{"id":1502,"date":"2024-07-05T15:40:37","date_gmt":"2024-07-05T13:40:37","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1502"},"modified":"2024-07-05T15:40:38","modified_gmt":"2024-07-05T13:40:38","slug":"die-bunzlauer-buehne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/07\/05\/die-bunzlauer-buehne\/","title":{"rendered":"Die Bunzlauer B\u00fchne"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eDer Bunzlauer Kreis am Bober und Queis\u201c. 2. v\u00f6llig neu bearbeitete Auflage 1964. Herausgegeben von der Bundesheimatgruppe Bunzlau in Siegburg.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2010\" height=\"1404\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10073-Burmann-Theater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1503\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10073-Burmann-Theater.jpg 2010w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10073-Burmann-Theater-1300x908.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10073-Burmann-Theater-768x536.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-1-10073-Burmann-Theater-1536x1073.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2010px) 100vw, 2010px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Blick auf die B\u00fchne. Slg. D. Plate, Album Bgm. Burmann<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Bunzlauer waren stolz auf ihr Theater. Es war klein, es hatte nur 400 Sitzpl\u00e4tze, aber es war ein richtiges Theater mit hufeisenf\u00f6rmigem Zuschauerraum mit Parkett und zwei R\u00e4ngen, mit einem Orchesterraum, der f\u00fcr 24 Musiker Platz bot, mit einer gut ausgestatteten B\u00fchne, Samtvorhang und eisernem Vorhang, und eisernem B\u00fchnenportal, mit Beleuchtungsbr\u00fccke und leistungsf\u00e4higer Beleuchtung, Schn\u00fcrboden und Rundhorizont. Dieses Theater war der Sitz einer Wanderb\u00fchne, die f\u00fcr viele niederschlesische St\u00e4dte Bedeutung hatte. Bunzlau als Mittelpunkt eines schlesischen Spielkreises: das war das Ende einer jahrhundertelangen Entwicklung. Wir werden sehen, wie unsere kleine Stadt sich immer bem\u00fcht hat, am Fortschritt des deutschen Theaterwesens teilzuhaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Nachrichten \u00fcber dramatische Kunst auf deutschem Boden betreffen geistliche Spiele. Die Kirche war bem\u00fcht, den einfachen Menschen, die nicht lesen konnten, die wichtigsten Tatsachen der Heilsgeschichte bildlich und plastisch vor Augen zu stellen. Noch wertvoller waren ihre dramatischen Vorf\u00fchrungen, wie sie z. B. in den Spielen von Oberammergau heute noch fortleben. Die Holsteinische Chronik gibt zwei Hinweise auf solche Auff\u00fchrungen in Bunzlau. Da spricht der Ratsherr Anshelm Scholz 1515 in seinem Brief an den Rat von einem Passionsspiel, da lesen wir 1523, da\u00df allj\u00e4hrlich am Himmelfahrtstage ein geistliches Spiel \u00fcblich war. Als sp\u00e4ten Nachklang der altehrw\u00fcrdigen, ernsten \u201eMysterienspiele\u201c am Ort m\u00fcssen wir die b\u00fchnenm\u00e4\u00dfige Darstellung des Leidens Christi in der ber\u00fchmten Singspieluhr ansehen, die der Bunzlauer Tischlermeister Hermann Jakob in den Jahren 1784 bis 1797 schuf.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1092\" height=\"700\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-1209-Theater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1504\" style=\"width:522px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-1209-Theater.jpg 1092w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-2-1209-Theater-768x492.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1092px) 100vw, 1092px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">                           <sup>Das Bunzlauer Stadttheater. Slg. D. Plate<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die n\u00e4chste Form des B\u00fchnenspiels in Deutschland waren die humanistischen Sch\u00fclerkom\u00f6dien. Der Rektor der hiesigen Lateinschule, der vor allem in dieser Hinsicht bem\u00fcht gewesen ist, war Valentin Senftleben, der der Schule von 1606 bis 1614 vorstand. Er war der verehrte Lehrer des Bunzlauers, der ganz bedeutenden Einflu\u00df auf die B\u00fchnenkunst f\u00fcr lange Zeit gehabt hat: Martin Opitz. Zwei Formen des dramatischen Spiels gehen auf ihn zur\u00fcck: das Sch\u00e4ferspiel und die Oper. Aus Bunzlau ist freilich nichts zu berichten von Sch\u00e4ferspielen und Opernvorstellungen, und doch f\u00fchlen wir uns beteiligt, weil am Anfang dieser Theaterkunst der Name Martin Opitz steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr Spiele damals in kleinen St\u00e4dten wie Bunzlau \u00fcber die B\u00fchne gingen, verr\u00e4t eine Bemerkung in einem Protokollbuch von 1732. Da spielte eine Wandertruppe im Rathaussaal \u201eKom\u00f6die\u201c unter gro\u00dfem Beifall des Volkes, und angeheiterte und maskierte St\u00f6renfriede trieben dabei ihre Possen. Damit sind wir in der Bl\u00fctezeit des Wanderschmierentheaters. Angefangen hatte es mit den Reisen englischer Kom\u00f6dianten, die ihre Kunst zum Unterschiede von allen bisherigen Spielen erwerbsm\u00e4\u00dfig trieben. Sie durchzogen seit 1586 ganz Deutschland mit ihren bunten Lappen, blutigen Greueln und schmutzigen Possen. Eine sehr wichtige Person war dabei der Narr, auch Hans-Wurst oder Pickelh\u00e4ring genannt. Die rasch aufgeschlagene B\u00fchne war mit den einfachsten Mitteln der in England \u00fcblichen Form nachgeahmt. Das wichtigste Spielfeld war ein breites Podium, das ohne jede Ausstattung jeden beliebigen Ort bedeuten konnte. Hinten war es durch einen Vorhang abgeschlossen, hinter dem eine zweite, viel kleinere Spielfl\u00e4che lag, die sogenannte Unterb\u00fchne, die man bei Zimmerszenen verwendete. Die Decke der Unterb\u00fchne, die sogenannte Oberb\u00fchne, diente ferner zur Darstellung von Vorg\u00e4ngen auf W\u00e4llen und Mauern. Ob je eine solche B\u00fchne einmal in Bunzlau aufgeschlagen wurde, wissen wir nicht. Und doch hat unsere Stadt ein wertvolles Zeugnis f\u00fcr ein solche \u201eShakespeare-B\u00fchne\u201c besessen: unsere Spieluhr. Im dritten Bilde aus dem Leiden Christi, das das Verh\u00f6r vor Pilatus darstellte, sah man in der ersten Szene auf der Vorderb\u00fchne die Juden vor dem Gerichtshaus. Darauf hob sich der Vorhang im Hintergrund, und nun spielten die beiden folgenden Szenen, die Handwaschung des Pilatus und die Gei\u00dfelung Christi, auf einer kleinen, etwas erh\u00f6hten Hinterb\u00fchne. Anschlie\u00dfend erschien der Ganz zur Kreuzigung \u00fcber diesen beiden Spielfl\u00e4chen, gleichsam auf einer Oberb\u00fchne. Wer wei\u00df, wo Meister Jakob so viele Jahre sp\u00e4ter eine alte Form der englischen Kom\u00f6diantenb\u00fchne sah, nach der er dann seine Spieluhr baute, damit er mehrere Bilder auf engem Raum darstellen konnte. Seit 1650 waren die Engl\u00e4nder verdr\u00e4ngt. Nun zogen deutsche Berufsschauspieler durchs Land, hatten von italienischen Wandertruppen noch eine zweite komische Figur, den Harlekin, \u00fcbernommen. Sie zogen mit ihren Karren von Stadt zu Stadt, vom B\u00fcrgertum gemieden wie die Landstreicher, und boten, was das Publikum in jener verwilderten Zeit nach dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Kriege willig machte, den Hut des einsammelnden Spa\u00dfvogels mit klingender M\u00fcnze zu f\u00fcllen. Sie traten auf als Akrobaten, Seilt\u00e4nzer, S\u00e4nger, Fechter, Zauberk\u00fcnstler und &#8230; Schauspieler. Sie spielten schaurige Mordgeschichten, \u201eHaupt- und Staatsaktionen\u201c von K\u00f6nigen und R\u00e4ubern, von Sch\u00e4ndung und Wahnsinn, dazu tolle, derbe Possen in wildem Durcheinander. sie spielten auf freien Pl\u00e4tzen, in Buden und Scheunen, wenn es hoch kam, auch in Rathaus\u00e4len \u2013 wie 1732 in Bunzlau. Leider wissen wir nichts Genaueres dar\u00fcber, weil die bessere Gesellschaft \u201ekeine Notiz davon nahm\u201c.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1416\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-1763-Theater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1505\" style=\"width:467px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-1763-Theater.jpg 1416w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-1763-Theater-1300x940.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-3-1763-Theater-768x555.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1416px) 100vw, 1416px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Stadttheater und Gymnasium. Slg. D. Plate<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Zeitlich das n\u00e4chste Zeugnis f\u00fcr die Aufgeschlossenheit der Bunzlauer f\u00fcr die B\u00fchnenkunst ist die schon zweimal erw\u00e4hnte Sngspieluhr des Meisters Jakob in der Niederstadt. 1787 zeigte er ihre ersten Szenen. Sie hat uns in dieser Abhandlung zuerst an die alten Mysterienspiele erinnert, dann die Shakespeareb\u00fchne vor Augen gestellt. Man mu\u00df \u00fcber den Kunstgriff des einfachen Mannes staunen, die alten Kreuzwegstationen im dramatischen Spiel f\u00fcr die Gegenwart lebendig zu machen, indem er sie auf die B\u00fchne stellt, auf der seine Zeitgenossen herk\u00f6mmlich \u201eSpektakel\u201c sahen. Dadurch, da\u00df er dabei in tiefeindringlicher Weise ernste Besinnung erreicht \u2013 denn so hat sie damals gewirkt, diese Spieluhr, vor deren Bildern die Russen 1813 and\u00e4chtig niederknieten \u2013 hebt er das B\u00fchnenspiel aus er entarteten Volksbelustigung auf die H\u00f6he ergreifender, echter Kunst. Seltsam, wie der schlichte Handwerker damit unbewu\u00dft die Entwicklung kennzeichnet, um die sich die f\u00fchrenden Geister des Theaters und er Literatur \u2013 Gottsched, die Neuberin, Lessing, Goethe, Schiller \u2013 in diesen Jahrzehnten m\u00fchen. Noch in anderer Hinsicht eilt der praktische Mann seiner Zeit voraus. Wenn wir den Ablauf der Szenen genauer betrachten, die sich vor uns drehen, dann sehen wir, da\u00df sie auf den Kreisausschnitten eines gro\u00dfen Rades aufgebaut sind, die nacheinander in das Tor des B\u00fchnenvorbaues treten: das Prinzip der Drehb\u00fchne ist erfa\u00dft und mit den primitiven Mitteln jener Zeit, mit Hebeln, R\u00e4dern, Wellen, Rollen und Gewichten an Bindf\u00e4den verwirklicht. Ist das eigene Erfindung des biederen Tischlermeisters? Woher hat er die Anregung? Das wird nicht zu kl\u00e4ren sein,aber wir bedauern schmerzlich, da\u00df dieses Kunstwerk, das Glanzst\u00fcck unseres Heimatmuseums, sinnlos vernichtet worden ist. Wirklich ein unersetzlicher Verlust!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1085\" height=\"696\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-1802-Theater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1506\" style=\"width:449px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-1802-Theater.jpg 1085w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-4-1802-Theater-768x493.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1085px) 100vw, 1085px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">     <sup>Am Ende der Oberpromenade: das Stadttheater. Slg. D. Plate<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wenn wir wissen wollen, was die Bunzauer in diesen Jahren auf der B\u00fchne sahen, m\u00fcssen wir in der \u201eBunzlauer Monatsschrift zum Nutzen und Vergn\u00fcgen\u201c nachlesen, die seit 1774 in der Waisenhausdruckerei erschien. Da waren im Jahre 1796 zwei Vorstellungen einer Truppe in Bunzlau ausf\u00fchrlich geschildert. Am 2. 6. 1796 gab Schauspieldirektor Faller zu Ehren des Obristen von Pellet, des Kommandeurs der Garnison, eine Festvorstellung. Sie begann mit einem Prolog, den Madame Faller proklamierte. Dann wurde das \u201eInkognito\u201c gegeben. Am 14. 6. 1796 wurde der neue Ratsherr Liebner gefeiert, wieder durch einen Prolog und die Auff\u00fchrung des Schauspiels \u201eDas B\u00fcrgergl\u00fcck\u201c. Ein beeutungsvoller Wandel ist eingetreten. Das Theater steht in der \u00d6ffentlichkeit an geachteter Stelle, es ist gesellschaftsf\u00e4hig geworden. 1804 bespricht die Monatsschrift die T\u00e4tigkeit des Direktors Butenop. \u201eWie bieder und rechtschaffen diese Familie au\u00dfer dem Theater durch ihre stille, anst\u00e4ndige und gute Lebensart die Herzen gewinnt!\u201c Deutlicher kann die Hebung der sozialen Stellung des Schauspielerstandes nicht ausgesprochen werden. Zwar waren die Bunzlauer Spieler nicht se\u00dfhaft, wie es bei den Truppen in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten um diese Zeit bereits \u00fcblich war, aber sie blieben doch einige Zeit am Ort. 1806 verweilte die Fallersche Truppe zwei Monate hier und gab w\u00f6chentlich f\u00fcnf Vorstellungen. Vom Wandertheater fortgeschritten zur Theateraison, zur Spielzeit. Wir lesen die ersten Bunzlauer Theaterkritiken: 1804 \u201eHerr Butenop ist ein wirklicher K\u00fcnstler in seinem Fach, der auf gro\u00dfen Theatern gebildet, jedes St\u00fcck richtig studiert, in den Geist desselben eindringt, den Sinn und Ausdruck des Dichters erfa\u00dft und durch lebendige, treue Darstellung in Wort und Handlung diese versinnlicht und so das Bild des Lebens, das ausgedr\u00fcckt werden soll, rein vollkommen und richtig den Zuschauern vor die Augen stellt.\u201c Es ist nicht zuf\u00e4llig, da\u00df bei oben genannten St\u00fccken der Name des Dichters fehlt. In der vorangegangenen Zeit war alles Spiel Stegreifspiel, war die mimische Kunst unbeschr\u00e4nkt Herr der B\u00fchne, sie schuf aus dem Augenblick, und wenn dem Spiel ein Text zugrunde lag, dann wurde er frei nach Verm\u00f6gen und Laune gestaltet. Nun mu\u00dfte die Schauspielkunst lernen, Dienerin der Dichtkunst zu sein, und der es sie vor allem lehrte, war kein geringerer als Goethe. Das ist sein Verdienst als Leiter des Weimarer Hoftheaters von 1798 bis 1817. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1633\" height=\"1061\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-2704-Theater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1507\" style=\"width:427px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-2704-Theater.jpg 1633w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-2704-Theater-1300x845.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-2704-Theater-768x499.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-5-2704-Theater-1536x998.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1633px) 100vw, 1633px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Promenade und Stadttheater. Slg. D. Plate<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Sein Gehilfe dabei sei 1793, der 1817 mit ihm aus dem Amt schied, der Regisseur Anton Gnast, ein Schlesier, hatte seine B\u00fchnenlaufbahn bei der Truppe in Bunzlau begonnen. Aus diesem Zusammenhange verstehen wir die Worte in der Kritik von 1804: \u201eJedes St\u00fcck richtig studiert .. Sinn und Aussage des Dichters erfa\u00dft&#8230;!\u201c Wie genau l\u00e4uft die Entwicklung der Bunzlauer B\u00fchne neben der in Weimar her, nat\u00fcrlich mit weitem Abstand! Die Ausstattung der B\u00fchne k\u00f6nnen wir uns kaum d\u00fcrftig genug vorstellen, ob nun im Saal des Kronprinzen oder des Adlers oder im Rathause gespielt wurde. Wenn selbst Goethe und Schiller f\u00fcr den Kr\u00f6nungszug in der \u201eJungfrau von Orleans\u201c die Helme und R\u00fcstungen aus Pappe schneiden und mit Gold- und Silberpapier \u00fcberziehen lie\u00dfen, wie m\u00f6gen da erst die Ausstattungsst\u00fccke in Bunzlau ausgesehen haben! Noch im Fr\u00fchjahr 1857, als Regierungsbaumeister Schiller seine junge Frau zum ersten Male in eine Vorstellung f\u00fchrte, standen die Kerzen an der B\u00fchnenrampe in Tonklumpen, echt Bunzlau! Wir k\u00f6nnen aus auch kaum in eine Vorstellung jener Tage versetzen. Wenn die Studenten im Weimarer Theater die Wein- und Bierflachen von Mund zu Mund gehen lie\u00dfen, so da\u00df ihnen Goethe aus seiner Loge ein \u00e4rgerliches Wort zurief, da war es in Bunzlau erst recht \u00fcblich, sich nach Belieben zu unterhalten und sein Abendbrot zu verzehren, w\u00e4hrend am Schanktisch die Gl\u00e4ser klapperten. In der Pause wurde die schaulustige Menge durch Musik, kleine Singspiele und Ballette, auch durch Trapez- und \u00e4hnliche K\u00fcnste unterhalten. Schwer und z\u00e4h hielt die Masse des Volkes an diesem \u201eTheater\u201c fest, nur ganz allm\u00e4hlich stieg die B\u00fchnenkunst aus der Niederung der alten Wandertruppe auf. So kommen wir in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Wie um die Jahrhundertwende die leichten und seichten St\u00fccke von Kotzebue die B\u00fchne beherrschten, so bereitete jetzt mit weniger bedenklichen Mitteln Benedix der Menge harmlose, ehrbare Theaterfreude, in dem er\u00a0 die lieben Verwandten, die b\u00f6sen Dienstboten, die energischen Schwiegerm\u00fctter, den zerstreuten Professor verspottete. Um diese Zeit spielte in Bunzlau oft die Theatergesellschaft Schiemang, deren Leistungen durch guten Besuch anerkannt wurden. Da war dann der Saal im Kronprinzen zu klein, obwohl er 1825 umgebaut worden war. So entstand im M\u00e4rz 1857 der Plan ein Theatergeb\u00e4ude zu schaffen. \u201eDie Kosten sollen etwa 3200 Taler betragen, welches Kapital sich durch die von Herrn Schiemang angebotene Pacht reichlich verzinst. Aber es d\u00fcrfte dabei auch noch in Anschlag zu bringen sein der indirekte Nutzen f\u00fcr die Frequenz Bunzlaus, welcher als ein materieller Nutzen der Allgemeinheit zugute kommt. Das Theater hat aber auch den Beruf, als Mittelpunkt lokaler Geselligkeit zu dienen und zur sittlichen Bildung und Veredelung des Volkes beizutragen.\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1944\" height=\"1410\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-10074-Burmann-Theater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1508\" style=\"width:370px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-10074-Burmann-Theater.jpg 1944w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-10074-Burmann-Theater-1300x943.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-10074-Burmann-Theater-768x557.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-6-10074-Burmann-Theater-1536x1114.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1944px) 100vw, 1944px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Das Theater vor dem Umbau. Slg. D. Plate. Album Bgm. Burmann<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>1822 waren an der Nordseite der Stadt, zwischen den beiden Stadtmauern, zur Aufbewahrung der Ausr\u00fcstungsst\u00fccke f\u00fcr die Landwehr des Kreises ein Zeughaus erbaut worden. 1843 verkaufte es der Staat an die Stadt; seine R\u00e4ume wurden dann als Schullokale und zu \u00f6ffentlichen Versammlungen verwendet. Nun wurde eine B\u00fchne angebaut und das Dach erh\u00f6ht, um eine Galerie zu gewinnen. Das Weihnachtsfest 1857 bescherte den B\u00fcrgern den neuen Musentempel. Die Einweihungsfeier er\u00f6ffnete ein szenischer Prolog \u201eDie B\u00fchnenweihe\u201c von Direktor Schiemang, in dem der Baumeister sein Werk der Kunst zum heiteren Schaffen \u00fcbergab und der Schauspieldirektor diese der Gunst des Publikums empfahl. Dann wurde das vaterl\u00e4ndische Schauspiel \u201ePrinz Friedrich\u201c von Laube aufgef\u00fchrt. Ein st\u00fcrmischer Beifall dankte f\u00fcr Spiel und Ausstattung, die Kritik war mit rechten B\u00fcrgerstolz desLobes voll \u00fcber Haus und Einrichtung. In diesem Theater fanden j\u00e4hrlich zwei Spielzeiten statt, die wegen der K\u00e4lte um ungeheizten Geb\u00e4ude am Anfang und am Ende des Winterhalbjahres lagen, je von etwa f\u00fcnf Wochen Dauer. Schiemang war in der ersten Spielzeit nach seinem Vertrage zu einer Kaution von 100 M und einer Pacht von 120 Taler verpflichtet, bei mindestens 30 Vorstellungen in der Spielzeit. So wurde denn fat t\u00e4glich gespielt. Lustspiel und Posse herrschten. Erst auf Dr\u00e4ngen der Kritik entschlo\u00df sich der Direktor, am 19. 2. 1858 \u201eHamlet\u201c zu geben, es folgten noch Schillers \u201eR\u00e4uber\u201c und Freytags \u201eJournalisten\u201c. Bei einer solchen Vorstellung ging es damals zu wie bei einem Vereinsvergn\u00fcgen, wenn es durch ein Laienspiel unterhaltender gestaltet wird. Zwischen den Akten spielte die Kapelle hinter geschlossenem Vorhang. Der Kellner dr\u00e4ngte sich durch die Zuschauerreihen mit Erfrischungen. Manchmal knapperte auch dieser und jener Besucher am Programm, denn es war hin und wieder zur F\u00f6rderung der Theaterfreudigkeit auf Oblatten gedruckt. Da fast t\u00e4glich \u201eErstauff\u00fchrungen\u201c waren, bestand die Vorbereitung in einer \u201eVerst\u00e4ndigungsprobe\u201c. Dabei wurde oft das \u201eZusammenspiel\u201c ger\u00fchmt, sicher spielte dabei die wichtigste Rolle der Souffleur; deswegen hatte die B\u00fchne \u2013 auch ein Zeichen der neuen Zeit im Theater \u2013 einen \u201eKasten\u201c f\u00fcr ihn. Mit ungehemmter Nat\u00fcrlichkeit folgten die Zuschauer jener Tage den r\u00fchrseligen St\u00fccken. Man mu\u00df an die heutigen Kindervorstellungen denken, wenn man sich die unmittelbare Wirkung vorstellen will. Bei besonderen Gelegenheiten entstand lebensgef\u00e4hrliches Gedr\u00e4nge, z. B. als am 25. 1. 1858 anl\u00e4\u00dflich der Verm\u00e4hlung des Prinzen Friedrich Wilhelm, des nachmaligen Kaisers Friedrich III. mit der Prinzessin Viktoria von England das Lustspiel \u201eZopf und Schwert\u201c von Gutzkow aufgef\u00fchrt wurde. Au\u00dferhalb der Spielzeit gab es im Hause zugkr\u00e4ftige Sonderveranstaltungen, da tratenn Zauberk\u00fcnstler und Hungerleider, Schnellfinger und Akrobaten, Seil- und Ballett\u00e4nzer, Puppenspieler und Kunstturner auf, nicht zu vergessen fanden hier aber auch die h\u00f6chst wertvollen Konzerte der Hofkapelle des F\u00fcrsten von Hohenzollern auf Hohlstein oder des Bunzlauer Kantors Knauer statt, der am 28. 12. 1864 den Niederschlesischen S\u00e4ngerbund mit 20 Vereinen und 600 S\u00e4ngern gr\u00fcndete. H\u00f6hepunkte im Leben dieses Theaters waren die Feiern von Schillers hundertstem Geburtstag am 10. 11. 1859 und Holteis Vortragsabend am 27. 4. 1861, bei dem er zur Sammlung f\u00fcr ein Opitz-Denkmal aufrief.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2028\" height=\"1428\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-7-10075-Burmann-Theater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1509\" style=\"width:429px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-7-10075-Burmann-Theater.jpg 2028w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-7-10075-Burmann-Theater-1300x915.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-7-10075-Burmann-Theater-768x541.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-7-10075-Burmann-Theater-1536x1082.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2028px) 100vw, 2028px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Blick in den Saal. Slg. D. Plate, Album Bgm. Burmann<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Aber nach einem Vierteljahrhundert war die Zeit dieses Hauses vorbei. Am 9. 12. 1881 fanden beim Brande des Ringtheaters in Wien mehrere hundert Menschen einen furchtbaren Tod. Die darauf ergangenen beh\u00f6rdlichen Sicherheitsbestimmungen machten die Schlie\u00dfung des hiesigen Theaters notwendig. Das war ein schwerer R\u00fcckschlag. W\u00e4hrend der folgenden Spielzeiten mu\u00dfte wieder in S\u00e4len gespielt werden, und nun \u00e4rgerten die alten Nachteile umso mehr. Nach lebhaften und aufregenden Er\u00f6rterungen unter der B\u00fcrgerschaft und im Stadtparlament wurde am 11. 5. 85 der Umbau des alten Geb\u00e4udes beschlossen. Stadtbaumeister D\u00f6rich ri\u00df es bis auf die Umfassungsmauern ab und gestaltete das Innere neu, umschlo\u00df es mit anbauten f\u00fcr Wandelg\u00e4nge und Treppen, f\u00fcr Garderoben und Lagerr\u00e4ume, erweiterte die B\u00fchne nach hinten und gab ihr einen Schn\u00fcrboden. Rund 49000 M gab die Stadt daf\u00fcr aus. Am 30. 9. 86 stellte der k\u00f6nigliche Baurat Schiller fest, \u201eda\u00df das Theater in allen seinen Teilen den Anforderungen gen\u00fcgt, welche die landespolizeilichen Bestimmungen an ein solches Geb\u00e4ude stellen.\u201c\u00a0 Bei der Festvorstellung zur Einweihung am Sonntag, 3. 10. 1886, folgte einer Festouvert\u00fcre ein szenischer Prolog vom Schriftleiter des Bunzlauer Stadtblattes, Caesar Lax, \u201eDes Hauses Weihe\u201c und darauf das Schauspiel in f\u00fcnf Aufz\u00fcgen \u201eValentin\u201c von Gustav Freytag. \u2013 In diesem Geb\u00e4ude haben bis 1923\/24 viele Direktoren mit ihren Truppen gespielt. Der Vertrag, den die Stadt mit Direktor Hohl zun\u00e4chst f\u00fcr die n\u00e4chste Spielzeit 1886\/87 schlo\u00df, enthielt folgende Bestimmungen: er \u00fcbernimmt Geb\u00e4ude und Fundus mietefrei, auch ohne Lustbarkeitssteuer, er stellt eine Kaution von 1000 M und zahlt dan laufend zur H\u00e4lfte das verbrauchte Gas, die Bedienung der Zentralheizung und die Feuerwache. Dieser Vertrag ist den damaligen Stadtv\u00e4tern hoch anzurechnen, da kann wohl von Kulturwillen der Stadt gesprochen werden. Er sollte \u201eSchau- und Lustspiele, gro\u00dfe Ausstattungsoperetten und Liebhaberspiele\u201c geben, er stellte sich eine Truppe von 15 Damen und 18 Herren zusammen. Die Preise der Pl\u00e4tze lagen zwischen 0,30 und 1,50 M, bei der Operette mit 0,25 M Zuschlag. Die Hauptsaison\u00a0 vom 3. 10. bis 29. 11. 86 brachte 43 Vorstellungen, darunter eine Oper (Preziosa, Das Nachtlager von Granada) und 14 Operetten. An Schauspielen wurde gegeben: Shakespeare, Die bez\u00e4hmte Widerspenstige, Schiller, Maria Stuart, Kleist, K\u00e4thchen von Heilbronn, Freytag, Die Jourmalisten, Freytag, Graf Waldemar, Birsch-Pfeiffer, Mutter und Sohn. Unter den Lustspielen traten hervor L\u2019Arronge, Hasemanns Tochter, und Dr. Klaus Der Weg zum Herzen. Als die Spielzeit mit dem Lustspiel \u201eDie relegierten Studenten\u201c von Benedix schlo\u00df, brachen die Zuschauer in begeisterte Kundgebungen aus. Das finanzielle Ergebnis aber war unbefriedigent, obwohl das am\u00fcsierst\u00fcck das ernste Schauspiel zur\u00fcckgedr\u00e4ngt hatte. \u2013 Die Erfahrungen dieser Spielzeit waren bezeichnend f\u00fcr die folgenden Jahrzehnte. Die n\u00e4chsten 35 Jahre sind ohne klare Linie, es zeigt sich ein unbefriedigende Schwanken. Es handelte sich dabei nicht nur um die Auseinandersetzung zwischen Direktor , Dichter und lustiger Person, wie wir sie von Goethes Vorspiel auf dem Theater kennen, wenn sie auch in dieser Zeit oft genug f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit entscheidend war, auch nicht um die finanzielle Grundlage, wenn diese Frage auch der Anla\u00df zur schlie\u00dflichen Umgestaltung des Theaterwesens geworden ist, es geht um die Bedeutung der B\u00fchne f\u00fcr das Volksleben schlechthin. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1998\" height=\"1434\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-10076-Burmann-Theater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1510\" style=\"width:428px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-10076-Burmann-Theater.jpg 1998w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-10076-Burmann-Theater-1300x933.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-10076-Burmann-Theater-768x551.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-8-10076-Burmann-Theater-1536x1102.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1998px) 100vw, 1998px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>Die Schauspieler um 1925. Slg. D. Plate, Album Bgm. Burmann<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Zun\u00e4chst noch standen die drei bestimmenden Faktoren, Stadt, Direktor und Publikum einander gegen\u00fcber oder doch getrennt. Die Stadtv\u00e4ter waren stolz darauf, ihren B\u00fcrgern ein Theater zur Unterhaltung und Belehrung zu bieten, aber h\u00f6her stand ihnen die R\u00fccksicht auf die sparsame Haushaltsf\u00fchrung der Gemeinde, und da vor jeder Spielzeit ein neuer Vertrag geschlossen wurde, hatten sie viel Gelegenheit, finanziellen Schaden m\u00f6glichst von sich abzudr\u00e4ngen, der Direktor wollte schon aus fachlichem Ehrgeiz alle W\u00fcnsche erf\u00fcllen, aber vor allem wollte er verdienen, das Publikum war wohl theaterfreudig, aber nicht in der von der echten Kunst erw\u00fcnschten Art, sondern herk\u00f6mmlich oberfl\u00e4chlich und ausgelassen, zu gem\u00fctlich und derb zugleich. Es bedurfte jahrzehntelanger Erfahrung, bis ein befriedigendes Einvernehmen zwischen diesen Parteien erreicht war. Unverkennbar ist das Bestreben des Theaters, der wertvollen Kunst zu dienen, und die Kritik unterst\u00fctzt es. Aber der Besuch entsprach nicht den Erwartungen. Da wurde denn das Schauspiel mit leichter Kost gemischt. Zur Feier des 90. Geburtstages von Moltke im Oktober 1890 wurde ein von Felix Dahn gedichtetes Fesspiel aufgef\u00fchrt, das die patriotischen B\u00fcrger im Vorspiel nach \u201eWalhalla 1870\u201c und im Hauptteil in \u201eMoltkes Lager 1870\u201c f\u00fchrte. Hierauf schlo\u00df der Abend mit \u201eFlotte Weiber\u201c, Operettenposse in vier Akten von Leo Treptow und G\u00f6r\u00df. Solche f\u00fcr uns unm\u00f6gliche Zustammenstellungen entsprachen dem Geschmack der Zeit. Oder es wurden klassische Dramen als billige Volks- und Jugendvorstellungen gegeben. Die Auff\u00fchrungen lie\u00dfen Sorgfalt vermissen, und der Magistrat beanstandete sie. Die Menge sollte durch Abwechslung angelockt werden. Immer neue St\u00fccke lie\u00dfen aber wenig Zeit zu Proben. Schon bemerkt die Kritik: \u201eBei der atemlosen Spannung des Publikums war umso mehr die Stimme der Souffleuse zu vernehmen, welche ihre Liebesdienste viel zu laut verrichtete.\u201c Das Publikum blieb dem Schauspiel gegen\u00fcber k\u00fchl, es verlangte musikalische B\u00fchnenwerke. Als Direktor P\u00f6tter solche im Herbst 1889 brachte und dazu noch mehrfach neue und selbstgemalte Dekorationen beschaffte, mu\u00dfte die Zeitung zwar anerkennen: \u201eWir haben es hier nicht mit einem sog. Opern- und Operettenensemble zu tun, sondern mit wirklichen K\u00fcnstlern des gro\u00dfen Opernstils\u201c, aber z. B. \u201eDie wei\u00dfe Dame\u201c von Boildieu brachte ganze 74 M Einnahme in die Kasse. Dieselbe Erfahrung machte Direktor Greiner, der von 1906 bis 1916 das Theater leitete. Schon 1891 wollte Direktor Karl die Zwischenaktmusik einsparen, sofort r\u00fcgte es die Kritik als \u201eBeweis von geringer Kulanz gegen das Publikum\u201c, weil \u201edie Pausen unter einer \u00f6den Leere litten\u201c. Im Winter 1894 versuchte er es mit einem dringenden Aufruf zum Kauf von Abonnentenkarten, f\u00fcr das Dutzend der besten Pl\u00e4tze im Mittelbalkon zahlte man 15 M, f\u00fcr Sitzgalerie 3,50 M1 Und doch waren manche Vorstellungen nur von 40 oder 50 Personen besucht, manche fielen ganz aus. Also wurde seltener gespielt. Daf\u00fcr war die Vereinigung von benachbarten Theatern in einer Hand g\u00fcnstig, mit Glogau oder Bautzen oder Zittau oder G\u00f6rlitz. Man ging von der geschlossenen Spielzeit ab und gab immer nur einige Vorstellungen nach mehrw\u00f6chiger Pause. Ein beliebtes Mittel, um die B\u00fchne immer wieder zugkr\u00e4ftig zu machen, waren dabei Gastspiele. Durch sie hatten die Besucher kleiner B\u00fchnen die Freude, K\u00fcnstler von Rang und Namen kennen zu lernen. Daher verpflichtete Bunzlau wie andere St\u00e4dte die Direktoren vertraglich zu solchen Gastspielen, gew\u00f6hnlich zwei in der Spielzeit. Auch ganze Truppen spielten als Gast, so mehrmals die Tegernseer aus Egern, die bayrische Volkskunst durch Deutschland trugen. Etwas ganz besonderes war das Gastspiel des \u201eErsten Deutschen Hoftheaterensembles Meiniger Hofschauspieler\u201c, das unter der Leitung von Direktor M\u00f6\u00dfl am 29.4. 1902 den \u201eErbf\u00f6rster\u201c von Otto Ludwig und am 30. 4. das Lustspiel \u201eEwige Liebe\u201c von Hermann Faber spielte. Die Meininger bem\u00fchten sich um ein m\u00f6glichst naturgetreues B\u00fchnenbild, sie verwiesen endg\u00fcltig die Kulissenb\u00fchne von den Theatern. Es ist erfreulich, da\u00df ein Streiflicht von der Musterb\u00fchne des Herzogs Georg II. von Meinigen auf diese Weise auch nach Bunzlau gefallen ist.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1812\" height=\"1360\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-10077-Burmann-Theater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1511\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-10077-Burmann-Theater.jpg 1812w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-10077-Burmann-Theater-1300x976.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-10077-Burmann-Theater-768x576.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-9-10077-Burmann-Theater-1536x1153.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1812px) 100vw, 1812px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blick auf das Theater. Slg. D. Plate, Album Bgm. Burmann<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In diesen Jahren um die Jahrhundertwende hatte Direktor Hartmann aus G\u00f6rlitz das Bunzlauer Theater mit \u00fcbernommen. Als er nach Schlu\u00df der Spielzeit 1902 nach Leipzig ging, stellte ihm der Magistrat ein h\u00f6chst ehrenhaftes Zeugnis aus: \u201eEr hat sich als vorz\u00fcglicher B\u00fchnenleiter bew\u00e4hrt, der wie kaum ein anderer die Eigenschaften f\u00fcr dieses Fach besitzt, Umsicht, praktischen Blick, Erfahrung, t\u00fcchtige Kenntnisse, hohe k\u00fcnstlerische Begabung. Unter seiner Leitung hat das hiesige Theater eine H\u00f6he erreicht, welche mit der Leistung gr\u00f6\u00dferer B\u00fchnen wohl konkurrieren konnte, ja diese h\u00e4ufig genug \u00fcbertroffen haben wird.\u201c Solche Leistungen, vor allem im Gegensatz zum klingenden Erfolg, haben wohl bei den Stadtv\u00e4tern die Einsicht reifen lassen, da\u00df ein Theater kein wirtschaftliches Unternehmen ist, sondern da\u00df bei ihm finanzielle Fragen zur\u00fccktreten m\u00fcssen. Hartmann war daher nicht nur von allen Zahlungen befreit, sondern erhielt eine Barunterst\u00fctzung von 450 M und so nach ihm dann jeder Direktor, der seinen Vertrag in bezug auf Zahl und Art der Vorstellungen erf\u00fcllte. Ein Erla\u00df des Preu\u00df. Innenministeriums vom 5. 12. 1899 hatte ja auch allen Beh\u00f6rden nahegelegt, dem Theaterwesen die geb\u00fchrende Beachtung zu schenken. \u2013 In den Sommern 1912 und 1913 spielte die Theaterdirektion Moosbauer-Remmertz aus Schweidnitz auf einer Naturb\u00fchne, wie sie nach der Jahrhundertwende an vielen Orten entstanden. Im vorderen Teil der Zeche war die Spielfl\u00e4che hergerichtet, die im Gr\u00fcn der B\u00e4ume mit den T\u00fcrmen der Stadt im Hintergrunde den Auff\u00fchrungen einen recht stimmungsvollen Rahmen gab.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Krieges wuchsen alle Schwierigkeiten. Sparsamste Spielf\u00fchrung schuf Unzufriedenheit bei Publikum und Presse. Bei dem Mangel an Heizstoffen blieb das Theater kalt. Die Preise stiegen, Theaterbesuch wurde Luxus. Der Kartenhandel gegen Nahrungsmittel verbesserte die Lage nicht. 1918 bis 1920 war das Theaterspielen f\u00fcr alle Beteiligten alles andere als eine Freude. Als Direktor Remmertz 1920 das Theater \u00fcbernahm, waren die Verh\u00e4ltnisse reif zur grunds\u00e4tzlichen \u00c4nderung.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1728\" height=\"1156\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-10078-Burmann-Theater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1512\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-10078-Burmann-Theater.jpg 1728w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-10078-Burmann-Theater-1300x870.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-10078-Burmann-Theater-768x514.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-10078-Burmann-Theater-1536x1028.jpg 1536w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-10-10078-Burmann-Theater-360x240.jpg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 1728px) 100vw, 1728px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Mauern vor dem Umbau. Slg. D. Plate, Album Bgm. Burmann<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Remmertz war bem\u00fcht, wertvolle Vorstellungen zu bieten. Doch die Geldentwertung&nbsp; nahm langsam aber sicher jede M\u00f6glichkeit des Aufbaus. Er sah als ersten den einzigen Weg zur Rettung: am 22. 12. 1921 legte er dem Magistrat den Entwurf eines Aufrufes zur Gr\u00fcndung einer Theatergemeinde vor, aber er fand keine Zustimmung. Darauf ver\u00f6ffentlichte er den Aufruf selbst, aber ohne Erfolg. Noch zeigten sich hier das Bestreben der Stadt, das Theater als Gesch\u00e4ftsunternehmen eines Privatmannes zu behandeln und sich vom Risiko freizuhalten. Der B\u00fcrgerschaft aber fehlte noch das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Theater als eine Kulturfrage. In beiden Hinsichten schuf die allern\u00e4chste Zeit grundlegend Wandel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Notlage zwang die Stadt, ihren Zuschu\u00df zu erh\u00f6hen. Sie sorgte daf\u00fcr, da\u00df die Erh\u00f6hung der Eintrittspreise sofort den Schauspielern zugutekam, sie gab ihnen nach Schlu\u00df der Spielzeit noch eine Unterst\u00fctzung. So trat der Rat immer mehr an die Seite und an die Stelle des Direktor, freilich mit der scheuen Vorsicht, die Verantwortung f\u00fcr unbegrenzte Freibetr\u00e4ge zu \u00fcbenehmen. Da kam Hilfe aus dem Kulturwillen der B\u00fcrgerschaft. Seminaroberlehrer Dr. Alfred Schmidt hatte nach dem Kriege Freunde der Dichtkunst und der Musik unter dem Namen \u201eKulturpflege\u201c gesammelt, die sich in der Aula der Waisen- und Schulanstalt zu wertvollen Abenden zusammenfanden. Da wurde auch das Laienspiel mit bestem Erfolg gepflegt. Hier entstand das, was dem Theater fehlte, eine dankbare Kulturgemeinde.<\/p>\n\n\n\n<p>So waren durch die Entwicklung, die drei f\u00fcr das Theaterleben der Stadt wichtigen Faktoren aufgeschlossen worden. Der Ansto\u00df zu ihrem Zusammenschlu\u00df kam 1922 von au\u00dfen her, von der Volksb\u00fchnenvereinigung in Berlin. Durch die Anlehnung an den gro\u00dfen Verband gewann die Kulturpflege Sicherheit und F\u00f6rderung, das Theater erhielt durch eine Besuchergemeinde wirtschaftlichen R\u00fcckhalt, wodurch der Stadt die Sorge f\u00fcr das Theater erleichtert wurde: allen drei brachte der Zusammenschlu\u00df die Erf\u00fcllung ihrer W\u00fcnsche. Die am 7. 12. 22 gegr\u00fcndete \u201eFreie Volksb\u00fchne Bunzlau\u201c belegte nun im Theater geschlossene Vorstellungen. Das war eine bedeutende Hilfe, aber die immer rascher fortschreitende Geldentwertung machte sie wirkungslos. Da \u00f6ffnete sich ein Ausblick auf Staatshilfe. Das Finanzausgleichsgesetz vom Juli 1923 sicherte den L\u00e4ndern und St\u00e4dten einen Zuschu\u00df des Reiches zur Besoldung ihrer Beamten und Angestellten zu. So hoffte man&nbsp; Reichszusch\u00fcsse zur Besoldung der am Theater Besch\u00e4ftigten zu erhalten, wenn diese st\u00e4dtische Angestellte waren, das Theater also st\u00e4dtisch und kein Gesch\u00e4ftsunternehmen war. Also machte die Stadtverordnetenversammlung das Theater zu einem Stadttheater im eigentlichen Sinne, und Direktor Remmertz wurde Intendant. Aber die Reichszusch\u00fcsse wurden f\u00fcr das kleine Bunzlauer Theater verweigert, w\u00e4hrend die gr\u00f6\u00dferen in G\u00f6rlitz und Brieg sie erhielten. Damit drohte die Aufl\u00f6sung. Sie war nur dadurch abzuwenden, da\u00df man den Betrieb ganz auf Besucherorganisation aufbaute. Im August 1924 \u00fcbernahm die Volksb\u00fchne die Verantwortung, Direktor Remmertz wurde ihr Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Unter Verzicht auf eine eigene Truppe hoffte man mit Gastspielen der benachbarten Theater auszukommen. Aber nach der Umstellung auf Goldmark war das Geld so knapp, da\u00df dieser Plan mi\u00dfgl\u00fcckte. Da half der Verband der Volksb\u00fchnen vereine. In seinem bem\u00fchen, auch kleine St\u00e4dte mit guten B\u00fchnenspielen zu versorgen, belebte er den alten Gedanken des Wandertheaters. Sein \u201eOstdeutsches Landestheater\u201c, das in Pommern, Schlesien und Sachsen spielte, gest\u00fctzt auf Besuchergemeinden, gab im Winter 1924\/25 auch in Bunzlau gute Vorstellungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da immer mehr St\u00e4dte bespielt werden wollten, entschlo\u00df sich der Verband, f\u00fcr Schlesien ein eigenes Wandertheater aufzustellen. Es gelang dem Magistrat und der Volksb\u00fchne Bunzlau durch Vertrag vom 28. 4. 1925, Bunzlau zum Sitz des \u201eSchlesischen Landestheaters\u201c zu machen. Damit war die Zeit des Gesch\u00e4ftstheaters endg\u00fcltig vorbei, Bunzlau hatte eine gemeinn\u00fctzige B\u00fchne, der Weg war frei zum Kulturtheater. Vier Jahre, von 1925 bis 1929 leitete es Direktor Heinemann.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2022\" height=\"1422\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-11-10092-Burmann-Theater.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1513\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-11-10092-Burmann-Theater.jpg 2022w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-11-10092-Burmann-Theater-1300x914.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-11-10092-Burmann-Theater-768x540.jpg 768w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bild-11-10092-Burmann-Theater-1536x1080.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2022px) 100vw, 2022px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hinter dem Vorhang. Slg. D. Plate, Album Bgm. Burmann<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In der ersten Spielzeit vom 16. 9. 25 bis 30. 5. 26 brachte es 24 St\u00fccke heraus, die es in 197 Vorstellungen zeigte, davon 86 in Bunzlau. Es wurde au\u00dferdem in Neusalz, L\u00f6wenberg, Fraustadt, Sprottau, Reichenbach, Nimptsch, Gro\u00df Wartenberg, Schmiedeberg, Striegau, Freiburg, Neumarkt, Neurode, Waldenburg, Obernigk, Trebnitz, Guhrau, G\u00f6rlitz, Hirschberg, Haynau, Sagan, Beuthen an der Oder, Krossen an der Oder, Freystadt gespielt. \u00dcberall mit gutem Erfolg. Der Spielplan brachte Shakespeare (Was ihr wollt), Schiller (Kabale und Liebe), Moliere (Tartuffe), Anzensgruber (G\u2019wissenswurm), an modernen Werken Ibsen, Thoma, Romain Rolland, Max Halbe, Klabund, Ortner, Strindberg, Wilde, Schnitzler, dazu Lustspiele und Schw\u00e4nke wie Sch\u00f6nthan (Raub der Sabinerinnen), Laufs (Pension Sch\u00f6ller).<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Beginn der Spielzeit 1929\/30 wurde Dr. Pempelfort k\u00fcnstlerischer Leiter. In seinem Bem\u00fchen, die Leistungen seines Wandertheaters auf die B\u00fchnen gr\u00f6\u00dferer St\u00e4dte zu heben und m\u00f6glichst immer das neueste zu bieten (Dreigroschenoper 1929) brachte er es zu staunenswerten Auff\u00fchrungen, dabei verlor er die F\u00fchlung mit dem Kleinstadtpublikum, so da\u00df Protest aus der B\u00fcrgeschaft gegen Spileplan und Spielf\u00fchrung kam. Dadurch wurden manche St\u00fccke nur in freien Vorstellungen, nicht als geschlossene Vorstellung f\u00fcr die Besuchergemeinde gegeben. Dadurch lie\u00df der Besuch langsam nach. Dazu wirkte es sich h\u00f6chst nachteilig aus, da\u00df damals das gesamte \u00f6ffentliche Leben unter der politische Verwirrung jener Zeit stand. Die Bunzlauer Theatergemeinde war ohne jede politische Bindung entstanden, nur zur F\u00f6rderung der kulturellen Bestrebungen. So waren meist B\u00fcrgerliche beigetreten, und deshalb blieben Arbeiter fern. Rechtsstehende B\u00fcrger aber lehnten die \u201eFreie Volksb\u00fchne\u201c ab, so da\u00df im Odeonsaal die Wanderb\u00fchne des \u201eB\u00fchnenvolksbundes\u201c Gastvorstellungen gab, der anderw\u00e4rts diese Kreise gesammelt hatte. Noch sch\u00e4rfer wurden die Gegens\u00e4tze, als die \u201eDeutsche B\u00fchne\u201c im Odeon spielte, die Wanderb\u00fchne des Kampfbundes f\u00fcr deutsche Kultur, den Alfred Rosenberg 1929 gegr\u00fcndet hatte. Als sich 1932 eine Ortsgruppe dieser nationalsozialistischen Gemeinschaft gr\u00fcndete, verlor die Volksb\u00fchne an Mitgliedern. Sie verging mit der Zeit, er sie gedient hatte. Ihr Verdienst ist, da\u00df sie den Gedanken einer solchen Besuchergemeinde als unbedingt notwendige Voraussetzung f\u00fcr ein Theater in unserer kleinen Stadt eingeb\u00fcrgert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie auf allen Gebieten trat der Nationalsozialismus auch im Theaterwesen mit dem Anspruch auf, Erf\u00fcller aller Hoffnungen zu sein. Mit einem Achlage sollte die deutsche Nationalb\u00fchne verwirklicht werden, an die Lessing geglaubt, von der Schiller begeistert geschrieben hatte, die der Freiherr vom Stein schon 1808 nach seinem Entwurf f\u00fcr eine Verfassung in das Bildungswesen des Volkes einbauen wollte. Der neue Staat sicterte sich ein strenges Aufsichtsrecht \u00fcber das gesamte Theaterwesen. S\u00e4mtliche Intendanten wurden vom Minister des Inneren G\u00f6ring ernannt. Die \u201eDeutsche B\u00fchne\u201c wurde die einzige Besucherorganisation, alle anderen wurden ihr eingegliedert. In Bunzlau f\u00fchrte ihrer Ortsgruppe am 28. 7. 1933 eine Werbeversammlung im Stadttheater 900 Mitglieder zu; am 22. 9. 1933 leitete ein Fackelzug die Werbung f\u00fcr eine Jugendgruppe ein. Bunzlau wurde Sitz eines der drei Wandertheater der \u201eDeutschen B\u00fchne\u201c in Schlesien. Nach dem Vertrag der Landesleitung der Deutschen B\u00fchne und der Stadt \u00fcbergab diese das Geb\u00e4ude und verpflichtete sich zu einem j\u00e4hrlichen Zuschu\u00df von 5500 RM. Intendant Waechter er\u00f6ffnete die Spielzeit mit \u201eWilhelm Tell\u201c. Im Sommer des n\u00e4chsten Jahres vereinigte Alfred Rosenberg die Deutsche B\u00fchne mit dem Kampfbund f\u00fcr deutsche Kultur zur \u201eNationalsozialistischen Kulturgemeinde\u201c, die au\u00dfer der B\u00fchnenkunst noch Musik, Film, Bildende Kunst, Vortragswesen, Schrifttum betreuen sollte. In der folgenden Spielzeit 1934\/35 gab Intendant Waechter 117 Vorstellungen, davon 42 in Bunzlau, die anderen in Hirschberg, Lauban, Schreiberhau, L\u00f6wenberg, Landeshut, Haynau, Schmiedeberg, Neumarkt, Steinau, Kotzenau, Militsch, Wei\u00dfwasser, Liebau; gespielt wurde u. a. Schiller (Maria Stuart), Kleist (Der zerbrochene Krug), Goethe (Laune des Verliebten), Laube (Die Karlssch\u00fcler), Presber (Das Fr\u00fchst\u00fcck von Rudolstadt), Halbe (Der Strom), F\u00f6rster-Burggraf (Alle gegen einen, einer f\u00fcr alle), dazu die Lustspiele Impekoven (Liebe in Not), \u00d6sau (Zehn Kinder), Hinrichs (Wenn der Hahn kr\u00e4ht), M\u00fcller und Lorenz (Christa, ich erwarte dich), Sturm und F\u00e4rber (Extemporale). Das Vertrauen der B\u00fcrgerschaft sprach sich darin aus, da\u00df die Mitgliederzahl der Besuchergemeinde \u00fcber 1000 stieg. Es war eine Zeit der Zuversicht und Hoffnung. Aber das Reichstheatergesetz vom 15. 5. 1934 hatte alle Theater dem Reichsminister f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda Goebbels unterstellt. Die Kunst wurde Dienerin des staatlichen Willens. Der diktatorisch regierte Staat begann das gesamte Volksleben politisch zu fesseln. Die bisher nur auf freiem Willen beruhende Vereinigung der Besucher wurde der Zust\u00e4ndigkeit Rosenbergs entzogen und dem Reichsorganisationsleiter Ley unterstellt, der sie der Vergn\u00fcgungsorganisation \u201eKraft durch Freude\u201c in der Deutschen Arbeitsfront eingliederte. Da verschwand mit der Ortsgruppe der NS-Kulturgemeinschaft auch die Jugendb\u00fchne, weil der einzigen staatlichen Jugendvereinigung, der Hitler-Jugend. Auch die Erziehung der Jugend in k\u00fcnstlerischer Hinsicht \u00fcbertragen wurde. Also wurde f\u00fcr Jungen und M\u00e4dchen Theaterbesuch als \u201eDienst\u201c angesetzt, und Kdf verkaufte die Eintrittskarten durch die Amtsverwalter in den Betrieben, auf diese Weise wurden auch Besucher aus dem Kreise herangeholt, in einer Zahl, wie es vorher nie erreicht worden war. Die alten, treuen Besucher l\u00f6sten ihre Karten nun im freien Verkauf an der Kasse. Das Theater&nbsp; war immer voll. Als nach Beendigung des Polenfeldzuges Intendant Waechter mit seiner Truppe im Winter 1939 in Ostoberschlesien eingesetzt wurde, sah ihn die Stadt mit gro\u00dfem Bedauern scheiden. Bunzlau wurde zun\u00e4chst von den B\u00fchnen in G\u00f6rlitz und Liegnitz mit Gastspielen bedient. Aber die R\u00fccksicht auf den m\u00fchsam in den letzten Jahren um Bunzlau aufgebauten Spielkreis zwang dazu, diesem wieder eine neue Truppe zu geben. Dr. Doerry \u00fcberwand mit Energie die unter den Kriegsverh\u00e4ltnissen nicht geringen Schwierigkeiten beim Aufbau des technischen und vor allem des k\u00fcnstlerischen Personals. Er er\u00f6ffnete die Spielzeit 1941\/42 am 24. 9. 1941 mit \u201eKabale und Liebe\u201c und erntete reichen Beifall der Zuschauer und hohe Anerkennung der geladenen G\u00e4ste aus Stadt und Provinz. Die Tradition war damit gesichert. Hervorzuheben w\u00e4re in diesem Winter noch eine gute Auff\u00fchrung von Kleists \u201eZerbrochenem Krug\u201c. In den folgenden Spielzeiten 42\/43 und 43744 war eine Truppe trotz aller Bem\u00fchungen nicht in der gew\u00fcnschten Zusammensetzung aufzustellen. Es fehlten vor allem jugendliche m\u00e4nnliche Kr\u00e4fte. Das war entscheidend f\u00fcr den Spielplan. So konnte Dr. Doerry erst wieder im Winter 1943 einen Klassiker herausbringen, und die M\u00fche lohnte sich. Grillparzers \u201eMedea\u201c wurde 33mal gespielt, 16mal in Bunzlau, 13mal in Brieg, 3mal in Sagan. Diese Zahlen beweisen die treue Gefolgschaft der Besucher beim ernsten Bem\u00fchen der Theaterleitung, auch unter schwersten Umst\u00e4nden ein hohes Niveau zu halten. Freilich herrschte im \u00fcbrigen in diesen Monaten steigender Kriegspsychose \u2013 in gleicher Weise bedingt durch die begrenzte leistungsf\u00e4higkeit der Spielschar, durch das Verlangen des breiten Publikums wie durch den Willen der nationalsozialistischen Propagandaleitung \u2013 die heitere Muse. F\u00fcr die Staatsf\u00fchrung war das Theater nun ein Mittel, um das Volk von der drohenden Gefahr abzulenken und willig zu erhalten. Die B\u00fchne \u2013 gehorsam wie alle anderen Organisationen des staatlichen Lebens \u2013 tat ihre Pflicht unter Einsatz der letzten Kr\u00e4fte. Mit dem Ende der Spielzeit 43\/44 fiel der Vorhang endg\u00fcltig, denn die Vorbereitung der Spielzeit 44\/45 mu\u00dfte wegen der allgemeinen Schlie\u00dfung der deutschen Theater abgebrochen werden. Die weiblichen Mitglieder der Truppe wurden sofort dienstverpflichtet und zwar f\u00fcr eine k\u00f6rperlich viel zu schwere Arbeit in einem eisenverarbeitenden Betrieb, die Herren wurden beim Unternehmen \u201eBartold\u201c in der&nbsp; Gegend von Namslau zu Schanzarbeiten eingesetzt. Die B\u00fchnenkunst ging mit dem gesamten Volksleben in der Verwirrung der Aufl\u00f6sung unter. Ehe nach der letzten \u201eMedea\u201c-Auff\u00fchrung ein Jahr vergangen war, waren Darsteller und wohl die meisten Zuschauer in der gleichen Lage wie Jason und Medea: Vertriebene, die mit ihren Kindern in der Fremde um Schutz und Obdach bitten mu\u00dften. Das war das traurige Ende einer mehrhundertj\u00e4hrigen reichen Tradition.<\/p>\n\n\n\n<p>Die aus der Heimat vertriebenen Bunzlauer begingen die 100-Jahrfeier ihres Stadttheaters bei ihrem Treffen Pfingsten 1958 in ihrer Patenstadt Siegburg mit Wehmut und Stolz: die Geschichte des Bunzlauer Stadttheaters ist ein kleines Beispiel f\u00fcr die deutsche Kulturleistung in Schlesien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Bunzlauer Kreis am Bober und Queis\u201c. 2. v\u00f6llig neu bearbeitete Auflage 1964. Herausgegeben von der Bundesheimatgruppe Bunzlau in Siegburg. Die Bunzlauer waren stolz auf ihr Theater. 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