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Pfarrer Paul Sauer | Drucken |  E-Mail

 

 

  

 

Gedenk-Andacht in Siegburg für den schlesischer Märtyrer-Priester Paul Sauer

 

 

Auf Einladung der katholischen Pfarrgemeinde St. Servatius im rheinischen Siegburg und der Bundesheimatgruppe Bunzlau versammelten sich am 24. Juni 2016 evangelische und katholische Christen zu einem berührenden Gottesdienst. Man gedachte gemeinsam des katholischen Priesters Paul Sauer am seinem 70.Todestag. Er war in Bunzlau am Johannistag 1946 nach schweren Misshandlungen durch den polnischen Geheimdienst verstorben.

 

 

 

Zu Beginn der Andacht stimmte Kaplan Joaquim Wendland die Gemeinde mit einem kurzen Lebensabriss auf das geistliche Gedenken ein: Paul Sauer wurde am 26. September 1892 im oberschlesischen Bielitz geboren und 1921 in Breslau zum Priester geweiht; nach der Kaplanszeit in Görlitz und anderen schlesischen Orten und seiner ersten Pfarrstelle in Spremberg /OL kam er 1938 an die katholische Stadtpfarrkirche St. Maria und Nikolaus in Bunzlau. Während des 2. Weltkrieges brachten ihn „staatsabträgliche Bemerkungen“ zeitweilig in Untersuchungshaft. Auch sonst verhielt er sich nicht systemkonform, da er Fremdarbeitern, die in Bunzlauer Rüstungsbetrieben eingesetzten waren, auf deren Wunsch das Mitfeiern der Sonntagsmesse ermöglichte. Sauers ganz große Bewährung begann mit dem Einmarsch der Roten Armee. Er bewahrte die herrliche Barockkirche vor mutwilliger Zerstörung, machte das Pfarrhaus zur Zufluchtsstätte der Bedrohten und Verfolgten, und als einziger in Bunzlauer verbliebener Geistlicher beerdigte er die zahlreichen Toten jener Tage und lud alle (katholische und evangelische Christen, die Scharen von Ausländern, die auf ihre Repatriierung warteten und die neu eintreffenden Polen) zum Gottesdienst ein.

 

 

 

Ende April 1946 wurde er verhaftet,  nachdem er unerlaubt einen Postverkehr zwischen den aus der Heimat geflohenen oder vertriebenen und den dort verbliebenen Deutschen organisiert hatte. Man beschuldigte ihn grundlos, Rädelsführer einer deutschen Untergrundbewegung zu sein. Im Gefängnis ermutigte und tröstete er die Mitgefangenen, solange es ihm seine Kräfte erlaubten. Es lag nahe, dass Kaplan Wendland am Gedenktag Johannes des Täufers, der sein Glaubenszeugnis gleichfalls mit dem Leben bezahlen musste, in der Predigt eine Brücke zu Paul Sauer herstellte. Auch die Fürbitten aus den Reihen der Gottesdienstteilnehmer, darunter von Stephan Rauhut, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien, nahmen auf Sauers Schicksal Bezug. Rauhut drastisch und klar: „Pfarrer Sauer lebte in einer Zeit, in der der große Scherbenhaufen einer verfehlten Politik aufzukehren war. Lasst uns darum beten, dass sich unsere heutigen Politiker und Macher der öffentlichen Meinung ihrer großen Verantwortung für den Frieden in Europa und in der Welt bewusst sind!“ Die Lieder brachten mehr das Vertrauen in Gottes Führung und die Dankbarkeit zum Ausdruck, dass Gott uns in der Dunkelheit des Lebens immer wieder Hirten und Propheten schenkt.

 

 

 

Nach dem Segen führte eine Prozession zum Paul-Sauer-Gedenkstein neben der Kirche. Dort legten Peter Börner (Bundesheimatgruppe Bunzlau) und Frau Ilona Bindhammer (BdV) ein Blumengebinde nieder. Anwesend auch Peter Eifler von der OMV Rhein-Sieg, Altlandrat Frithjof Kühn und Jochen Wiesner (Vorsitzender BdV Rhein-Sieg). Der Vorsitzende der Schlesier in Siegburg Horst Tschage wies ergänzend auf bemerkenswerte ökumenische Akzente im Leben und Sterben Paul Sauers hin: Er hatte für die Evangelischen Bunzlaus während ihrer Hirtenlosigkeit eigene evangelische Gottesdienste gestaltet. Und bei der Beerdigung nahm der wieder anwesende evangelische Amtsbruder Schläge in Kauf, weil er die Glocke läuten ließ. - Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn erinnerte daran, dass dank der Initiative der Bundesheimatgruppe seit 2014 auch im polnischen Bunzlau/Bolesławiec ein würdiges Pfarrer-Sauer-Mahnmal steht. Somit haben Bewohner beider Partnerstädte das tief im christlichen Glauben verwurzelnde caritative Tun Paul Sauers vor Augen. Es kann - gerade in der aktuellen Flüchtlingskrise – allen Beispiel und Ansporn sein.     P.B.

 

 

 

      Bilder von Johannes Golawski