{"id":1548,"date":"2024-07-05T16:00:21","date_gmt":"2024-07-05T14:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1548"},"modified":"2024-07-05T16:00:21","modified_gmt":"2024-07-05T14:00:21","slug":"die-erbauung-der-evangelischen-kirche-in-bunzlau-1752-1756","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/05\/die-erbauung-der-evangelischen-kirche-in-bunzlau-1752-1756\/","title":{"rendered":"Die Erbauung der evangelischen Kirche in Bunzlau 1752 \u2013 1756"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Artur Schiller. Erstver\u00f6ffentlichung im \u201eBunzlauer Stadtblatt\u201c 1931.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, ich habe dich lieb die St\u00e4tte Deines Hauses und<\/p>\n\n\n\n<p>den Ort, da DEine Ehre wohnet. &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Psalm 26,8.<\/p>\n\n\n\n<p>Von einem Portale unseres evangelischen Gotteshauses schaut uns die kurzgefa\u00dfte Baugeschichte desselben in einem lateinische, von B\u00fcrgermeister Verjagt verfa\u00dften Gedichte an, das lautet:<\/p>\n\n\n\n<p>PaX InstrVXIt, Vasta VbI prInCIpIs arX CaDIte, araM,<\/p>\n\n\n\n<p>QVaM fataLIa post beLLa saCrare Deo.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kundige wird bemerken, da\u00df die Zusammenz\u00e4hlung der hervorgehobenen Zahlbuchstaben f\u00fcr die erste Zeile das Jahr der Grundsteinlegung 1752, f\u00fcr die zweite das der Fertigstellung 1756 ergibt. Der Sinn der Inschrift ist der, da\u00df man an der Stelle der Ruinen der uralten F\u00fcrstenburg bei friedlicher Zeit nun Gott einen Altar geweiht hat.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"696\" height=\"1077\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/352-Evang.-Kirche.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1549\" style=\"width:369px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Z\u00e4hlen wir zu 1756 die Zahl 175 hinzu, so werden wir inne, da\u00df die Gemeinde Bunzlau heute am ersten Adventsonntag 1931 das Gl\u00fcck hat, eine eigene Kirche zu besitzen, seit einhundertf\u00fcnfunsiebzig Jahren! Wir wollen diesen Gedenktag feiern, nicht mit lautem Jubel und Gepr\u00e4nge, denn die Zeit ist schwer, aber mit innerer Erhebung, mit Dank an Gott und mit Dankbarkeit an Friedrich den Gro\u00dfen, der unseren V\u00e4tern nach 90j\u00e4hriger Passionszeit, seitdem der letzte hiesige Geistliche, Severinus Mergo, am 16. Februar 1651 vertrieben war, von seinem Kriegslager in Rauschwitz bei Glogau aus im Jahre 1741 die Religionsfreiheit und wieder einen Pfarrer schenkte.<\/p>\n\n\n\n<p>Um uns die Lage und die Denkungsart der damaligen Zeit so recht vor Augen zu f\u00fchren, nehmen wir ein altes, in einfaches braunes Leder gebundenes Foliobuch der Pfarre vor, das die Inschrift tr\u00e4gt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBegr\u00e4bni\u00df-Buch der Kirche A. C. (=Augsburgischer Confession)<\/p>\n\n\n\n<p>in Bunzlau. MDCCXL (= 1740) J. M.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Inhalt des Buches h\u00e4lt nicht das, was es verspricht, f\u00fcr uns gibt es heute darin aber etwas viel Wichtigeres, eine von altert\u00fcmlicher Hand, vielleicht von der des Kirchenvorstehers Dr. Kitzing, geschriebenen Geschichte der Bunzlauer Gemeinde von 1741 \u2013 48. Ein sp\u00e4terer Geistlicher, Pastor Lindner, gest. am 9. November 1880 und hier begraben, hat die leeren Bl\u00e4tter zu kurzen Lebensbeschreibungen der hiesigen Pastoren benutzt. Auch eine Anzahl Urkunden sind in das Buch eingef\u00fcgt. In einer derselben von 1757 wird der Platz bei den Schlo\u00dfruinen als \u201eWeinberg\u201c bezeichnet. Ja, ein rechter Weinberg ist daraus geworden!<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen wir nun das Buch sprechen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIm Namen der Allerh. Dreifaltigkeit! Amen!<\/p>\n\n\n\n<p>Anno 1741 den 14. Februar, als Ihre Majest\u00e4t, der K\u00f6nig von Preu\u00dfen, nach Einr\u00fcckung der Truppen in Schlesien eine ziemliche Anzahl evang. Prediger denen Gemeinden zugeschicket, traf obig gesetzten Dato die Reihe, einen Prediger zu bekommen, auch unser Buntzlau. Es waren bereits vor 12 bis 14 Tagen vorher zwei B\u00fcrger, der eine Koch, Sch\u00fcller genannt, der andre ein Kirschner, Israel Liebner, ohne es jemand von ihren Mitb\u00fcrgern zu sagen, bei Glogau ind as Preu\u00dfische Lager gereiset, um bei Ihro Durchlaucht dem Printz Maximilian Leopold von Dessau diesfalls zu solicitiren, da dann ihnen sogleich versprochen worden. Nachhero haben sich einige Geschworene mit Einwilligung der s\u00e4mtlichen B\u00fcrgerschaft und da Es ein hochedler und wohlweiser Magistrat nicht hat hindern wollen, noch k\u00f6nnen, auch auf den Weg gemacht, eben dieses zu suchen, was obgedachten 2 B\u00fcrgern bereit versprochen worden, deswegen ihr wiederholtes Gesuch als bekannt angenommen wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1109\" height=\"709\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/415-Ev.-Kirche.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1550\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/415-Ev.-Kirche.jpg 1109w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/415-Ev.-Kirche-768x491.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1109px) 100vw, 1109px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Und wie der Prediger denen Gemeinden zeithero durchs Los zugefallen, so traf selbiges auf Buntzlau Herrn F\u00f6rstern. Nachdem aber der Herr von Tschesch, Landes\u00e4ltesten im Saganschen, den Herrn Ambrosius Ferdinand Jaerschky gerne nach Buntzlau geholfen, intercedirte er diesfalls bei dem Prinzen vor ihn, da dann eine Ab\u00e4nderung getroffen wurde, und obgedachter Herr Jaerschky, der sonst der ev. Gemeinde in Neusalz zugedacht war, in fine uns zu teil wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser ist ein geborener Saganer, und war dahin vermocht worden, sich im Lager bei Glogau von dem dasigen Feldprediger Abel examiniren und ordiniren zu lassen. Ihn nachhero aus Sagan abzuholen, reiseten die 3 Herren Geschworenen George Gottlob Bufe, Gottfried Heinrich und &nbsp;Johann Christoph Jencke en Compagnie dahin und brachten ihn obgedachten Dato den 14. Februar 1741 gegen Abend anhero.<\/p>\n\n\n\n<p>Den 15. Februar verf\u00fcgte sich unser neuer Herr Pfarr unter Begleitung obiger dreier Herren Geschworenen zu dem Herrn B\u00fcrgermeister (S. J. M\u00fcller), wo die anderen Herren des Rats in Corpore beisammen waren, um seine ihm mitgegebene Instruktion bekannt zu machen, welche folgenden Inhalts war:<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Sr. Majest\u00e4t in Preu\u00dfen Allergn\u00e4digsten Befehl soll der Prediger Ambrosius Ferdinand Jaerschky in der Stadt Buntzlau und denen da herum liegenden D\u00f6rfern in gro\u00dfen S\u00e4len und Gem\u00e4chern den Gottesdienst halten, auch alle Actus ministeriales verrichten, \u00fcbrigens aber denen Catolischen keinen Eingriff tun, wonach sich ein Jeder, we\u00df Standes er sei, zu achten hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegeben im Hauptquartier zu Rauschwitz den 9. Februar Anno 1741<\/p>\n\n\n\n<p>Sr. Kgl. Maj. in Preu\u00dfen Generallieutenant und Commandeur<\/p>\n\n\n\n<p>des zweiten Corps der Armee von Glogau.<\/p>\n\n\n\n<p>(gez.) Leopold Max von Anhalt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"701\" height=\"1105\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1096-Ev.-Kirche.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1551\" style=\"width:301px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Man hat bei dieser Gelegenheit den Rat, der sich auch ganz freundlich bezeiget, angegangen, den gro\u00dfen Saal auf dem Rathause zu dem \u00f6ffentlichen Gottesdienste zu erlauben. Als sie aber nichts Positives geantwortet, Stilleschweigen aber auch eine Antwort ist, so wurde auf unserer Seiten noch am gedachten Tage Possession davon genommen, die Zimmerleute wurden angewiesen, den Platz (den bisherigen Schuhmacher- und K\u00fcrschnerboden, dort wo jetzt das st\u00e4dtische Wohlfahrtsamt ist) nicht nur zu dielen, sondern auch andere ben\u00f6tigte Anstalten zu machen, wie sie denn in noch nicht 2 Tagen den Platz gedielt und mit Zuziehung &nbsp;derer Tischler die Cantzel, Altar, B\u00e4nke pp. verfertigt und mit viel Emsigkeit und Freude besorget haben. Die \u00fcbrige B\u00fcrgerschaft hatte von ihren Leuten Handl\u00e4nger und Mitarbeiter geschickt.<\/p>\n\n\n\n<p>Den 19. Februar 1741, als dem Sonntag Invocavit, wurde am ersten Male \u00f6ffentlicher Gottesdienst abgehalten auf dem Rathause, dahin der Herr Pfarr aus seinem Logis von den Herrn Kirchenvorstehern (unter denen der Dr. med. Kitzing besonders hervorzuheben) und Herren Geschworenen in M\u00e4nteln (gro\u00dfe blautuchene Radm\u00e4ntel waren damals die Festtracht) begleitet wurde. Die Versammlung bestand aus vielen Tausenden, und der Herr Pfarr lie\u00df sich mit allgemeinem Applause wohl h\u00f6ren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Am 2. M\u00e4rz wurden in dem Kirchensaale Emporen angebracht, da nicht alle Kirchg\u00e4nger Platz hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einzelheiten der Organisation des Gottesdienstes und der Gemeinde k\u00f6nnen wir f\u00fcglich \u00fcbergehen. Bemerkt sei, da\u00df nat\u00fcrlich ein Kantor und Lehrer Namens Fiebig angestellt wurde. Pastor Jaerschky hatte ein Arbeitspensum, das f\u00fcr einen einzelnen Mann zu schwer war, ja ihn f\u00f6rmlich erdr\u00fcckte. Er meinte, er k\u00f6nne in dieser Stellung nicht l\u00e4nger bleiben, verlie\u00df am 22. April die Stadt und begab sich zu Fu\u00df nach Siegersdorf, von wo aus er nach Waldau fuhr. In einem zur\u00fcckgelassenen Briefe flehte er die Gemeinde um Verzeihung an. Dieses Vorkommnis erzeugte in der Gemeinde gro\u00dfe Aufregung. Gl\u00fccklicherweise hatte sich aber Jaerscky bald anders besonnen und kehrte nach einiger Zeit wieder nach Bunzlau zur\u00fcck, \u00fcbernahm auch seine Amtsgesch\u00e4fte wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache war aber an die Beh\u00f6rde gemeldet worden. Infolgedessen traf umgehend in Bunzlau eine Ordre des Feldkriegskommissariats zu Breslau vom 24. April 1741 ein, wonach anstelle des entwichenen Pastors Jaerschky der in Hertwigswaldau bei Sagen bestellte Pastor Schirmer vom 30. April f\u00fcr Bunzlau bestimmt wurde. Am 29. April machte die Gemeinde der Beh\u00f6rde den Vorschlag, ob nicht beide Geistliche in Bunzlau bleiben k\u00f6nnten, da die Gemeinde zu gro\u00df sei. F\u00fcr den Unterhalt beider Herren werde gesorgt werden. Unterm 2. Mai 1741 wurde dieser Bitte stattgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem hat die evangelische Gemeinde stets zwei Pfarrer gehabt.<\/p>\n\n\n\n<p>Pastor Schirmer starb leider schon am 9. Februar 1747. An seine Stelle wurde der am 31. Mai 1725 in Friedrichsfelde bei Berlin geborene Ernst Gottlieb Woltersdorf gew\u00e4hlt, ein sanftm\u00fctiger Mann, aber ein gewaltiger Gottesstreiter, weit bekannt durch seine Rednergabe und seine glaubenstreuen Lieder (Von seinen Kirchenliedern zieren noch 6: Nr. 143, 202, 211, 224, 271 und 290 unser Gesangbuch), deren er wohl an 600 gedichtet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Er sollte ein Segen f\u00fcr die Gemeinde und f\u00fcr das von Zahn gegr\u00fcndete Waisenhaus werden, dessen Direktor er im Nebenamte war. Am 20. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1748 hielt er hier seine Antrittspredigt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"718\" height=\"1090\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1415-Evangelische-Kirche.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1552\" style=\"width:290px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Diesen beiden Pastoren, Jaerschky und Woltersdorf, war es beschieden, die Bunzlauer Kirche zu bauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Jahre flei\u00dfigen Wirkens und Strebens hatten die Kirchgemeinde gef\u00f6rdert und gest\u00e4rkt. Der provisorische Saal des Rathauses gen\u00fcgte schon lange nicht mehr den Anforderungen. Manche Projekte m\u00f6gen gemacht und wieder verworfen worden sein, wie und auf welcher Stelle man ein Gotteshaus erbauen solle. Wie aus Theodor Fontanes \u201eWanderungen durch die Mark\u201c (Bd. IV, S. 155 fg.) hervorgeht, hatten die Woltersdorfs gute Beziehungen mit den h\u00f6chsten Beh\u00f6rden. So mag es wohl ein Verdienst unseres Woltersdorf gewesen sein, da\u00df er auf die Idee kam, die Ruine des alten Schlosses zum Kirchbau zu benutzen und die Regierung auf diesen Plan aufmerksam zu machen. Genug, der K\u00f6nig schenkte 1752 \u201edas hiesige alte, verfallene Schlo\u00df mit allen seinen Ruinen, auch den ganzen (fr\u00fcher viel gr\u00f6\u00dferen) Schlo\u00dfplatz der Bunzlauer ev. B\u00fcrgerschaft zur Erbauung einer ev. Kirche, Schule und Predigerwohnung allermildiglichst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die betr. Kabinettsordre ist z. Zt. nicht auffindbar. Pastor prim. Kretschmar berichtet am 21. Dezember 1880 dem hiesigen Magistrat, da\u00df er diese Urkunden mehrmals gesehen und gelesen habe, sie aber nicht finden k\u00f6nne. Vorhanden ist noch eine Order der Kriegs- und Dom\u00e4nenkammer zu Glogau vom 11. Juni 1757, die auf diese Schenkung ausdr\u00fccklich Bezug nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gemeinde ging nun eifrig ans Werk. Den Bauplan der Kirche hat der Meister Gottl. Liebelt aus Raudten verfertigt. Gepr\u00fcft wurde er von dem Oberbaudirektor Hedemann. Der Erstere baute nur 1752 an der Kirche. Eine kurze Zeit war auch der Waisenhausgr\u00fcnder Maurermeister Gottfried Zahn bei dem Werke besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eigentliche Kirchenerbauer war aber Georg Andreas Tunkel. Dieser hatte auch die Leitung bei Freilegung des Bauplatzes unter sich gehabt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber einen Grundri\u00df des alten Schlosses, den ein Ratmann Bernard am 16. November 1744 aufgenommen hat, berichtet Wernicke S. 491. Wernicke hat den Plan, der jetzt nicht mehr da ist, also anscheinend noch gesehen. Einigerma\u00dfen orientieren kann man sich \u00fcber die Situation nach einem im Museum aufgefundenen, undatierten Stadtplan, der dort, wo sp\u00e4ter das Pastorhaus erbaut wurde, die Lutherische Kirche vermerkt. Also datiert dieser Plan sicher vor 1752, und man hatte zun\u00e4chst die Absicht, dort die Kirche hinzubauen, ehe die Schlo\u00dfruine geschenkt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Bezeichnet hat man die Front der Kirche, wo jetzt die Orgel steht, mit Nord, so ist zuv\u00f6rderst zu bemerken, da\u00df in neuerer Zeit, wie auch das niedrigere Dach erkennen l\u00e4\u00dft, die Kirche nach Norden zu ein St\u00fcck verl\u00e4ngert worden ist. Dies vorausgeschickt, w\u00fcrdigen wir die Angaben Wernickes, da\u00df die Nord- und Westwand der Kirche auf den Grundmauern desjenigen Teiles der Burg stehen, die der Bernardsche Grundri\u00df bezeichnet als \u201eKorridor zur Kommunikation des ganzen Umfangs vom Schlosse, da nur der halbe Teilt (scilicet gegen S\u00fcden und S\u00fcdosten) angebaut gewesen\u201c. Die Feststellung alter Bauzust\u00e4nde ist immer eine schwierige Sache.<\/p>\n\n\n\n<p>Man stellt Kirchen mit dem Altar gern gegen Osten (ex oriente lux, Licht aus dem Osten). Dies war leider bei unserer Kirche nicht ang\u00e4ngig, da die Hauptachse Norden\u2013S\u00fcden gegeben war. Am Mittwoch, den 28. Juni 1752, vormittag um 9 Uhr wurde schon der Grundstein gelegt. Wo er sich befindet, wissen wir nicht. Der \u201ePlan, was bei Legung des Grundsteines zur Evangelischen Kirche in Buntzlau verhandelt werden soll\u201c, ist noch in Urschrift als Beilage in dem erw\u00e4hnten \u201eBegr\u00e4bni\u00dfbuche\u201c enthalten. Zun\u00e4chst hielt Pastor Jaerschky eine Rede. Darauf legte der B\u00fcrgermeister Giese den ersten Grundstein mit den Worten:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIm Namen Sr. Kgl. Majest\u00e4t und im Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Den zweiten Grundstein legte der Prokonsul Koehler im Namen einer Kgl. Hochpreisliche Krieges- und Dom\u00e4nenkammern, den dritten Ratmann Geiger im Namen der evangelischen B\u00fcrgerschaft, worauf Woltersdorf \u00fcber Jesaia 58, B. 11 und 12 predigte. Das N\u00e4here ist bei Wernicke S. 492\/3 geschildert. Selbstverst\u00e4ndlich fand hinter der Feier ein \u201eTraktament\u201c statt, wobei die Herrschaften von Rothlach, Gro\u00df-Krauschen und Warthau und die Geistlichen von Warthau und Tillendorf eingeladen worden waren. Auch die 48 J\u00fcngsten, die fr\u00fch von 7 Uhr an den Platz abgesperrt hatten, wurden nicht vergessen. Der Bau des Gotteshauses ging nun doch nicht so schnell vonstatten, wie man erhofft hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Unruhe war noch genug in der f\u00fcr Preu\u00dfen neugewonnenen Provinz. Entgegen der zuversichtlichen Behauptung in dem Verjagtschen Verse am Kirchportal war schon am 28. August 1756 ein neuer Krieg (der Siebenj\u00e4hrige) ausgebrochen. Die Gemeinde lernte auch die Wahrheit des Satzes, da\u00df zum Bauen Geld geh\u00f6rt, kennen. Eine Einnahme-Rechnung \u00fcber den Kirchenbau, beginnend 1751, wei\u00dft viele Beispiele von Aufopferung auf.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1281\" height=\"1914\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10044-Richter-Evangelische-Kirche-mit-Pfarrhaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1553\" style=\"width:339px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10044-Richter-Evangelische-Kirche-mit-Pfarrhaus.jpg 1281w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10044-Richter-Evangelische-Kirche-mit-Pfarrhaus-870x1300.jpg 870w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10044-Richter-Evangelische-Kirche-mit-Pfarrhaus-768x1148.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10044-Richter-Evangelische-Kirche-mit-Pfarrhaus-1028x1536.jpg 1028w\" sizes=\"auto, (max-width: 1281px) 100vw, 1281px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>So stiftete ein Wanderbursche 16 Sgr. 8 Pf. Der Hammermeister Gie\u00dfel in \u201eLortzendorf\u201c (Lorenzdorf) schenkte 1 Zentner Eisen. Der Gl\u00f6ckner Fiedler brachte 15 Sgr., die ihm ein Unbekannter in die Hand gedr\u00fcckt hatte. Auch Baron von Bibran spendete 3 Zentner Eisen. Die Evangelischen von Krauschen und Looswitz, die sich zum Bunzlauer Gottesdienste hielten, baten, bei der Hebung des Daches mit Handdiensten &nbsp;zu Hilfe kommen zu d\u00fcrfen. Herr v. Seydlitz gab 10 Taler.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem auf der Baustelle angebrachten Gotteskasten fanden sich 17<sup>1<\/sup>\/<sub>2<\/sub> Sgr. Ein Legat Christian Edelmanns ergab 30 Taler. Ein geborener Bunzlauer, Schuhmacher Warker aus Sagan, schickte 1 Taler 10 Sgr. Doch das sind nur einige Beispiele. Eine Kollekte im \u00fcbrigen Schlesien ergab 349 Taler.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesamteinnahmen betrugen 5953 Taler 17 Sgr. 1 Pf. Die Ausgaben nach einem noch vorhandenen Ausgabebuch 5933 16 Sgr. 3 Pf. Also blieben, da der Silbergroschen damals 12 Pfennige hatte, noch 10 Pfennig \u00fcbrig und keine Schulden. Man hatte gut Haus gehalten. Die Stadt schenkte das Bauholz und den Lehm zu den n\u00f6tigen Ziegeln. Die Hauptabrechnung der Ausgaben m\u00f6ge hier beigef\u00fcgt werden:<\/p>\n\n\n\n<p>01. Bauger\u00e4thschaft &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 38 Taler &nbsp;18 Sgr. &nbsp;2 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>02. Handlanger &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 770 Taler &nbsp;20 Sgr. &nbsp;2 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>03. Maurer&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 1400 Taler &nbsp;22 Sgr. &nbsp;5 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>04. Ziegeln und Dachsteine &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 58 Taler &nbsp;22 Sgr. &nbsp;3 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>05. Kalk, Gips, Lehm&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 699 Taler &nbsp;17 Sgr. &nbsp;8 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>06. Zimmerarbeit&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 611 Taler &nbsp;12 Sgr. &nbsp;2 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>07. Schmiedearbeit &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 504 Taler &nbsp;07 Sgr. &nbsp;6 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>08. Latten und Bretter&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 263 Taler &nbsp;22 Sgr. &nbsp;3 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>09. Tischler&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 369Taler &nbsp;06 Sgr. &nbsp;3 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>10. Schlosser&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 62 Taler &nbsp;29 Sgr. &nbsp;6 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>11. Glaser &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 168 Taler &nbsp;&#8212; Sgr. &nbsp;&#8212; Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>12. Steinmetzen &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 0365 Taler &nbsp;26 Sgr. &nbsp;3 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>13. Insgemein&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 639 Taler &nbsp;21 Sgr. &nbsp;8 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>Summe der Ausgaben&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 5933 Taler &nbsp;16 Sgr. &nbsp;3 Pf.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Zimmermeister war Hans George R\u00f6hricht beteiligt, als Schmied der Stadtschmiedemeister Gottfried Nitsche; die Glaserarbeiten leistete Joh. Gottlob M\u00fcller. Der Steinmetz Thomas Prachoffsky (Prachowsky), wohl ein Sohn des Wenzel P., der das Schmuckportal am Ausgange der Bl\u00fcchergasse geschaffen hat, leistete von 1754 bis 1757 treue Dienste. Von ihm und seinen Leuten r\u00fchren also die interessanten Steinmetzzeichen her, die an den Kirchenportalen eingegraben sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich war auch die innere Einrichtung und Ausschm\u00fcckung der Kirche notd\u00fcrftig fertig, zu welchem Ende \u00fcbrigens sp\u00e4ter noch gar manches geschehen mu\u00dfte, namentlich durch Aufrichtung des Altars mit der anf\u00e4nglich wohl f\u00fcr ihn nicht bestimmten zierlichen Kanzel, auch das Orgelwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Orgelbauer Glogner und Tischler Wielsch \u00fcbertrugen die alte Orgel vom bisherigen Betsaale in das neue Gotteshaus. Es geht die Rede, die Orgel sei anf\u00e4nglich \u00fcber dem Altare auf der Empore aufgestellt gewesen, doch berichten unsere Quellen dar\u00fcber nichts. Es konnte nun zur Einweihung des einfachen aber soliden Bauwerks, das ein redendes Denkmal opferfreudigen, kirchlichen Sinnes unserer V\u00e4ter ist, geschritten werden. Lassen wir \u00fcber den Verlauf der Einweihungsfeier dem Pastor Hermann Meisner (1834 \u2013 1856) das Wort, der anl\u00e4\u00dflich der S\u00e4kularfeier 1856 eine \u201eKurze Geschichte der ev. Kirchengemeinde von Bunzlau\u201c geschrieben hat. Hierbei ist zu bemerken, das von der Hand Hellfried Dahlmanns, eines Sohnes unseres verehrten Herrn Superintendenten, auch eine handschriftliche \u201eGeschichte der ev. Kirche zu Bunzlau\u201c vorliegt, die uns manches Material bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Am ersten Adventsonntage des verh\u00e4ngnisvollen Jahres 1756, dem 28. November, war es, da\u00df die ganze Stadt- und Landgemeinde, jede Zunft an einem besonderen Ort, sich fr\u00fch 8 Uhr versammelte, das Magistratskollegium in der Wohnung des hier ad interim (inzwischen) dirigierenden B\u00fcrgermeisters Chr. Gottfr. Verjagt (1756 \u2013 1788), Geistliche und Lehrerschaft in der Wohnung eines der beiden Gesitlichen, auf der Zollstra\u00dfe, die Z\u00fcnfte bei ihren Aeltesten. Um 8 Uhr begannen die Glocken der Katholischen Pfarrkirche, die bis 1835, bis zur Erbauung es eigenen Glockenturmes, solche Dienste leisteten, mit hellem Klang zu l\u00e4uten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ging ein jedes \u201eKorpus\u201c in Prozession von seinem Versammlungsort in den alten Betsaal. Woltersdorf kollektierte auf dem Platze, wo der Altar gestanden, mit dem Angesichte gegen die Gemeinde gewendet und dankte im Gebete dem grundg\u00fctigen Gott f\u00fcr alle hier genossene Gnade dem\u00fctigst, flehte um Vergebung der S\u00fcnden der Gemeinde und um den letzten Seen in dieser Stunde. Hierauf betrat Jaerschky nach einem Dankliede die alte Kanzel und hielt \u00fcber den Text Psalm 9,2 (Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen und erz\u00e4hle alle deine Wunder) die Abschiedspredigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Man merkte besonders im zweiten Teile eine gro\u00dfe Bewegung. Es flossen viele Tr\u00e4nen der R\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ging die Prozession \u00fcber den Markt, die Zoll- und Gro\u00dfe Kirchstra\u00dfe in das neue Bethaus. Voran schritt die M\u00e4gdleinschule, das Waisenhaus und die Stadtschule. Sodann kamen die Kirchenbedienten mit den Kirchengef\u00e4\u00dfen. Hierauf die Geistlichen. Es folgte das Magistratskollegium, dem ein Ratsdiener die Kirchenschl\u00fcssel voran trug. Dem Magistrat folgten die Z\u00fcnfte und die \u00fcbrige Stadt- und Landgemeinde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Prozession geschah unter Zusammenlauf einer gro\u00dfen Volksmenge, mit innerer Bewegung unter Absingen des Liedes: \u201eSei Lob und Ehr\u2018 dem h\u00f6chsten Gut pp.\u201c. An den Kircht\u00fcren hielt Verjagt eine wegen der K\u00e4lte und des Schneegest\u00f6bers abgek\u00fcrzte Anrede, \u00f6ffnete im Namen der Allerheiligsten Dreieinigkeit, im Namen Sr. Kgl. Majest\u00e4t, wie auch im Namen der ev. B\u00fcrgerschaft die Pforte und \u00fcbergab die Schl\u00fcssel den beiden Predigern mit den Worten:<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhnen \u00fcbergebe ich nun im Namen Gottes die Schl\u00fcssel zu diesem Hause, bei dem Sie Ihr Oberhirte Jesus Christus zu Hirten und W\u00e4chtern der Gemeinde bestellt hat. Er lasse Sie in Treue und Segen arbeiten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hierauf trat Hauptmann von Rosson, der tags zuvor mit einem Kommando des M\u00fctschekallischen Regiments in Bunzlau einmarschiert war, herzu und w\u00fcnschte allen Segen mit den Worten:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir wollen Ihnen Ruhe schaffen mit Gottes Beistand!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einer Intrade der Pauken und Trompeten drang nun alles in die Kirche. Beide Geistlichen knieten auf den Stufen des Altars nieder und blieben auf den Knien liegen, solange der Gesang \u201eKyrie! Gott Vater in Ewigkeit\u201c ert\u00f6nte.<\/p>\n\n\n\n<p>Jaerschky ministrierte, intonierte das Gloria und verlas die Epistel. Eine kurze Kirchenmusik folgte, worauf das Evangelium gelesen, der Glaube gesungen und von Woltersdorf die Einweihungspredigt \u00fcber das Evangelium des ersten Advents (Matth. 21, 1\u20139) mit gewohnter Kraft gehalten wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Predigt ist damals im Druck erschienen. Sie ist anl\u00e4\u00dflich der Jahrhundertfeier neu aufgelegt worden. Die Br\u00fcdergemeine Gnadenberg hat diese Neuauflage der ev. Gemeinde Bunzlau zum Geschenk gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann diese einzig sch\u00f6ne Predigt noch jetzt nicht ohne Ergriffenheit lesen. Es mu\u00df einen gewaltigen Eindruck ausgel\u00f6st haben, als Woltersdorf nach Schilderung des Einzugs des K\u00f6nigs der Ehren in Jerusalem mit den Worten auf die Knie sank und mit ihm die ganze riesige Festgemeinde:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDamit aber von allen diesen und vorher ausgesprochenen W\u00fcnschen keiner verraucht, der nicht sogleich vor Gottes Angesicht gebracht werde: So lasset uns diesen Augenblick alles zusammen fassen und mit &nbsp;IHM selbst reden. Vermutlich ist Ers wert, da\u00df wir Alle uns auf unsre Knie werfen und so vor Ihm beten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, Woltersdorf war ein Pietist, aber in des Wortes edelster Bedeutung. Es ist viel \u00fcber ihn und seine Lehre geschrieben worden, so von Dr. K. F. R. Schneider, von Dr. Wernicke und in neuester Zeit besonders von Johannes Giffey: \u201eE. G. Woltersdorf, ein ev. S\u00e4nger und Seelsorger\u201c, Barmen 1925.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nachmittagspredigt der Kirchweih \u00fcber die epistologische Perikope (R\u00f6mer 13, 11\u201314) hielt Jaerschky unter gro\u00dfer Erbauung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein vielbemerkter, als gutes Omen aufgefa\u00dfter Zufall war, da\u00df der Einzug der Prozession bei heftigem Schneesturm erfolgten, bei Beginn der Woltersdorfschen Predigt aber das helle, luftige Gotteshaus mit pl\u00f6tzlich eintretendem strahlenden Sonnenschein erf\u00fcllt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach soviel Erbauung &nbsp;war es ein gro\u00dfer Schlag f\u00fcr die Gemeinde, da\u00df ihr im Dezember 1761 binnen wenigen Tagen beide lieben Geistliche durch den Tod geraubt wurden: am 13. Dezember starb zuerst Jaerschky, und 4 Tage sp\u00e4ter am 17. Dezember Woltersdorf. Beide ruhen auf dem hiesigen Friedhof; 2 zierliche Pyramiden, gleich vorn beim Haupteingange, bezeichnen &nbsp;ihre Ruhest\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1770 konnte das neue Pfarrhaus bezogen werden. 1790\/91 wurde die Friedhofskapelle gebaut. Die Schule wurde nicht, wie anf\u00e4nglich beabsichtigt, gegen\u00fcber dem Pfarrhause gebaut, sondern es wurde dazu das vom K\u00f6nig Friedrich III. 1811 geschenkte Dominikanerkloster umgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1813 drohte der Kirche die Gefahr, von den Franzosen zur Errichtung einer Schanze eingerissen zu werden. Es gelang aber, dieses Unheil durch herzliches Bitten abzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der 25j\u00e4hrigen Jubelfeier der ersten St\u00e4dteordnung 1833 stellte der Stadtverordnetenvorsteher Kaufmann Kaulisch, den Gef\u00fchlen der gesamten Gemeinde nachkommend, den Antrag, der Kirche einen Glockenturm vorzubauen, der einstimmig angenommen wurde. Am 26. April 1834 erfolgte, wie unten am Turm zu lesen ist, die Grundsteinlegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende 1835 war dieser Turm fertig. In der Neujahrsnacht 1836 erscholl zum ersten Male das von P\u00fchler in Gnadenberg gegossene sch\u00f6ne Gel\u00e4ut im Es-Dur-Akkorde.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Weltkrieges wurden 2 Glocken abgeliefert. Advent 1927 konnten die neuen Glocken mit der zur\u00fcckgebliebenen alten ihre Stimmen erschallen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Erbauer des Turmes war Maurermeister Senator Engelhard Gansel. Die Zimmerarbeiten hatte Zimmermeister R\u00f6hricht geleistet. Der aus Sandstein gebaute Turm ist 73,44 m hoch. Die Baukosten betrugen 16667 Taler; bei den unentgeltlich geleisteten Hand- und Spanndiensten beteiligten sich auch nicht eingepfarrte Dorfschaften. Die 62 Zentner schweren Glocken kosteten 3328 Taler.<\/p>\n\n\n\n<p>Allgemeinen Beifall findet der neuerliche k\u00fcnstlerische Ausbau des Turmvorraumes zu einer Ged\u00e4chtnishalle f\u00fcr die Helden des Weltkrieges nach einem Entwurfe von Grunwald.<\/p>\n\n\n\n<p>Hoffentlich wird beim 200j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Kirche der Tiefstand der materiellen Verh\u00e4ltnisse soweit behoben sein, da\u00df man an der Westseite der Kirche anstelle der alten Futtermauer eine breite Terrasse errichten kann, wodurch sich die Kirche von dieser Seite herrlich pr\u00e4sentieren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6ge das heute neu beginnende Kirchenjahr erf\u00fcllt sein von den Strahlen der Gnade, die in dem heutigen Festtage ihren Ursprung haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Artur Schiller. Erstver\u00f6ffentlichung im \u201eBunzlauer Stadtblatt\u201c 1931. Herr, ich habe dich lieb die St\u00e4tte Deines Hauses und den Ort, da DEine Ehre wohnet. &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Psalm 26,8. 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