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60 Jahre Bunzlauer Heimatzeitung

Unsere Heimatzeitung begeht 2012 ihr 60jähriges Jubiläum.

Ein Blick in die erste Nummer lohnt sich!

 

Im März 1952, zwei Jahre nach dem mutigen, aber leider nicht erfolgreichen Versuch von Georg Buchler, erschien als sog. Gratis-Werbenummer die erste „richtige“ Ausgabe der Bunzlauer Heimatzeitung. In seinem Eröffnungsartikel schrieb Hauptschriftleiter Karl Wiechmann denkwürdige Worte.  Sie verdienen es, anlässlich des 60jährigen Bestehens ausführlich zitiert zu werden. Denn aus ihnen wird deutlich, wie realistisch die Gründer unserer Heimatzeitung die Situation der Menschen in Bezug auf ihre verlorene Heimat sahen, und worin für Sie die Existenzberechtigung einer Heimatzeitung für die Stadt- und die Kreis-Bunzlauer bestand. Unsere Ausdrucksweise hat sich geändert, aber die Argumente gelten weitgehend noch heute. Darum sei Karl Wiechmanns Aufsatz, den wir leicht gekürzt hier noch einmal wiedergeben, allen Freunden Bunzlaus zu nachdenklicher Lektüre empfohlen.

Nun haben wir endlich wieder eine Zeitung, wir Bunzlauer aus Stadt und Land, aus der Stadt des guten Tones und aus den Dörfern ringsum an Bober und Queis und dem kleinen Bober, aus den Forst- und Waldhäusern […] in der Klitschdorfer und Wehrauer Heide. Die Stadt war der Mittelpunkt des Kreises. […] Von Tiefenfurt und Heiligensee an der Görlitzer Kreisgrenze, von Großhartmannsdorf unweit der Gröditzburg, die zum Kreise Goldberg-Haynau gehört, von Seifersdorf an der Laubaner Kreisgrenze und von den Heidedörfern um Rückenwaldau kamen an den Markttagen die Bauern mit ihren Wagen oder mit den Zügen und Omnibussen nach Bunzlau. Und wir Bunzlauer fuhren sonntags hinaus auf die Dörfer zu unseren Verwandten und verlebten einen Tag in echt schlesischer Gemütlichkeit.

Das ist seit sieben Jahren nun alles vorbei. Es ist hier nicht der Platz, um sich in trüben Ressentiments zu ergehen. Diese sieben Jahre haben andere Menschen aus uns gemacht, und trotzdem sind wir Schlesier geblieben und tragen in unserem Herzen die brennende Liebe zu unserer Heimat, die wir nie vergessen und nimmer aufgeben, solange wir leben.

Solange wir leben! Das dürfen wir nicht vergessen. Schon wächst eine Generation heran, die nicht mehr auf schlesischer Heimaterde geboren wurde. Auf der Flucht geborene Kinder sind letzte Ostern eingeschult worden. Sie kennen nur die Umwelt, in der sie leben, und lernen das Stück Erde als Heimat lieben, in dem sie bei den Eltern und Jugendfreunden aufwachsen. Sie durchstreifen die Wiesen und Wälder der neuen Heimat […] Die Jugenderlebnisse werden zu Bildern, die sich fest ins Gedächtnis einprägen und im Herzen Wurzel fassen.

Wir Älteren tragen die Erlebnisse und Bilder der schlesischen Heimat mit uns, die wir nicht freiwillig verließen wie Auswanderer. Nein, wir sind von der Heimatscholle vertrieben worden, und jene Staatengruppen, die nie wieder Annexionen dulden wollten, haben in Jalta und Potsdam ein solches Unrecht sanktioniert. Die Welt hat aus dem Versailler Friedensdiktat […] nichts gelernt.

All das werden wir der Jugend klar machen, wir werden von Schlesien erzählen, werden ihr die Schönheiten der Heimat schildern, und die Jungen und Mädchen werden unsere Liebe zu dem Land zwischen Oder und Neiße spüren, aber die Erlebnisse und Bilder werden ihnen fehlen. […] Sie schritten nie durch eigene Scheunen und Ställe, sie streichelten nie das eigene Pferd, die Kuh, den Hofhund, die Hauskatze. Das alles fehlt – sieben lange Jahre.

Und drüben wächst eine […] Jugend heran, die eine andere Sprache spricht und unsere Städte und Dörfer, Straßen und Häuser, Wiesen und Felder mit anderen Lauten benennt. Und diese Jugenderlebnisse fesseln auch diese Kinder der Eindringlinge an das Stück Welt, in der sie aufwachsen, sie lernen es als ihre Heimat empfinden, wie die Erde von Bayern, Baden, Rheinland, Hannover und Holstein von unserer […] Jugend Besitz nimmt.

Wir können vor diesen Tatsachen die Augen nicht verschließen, wollen aber nicht vergessen, dass wir noch genug junge Menschen haben, die in der schlesischen Heimat aufgewachsen sind und sie kennen und lieben. Ihnen wird unsere Zeitung ein Born (eine Quelle) des Wissens um die Heimat werden. Und wir alle werden uns durch das Heimatblatt gegenseitig aussprechen können und uns nach langer Trennung fester zusammenschließen. […]  Es fehlte bisher der Mittelpunkt, das schlagende Herz im Organismus. Diese Aufgabe will nun die Bunzlauer Heimatzeitung übernehmen. Sie wird uns einander näher bringen und das Wissen um die Heimat erhalten.

Die Archive in Breslau und in anderen Städten, die Urkunden und Chroniken der Städte und Dörfer sind uns bis auf kleine Rest verloren gegangen. Es wird uns nicht leicht gemacht, hier neu aufzubauen. Was wir aber zu einem bescheidenen Teil daran mithelfen können, das soll geschehen. Und dazu fordern wir alle auf, die die Kraft, das Wissen und die Verantwortung in sich spüren.

Zu jedem Mosaikbild gehören tausende Steinchen. Noch ist es Zeit. Es leben noch viele Bunzlauer aus Stadt und Kreis unter uns, die nicht nur die Heimat kennen, sondern auch in der Lage sind, etwas darüber zu schreiben. Sie sollen das nicht von Woche zu Woche verschieben, bis es eines Tages zu spät ist. Mit der Heimatzeitung soll eine neue Dokumentensammlung von Bunzlau und seinen Kreisgemeinden erstehen, und sie müsste eigentlich einen Ehrenplatz unter den Büchern erhalten, den wenigen, die ein Heimatvertriebener sein eigen nennt.

Die Bunzlauer Heimat soll noch einmal in uns wach werden. Wir wollen sie festhalten und innig in unser Herz einschließen. […]

Was Karl Wiechmann noch nicht im Blick haben konnte, waren ermutigende neue Entwicklungen. Auch sie hat unsere Heimatzeitung dokumentiert: die bewährte Patenschaft der Siegburger über Bunzlau – sie geht bald (2013) ebenfalls ins 60. Jahr! - und besonders die nach der Wende sich vollziehende Entkrampfung, ja teilweise Versöhnung und Freundschaft zwischen alten und neuen Bewohnern der Heimat. Diesen Abschnitt der Bunzlau-Geschichte zu beschreiben und zu fördern, wurde eine zusätzliche Aufgabe, früher schon, heute und vor allem in Zukunft.

Der Vorstand der Bundesheimatgruppe Bunzlau dankt dem Goldammer-Verlag, dem neuen Verleger Alfred Theisen, den zahlreichen fleißigen Beiträgern wie Gerhard Haupt, den treuen Lesern und den Abonnenten (!) und nicht zuletzt den finanziellen Unterstützern.

Möge die erste Ausgabe der Bunzlauer Heimatzeitung auch nach 60 Jahren noch viele gute, lesenswerte, erfreuliche Nachfolger finden!  

 

(Peter Börner, Vorsitzender der Bundesheimatgruppe)