{"id":1218,"date":"2024-05-04T14:32:19","date_gmt":"2024-05-04T12:32:19","guid":{"rendered":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/?p=1218"},"modified":"2024-05-04T14:59:30","modified_gmt":"2024-05-04T12:59:30","slug":"ludwig-hersel-geb-in-ullersdorf-kreis-bunzlau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/05\/04\/ludwig-hersel-geb-in-ullersdorf-kreis-bunzlau\/","title":{"rendered":"Ludwig Hersel, geb. in Ullersdorf (Kreis Bunzlau)"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nachruf auf einen verdienten Heimatforscher<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1504\" height=\"1325\" src=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/P1030077.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1219\" srcset=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/P1030077.jpg 1504w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/P1030077-1300x1145.jpg 1300w, https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/P1030077-768x677.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1504px) 100vw, 1504px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wieder einmal haben die Bunzlauer aus Stadt und Kreis einen unersetzlichen Verlust erlitten. Am 19. Februar 2023 starb in W\u00fcrzburg der Ullersdorfer Chronist Ludwig Hersel, seit 1975 wohnhaft in Erlabrunn, Julius-Echter-Stra\u00dfe 2.<\/p>\n\n\n\n<p>Ludwig Hersel wurde am 21. April 1935 in <a href=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/05\/04\/kurzinformation-ueber-ullersdorf-kreis-bunzlau\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/2024\/05\/04\/kurzinformation-ueber-ullersdorf-kreis-bunzlau\/\">Ullersdorf <\/a>am Queis geboren. Der Sohn des Baumeisters und Ullersdorfer Chronisten Johannes Hersel und dessen Frau Elfriede, geborene Eisele, wurde als \u00e4ltestes von sieben Kindern geboren. Von 1941 bis 1945 besuchte er die Volksschule in Naumburg am Queis. Am 27. Januar 1945 fl\u00fcchtete die Familie Hersel aus ihrer Heimat und fand nach mehreren weiteren Stationen ein neues Zuhause zun\u00e4chst im s\u00e4chsischen Elstra. Eine abenteuerliche Flucht f\u00fchrte sie im Jahre 1949 in den Westen Deutschlands. Im hessischen Neu-Isenburg wurden sie sesshaft, Ludwig Hersel machte 1955 auf dem dortigen Goethe-Realgymnasium sein Abitur.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Jurastudium, begonnen in Frankfurt am Main, schlo\u00df er im Dezember 1959 mit dem 1. Staatsexamen ab. Das 2. folgte im April 1965. Sein beruflicher Werdegang startete 1950 mit einem Referendariat am Oberlandesgericht Bamberg. Nach verschiedenen T\u00e4tigkeiten u. a. als Anwaltsassessor trat er am 21. 1. 1972 seinen Dienst bei der Bezirksfinanzdirektion W\u00fcrzburg an. Bereits 1976 war er dort als Oberregierungsrat t\u00e4tig, seit 1. 11. 1993 war er Leitender Regierungsdirektor, und als solcher ging er am 26. 1. 1999 in den Ruhestand. Im Dezember 1965 heiratete er, er wurde Vater von zwei T\u00f6chtern und zwei S\u00f6hnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwo las ich mal einen Satz, der in etwa so klingt: Nur wer die Vergangenheit kennt, wird Gegenwart und Zukunft richtig verstehen. Aber wie soll man einen Blick in die Vergangenheit werfen, wenn alte Archive vernichtet oder nur schwer bzw. gar nicht zug\u00e4nglich sind; wenn die fr\u00fcher \u00fcbliche m\u00fcndliche \u00dcberlieferung im Dorfe nicht mehr funktioniert, weil die Menschen in alle Himmelsrichtungen verstreut sind? Nur die vielen Dorf- und Stadtchroniken \u2013 geschrieben vor und nach dem Kriege \u2013 sind geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas ganz Besonderes hat dabei Ullersdorf am Queis zu bieten. Kaum ein Ort dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung ist so genau, so vielf\u00e4ltig und umfangreich dokumentiert. Daf\u00fcr steht eine eher seltene Familientradition. Hermann Hersel, seines Zeichens Maurer- und Zimmermeister, verfasste 1927 die Chronik \u201eDie Entwicklung des Heimatortes Ullersdorf am Queis, <a href=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/category\/ausdemkreisbunzlau\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/bunzlau.siegburg.de\/index.php\/category\/ausdemkreisbunzlau\/\">Kreis Bunzlau\u201c<\/a>. Sein Sohn Johannes Hersel baute auf diesem Werk auf und ver\u00f6ffentlichte 1978 \u201eUllersdorf am Queis &#8211; Beitr\u00e4ge zu einer Dorfchronik, Band l\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Enkel, Ludwig Hersel schloss diese Trilogie mit seinen Beitr\u00e4gen zur Dorfchronik ab. Viele Jahre hat er unter schwierigsten Umst\u00e4nden, auch unter gro\u00dfen pers\u00f6nlichen Opfern, alles zusammengetragen, was an Informationen, an Dokumenten \u00fcber seine Heimat aufzufinden war. Im Jahre 2004 ver\u00f6ffentlichte er dann das Ergebnis dieser aufopferungsvollen T\u00e4tigkeit: eine Brosch\u00fcre mit einem Umfang von 224 Seiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei hat er die Schriften von Vater und Gro\u00dfvater nicht einfach fortgesetzt, sondern sie um viele Details erweitert und vertieft. Er beschreibt nicht nur das, was sich Bemerkenswertes im Orte ereignet hat, sondern er setzt auch den Ullersdorfern vergangener Tage ein Denkmal, liebevoll beobachtet und teilweise auch h\u00f6chst am\u00fcsant geschildert.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel Lebenszeit hat Ludwig Hersel damit verbracht, mit pers\u00f6nlichen Befragungen das Wissen der alten Ullersdorfer zu erfragen und zu dokumentieren. Viel Zeit hat er damit verbracht, teilweise verloren geglaubte Unterlagen aufzufinden und wieder zug\u00e4nglich zu machen. Ein maschinenschriftliches Manuskript seines Gro\u00dfvaters mit dem Titel \u201eDie Geschichte des Klosterdorfes Ullersdorf am Queis, Kreis Bunzlau, Oberlausitzer Anteil\u201c seines Gro\u00dfvaters war erhalten geblieben und nach dem Kriege in der Universit\u00e4tsbibliothek Breslau gelandet. Sorgf\u00e4ltig inhaltlich und redaktionell \u00fcberarbeitet, wurde es zur wichtigen Grundlage von Ludwigs Hersels Arbeit. So hat er nicht nur ein wertvolles St\u00fcck Heimatgeschichte selbst beschrieben, sondern auch seinem Gro\u00dfvater Hermann Hersel und dem Vater Johannes Hersel ein Denkmal gesetzt. Wir k\u00f6nnen nur hoffen, dass dieses Erbe der Hersels&nbsp; weiter bewahrt und beh\u00fctet wird. Ich bin da guter Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Wirken im Sinne der schlesischen Heimat beschr\u00e4nkte sich nicht auf Ullersdorf allein. Eine unvollst\u00e4ndige Liste seiner weiteren Aktivit\u00e4ten teilte uns sein Sohn Christian mit. Demnach geh\u00f6ren dazu&nbsp; Aufzeichnungen \u00fcber Flucht und Vertreibung fast aller Einwohner Ullersdorfs; Forschungen zum Verbleib der Ullersdorfer Glocken; die Stammbaumforschung der eigenen Geschichte der Familien Hersel (v\u00e4terlicherseits) sowie der Familien Eisele (m\u00fctterlicherseits). Mehrere Besuche in seiner schlesischen Heimat und Kontakte mit jetzt dort lebenden Polen waren f\u00fcr ihn wichtig. Er legte eine umfangreiche Fachbuchsammlung \u00fcber Schlesien an, die in Teilen der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften e.V.&nbsp;und der Stiftung Kulturwerk Schlesien zur Erweiterung deren landeskundlicher Fachbibliothek in Herzogenaurach vermacht wurde. Die Unterlagen zur Familienforschung wurden an seinen Bruder Otmar Hersel \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen wie Ludwig Hersel sind nicht zu ersetzen, das Lebenswerk aber bleibt. Die Bundesheimatgruppe Bunzlau Stadt und Kreis in Siegburg spricht der Familie Hersel ihr tiefes Mitgef\u00fchl aus, Ludwig Hersel wird nicht vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dietmar Plate<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachruf auf einen verdienten Heimatforscher Wieder einmal haben die Bunzlauer aus Stadt und Kreis einen unersetzlichen Verlust erlitten. Am 19. Februar 2023 starb in W\u00fcrzburg der Ullersdorfer Chronist Ludwig Hersel, seit 1975 wohnhaft in Erlabrunn, Julius-Echter-Stra\u00dfe 2. Ludwig Hersel wurde am 21. April 1935 in Ullersdorf am Queis geboren. 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