Startseite arrow Bunzlaureise Februar 2014
Bunzlaureise Februar 2014 | Drucken |  E-Mail

 

Bericht über eine Reise des Vorsitzenden der Bundesheimatgruppe im Februar 2014 nach Bunzlau 

 

„Herzlich willkommen in Bunzlau!“ So begrüßte schon von weitem Herr Zdzisław Mirecki, Vizevorsitzender des Vereins der Freunde Bunzlaus, zwei Siegburger vom Vorstand der Bundesheimatgruppe, die nach langer Bahnfahrt pünktlich um 20.15 Uhr auf Bahnsteig 1 des Bunzlauer Bahnhofs eintrafen.

Anlass ihrer Reise war die Erkundung neuer Möglichkeiten für die Aufstellung einer Gedenktafel für Pfarrer Paul Sauer und andere Deutsche, die 1946 Opfer einer Kampagne des polnischen Geheimdienstes geworden waren und längst eine angemessene dauerhafte Ehrung am Ort ihrer Leiden verdient hätten. Nachdem der heutige Pfarrer des Gotteshauses oberhalb des Marktplatzes, einst die Pfarrkirche Paul Sauers, jahrelang seine Zustimmung zu einer Gedenktafel in oder an „seiner“ Kirche erfolgreich verweigert hatte, war jetzt als Ort des Gedenkens das frühere berüchtigte UB-Gefängnis in der Luther-Straße zur Sprache gekommen. Herr Mirecki hatte dort vorgefühlt,  es waren E-Mails zwischen Bunzlau und Siegburg hin- und hergegangen, und nun - am 20. Februar 2014 - standen Peter Börner und Norbert Roth um 10 Uhr auf dem Grundstück Lutherstr. 5, heute ul. Grunwaldska.

Um es vorweg zu sagen: Der Besuch dort war bei aller verständlichen Befangenheit angenehm und vor allem erfolgreich. Schon atmosphärisch. Dieses Haus ist heute eine inspirierende Stätte der Kinder-und Jugend-Pädagogik, ein Ort musischer, künstlerischer und technischer Erziehung. Als Jugendkulturhaus des Kreises Bunzlau ist es nützlich für die Gegenwart und wertvoll für die Zukunft. Der tüchtiger Leiter des Hauses, Musikpädagoge Marek Łęntowski, führte die deutschen Gäste, assistiert von einer Dolmetscherin, nicht ohne Stolz durch seine von kindlich-kreativem  Leben erfüllten Räume vom Hochparterre bis zum Dachboden. Aber auch in den Keller, wo Peter Börner und Norbert Roth scheu und betroffen die einstigen Gefangenenverliese hinter Stahltüren mit schweren Riegeln und Gucklöchern betraten. Eine Kontroverse darüber, ob diese Räume bereits in deutscher Zeit von der Gestapo als Gefängnis genutzt worden seien, konnte nicht abgeschlossen werden. Wir widersprachen energisch, denn wir vermissten Beweise, während die polnische Seite sich auf Aussagen von ehemaligen Zwangsarbeitern und auf die Herkunftsschilder der Türen mit der Aufschrift „Liegnitz“ berief. Erst eine Sichtung der NS-Archive wird darüber wohl sichere Auskunft geben können.

Einigkeit herrschte dagegen über die Berechtigung der Aufstellung eines Mahnmals, über seine Gestaltung, den Wortlaut des Textes in deutscher und in polnischer Sprache und über den möglichen Standort. Es empfiehlt sich aus praktischen und denkmalschützerischen Gründen die Errichtung einer Erinnerungssäule im Garten, vis-á-vis dem Mahnmal, das bereits seit 2010 an die unheilvolle Tätigkeit der polnischen Geheimpolizei UB auf diesem Grundstück erinnert. Eine Vertreterin der Kreisverwaltung bestätigte die Zustimmung von Landrat Pzrybylski, jetzt Marschall der Wojewodschaft Niederschlesien. Auch der zuständige Bischof von Liegnitz Stefan Cichy hatte keine Einwände erhoben. So übergaben die Vertreter der Heimatgruppe erste Text- und Bildvorgaben, die polnischen Künstlern in Bunzlau als Anregung für Entwürfe dienen sollen. Die Herstellungskosten übernimmt die Heimatgruppe.

Als Termin der Einweihung ist jetzt Freitag, der 26. September 2014, der Geburtstag Pfarrer Sauers, vorgesehen. Wir werden also für diese Herbst-Woche und nicht im Juni oder Anfang Oktober, wie ursprünglich gedacht, eine Busreise nach Bunzlau anbieten. Schon jetzt laden wir alle Heimatfreunde und alle Freunde Bunzlaus, aber auch alle Befürworter einer soliden deutsch-polnischen Verständigung zur Teilnahme ein.

Ein solche Verständigung im Kleinen praktizierten und erlebten die beiden Siegburger bei ihrem Bunzlau-Aufenthalt vom 19. - 21. Februar nicht nur im Haus Lutherstraße 5, sondern auch bei einem leckeren polnischen Abendessen als Gäste der Familie Mirecki, bei einem höchst informativen Stadtrundgang mit Herrn Tadeusz Łasica, der sich schon lange und voller Wissensdurst mit Bunzlaus Geschichte befasst, bei einem geselligen Beisammensein mit der befreundeten Deutschlehrerin Czesława Zielonka und bei intensiven und dennoch vertrauensvollen Gesprächen mit Mitarbeitern von Frau Bober-Tubaj, die wie wir an neue gemeinsame Projekte denkt.

Natürlich legten wir auch Blumen auf die Gräber von Pfarrer Paul Sauer und Schwester Emilie Ott. - Ja, es war ein spannender Bunzlau-Aufenthalt und wohl auch ein sehr ergiebiger, meint Ihr / euer Peter Börner

 

(Fotos von  Norbert Roth und Peter Börner)

 

 

· Peter Börner und Norbert Roth freuen sich über den Willkommenstrunk bei Zdzislaw Mirecki, Vizepräses der FREUNDE BUNZLAUS.

 

      

 · "Ich nix verstehn." Deutsche (!) Bunzlau-Besucher wie Norbert Roth  müssen gut Englisch oder Polnisch können, um die Infotafel auf dem  "Marketplace" zu lesen.

 

    

· Stadtbummel in Bunzlau. Die "Concordia" hat schon bessere Zeiten gesehen…

 

    

· Wer unter den Lesern weiß etwas über die kleine Kapelle neben der ehem. evangelischen Kirche? - Wir nicht.

 

    

 · Am Ziel: Portal Lutherstraße 5. Heute Eingang zum MDK ("Jugendkulturhaus des Kreises Bunzlau").

 

      

· Ermutigend und zukunftsbezogen ist jetzt die Atmosphäre in der einstigen Schreckensvilla  Lutherstraße 5

 

    

· Aber das Kellerverließ bleibt unvergessen.

 

    

· Nachdenken über einen geeigneten Standort  für den Gedenkstein für Pfarrer Paul Sauer und andere Opfer der Geheimpolizei UB.

Rechts im Bild Marek Letowski, Direktor des MDK.

 

  

· Auch wir legten auf dem Kommunalfriedhof Blumen auf die Gräber von Schwester Emilie Ott und Pfarrer Sauer.

 

    

· Vorfrühling in Bunzlau!!!