaschen zum Preise von resp. 2 und 1 Groschen ein und gab das Urteil ab, Kruken, wie die verlangten, k\u00f6nnten wohl aus hiesigem Thone fabriziert werden, aber die Farbe oder Glasur w\u00fcrde braun. Denn in Eger und \u201eSelz\u201c brenne man mit Salz und in ganz kleinen \u00d6fen; wollte man dasselbe Verfahren in den hiesigen gro\u00dfen anwenden, so w\u00fcrde man riskieren, da\u00df man von dem herumfliegenden Salze der ganze Brand ruiniert w\u00fcrde Joppe erbietet sich \u00fcbrigens gegen Vorschu\u00df von 50 Rthlr. zur Einrichtung eines kleinen Ofens, Gef\u00e4\u00dfe an Couleur und Form wie die Egerer und Selzer nach Verlangen zu liefern.<\/p>\n\n\n\n<p>1786 kamen Leute nach Bunzlau, welche erfolglose Versuche achten, aus dem hiesigen Thone Tabakspfeifen zu arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 29. Juni 1787 wurden die Bunzlauer T\u00f6pfer zur \u00c4u\u00dferung aufgefordert, was sie eigentlich fertigten und wie ihre T\u00f6pfereien besetzt w\u00e4ren. Sie antworteten: Thee- und Kaffeegef\u00e4\u00dfe, Tabaks- und Butterb\u00fcchsen, Kr\u00fcge, N\u00e4pfe, Nachtgeschirr, Retorten und sonstige Utensilien f\u00fcr Laboranten, wie solche eben nur hier, bei den 7 \u2013 8 Meistern in Naumburg und an einigen s\u00e4chsischen Grenzorten hergestellt zu werden pflegten. Die Obert\u00f6pferei besa\u00df damals Witwe Knbloch, die Werkst\u00e4tten in der Niedervorstadt geh\u00f6rten Behr, Joppe, Sch\u00f6ps und Witwe Walter, letztere verk\u00e4uflich. Welchen Verlauf dann die von Hoym 1793 wieder aufgenommenen Versuche zur F\u00f6rderung der Thonindustrie genommen haben, ist im 43. Berichte mitgeteilt. 1794 verbot die Beh\u00f6rde den Gebrauch von zuviel Silbergl\u00e4tte zur Glasur. Doch blieb es hier bei dem alten Usus, bis T\u00f6pfermeister Altmann nach 1827 eine Erfindung machte, wodurch die Bleiglasuren ganz unsch\u00e4dlich wurden. 1796 wollten die Unternehmer Greinert und Offney aus Limbach in Th\u00fcringen eine Steingutfabrik in Bunzlau anlegen. Aber die Akten \u00fcber die mit ihnen gepflogenen Verhandlungen besagen nicht, ob dieses Projekt irgendwie zur Ausf\u00fchrung gekommen ist. Ebensowenig habe ich in Erfahrung bringen k\u00f6nnen, was aus der unter Gotthards Leitung zu errichtenden Fabrik geworden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Ewald Wernicke. Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift. Band IV, Breslau. Selbstverlag des Vereins. 1888 Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift. Namens des Vereins f\u00fcr das unter dem Protektorate Ihrer Majest\u00e4t der Kaiserin-Witwe Viktoria stehende Museum schlesischer Altert\u00fcmer. Band IV, Breslau. Selbstverlag des Vereins. 1888. 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