{"id":1515,"date":"2024-07-05T15:52:06","date_gmt":"2024-07-05T13:52:06","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1515"},"modified":"2024-07-05T15:52:06","modified_gmt":"2024-07-05T13:52:06","slug":"1515","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/05\/1515\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<p>Carl Menzel &amp; S\u00f6hne:<\/p>\n\n\n\n<p>Glasfabrik \u201eCarlswerk\u201c Bunzlau in Schlesien<\/p>\n\n\n\n<p>Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart. 1923<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1783\" height=\"1429\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-D2014-B372-Umschlag-Carlswerk.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1517\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-D2014-B372-Umschlag-Carlswerk.jpg 1783w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-D2014-B372-Umschlag-Carlswerk-1300x1042.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-D2014-B372-Umschlag-Carlswerk-768x616.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-D2014-B372-Umschlag-Carlswerk-1536x1231.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1783px) 100vw, 1783px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1897 wurde die Firma Carl Menzel &amp; S\u00f6hne in Lommatzsch von dem nachmaligen Kommerzienrat Carl Menzel und seinen S\u00f6hnen gegr\u00fcndet. Das Werk umfa\u00dfte seinerzeit zwei Schmelz\u00f6fen und einen Streckofen.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Kommerzienrat Carl Menzel wurde im Jahre 1844 im Kreise Sorau geboren. Er entstammt dem Glash\u00fcttengebiet und hat von seinem 14. Jahre an s\u00e4mtliche Arbeiten der Tafelglasindustrie praktisch durchgemacht, bis er im Alter von 30 Jahren leitender Beamter wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00fcndliche Kenntnis der Praxis setzte ihn instand, in Lommatzsch eine Spezialit\u00e4t aufzunehmen, n\u00e4mlich Glas f\u00fcr photographische Trockenplatten, die bisher nahezu ausschlie\u00dflich aus dem Ausland, in der Hauptsache aus England und Belgien bezogen wurden. Herrn Kommerzienrat Menzel gelang es in kurzer Zeit, das gesamte Absatzgebiet f\u00fcr Trockenplattenglas in Deutschland, dank der Vorz\u00fcglichkeit seines Glases, zu erringen und festzuhalten. An dem schweren Konkurrenzkampf gegen das Ausland beteiligte sich vor dem Kriege keine der anderen deutschen H\u00fctten im wesentlichem Umfange. Nachdem der deutsche Markt ausreichend mit Glas versorgt war, gelang es der Firma Carl Menzel &amp; S\u00f6hne vor dem Kriege auch mit dem Ausland in Verbindung zu treten. Es wurden namhafte Lieferungen nach England gemacht, obwohl dortselbst hervorragendes Qualit\u00e4tsglas hergestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch nach Amerika, Italien und \u00d6sterreich wurden gro\u00dfe Lieferungen gemacht. Seit Kriegsbeginn, seitdem in Deutschland Mangel an hochwertigem Glas herrscht, ist die gesamte Produktion dem deutschen Markt zur Verf\u00fcgung gestellt worden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1869\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10497-Menzel-Carlswerk23-1-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1519\" style=\"width:380px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10497-Menzel-Carlswerk23-1-scaled.jpg 2560w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10497-Menzel-Carlswerk23-1-1300x949.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10497-Menzel-Carlswerk23-1-768x561.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10497-Menzel-Carlswerk23-1-1536x1122.jpg 1536w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10497-Menzel-Carlswerk23-1-2048x1496.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Werke in Lommatzsch sind im Laufe der Zeit auf drei Schmelz\u00f6fen und zwei Streck\u00f6fen vergr\u00f6\u00dfert worden. Ferner \u00fcbernahm die Firma Carl Menzel &amp; S\u00f6hne im Jahre 1902 die Bunzlauer Glasfabrik \u201eCarlswerk\u201c, die seinerzeit aus zwei Schmelz\u00f6fen und einem Streckofen bestand. Auch diese H\u00fctte wurde bis zu Kriegsausbruch erheblich vergr\u00f6\u00dfert und umfa\u00dfte im Jahre 1914 vier Schmelz\u00f6fen und zwei Streck\u00f6fen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1908 gr\u00fcndete Herr Emil Menzel in Riesa die Riesaer Tafelglas-h\u00fcttenwerke Emil Menzel, Riesa, bestehend aus zwei Schmelz\u00f6fen und einem Streckofen, die auch im Laufe der Jahre auf drei Schmelz\u00f6fen und zwei Streck\u00f6fen vergr\u00f6\u00dfert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Menzelkonzern hat sich durch seine intensive Arbeit vor dem Kriege und durch Erwerb des deutschen Absatzgebietes das Verdienst erworben, Deutschland im Kriege vom Auslande unabh\u00e4ngig gemacht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Glas des Menzelkonzerns konnten im Kriege die Lazarette mit R\u00f6ntgenplatten zur Durchleuchtung und Pflege verwundeter und die Heeresverwaltung mit Trockenplatten f\u00fcr Aufnahmen der Luftflotte versehen werden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1644\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10498-Carlswerk29-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1520\" style=\"width:500px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10498-Carlswerk29-scaled.jpg 2560w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10498-Carlswerk29-1300x835.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10498-Carlswerk29-768x493.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10498-Carlswerk29-1536x986.jpg 1536w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10498-Carlswerk29-2048x1315.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>N\u00e4chst Herrn Kommerzienrat Menzel, der die Leitung des Gesamtkonzerns innehat, liegt die technische Leitung des Lommatzscher Carlswerkes in den H\u00e4nden des Herrn Richard Menzel, die kaufm\u00e4nnische Leitung in den H\u00e4nden der Schwiegers\u00f6hne des Herrn Kommerzienrat Menzel, der Herren Paul Thieme und Carl G\u00fcnther, Lommatzsch.&nbsp; Die Leitung des Bunzlauer Carlswerkes f\u00fchrte bis zum Kriegsausbruch Herr Hugo Menzel, von dieser Zeit ab mit ihm gemeinsam Herr Fritz Menzel. Die kaufm\u00e4nnische Leitung des Carlswerkes in Bunzlau hat Herr Otto Becker inne, der ebenfalls der Schwiegersohn des Herrn Menzel sen. ist. Die Riesaer Tafelglash\u00fcttenwerke werden von Herrn Emil Menzel, seinen S\u00f6hnen und Schwiegers\u00f6hnen geleitet.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1990\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10512-Menzel-Menzel25-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1521\" style=\"width:439px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10512-Menzel-Menzel25-scaled.jpg 2560w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10512-Menzel-Menzel25-1300x1010.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10512-Menzel-Menzel25-768x597.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10512-Menzel-Menzel25-1536x1194.jpg 1536w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10512-Menzel-Menzel25-2048x1592.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im Fr\u00fchjahr des Jahres 1922 zweigte sich im Einverst\u00e4ndnis mit den Inhabern der Carlswerke Herr Hugo Menzel ab und baute in Bunzlau die Glasfabrik \u201eMinnah\u00fctte\u201c, die aus einem Schmelzofen und einem Streckofen besteht. Der Schmelzofen ist so eingerichtet, da\u00df er die Leistung von zwei Schmelz\u00f6fen erreicht. S\u00e4mtliche Werke haben f\u00fcr die notwendige Anzahl Werkswohnungen f\u00fcr Facharbeiter gesorgt, die sich in unmittelbarer N\u00e4he der H\u00fctten befinden. Nach Inbetriebnahme der \u201eMinnah\u00fctte\u201c im Monat September d. Js. umfa\u00dft der Menzelkonzern 11 Schmelz\u00f6fen und 7 Streck\u00f6fen, mit 93 Stellen f\u00fcr Glas-machermeister. Insgesamt werden besch\u00e4ftigt 730 Beamte, sowie Fach- und Hilfsarbeiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir Schlesier! Halbmonatsschrift f\u00fcr schlesisches Wesen und schlesische Dichtung. Verlag von L. Heege Schweidnitz. 2. Jahrgang 1922<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bunzlauer Glasfabrik \u201eCarlswerk\u201c wurde im Jahre 1867 durch den Kaufmann Wilhelm Nitschke aus Bunzlau unter dem Namen \u201eChristinenh\u00fctte\u201c gegr\u00fcndet. Herr Nitschke hatte Bunzlau gew\u00e4hlt, weil ihm diese Stadt f\u00fcr das Gedeihen der Glasindustrie besonders geeignet erschien, zumal die Rohstoffe in nicht zu gro\u00dfer Entfernung erreichbar waren. Das Werk bestand zun\u00e4chst aus zwei \u00d6fen, einem f\u00fcr Hohlglas und einem f\u00fcr Tafelglas und einer Schleiferei mit Dampfmaschine. Es nahm etwa 10000 Quadratmeter Fl\u00e4chenraum ein und besch\u00e4ftigte ungef\u00e4hr 80 Arbeiter und Beamte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1919\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10513-Menzel-Menzel26-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1522\" style=\"width:532px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10513-Menzel-Menzel26-scaled.jpg 2560w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10513-Menzel-Menzel26-1300x975.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10513-Menzel-Menzel26-768x576.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10513-Menzel-Menzel26-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10513-Menzel-Menzel26-2048x1535.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Doch ruhte auf dem jungen Unternehmen kein Segen, weil kein fachkundiger Leiter vorhanden war. Keiner der Aktion\u00e4re war mit den f\u00fcr die Glasindustrie erforderlichen Kenntnissen vertraut. Deshalb sahen sie sich gen\u00f6tigt, das Werk an die Gebr\u00fcder Hirsch aus Klitschdorf zu verpachten. Auch diese konnten es nicht vorw\u00e4rts bringen und gaben es nach kurzer Zeit den Aktion\u00e4re wieder zur\u00fcck. Ein geeigneter Leiter war immer noch nicht zu finden, und das Unternehmen verfiel dem Konkurs.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kam in die H\u00e4nde des Herrn Lippert und seines Sohnes Oswald. Unter ihrer Leitung wurde zum ersten Male in der Glash\u00fctte ersprie\u00dflich gearbeitet; denn die beiden Inhaber verstanden die Technik. Nachdem sie das Werk zur Bl\u00fcte gebracht hatten, verkauften sie es den Herren Breuer und Scharfenberg, die zwar t\u00fcchtige Kaufleute waren, aber das Gebiet der Glasfabrikation fachm\u00e4nnisch nicht beherrschten. Die Folgen dieses Wechsels in der Leitung konnten nicht ausbleiben. Solange noch der gute Geist der Herren Lippert nachwirkte, wickelte sich der Betrieb glatt ab. Als aber die neuen Besitzer den alten Stamm von Beamten entlie\u00dfen und neue heranzogen, ging das Werk unaufhaltsam zur\u00fcck und kam 1901 zum zweiten Male in Konkurs.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1942\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10514-Menzel-Menzel27-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1523\" style=\"width:578px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10514-Menzel-Menzel27-scaled.jpg 2560w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10514-Menzel-Menzel27-1300x986.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10514-Menzel-Menzel27-768x582.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10514-Menzel-Menzel27-1536x1165.jpg 1536w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10514-Menzel-Menzel27-2048x1553.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Konkursverwalter hatte den klugen Gedanken, einem fr\u00fcheren Beamten des Werkes aus seiner Bl\u00fctezeit, der sich inzwischen ein eigenes Glaswerk gebaut hatte, die \u201eChristinenh\u00fctte\u201c zum Verkauf anzubieten. Es war dies der Herr Carl Menzel in Lommatzsch, ein Mann, der sozusagen \u201evon der Picke auf gedient hatte\u201c. Als Sohn armer Eltern geboren, ging er mit 14 Jahren v\u00f6llig mittellos in die Lehre. in harter, arbeitsreicher Lehrzeit lernte er s\u00e4mtliche Arbeiten, die in der Glasindustrie vorkommen, von Grund aus kennen und f\u00fchrte sie jahrelang selbst aus. Dank seines Flei\u00dfes, seines Geschicks und seiner technischen Anlage arbeitete er sich zum technischen Beamten empor. Besonders geno\u00df er in Fachkreisen einen guten Ruf als Ofenkonstrukteur. Als er aus der \u201eChristinenh\u00fctte\u201c schied, war sein fester Entschlu\u00df gefa\u00dft, sich selbst\u00e4ndig zu machen und sich eine Glash\u00fctte ganz nach seinen eigenen Ideen zu bauen. Er ging nach Lommatzsch in Sachsen, wo er seinen Plan verwirklichte, indem er dort eine ganz moderne Glash\u00fctte errichtete, die schon nach kurzer Zeit in Fach- und Gesch\u00e4ftskreisen geb\u00fchrende Beachtung fand. Auch die s\u00e4chsische Regierung wurde auf sein Unternehmen aufmerksam. Der fr\u00fchere K\u00f6nig von Sachsen besuchte Menzels Glash\u00fctte in Lommatzsch und ernannte den erfolgreichen Inhaber unter hohen Ordensauszeichnungen zum K\u00f6niglichen Kommerzienrat.<\/p>\n\n\n\n<p>Der tatkr\u00e4ftige Leiter des Bunzlauer Glaswerkes ging sofort an die v\u00f6llige Umgestaltung des Betriebes: s\u00e4mtliche \u00d6fen wurden nach eigenem System umgebaut, eine andere, in langj\u00e4hriger Praxis erprobte Arbeitsmethode wurde eingef\u00fchrt, durch Einbau von Ventilatoren, die f\u00fcr die Zufuhr k\u00fchler und frischer Luft sorgten, wurden g\u00fcnstigere Arbeitsbedingungen geschaffen, eine Spezialfabrikation, Anfertigung von Trockenplatten, wurde in den Betrieb aufgenommen. Herr Menzel und seine S\u00f6hne vergr\u00f6\u00dferten das Werk unausgesetzt, soda\u00df es vor Kriegsausbruch mit vier Schmelz- und zwei Streck\u00f6fen arbeitete und 165 Arbeiter und Beamte besch\u00e4ftigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u201eCarlswerk\u201c hat das Verdienst, in der Herstellung von Trockenplattenglas Deutschland vom Auslande unabh\u00e4ngig gemacht zu haben. Es war bis Kriegsausbruch die einzige Glash\u00fctte in unserem Vaterlande, die diesen Artikel verfertigte, der f\u00fcr unsere Kriegsf\u00fchrung unentbehrlich wurde; denn zu R\u00f6ntgenplatten f\u00fcr die Lazarette und zu Fliegerplatten f\u00fcr die Luftflotte fand er Verwendung. Und jetzt sind die Trockenplatten ein wichtiges Handelsobjekt zur Beschaffung von Lebensmitteln im Auslande und zur Hebung unserer Valuta. Das \u201eCarlswerk\u201c lieferte bis zum Kriege j\u00e4hrlich etwa 500000 Quadratmeter Trockenplattenglas.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1641\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10515-Menzel-Menzel28-1-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1525\" style=\"width:524px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10515-Menzel-Menzel28-1-scaled.jpg 2560w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10515-Menzel-Menzel28-1-1300x833.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10515-Menzel-Menzel28-1-768x492.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10515-Menzel-Menzel28-1-1536x985.jpg 1536w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10515-Menzel-Menzel28-1-2048x1313.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Seitdem hat sich die Trockenplattenindustrie in Deutschland sehr gehoben, besonders dank der Streck\u00f6fen, einer Erfindung Menzels, wodurch die G\u00fcte des Glases hervorragend beeinflu\u00dft wird. Gegenw\u00e4rtig werden neue Schmelz\u00f6fen von Menzel konstruiert, erprobt, die eine bedeutende Verbesserung darstellen, sowohl bez\u00fcglich der Arbeit als auch des Erzeugnisses.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Werk ist mit Wasserleitung, Kanalisation und elektrischem Licht ausgestattet.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine ganz moderne Badeeinrichtung mit stets hei\u00dfem Wasser, das ohne jede Bedienung unaufh\u00f6rlich vom Glasofen zuflie\u00dft, bietet den Arbeitern Tag und Nacht die Annehmlichkeit des Badens.<\/p>\n\n\n\n<p>Zahlreiche gro\u00dfe Fl\u00fcgelventilatoren sorgen f\u00fcr frische Luft in dem Schmelzraum. Vier gro\u00dfe Wohnh\u00e4user mit 40 gesunden Wohnungen stehen den Arbeitern zur Verf\u00fcgung. Seit 18 Jahren leitet Kommerzienrat Menzel im Verein mit seinen S\u00f6hnen und Schwiegers\u00f6hnen das \u201eCarlswerk\u201c. Wenn es ihm gelang, ein hoffnungslos darniederliegendes Unter-nehmen zu solcher Bl\u00fcte emporzuheben, so ist das eine Folge seines nie versagenden Flei\u00dfes und seiner entschiedenen Tatkraft; denn Arbeit ist des B\u00fcrgers Zierde, Segen ist der M\u00fche Preis\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Schlesische Tafelglas-Industrie in Handbetrieb!<\/h2>\n\n\n\n<p>Schlesien \u2013 Bodensch\u00e4tze und Industrie. 1936<\/p>\n\n\n\n<p>Der einzige und letzte Betrieb in Schlesien, welcher mundgeblasenes Glas ausschlie\u00dflich in Handarbeit herstellt, ist die Menzelh\u00fctte vorm. Carlswerk, Bunzlau.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Betrieb besteht schon seit fast 100 Jahren und befindet sich seit 35 Jahren im Familienbesitz der jetzigen Inhaber. Bei \u00dcbernahme wurde der Betrieb modernisiert durch Bau patentierter \u00d6fen, und fabriziert seit dieser Zeit hochwertig Gl\u00e4ser als Hauptproduktion und Spezialit\u00e4t Glas f\u00fcr photographische Platten, (dieses Glas wurde durch diese Betriebe in Deutschland erstmalig fabriziert und eingef\u00fchrt), sowie andere photographische als auch mikroskopische Zwecke; als besondere Spezialit\u00e4t gro\u00dfe Glaskugeln (etwa einen Meter Durchmesser) als Rohglas f\u00fcr Rasierspiegel, Auto-R\u00fccklichtspiegel und Uhrengl\u00e4ser. In den letzten Jahren fabriziert diese Firma wider wesentliche Mengen Fensterglas. Von jeher f\u00fchrend sind die in der Menzelh\u00fctte erzeugten Tafelgl\u00e4ser, qualitativ erstklassig. Das von ihr erzeugte Fensterglas kann mit dem neuerdings erzeugten Maschinenglas ohne weiteres konkurrieren, ja es besitzt dem letzteren gegen\u00fcber gewisse Vorz\u00fcge, denn es hat nicht die bekannten Ziehstreifen des Maschinenglas und ist auf Grund der chemischen Zusammensetzung unbegrenzt haltbar gegen Witterungseinfl\u00fcsse und widerstandsf\u00e4higer gegen Verletzung der Oberfl\u00e4che. Die Menzelh\u00fctte konnte ihren Betrieb im November 1934 durch Hinzubau eines Ofens um etwa 40 v. H. erweitern und prozentual die Arbeiterzahl erh\u00f6hen. Der Betrieb verwendet ausschlie\u00dflich inl\u00e4ndische Rohmaterialien und beliefert zum gr\u00f6\u00dften Teil das Inland, hat jedoch auch Export nach verschiedenen L\u00e4ndern. Bunzlau hat auf Grund seiner Glasindustrie die einzige in Schlesien bestehende Glasfachschule der keramischen Fachschule angegliedert. Durch Einf\u00fchrung des Maschinenglases, welches qualitativ wohl besser ist als fr\u00fcheres minderwertigeres mundgeblasenes Glas, wird der Handarbeit nicht mehr die w\u00fcnschenswerte Beachtung geschenkt. Die Erzeugnisse der Menzelh\u00fctte jedoch, welche von jeher durch ihre Spezialfabrikation auf Qualit\u00e4tsarbeit eingestellt ist, werden besonders von der heimischen Verbraucherschaft gern verwendet, und ist zu hoffen, da\u00df dieser handarbeitende Betrieb noch recht lange der schweren Konkurrenz der Maschinen standhalten wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Glasindustrie<\/h2>\n\n\n\n<p>Karl Bessrich: Bunzlau \u2013 Eine wirtschaftsgeographische Betrachtung. 1936 Volk und Reich Verlag\/Berlin. Zur Wirtschaftsgeographie des deutschen Ostens. Untersuchungen und Darstellungen. Herausgegeben von Professor Dr. Walter Geisler-Breslau\/Band 9<\/p>\n\n\n\n<p>Typische Industrien der Heide sind Glas- und Eisenwerke. Freilich, die alten Grundlagen k\u00f6nnen einem modernen Betrieb nicht mehr gen\u00fcgen. Die Unternehmungen mu\u00dften ihre Bodenst\u00e4ndigkeit teilweise aufgeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Quarzsande der diluvialen Decken und D\u00fcnen leiteten die Glasbl\u00e4serei ein. Der Reichtum an Wald lieferte billiges Holzfeuer. Die Glash\u00fctte in Bunzlau, das Carlswerk, die einzige, die noch arbeitet, wurde im Jahre 1867 gegr\u00fcndet. Da die hiesigen Sande jetzt zu minderwertig, zu unrein sind, wird Glassand aus Hohenbocka (Niederlausitz) bezogen. Kalkspat kommt aus dem Erzgebirge. Als Kraftstoff werden Braunkohlenbriketts oder Rohbraunkohle aus Siegersdorf Ort verwendet, die qualitativ besser geeignet sind als die Niederlausitzer und wegen der nahen Entfernung auch frachtlich g\u00fcnstiger stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeiter, die aus der Lausitz, aus Sachsen und Bayern herangezogen worden sind, sind schon lange ans\u00e4ssig und erhalten keinen neuen Zuzug.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie leben gr\u00f6\u00dftenteils in Werkswohnungen. Diese Spezialarbeiter machen das Werk arbeitsst\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p>Es werden Qualit\u00e4tsgl\u00e4ser hergestellt nach dem Mundblasverfahren. Nur noch sehr wenig Glasfabriken in Deutschland gibt es, in denen der Mensch nicht durch die Maschine verdr\u00e4ngt worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die G\u00fcte des Glases, das durch die Mundbl\u00e4serei entsteht, wobei Empfinden und K\u00f6nnen des einzelnen Bl\u00e4sers aus-schlaggebend ist, kann durch keine rein maschinelle Herstellung erreicht werden. Dieses Qualit\u00e4tsglas findet Verwendung f\u00fcr photographische Trockenplatten, mikros-kopische Gl\u00e4ser, Mattscheibenglas, Kugelglas f\u00fcr Vergr\u00f6\u00dferungs- und Verkleinerungszecke usw. Wegen Mangel an Auftr\u00e4gen in diesen Spezialartikeln mu\u00df auch Fensterglas produziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ofen ist in Betrieb. Die Produktion bel\u00e4uft sich durchschnittlich im Monat auf 25000 qm in einer Dick von 0,4 bis 6 mm. Das Carlswerk besch\u00e4ftigt jetzt wieder 105 Arbeiter bei einer Kapazit\u00e4t von 190. Die Absatzgebiete sind dieselben geblieben, nur ist schwere tschechische Konkurrenz auf dem Absatzmarkt hinzugekommen. Fensterglas wird im Inland haupts\u00e4chlich in Niederschlesien verbraucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sepzialartikel finden ihren Weg \u00fcber ganz Deutschland; 10 \u2013 15 % werden exportiert nach England, Frankreich, Holland, Schweiz, nach L\u00e4ndern, die auf hoher Kulturstufe stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Bunzlau lieben 2 Glasfabriken still, die Amalien- und die Minnah\u00fctte. Diese beiden Fabriken konnten 70 bzw. 150 Arbeiter besch\u00e4ftigen. F\u00fcr die Minnah\u00fctte sind Bestrebungen im Gange, den Betrieb wieder aufzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1931 wurde an die keramische Fachschule eine Glasfachschule angebaut und angegliedert, was sich als sehr zweckm\u00e4\u00dfig f\u00fcr beide Schulen erwies. Die Glasfachschule spielt f\u00fcr die Glasindustrie eine \u00e4hnliche Rolle wie die keramische Schule f\u00fcr die Tonindustrie.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1632\" height=\"2389\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-10495-Menzel-CarlMenzel15.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1516\" style=\"width:454px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-10495-Menzel-CarlMenzel15.jpg 1632w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-10495-Menzel-CarlMenzel15-888x1300.jpg 888w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-10495-Menzel-CarlMenzel15-768x1124.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-10495-Menzel-CarlMenzel15-1049x1536.jpg 1049w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-10495-Menzel-CarlMenzel15-1399x2048.jpg 1399w\" sizes=\"auto, (max-width: 1632px) 100vw, 1632px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Carl Menzel<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carl Menzel &amp; S\u00f6hne: Glasfabrik \u201eCarlswerk\u201c Bunzlau in Schlesien Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart. 1923 Im Jahre 1897 wurde die Firma Carl Menzel &amp; S\u00f6hne in Lommatzsch von dem nachmaligen Kommerzienrat Carl Menzel und seinen S\u00f6hnen gegr\u00fcndet. 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